Einträge mit dem Tag ‘Serien’


Ein Buch nach dem anderen: Mädchengeschichten, das Phänomen Köln und Umgang mit Trauer

25. Juli 2017 von Charlott
Dieser Text ist Teil 131 von 130 der Serie Die Feministische Bibliothek

Kurzrezensionen

Die (sexualisierten) Übergriffe/ Gewalttaten auf der Kölner Domplatte in der Silvesternacht 2015/16 rückten auf einmal Debatten um sexualisierte Gewalt in den Mittelpunkt – geführt vor allem von Leuten, die bisher nicht aufgefallen waren als Verfechter körperlicher Selbstbestimmung und feministisch-informierter Anti-Gewalt-Arbeit. Als Feministin, die unterschiedliche Gewaltformen und deren Verschränkungen offen legen und angehen möchte, hatte man häufig das Gefühl, sich in jede Richtung abgrenzen zu müssen oder Grundlegendes (wieder) zu erklären. Sabine Hark und Paula-Irene Villa wenden sich in Unterscheiden und herrschen: Ein Essay zu den ambivalenten Verflechtungen von Rassismus, Sexismus und Feminismus in der Gegenwart (transcript, 2017) der Frage zu, wie „Köln“ zu so einem Objekt werden konnte, wie über die Geschehnisse gesprochen wurde bzw. wie sie medial dargestellt wurden, welche Positionen eingenommen wurden (und an welche zuvor bereits bestehenden Diskurse diese anknüpften). Herausgekommen ist ein Buch, was zum einen weniger ist als ein Buch über Köln – denn die konkreten Ereignisse und vor allem auch die Erfahrungen der Betroffenen sind hier hintenangestellt – und weit mehr als ein Buch über Köln – denn über die Silvesternacht hinausweisend bietet der Essay Unmengen an Stoff um darüber nachzudenken, wie konkret feministische Analysen und feministischer Aktivismus Hetero_Cis_Sexismus, Rassismus, Ableismus etc. fokussierend aussehen könnte. Der Text ist dabei sehr dicht, es lohnt sich aber inne zuhalten und über einzelne Gedanken selbst zu reflektieren, auch mal einen Abschnitt zweimal zu lesen. Besonders gut gefallen hat mir das letzte Kapitel vor dem Epilog. In diesem in Gesprächsform gehaltenen Textteil tauschen sich Villa und Hark über den Essay, Problemfelder, Unsicherheiten, Schreibentscheidungen aus. Diese angehangene (und doch elementare) Reflexion des eigenen Geschriebenes weist auf den achtsam analysierenden, sich selbst immer hinterfragenden Feminismus, den sie im Rest des Buchs bereits vortragen und spontan würde ich mir solche Kapitel auch in einer ganzen Reihe anderer Bücher wünschen.

Im Juni hatte ich das Glück bei der Buchveröffentlichungsfeier von Wir sind Heldinnen! Unsere Geschichten (w_orten & meer, 2017) dabei sein zu können und so auch einigen des Herausgeberinnenkollektivs SVK – Selbstverteidigungskurs mit Worten, ein Zusammenschluss von Berliner Mädchen zwischen 6 und 16 – beim Vorlesen ihrer Geschichten zuzuhören. Das Buch versammelt zehn Geschichte, mal gemalt, mal fotografiert, mal geschrieben von zehn Autorinnen, die – so die Verlagsbeschreibung – „die Erfahrung teilen, durch Fremdzuschreibungen geandert zu werden“. Es gibt einige Themen, die in vielen den Geschichten auftauchen vor allem Freund_innenschaft aber auch Mobbing, doch so unterschiedlich die Formen der Präsentation sind, so verschieden sind auch die erzählten Stoffe, die zwischen Realismus und magischen/ fantastischen Elementen wechseln, in denen es um verstecke Türen, Rassismuserfahrungen, den Horror zu kurzer Umziehzeiten für den Sportunterricht, unheimliche Träume, seltene Vögel, Kinder-Erwachsenen-Beziehungen oder Flucht geht. Das Buch bietet Geschichten zum Nachdenken, Lachen und voller Spannung. Es wäre schön, wenn es einen festen Platz in Schulbibliotheken findet – aber natürlich auch in den Bücherregalen und auf den Nachttischen Menschen jeglicher Altersgruppen.


