Einträge mit dem Tag ‘Selbstbestimmung’


es ist #nichtmeingesetz – und deins ganz sicher auch nicht

13. Mai 2016 von Hannah C.

Mit #nichtmeinGesetz grummelt ein Geist durch Deutschlands sozialaktivistische Szene.
Kaum war der Entwurf des neuen Teilhabegesetzes veröffentlicht, erhob sich der Protest und entwickelte sich langsam zu einer lauten Aktion. Einige sich selbstvertretende behinderte Menschen, ketteten sich im Zuge dessen symbolisch nahe der Grundgesetztafeln am Bundestag.

Aufsehen erregendes Agieren von behinderten Menschen – geil.

Der vorgestellte Gesetzesentwurf hat so viele Mängel und kurz gegriffene Lösungen, dass man getrost davon sprechen kann, dass sich unsere Bundesregierung nun jahrelang Zeit genommen hat, um behinderte Menschen auf noch komplizierteren Wegen als bisher, strukturell von sozialer und kultureller Teilhabe auszuschließen und sie mit Selbstbestimmung und ihrem eigenen Einkommen bezahlen zu lassen.

Eine Hand voll Mängel des Entwurfes wurden von den Menschen hinter dem Hashtag “Nicht mein Gesetz” bereits auf ihrer Webseite dargelegt.
Ausführlicher bezieht das deutsche Institut für Menschenrechte Stellung und schreibt: “An zahlreichen Punkten bleibt der Entwurf allerdings verhalten und hinter den Anforderungen zurück.”.

Was jetzt?
Der Entwurf wurde angenommen und soll noch in dieser Legislaturperiode umgesetzt werden.

Lauter Protest von nicht behinderten Menschen? – bisher doch reichlich verhalten.

Und das, obwohl die Lebensrealität behinderter Menschen, die Lebensrealität aller Menschen der Gesellschaft ist.
Die überwiegende Mehrheit aller behinderten Menschen ist nicht von Geburt an behindert. Ein Großteil bestehender Behinderungen liegen nicht in dem spezifischen Funktionieren von Körpern oder den spezifischen Fähigkeiten von Menschen begründet, sondern im direkten Lebensumfeld und den Strukturen, die diese produzieren.

Sich mit dem Thema “Leben mit Behinderung” und auch den Fragestellungen um die Möglichkeiten des Zugangs um soziale und kulturelle Teilhabe zu befassen ist manchmal schwierig. Gerade, wenn man selbst nie darüber nachdenken musste, ob und wie genau man selbst eigentlich Teilhabe genießen kann. Den wenigsten ist bewusst, was ihr Kinobesuch mit kultureller Teilhabe und ihre freie Wahl bezüglich der Wohnform, in der sie leben, mit Selbstbestimmung zu tun hat. Den wenigsten ist klar, wie tief die Privatwirtschaft in die Gestaltung des Lebensumfeldes aller Menschen hineingreift, ohne gleichermaßen umfassend die Verantwortung für die Partizipationsoptionen aller Menschen gleich übernehmen zu müssen.

Macht es euch bewusst. Macht euch bewusst, wie es wäre, würdet ihr morgen von einem Laster erwischt, von einem Laser geblendet, mit einer Hand in eine Maschine gerutscht oder mit einer chronischen Krankheit diagnostiziert, die euch für den Rest eures langen Lebens diverse Unterstützungen und Hilfen brauchen lässt, um es zu leben, wie ihr es euch für euch selbst wünscht.

Das Leben mit, trotz und ohne Behinderungen wird weder gewählt, noch erarbeitet oder sich verdient – es wird gelebt und zwar von allen Menschen gleich!

Unterstützt behinderte Menschen und ihren Protest gegen die Umsetzung des vorliegenden Gesetzesentwurfes.
Es geht um mehr als den Wunsch arbeitender Menschen mit Behinderungen ihr Einkommen für sich zu behalten.

Es geht um Menschenrechte.
Für die sind alle Menschen mitverantwortlich.


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Lebenswert behindert sein

23. Juli 2015 von Hannah C.

Monica Lierhaus sagte in einem Interview, dass sie heute verschiedene Entscheidungen anders treffen würde, als vor ein paar Jahren noch. Wäre Frau Lierhaus nicht behindert, würde diese Aussage angehört und wieder vergessen.

