Einträge mit dem Tag ‘Sexarbeit’


Wenn Herr Kaiser und seine Freunde mal so richtig feiern

19. Mai 2011 von Helga

Dass Vorstandsetagen auch im 21. Jahrhundert ein Männerclub sind, in dem Frauen nicht als Kollginnen vorgesehen sind, verdeutlichte 2005 schon die VW-Affäre. Neben „normaler“ Veruntreuung gab man dort auch Millionen für „Lustreisen“ und Bordellbesuche aus. Finanziert aus der Firmenkasse. Anscheinend kein Einzelfall.

So berichtet gerade das Handelsblatt von einer Party der ganz besonderen Art der Versicherung Hamburg-Mannheimer. Die hatte ihre besten Vertreter geladen – ob dort keine erfolgreichen Vertreterinnen arbeiten oder diese schlicht nicht eingeladen wurden, bleibt unklar. Bei der Party in einer Budapester Therme, wären sie auf jeden Fall fehl am Platze gewesen:

“Die Damen trugen rote und gelbe Bändchen”, berichtet einer der Gäste in seiner eidesstattlichen Versicherung. Die einen waren als Hostessen anwesend, die anderen machten durch die Farbe des Handschmucks deutlich, dass sie nicht nur zum Plaudern gekommen waren. Und dann gab es da auch Damen mit weißen Bändchen. Sie waren reserviert für die Vorstände und die Besten der Besten aus der Vertriebstruppe, intern die “Top-Five-Mitglieder” genannt.

Wem sich hier der Eindruck aufdrängt, Frauen wären mehr als Fleisch und Ware behandelt worden, denn als Mensch – es geht noch gruseliger:

“Jeder konnte mit einer der Damen auf eines der Betten gehen und tun, was er wollte. Die Damen wurden nach jedem solcher Treffen mit einem Stempel auf ihrem Unterarm abgestempelt. So wurde festgehalten, welche Dame wie oft frequentiert wurde”, schreibt ein Anwesender, ebenfalls an Eides statt.

Ich glaube, ich will nicht einmal wissen, warum sie diese Dokumentation an den Sexarbeiterinnen haben vornehmen lassen. Und was ist dort mit der körperlichen Selbstbestimmung passiert? Jeder durfte mit den Frauen tun, was er wollte – auch wenn sie das nicht wollte? In der hauseigenen Mitarbeiterzeitung Profil wurde schließlich mit vielen Bildern über das „Incentive-Event“ berichtet und mit Lob nicht gespart.

Back to the roots – so war es für die einen. Unglaublich, was man in der HMI wirklich erleben kann – so war es für die anderen. Aus welchem Blickwinkel auch immer man diese Mega-Fete betrachtete, ein Mordsspaß war es auf alle Fälle. Jedenfalls haben wir bis zu diesem Zeitpunkt noch niemanden gefunden, der dabei war und nicht sofort wieder loslegen möchte.

Das Handelsblatt hat letzteres übrigens abgetippt für ihren Artikel und den ersten Satz weggelassen. Dabei tun sich hier noch ganz andere Abgründe auf. Ob sich „Back to the roots“ nun auf die Vergangenheit bezieht oder derartige Parties auch auf niedrigeren Ebenen der Versicherung an der Tagesordnung sind – das möchte ich nun doch gern wissen.


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“Mit Feminismus erwachsen werden” – die Blogschau

20. November 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 68 von 144 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Kathrin Ganz hat auf ihrem Blog I Heart Digital Life eine Liste von Podcasts von/mit Frauen* zusammengestellt. Davon inspiriert veröffentlichte auch Antje Schrupp einen Podcast zum Thema “Feminismus vs. Islam?”.

Die Informatikstudentin Melanie von Sideglance macht sich Gedanken darüber, ob sie überhaupt verallgemeinernd von Frauen in der Informatik sprechen sollte.

Schätzungsweise 90% der Fabrikarbeiter_innen in der chinesischen Elektronikindustrie, wo ein Viertel der heute weltweit verkauften Computer hergestellt werden, sind Frauen. Diese Industrie sorgt dafür, dass wir mit einer Vielzahl technischer Möglichkeiten ausgestattet und so feministische Debatten im Netz möglich werden. Angesichts dieser Realitäten wünscht sich das Missy Magazin feministische Debatten und Kampagnen zu den Arbeitsbedingungen in der Elektroindustrie. Denn: “Wir hängen alle mit drin – wir IT- und Kulturarbeiterinnen an diesem, die Fließbandarbeiterinnen am anderen Ende.”

