Mein Halloween Kostüm in diesem Jahr war simpel: Eine Blume im Haar, Unmengen an Glitzer im Gesicht und eine fiese Narbe auf der Wange, aus der noch etwas dramatisch das Kunstblut floß. Die Leute in der U-Bahn fanden es eklig – also war ich zufrieden.
Viele andere Frauen gingen dieses Jahr ganz klassisch als Katzen, Teufel oder Häschen verkleidet, welches Kostüme sind, die mit ihrem simplen Kopfschmuck leicht zu erkennen sind. Traf man nun beispielsweise ein verkleidetes Teufelchen mit knallroten Hörnern, fiel allerdings auf, dass der Rest des Outfits in der Regel recht minimalistisch war – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.
Halloween ist neben der Zeit des Verkleidens nämlich auch die Zeit der nackten Tatsachen.
Auf sociological images bemerkt man, wie die übersexualisierte Darstellung von recht unschuldigen Charaktären – darunter Kinderfiguren wie Rotkäppchen oder Alice im Wunderland – eine weitreichende Konsequenz hat: jene fiktiven Figuren werden mit einer ordentlichen Portion Sex aufgepeppt und die Frauen, die diese Kostüme tragen, wirken gleichzeitig unschuldig, infantil und dennoch verrucht sexy. Und damit gelingt die perfekte Symbiose der Unschuld und Verführung.
Andy Marlette hat die Kommerzialisierung des sexy Kostüms und dessen Vermarktung an die weibliche Kundschaft in einem netten Cartoon dargestellt:
andymarlette.com
Da bleibt uns zwar die Auswahl zwischen Krankenschwester, Hexe, Häschen, Vampir, Katze oder Fee, aber kurz muss der Rock schon sein!
halloweencostumes4u.com
Auch die Kleinen sollen da schon üben, und zwar mit einem Riot Grrrl Kostüm (!!), in dessen Beschreibung es heißt:
“She’s sure to turn heads when she wears this stylish Riot Grrrl Child’s Halloween Costume. (..) Add the Camo Girl boot tops as seen below and she’ll be ready to riot in style.”
(zu deutsch: “Sie kann sich sicher sein, dass sie so einige Köpfe verdrehen wird, wenn sie ihr stylisches Riot Grrrl Halloween Kostüm trägt. Füge das Tarnanzug Netz-Top hinzu und sie ist fertig zum stylischen Krawallmachen.”)
Da würden die Riot Grrrls wohl ordentlich rebellieren: Kritisch ist wohl nicht nur, dass die Riot Grrrl Bewegung durchgestylt kommerzialisiert wird, sondern auch, dass dies mit dem Anspruch geschieht, anderen stylisch den Kopf zu verdrehen.
Neben sexistischen Halloween-Kostümen (hier eine Top 10 von The Sexist), gab es dieses Jahr auch jede Menge ausländerfeindliche (via racewire) und rassistische Kostüme (via AngryAsianManundsociological images).
Dass jedes iPhone-Programm zunächst von Apple freigegeben werden muss, sollte solche Desaster eigentlich verhindern. Denn entgegen dem Grundsatz “Sex sells” sind im App Store keine Pornos erlaubt. Doch wiedereinmal hat irgendjemand nicht aufgepasst: Wie Techcrunch berichtet, gibt es nun “Asian Boobs” für billige 99 Cent im App Store (1,59 Euro in Deutschland).
Photos of sexy asian girls with BIG BOOBS, 100+ galleries and 2500+ photos, updated regularly. Japanese girls, Korean girls, Chinese girls, Taiwanese girls, models, stewardesses, nurses, school girls, teachers, bikini girls, sexy girls and more.
Nicht gut angekommen war dagegen das someecards-Programm. Deren beißender Humor stieß den Apple-Testern anscheinend sauer auf.
Bilder leichtbekleideter Krankenschwestern – ok. Witze über die Industrie hinter Kostümen leichtbekleideter Krankenschwestern – nicht ok. Euch bei Apple beschweren könnt ihr hier.