Als Person aber, der eine Operation das Weiterleben ermöglichte und als Person, die in der Folge behindert ist, hat sie diese Entscheidung gefälligst nicht (öffentlich) zu bereuen und schon gar nicht hat sie ihr Leben danach als weniger lebenswert zu empfinden, weil das die Öffentlichkeitsarbeit anderer Behinderter untergräbt. So lese ich zumindest den Kommentar von Christiane Link in ihrem Blog. Frau Link schreibt, dass sie öfter hört, Menschen könnten oder wollten an ihrer Stelle nicht leben und setzt dies in einen, vielleicht richtigen, vielleicht aber doch auch unvollständigen Kontext mit Bewunderung.

Und ich stehe (mit anderen) neben diesem Disput und denke darüber nach, wann es denn erlaubt ist zu äußern, dass man sein Leben als behinderte Person nicht als lebenswert empfindet. Darf man es äußern, wenn man nicht prominent ist? Darf man es äußern, wenn ein kleiner tragbarer Motor das eigene Herz ersetzt und man jede Woche zur Dialyse muss? Oder wenn der fünfte Versuch einer Behandlung mit Psychopharmaka zu massiven körperlichen Veränderungen und emotionaler Schmalspur verholfen hat? Oder einfach nie, weil das Leben so unfassbar kostbar wichtig ist, dass es, ohne jede Reflektion, jeden Preis kosten darf – und muss und soll?

Darf ich, wenn ich äußere, dass ich mein Leben als nicht lebenswert empfinde noch bitte selbst definieren was “Leben” und was “Wert” für mich ist? Darf ich bitte über meine Er-Lebensrealität und ihre Bewortung noch selbst bestimmen und nicht andere Menschen? Darf in einer Zeitung auch mal eine beschissene Selbstansicht von Behinderten über sich selbst und ihr Leben stehen?

Warum ist es so wichtig, aus einer Behinderung etwas zu machen, was tragbar ist und, was das eigene Leben ja eigentlich nicht dann doch nicht behindert oder beeinflusst? Manchmal ist sie das eben nicht. Manche Barrieren und (Vor-) Urteile in Bezug auf das Leben mit Behinderungen gibt es auch im Kopf der Behinderten selbst und Interviews, wie das von Frau Lierhaus und auch der Text von Frau Link – genau wie meiner hier – tragen dazu bei, sie sichtbar zu machen.

Ich habe die abfällige Bezeichung “die Sonnenscheinbehinderten” für Menschen, die sich öffentlich ausschließlich so äußern, als wäre ihre Behinderung bzw. ihre chronische Erkrankung eigentlich gar nicht so schlimm. Und eigentlich auch gar kein Problem. Nie und nirgends und wenn doch: nicht lange und schon gar nicht unaushaltbar. Für mich ist es so, dass ich mir an der Stelle denke: “Ah, okay cool – schön für diese Personen. Schade, dass ich es nicht auch so einstufen/erleben kann.”. Was in etwa der gleiche Gedanke ist, wie ich ihn habe, wenn ich von hochbegabten Kindern in umfänglichen Förderprogrammen höre; von traumatisierten Menschen erfahre, die austherapiert mit ihrer selbstgegründeten Familie und halbwegs gesichertem Leben in den Sonnenuntergang schauen und von Menschen, die ihre Depressionen mit einer Tablette täglich als erträglich empfinden können.

Ich frage mich, was an mir falsch ist, dass ich nichts davon auch habe. Nicht mal nah dran bin. Ich frage mich, was ich übersehe, welche Energie ich wo falsch hinpumpe, dass ich das nicht habe. Ich schaue in unsere Gesellschaft und frage mich, was läuft da falsch, dass ich mich nicht glücklich optimieren kann– wo ist denn dieser verdammte Sonnenschein, der andere Behinderte in die Fernsehkamera lächeln lässt?!

Und was genau ist eigentlich der Lebenswert von dem da dauernd gesprochen wird? Wenn Leben so preislos anzunehmen ist – braucht es dann noch eine zusätzliche Aufladung mit Wert? Steht Leben dann nicht eigentlich absolut darüber und sollte gar nicht erst in einer Wortkombination mit “wert” erscheinen?