Auf Sina’s Blog findet ihr einen Link zu einer “ehrlichen und realistischen Doku über drei Sexarbeiterinnen im mittleren Alter“.

Annina von Girls Can Blog stellt diese Woche Cathrin vor, eine Geschichtsstudentin, die von ihren Erlebnissen in Hanoi schreibt. Außerdem berichtet Annina über die Bloggerin und Journalistin Asmaa Alghoul aus Gaza, die eine Morddrohung erhalten halt – weil sie sich für die Rechte palästinensischer Frauen einsetzt (eine deutsche Version gibt es auf Ruhrbarone).

Marianna erinnert auf ihrem Blog Frau mit Bart an den heutigen Gedenktag für Transgender, die im letzten Jahr aus dem Leben gerissen wurden.

Leoni vom Mädchenblog hat ein gruseliges Stück Publikation ausgegraben: “How to cure a feminist”. Bäh!

Unsere Nadine schreibt auf ihrem Blog Medienelite vom “schönen Gefühl mit Feminismus erwachsen zu werden“.

Die Opalkatze verweist auf eine Rede der gerade frisch ernannten Verfassungsrichterin Susanne Baer auf dem Netzpolitischen Kongress der Grünen zum Thema: “Braucht das Grundgesetz ein Update? – Bürgerrechte im Internetzeitalter”.

Silke Meyer von 404 – Not Found macht auf ein Interview über Geschlechterverhältnisse im Internet und feministisches Bloggen aufmerksam, das Analyse und Kritik mit ihr durchführte.

Svenja von Svenja and the City ärgert sich über einen Arbeitskollegen, der sie noch immer mit “er” anspricht – obwohl sie seit fünf Jahren als Frau lebt.

Nele Tabler fragt auf ihrem Blog Karnele: “Frauen in Männerberufen und ganz besonders Lesben in Männerberufen – habt Ihr Erfahrung mit Mobbing? Wenn ja, welche? Und wie habt Ihr darauf reagiert?”


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HIV, Sexarbeit, inhaftierte Schwangere, social media, Verschleierung, Gaza, die Maus, Körper und Punk

22. Juli 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 68 von 138 der Serie Kurz notiert

Kleines Land, großes Problem: DieStandard.at berichtet über die wachsenden Probleme mit AIDS und HIV in El Salvador. Laut der Hilfsorganisation Plan International liegt der Anteil heterosexueller Übertragung inzwischen bei 77 Prozent. Vor allem das fehlende Problembewußtsein verstärke die Krise noch.

Auf altmuslimah berichtet die Fotografin Kate Orne von ihren Recherchen in pakistanischen Bordellen und dem Kampf der Sexarbeiterinnen, um ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Unglaublich: NPR berichtet über inhaftierte Schwangere in den USA, die bei der Geburt hinter Gittern weiterhin gefesselt bleiben.

DieStandard.at hat die europäischen Verschleierungsverbote bzw. Pläne dazu im Überblick.

Im Gaza-Steifen dürfen Frauen künftig in Cafés keine Wasserpfeifen mehr rauchen. Unter dem Deckmantel des Gesundheitsschutzes ein weiterer Schritt hin zum konservativen „Gemeinwesen staatlich verordneter Gottesfurcht” fürchtet die Süddeutsche.

Die FAZ porträtiert die Erfinderin der Maus – Isolde Schmitt-Menzel. Obwohl die Maus bereits seit 40 Jahren über unsere Fernsehbildschirme wandert, zunächst als „Maus im Laden” dann in der „Sendung mit der Maus“, wußte das sogar an ihrer ehemaligen Hochschule bis vor kurzem kaum jemand.

DieStandard.at berichtet wie vor 40 Jahren die ersten Frauen in Wien eine Straßenbahn führen durften - unter argwöhnischer Beobachtung ihrer Kollegen.

Social media-Netzwerke werden stärker von Frauen als von Männern genutzt. Warum? Die Antwort von Jessica Fay Carter auf mashable.com lautet: Weil sie vom sozialen und kulturellen Kapital auch stärker profitieren.

Auf TheF-Bomb schreibt Danielle über ihre Erfahrungen als “’Phat’ Girl in a Skinny World“.

Wer nächste Woche Mittwoch in Berlin ist und auf feinsten Grrrl Punk steht, feiert mit AgathaRespect My Fist und Ex Best Friends in der Scharni 38 ab.


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Skaten, twitter, Israel, Kopfrechnerin, Sexarbeit, Keuschheit, Sex and the City und Ost-Feminismus

9. Juni 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 82 von 138 der Serie Kurz notiert

Beim Thema Skaten fallen einem meist nur männliche Skater ein. Der Fotograf Max Hamilton hat daher britische Skaterinnen fotografiert und zeigt die Fotos auf seiner Webseite.