„…die Tour geht nun mal weiter und der Poison Frontmann sucht wieder seine Traumfrau. Die zweite Staffel von ‘Rock of Love’ präsentiert zwanzig neue Damen, die auf Bret Michaels Herz hoffen. Die Frauen werden auf ihre Hingabe zu ihm und ihre Liebe zum Rock’n'Roll getestet. Bret macht es ihnen nicht leicht und wird sie vor einige Herausforderungen stellen. Die Damen, die diese mit Bravour bestehen, werden mit ihm wilde und exklusive Ausflüge machen, während die Verliererinnen, die nicht wie ein wahrer VIP im Backstage Bereich abhängen können, freundlich rausgeleitet werden.“
(Zitiert von http://www.mtv.de/tv/shows/19946444)
Nun, was sagt man dazu? Bret Michaels ist also wieder solo und weil er letzteres aus irgendeinem Grund nicht auch mal länger bleiben kann, braucht es also wieder eine Frau. Diese Frau findet man aber nicht, indem man sie in der Bibliothek oder in der Kneipe auf gleicher Augenhöhe anspricht. Es muss schon eine kleine Auswahl an Kandidatinnen geben:
Die Initiative Regenbogen e.V., ein Verein für AIDS-Prävention, hat sich eine neue Kampagne ausgedacht. Weil die Anzeigen mit in Verhüterlis gekleidetem Obst und Gemüse nicht mehr richtig auffielen, musste was Radikales her. Unter dem Motto „Aids ist ein Massenmörder“ werden nun Schurken der Geschichte zum personalisierten HIV-Virus. Egal ob Saddam Hussein, Josef Stalin oder Adolf Hitler – auf Plakaten und im Video zeigen sich heiße nackte Girls in geschlechtlicher Umarmung mit dem Bösen.
Spiegel Onlineberichtet, dass die Kampagne vor allem in Großbritannien und den USA für Proteste sorge:
Der Spot “stigmatisiere die Menschen, die HIV-positiv sind und die ohnehin einer großen Diskriminierung und Ignoranz ausgesetzt” seien, sagte eine Sprecherin des National Aids Trust, der die Aktionen zum Welt-Aids-Tag in Großbritannien koordiniert.
Die Organisation befürchtet, dass die Botschaft des Spots die Menschen davon abhalte, sich testen zu lassen – die HIV-Positiven sowie die Erkrankten würden selbst zu Massenmördern stigmatisiert. Zudem wird kritisiert, dass die Videos keine Informationen über Präventionsmöglichkeiten enthielten
Nicht nur liefert die Anzeige keine Informationen, wie man sich schützen kann, auch impliziert sie eine massive Geschlechterdiskriminierung: Die Frau ist Opfer der Ansteckung, der Mann der böse Überträger. Gleichzeitig assoziieren die Bilder und vor allem der Spot eine heiße, unverbindliche Sexnacht – als seien nur unvorsichtige One-Night-Stand-Fans gefährdet, sich mit HIV zu infizieren. Dass das Virus auch auf anderen Wegen und durchaus in Partnerschaften übertragen werden kann, wird hier außer Acht gelassen. Und bitte, wenn es schon um Sex geht, dann müssen Brüste und Hintern der Frau genauso in Szene gesetzt werden, wie ihre lustverzerrte Mimik… als ob Nekrophilie, also Sex mit Toten, Spaß mache…
Wie aber kann gute Anti-AIDS Werbung aussehen? Der Hinweis auf die Nutzung von Kondomen erscheint in diesem Zusammenhang unerlässlich. Und den Ernst des Themas mit Aufmerksamkeit und gegebenenfalls Humor zu paaren, ist nicht leicht. Aber vielleicht ist die Orientierung an die AIDS-Prävention Werbung der 90er Jahre lohnenswerter, als der missglückte Griff in historische Mottenkisten.
Dieser Text ist Teil 7 von 152 der Serie Kurz notiert
In dieser Woche sind einige seltsame Meldungen und Nachrichten durch das Internet gegangen:
Bild: über feministing.com
Aufhorchen lassen hat mich die Nachricht aus Radio, Fernsehen und Zeitung, dass Caster Semenya, Siegerin im 800-Meter-Lauf, eine Geschlechtsuntersuchung machen lassen muss, wie auch sueddeutsche.deberichtet. Der Grund sei ihre körperliche Erscheinung. Courtney E. Martin von Feministingkommentiert das Ganze treffend:
“The ambiguity of sex may not even be at play with Caster Semenya, but the public’s reaction to her performance and body are flash points for our continued discomfort with admitting that the world does not come in such simple dichotomies as we safely like to think it does.”