„Girls with fire in their bellies will be forced to drink from a well of correction till the flames die out.“

Lesley Nneka Arimahs Kurzgeschichtenband What It Means When a Man Falls from the Sky (Riverhead, 2017) ist ein großartiges Debut und ich bin jetzt schon gespannt, was sie als nächstes schreiben wird. Ihre Geschichten, die alle ein präziser, wundervoller Schreibstil eint, varieren von sehr realistischen Darstellungen, über magischen Realismus und Allegorien hin zu SciFi. Bereits die erste Geschichte („The Future Looks Good“) lässt das Leser_innen-Herz kurz stocken und auch der Rest des Buchs bleibt emotional ohne aber effektheischend zu sein. In „Wild“ treffen zwei Cousinen aufeinander, wenn die eine aus den USA als Strafe für ihr Verhalten zur Familie der anderen in Lagos geschickt wird. Da ist die junge Frau in „Second Chances“, deren verstorbene Mutter plötzlich wieder den Alltag mitgestaltet. In der für den Caine Preis nominierten Geschichte „Who Will Greet You At Home“ kreieren Frauen ihre Babys, in dem sie sie aus Materialien, die ihnen zugänglich sind bauen und sie (im besten Fall) von ihren Müttern segnen lassen. Doch die Protagonistin der Geschichte, die ein zerrüttetes Verhältnis zu ihrer Mutter hat, scheitert immer wieder. Und in „What It Means When a Man Falls From the Sky“ gibt es Mathematiker_innen, die Schmerz/Verlust/Trauer von Menschen wegnehmen können, doch die Kosten dieser Rechnung erfahren die Protagonistin und ihre (Ex)Freundin nach und nach.
Kurzgeschichtenbände lese ich sonst häufig über einen längeren Zeitraum verteilt, immer mal wieder ein oder zwei Geschichten, Arimahs Band hingegen konnte ich kaum aus den Händen legen. Ein abwechslungsreiches Buch, welches Leser_innen mit unterschiedlichen sonstigen Lesegewohnheiten ansprechen könnte.

Thandi wurde in den USA geboren und wuchs dort auf, ihre Mutter Südafrikanerin, ihr Vater US-Amerikaner. Als ihre Mutter an Krebs stirbt, fühlt sie sich so verloren, dahintreibend wie nie zu vor. Zinzi Clemmons hat mit What We Lose (Viking, 2017) einen leisen, tiefgreifenden ersten Roman über Verlust und Trauer, Zugehörigkeit(sgefühle) und Liebe vorgelegt. Die Geschichte um Thandis Aushandlungsprozesse ist in kurzen Vignetten erzählt, die verflochten sind mit Blogbeiträgen zu südafrikanischer Politik, Fotographie, Emails und Statistiken. Die in einer Aufzählung erst einmal disperat wirkenden Fragmente fügen sich in diesem Roman zu einem größeren Ganzen, einem breiteren Verständnis zusammen, geben Thandi und ihrer konkreten Positionierung und Erfahrung Tiefe. Im Kern aber bleiben Fragen danach, wie wir mit dem Verlust einer geliebten Person umgehen (und teils versuchen/ daran scheitern die Leere zu füllen), wie Familien, ein Zuhause und Zugehörigkeitsgefühl in komplexen Verhältnissen aufgebaut werden können.

Buchnews und -debatten

Olumide Popoolas neuer Roman When We Speak of Nothing ist bei Cassava Republic erschienen. In einem Gastbeitrag auf The Writes of Woman erklärt Olumide, warum sie in ihren Roman über LGBT Lebensrealitäten in Nigeria und UK schreibt. Am 02. September wird Popoola in Berlin lesen und sprechen, da gibt es nämlich die zweite Auflage von Elnathan Johns Literaturveranstaltung Elnathan’s BOAT (FB-Link).

Beim Merkur gibt es ein mittlerweile fünf-teiliges Dossier zu Sexismus an Schreibschulen im deutschsprachigen Raum. Es schreiben u.a. Absolvent_innen und Student_innen aus Hildesheim, Leipzig und Wien über ihre Erfahrungen.

