Einträge mit dem Tag ‘Sexismus’


Sexismus, David Beckham und Klischees über Veganer_innen – die Blogschau

11. Februar 2012 von Nadine
Dieser Text ist Teil 144 von 144 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

I do give a damn setzt sich mit Klischees über Veganer_innen auseinander.

High On Clichés gibt Tipps, wie mensch sich widerständig gegenüber rape culture positionieren kann. Teil 1, Teil 2.

Manu bloggt geht der Reproduktion von Zweigeschlechtlichkeit in Spielzeugläden nach.

Das Missy Magazine hat die Macherinnen vom Girl Gang Zine interviewt.

Die Spielfeldschnitte bedankt sich bei Thees Uhlmann für eine kritische Nachfrage in Sachen Sexismus.

Die Fuckermothers kritisieren die Bilder-Politik von Facebook, Fotos von stillenden Müttern aufgrund von Verletzungen gegen die Nutzungsbedingungen zu löschen.

Diana analysiert die aktuelle H&M-Werbekampagne mit David Beckham und ist erstaunt über die veränderten Blicke und Brüche in der sonst so eintönig heteronormativen wie sexistischen Werbelandschaft.

Rheinsalon stellt fest: Wenn Väter sich mehr an der Haus- und Erziehungsarbeit beteiligen, haben ihre Kinder in der Schule bessere Noten.

Anders Deutsch fasst noch einmal die Debatte um die Diskriminierung eines Trans*Kindes zusammen, dem keine Hormonbehandlung zugestanden wird.


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Wie Firmen “unauffällig Chefinnen verhindern”

13. Dezember 2011 von Anna-Sarah

Ich hatte hier ja mal ein bisschen an Heide Oestreichs Schreibtonfall rumgemäkelt. Letzte Woche hat Oestreich dann in der taz einen Beitrag über die Frauenquote bzw. über die äußerst, nun ja, flexible Handhabung dieses Instruments seitens der Politik gebracht, und den finde ich dann doch ziemlich lesenswert: Unter dem Titel “Erfolgreich Chefinnen verhindern” legt sie auf originelle Weise dar, welche Mechanismen mit dazu beitragen, dass Frauen im Job oftmals weitgehend von bestimmten Positionen ausgeschlossen bleiben – obwohl es doch immer heißt, auf den so genannten Führungsebenen gelte einzig das Leistungsprinzip und Frauen hätten strukturell doch die gleichen Möglichkeiten, dort “etwas zu werden”, wie Männer; wenn ihnen keine glanzvolle Karriere gelänge, wollten oder könnten sie wohl halt einfach nicht so recht. (Anmerkung: Ich persönlich lese aus Gründen selten Kommentare in bestimmten öffentlichen Foren, jedenfalls nicht gründlich, auch nicht in der taz online, deshalb kann ich den “Härtegrad” diesmal nicht vollständig einschätzen – ich vermute jedoch aufgrund bisheriger Erfahrungen mit (Anti-)Diskriminierungsthemen dort, dass eine Triggerwarnung für die Kommentarsektion möglicherweise angebracht sein könnte. Die üblichen Nazivergleiche sind jedenfalls auch am Start.) Anhand von zehn To-do-Punkten gibt sie (fiktiven?) Personalverantwortlichen eine Liste von sarkastisch-satirischen Ratschlägen an die Hand, durch deren Befolgung sich der berufliche “Aufstieg” von Frauen wie erwünscht  verhindern lasse. Zum Beispiel:

4. Allgemeine Abwehr von weiblichen Führungskräften

Untersuchen Sie, ob die Bewerberin beim ersten Wind schon umfällt: Seien Sie aggressiv: “Warum um Himmels willen sollen wir Sie einstellen? Sie haben doch nichts zu bieten.” So sieben Sie junge Talente ohne Sozialkompentenz aus. Tritt eine Frau anders auf, als Sie erwartet haben, nämlich forsch und selbstbewusst, müssen die Alarmglocken klingeln: Wollen Sie einen so schwierigen Charakter in der Abteilung haben?

Denken Sie auch an die Kunden: Würden die wirklich diese (oder eine) Frau akzeptieren?

Machen Sie neumodischen Quatsch nicht mit: keine Präsentation oder gar ein Konfliktgespräch als Aufnahmetest. Da schneiden Frauen oft besser ab als im Gespräch, in dem Männer gern ihren allgemeinen Durchblick präsentieren.

Wenn Frauen schnell zum Punkt kommen und konkret Lösungen anbieten: Bedenken Sie, dass das für eine Führungsaufgabe irrelevant ist. Hat diese Frau den großen Überblick, den es für den Chefposten braucht?