Auch die Netzzeitungschreibt, dass die Bestimmung des Geschlechts häufig schwierig sei und zitiert die Humangenetikerin Prof. Heidemarie Neitzel, es müsse “wie bei jedem Menschen das Selbstbestimmungsrecht gewahrt werden”.
Mit dem Titel “Lidstrich und Leberprellung” findet sich auf Spiegel Online ein Artikel über Gewalt unter Mädchen. Betrachtet wird der Fall eines Mädchens mit dem Namen “Nadine”, das regelmäßig andere Mädchen verprügelt. Eine neue Weiblichkeitsvorstellung beherrsche zunehmend Medien und Köpfe: Verkörpert werde es durch “Black Mamba” im Film “Kill Bill”. Sicher ein spannendes Thema, dem dennoch ein bisschen weniger Effekthascherei gut zu Gesichte stehen würde.
Dass Evangelikale Fundamentalisten und andere streng gläubige Menschen gerne Homosexuelle “heilen” und “umerziehen” möchten, sollte keine große Neuigkeit sein. Gefährlich für die Freiheit und Würde vieler Menschen ist es allemal. Doch noch gefährlicher wird es, wenn sich sogenannte WissenschaftlerInnen für so ein Anliegen hergeben und das ganze “streng wissenschaftlich” unterstützen wollen, wie die Zeit berichtet.
Da passt ganz gut der Artikel aus der Süddeutschen Zeitung, dass deutsche Stiftungen “lieber indische Kinder als Schwule” förderten und ‘Tabuthemen‘ meiden, aus Angst ihnen würde die gesellschaftliche Unterstützung versagt.
Ich mach mich schön, er und sie machen sich schön – alle wollen schön sein und versprechen sich davon so einiges. Aber was? Und warum der ganze Zirkus? Einige Fragen könnte das Interview mit der Soziologin Nina Degele in der taz beantworten. Bleibt nur eine Frage übrig: Wie kriegen wir die blöden Role Models unserer Zeit dazu, sie endlich aktiv am Kampf gegen die überzogenen Schönheitsnormen zu beteiligen???
Zwei weitere interessante Meldungen aus der taz: Die Vorsitzende der Grünen in NRW hat Alice Schwarzer scharfzüngig angegriffen. Zündstoff, vor allem, da es ein bisschen nach Wahltaktik riecht, aber lest doch selbst. Die zweite Meldung betrifft das Gleichbehandlungsgesetz, das nun drei Jahre wirkt – oder wirken sollte.
Striptease! – Das ist das Thema eines Artikels im Freitag und – wir ahnen es: Wenn dieses Thema auch noch mit einer Geschlechterperspektive daherkommt, dann wird es ordentlich Zündstoff bieten. Die Kommentare gehen wieder stark auf die Hundert und mehr zu, denn Autorin Tanya Gold vom Guardian schreibt unverwunden: Wenn Frauen sich Striptease von Männern angucken, wollen sie ein bisschen Spaß. Männern hingegen geht es um Macht und Unterwerfung.
Eine ruhige Woche in den Blogs. Kein Wunder, denn das super Wetter macht tippende Finger und Tastaturen eh nur klebrig. Besser ins Schwimmbad oder in den Park. Wer aber auch davon eine kleine Pause braucht, kann hier nachlesen, welche Bloggerinnen diese Woche der Hitze trotzten.
Für diejenigen, die alle vier Jahre kopfkratzend vor ihrem Wahlzettel stehen, klärtI Heart Digital Life über die Bedeutung der Erststimme auf. Denn der 27. September ist nicht mehr fern.
Das Mädchenblogkommentiert die Eröffnung einer weiteren deutschen Hooters-Filiale. Jetzt dürfen sich auch die BerlinerInnen ihre Burger mit Blick in prall gefüllte Dekolletees servieren lassen….
Und noch mal das Mädchenblog. Im verlinkten Artikel „Why modern feminism is illogical, unnecessary, and evil“, klärt Autor Satoshi Kanazawa die LeserInnen von Psychology Today darüber auf, warum, äh ja – die Überschrift sagt es bereits…
Side-Glanceweist auf die nächste „Informatica Feminale“ hin, die vom 7. bis zum 18. September an der Universität Bremen stattfindet. Zielgruppe der Veranstaltung sind sowohl informatikaffine Studentinnen als auch berufstätige Frauen.