Mein Leben ist nicht wertvoll für mich und das habe ich schon im Alter von 9 Jahren verstanden. Man kann mich im Kopf erneut zum Opfer von Gewalt machen und sagen, in meinem Lebensumfeld hätte ich ja auch keinen Anlass gehabt davon auszugehen, dass das anders ist. Man kann mir aber auch glauben, dass ich durchaus auch von Menschen umgeben war, die mir vermittelt haben, dass es okay ist, dass es mich gibt.
Man darf mir auch zuhören und verstehen, dass es nicht andere Menschen sind, die mir definieren, was mir mein Leben wertvoll oder auch “lebenswert” macht.

Leben ist einfach, für mich. Leben will nichts und Leben braucht nichts. Es ist einfach nur da. Und, ob man sich damit verbindet oder nicht und wie man es für sich be_wert_et oder füllt, liegt an den Personen selbst und dem Umfeld, in dem sie leben.

Für den Lauf der Dinge (das Leben) ist es irrelevant, ob es mich gibt oder nicht. (mehr …)


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„Gesundheit“ ist ein Machtbegriff

29. April 2015 von Hannah C.

Vor ein paar Tagen ist mir das aufgegangen, nachdem ich immer wieder von “gesunden Körperbildern” und “gesundem Selbstbewusstsein” gelesen habe, als es um das Berufsverbot für Models mit einem BMI unter 18,5 ging (nicht etwa um ein Ausstellungsverbot von Mode für die Massen, in die ausschließlich Menschen mit Maßen, die von Designer_innen/Modemacher_innen als mit einem BMI von unter 18,5 einhergehend erwartet werden, hineinpassen).

Wann ist denn jemand oder etwas “gesund”?
In der Regel dann, wenn es jemand sagt, dem man das glaubt. Glauben soll (und kann), weil diese Person eine (vermutete bzw. evtl. auch an einen Titel wie “Dr.” oder “Prof.” oder “Dipl. psych.” gekoppelte) Überlegenheit durch Wissen vor einem selbst hat.

Ich weiß zum Beispiel, dass die DIS (meine Behinderung) mich nicht zu einem “kranken Menschen” macht.
Ich muss mich aber mit dem Krankheitsbegriff auf mir abfinden, weil ich sonst nicht die Möglichkeiten auf Hilfe, Unterstützung, Begleitung nutzen kann, die sich bewährt haben, wenn man die Dinge, mit denen ich so lebe und umgehe, verändern bzw. lindern möchte.
Ich muss als „krank“ definiert werden, damit das „Gesundheitssystem“, weiß, dass es etwas für mich tun kann. Ich wäre nicht „krank“, wenn Psychotherapie keine Leistung der Krankenkasse, sondern der „Kasse zur Linderung subjektiven Leidens“ wäre.

Mediziner_innen sind aber spezialisiert auf die Erkennung, Klassifizierung, Ergründung und Heilung des „Kranken“. Die Erkennung, Klassifizierung, Ergründung und Förderung des Gesunden hingegen ist etwas, das ihnen nebenbei – und unbezahlt passiert.
Hinzu kommt: Mediziner_innen haben in aller Regel keine Zeit dafür, mit Patient_innen ein Verhältnis aufzubauen, das über den Kontext der Behandlung hinaus geht – also etwas, das erst dann beginnt, wenn die Unterwerfung schon passiert ist – nämlich das Labeling als “krank”. Sie erleben ihre Patient_innen in der Folge nie „gesund“.
Abgesehen davon, sollen sie gerade diesen Blick auf ihre Patient_innen oft auch nicht entwickeln, um “objektiv” bleiben zu können. Also, um eine Person bleiben zu können, die Personen, die sie um Hilfe, Leidenslinderung, Begleitung bitten, zu Objekten ihrer Arbeit machen zu können.
Also um mächtig zu bleiben.

Es ist nicht krank, defizitär oder dumm oder falsch oder lebensmüde, wenn man mehr als einen Titel oder einen besonders eindrucksvollen Beweis der Macht [der Überlegenheit] braucht (will / einfordert), bevor man sein Leben, seine Lebensqualität – sich selbst – einem anderen Menschen anvertraut.

Wer unterworfen ist, trifft nie – niemals – eine freie, selbstbestimmte, vollkommen bewusste Entscheidung über das, was mit ihm/ihr/* passiert.

