Einträge mit dem Tag ‘Schwarze Kinder in Deutschland’


Das literarische Jahr 2016 – deutschsprachig aus Schwarzer Perspektive

14. November 2016 von Gastautor_in
Dieser Text ist Teil 119 von 125 der Serie Die Feministische Bibliothek

SchwarzRund kam als Schwarze Deutsche Dominikaner*in mit drei Jahren nach Bremen, lebt seit fast zehn Jahren in Berlin. Seit 2013 publiziert sie auf ihrem Blog schwarzrund.de und in diversen Magazinen. Mehrdimensionale Lebensrealitäten inner- und außerhalb von Communitys verhandelt sie in Performance-Texten, Vorträgen und Veranstaltungsreihen. Gerade erschienen ist ihr Roman „Biskaya“, ein afropolitaner Roman über das Leben von Schwarzen Menschen in Berlin. Folgende Büchersammlung erschien zuerst auf SchwarzRund:

2016 ist, wie jedes Jahr, ein Jahr, in dem weiße Vorherrschaft viel politischen Mist produziert, aber eben auch künstlerisch Schwarze Perspektiven nicht mitverhandelt. Doch wie immer gilt: Schwarze Menschen schaffen es deswegen/daraus/trotz allem und weiterhin ihre Perspektiven selbst in die Welt zu bringen. Außerdem gewinnen Schwarze Menschen auch den Bachmannpreis 2016, Sharon Dodua Otoo übertraf mit Ihrem Text „Herr Gröttrup setzt sich hin Maßstäbe, die die Jury sich nichtmal hätte erdenken können. Hier die Veröffentlichungen, von denen ich mitbekommen habe, bitte kommentiert damit ich die Liste ergänzen kann! Ich habe nicht alle Bücher gelesen, daher kann ich für nichts garantieren.


Talking Back – Strategien Schwarzer österreichischer Geschichtsschreibung
Claudia Unterweger, 19,95€ kaufen

Lese ich gerade, es folgt dann mein Eindruck.

 

 

 

 


gummiband-familien – rubberband families D/engl

Familienbuch von WoMANtís RANDom, 18€ kaufen.
Ein Familienbuch mit großartigen Illustrationen, Suchspielen, neuen Worten und Details zum verlieben!

 

 

(mehr …)


Facebook | |


Trans Film Festival in Berlin und Büchertipps für den Herbst – unsere Links der Woche

6. Oktober 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 328 von 340 der Serie Kurz notiert

Max Moses Bonifer schreibt in der Jüdischen Allgemeine über Antisemitismus: „Ein deutsches Problem.

Für Bücherwürmer haben wir folgende Tipps: Gerade frisch erschienen im UNRAST Verlag. „Afrokids. Ein Ratgeber für die ersten Lebensjahre Schwarzer Kinder“ von Olaolu Fajembola. Und: Chimamanda Ngozi Adichies Roman „Die Hälfte der Sonne“ ist nun auch als Taschenbuch erschienen, berichtet Missy Magazine.

Woran macht man das Geschlecht fest? Ein Gespräch mit Lann Hornscheidt beim WDR 3 Kultur am Mittag.

Auf der Webseite Vergessene Biographien wird an außergewöhnliche Lebenswege erinnert: türkisch-jüdische und arabische Menschen, afrikanische Kolonialmigrant_innen und Schwarze Deutsche, die während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland lebten und arbeiteten, diskriminiert und entrechtet wurden, Widerstand leisteten oder der nationalsozialistischen Verfolgung zum Opfer fielen.

„Die meisten Transmenschen in Deutschland sind unsichtbar“ sagt Nyke Slawik in einem Interview auf jetzt.de und könnte bald als erste Transfrau in ein Landesparlament gewählt werden.

Der neue Wegbereiterinnen Kalender für 2017 (PDF) ist da, u.a. mit Hannah Ahrendt, Mascha Kaléko oder Zabel Yesayan.

Termine in Berlin, Leipzig, Erlangen, Frankfurt/Main und Marburg:

Noch bis zum 11. November in Erlangen: „Black History Weeks“ (PDF).

