Einträge mit dem Tag ‘Sexismus’


Ein Buch nach dem anderen: Übersetzte Literatur von Frauen

29. August 2017 von Charlott
Dieser Text ist Teil 131 von 131 der Serie Die Feministische Bibliothek

Kurzrezensionen

In einigen Ecken des Internets (und auch außerhalb) wird August als „Women in Translation/ übersetzte Frauen“-Monat begangen. Auf Twitter und Instagram teilen Nutzer_innenunter dem Hashtag #witmonth und #womenintranslation Hinweise zu Büchern von Autorinnen, die übersetzt wurden, geteilt. Wie die Hashtags schon erahnen lassen, geht es dabei überwiegend um Literatur aus allen möglichen Sprachen, die ins Englische übersetzt wurden. Leser_innen, die viele Bücher auf Deutsch lesen, sind es ziemlich gewohnt Übersetzungen aus dem Englischen übersetzte Werke zu lesen, aber bei anderen Sprachen sieht es gleich viel rarer aus. Übrigens nur 30% der Literatur die ins Englische übersetzt wird ist von Frauen. (Habt ihr ähnliche Statistiken für Übersetzungen ins Deutsche?) Übersetzerinnen in Deutschland verdienen in etwa 15% als ihre Kollegen. Heute teile ich drum zwei Bücher von Autorinnen, die von Übersetzerinnen übersetzt wurden. Teilt doch in den Kommentaren Bücher, die ihr in Übersetzung gelesen habt (ganz gleich was Ausgangs- und Zielsprache sind).

Swallowing Mercury (Portobello Books, 2017) von Wioletta Greg (Übersetzung aus dem Polnischen: Eliza Marciniak) ist eine wundervolle Novelle, die in einem polnischen Dorf in den 1980ern spielt. Das Buch erzählt in kurzen Episoden vom Erwachsenwerden von Wiola, einem Mädchen, die mit ihrem Großvater, ihrem Vater, einem Deserteur und Taxidermist, und ihrer Mutter, die glaubt, dass das Töten von Spinnen einen Sturm heraufbeschwört, aufwächst. Wiola navigiert ihr Leben zwischen Katholizismus und Sozialismus, Malen, Sammeln von Streichholzschachtel-Etiketten, und ersten sexuellen Erfahrungen. Das Buch lebt von der Atmosphäre, gleichzeitig passiert einiges, aber auch wiederum sehr wenig. Greg fängt eine spezfische Zeit der Umbrüche in wundervollen kleinen Geschichten ein. Meines Erachtens wurde leider noch nichts von Greg ins Deutsche übersetzt.

„It comes down to a single maxim: Not one day without a woman“, heißt es in der Einleitung von Anne Garrétas Not One Day (Deep Vellum Publishing, 2017, Übersetzung aus dem Französischen: Emma Ramadan und Anne Garréta). Zu Beginn des Buchs erklärt Garréta ihr Vorhaben, einen Monat lang will sie sich täglich hinsetzen und fünf Stunden über eine Frau schreiben, die sie begehrt hat oder von der sie begehrt wurde. Kein Lektorieren, kein Nachschlagen von Daten oder Kontextinformationen. Einfach nur Schreiben. Die geschrieben Episoden sollen nicht chronologisch, sondern alphabetisch nach dem Anfangsbuchstaben der Frauen sortiert werden. Not One Day ist das Ergebnis dieses Experiements und lässt sich nur schwer zusammenfassen, ohne wichtige Punkte vorwegzunehmen. Es ist ein Sinnieren über Begehren, aber auch Schreiben und Binaritäten wie Fiktion/Nicht-Fiktion oder Erinnerung/ Einbildung. Poetisch, manchmal zart. Ich werde auf jeden Fall zu dem Buch zurückkehren.
Anne Garrétas Roman Sphinx wurde von Alexandra Baisch ins Deutsche (edition fünf, 2016) übersetzt.

Buchnews und -debatten

Ihr könnt ein paar Euro entbehren? Hier könnten sie gut gebraucht werden: Derzeitig stellt Mika Murstein das Buch I’m a queerfeminist cyborg, that’s okay. Gedankensammlung zu Anti/Ableismus fertig, welches bei edition assemblage erscheinen wird. Das Buch soll möglichst barrierearm produziert werden (größere Schrift, E-Book-Version etc.) und sowas kostet leider alles immer Geld. Darum gibt es zur Zeit ein Crowdfunding!