Für mich persönlich ist „Gesundheit“ ein Spektrum, das konvertierbar ist und ergo alle Parameter, die es derzeit gibt, um “Krankes” zu markieren, absurd und nicht vertrauenswürdig macht.
Um zurück zum Anfang des Artikels zu kommen zum Beispiel, ist der BMI ein willkürliches Instrument (Magda hat das in ihrem Artikel zur Berufsverbotdebatte auch aufgezeigt), das versucht eine Norm für “Gesundheit” zu produzieren, um wiederum eine “Krankhaftigkeit” zu kreieren, die oft gar nicht mit einem Leiden in Verbindung steht, das damit gelindert werden kann.

Mit jeder Forderung nach “gesunden Körperbildern” werden die existierenden Körperbilder pathologisiert und das Spektrum, das “Gesundheit” haben kann, enger gesteckt. Wieder geht eine Kluft auf zwischen “okay” (weil sogenannte, so definierte, “Gesundheit” mit Selbstbestimmung und Unversehrtheit belohnt wird) und “nicht okay” (weil sogenannte – so definierte “Krankheit” mit Stigmatisierungen, die wiederum zu Diskriminierung im Recht auf Selbstbestimmung und Unversehrtheit einhergehen).

Ganz klar befürworte ich keine körperliche Auszehrung um bestimmte Maße zu halten – aber ich sehe, dass es Menschen gibt, die Geld zum Leben verdienen möchten und dies auf diese Art und zu diesem Preis bereit sind zu tun und das akzeptiere ich, weil ich die Selbstbestimmung anderer Personen akzeptieren möchte.
Ich würde es daneben genauso befürworten, wenn Designer_innen/Modemacher_innen in die Lage versetzt werden, für viele verschiedene Körperformen zu entwerfen und zu verkaufen, statt einem Ideal zu folgen, das es nur deshalb gibt, weil ein Ideal einen sehr kleinen Teil eines Spektrums darstellt und deshalb in Massen produziert werden kann, ohne große Kosten zu verursachen.

Menschen sind nicht ideal. Kein Mensch hat nur ein Teil eines Spektrums in sich oder berührt nur einen kleinen Teil davon.

Ich denke, dass der Umgang mit Labeln wie “gesund” und “krank” sehr dringend mit mehr Bewusstsein für die Machtdynamiken dahinter passieren muss, gerade auch, wenn ein Wunsch für die Gesellschaft ist, sich gleichberechtigt miteinander im Leben zu bewegen.


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„My Body, My Choice – Raise Your Voice!“ Proteste gegen den „Marsch Für Das Leben“

23. September 2014 von accalmie

In Berlin marschieren jedes Jahr christ­li­che Fun­da­men­ta­list_innen, Konservative und ex­tre­me Rech­te aus dem ge­sam­ten Bun­des­ge­biet „für das Leben“. Für „das Leben“ heißt für den „Bun­des­ver­band Le­bens­recht“, der zur De­mon­stra­tion auf­ruft, ge­gen das Recht auf kör­per­liche Selbstbestimmung, die Straffreiheit der durch §218 immer noch illegalisierter Schwangerschaftsabbrüche, Sterbehilfe und Prä­natal­diag­no­stik (PND) zu pro­testieren. Ei­nes der Pla­ka­te, das „Le­bens­schützer_innen“ [sic] am ver­gangenen Sams­tag mit sich trugen, fasste die Zielsetzung jener Bewegung prägnant zusammen: „Selbstbestimmung hat Grenzen“ – prak­ti­scher­wei­se genau dort, wo die „Le­bens­schützer_innen“ über die Kör­per an­der­er Men­schen verfügen wollen.

Der „Marsch Für Das Leben“ tritt nicht nur für anti­femi­nisti­sche Politik ein, sondern fusst auf und ver­breitet eine sexist­ische, hetero­sexistische, cis­sexistische und völkisch-nationalistische Ideo­logie (weitere In­for­mationen zu der „Lebensschutz“-Bewegung finden sich zum Beispiel hier). Demonstriert wird für reaktionären Geschlechteressentialismus und den als deutsch de­fi­nier­ten, wei­ßen „Volks­nach­wuchs“. Es sind diese Ziele, für die Poli­tiker_innen und Kir­chen­ver­tre­ter_innen jähr­lich Gruß­wor­te senden; in diesem Jahr auch der CDU/CSU-Bundes­tags­fraktions­vor­sitzende Vol­ker Kauder und der katholische Erzbischof Rainer Wölki. Bea­trix von Storch, Mitglied des Europa-Parlaments für die AfD, lief direkt mit. Nach ei­genen An­ga­ben hat der „Marsch für das Leben“ am Sams­tag  4500 bis 5000 Teil­nehmer_innen mobilisiert.