Deutschlandfunk Kultur berichtet über das britische Dichterinnenkollektiv Octavia, welches sich gegen Sexismus und Rassismus im Literaturbetrieb um die Autorin Rachel Long formiert.

Das Leben unter Trump? Auf The Nib zeichnen Schwarze Comic-Macher_innen ihre Erfahrungen nieder.

Ich kann es kaum ewarten: HBO wird aus Nnedi Okorafors Roman Who Fears Death eine Serie machen! Wer mehr über die Okorafor und ihr Werk erfahren möchte, kann beispielsweise meinen analyse&kritik Artikel aus dem letzten Jahr lesen.

What nobody tells you about being a trans woman of colour author“ – Kai Cheng Thom schreibt auf Xtra über ihre Erfahrungen.

Wenn mal über Literatur von Native Americans gesprochen wird, dann leider nur über sehr wenige Autor_innen (um genau zu sein häufig ausschließlich über Sherman Alexie). Erika T. Wurth schreibt in ihrem Essay „The Rest of Us Have Always Been Here“ auf ROAR über die Unsichtbarmachung der vielfältigen Literatur(en) von Native Americans.

Katelan Dunn für das LSE US Centre Sarah Turnbulls Buch Parole in Canada: Gender and Diversity in the Federal System.

Im April berichtet der Guardian, dass in neu aufgetauchten Briefen von Sylvia Plath diese physische und psychische Gewalt durch ihren Mann den Dichter Ted Hughes beschreibt. Emily Van Duyne stellt bei Lithub fest, dass diese Briefe nur überraschend/ schockierend sind, wenn man bisher nichts von dem, was Plath geschrieben/ gesagt hat, ernstgenommen hat und fragt: „Why are we so unwilling to take Sylvia Plath by her word?


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Rassismusforschung, Inklusion und Widersprüche – die Blogschau

7. November 2015 von Charlott
Dieser Text ist Teil 287 von 295 der Serie Die Blogschau

Auf Ein Blog von Vielen schreibt Hannah einen offenen Brief an ihren Lehrer über (scheiternde) Inklusion, (fehlende) Achtsamkeitkeit, vermeintliche „politische Korrektheit“ und behindert werden:

Eine Behinderung im Leben zu haben, gilt als etwas Persönliches und nicht als etwas, das alle betrifft. Auch dann, wenn es nur eine Person ist, die damit lebt. Nie bezieht ihr meinen Kampf auf euch, unseren Umgang miteinander, unsere gemeinsame Sprache, unsere jeweiligen Sozialisierungen, unsere spezifischen Lebenserfahrungen, den Kontext, die Räume, die Themen und die Arbeiten, die wir produzieren und begutachten, sondern immer auf mich. Wenn ich Probleme habe, soll ich was sagen. Soll ich wissen, ich kann immer kommen.

Im Internet gibt es eine ganze Reihe von Orten, wo Stimmen und Erinnerungen von Überlebenden des Holocaust und Nationalsozialismus versammelt sind. intersubjektiven stellt Organisationen, Quellensammlungen und Archive vor.

die transgeniale f_antifa hat sich entschlossen auf * hinter den Begriffen trans sowie Mann und Frau zu verzichten und erkläutert ihre Entscheidung in einem Blogeintrag: „JETZT NEU! Ohne Sternchen!

Dieses Semester veranstaltet die TU Berlin eine Ringvorlesung zu Rassismusforschung. Auf sibiuanar schreibt Hendrik Zusammenfassungen/ Besprechungen der Veranstaltungen, so bisher zu den Vorrägen von Nora Räthzel zur Geschichte der Rassismusforschung in Deutschland, Urmila Goel zu Verflochtene Machtverhältnisse und Noa Ha zu Dekoloniale Theorie und Perspektiven auf Stadt.

Auf Stop! Talking. geht es nochmals um Identitäten und Intersektionalität: „Identity politics are an essential strategy. Identities are not essential.“

Wenn ihr mal wieder nach Fatshion-Blogs aus dem deutschsprachigen Raum sucht, dann könntet ihr auch mal Dressing Outside The Box vorbeischauen. Da verbloggt die 27-jährige Modedesignerin Isabelle wunderbare Outfits.