In den nächsten Tagen gibt es eine Reihe spannender Buchveranstaltungen. Hier eine kleine Auswahl: In Berlin wird morgen u.a. das Buch Recht auf Trauer. Bestattungen aus machtkritischer Perspektive vorgestellt und zu queeren_machtkritischen Perspektiven auf Bestattungen diskutiert (FB-Link). Am Samstag wird in Frankfurt a.M. das Buch Alltäglicher Ausnahmezustand. Institutioneller Rassismus in deutschen Strafverfolgungsbehörden präsentiert und in Berlin ist die Schriftstellerin Olumide Popoola zu Gast, wird aus ihren Büchern lesen und mit Elnathan John ins Gespräch kommen (FB-Links). Außerdem wird der AvivA-Verlag im September 20 Jahre alt und feiert dies anständig mit einer Jubiläumstour – vielleicht ja auch in eurer Stadt!

Die Lektorin Judith Jones ist verstorben. Die Wahshington Post erinnert an die Frau, die unter anderem dafür sorgte, dass Anne Franks Tagebuch verlegt wird und an Julia Childs Kochbuch-Vision von Beginn an glaubte und diese untersützte.

AFREADA veröffentlichte Yovanka Paquete Perdigaos kurzen Text „Letter to Margarida“ online.

Magda hat auf der Facebookseite der Literarischen Agentur Simon drei Bücher vorgestellt, die sie zuletzt gelesen hat.

Bei Book Riot gibt eine Übersicht über die diesjährigen Hugo-Award-Gewinner_innen. Dieses Jahr gewannen unter anderem The Obelisk Gate von N. K. Jemisin, Every Heart a Doorway von Seanan McGuire und Monstress, Volume 1: Awakening von Marjorie Liu und Sana Takeda.

Anna Siedel bespricht beim Missy Magazine die aktuelle Ausgabe der Comic-Anthologie „SPRING“.

Ein Thema, was an Aktualität kaum verliert: Sohra schreibt auf ihrem Blog TofuFamily über Rassismus, Sexismus und Stereotype in Kinderliteratur, darüber, was sie ihren Kindern nicht vorliest, aber auch Bücher, die sie empfehlen kann. (Hinweis: In dem Artikel sind Fotos von Kinderbuchtextstellen, in denen das N-Wort ausgeschrieben ist.)

A Native American Poet Excavates the Language of Occupation„. Natalie Diaz bespricht Layli Long Soldiers Gedichteband Whereas bei der New York Times.


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Was bleibt, ist Protest.

11. November 2016 von Magda

Bei der Präsidentschaftswahl in den USA zitterten nicht nur US-Amerikaner_innen. Die Welt schaute zu, wie ein von der KKK gefeierter frauen- und queerfeindlicher Rassist ins Weiße Haus gewählt wurde. Die New York Times veröffentlichte schon vor Monaten eine stets aktualisierte Liste von über 280 Menschen, Orten oder Dingen, die Donald Trump auf Twitter beleidigte und diskriminierte (während Melania Trump nun gegen Mobbing im Netz kämpfen möchte…).

Das Ergebnis

Die ernüchternden Fakten nach der Wahl am 8. November: Auf die Bevölkerung hochgerechnet hat 25,5% der US-Wähler_innen Trump gewählt, 25,6% Hillary Clinton, 46,9% der US-Amerikaner_innen wählte gar nicht, 1,7% für den unabhängigen Kandidaten Johnson (Quelle: United States Election Project). Obwohl Clinton insgesamt mehr Stimmen erhielt, gewinnt Trump. Warum? Weil US-Präsidenten (die männliche Form bleibt weiterhin Realität) indirekt gewählt werden, und zwar durch Wahlleute (meist „Wahlmänner“ genannt). Die Wahlergebnisse in den einzelnen US-Bundesstaaten bestimmen, für welche Kandidatin oder Kandidaten die Wahlleute des jeweiligen Staates stimmen müssen. Entscheidend sind meist die großen Staaten, da die Anzahl der Wahlleute von der Bevölkerungszahl des einzelnen Bundesstaates abhängt. Wer diese gewinnt, gewinnt die Mehrzahl der Wahlleute, auch wenn die absolute Anzahl der Stimmen – wie im Fall Clinton/Trump – ein anderes Ergebnis bedeuten würde.

Screenshot: Hillary Clinton's Full Concession Speech | NBC News

Screenshot: Hillary Clinton’s Full Concession Speech | NBC News

Die Zahlen und Analysen

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Frauen im Sport, der Superfeminist des Jahres und Körperwahrnehmungen – die Blogschau

16. April 2016 von accalmie
Dieser Text ist Teil 1 von 295 der Serie Die Blogschau
CC: Dino Gravato.

CC: Dino Gravato.

Anlässlich des 200. Geburtstages von Ada Lovelace gibt es momentan eine Sonderausstellung im Paderborner Heinz Nixdorf Museums-Forum. Die femgeeks berichten: „Die Ausstellung ist nicht nur sehr interessant und gut gemacht, sondern sie ist auch bitter nötig, wenn man sich den Rest des dortigen Computermuseums anschaut: Zwei riesige Etagen mit Exponaten und Biografien, die männliche Geschichte(n) erzählen.“

„es hat sich was verändert, fast ohne dass ich es merkte. mein körper ist nicht mehr so sehr mein feind. auch wenn er nicht funktioniert. auch wenn etwas weh tut,“ konstatiert bluespunk in „my body is not my enemy.“

Diaspora Reflektionen schreibt an/über ihren Bruder, (unterschiedliche) Diskriminierungserfahrungen und Solidarität.

