Einträge mit dem Tag ‘Sexismus’


Oh nein, im SPIEGEL steht was über Feminismus!

7. Juni 2013 von Magda
Dieser Text ist Teil 4 von 4 der Serie Feminist Fun Friday

In unserer Serie Feminist Fun Friday (a.k.a. Feminist Revenge Friday) analysieren wir aktuelle Themen bilder­reich. Kann Spuren von Ironie enthalten. 

Der SPIEGEL schreibt in der aktuellen Print­ausgabe über feministischen Aktivismus.

Ey, kein Scherz! Aber bloß nicht zum Kiosk laufen und der Malestream­presse Geld schenken. Ich habe mir nämlich extra die Mühe gemacht, die besten Sahne­stückchen dieses Artikels zu kommentieren. Let’s roll! Es beginnt wie Popcorn-Kino: Neben Wiebke Hollersen schrieb auch Jan Fleischhauer am Artikel mit. Ja genau. Das ist der, der als “Experte” zu Sexismus und Rassismus in alle Talkshows Deutschlands ein­geladen wird und dann – suprise, surprise – nur hetero_sexistischen und rassistischen Quatsch labert. Und der schreibt jetzt wieder was zu Feminismus…?

(weiterlesen …)


Facebook | |


FEMEN, Topmodels und ein Barbie-Video – die Blogschau

2. Juni 2013 von Nadia
Dieser Text ist Teil 205 von 207 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Ninia hat sich mit den Themen Zivilcourage und Anzeige nach einer Belästigung beschäftigt und sich außerdem mit nervigen Experten auseinandergesetzt.

Momo hat zwei Lektüreempfehlungen zum CSD und ProKöln.

Großer Aufruhr letzte Woche beim GNTM-Finale: Wer insgesamt mehr kritische Beiträge zu FEMEN lesen möchte, ist beim Watchblog femen-germany.blogsport richtig.

Noch mehr zu FEMEN: “Warum ich mich nie mit FEMEN solidarisieren werde“.

Das beste Video der letzten Woche:

Ebenfalls zu Heidi Klum und GNTM: Die denkwerkstatt kritisch über Imre Grimms populären Text, der letzte Woche durch die Networks gereicht wurde.

Andreas Kemper hat einen Text über Sexismus und Frauenfeindlichkeit bei Wikipedia geschrieben.

Wie der Mainstream sich an Judith Butler bedient um Rassismus zu rechtfertigen: Bühnenwatch hat`s dokumentiert.

Femgeeks schrieben über Anita Sarkeesians zweite Folge von “Tropes vs Women”.

Zum Jahrestag von Solingen und der taktlosen Anne-Will-Sendung haben Azadê und Kübra lesenswerte Beiträge veröffentlicht.

Wenn in den Massenmedien gewohnt tendenziös geschrieben wird – zum Beispiel über Sexarbeit: Menschenhandel heute hat sich nochmal mit der großen Diskussion letzte Woche beschäftigt.

Auf heiter scheitern gibt es das Neun-Schritte-Ally-Programm.

Mütter und Väter in Unternehmen: Eine unterhaltsame Polemik.

Und für Kurzentschlossene in Linz: Heute um 17.oo Uhr findet ein Stadtrundgang (“Auf den Spuren der Sexarbeit in Linz”) statt.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


Facebook | |


Pronomen ohne Geschlecht

28. Mai 2013 von Gastautor_in

Anna Heger wurde 1978 in Berlin geboren. Xier denkt seit 2009 über alternative deutsche Grammatik nach. Auf xiesem Blog veröffentlicht xier auch emanzipatorische und/oder biographische Comicgeschichten. Manchmal gibt xier Workshops zu Themen aus ihren Szenen: queer-bi-poly-feministisch-trans*. Tagsüber programmiert xier für Geld. Anna Heger lebt seit bald zehn Jahren in München.

Ihr Artikel zu Pronomen ohne Geschlecht, der vor kurzem in Queerulant_in erschienen ist, dürfen wir hier mit freundlicher Genehmigung noch einmal veröffentlichen.