Unterschätzen Sie keinesfalls Qualifikationen, die eher Menschen ohne Familienpflichten vorweisen können: Auslandsaufenthalte, lange Publikationsliste, Kongresse. Leider sind Frauen da ja oft schwächer bestückt.

Ich behaupte einfach mal: In dieser “Bedienungsanleitung” ist fieserweise garantiert für jede berufstätige Frau was dabei, das ihr irgendwie bekannt vorkommt…


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Die Antwort auf alle “Mädchen”-Fragen: Mansplaining

18. November 2011 von Nadine

Auf jetzt.de erschien diese Woche ein Artikel zur immer wieder kehrenden Debatte, ob Frauen* sich Mädchen nennen sollen oder lieber nicht. Der Autor des Textes bezieht sich positiv auf Caroline Drucker, die sagt:

Wer sich Mädchen nennt, [...], macht sich bewusst klein.

Zweifelsohne wird “Mädchen” als Fremdbezeichnung genutzt, um Frauen* herabzusetzen oder Männer* als “unmännlich” zu beschimpfen. “Mädchen” ist auch im Kontext homophober Äußerungen zu finden. Um den Begriff seiner negativen Konnotation zu entziehen, gibt es zahlreiche Versuche ihn umzudeuten. Mädchen, Girl oder Grrrl werden als Selbstbezeichnungen ins Feld geführt. Drucker und auch der Autor halten das für Quatsch. Worte seien machtvoll und deshalb müsse frau sich diesen entziehen, wenn sie nicht herabgesetzt werden wollen.

Das bedient mal wieder altbekannte Muster: Emanzipatorische Selbstbezeichnungen werden ins Lächerliche gezogen, dominante sexistische (und homophobe) Diskurse nicht hinterfragt oder kritisiert. Stattdessen werden Betroffene mit Hinweisen und Ratschlägen konfrontiert, wie sie sich “richtig” zu verhalten haben. Wenn sie sich nicht daran halten, dann sind sie eben selbst schuld. Das Problem ist also nicht Sexismus oder Homophobie, die Zielgruppe von Kritik sind nicht jene, die sich sexistischer oder homophober Äußerungen bedienen, sondern die Betroffenen selbst.

Grundsätzlich ist es jedoch so, dass sich keine_r Sexismus und Homophobie entziehen kann. Wir verhalten uns alle auf unterschiedliche Weise dazu, ob wir wollen oder nicht. Aneignungs- und Umdeutungsversuche sind _ein_ Versuch, kritisch mit Unterdrückungsmechanismen umzugehen. Ob das innerhalb machtvoll wirkender Diskurse immer von Erfolg gekrönt ist, ist die eine Sache, obliegt aber erstmal der Deutungshoheit von Betroffenen, die diese Selbstbezeichnungen verwenden. Die andere Sache ist jener unreflektierte Umgang mit Sexismus, den Caroline Drucker und der Autor des Textes an den Tag legen.

Und als ob das nicht schon zynisch genug wäre, reicht am Ende noch ein kurzer Blick auf die Sprechposition, die den jetzt.de-Artikel durchzieht: ein Mann, der Frauen* vorschreibt, wie sie Sexismus entgehen können. Indem sie einfach seinen “schlauen” Anweisungen folgen. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes: Herrlich!

Weitere Artikel zum Thema:
Revolutionäre Mädchen
Die Mädchendiskussion – Folge 173945
Frau, Fräulein, Mädchen?


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„Und warum ist das Interessanteste an einer militanten Rechtsextremistin ihr Liebesleben?“

16. November 2011 von Nadine

Heute erreichte uns ein Hinweis auf den Offenen Brief des Forschungsnetzwerks Frauen und Rechtsextremismus zur Berichterstattung über die Rechtsextremistin Beate Zschäpe. Sie war lange Zeit in einer neonazistischen Untergrundorganisation tätig, die unter anderem für mehrere rassistisch motivierte Morde und zahlreiche Banküberfälle verantwortlich zeichnet. Skandalös an diesem Fall ist derzeit vor allem die Rolle der ermittelnden Behörden sowie des Verfassungsschutzes, da die Gruppe über Jahre unbemerkt agieren konnte. Beate Zschäpe stellte sich vor mehr als einer Woche der Polizei, Aussagen von ihr zu den Vorfällen und der Organisation selbst gibt es noch keine. Trotzdem sind die Medien voll mit Spekalutionen über die Rechtsextremistin, die angeblich nur eine Mitläuferin gewesen sei. Besonders interessieren sich die Medien aber für das Sexualleben von Beate Zschäpe sowie ihre Beziehungen zu den anderen Tätern.