Seit kurzem folgt und retweetet die feministisch-queere Twitterszene FeministHulk – das Ms. Magazine hat sogar ein Interview bekommen. Dabei gibt es noch mehr Superhelden. Die Comics Alliance hat überlegt, wie deren Tweets wohl aussehen könnten.

Die 89-jährige Journalistin Helen Thomas hat Generationen von US-Präsidenten mit ihrer scharfen Zunge zugesetzt. Nun musste sie wegen wegen ihrer unflätigen Kritik an Israel antisemitischen Äußerungen (youtube) das Pressekorps im Weißen Haus verlassen.

Die elfjährige Priyanshi Somani aus Indien ist neue Weltmeisterin im Kopfrechnen.

Carolin Küppers berichtet in der Jungle World über die Arbeitsbedingungen in der südafrikanischen “Sexarbeit” und die erwartete stärkere Repression während der WM.

Eine illustrierte Geschichte über männliche Keuschheitsgeräte findet ihr hier.

Ebenfalls in der Jungle World: Petra Müller thematisiert die vor etwa einem Jahr vom Bundestag beschlossene Verschärfung des Schwangerschaftkonfliktgesetzes und konstatiert: “Wessen Situation sich dadurch verbessert hat, ist weitgehend unklar.”

Urban Outfitters hat mal wieder ein bescheuertes T-Shirt mit der Aufschrift “Eat Less” auf dem Markt – nicht zum ersten Mal.

Die Junge Welt schreibt über Feminismus in der DDR.

Feministing und Muslimah Media Watch rezensierten den neuen Sex and the City II. Muslimah Media Watch befindet:

Any feminism that was in the original series has been trussed to death with accessories—SATC2 is just porn for rich western women.

Feministing hat außerdem noch eine Video-Rezension vorbereitet:


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Böse Pussy

26. April 2010 von Verena
Dieser Text ist Teil 4 von 20 der Serie Sex am Morgen

Das Meiste, das ich im Zusammenhang mit Frauen und Sexualität finde, ist eine traurige, negativ bewertete, tabuisierte Angelegenheit… die Vulva-Spots der Woche:

Über ein neues Gesetz in Großbritannien “zum Schutze” von Prostituierten berichtet diestandard.at. Demnach steht bezahlter Sex mit “ausgebeuteten Personen” unter Strafe und kann als Vergewaltigung angeklagt werden. Prostitution an sich bleibt straffei, aber die Umstände werden zunehmend kriminalisiert, was die englische Prostituiertengemeinschaft ECP kritisiert.

Auf QuietRiotGirl konstatiert die Autorin: Sexarbeit ist überall und wir sind alle involviert.

Das Ergebnis einer Studie der Niedersächsischen Landesmedienanstalt bestätigt den regelmäßigen Pornokonsum von Jugendlichen via Internet oder Handy. Das Erschreckende: Der Konsum wird bei Jungs mit ihren Trieben gerechtfertigt, während Mädchen diese abgesprochen werden. Hallo 18. Jahrhundert!

Vanille und Grapefruit-Aroma gegen müffelnde Vaginas

Bitchmagazine ärgert sich über das Vaginal-Spray “I Love My Muff” – Richtig so, denn wieso wird Frauen mit Produkten wie diesen verklickert, ihre Vagina sei dreckig, rieche unangenehm und bräuchte eine hygienische Aufwertung?

jezebel sucht Tampon-Werbung, die frei von Euphemismen ist und keine Angst vor dem Tabuwort “Vagina” hat. Ansatzweise werden sie sogar fündig.


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blau, blau, blau…

29. März 2010 von Verena
Dieser Text ist Teil 2 von 20 der Serie Sex am Morgen

… sind alle meine Binden. Hä? Die V-Spots dieses Mal mit einem Rundumschlag in Sachen prüder Medienkompetenz, unverschlossener Bordelle und exotischem Fruchtsex.