Das Väterblog spricht den Vorstoß der SPD-Familienexpertin Manuela Schwesig an, die Väter- bzw. Partnermonate von zwei auf vier zu erhöhen, womit die Elternzeit auf 16 Monate ausgebaut würde.
Auch in Österreich scheinen die Geschlechterrollen wie in Beton gegossen zu sein. Die Standard.atberichtet, dass sich in den vergangenen 14 Jahren kaum etwas an der Auffassung geändert habe, Frauen sollten zuhause bleiben, wenn der Mann genügend Geld verdient.
Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschspachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter mannschaftspost(at)web.de Bescheid.
Dieser Text ist Teil 16 von 25 der Serie Wilde Mädchen
Es gibt Nachrichten, über die man sich freuen oder wundern kann. Ich bin erst mal für wundern gewesen, als ich Anfang der Woche las, wen Gabriele Pauli als Frauenbeauftragte in ihre neue Partei geholt hat: Kader Loth. “Kader wer?”, fragen jetzt vermutlich 97,9 Prozent der LeserInnen dieses Blogs, die weitaus besseres zu tun haben, als versierte Boulevard-Kenner zu sein. Frau Loth ist bekannt geworden durch ihr Engagement in der Müll, äh Containershow „Big Brother“ und anderer ähnlich verpolter Produktionen.
Wo Mutter Natur bei Kader Loth versagt hat, half Vater Schönheitschirurg nach: rundgepumpte Brüste und aufgemotzte Schmolllippen, bloß den IQ hat sich Kader Loth nicht aufrüsten lassen.
Deshalb halte ich auch die Ankündigung der ehemaligen Fürther Landrätin Gabriele Pauli, mit Loth den Kader ihrer frisch gegründeten Partei “Freie Union” zu verstärken, bloß für den Griff in den Publicity-Notfallkoffer. Denn bis nächste Woche muss die Politikerin 20.000 Unterschriften gesammelt haben, um mit ihrer Partei überhaupt an der Bundestagswahl teilnehmen zu können. Und der Titten-Trick funktioniert immer, wie Schlagzeilen bei spiegel.de oder welt.online beweisen.
Bevor wir aber unsere IQs anstrengen, ob eine Frauenbeauftragte Kader Loth von den Krankenkassen unterstützte Busen-OPs einführen wird, oder ob High-Heels Trägerinnen dann bei der Vergabe von Kita-Plätzen bevorzugt werden, finde ich es viel interessanter, zu überlegen, warum wir einem ehemaligen Playmate von vorneherein ihre politische Kompetenz absprechen?! Und das tun wir doch, oder?
Welche Chance hat eine Frau, deren öffentliche Vergangenheit sexuell geprägt ist, überhaupt, in serösen Tätigkeitsfeldern ernst genommen zu werden? Ich würde mal sagen, gar keine. Denn einmal nackig gemacht, prägt der Stempel „unseriös“ jedes noch so zugeknöpfte Outfit die Trägerin.
Eine Ausnahme hätte die Italienerin Ilona Staller sein können. Gescheitert ist sie vermutlich daran, dass sie auch als Abgeordnete das Cicciolina in ihr nicht ablegen konnte und ihre Aussagen jeweils mit Nippeldemonstration verband. Wie gut, dass mit Silvio Berlusconi Sex-Skandale so gar keine Rolle mehr in der italienischen Politik spielen… Oder wer erinnert sich an den politischen Fehltritt Michel Friedmans, der mit Prostituierten und Drogen seinen Hotelzimmeraufenthalt würzte. Spricht heute kein Mensch mehr von. Anders Gabriele Pauli, die sich, damals noch CSUlerin und Edmund-Stoiber-Angreiferin, gefährlich in ein paar Latexhandschuhen verfing. Das hat niemand vergessen. Und so erinnert sich auch jede und jeder an Kader Loth als D-Promi mit E-Körbchen, die als Frauenbeauftragte einer deutschen Partei nur ein Verzweiflungswitz sein kann.
Ich weiß nicht, was unsouveräner ist, Brüste zeigen oder Prostituierte konsumieren. Über politisches Know-How sagt beides nichts aus. Aber das zu zeigen, dürfte wohl keine der Playmates und FHM-Girls Gelegenheit bekommen. Zu sehr gilt bei einer Frau entweder Verstand oder Körper – schade eigentlich.