Pronomen brauchen nicht zwangsläufig ein Geschlecht. Ich finde es unsinnig bei jeder Erwähnung eines anderen Menschen das Geschlecht anzugeben. Sächliche Pronomen möchte ich für Menschen nicht verwenden. Ich wollte 2009 also selber die Pronomen ohne Geschlecht festlegen, weil ich damals in der deutschen Sprache keine solchen kannte.

Pronomen ohne Geschlecht kenne ich im Englischen schon viele Jahre: ze, gesprochen wie in dem Wort New Zealand, wird anstatt she|he und hir, gesprochen wie in dem Wort here, wird anstatt von her|his verwendet.

Ze hirself calls hir friend. [deutsche Übersetzung: Sie|er ruft ihren|ihre|seine|seinen Freundin|Freund selber an.]

In Schweden gibt es zusätzlich zu „han“ (er) und „hon“ (sie) das genderneutrale Pronomen „hen“ [1]. Das neue Wort wurde schon 2009 in die in die schwedische Nationalenzyklopädie aufgenommen. Letztes Jahr gab es Diskussionen über das Geschlecht der Pronomen nachdem „hen“ in einem Kinderbuch verwendet wurde [2].

Im Deutschen fehlten mir genau solche Pronomen. Also habe ich zusammen mit anderen [3] welche entwickelt. Um den Überblick zu erleichtern, werden im folgenden die Worte ohne Geschlecht fett und die geschlechterspezifischen Worte durchgestrichen dargestellt.

xier – ein Personalpronomen, statt sie|er
dier – ein Artikel und ein Relativpronomen, statt die|der
xies – ein Possessivpronomen, statt ihr|sein

Das x am Wortanfang wird wie für ein x typisch entsprechend der phonetische Lautschrift [ks] [4] ausgesprochen. Die Pronomen xier und dier reimen sich auf das Wort Tier. Xies reimt sich auf das Wort lies. Die phonetische Lautschrift der drei neuen Wörter ist [ksi:ɐ̯], [di:ɐ̯] und [ksi:z].

(weiterlesen …)


Facebook | |


Schlank für den Badestrand? Ne, lieber gewisse feministische Utopien – die Blogschau

25. Mai 2013 von Sabine
Dieser Text ist Teil 204 von 207 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Das BMZ hat unter Dirk Niebel eine Plakat- und Internetkampagne “The Big Five” über Afrika gestartet: Nashorn, Löwe, Elefant, Büffel, Leopard. Africavenir reagierte auf das kolonialrassistische Bild mit einer PM und einem feinen Gegenentwurf.

Katrin vergleicht auf Reizende Rundungen die Bademode in Deutschland gegenüber dem Ausland. Der eklatante Unterschied sticht  ins Auge.

Erst sexy gemacht, und dann einen (halben) Rückzieher. Helga schreibt auf femgeeks über die Figur Merida und den Sexismus bei(m) Disney(Film).

Mein Hals krächzt „ich möchte eine anzeige machen“ „Worum geht‘s denn? Nur so‘n Stichwort.“ Nur ein Stichwort… Stichworte sind Randnotizen. Verstummt. [im Text: V*rg*w*lt*g*ng ausgeschrieben]

Warum „Die Preziöse“ ein neuer Stern am Zeitschriftenhimmel werden kann, steht in der Blattkritik von Different Needs.

Ein Hetenmann erklärt Feminist_innen was der Sex ist und was der Feminismus da machen muss. Bei berechtigten feministischen Kritiken kontert dieStandard auf Twitter mit der Unlust „einer gewissen theoretischen strömung“ U get it?

Ryuu stellt sich einen Tag ohne Heterosexismus vor. Eine Utopie. Schön.

Paula ist neun Jahre alt und will mehr Realitäten lesen, deshalb schreibt sie einen “offen Brief an deutsche Verleger”.

Jetzt bitte kurz anschnallen: Auf femgeeks folgt der größte Linkspam aller Zeiten.