8. Oktober 2016: Performativer postkolonialer Rundgang “Retracing Freedom – Widerstand und koloniale Gegenwart in Berlins Mitte” mit Joshua Kwesi Aikins und Chantal Fleur Sandjon.

11. Oktober in Berlin: Vortrag: „Feministische Antifapolitik abseits der Großstadt“ (fb-Event).

11. Oktober in Leipzig: Vortrag: Das Unbehagen mit dem Sternchen. Zu feministischer Sprachkritik (fb-Event).

15. – 29. Oktober in Spanien, Italien und Frankreich: Die feministische Punk Band Respect My Fist geht auf Tour.

22. Oktober in Marburg: Cheer Queer_die queer-alternative Partyreihe* mit Msoke (fb-Event).

29. und 30. Oktober in Berlin: trans* Empowerment Wochenende von LesMigraS (fb-Event).

30. Oktober in Frankfurt/Main: Thementag „Komponistinnen-Welten“ vom Archiv Frau und Musik.

18. bis 20. November in Berlin: Das TransFormations – Trans Film Festival BerlinSpenden sind mehr als erwünscht!

Transformations Film Festival crowdfunder 2016 from Transformations Film Festival on Vimeo.

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?


Facebook | |


(Unbezahlte) Bildungsarbeit, BMX-Räder und Blabla-Diskussionen im Feuilleton – kurz verlinkt

17. Dezember 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 266 von 340 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Am Montag marschierten an die 15.000 Pegida-Anhänger_innen (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) durch Dresden. Die Parolen sind klar rechts, rassistisch und islamophob. Die taz ist mitgelaufen und schreibt über das Selbstverständnis der Mitmachenden. Die Süddeutsche berichtet vom Symposium „Grenzen im politischen Meinungskampf – Zum Umgang mit rassistischen Vorurteilen und Diskriminierungsideologien“, welches sich auch mit Pegida auseinandersetzte.

Die taz hat ein Interview mit der Islamwissenschftlerin Noha Abdel-Hady geführt. Sie untersucht die Rolle weiblicher Gelehrter im Islam. 

Warum ich für meinen Sohn Weihnachtsfiguren mit dunkelbrauner Hautfarbe bestelle„: Wie Kinder Rassismus erfahren, reproduzieren und verarbeiten,  erzählt Tupoka Ogette beim Migazin.

„Alleinerziehende und Hartz IV Alltagskampf bis zur Erschöpfung“ – bei Deutschlandradio Kultur gibt es einen Beitrag über viele der strukturellen Faktoren, die sog. alleinerziehende Mütter und ihre Kinder in Armut halten.

In der sog. Düsseldorfer Tabelle ist geregelt, wieviel Geld zum Lebensunterhalt Kindern zusteht. Diese Tabelle ist nun angepasst worden – allerdings zugunsten der unterhaltspflichtigen Personen. Von denen die Mehrheit derzeit getrennt lebende Väter sind, die wiederum oftmals ohnehin nicht, nicht regelmäßig oder zu wenig Unterhalt für ihr(e) Kind(er) zahlen, obwohl sie statistisch finanziell von einer Trennung oft profitieren. Der Deutsche Juristinnenbund kritisiert daher die Entscheidung.

Türkisch, deutsch, lesbisch, feministisch: Ein schönes Interview von FrauTV mit Dj Ipek zu Identität und gegen eindimensionales Schubladendenken.

neues deutschland veröffentlicht einen ausführlichen Nachruf auf die Refugee-Aktivistin Mimi.

Beim Missy Magazine kritisiert Katrin Gottschalk den Zeit-Kommentar „Menstruationscomics, nein danke“, der sich, „wie so viele andere, am Image des Feminismus“ abarbeite, „anstatt sich mit seinen Inhalten zu beschäftigen.“

englischsprachige Links

18 Badass Women You Probably Didn’t Hear About In 2014“ hat Buzzfeed zusammengestellt.

In dem neuen Dokumentarfilm „Regarding Susan Sontag“ verbindet Nancy Kate Tagebucheinträge von Sontag mit selten gezeigtem Archivmaterial von Auftritten, Interviews und aus den Städten, in denen Sontag lebte. Autostraddle bespricht den Film.