Erstmalig wurde der Preis für den „Superfeministen des Jahres“ vergeben – A++ Ranting hält die Laudatio.

Beim Blog der Feministischen Studien geht es um Frauen im Civil Rights Movement der USA und um die Intersektionalität von #BlackLivesMatter.

„Hätte die Entstehung fester Strukturen in der Naziszene ohne den Verfassungsschutz vielleicht sogar verhindert werden können? Vieles deutet darauf hin,“ kommentiert der Freitag.

„Wie wir unser Eltern-Baby-Zentrum gründeten“ – einen „utopischen Rückblick“ gibt Antonia bei umstandslos.

Bald mit eigener Webseite, jetzt jedoch schon auf Facebook gestartet: SportFrauen widmet sich allen Themen und Nachrichten, die sich um Frauen im/und Sport drehen.

„Sechsunddreißig“ – Melanie denkt bei glücklich scheitern über den Geburtstag, Lebenswege und Lernprozesse nach. (Happy Birthday :)!)

Habt ihr diese Woche etwas geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Regelmäßig verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Fette Superheldinnen, geschlechtliche Identitäten und ein Offener Brief geflüchteter Frauen – die Blogschau

27. Februar 2016 von accalmie
Dieser Text ist Teil 2 von 295 der Serie Die Blogschau

[Inhaltshinweis: Beschreibung sexualisierter Gewalt] „Wir, Frauen aus der Flüchtlingsunterkunft Westerwaldstraße 92a in Köln Humboldt-Gremberg, sehen die Notwendigkeit, neben dem offenen Brief über die Zustände in der Flüchtlingsunterkunft, zu dem wir unsere Zustimmung erklären, eine weitere Erklärung an die Öffentlichkeit zu verfassen. […] Die Security-Crew der Unterkunft organisiert seit ihrer Ankunft in der Turnhalle sexuellen Missbrauch und Belästigungen gegen Frauen unter uns.“ Den Offenen Brief bezüglich der sexualisierten Gewalt gegen Frauen in der Westerwaldstraße findet ihr hier.

Ein Minizine zum Thema geschlechtliche Identität zum Runterladen und Selbstausdrucken gibt es bei j_kieselstein: „Ducks – Real or Not? Kleiner Wegweiser geschlechtliche Identität.“

„Wenn unbedingt fotografiert werden muss, sollte das im Vorfeld kommuniziert werden. Es muss Möglichkeiten geben, dem zu „entkommen“, etwa durch „No Photo“-Stickers,“ schreibt antiprodukt in „Eventfotografie- Bocklos im Blitzlicht.“

„GNTM 2016 – Warum? Warum? Warum? Warum? #warum“ – techno candy rezensiert die dritte Folge der neuen Germany’s Next Top Model-Staffel.

Alex stellt bei Some girls* are bigger than others den Comic „Faith“ und die gleichnamige Protagonistin vor, ihre „neue fette Lieblings-Superheldin.“

Am kommenden Montag, den 29. Februar, plant die NPD einen Aufmarsch in Berlin-Hohenschönhausen. Berlin gegen Nazis informiert über geplante Gegenaktionen.

Den Artikel „‚Schlepper‘, ‚Schleuser‘, ‚Menschenschmuggler‘: Über die Kriminalisierung der Fluchthilfe und Strategien der Justiz“ des Antifaschistischen Infoblatts kann man nun auch online lesen.

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Antisemitismus, Antisexismus vor Gericht und Aktivismus chronisch kranker Frauen – kurz verlinkt

27. Januar 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 1 von 362 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Beiträge

Heute ist der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau – dazu ein Gedenkbeitrag von Publikative.org aus dem letzten Jahr.

Im vergangenen Jahr gab es mindestens 302 antisemitische Attacken gegen jüdische Student_innen an US-amerikanischen Universitätscampussen, berichtet die Jerusalem Post. Die Vorfälle sammelte die AMCHA-Initiative.

Der Allgemeinen Studierendenauschuss der Universität Frankfurt wurde von einem selbsternannten „Pick-up Artist“ für seine kritische Berichterstattung über diese sexistische Praxis verklagt. Zu den Hintergründen und Entwicklungen findet ihr mehr auf dem Blog der fantifa.frankfurt.

„Volk – Nation – Identität“: Miteinander, das Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit Sachsen-Anhalt e.V. hat sich das Programm der AfD zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im März dieses Jahres genauer angeschaut. Keine Überraschung: Es spiegelt die „politische Kernidentität der AfD als völkisch-nationalistische Partei“ wider.