Und während ich diese Blogschau machte und den Linkspam (s.o.) durchlas, hab ich mir Zeit gelassen, weil Tea-riffic zwei Grrrl Power Soundtracks angefertigt hat. Well Done.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


Facebook | |


Bedingungsloses Grundeinkommen, heimlicher Abbau einer Gedenkstätte für Sinti und Roma – kurz verlinkt

22. Mai 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 191 von 194 der Serie Kurz notiert

Aus Protest gegen die Homo-Ehe hat sich ein Nazi in Frankreich öffentlich erschossen.

Die Empörung nimmt ab, der Rassismus nicht. Auf jetzt.de erzählen fünf Studierende von ihren alltäglichen Rassismuserfahrungen.

Auf Colorlines kritisiert Schauspielerin Lucy Liu die Rollenvergabe nach rassifizierten Kriterien. (englisch)

David Jay porträtiert auf The Scar Project Brustkrebs-Überlebende. (englisch)

In Wiesbaden lässt eine Schule eine Gedenkstätte für Sinti und Roma still und heimlich abbauen. Nach Protesten wird behauptet, sie habe nie existiert, schreibt die taz.

Unterstützer_innenInfo hat ein neues Heft herausgebracht. In “Kompass” geht es um Mythen und Realität im Bezug auf sexualisierte Gewalt.

DieStandard.at hat ein Interview mit Ina Praetorius zur Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen geführt.

Sharon Dodua Otoo schreibt im Nachgang zum taz-Panel über Aktivismus und Ally sein. (englisch)

Die Süddeutsche hat Geschlechterforscherin Melanie Groß zu Geschlechterrollen, dem Barbie Dream House in Berlin und der Farbe Pink interviewt.

Red No. 3 nimmt sich der typischen Aussage an, die (auch) Feminist_innen oft als “Kritik” zu hören bekommen: “Du möchtest nur mit Menschen reden, mit denen du einer Meinung bist“. (englisch)

Nachdem eine Jobcenter-Mitarbeiterin einen Mann trotz schwerwiegender Herzerkrankung zur Arbeit gezwungen hatte und dieser daraufhin einen Herzstillstand erlitt, droht ihr nun eine Strafanzeige.

Neonazi-Experte Bernd Wagner bestätigt bei einem Gespräch anlässlich des NSU-Prozesses in der Heinrich-Böll-Stiftung: Rassismus ist in deutschen Behörden strukturell verankert.

Seit in München der NSU-Prozess läuft, sind mehrere Einrichtungen Zielscheibe von Einschüchterungsversuchen vermutlich aus der rechten Szene geworden. Besonders heftig traf es eine Rechtsanwaltskanzlei, die vor Gericht die Angehörige eines Mordopfers vertritt, so sueddeutsche.de.

Die EU-Grundrechteagentur veröffentlichte am vergangenen Freitag, dem Internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie Ergebnisse ihrer Online-Befragung, an der 93.000 Menschen teilnahmen: Gewalt, Isolation und Angst gehören zum Alltag vieler LGBT.

Raise Our Story teilt Erfahrungen von Menschen, die im Kindes- und Jugendlichenalter als sogenannte “undokumentierte Einwander_innen” in die USA einreisten.

In Irland soll die rigide Gesetzgebung zu Abtreibungen reformiert werden. Frei entscheiden dürfen Schwangere weiterhin nicht, schreibt die Jungle World.

Nadine hat mit der taz über das Buch “queer_feminismus. label & lebensrealität” gesprochen, das sie zusammen mit Leah Bretz geschrieben hat.

Termine in Aachen, Berlin, Braunschweig, Düsseldorf, Hamburg, Kiel und Wien findet ihr nach dem Klick:  (weiterlesen …)


Facebook | |


Feministische Netzpolitik und das Problem interkultureller Trainings – die Blogschau

4. Mai 2013 von Nadine
Dieser Text ist Teil 201 von 207 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Femgeeks haben die kürzlich veröffentlichte Studie von Kathrin Ganz zu feministischer Netzpolitik rezensiert.

Das Mädchenblog bereitet die feministische Kritik an Femen der letzten Wochen und Monate noch einmal auf und kommt zum Schluss: Femen, ruhe in Frieden!