Auf Gott und Co schreibt Antje über die Podiumsdiskussion „Kopftuch-Debatte! Beschneidungsdebatte! Kirchenprivileg-Debatte? Zum Verhältnis von Staat und Religionen aus feministischen Perspektiven“ mit u.a. Yasemin Shooman und Hannah Tzuberi.

Noah Sow schreibt Lieferscheine für Gegengewalt bzw Widerstand, heute an den „Fitnessenthusiast“. (Edit: Beschreibung verändert, siehe Kommentar)

Auf Don’t degrade Debs, darling! gibt es gleich zwei tolle Beiträge: In „Die Lösung für alles Mögliche: Serien schauen!“ geht es um die Funktionen, die Seriengucken haben kann und in „Politik in Widersprüchen“ wird die Widersprüchlichkeit von sozialen Positionierungen seziert und gefragt, wie diese sinnvoll in Positionierungsdebatten eingebaut werden können.


Habt ihr diese Woche etwas geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Regelmäßig verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Gesucht: Genießbare Abendunterhaltung

18. Dezember 2014 von Naekubi
Dieser Text ist Teil 4 von 7 der Serie Die Emanzipation der Banane

Naekubi bloggt bei Danger! Bananas über das Leben von Asiat_innen in Deutschland, Kultur und Alltag, Rassismus und Feminismus, Selbstbewusstsein und Selbstverständnis. Wir freuen uns sehr, dass sie nun auch eine Kolumne bei der Mädchenmannschaft schreibt.

Das Thema „gute Unterhaltung“ lässt mich nicht los. Jetzt, wo es wieder kalt und dunkel ist, bewege ich mich noch weniger aus dem Haus. Stattdessen sitze ich abends zu Hause, eingemummelt in Decken, und stopfe mich voll. Nicht nur mit Keksen, Lebkuchen oder Plätzchen, sondern mit Medien. Bücher, Serien, Filme. Blöd nur: Es schmeckt mir nicht mehr so wie früher. Filme und Serien, die ich früher bedenkenlos zu mir nahm, finde ich heute eklig und bisweilen ungenießbar. Sind die Medien schlechter geworden? Das denke ich nicht. Aber meine Perspektive hat sich verändert – ich bin älter geworden, was mit gewissen Begleiterscheinungen einher geht: Zum Beispiel, dass ich nicht mehr alles unkommentiert konsumiere, was mir vorgesetzt wird.

Früher, ja früher, da war das anders. Als ich jünger war, störte es mich nicht, wenn alte Klischees aufgewärmt und billige Tropoi verwendet wurden. Etwa wenn bei den Schlümpfen oder anderen Zeichentrickserien im Stammensemble genau eine Frau oder ein Mädchen war. AsiatInnen kamen nur als böse Ninjas vor oder als BesitzerInnen von China-Restaurants. Damals machte mir nichts aus, es war schließlich immer schon so gewesen, das war der Normalzustand. Gleichzeitig fiel es mir nicht einmal auf, wenn ausnahmsweise doch ein Mädchen Protagonistin war, wie bei „Clarissa“. Hauptsache, die Serie war unterhaltsam und bunt. Als Kind und Jugendliche ist man noch leicht zu beeindrucken. Konsumieren bedeutet schließlich, alles zu schlucken – was ich sehr zuverlässig und bereitwillig tat.

Mit dem Alter verfeinert sich der Gaumen und man lässt sich von künstlich aufgebauschten Produkten voller Farbstoffe und billiger Zutaten nicht mehr beeindrucken. Und es wird einfach umso deutlicher, wie langweilig, formelhaft und mies die Rezeptur vieler Medien ist. Nehmen wir zum Beispiel Firefly – eine zum Bedauern vieler Geeks kurzlebige Science-Fiction-Serie von Joss Whedon, die in einem amerikanisch-chinesischen Universum in der Zukunft spielt. Damals fand ich die Serie gut und unterhaltsam. Heute, beim nochmaligen Besehen frage ich mich, wie um alles in der Welt es mir nicht auffallen konnte, dass es für ein amerikanisch-chinesisches Zeitalter kaum chinesisch oder asiatisch aussehende ProtagonistInnen und StatistInnen gab. Chinesisch ist reduziert auf Flüche, die die ziemlich weiße Crew hin und wieder äußert. Oder Sherlock: So sehr ich die BBC-Serie schätze, so bescheuert fand ich den Teil „The Blind Banker“, wo wieder mal die olle asiatische Drachenlady als Bösewichtin und eine zarte Lotusblume als Köder herhalten mussten. Gähn.