Eben­falls je­des Jahr rufen femi­nisti­sche Bünd­nisse zu Pro­tes­ten ge­gen den „Marsch für das Le­ben“ auf – in diesem Jahr unter an­der­em das What The Fuck-Bünd­nis und das Bünd­nis für se­xuel­le Selbst­be­stim­mung. Nach er­sten Schätzun­gen ha­ben bis zu 1500 Men­schen an den ver­schie­denen Aktionen gegen die Funda­menta­list_innen teil­ge­nom­men: mit Tril­ler­pfei­fen, Sprech­chö­ren, Sitz­block­aden, Flash­mobs, Glitzer­kon­fet­ti, auf­ge­blasenen Kon­do­men, Mu­sik, Rede­bei­trä­gen, Per­for­man­ces und vie­len weiteren Aktionen wur­de pro­testiert. Wir haben ei­ni­ge Bil­der der De­mon­stration(en) für euch zu­sam­men­ge­stellt – wei­tere Fotos fin­det ihr auch hier, hier, hier und bei Twit­ter unter #NoFundis.

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Blumen, Brüste, Bullshit – die Blogschau

18. Mai 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 205 von 295 der Serie Die Blogschau

Vergangenen Sonntag war Muttertag. Katharina von Sich mit Worten bevorraten will nicht nur zu diesem Anlass mehr als Blumen.  Auch Melanie ist kein Fan dieses Begängnisses, reflektiert aber zu diesem Anlass ihre Sicht auf Dankbarkeit für  Mütter.

Gleich ein bunter Strauß an Berichten darüber, wie wenig mensch sich selbst in vermeintlich alternativen,  emanzipatorischen Umfeldern auf Pausen vom *istischen Alltag verlassen kann:

Kotzwürg-Sexismus galore beim BarCamp Graz.  Und mehr als genug Kackscheiße auch beim Workers Youth Festival in Dortmund.  Das erfolgreiche Modelabel American Apparel geriert sich als hipper Awareness-Laden, kommt aber seit jeher nicht ohne Sexismus aus.  An der Heidelberger Uni lacht man über NSU-Verharmlosung in Tateinheit mit Plumpsexismus von vorvorgestern. An der Düsseldorfer Uni soll ein antifeministisch dominiertes  Männerreferat gegründet werden. Und angesichts der von großem Pressetamtam begleiteten Proteste gegen die „Barbie Dreamhouse Experience“ konnte mensch sich auch nur noch an den Kopf packen.

Edward von Twidgeridoo! berichtet unter dem bitter sarkatischen Titel „Meine erste Internierung“ über erfahrene(n) Rassismus und Polizeigewalt. Mehr (Grundlagenarbeit für) rassistische Kackscheiße ist zu erwarten bei der Innenminister*innenkonferenz (IMK), die vom 22.-24. Mai in Hannover stattfindet und wo auch Asyl- und Migrationspolitik auf dem Programm steht – Protest wird bereits organisiert.

Die ständige Erwartung, verfügbar zu sein – für Diskussionen, Erklärungen oder den Wohlfühlfaktor: Frau Dingens hat genug davon. A propos Erwartungshaltung: Seitdem ich auf meinem Profilbild Tatyana Fazlalizadehs Anti-Street-Harrassment-Shirt trage, wird immer wieder gefragt, wo es dieses großartige Shirt den gebe – und auch High on Clichés kennt den Ärger über die ständige Aufforderung „Lächel doch mal!“.

Die Brust-OP von Angelina Jolie ist nicht nur ein Knaller für die Boulevardmedien, sondern auch ein Politikum. Mel gibt Kontext und findet:  „Well done, Angelina Jolie“.  Merle Stöver möchte Jolie für ihre Entscheidung respektiert sehen – gerade von Feministinnen. Und weil (gerade auch Frauen*-)Gesundheit immer ein politisches Thema ist, berichtet my myself & child über ihren „Gebärmutterschnupfen“ und lädt zur Vernetzung ein.

Und wo wir schon bei Körper und Selbstbestimmung sind: Grrrlghost hat anlässlich der Debatte um die „Pille danach“ noch ein Video beizusteuern.