Medienkompetenz ist das Stichwort, das die Menschheit davon abhalten soll, peinliche Partyfotos und brüsteblitzende Profilbilder ins Internet zu stellen. Neu im Diskurs, wie bewahre ich die Jugend vor Schaden im Internet, ist die “Pornokompetenz”, die die Erziehungswissenschaftlerin Karla Etschenberg in einem Interview mit dem Schweizer Tagesanzeiger fordert. Im Unterricht soll  SchülerInnen anhand von ausgewählten Szenen Verhaltensschemata, Praktiken und Hintergründe von Pornofilmen vermittelt werden, auch um diese durch den direkten Zugang zu “entzaubern”:

Ich frage mich, was gefährlicher ist: Ein klares Sprechen über Pornografie, sodass beim Porno-Konsum das Wissen eines Erwachsenen mitschwingt. Oder der Porno-Konsum ohne Kommentar oder Begleitung. Alle beklagen sich doch über die Pornos im Internet und auf Handys und die Pornografisierung des Sexualverhaltens bis hin in den Kindergarten. Schon da werden teilweise Gruppenvergewaltigungen nachgespielt. Die Bilder haben die Kinder doch nicht aus dem Bilderbuch.

Apropos Medienkompetenz: Wer klärt junge Mädchen eigentlich darüber auf, dass ihre Monatsblutung rot und nicht blau ist. Denn in Tampon- und Bindenwerbung wird immer noch mit dieser unsinnigen Ersatzflüssigkeit gearbeitet. Die Sache bloß nicht bei der Farbe zeigen bzw. beim Namen nennen. Das geht soweit, dass in der us-amerikanischen TV-Werbung auch das Wort Vagina verboten ist, wie der freitag berichtet. Herrje! (weiterlesen …)


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Gegen Gewalt an Sexarbeiter_innen

18. Dezember 2009 von Helga

Roter Regenschirm mit Aufschrift: December 17th International Day to END Violence Against Sex Workers - www.swopusa.org/dec17/index.html Sexarbeiter_innen sind auch heute noch häufig Opfer von Gewalt und Straftaten – viele glauben etwa, eine Prostituierte könne nicht vergewaltigt werden. Seit 2003 wird daher der 17. Dezember (der schon gestern war), als Internationaler Tag gegen Gewalt an Sexarbeiter_innen begangen, wie Sina berichtete:

Er wurde von Dr. Annie Sprinkle und dem “Sex Workers Outreach Project USA (Swop)” als Gedenktag für die Opfer des Green River Mörders initiiert. Seitdem hat es sich zu einem jährlichen Event entwickelt, bei dem auf die Diskriminierung und Gewalt gegen Sexarbeiter/innen durch Gesetze, Polizei und Privatpersonen aufmerksam gemacht wird.

Video von Waking Vixen.


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Blogs, Blogs, Blogs

11. November 2009 von Helga

In den letzten Monaten entstanden in der englischsprachigen Blogsphäre einige Gruppenblogs, die die Vielfalt unter Feministinnen deutlich machen.

“Und bleib gesund” rufen wir uns oft zum Abschied hinterher. Doch was ist mit denen, die eine Behinderung haben oder krank werden? FWD/Forward beschäftigt sich mit den Problemen, die Feministinnen mit Behinderungen begegnen.

Frauen und Technik passen entgegen vieler Vorurteile gut zusammen. Doch diese Vorurteile, besonders der Sexismus) können “Geekinnen” das Leben ganz schön schwer machen. Positive und negative Aspekte beleuchtet Geek Feminism. Besonders in Open Source-Projekten sind Frauen unterrepräsentiert (nicht mal 2%, in Closed Source-Projekten immerhin 28%). Die Mozilla-Foundation versucht mit Women & Mozilla Programmiererinnen zu rekrutieren.

Das Thema des nächsten Blogs hat sicher schon viele Sucher über Google angelockt… die aber sicher etwas anderes erwartet hätten:

The beauty of the breast is socially constructed. Fashion and media tend to influence how society views breasts. The natural breast is stigmatized for its imperfections while millions of women struggle with body image in pursuit of unnatural perfection. The breast is also influenced by culture in that in the United States, boobs are considered to be a taboo sex organ.

Mehr auf Her Life With Boobs.

Um das älteste Gewerbe der Welt dreht es sich auf Harlot’s Parlour. Sexarbeiter_innen und allies (gibt es dafür schon einen deutschen Ausdruck?) berichten über Politik, Sexualität und ihre Arbeit. Die Mitschreiber_innen kommen aus der ganzen Welt, ab und an schreiben auch Klienten.

Deutschsprachige Blogs stellen wir Euch regelmäßig in der Serie WWW Girls vor.


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Staatliches Bordell

22. Oktober 2009 von Verena

Eine ungewöhnliche Forderung stellte jetzt die Schweizer Aidshilfe: Um die gesundheitlichen Risiken für Prostituierte einzuschränken, sollen staatliche Bordelle für verbesserte Arbeitsbedingungen sorgen.