Die Kekse von früher schmecken nicht mehr so wie damals, weil sie nicht so gut waren wie ich immer gedacht hatte. Und nicht nur mir geht es so: Erst letztens unterhielt ich mich mit meinem Schwesterherz über genau dieses Thema. Wir stellten fest, dass uns unsere Freizeitbeschäftigung durch Sexismus vermiest wurde. Was ich bei Serien und Filmen erlebte, sah sie bei Manga und Anime. Seit Jahrzehnten wird sie mit denselben stereotypen Frauenfiguren genervt, zuletzt von einem Anime über Fahrradfans namens Yowamushi Pedal: „Ich hab mich auch gefragt, wieso es in diesem Road Racing Club keine Mädchen gibt… und wieso das einzige Mädchen, das totale Fahrradenthusiastin ist, NICHT SELBST FÄHRT!!!“ Auch in Manga und Anime sind Frauen gerade in gemischten Ensembles häufig nur Dekoration, das „Token-Mädchen“ oder Love Interest. Selbst ein großer Cast von weiblichen Figuren bringt nicht viel, wenn es sich um einen Harem-Anime handelt – wenn also alle Frauen hinter dem einzigen Kerl her sind. Großartig. Die guten Angebote muss man daher mit der Lupe suchen, und selbst dann ist nicht alles perfekt. Ich greife nach jedem Strohhalm, wenn es um Unterhaltung geht.

Da wäre zum Beispiel die Serie Selfie mit John Cho und Karen Gillan, die ich trotz des fürchterlichen Titels unterhaltsam finde. Gillan spielt Eliza Dooley, eine (scheinbar) oberflächliche, Social-Media-abhängige junge Frau, die von Marketing-Guru Henry Higgs (Cho) bessere Manieren lernen und ein neues, besseres Image erhalten soll. Das klingt erst einmal nach „älterer Mann bringt dummer junger Frau etwas bei“, doch das legt sich sehr bald. Die beiden werden als vielschichtige Personen in einer Freundschaft gezeigt. Ich mag John Cho als „romantic interest“ in dieser romantischen Komödie, denn wo gab es das das letzte Mal? Eben. Bezeichnenderweise wurde die Serie nach einer Staffel abgesetzt und die Chancen stehen schlecht, dass sie von einer Online-Plattform gerettet werden könnte. Boo-fucking-hoo. Zumindest die verbleibenden Folgen werden online veröffentlicht.

Eine andere Serie, die ich persönlich gut gemacht und unterhaltsam finde, ist Black-ish – sie versucht, die Schwarze Familien-Sitcom wiederzubeleben. Doch anders als die früheren Formate widmet sich die Serie dezidiert Fragen und Lebenswirklichkeiten von Afro-AmerikanerInnen, ohne dass man sich als Nichtangehörige/r ausgeschlossen fühlt oder keinen Zugang erhält. Die MacherInnen im Hintergrund treffen den Ton meistens sehr gut, die Witze haben ein gutes Tempo und Niveau erreicht, was auch an der hervorragenden Auswahl der KinderdarstellerInnen liegt. Diese Serie scheint auch von der Quote her ein großer Erfolg zu sein und ich hoffe auf weitere Folgen, schließlich ist der Winter noch lang.

Das sind derzeit genau zwei für mich genießbare Serien von einem Buffet an Medienangeboten aus dem Jahr 2014, das anscheinend nur aus altem Weißbrot von vorvorgestern besteht. Was mich dabei auf die Palme bringt, ist die offensichtliche Faulheit und Ideenlosigkeit der sogenannten Kreativen. Ich habe es satt, wenn Kreative schlicht und ergreifend zu den immer selben Rezepten greifen. Niemand muss das Rad neu erfinden, aber ein wenig Mühe geben erwarte ich schon. Es braucht nicht die x-te Story von dem weißen, männlichen, heterosexuellen Helden, der die Welt rettet und am Ende das Mädchen kriegt.