Dieser Text ist Teil 36 von 152 der Serie Kurz notiert
Die Weltwoche hat diese Woche eine Fingerübung in engstirnigem Sexismus veröffentlicht. In der Schweiz hat die Leiterin eines Unternehmens die Frechheit besessen, auf ihre Babypause zu bestehen. Und das in der Wirtschaftskrise, wo Wirtschaft das wichtigste der Welt ist! Empört sich Roger Köppel und fragt sich ganz ernsthaft: Darf eine Chefin in der Wirtschaftskrise einfach schwanger werden? Und begründet sein ausdrückliches NEIN damit, dass ein Firmenchef ja sicher auch nicht einen zweimonatigen Liebesurlaub nach Venedig machen dürfte. So zum Beispiel. Außerdem, und das ist wirklich mein absoluter Lieblingssatz in diesem Bouquet blumigster Metaphern: “Am Ende ist Wirtschaft wie Krieg: Armeen brauchen gute Generäle, die vor allem im Ernstfall verfügbar bleiben müssen.”
Da fragt man sich WTF? Gratuliere zu dem Wirtschaftsverständnis und viel Spaß damit, als männlicher Verantwortungsträger diese Sache zu einem glücklichen Ende zu führen. Immerhin, in Zukunft haben wir für jedes Mal, wenn einer Frauen als unlogisches Geschlecht bezeichnet, ein Textdokument als schlagenden Gegenbeweis.
SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier macht sich auch Gedanken darüber, Frauen Veranwortung zu geben und hat versprochen, sein Kabinett zu 50 Prozent mit Frauen zu besetzen. Entschuldigung, wenn mich das nach der bisherigen Priorität, die der SPD-Vorstand Frauenpolitik eingeräumt hat, nicht unbedingt überzeugt. Laut Emnid käme die SPD aktuell auf 24 Prozent; ich sag auch immer, dass ich 100 Prozent weniger rauche, wenn ich gerade eh kein Bier trinken werde.
Bei bitchbuzz gibt es eine Linkliste mit den flickr-Seitem vieler junger Fotografinnen. Die Autorin des Textes findet diese Frauen besonders talentiert, ich finde, ihre Bilder sehen sich alle recht ähnlich. Alles Klamotten, Glanzeffekte, Hipsterposen. Können wir die Indie-Ästhetik nicht langsam mal ein bisschen revolutionieren?
Die berüchtigte Don’t ask don’t tell-Politik, die im US-Militär gegenüber Homosexuellen betrieben wird, gerät zunehmend in die Kritik. Aktueller Auslöser ist der Mord an einem jungen Marine, der für seine sexuelle Orientierung von seinen Kameraden wohl schon lange belästigt wurde. Er hatte es nicht gewagt, sich bei seinem Vorgesetzten über Drohungen und Angriffe seiner Kameraden zu beschweren. Vergangene Woche wurde die halbverbrannte, mit Schusswunden durchsiebte Leiche des 29-jährigen August Provost an einem Wachposten aufgefunden.DADT bedeutet, kurz gesagt, dass Soldatinnen und Soldaten sich zu ihrer sexuellen Orientierung nicht äußern dürfen. Wer sich offen als schwul oder lesbisch bekennt, wird entlassen. Mit dieser Politik wird dafür gesorgt, dass zwar einerseits Schwule und Lesben stillschweigend geduldet werden, sie aber andererseits trotzdem keinen Schutz vor Diskriminierung erhalten. Obwohl Barack Obama die DADT-Policy kritisiert hat, ist von seiner Regierung bisher nichts für eine Reform getan. Und nachdem das US-Militär eine Bastion der chauvinistischen Brutalität ist – was auch die immer wieder erschreckende Vergewaltigungsrate zeigt – wird es wohl noch sehr lange dauern, bis sich überhaupt etwas tut.