Alle Vorträge der Veranstaltung der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration und des Deutschen Instituts für Menschenrechte zum Thema Frauen auf der Flucht sind nun online.

englischsprachige Beiträge

„Johanna Hedva lives with chronic illness and her Sick Woman Theory is for those who were never meant to survive but did.“ Über chronische Krankheiten, Unsichtbarkeiten und persönlich_politische Kämpfe schreibt Hedva bei mask.

[Inhaltshinweis: Rape Culture] „Let him [Bill Cosby] be exposed for the rapist that he is. […] But also, let’s just not forget to do the same for David Bowie, Hugh Hefner, Woody Allen, Roman Polanski, Jimmy Page, James Franco (who, within the past couple of years, attempted to arrange a hotel hook-up with a 17-year-old girl), Bill Clinton, Ben Roethlisberger, Jerry Sandusky, Terry Richardson, Gerard Depardieu, Donald Trump, Bryan Singer, Jerry Seinfeld, and the many other white men of power and fame who continue to rape and sexually abuse women and girls with impunity and protection“, kritisiert Bobby London bei For Harriet.

Nach 257 Tagen auf See hat die Coxless Crew damit Geschichte geschrieben, das erste weibliche Ruderteam zu sein, das den Südpazifik überquerte.  Mashable erzählt die Geschichte der Reise.

Termine in Berlin

03. 02. in Berlin unter dem Titel „Islamischer Feminismus – Internationale Annäherungen“ lädt die Friedrich Ebert Stiftung ein

12. – 13. 02. in Berlin: „Materialität/en und Geschlecht“ ist das zentrale Thema der 6. Jahrestagung der Fachgesellschaft Geschlechterstudien, die an der Humboldt-Universität zu Berlin stattfindet. (Facebook-Link)

24. 02. in Berlin: „Dear Cis-People“: Sophie Labelle stellt die deutsche Übersetzung des Buchs im „Other Nature“ vor. (Facebook-Link)

 


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Möglichkeiten und Grenzen aktivistischer, emanzipatorischer Arbeit – Fragen zu #ausnahmslos

12. Januar 2016 von Nadia

Gestern startete mit ausnahmslos.org eine Initiative, die gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus eintritt. Das Statement, das ihr auch unterzeichnen könnt über dieses Online-Formular, wird derzeit auch mit dem Hashtag ‪#‎ausnahmslos‬ in den sozialen Netzwerken verbreitet. Personen, deren Arbeit ich sehr schätze und die ich für sehr fähig halte, haben bei der Vorbereitung und Formulierung dieser Kampagne viel Kraft und Zeit investiert. Mit über 700 Unterstützer_innen ist die Kampagne auch erfolgreich gestartet, wozu man ohne Frage gratulieren kann. Angesichts des Statements brennen mir (weitere) Fragen auf den Nägeln; einige davon beschäftigen mich in Bezug auf die Möglichkeiten emanzipatorischer Arbeit teilweise auch schon länger. Insofern bezieht sich natürlich nicht jede meiner Überlegungen stringent auf Inhalte des Positionspapiers.

Im Folgenden möchte ich meine Überlegungen teilen. Diese sind mit Sicherheit nicht vollständig und ebenfalls an vielen Stellen korrektur- und ergänzungsbedürftig. Mir geht es in einem ersten Impuls um folgende Fragen, und zwar in Bezug auf die Möglichkeiten und Grenzen von aktivistischer, emanzipatorischer Arbeit:

Was kann von Polizei, Justiz und Staat im Kampf gegen Sexismus und Rassismus und jegliche andere -ismen realistisch erwartet werden? Was hat uns die Politik der letzten Jahre gelehrt? Was ist mit der Rassifizierung und Kriminalisierung durch den Staat? Was ist mit Racial Profiling, den Einigungen auf eine weitere Verschärfung der Asylpolitik, unserer derzeitigen Sozialpolitik? Was ist mit Hartz IV bzw. insgesamt der Grundsicherung und dem Sozialabbau? Wo können wir angesichts dieser Instrumente, von denen es noch unzählige weitere gibt, auf Allianzen und Kooperationen hoffen? Können wir überhaupt darauf hoffen?

Was ist mit der systematischen und institutionalisierten Benachteiligung und Diskriminierung von marginalisierten Personengruppen? Was ist mit struktureller Gewalt? Was ist mit Täterschutz, und wenn er bisher aufgrund spezifischer Interessenlagen besteht, kann darauf gehofft werden, dass er abgeschafft wird? Was ist mit der sekundären Viktimisierung von Gewaltopfern durch die Polizei und anderen Instanzen? Was ist mit Polizeigewalt im Allgemeinen?