Ich wünsche euch allen deshalb ein inklusiveres Jahr 2015, in dem es mehr Charaktere mit unterschiedlichsten Lebenswelten auf den Bildschirm schaffen und weniger von den ollen Kamellen.


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Asylrecht, Diskussion mit bell hooks und Schwangerschaftsabbrüche – kurz verlinkt

13. November 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 219 von 358 der Serie Kurz notiert

Beiträge auf Deutsch

Wie tief der Antisemitismus in Deutschland auch 75 Jahre nach der (Reichs-)Pogromnacht noch verankert ist, hat eine Befragung von 6.000 Jüd_innen aus acht EU-Mitgliedsstaaten ergeben. Erschütternd ist unter anderem, dass 25% der Befragten in den vergangenen fünf Jahren darüber nachgedacht haben, die Bundesrepublik zu verlassen, weil sie sich hier nicht (mehr) sicher fühlen.

Die Spekulationen über die mutmaßliche Kindesentführung Marias durch eine Roma-Familie haben in Europa und den USA ganze Seiten gefüllt. Nun haben sich auch Vertreter des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma und des Europäischen Zentrums für Roma-Rechte zu Wort gemeldet.

Nach einem aktuellen Urteil des Europäischen-Gerichtshofs haben Geflüchtete, die in ihrem Herkunftsland aufgrund ihrer Homosexualität verfolgt werden, ein Recht auf Asyl in Europa. Diese Entscheidung könnte auch Einfluss auf deutsche Asylpolitik haben.

Das Leben in Sammelunterkünften für Geflüchtete ist immer auch mit Formen von Gewalt verbunden, bzw. ist an sich schon eine Form von Gewalt. Frauen und Kinder sind noch einmal spezifisch von Gewalt bedroht. Darum fordern Women in Exile & Friends die Abschaffung der Lager. Ihr könnt die Petition mitzeichnen.

Frauen in Deutschland bekommen immer weniger Kinder. Kein Wunder, denn wenn sie doch welche kriegen, werden sie nach wie vor hauptverantwortlich für die Sorgearbeit gemacht. Zahlen und Fakten hierzu liefert die tagesschau.

Gestern stellten Vetreter_innen der „Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“ ein neues Gutachten zur Todesursache von Jalloh vor und erstatteten Anzeihe wegen Totschlags oder Mordes gegen unbekannte Polizeibeamte. Darüber berichtet neues deutschland.

Im Jahr 2000 erschien „Duvarlar-Mauern-Walls“, ein dreisprachiger Dokumentarfilm zu migrantisierten Perspektiven auf den Mauerfall, welcher auf Interviews aufbaute, die der Filmemacher Can Candan 190/91 führte. Der Film Mauern 2.0, der jetzt auch online zu sehen ist, interviewt eine Reihe der Protagonist_innen noch einmal zu ihren Gedanken zu Mauerfall, aktuelle Politiken und Rassismus.

Die Süddeutsche zeigt anhand von Ellen Ammann, wie Geschichtsschreibung funktioniert und an welche Widerstandskämpfer_innen erinnert wird – und welche viele eher in die Vergessenheit gedrängt werden.

Zwar bereits aus dem Jahr 2010, aber weiterhin ein wichtiger Text: Pablo Pineda hat einen Film über sein Leben gemacht, er heißt „Yo También“. In einem Interview erzählt er nun von seinem Leben mit der Genmutation Trisomie 21: „Es ist eine Kondition, ein Zustand. So wie der eine blond ist, habe ich eben das Down-Syndrom. Es ist viel mehr ein Charakteristikum als eine Krankheit“.

Beiträge auf Englisch

Sechs Webserien mit und über Lesben findet ihr auf fusion.net – besonders empfehlenswert: Between Women <3

Die MSNBC-Moderatorin (sowie Wissenschaftlerin, Autorin etc.) Melissa Harris-Perry und die Wissenschaftlerin und Aktivistin bell hooks sprachen in einem 90-minütigen Gespräch zu Black Female Voices – Who is Listening? – Auch wer_welche die Liveübertragung verpasst hat, kann das Video dankenswerterweise nach schauen!