Übergewichtige Kinder leiden schon früh an negativer Selbstwahrnehmung, sind oft einsam und haben mehr Angst als normalgewichtige Kinder. Eine neue Studie zeigt, dass das eigene Gewicht für Kinder schon viel früher als angenommen zum Problem wird. Die Forschungsgruppe zeigte sich überrascht, dass auch kleine Jungen an ihrem Gewicht stark leiden. Trotzdem zeigen vor allem kleine Mädchen, die dick sind oder einen Hang zum Übergewicht haben, Verhaltensauffälligkeiten. Die Forscher führen dies vor allem auf das gesellschaftliche Stigma, mit dem die Kinder schon früh konfrontiert bzw. belegt werden, zurück.
Das Online-Spiel Evon ist nicht nur ein Riesenbetrug, sondern wohl auch so unbeliebt, dass die Betreiber verzweigeln: Anders lässt sich die abgrundtiefe Geschmacklosigkeit dieser Werbungen wohl nicht erklären:
Sarah Palin hat uns im letzten Jahr so oft in Besorgnis über die Welt versetzt, dass ihr Rücktritt und die (wirre) Begründung dafür durchaus von Interesse sind. Die einen erklären’s mit Mutterinstinkt, die anderen mit ihren Ambitionen auf die Päsidentschaftskandidatur 2012, wieder andere vermuten, dass es eigentlich nur darum geht, schonmal das Deck klar zu machen für den Riesensturm aus Skandalen, der auf sie zukommt. Die Diskussion um die geistige Zurechnungsfähigkeit, die ultimativen Motive und das Vorhandensein eines Masterplans von Bald-Ex-Gouverneurin Sarah Palin reissen, zumindest in den USA nicht ab. Wer ihre Rücktrittsrede noch nicht gesehen hat – muss das tun. Eine der gelungensten Realsatiren, die uns das Leben dieses Jahr beschert hat:
Hat Barack Oabama einer jungenBrasilianerin beim G8-Gipfel jetzt auf den wohlgeformten Hintern geguckt oder nicht? Medien diesseits und jenseits der Blogosphäre haben lange darüber diskutiert und sind jetzt zum dem Schluss gekommen: er hat, aber es ließ sich nicht vermeiden. Obama war in dem Moment, da der Fotograf abdrückte, gerade im Begriff der Dame hinter sich Hilfe beim Treppensteigen zu leisten. Kollege Sarkozy hingegen hielt keiner Frau den Arm und ließ sein Auge ohne Not wandern. Der Berlusconismus überträgt sich offenbar per Tröpfchen. Willkommen im Club der geschmacklosen Männer, willkommen in der Welt der Präsidenten.
via Guardian.co.uk
Und zum Schluss, einfach so, zwei Lieder von Ladys, die den Pop wieder besser machen:
Lily Allen trällert den Homophoben, den Sexisten und den Rassisten ein fröhliches Lied in ihre hasserfüllten Gesichter: Fuck you very much!
Beth Ditto sagt uns, warum wir immer zusammenhalten müssen und ist dabei herrlicher denn je:
Dieser Text ist Teil 41 von 152 der Serie Kurz notiert
Was vergangene Woche die Gemüter bewegte:
Wir haben es absichtlich nicht berichtet, da wir solcherlei Positionen kein Forum bieten wollen: Ein “Hort des Männerhasses” seien Frauenhäuser, erklärte Gerhard Amendt in der Welt. Deswegen gehörten sie abgeschafft. Eine intelligente Antwort soll jedoch nicht unerwähnt bleiben, weswegen ich das Thema nun doch aufgreife: Heide Oestreich schreibt in der taz, was das für Folgen hätte, und warum die Polemik des Herrn Amendt eine echte Gefahr für viele Frauen darstellen kann.
Chris Brown, der Sängerin Rihanna verprügelte, hat ein Geständnis abgelegt, wie Spiegel Onlineberichtet.
Neda Agha Soltani; Quelle: Flickr.com
Die Unruhen im Iran gehen weiter, Menschen gehen für ihre Rechte und gegen den Diktator und gegen Wahlfälschung auf die Straße. Es ist eine junge Frau, die nun zur Ikone dieser Bewegung geworden ist: Die 1982 geborene Neda Agha Soltani wurde beim Protest auf der Straße erschossen. Die Staatsgewalt setzt noch einen drauf: Sie verbietet Trauerfeiern für Neda, wie FR-Onlineberichtet.
Welt Onlinezufolge sind es vor allem die Frauen im Iran, deren Leidensdruck besonders groß sei, die bei den Protesten im Iran besonders aktiv im Aufstand gegen das Regime seien.