Was lehren uns Skandale wie die NSU-Mordserie? Was ist mit der (auch sexualisierten) Gewalt, die geflüchtete Frauen tagtäglich erleben müssen? Wann finden unsere Aufschreie statt, und wie heterosexistisch und weiß-feministisch sind sie? Was ist mit der systematischen ökonomischen, kulturellen und sozialen Benachteiligung von Personen?

Ist ein feministisches Consulting und/oder Coaching unserer Institutionen sozialer Kontrolle ein Teil der Lösung, wenn genau diese Institutionen oft auch Teil des Problems sind? Können wir mit guter Hoffnung an Apparate appelieren, die seit Jahrhunderten zur Standswahrung von Privilegien und Abhängigkeiten funktionieren? Was lehrt uns die Ethnisierung sozialer Missstände und die Befeuerung von Entsolidarisierungstendenzen? Was ist mit der Dethematisierung von Armut? Was ist mit Chancenungleichheit? Müssen wir über Kapitalverteilung sprechen?

Was ist mit unseren Beratungsstellen? Wie thematisieren wir die Reproduktionen von Rassismus, Ableismus, Klassismus, Transfeindlichkeit und auch Sexismus vieler Beratungsstellen in Deutschland? An wen richtet sich das Beratungsnetz in Deutschland? Wie divers ist es? Wann basiert es eher auf stereotypen Vorstellungen von Lebenswelten? Wer wird exkludiert? Und warum? Welche (historischen/politischen/sozialen) Interessenlagen bestehen an der Arbeit unserer Beratungsstellen und Initiativen? Was wird gefördert und was nicht oder weniger, und warum? Haben wir im Hinterkopf, dass die Arbeiten unserer Beratungsstellen nicht nur kontextlos und rein idealistisch-karitativ funktionieren, sondern immer auch in ein kulturelles System eingebunden sind? Wer profitiert von diesem kulturellen System (zum Beispiel bei der Vergabe von Fördergeldern), und wer wird marginalisiert? Wer profitiert bisher von den Beratungsangeboten und warum und wer nicht? Wie trägt unser Beratungsnetz zur Reproduktion von Marginalität und Privilegien bei? Wer berät und warum, und welche Macht- und Gewaltstrukturen, welche Paternalismen werden dadurch reproduziert?

Wie muss eine öffentliche Aufklärungsarbeit, eine geschlechtersensible Pädagogik aussehen, die Gewalt vermeiden kann, vor allem, wenn: siehe oben? Wie kann dafür gesorgt werden, dass eine solche Arbeit nicht nur kontextlos und fernab unserer historischen, sozialen und politischen Entwicklungen und Realitäten stattfindet? Was ist mit der Stärkung von Gegenkultur und wie kann diese aussehen? Wie kann eine anti-istische Arbeit aussehen, die nicht nur auf die „Gewissensberuhigung der Mehrheitsgesellschaft“ (Noah Sow) abzielt?

(Ich möchte bei dieser Gelegenheit auch transparent machen, dass ich selbst das Statement (noch) nicht unterzeichnet habe.)


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Zur Medienreaktion auf die sexuellen Übergriffe am Kölner Hauptbahnhof in der Nacht auf den 1. Januar 2016

12. Januar 2016 von Gastautor_in

Das Institut zeitgenössischer Diasporas beschreibt sich selbst als eine „Gruppe junger, politisch aktiver, rassifizierter Menschen. Unsere Lebensrealitäten sind diasporisch-deutsch, sowohl lokal als auch transnational. Sie bilden die Bezugspunkte für unsere Arbeit.“ Am Sonntag veröffentlichte das Institut einen kritischen Kommentar zur medialen Reaktion auf die sexualisierte Gewalt in Köln (und anderen Orten), den wir hier freundlicherweise crossposten dürfen.

Außerdem läuft seit gestern auch die Aktion des Bündnisses „#ausnahmslos. Gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus. Immer. Überall.“, zu der ihr hier weitere Informationen findet.

Wir verurteilen die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof aufs Schärfste und unterstützen die Betroffenen in ihrem Bestreben nach Gerechtigkeit. Sexistische Übergriffe gegen Frauen* sind grundsätzlich zu verurteilen, egal von wem sie begangen werden. Dabei dürfen wir soziopolitische Stellungen betroffener Frauen*, sowie  deren potenzielle Rassifizierung nicht außen vor lassen.

Die Täter*innen müssen zur Verantwortung gezogen werden, wenn gleich wir den rassistischen Gehalt des öffentlichen Diskurses für äußerst gefährlich erachten. Köln verdeutlicht, inwiefern Sexismus und Rassismus tief in der deutschen Gesellschaft verankert sind und häufig politisch gegeneinander ausgespielt werden, anstatt beide als miteinander verwoben zu begreifen. Sexualisierte Übergriffe sind Alltagserfahrungen von jeder Frau*, ob of Colour oder weiß, und werden genutzt, um bereits vorhandene Rassismen zu befeuern.