Shopping ist nicht für alle ein Vergnügen – die Suche nach passenden BHs auch nicht, wie Ryuu berichtet. Außerdem ist Ryuu aus Berlin – nach wie vor Sehnsuchtsort für viele – weggezogen und erzählt, warum. Und dass auch in anderen Städten mit B am Anfang ordentlich was los sein kann, lässt sich Helgas umfangreicher Terminliste für Braunschweig entnehmen.

Außerdem hat Helga ein Buch über Pionierinnen der Archäologie gelesen und rezensiert.

Ninia LaGrande interviewt Jasmin Mittag,  Initiatorin der Kampagne „Wer braucht Feminismus?“ in Deutschland.

Nele Tabler schaut die  TV-Serie Call the Midwife (Ruf die Hebamme) und findet schwangere Heldinnen.

Anne Roth sammelt Beispiele von Fällen, bei denen feministischen Medien, Blogs, Zeitschriften, Fernseh- oder Radiosendungen von Zensur betroffen waren (oder sind).

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Unterstützung zum anrufen, Sexismus zum anziehen – die Blogschau

9. März 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 196 von 295 der Serie Die Blogschau

Mehr Monoagapanie und die Möglichkeit diese zu genießen!  Moment: Monowas?  Don’t degrade Debs, Darling! erklärt, was es damit auf sich hat und welcher Zusammenhang zur allgegenwärtigen Paarnormativität besteht: „Ich habe Liebeskummer, weil die Liebe wie sie in unserer Gesellschaft verlangt und erwartet wird, in mir diesen Kummer verursacht!“

Zwei algerische Feministinnen im Dialog über Solidarität, Bündnismöglichkeiten, weiße Dominanzen und Aneignungen: Global sisterhood – work in progress.

Selbstfürsorge: Kniffs & Tricks & Tipps – Melanie schreibt bei den femgeeks über feministisches Burnout und aktivistische Erschöpfung.

A propos: Eine praktische Idee, wie sich Menschen in Online-Debatten gegenseitig unterstützen und Kräfte gespart werden könnten, baldowert derzeit Dr. Indie aus. Wer macht mit?

In einer Pressemitteilung anlässlich des gestrigen Internationalen Frauen(kampf)tags ergeht vom Netzwerk female:pressure ein dringender Appell: Mehr Raum für Frauen in elektronischer Musik und digitaler Kunst! Die Initiative:  „Nach der kürzlich entbrannten Sexismusdebatte ruft female:pressure zur gründlichen Revision weiblicher Beteiligung in elektronischer Musik und digitaler Kunst auf. Dazu wollen wir mit einer Analyse unserer Arbeitsbedingungen beitragen.“

Dr. Daniele Daude hat für kritisch-lesen.de eine Rezension zu bell hooks‘  Standardwerk Black Looks verfasst.

OTTO? Find ich nicht gut. Mit einem sexistischen Kinder(!)-T-Shirt begibt sich der bekannte Versand gepflegt ins Stereotypen-Aus.

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Münster: Raise your voice – your body, your choice!

6. Februar 2013 von Viruletta

Alle Jahre wieder mobilisieren rechts­­kon­ser­vative, christ­liche Fundamentalist­*innen zu einem Schweigemarsch unter dem Namen „1000 Kreuze für das Leben“. Und alle Jahre wieder finden sich tolle, feministische Gegendemonstrant*innen zusammen, um den reaktionären, menschenverachtenden Abtreibungsgegner*innen (die sich ironischerweise selbst als „Lebensschützer*innen“ bezeichnen) etwas entgegenzusetzen. Das bekannteste Beispiel dürfte Berlin sein, aber auch in Münster wird in diesem Jahr schon zum wiederholten Mal dagegen protestiert. Im Vorfeld findet bereits eine Mobilisierungstour statt.