Über die Tierschutzorganisation PETA, die bisweilen recht radikale Methoden zur Untermauerung ihrer Ziele anwendet (Nazi-Vergleiche und sexistische Werbung), gibt es sehr gespaltene Meinungen. Die Huffington Post lässt nun über die “sexiest PETA Ads” abstimmen, was feministing-Autorin Jessica Valenti ordentlich nervt.
Berlusconi und kein Ende: Die Präsidentengattinnen sollen den G8-Gipfel boykottieren, als Protest gegen den Ministerpräsidenten Italiens. sueddeutsche.de zitiert drei Akademikerinnen, die diesen Aufruf gestartet haben: “Wir sind hochgradig empört über die Art und Weise, wie der Ministerpräsident Frauen behandelt – in der Öffentlichkeit und in seinem Privatleben.” Seine sexistischen Reden würden “die weibliche Präsenz in der Öffentlichkeit systematisch untergraben.”
Spürt ihr schon die Finanzkrise? Geldsorgen? – Das Bitch Magazine hat eine super Idee: Macht Kohle aus eurer Fähigkeit, Mütter zu werden – verkauft eure Eier! Nein, im Ernst: Sollten Frauen Geld dafür bekommen, wenn sie ihre Eier spenden? Eine sehr knifflige Frage, in die sich ethische, religiöse, politische und feministische Standpunkte und Ideologien mischen. Ich habe noch keine abschließende Meinung, aber vielleicht können wir das einmal diskutieren?
Click this picture for more information!
Noch ein Terminhinweis für alle BerlinerInnen:
Es ist wieder CSD-Zeit, natürlich nicht nur in Berlin. Doch in Berlin gibt es seit 2006 zwei CSDs. Der Traditionelle und der Transgeniale. Was der will? Ein kurzer Auszug: “Gruppen von Menschen werden als Minderheiten außerhalb der Normalität definiert, herabgesetzt und gegeneinander ausgespielt. Bestenfalls werden sie gnädig “toleriert” oder “akzeptiert”, denn “Normalität” braucht Ausgrenzung. Das verdeckt nichts von der rassistischen, homophoben, transphoben, frauenfeindlichen Gewalt, der Ausgrenzung von nicht-”schönen”, nicht-jungen, nicht-reichen, nicht-weißen, behinderten, politisch unbequemen Menschen, die in dieser Gesellschaft – und leider auch innerhalb unserer Szenen – Alltag ist.” Mehr dazu auf der Webseite.
Dieser Text ist Teil 34 von 152 der Serie Kurz notiert
Liebe LeserInnen, auch diese Woche gibt es einiges zu verlinken:
Über das Schicksal junger Autorinnen, die vor einigen Jahren als “Fräuleinwunder” auf den Markt kamen, schreibt beim Freitag eine kleine Riege von AutorInnen unter dem Titel “Das Fräulein-Schicksal”.
Zwei Artikel gab es diese Woche auf Spiegel Online, die hier kurz verlinkt werden sollten: a) ein Bericht über sogenanntes “Sexting” und wie diesem in New South Wales präventiv entgegengewirkt werden soll. b) ein Artikel über eine Studie, welche die tatsächlichen Wirkungen des Elterngeldes untersuchte.
Wie die Weltberichtet, soll es für “die Pille für den Mann” zumindest in China eine zweite Chance geben. (Dank an Martin für den Link.)
Über eine Pokerspielerin und ihre Erfahrungen in einer männlich dominierten Branche erzählt ein Artikel auf FAZ.net. (Für diesen Link ein Dank an Christina.)
Ein sehr interessantes Projekt über die unterschiedlichen Wegketten von Männern und Frauen in Graz wird von dieStandard.atvorgestellt. Reinschauen!
Kinder hüten macht krank! – so titelte die Taz vor einigen Tagen. Es geht um den Streit von ErzieherInnen für einen gerechteren Lohn.
Anschließend an die Diskussion zu meiner Kolumne “Zieh dich bloß nicht aus” ist dieser Artikel von sueddeutsche.de interessant, da er auch noch einmal beleuchtet, wie stark unsere Wahrnehmung nackter Körper sich verändert – unter anderem durch das Internet.
Gestern war übrigens der International No Diet-Day – wer darüber mehr lesen möchte, ist hier richtig.