Warum wird die Debatte auf diese Weise geführt?

Eine Dimension von Rassismus ist die Strukturierung, Hierarchisierung und Rassifizierung (d.h. Zuschreibung von Eigenschaften basierend auf äußerlichen Merkmalen) von sozialen Gruppen. Derzeit sehen wir, wie Geschlecht und Rassismus in der Schaffung des Täter*innenprofils zusammenwirken und das Bild eines auf aggressive Art und Weise hypersexualisierten Mannes* of Colour kreiert. Dieses ist direkt verbunden mit der kolonialen Narrativ der weißen Cis-Frau, die als schützenswert und verletzlich beschrieben wird. Die heutige Debatte würde nicht geführt werden, wenn es sich bei den Betroffenen ausschließlich um Frauen* of Colour und bei den Täter*innen ausschließlich um weiße Cis-Männer handeln würde. Als Gruppen, die ständig der Stereotypisierung ausgesetzt sind, finden sich rassifizierte Menschen häufig in der Position, sich für die Taten von anderen verantwortlich zu fühlen.

Der Fokus der Medien auf Herkunft und Religion der Täter*innen verschiebt die Aufmerksamkeit weg von dem, was eigentlich wichtig ist: die Betroffenen und deren Bedürfnisse. Sexismus ist trotz der derzeitigen allgemeinen Annahme kein importiertes Problem. Rassismus leider auch nicht. Um ähnliche Vorfälle in der Zukunft zu vermeiden, müssen wir Diskurse über sexualisierte Gewalt anders führen, und dazu gehört ein Verständnis von intersektionellen Sexismus und Rassismus.

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  1. Cisgender beschreibt Menschen, deren Geschlechteridentität, im Unterschied zu Transgender, mit dem ihnen zur Geburt zugeschriebenen (körperlichen) Geschlecht übereinstimmt.
  2. Intersektionalität bezieht ich auf die Verwobenheit verschiedener Diskriminierungsformen, die gleichzeitig wirken. So können z.B. Rassismus, Sexismus, Ableismus und die Diskriminierung einer Religionsgruppe zusammen wirken.

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Applaus für… die Wimbledon Königin Serena Williams

13. Juli 2015 von Magda
Dieser Text ist Teil 36 von 39 der Serie Applaus für

Die US-amerikanische Sportlerin Serena Williams ist eine der größten Tennisspieler_innen aller Zeiten, aktuell Nummer 1 der Tennis-Weltrangliste. Sie gewann bisher 21 Grand-Slam-Turniere im Einzel. Vergangenen Samstag gewann sie ihren 6. Wimbledon Titel. Das erwähne ich nicht, weil ihr Erfolg sie cooler macht als ihre weniger erfolgreichen Mit-Sportler_innen. Das erwähne ich, um aufzuzeigen, dass selbst Stars wie Serena Tennis-Queen Williams auf dem Höhepunkt ihres Erfolges mit sexistischen_rassistischen Äußerungen abgewertet werden, jüngst in einem Artikel der New York Times, in dem einige ihrer (weißen) Mitspielerinnen zitiert werden, dass sie bloß nicht so aussehen wollen wie Serena Williams. Es gibt einfach kein Entkommen. Der Irrglaube, erfolgreiche Frauen könnten allem trotzen, entpuppt sich als Trugschluss. Und verdienen tut sie auch weniger als vergleichbare Kolleginnen…

Ich feiere Serena und freue mich für ihren Erfolg. Und ich finde es bewundernswert, dass sie sich immer wieder gegen eine diskriminierende Berichterstattung wehrt. Spiel, Satz, Sieg für Serena Williams!

Zum Weiterlesen: „Serena Is The Greatest Female Tennis Player Of All Time. Get Over What Her Body Looks Like.“ (Und selbst wenn sie keine so großartige Sportlerin wäre, oder 20kg mehr wiegen würde: Abwertende Kommentare sind auch dann scheiße.)


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Männerfußball, Welfare Queens und Islamfeindlichkeit – kurz verlinkt

4. Juni 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 3 von 362 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

In Dresden soll eine Installation der Künstlerin Nezaket Ekici an die Ermordung von Marwa El-Sherbini erinnern. Nachdem sie mit islamfeindlichen Sprüchen beschmiert wurde, baute die Feuerwehr sie erstmal ganz schnell ab: „Nun löscht die Feuerwehr für gewöhnlich Brände. Hier wohl sollte sie ein schlechtes Gewissen auslöschen. Oder Scham.“ Der Freitag berichtet über den Fall und ordnet ihn ein.

„Worauf beruht die Assoziation von Fußball und Männlichkeit?“ Bei Spunk untersucht Jamila Schaefer „die Zusammenhänge zwischen den Werten der Fankultur und Männlichkeitsidealen und Möglichkeiten, diese zu dekonstruieren“.