Ninia LaGrande rechnet mit Sexisten ab und verpackt das Ganze mit utopischen Gedanken.

eleonora roldán mendívil nimmt auf ihrem Blog cosas que no se rompen einen Aufruf zu einem Training, das sich an “deutsche” und “ausländische” Stud_entinnen richtet, auseinander: “im diesem aufruf ist so viel /weiße/ /deutsche/ normvorstellung und kulturalisierende zuschreibungen, dass mir eigentlich nichts mehr einfällt…”

Antje Schrupp hat das Programm des Evangelischen Kirchentages in Hamburg unter die Lupe genommen und fragt: “Nichts gegen Geschlechtergerechtigkeit, aber wo bleibt der Feminismus?

Das Voice Refugee Forum Germany vermeldet, dass erneut eine geflüchtete Person aufgrund mangelnder Gesundheitsversorgung ums Leben gekommen ist.

Jay vom Virtual Retreat Center geht der Frage nach, wie feministische Aktivist_innen den permanenten Druck auf Diskriminierungen reagieren zu müssen_wollen, in produktive Fragen und Handlungen überführen können.


Facebook | |


Was hat die Sexismus-Debatte gebracht?

17. April 2013 von Sabine

Das wollte Sandra Maischberger gestern Abend von ihren Gästen nicht wissen. Reingelegt. Die Dramaturgie lag in der Auswahl. Allerdings gab es trotzdem einen Höhepunkt. Nämlich die Analysen und Interventionen von Anna-Katharina Meßmer.

Zu den Menschen bei Maischberger: Da war der Schauspieler Heiner Lauterbach, der außer seinem ehemals Macho-Dasein nicht viel zur Debatte beizutragen hatte. Breitbeinig, Arme ausgeweitet, saß er da auf seinem Sessel und sonnte sich im Status des geläuterten Paulus. Man bekam das Gefühl, dass er die inhaltliche Leere mit körperlicher Präsenz füllen wollte.

Dann war da noch Spiegel-Journalist Jan Fleischhauer, der, seitdem er einen Kollegen um eine statistische Auswertung des Hashtags #Aufschrei auf Twitter gebeten hat, in Talkshows gerne erzählt, es handle sich bei der Sexismus-Debatte nicht um einen Sturm, sondern um ein Stürmchen. Oft überfällt eine das Gefühl, dass dieser weiße, privilegierte Mann sich selbst zu den Talkshows einlädt, aber auch dass er seine Nische gefunden hat. Experte für Sexismus- und Rassismus-Debatten.

Gegenüber sitzt Birgit Kelle, die konservative Journalistin, die sich unentwegt um die Geschichten der Männer sorgt. Etwa wenn sich eine Sekretärin einfach auf den Schoß ihres Chefs setzt: Wo soll er, der Chef, mit seinen Händen hin? Joa mei. Und was die Frauen betrifft, macht einfach die Bluse zu. Ihr Hauptproblem sind Flirts. Sie befürchtet, dass durch diese Debatte die Männer nicht mehr mit Frauen flirten. Die Logik dahinter, sexy und Sexismus sind ein und dieselbe Medaille.

Da passte die Femen-Aktivistin Klara Martens mit ihrer Natürlichkeit super in die Runde. Femen reißen die Blusen nämlich auf und zeigen ihre Brüste. Gegen das Patriarchat, Prostitution und den Islam ähm, die Religion. Also eine zweite Emma-Auflage nur in nackt.

“Die Mutter des deutschen Feminismus” (Zitat: Sandra Maischberger), Alice Schwarzer, findet Femen toll und streichelt Martens bestärkend über den Arm als sie spricht. Und sowieso, schien Schwarzer eigentlich am besten gelaunt. Ihre Rolle als die Vorzeige-Feministin ist in den Mainstream-Medien kaum mehr wegzudenken, so dass Sandra Maischberger fragt, braucht es neben Alice Schwarzer noch eine weitere radikale Feministin? Die Frage geht an Martens, leider nicht mehr an Meßmer, sie sitzt wieder im Publikum.