Das Forschungsnetzwerk dazu:

“Aus unserer Perspektive wird hier das übliche Klischee von der unpolitischen Frau unreflektiert reproduziert. [...] Frauen haben nach dieser Logik zum einen keine politische Überzeugung und wenn, dann keinesfalls eine so gewalttätige wie die rechtsextreme. Frauen gelten immer noch als das ‘friedfertige’ Geschlecht. Wenn überhaupt, dann erscheinen Frauen in der Szene nur als sexualisierte Anhängsel denkbar.”

Besonders problematisch an dieser Verharmlosung sei vor allem die Wirkmächtigkeit dieser sexistischen Grundannahme: Rechtsextreme Frauen geraten gar nicht erst in den Fokus der Ermittlungsbehörden, weshalb sie weitestgehend unbehelligt blieben. Hinzu kommt, dass die Präsenz von Frauen in der rechtsextremen Szene diese auch nach außen weniger bedrohlich und gewaltvoll erscheinen lasse. Das Forschungsnetzwerk warnt deshalb eindringlich vor der sexistischen Verharmlosung rechtsextremer Frauen und fordert Medienschaffende und Wissenschaftler_innen auf,

“in diesem und anderen Fällen rechtsextreme Frauen als das zu sehen und darzustellen, was sie sind: mutmaßlich rassistische, menschenverachtende Täterinnen. Die Verharmlosung der Rolle von Frauen im Rechtsextremismus spiegelt nicht nur sexistische Stereotype wider, sie verharmlost auch die rassistische und antisemitisch motivierten Taten selbst.”

Wer sich zu Frauen im Rechtsextremismus informieren will, kann sich das Buch des Forschungsnetzwerkes zulegen oder diesen Vortrag als PDF nachlesen.


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Mode ohne Models, rassistische Werbung und feministisches Dating – Kurz Notiert

5. Oktober 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 124 von 138 der Serie Kurz notiert

Ein Interview mit Samhita Mukhopadhyay von feministing zu ihrem neuen Buch über Dating und Feminismus findet ihr auf The Globe and Mail.

Gerade wurden die Gewinner_innen des Alternativen Nobelpreise bekannt gegeben. Unter den Geehrten werden zwei Aktivistinnen sein, die sich seit Jahren für Frauen und Kinder einsetzen: die Rechtsanwältin Jacqueline Moudeina aus dem Tschad und die US-amerikanische Hebamme Ina May Gaskin.

Kübra Gümüsay gehört laut dem Magazin für Journalisten zu den Top 30 Journalist_innen unter 30. Herzlichen Glückwunsch!

„Mütter spielen eine stärkere Rolle, ob ihre Kinder sexistisch eingestellt sind als Väter“ – diese Nachricht von Telepolis wurde gerade durch die Twittersphäre gereicht. Entwarnung für Männer gibt sie allerdings nicht: Sie waren durchweg sexistischer eingestellt als Frauen.

2007 zog sich die Technikbloggerin Kathy Sierra nach Todesdrohungen aus dem Internet zurück. Nun ist sie wieder da und äußert sich zur Pseudonymdebatte: Denkt nach was ihr schreibt und moderiert Kommentare! (Trankskript des Videos von geekfeminism)

Wie sehen Modelposen eigentlich aus, wenn sie von Frauen jenseits normschöner Idealmaße gezeigt werden?

Am 1. Oktober fanden SlutWalks in Seattle und in New York City statt. In New York kam es zu einem ekelhaften Vorfall, bei dem ein Trans*mann verhaftet und völlig unangemessen von der Polizei behandelt wurde.

Laut NDR.de liegt erstmals in Deutschland die Führung eines Landesparlaments ausschließlich in den Händen von Frauen: Der neue Landtag in Schwerin.

Homophobe Kackscheiße: Eine neue App auf dem französischen Markt soll herausfinden, ob der Sohn schwul ist.

Schon etwas älter, aber immer noch interessant: “Kann ein Geschlechtsteil rassistisch sein?” – fragt Oliver Baroni auf 20 Minuten Online. Wohl nicht – Aber Werbung für ein Intim-Hygieneprodukt durchaus.

Termine

Am 13. Oktober findet in der Begine in Berlin eine Veranstaltung zur Lesbenbewegung in Afrika statt. Die Referentin Liz Frank lebt seit 21 Jahren mit ihrer Lebensgefährtin in Windhoek, Namibia und ist Aktivistin der dortigen Lesbenbewegung.

Vom 13. bis 15. Oktober findet das QueerFilmFest in Rostock statt.


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