Die Demo beginnt am 09.03.2013 um 11 Uhr am Bremer Platz in Münster

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Für (sexuelle) Selbstbestimmung auf die Straße

7. September 2012 von Anna-Sarah

In Hamburg läuft derzeit die von uns schon mehrfach angekündigte Aktionswoche von enter_the_gap, die morgen mit einer großen Demonstration gegen sexualisierte Gewalt und für Selbstbestimmung endet.  Die Organisator_innen rufen auf:

Lasst uns Raum nehmen und die Straßen füllen – mit Fragen und Eindrücken und dabei einen Anstoß für (Selbst)Reflexion geben!
Lasst uns ein Zeichen setzen gegen sexualisierte Gewalt, Zurichtungspraxen an Inter*, stereotype Genderklischees, Sexismus, homo- und trans*phobe Haltungen, Lookismus, Ableismus, Rassismus,
Antisemitismus und deren Zusammenspiel.
Deswegen kommt zahlreich zur Demonstration und zeigt eure Wut über sexistische Zustände! Wir wollen kein Leben, in dem sexualisierte Gewalt, Übergriffe und Belästigungen verharmlost und legitimiert werden und den Betroffenen die Schuld gegeben wird. Für eine konsensuelle Sexualität und Selbstbestimmung in gender und desire [‚Begehren‘, Anm.]!

Hallo, Journalist_innen: „Lasst euch nicht durch die Unterwäsche davon ablenken, dass es hier um Vergewaltigung geht.“

Anna von different needs hat mit dem Orga-Team gesprochen. Im Interview erfahren wir nochmal, warum in Hamburg in diesem Jahr nicht mehr unter dem Slutwalk-Label demonstriert wird, was es mit dem Namen enter_the_gap auf sich hat und wie es nach der Demo weitergehen soll.


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Mitfahren bei rape culture? Die Allgemeine Zeitung zeigt wie es geht

24. August 2012 von Sabine

Die Autorin Silvia Meixner der Allgemeinen Zeitung gibt „Expertentipps“ für die Kommunikation bei Mitfahrgelegenheiten wieder. Klingt erstmal harmlos und ein bisschen nach Sommerloch. Was sie schreibt ist allerdings gar nicht harmlos. Bei Tipps und Tricks für vergnügliche Fahrten mit unbekannten Menschen, die unnötig wie banal sind, kommt sie zum Punkt „Der erste Eindruck zählt“ und da wird es dann krass:

„Ferner sollten sich Frauen nicht zu freizügig kleiden, denn ein tiefes Dekolleté oder ein allzu kurzer Rock wecken beim Fahrer vielleicht Gedanken, auf die man ihn gar nicht bringen wollte.“ – Silvia Meixner, AZ

Ganz nebenbei schreibt die Autorin auf was Knigge-Expertin, Vera Reich, ihr  sagt. Frauen müssen es besser wissen, denn wenn sie „allzu“ kurze Röcke tragen oder sich „zu freizügig“ kleiden, käme der Fahrer vielleicht beim Anblick dessen auf Gedanken, die Frauen unter Umständen gar nicht wollten. Also besser anders kleiden. Frau Meixner, von welchen Gedanken wird da eigentlich genau gesprochen? Und sind die „Gedanken“ erstmal da, was dann? Trauen Sie sich, diese zu Ende zu formulieren? Meinen Sie etwa auch, dass Frauen* – wir Sexobjekte – selbst schuld sind, wenn uns etwas passiert, das wir nicht wollen? Dass wir von sexistischen Sprüchen bis hin zu Vergewaltigungen womöglich noch selbst die Schuld tragen, weil wir uns nicht ihren Tipps entsprechend kleiden? Dass Männer Opfer ihrer Selbst und ihrer Triebe seien, weil Kleider und Körper von Frauen* angeblich Signale aussenden, wir damit provozieren und unsere Worte oder ein einfaches Nein nicht mehr zählen?

Die Autorin hätte dies alles mindestens kritisieren können. Weitgefehlt sie verkauft es als Tipp für Frauen (sic!) und das ist perfide. Frauen* sind nicht schuld und müssen sich nicht erklären (Röcke und der ganze Scheiß, der da aufgezählt wird), wenn ihnen sexualisierte Gewalt und Sexismus widerfährt. Ganz egal unter welchen Umständen. Mal abgesehen davon, dass „mehr“ Bekleidung auch nicht vor Übergriffen schützt. Vielmehr zeigt dies doch auch auf in welcher Gesellschaft wir leben, wo Vergewaltigungsmythen vorherrschen, Sexismus lebt und sexualisierte Gewalt noch immer verharmlost wird. Das nennt sich rape culture (und nicht Trick 17). Die Macht liegt beim Täter und einer Gesellschaft, die Gewalt an Frauen* abkanzelt und wir Tipps wie diese (siehe oben) lesen müssen.

Vielen Dank an die MM-Leser_in, die uns auf diesen Artikel aufmerksam gemacht hat.