Das ist schade, denn sie war mit Abstand diejenige, die eine Differenzierung lieferte und eine kritische Bilanz aus der Sexismus-Debatte zog. Ihr fehlte das Gegenüber. Nein, wir drehen uns nicht im Kreis, was die Debatte beträfe, aber es zeige sich eine Ambivalenz in der Rezeption. In den klassischen Medien würde oftmals mit Sterotypen zum Geschlechterkampf aufgerufen: Frauen gegen Männer. Als Beispiel nennt sie etwa das Fernsehen und die Talkshow selbst. Wo Männer(tm) und Frauen(tm) sogar im Publikum getrennt voneinander säßen. Darum gehe es aber nicht, sondern vielmehr um die Diskriminierungserfahrungen von Betroffenen und eine Sensibilisierung für das Thema, weil es nach wie vor relevant ist. In den Zeitungen und vor allem im Netz, in den Blogs zeige sich ein anderes Bild, wo über parteipolitische Grenzen, Generationen hinweg diskutiert, analysiert und Geschichten sichtbar wurden. Ähnliche wie etwa die sexistischen Erfahrungen, die auch Birgit Schrowange beim Berufseinstieg vor etwa dreißig Jahren als Fernsehansagerin beim ZDF gemacht habe. Da wurde es spannend.

Zu diesem Zeitpunkt meldet sich Jan Fleischhauer wieder zu Wort. Und als er das Weiterleben der schwarz-gelben Koalition als ein Ergebnis dieser Sexismus-Debatte nennt, waren wir wieder dort angelangt, was Meßmer kurz zuvor als Derailing bezeichnete, das Ablenken vom Thema. Sie fragt ihn direkt: „Merken Sie was sie gerade machen? Sie lenken vom Thema ab“.

Die Debatte geht weiter, weg vom Generalverdacht, aber sie verlief sich bei Maischberger in Banalitäten und Fragen des Flirts. „Es geht um Macht, es geht um Macht“, ruft Schrowange noch. Richtig. Aber schon wenige Sekunden später musste auch die Frage gestellt werden, what about the men? Sexismus ist immer eine Machtfrage und zeigt Hierarchien auf. Gerade dann wird es auch mit dem Wehren oder den schlagfertigen Sprüchen schwierig. Es sind einzelne Geschichten, aber alle weisen auf ein kollektives Problem/Phänomen hin, wie Meßmer sagt. Sie haben wenig mit Flirts zu tun.

Was bleibt nach dieser Parodie? Es ist ein schaler Nachgeschmack und die Platzanweisung: hier wird nicht über Sexismus geredet, analysiert, Lösungen angesprochen. Es wird romantisiert, bagatellisiert und ohne Kenntnis baldowert. Lauterbachs Haltung zu den armen Männern, die keine sexuellen Kontakte bekämen und deshalb Bordelle aufsuchen müssten, den Terror, den Frauen in Beziehungen ausüben (Fleischhauer), die vermeintlichen Dating-Regeln in den USA sind nur Beispiele dieser ziellosen anekdotischen Evidenzen.

Die öffentlich-rechtlichen Anstalten versagen wieder in ihrem Auftrag und verweigern eine Debatte über den Heterosexismus in dieser Gesellschaft. Sie sind in diesen Momenten die Glotze, die peinlich berührt.


Facebook | |


Doing Gender, Doing Sexism, Doing rebel grrrl convention – Die Blogschau

6. April 2013 von Sabine
Dieser Text ist Teil 197 von 207 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Die Berliner Bar 111 hat wieder Neues in der Kategorie Sexismus anzubieten. Helga wünschte, es sei ein Aprilscherz. Diesmal sind sie auf der Suche nach Personal. Dreimal dürft ihr raten, wie da die Vorstellungen sind.

Auf femgeeks gibt es jetzt eine Linksammlung, sie ist unterteilt in acht Kategorien. Schön viel Stoff. Und bei Distelfliege geht es direkt weiter mit einer Critical Whiteness Leseliste.

Ein Praktikum an einer Grundschule: In welchen Situationen spielt das Geschlecht der Kinder eine Rolle? Und was heißt es, wenn Doing Gender passiert? Jo, die Jungs haben die Fußballbücher.

Warum regt das Thema neue Väter „oder dessen mediale Behandlung“ so auf? Auf Zehenspitzen hat ihre Sicht dazu aufgeschrieben.