Beim Guardian schreibt Chelsea Manning über legale, insitutionelle und bürokratische Vorschriften/ Strukturen, die trans* Personen immer wieder Gewalt aussetzen: „Despite bureaucratic assumptions, we exist. […] the problem is not just inclusion or equal opportunities in institutions like government identification systems or voting – because such systems are inherently, if indirectly, biased to favor high income, straight, white, cisgender people. How can trans people change a system to which we don’t even have access?“

Schon mal von Lilly Yokoi gehört? Bust stellt die Fahrradakrobatin quasi als Vorgängerin all jener, die jetzt Tricks auf dem BMX machen, vor.

„We are Black Women, AfroIndigenous and women of color who have organized a social media Blackout.“ – Aktivistinnen zur Aktion #ThisTweetCalledMyBack, unbezahlte Bildungsarbeit und den gewaltvollen Backlash.

Melissa McEwan hat auf Shakesville einen neuen Beitrag in der Serie „Hilfreiche Tipps für Typen“, die sich weniger sexistisch verhalten wollen, veröffentlicht.

französischsprachigesprachige Links

Die queer-feministische Organisation Queer African Youth Network veröffentlichte im Rahmen der Kampagne „16 Day Against Gender-Based Violence“ 16 Geschichten von lesbischen_queeren Frauen aus den frankophonen Ländern Westafrikas und Kamerun.

Termine

17.12. in Berlin, ab 16:30 Friedrichstraße/links neben Friedrichstadtpalast: Die Geburtshilfe steht vor dem Aus. #zappenduster – eine Demo der Hebammen.

17.12. in Berlin, 18:00 – 20:00 Kurfürstenstraße/Ecke Frobenstraße : Gedenken von Berliner Sexarbeiter*innen gegen Gewalt anlässlich des Internationalen Tags zur Beendigung von gegen Gewalt gegen Sexarbeiter_innen


Facebook | |


DDR-Barbies, antirassistisches Kinderbuch, Free CeCe, Protest gegen Sarrazin – kurz verlinkt

26. Februar 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 231 von 340 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Die aktuelle Ausgabe der an.schläge ist erschienen,  diesmal mit dem Schwerpunktthema Wohnpolitik, und wieder sind einige Beiträge online lesbar, z.B. das Interview mit einer lesbischen Bloggerin aus Jordanien.

Katrin Gottschalk und Margarita Tsomou widerlegen im Freitag die so steilen wie schlotterigen „Barbiefeminismus!“-Thesen, die von dort aus kürzlich die Runde machten (geschickter Move, diese kräftebindenen  These-Gegenthese-Zirkel, die in einer Staubwolke von Rabatz letztlich zurück auf Null führen… kennen wir ja auch von der taz) – zum Beispiel so: „Es ist schlichtweg falsch zu behaupten, in der DDR wären Frauen und Männer gleichberechtigt gewesen.“

Die Tageschau berichtet: Bis Ende Juni 2014 soll es eine neue gesetzliche Regelung zur sukzessiven Adoption für nichthetero Paare geben – liberaler wird’s aber wohl nicht mit der Großen Koalition.

„‚Das Wort, das Bauchschmerzen macht‘ ist eine spannende Geschichte, die (nicht nur) Kindern zeigt, wie verletzend rassistische und diskriminierende Sprache ist. Aber auch, wie sich Eltern, Lehrer_innen und nicht zuletzt die Kinder selbst aktiv für ein respektvolles Miteinander einsetzen“- Nancy J. Dilla sammelt Funding, um ihr Kinderbuch gegen rassistische Sprache veröffentlichen zu können. Noch wenige Wochen könnt ihr das Projekt unterstützen!