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Weg mit der Klappe und der anonymen Geburt? – Kristina Schröder plant schon wieder

27. Juli 2012 von Sabine

Wo die Bundesfamilienministerin auftaucht, da kann die Zimmerdecke schon mal zum Fußboden werden. Untätigkeit kann sich Schröder nicht vorwerfen lassen. In ihrer Legislaturperiode hat sie einiges geschafft – öfter auch abgeschafft – beispielsweise wenn sie der Rheinischen Post sagt, sie setze sich für das Modell einer vertraulichen Geburt ein. Damit meint die Ministerin, dass sie sich für die Abschaffung von anonymen Geburten (und zu diesem Zeitpunkt noch für die Abschaffung von Babyklappen) einsetzt. Das „vertrauliche“ an der Geburt ist eine Mogelpackung. Mit dem 16. Lebensjahr soll auch wieder gut sein mit der Anonymität, denn dann dürfen die Jugendlichen erfahren, wer ihre leibliche Mutter ist. Sie erhalten ihre Daten, weil ein Kind ein Recht darauf hat, zu wissen woher es abstammt, behauptet Schröder. Deshalb plant die Familienministerin einen Gesetzesentwurf zur vertraulichen Geburt. Babyklappen sollen auch überflüssig gemacht werden, zumindest neue soll es nicht mehr geben.

Dabei sind Babyklappen und die anonyme Geburt wichtige Angebote für Schwangere in Notsituationen. Es sind Vorrichtungen, wo Neugeborene anonym abgegeben werden können und die leider noch nicht gesetzlich geregelt sind. Diese Grauzone ist oftmals die letzte Option für schwangere Frauen, wenn alle anderen Gesellschaftstüren verschlossen sind. Das wird deutlich wenn Klaus Vetter, Chefarzt vom Vivantes-Klinikum in Neukölln (Berlin), im Deutschen Ärzteblatt über die Bedeutung von anonymen Geburten sagt, dass, sie Leben retten können. Sie sind die einzige Option einer Entbindung in einer Klinik ohne Angst zu haben Jahre später vielleicht doch noch von Polizei, Staat, Behörden oder dem Kind aufgesucht zu werden und sich für ihre Entscheidung erklären zu müssen. Eine Entscheidung, die sicherlich keine leichte gewesen war, aber ihre und das aus Gründen. Ungewollte Schwangerschaften aufgrund von Vergewaltigungen sind hier nur ein Beispiel für gewaltvolle Situationen. Diejenigen, die kommen, kommen (vermutlich) weil sie anonym bleiben wollen/müssen, sonst würden sie den Haupteingang wählen.

Vielleicht kennt Kristina Schröder diese prekären Situationen nicht, okay, aber es scheint auch so, als ob sie weder nach dem „warum“ fragt noch einen Realitätsabgleich sucht, nicht okay. Am vergangenen Dienstag bescheinigte der Berliner Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) ihren Plänen ebenfalls realitätsferne, er ist für die anonyme Geburten, weil es diese Notsituationen gibt. Vielleicht findet Schröder die Vorstellung von einer happy Heterokleinfamilie mit Vati und Mutti aber auch einfach richtig (,) toll und will dem etwas nachhelfen. Ganz im Sinne von, was gehen mich Lebensrealitäten an?

Vorrangig argumentiert sie mit den Jugendlichen und ihrem „Abstammungsrecht“, das finde ich scheinheilig. Dieses Recht gibt es nicht. Es ist ein nachvollziehbarer Wunsch, weil er Identitätsfragen aufwirft vor allem wenn Jugendliche oft gefragt werden, wer und wo nun „Mutti und Vati“ sind. Aber es gibt das Recht auf Selbstbestimmung, körperliche Unversehrtheit und auf Leben, wenn wir auf der Welt sind, geboren werden (dürfen) und genau deshalb sind diese Angebote so wichtig.

Mit ihren Plänen zielt sie diesmal direkt auf eine kleine wie sehr marginalisierte Gruppe, die in dieser entscheidenden Lebensphase sehr verletzbar ist, Anonymität sucht und Unterstützung braucht. Warum macht Schröder das eigentlich? Warum wird nicht früher nach den Ursachen gefragt? Es sind nicht die Babyklappen, die überflüssig sind, aber vielleicht ist es die Bundesministerin für Backlash.


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