Philosophinnen in Schulbüchern? Leider Mangelware, konstatiert Marit Rullmann.

Rebel Grrrl Convention. Mega cool! Hier eine Einladung zur Mitgestaltung eines Treffens von FrauenLesbenTrans*Intersex, die Musik machen wollen, auflegen, performen und einen politischen Anspruch an ihre Arbeit haben. Interessiert?

Auf Shehadistan findet ihr einen „offenen Brief an Femen“ (engl.). „We are proud Muslimahs, and we’re sick of your colonial, racist rubbish disguised as “women’s liberation”!“ und das hat Gründe, weiterlesen hier.

Nadia hat an den 19. Todestag von Kurt Cubain erinnert. Er hatte auch mal einen Brief an Bikini Kill geschrieben: Kurdt liebt sie total. Und wir vermissen ihn.

Prof. Dr. Grada Kilomba, Autorin, Dozentin, Lyrikerin, Denkerin. Kurz: eine der meist inspirierenden Schwarzen Frauen in Europa hat jetzt neben der HU Berlin eine Bloganschrift.

by the way: You should be a super heroine.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


Facebook | |


Sexistische Beziehungsdynamiken, Rollenerwartungen und rassistische “Heimat” – die Blogschau

30. März 2013 von Nadine
Dieser Text ist Teil 196 von 207 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Nicole von Horst analysiert auf ihrem Blog die Komplexität von Komplimenten.

Eine Nachricht an Spiegel Online und den Werberat für sexistische und gewaltverherrlichende Werbung schreibt Helga.

Madameadammusic macht sich Gedanken über die Riot Grrrl Bewegung in Deutschland. Wo steht sie heute? Was ist von ihr übrig geblieben und wie kann Riot Grrrl intersektional gedacht werden?

Riot Trrrans* hat über cissexistische Grenzüberschreitungen geschrieben und musste nicht lange warten, bis sich die Relativier_erinnen eingefunden haben. Darauf gibt’s dann auch noch die passende Antwort.

Wer darf Familien mit Kindern verlassen ohne gesellschaftliche Sanktionen zu befürchten? In erster Linie der (“biologische”) Vater. Frauen hingegen “lassen ihre Kinder im Stich“, wenn sie sich nach der Geburt aus verschiedenen Gründen temporär oder dauerhaft gegen ein Leben mit Kindern entscheiden, kritisiert talentfreischön.

Auf anarchie & lihbe stellt sich Andy Misandry den gesellschaftlichen Erwartungshaltungen an Menschen, die als Frauen eingelesen und behandelt werden sowie den daraus resultierenden Zurichtungsprozessen und Umgängen damit.

Julia von Mein Augenschmaus hat das Hilfetelefon des Bundesfrauenministeriums auf seine Zugänglichkeit für Gehörlose und Schwerhörige und andere Barrieren hin geprüft und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis.

Jay fragt im Virtual Retreat Center, was Solidarität bedeutet und wie emotional belastend das Ringen um Solidarität sein kann.

Undercover of Color macht einen Ausflug in die “Heimat”, nach Deutschland, und muss feststellen, dass hier nicht alle Menschen mit offenen Armen empfangen werden.

Maria beschäftigt sich mit den sexistischen Dynamiken, die sich einschleichen, wenn mensch auch Beziehungen mit Typen führt und wie schwer es ist, aus diesen auszubrechen.

Don’t degrade Debs Darling ist glücklich. Doch dieses Gefühl und sein Verbleiben muss immer wieder hart erkämpft werden. Trotz und gerade wegen vieler gesellschaftlicher Einsprüche dagegen.

Miss Temple beantwortet in ihrem FAtQ dickenfeindliche Fragen und stellt damit viele Selbstverständlichkeiten in Frage.

Das österreichische feministische Gemeinschaftsblog Sugarbox nimmt den Fall Steubenville und das “Mutter-Töchter-Argument” unter die kritische Lupe.

Nochmal Helga: Sie hat eine Liste von Speakerinnen aus den verschiedensten Bereichen zusammengestellt. Für alle, die mal wieder nach Ausreden suchen, warum ihre Panel männerdominiert sind.