Das Onlinemagazin Lizzynet veranstaltet gemeinsam mit dem Wissenschaftsjahr 2015 –  Zukunftsstadt  einen Schreib- und Kreativwettbewerb für Mädchen und Frauen zum Thema „2050 – Stadt meiner Träume“. Der Wettbewerb will die Perspektive von Mädchen und Frauen auf lebenswerte Städte der Zukunft sichtbar machen. Einsendeschluss ist der 5. Oktober.

Nadia hat Magda zu ihrer „(Mein) Fett ist politisch“-Tour für das weird Magazin interviewt.

Mindestens 277 Frauen wurden im vergangenen Jahr in Argentinien ermordet. Zur Protestbewegung gegen Gewalt gegen Frauen berichtet die Tagesschau.

Die Journalistin Ok-Hee Jeong schrieb, dass sie vor ihrer journalistischen Tätigkeit „lange Jahre Präventionstheaterstück gegen sexuellen Missbrauch an Kindern gespielt und auch ein eigenes Theaterstück dazu geschrieben“ hat, das bundesweit aufgeführt wurde. Das Theaterstück „What’s the price of the star filled sky?“ (deutsch, englische Untertitel) ist nun auf youtube verfügbar [Inhaltshinweis: Graphische Beschreibung sexualisierter Gewalt].

englischsprachige Links

„In the 19th century, the Canadian government developed a policy of „aggressive assimilation“ calling for aboriginal children to be taught at church-run, government-funded residential schools.“ Eine Komission arbeitet nun die Geschichte dieser Schulen, von denen die letzten erst im Jahr 1996 schlossen, auf. Dabei geht es auch um die Kinder, die in diesem System starben. Die aktuelle (und wahrscheinlich immer noch am unteren Ende angelegte) Schätzung beläuft sich auf über 6000 Tote, berichtet CBC.

Sandra Lawson ist eine der ersten Schwarzen, lesbischen Rabbiner_innen.

In einem Interview mit Cristan Williams spricht Judith Butler über TERFs (Trans-Exclusionary Radical Feminists).

Wie die Intersektion von Rassismus, Sexismus und Klassismus Schwarze Frauen in den USA zu „Welfare Queens“ abstempelt, erklärt For Harriet.

Der Supreme Court der USA hat geurteilt, dass Abercrombie & Fitch gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz des Civil Rights Act 1964 verstieß, als die Kleidungs-Kette Samantha Elauf eine Anstellung aufgrund ihres Kopftuchs verweigerte, berichtet Color Lines.

Janet Mock hat sich Gedanken zum Coming-Out von Caitlyn Jenner (wir berichteten) gemacht und zeigt anhand der Bereiche Medien, Privilegien, Zugang zu Gesundheitsversorgung und Glamour, wie unterschiedlich Sichtbarkeit, Anerkennung, Sicherheit und Ressourcen im Kontext von Trans* verteilt sind.

Ein Mädchen wird in der Schule sexuell belästigt und geht entschlossen dagegen vor. Sehr zum Missfallen der Schulleitung. Die Reaktion ihrer Mutter auf die Situation ist grandios.

Termine in Berlin und Wuppertal

Für Kurzentschlossene: Heute in BerlinSoLiDaRiDaNcE #8 – early summer dance – Soli for medical support (Facebook-Event).

5. Juni in Berlin: Die Künstlerin Deborah Schmidt stellt in der Alpha Nova Kulturwerkstatt bis Mitte Juli ihre Malereien zum Thema „Material Matters. Bewegte und widerspenstige Körper“ aus.

9. Juni in Berlin: „Wie Lesben weltweit sichtbar werden. Vorbild Masakhane Projekt“: Ein internationales Gespräch über lesbische Präsenz in politischen Netzwerken und Kampagnen: mit Dawn Cavanagh (Coalition of African Lesbians), Uta Schwenke (LSVD), Manuela Kay (L-Mag) und Birgit Bosold (Schwules Museum) in der Werkstatt der Kulturen, Wissmannstr. 32.

11. Juni in Wuppertal: Aus der Vortragsreihe „Geschlecht in Szene“ der Rosa-Luxemburg-Stiftung:  Nadia Shehadeh diskutiert zum Thema „Feminismus im Netz an der Universität Wuppertal. Weitere Informationen findet ihr hier.

11. Juni in Berlin: Aus der Reihe „Widerstandsbewegungen von geflüchteten Frauen* in Berlin und Deutschland“: LSBT*I*Q Perspektiven im Kontext der Asyl- und Flüchtlingspolitik Deutschlands. (Facebook-Event)

13. Juni in BerlinBerlin Postkolonial veranstaltet einen Stadtrundgang zum Thema „Frauen im Kolonialismus.“ (Facebook-Event) Eine Übersicht über weitere Veranstaltungen findet ihr hier.