Die Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung hat eine Broschüre über trans* Kinder und Jugendliche heraus gegeben. Sie kann hier herunter geladen und auch bestellt werden unter broschuerenstelle(at)senaif.berlin.de

Schon im letzten Jahr erschienen, aber (leider) immer aktuell: „Un_mögliche Bildung. Kritische Stimmen und verschränkte Perspektiven auf Bildungsun_gleichheiten.

englischsprachige Links

Ein weiteres wichtges Projekt, das auf Förderung angewiesen ist: die Dokumentation „Free CeCe“ über und gegen Gewalt gegen Transfrauen, von Laverne Cox und CeCe McDonald.

In Spanien mehren sich die Proteste gegen die kürzlich verschärfte regressive Abtreibungsrechtspolitik, berichtet der Independent.

Anita Little stellt im Ms. Magazine eine Reihe früher Schwarzer Feministinnen vor.

Aaminah Khan schreibt bei Black Girl Dangerous über Intersektionalität und auf welchen (unter anderem) rassistischen Narrativen der Vorwurf, dass Kritiken an weißem Mainstream-Feminismus „toxisch“ oder „Mobbing“ seien, aufbaut.

Bei Autostraddle geht es um das kolonialistische Erbe, welches der heterosexistischen Diskriminierung in einigen afrikanischen Ländern zugrunde liegt und beim kritischen Blicken dorthin oftmals unter den Tisch fällt.

Welche Veränderungen können feministische Bewegungen international bewirken? Ein Podcast beim Guardian widmet sich dieser Frage.

Der Guardian berichtet auch über die Pianistin Alice Herz-Sommer, die mit 110 Jahren als älteste bekannte Überlebende der Shoah verstorben ist.

Termine

Berlin: Heute um 19:30 Uhr im K-Fetisch findet die erste Veranstaltung der Reihe „Mir lebn ejbik – Wir leben ewig“ über Widerstand, Gedenken und Befreiung statt: „Frauen* im jüdischen Widerstand – die Meijdalach aus Bialystok.“

Auch in Berlin: Am 2. März (11 Uhr) will Thilo Sarrazin sein neues Buch im Berliner Ensemble vorstellen. Am 2. März findet daher auch eine Kundgebung dagegen auf dem Bertolt-Brecht-Platz statt – hier geht es zum Facebook-Event.

Vom 8. bis 13. März, ebenfalls in Berlin: die Berlin Feminist Film Week.

Das erste Kieler laDIYfest findet vom 18. bis 20. April 2014 statt. Spenden sind erwünscht!

Vom 12. bis 15. Juni  in Sachsen auf Gut Frohberg: Die frauensommerakademie*2014  – schon mal vormerken!


Facebook | |


Mit Kindern reden (extended version)

19. März 2013 von Gastautor_in

Dieser Beitrag erschien gestern auf Marias Blog Me, Myself and Child. Wir freuen uns über die Erlaubnis zur Veröffentlichung.

Aus gegebenem Anlass (sprich: weil ich mich heute schon wieder über M-Kopf und N-Kuss ärgern musste) möchte ich hier noch mal den Text posten den ich vor ca. einem Monat schon einmal hier bzw. hier veröffentlich habe.

Ich bin müde. Ich bin müde und fühle mich ausgesaugt. Jegliche vorzubringende Argumente wurden aus mir raus gesaugt, obwohl ich sie in den meisten Fällen nicht mal selbst aufgeschrieben und ausgeschrien habe. Zurück bleibt ein dicker Klumpen in einem leeren Raum. Viel Wut ist in dem Klumpen, Angst auch… Seit Tagen will ich Dinge sagen und kriege nichts raus. Es wurde doch alles gesagt, denke ich. Warum kommt es nicht an? Dann fällt mir ein: weiße Menschen halten weiße Räume weiß, weinen weiße Tränen, weil sie ihre Deutungshoheit, ihre Macht nicht abgeben wollen. Macht die sie zu lange hatten, die sie nie hätten haben dürfen. Das ist Gewalt, schreibe ich in einem unveröffentlichten Rant. Das ist Krieg, schreibt eine Freundin mir und anderen in einer privaten Unterhaltung… Man(n) solle sich mit wichtigeren Dingen beschäftigen, das Wort gehört der Vergangenheit, die muss man(n) bewahren, man(n) solle eben mit den Kindern reden, darüber wie es früher war. Ich weiß nicht ob ich lachen oder weinen soll. Ich versuch es noch mal mit schreiben:

“…weil sie denken, alle Menschen in Deutschland sind weiß” so beendet meine Tochter gestern meinen Satz, von dem ich gar nicht mehr genau weiß wie er anfing. Wir reden. Über die Kinderbücher und darüber warum manche Menschen an diesem einem Wort festhalten wollen. Meine Tochter ist 7. Sie hat’s verstanden.