Viel mehr verlinkten Lesestoff aus dem geekigen Bereich gibt es bei Femgeeks.

Vom 17. bis 20. Mai findet das Lesbenfrühlingstreffen in München statt. Workshops, Vorträge, Filme und Podiumsdiskussionen zu Lesbengeschichte und Lesbenpolitik, Empowerment, Spaß, Gesundheit, Dialog der Generationen, Sexualität, verschiedenen Feminismen, Sport, eine Demonstration in der Innenstadt, internationalen Aktivistinnen, Bands und vieles mehr erwartet euch.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


Facebook | |


Mit Kindern reden (extended version)

19. März 2013 von Gastautor_in

Dieser Beitrag erschien gestern auf Marias Blog Me, Myself and Child. Wir freuen uns über die Erlaubnis zur Veröffentlichung.

Aus gegebenem Anlass (sprich: weil ich mich heute schon wieder über M-Kopf und N-Kuss ärgern musste) möchte ich hier noch mal den Text posten den ich vor ca. einem Monat schon einmal hier bzw. hier veröffentlich habe.

Ich bin müde. Ich bin müde und fühle mich ausgesaugt. Jegliche vorzubringende Argumente wurden aus mir raus gesaugt, obwohl ich sie in den meisten Fällen nicht mal selbst aufgeschrieben und ausgeschrien habe. Zurück bleibt ein dicker Klumpen in einem leeren Raum. Viel Wut ist in dem Klumpen, Angst auch… Seit Tagen will ich Dinge sagen und kriege nichts raus. Es wurde doch alles gesagt, denke ich. Warum kommt es nicht an? Dann fällt mir ein: weiße Menschen halten weiße Räume weiß, weinen weiße Tränen, weil sie ihre Deutungshoheit, ihre Macht nicht abgeben wollen. Macht die sie zu lange hatten, die sie nie hätten haben dürfen. Das ist Gewalt, schreibe ich in einem unveröffentlichten Rant. Das ist Krieg, schreibt eine Freundin mir und anderen in einer privaten Unterhaltung… Man(n) solle sich mit wichtigeren Dingen beschäftigen, das Wort gehört der Vergangenheit, die muss man(n) bewahren, man(n) solle eben mit den Kindern reden, darüber wie es früher war. Ich weiß nicht ob ich lachen oder weinen soll. Ich versuch es noch mal mit schreiben:

“…weil sie denken, alle Menschen in Deutschland sind weiß” so beendet meine Tochter gestern meinen Satz, von dem ich gar nicht mehr genau weiß wie er anfing. Wir reden. Über die Kinderbücher und darüber warum manche Menschen an diesem einem Wort festhalten wollen. Meine Tochter ist 7. Sie hat’s verstanden.

Das Wort mit N kannte sie bis vor einer Woche nicht. Vielleicht hatten wir bis dahin einfach Glück. Als ich aber erfuhr wie das Titelbild der Zeit aussehen würde, habe ich mich Abends noch mit ihr hingesetzt. Ich habe es nur ein einziges Mal gesagt und es blieb mir fast im Halse stecken. Ich habe seit Monaten darüber nachgedacht. Seit eine andere Mutter erzählte, dass ihr Sohn beleidigt wurde. Auf dem Schulhof. Von einem anderen Kind. Im hier und jetzt. Ich wollte noch mehr Zeit haben. Ich wollte nicht, dass es so läuft. Aber jetzt musste ich. Ich wollte nicht, dass sie es von jemand anderes hört oder liest. Also haben wir geredet und am nächsten Morgen habe ich gebetet, dass sie an keiner Ausgabe der Zeit vorbeikommt…

Ein paar Tage später stand sie vor mir und sagte: “Mama, dieses Wort mit N was du mir in dem Buch gezeigt hast, hab ich schon wieder vergessen!” sie zuckte mit den Achseln. Ich atmete kurz auf. Noch ist sie gelassen. Es ist nicht das erste Mal, dass ich mit ihr über Rassismus spreche. Sie weiß, dass es weiße Menschen gibt, die glauben sie sind Schwarzen Menschen überlegen. Sie muss das wissen. Sie ist Schwarz. Ihre besten Freund_innen sind Schwarz. Alle lesen sie Bücher oder bekommen sie vorgelesen. Alle leben Sie hier in Deutschland. Sie weiß, dass die alten weißen Menschen Quatsch erzählen. “Mama, irgendwie sind Schwarze Menschen viel cooler als weiße” Nur die alten weißen Menschen wissen es noch nicht. Sie führen lieber Krieg. In der Vergangenheit. Gegen Kinder. Gegen die Zukunft.

Wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht mal ob sie das Wort wirklich noch nicht kannte oder einfach nicht bewusst wahrgenommen hat. Neulich wurde in der Sendung mit der Maus gezeigt wie Schokoküsse hergestellt werden. Der erste Kommentar unter dem Facebook-Foto (TW), was am Tag darauf gepostet wurde enthielt das N-Wort. Gleich. der. erste. Kommentar. auf der Seite einer KINDERsendung. Im Internet finde ich meist die richtigen Worte. Das schlimme ist, dass mich sowas in der analogen Welt immer erstmal sprachlos macht, oft werde ich davon noch überrascht, vor allem wenn es um nicht ganz so eindeutige Aussagen geht. Dann bleibt mir die Wut und der Ärger oft im Halse stecken. Ich darf aber nicht sprachlos sein. Wenn ich als weiße Mutter eines Schwarzen Kindes dazu schweige, kommt das einer Zustimmung gleich und ich stelle mich gegen mein Kind. Gleichzeitig habe ich nicht immer die Kraft und Ausdauer auf alles zu reagieren und manchmal bin ich auch einfach nicht dabei. Wie spreche ich mit meinem Kind über Rassismus ohne dabei selbst Rassismus zu reproduzieren? Ich mache mir oft Gedanken darüber wie tief meine eigenen Rassismen sitzen und über das, was ich alles nicht sehe und was ich ihr in den Jahren zuvor schon, aber auch jetzt, vielleicht mitgebe ohne es zu wollen und zu merken. Wie realistisch bin ich in der Umsetzung meines kritischen Weißseins?

Ich versuche mir bestimmte Strategien und Sätze zu recht zu legen und mich so viel möglich mit anderen Eltern in ähnlichen Situationen auszutauschen. Das Kind versuche ich, so gut es eben in dieser Weißbrotgesellschaft geht, zu empowern, d.h. ihr den Kontakt zu Schwarzen Bezugspersonen zu bieten und ihr möglichst viele Medien (Bücher, Filme, Serien, Musik etc.) anzubieten, in denen Schwarze Menschen eine positive Rolle spielen, bzw. positiv und nicht-stereotyp /ohne Klischees dargestellt werden (was wirklich nicht ganz einfach ist). Sie hat zum Glück von klein auf viele Schwarze Freund_innen und ist eigentlich sehr selbstbewusst. Allerdings spüre ich gerade stark, wie mit zunehmendem Alter der Einfluss ihrer Peers zunimmt, während meiner abnimmt und jetzt noch ein anderer großer -Ismus immer stärker wird und eben soviel Aufmerksamkeit benötigt: Sexismus (und Rollenklischees).

Ich muss versuchen abzuwägen. Wie kann ich meine Kräfte einsetzen um sie zu Unterstützen und zu Beschützen ohne zu viele Energien zu verschwenden, die ich für den Alltag und die schönen Dinge brauche. Wie sehr fällt es auf sie zurück, wenn ich mich bei Lehrer_innen und Erzieher_innen oder Eltern ihrer Freund_innen beschwere und gegen eine Wand renne? Wie viel muss sie jetzt wissen, was hat Zeit für später? Wie viel muss und kann ich mit ihr besprechen und wo muss sie ihre eigenen Strategien finden, bzw. wo und wann braucht sie vielleicht andere Menschen, die ihre Erfahrungen besser verstehen als ich. Was kann ich noch tun? 

Für die weiße Mehrheitsgesellschaft in diesem Land gibt es kein(en) Rassismus(problem), um jedes kleine Wort muss gekämpft werden und je älter mein Kind wird, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass sie ganz direkt rassistisch angegriffen wird …. und das macht mir Angst.


Facebook | |



Anzeige