Ein weiterer Artikel zu der Diskussion, wo einige der Kernthemen noch einmal aufgegriffen und analysiert werden, hat Sara Salem auf Neo-colonialism and its Discontents verfasst.

Why I Can Never Be a Proper German„, führt Özlem Gezer im SPIEGEL aus. Sie schreibt über die alltäglichen Anrufungen, die sie immer wieder an ihren Platz verweisen – und dabei natürlich diesen Platz erst einmal definieren.

Schwangerschaftsabbrüche sind nichts ungewöhnliches, aber sie sind mit so vielen Stigmata verbunden, dass nur selten darüber gesprochen wird. Beim NY Magazine erzählen 26 Frauen über ihre Beweggründe, Erfahrungen und Gedanken.

[Inhaltshinweis: Gewalt gegen Frauen, graphische Darstellung] Die griechische Filmemacherin Anastasia Bartzoulianou hat das Drehbuch zu „The Noir Project“, einem Film über häusliche Gewalt in einer Heterobeziehung, geschrieben. Das Team arbeitet u.a. mit European Anti-Violence Network, Woman’s Shelter in Thessaloniki und dem European Network Of Women zusammen. Für die Post-Produktion wird noch Geld benötigt.

Termine in Berlin, Bochum, Hamburg und Leipzig:

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Hallo, ich bin Eva, bitte nehmt Platz – Die Blogschau

12. Oktober 2013 von Sabine
Dieser Text ist Teil 223 von 295 der Serie Die Blogschau

Wenn wir barrierefrei lesen, an was denken wir? Ein wichtiger Text über Barrierefreiheit mit Barrieren. Besonders empfehlenswert auch für diejenigen, die Veranstaltungen organisieren, planen, durchführen.

Wie viel Zeit bleibt in aktivistischen Kontexten für das Selbst und die Selbstfürsorge? Ist die Unterscheidung „Aktivismus oder Selbstfürsorge“ nicht auch schon ein Privileg? Wer kann, und aus welcher Position heraus ein „oder“ setzen?

„Metal feiert Nonkonformität. (…) Gothic, wo die Abgrenzung zur Gesellschaft auf eher stille Art zelebriert wird, durch Rückzug und Verweigerung, ist Metal offensiver, geht mehr in die offene Rebellion, und ist von seiner Haltung her oft positiver“ schreibt Ryuu über ihren Musikgeschmack, und warum Metal für sie – trotz berechtigter Kritik – empowerend ist.  (In eigener Sache: mehr Musiktexte!)

International Queer Art + Activism ist das Juli-Thema, die siebte Ausgabe des Germany Zine ist da.

Die ehemalige Familienministerin Kristina Schröder will immer noch Wahlfreiheit, kein Witz.

„Aber du hättest ja was sagen können“ Bäumchen über raumeinnehmende Kommunikation und das Gefühl des Platz machens. „Platz machen im eigenen Leben für andere Menschen und ihre Möglichkeiten“.

„Wenn ich keine Termine hatte, konnte ich morgens nicht aufstehen. Ich hatte Angst vor der Arbeit. Ich hab morgens in der S-Bahn geheult, und dann kurz vor der Ankunft schnell versucht, alle Spuren davon zu beseitigen.“ Hallo, ich bin Eva und bin depressiv“ beziehungsweise *war* depressiv.

Warum verbringen Menschen eigentlich Stunden, Wochen, ja, Monate damit Serien begeistert zu verfolgen, auch wenn ihr Inhalt manchmal ärgerlich ist und die Logik dessen mangelhaft ist? Heiter Scheitern hat einen Podcast dazu gemacht (inkl. Rechercheaufgabe: es hat etwas mit Feigen zu tun).

Lilja reist gerne innerhalb Europas. In ihrem Blog hat sie ihre sieben Tipps für reisende Frauen* festgehalten.

Vom feministischen Tweet zur Hasskampagne. Ein Paradebeispiel aufgeschrieben und erlebt von Anna Zschokke.

 

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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