Wie die Basler Zeitung berichtet, sind besonders Frauen, die sich illegal in der Schweiz aufhalten, von Nötigungen und Misshandlungen betroffen. Dabei sind es vor allem wirtschaftliche Ursachen, wie hohe Zimmermieten, die die Frauen psychischer und körperliche Gewalt aussetzen und immer wieder unter Druck setzen, auf Kondome zu verzichten.

Aus diesem Grund müsste Sexarbeit als Arbeit definiert werden, fordern nicht nur Schweizer Sozialwissenschaftlerinnen, sondern auch Nicole Wehrle von der Baseler Aidshilfe. Wehrle, zuständig für die Aidsprävention im Sexgewerbe, schlägt ein staatliches Bordell vor,

mit Kondomen auf den Zimmern, Handtüchern und Duschen. Für die Sexarbeiterinnen müsste es faire Zimmerpreise geben und Präventionsmaterial bereitliegen. Natürlich müssten auch rechtliche Bedingungen geschaffen werden, damit die Sexarbeiterinnen legal arbeiten können. Schweizerinnen und Ausländerinnen aus EU-Staaten können dies bereits. {…} Mit einer Legalisierung der Sexarbeiterinnen – zumindest für eine gewisse Zeit – könnten diese auch zu staatlichen Abgaben verpflichtet werden.

Und weiter:

Wehrles Hoffnung ist, dass die Bordellbetreiber mitziehen und ihre Standards anpassen würden. Ihr schwebt so etwas wie ein Gütesiegel für Bordelle vor. Sie sei sich im Klaren darüber, dass der Kanton kein Bordell betreiben könne. Aber mit ihrem Vorschlag möchte sie die Bildung einer Arbeitsgruppe aus Behördmitgliedern, Aidshilfe-Mitarbeitern, Leuten aus dem Milieu und Freiern forcieren. «Ich kenne Freier, die bei den Prostituierten gerne auf ein Label setzten würden.» Wie beim Bio-Gemüse.

Auch wenn der Vergleich mit dem Bio-Gemüse ziemlich hinkt, eine gute Idee, auch über die Schweizer Grenze hinaus.


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Sexarbeit und Feminismus

1. Oktober 2009 von Susanne
Dieser Text ist Teil 17 von 94 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

SINAMORE6.blogspot.com

Wie heißt du?
Sina.

Seit wann bloggst du?
Seit Anfang August 2009, also erst seit kurzem.

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Als ich anfing als Escort zu arbeiten, begann ich mich gleichzeitig stärker für Feminismus und die Rechte von SexarbeiterInnen zu interessieren. Ich habe mich schon immer als Feministin identifiziert, hatte mich jedoch nie tiefer mit dem Thema auseinandergesetzt – es war einfach selbstverständlich. Als ich mehr darüber zu lesen begann, war ich deshalb ziemlich schockiert zu erfahren, wie einige Feministinnen über Prostituierte sprechen, mit allen Mitteln versuchen, Vorurteile aufrechtzuerhalten, ohne die Ansichten der direkt Betroffenen im Mindesten zu respektieren. Auf der anderen Seite entdeckte ich viele interessante Blogs von Personen, welche mein „Feminismus-Ideal“ teilten. Einige Zeit las ich mit, dann beschloss ich selbst ein Teil dieser spannenden Blogsphäre zu werden, meine Erlebnisse und Gedanken der Welt mitzuteilen, oder immerhin der deutschsprachigen Welt.

Worüber schreibst du?
Über alles Mögliche, was mir in den Sinn kommt. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf gesellschaftlichen/feministischen Themen, der kritischen Beurteilung darüber, wie SexarbeiterInnen in den Medien und von Interessengruppen dargestellt werden, sowie meinen eigenen Erfahrungen aus dem besagten Gewerbe.

Was dir ohne Internet nicht passiert wäre:
Ohne das Internet würde mein Leben ziemlich anders aussehen. Ich arbeite über das Internet, informiere mich und kommuniziere darüber. Ich empfinde es als eine große Bereicherung.

Wovon braucht das Internet mehr?
Datensicherheit. Respekt und sachliche Diskussionen. Aufgrund der fehlenden Sprechintonation und der Beständigkeit des einmal Geschrieben ist es einfach, etwas falsch zu verstehen und Sachen hineinzuinterpretieren. Da entstehen schnell Missverständnisse. Entspanntheit und das Verzichten auf böswilligen Interpretationen würde vielen gut tun, sowohl im Internet als auch im „realen“ Leben.

Frauen im Web haben…
die Macht, die Welt zu verändern! (Genauso wie die Männer auch.)

Deine tägliche Web-Lektüre:
Waking Vixen und Spiegel Online.


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