21. Juni in BerlinLesMigras-Workshop mit Dark Matter: „Protect me from what I want / Bewahre mich vor dem was ich will“. (Facebook-Event)

26. Juni in Berlin: Frauenkreise-Workshop: „Wo hört Solidarität auf und wo fängt Paternalismus an?“

Juni in Berlin: Eine Übersicht zu den Veranstaltungen des Interkulturellen Frauenzentrums S.U.S.I., mit Workshops, Buchpräsentationen und Vorträgen, findet ihr hier.

12. Juli in Berlin: „Die Widerständigen“: Ein Film über die letzten noch lebenden Zeitzeug_innen aus der Widerstandsbewegung der Weißen Rose.


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Ein Brief an feministische Frauen(Lesben)-(Polit)gruppen: Über Frauen(Lesben)-Räume, (Queer-)Feminismus und nicht-binäre Genderverortung_identifikation

14. Mai 2015 von Gastautor_in

Ich verorte mich als genderqueere Person und queer-feministische_r Trans*aktivist_in. Ich schreibe eigentlich keine Texte wie diese, habe keine theoretischen Auseinandersetzungen mit (Queer-)Feminismus, kann keine Theoretiker_innen lesen, habe nicht studiert, habe kein richtiges Abitur aber eine Konzentrationsschwäche. Also kann ich in folgendem Text nur mit meinen politischen Auseinandersetzungen und meinen Gefühlen argumentieren.

Liebe feministische Frauen(Lesben)-(Polit)gruppen,
ich fühle mich dem Feminismus stark verbunden, er begleitet mich seit ein paar Jahren und ich definiere mich sehr stark über ihn. Ich habe in den letzten Jahren einige offene Veranstaltungen von Frauen(Lesben)-Politgruppen besucht und unterstützt und finde viele Themen sehr, sehr wichtig. Manchmal weiß ich aber nicht so recht ob ich diesen Kampf überhaupt mitkämpfen darf, denn Identitäten_Verortungen außerhalb von Frau und Mann finden bei euch kaum_keine Erwähnung. Ich weiß, dass Anerkennung für feministische Themen oft sehr rar ist, was es nicht immer einfach macht dafür zu Kämpfen. Trotzdem ist mir wichtig, auch an euch meine Kritik herantragen zu dürfen:

Ich bin keine Frau, bin aber auch kein Mann. Mache jedoch tagtäglich Erfahrungen mit dieser Gesellschaft, die ihr wahrscheinlich „frauenspezifisch“ nennen würdet. Aber das sind meine Erfahrungen und die kann man mir nicht einfach so absprechen nur weil ich keine Frau bin. Denn nur ich weiß, welche Erfahrungen ich mache. Ich erlebe Sexismus, Cis-Sexismus und Hetero-Sexismus, weil ich meistens weiblich oder androgyn gelesen werde.

Und wenn ihr sagt, dass ihr auf geschlechtsspezifische Macht- und Unterdrückungsverhältnisse aufmerksam machen wollt und euch auf Feminismus beruft, fühle ich mich da mitgemeint. Jedoch passe ich nicht in das Konstrukt Frau bzw. FrauLesbe. Zu meinen Auseinandersetzungen mit Gender gehört es, mich bewusst keinem der offiziell anerkannten Geschlechter zuzuordnen. Und deshalb finde ich übrigens auch das generische Femininum ausschließend, wenn über Personen gesprochen wird die sich zum Beispiel als genderqueer verorten_identifizieren oder die Gender-Verortung_Identität nicht bekannt ist.

Ich werde von dieser Gesellschaft „frauisiert“ und somit als Frau und Lesbe diskriminiert. Meine Selbstbezeichnung ist aber eine andere. Die Raumfrage würde ich mir deshalb so beantworten: Es gibt diese Form der Machtausübung (Patriarchat), davon sind vor allem Frauen negativ betroffen, aber auch Personen, die sich selbst anders wahrnehmen, jedoch (z.B. auf Grund von weiblichkeits-Abwertung) sehr ähnliche Erfahrungen machen. Klar, Männer können auch unter dem Patriarchat leiden, sie profitieren aber eben auch wesentlich mehr als alle anderen Geschlechter.

Daraus ergibt sich, dass ich einen Raum eher über gemeinsame negative Erfahrungen mit Sexismen (und damit verschränkte Unterdrückungsmechanismen) definieren würde, anstatt negative Erfahrungen mit Sexismus nur an Frauen(Lesben) zu koppeln. Wenn Personen also feststellen, dass sie negativ von Sexismus betroffen sind und eher keine männlichen Privilegien haben, weil sie sich beispielsweise als genderqueer verorten_identifizieren, sollen sie sich für einen solchen Raum entscheiden können.

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