Das Wort mit N kannte sie bis vor einer Woche nicht. Vielleicht hatten wir bis dahin einfach Glück. Als ich aber erfuhr wie das Titelbild der Zeit aussehen würde, habe ich mich Abends noch mit ihr hingesetzt. Ich habe es nur ein einziges Mal gesagt und es blieb mir fast im Halse stecken. Ich habe seit Monaten darüber nachgedacht. Seit eine andere Mutter erzählte, dass ihr Sohn beleidigt wurde. Auf dem Schulhof. Von einem anderen Kind. Im hier und jetzt. Ich wollte noch mehr Zeit haben. Ich wollte nicht, dass es so läuft. Aber jetzt musste ich. Ich wollte nicht, dass sie es von jemand anderes hört oder liest. Also haben wir geredet und am nächsten Morgen habe ich gebetet, dass sie an keiner Ausgabe der Zeit vorbeikommt…

Ein paar Tage später stand sie vor mir und sagte: “Mama, dieses Wort mit N was du mir in dem Buch gezeigt hast, hab ich schon wieder vergessen!” sie zuckte mit den Achseln. Ich atmete kurz auf. Noch ist sie gelassen. Es ist nicht das erste Mal, dass ich mit ihr über Rassismus spreche. Sie weiß, dass es weiße Menschen gibt, die glauben sie sind Schwarzen Menschen überlegen. Sie muss das wissen. Sie ist Schwarz. Ihre besten Freund_innen sind Schwarz. Alle lesen sie Bücher oder bekommen sie vorgelesen. Alle leben Sie hier in Deutschland. Sie weiß, dass die alten weißen Menschen Quatsch erzählen. “Mama, irgendwie sind Schwarze Menschen viel cooler als weiße” Nur die alten weißen Menschen wissen es noch nicht. Sie führen lieber Krieg. In der Vergangenheit. Gegen Kinder. Gegen die Zukunft.

Wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht mal ob sie das Wort wirklich noch nicht kannte oder einfach nicht bewusst wahrgenommen hat. Neulich wurde in der Sendung mit der Maus gezeigt wie Schokoküsse hergestellt werden. Der erste Kommentar unter dem Facebook-Foto (TW), was am Tag darauf gepostet wurde enthielt das N-Wort. Gleich. der. erste. Kommentar. auf der Seite einer KINDERsendung. Im Internet finde ich meist die richtigen Worte. Das schlimme ist, dass mich sowas in der analogen Welt immer erstmal sprachlos macht, oft werde ich davon noch überrascht, vor allem wenn es um nicht ganz so eindeutige Aussagen geht. Dann bleibt mir die Wut und der Ärger oft im Halse stecken. Ich darf aber nicht sprachlos sein. Wenn ich als weiße Mutter eines Schwarzen Kindes dazu schweige, kommt das einer Zustimmung gleich und ich stelle mich gegen mein Kind. Gleichzeitig habe ich nicht immer die Kraft und Ausdauer auf alles zu reagieren und manchmal bin ich auch einfach nicht dabei. Wie spreche ich mit meinem Kind über Rassismus ohne dabei selbst Rassismus zu reproduzieren? Ich mache mir oft Gedanken darüber wie tief meine eigenen Rassismen sitzen und über das, was ich alles nicht sehe und was ich ihr in den Jahren zuvor schon, aber auch jetzt, vielleicht mitgebe ohne es zu wollen und zu merken. Wie realistisch bin ich in der Umsetzung meines kritischen Weißseins?

Ich versuche mir bestimmte Strategien und Sätze zu recht zu legen und mich so viel möglich mit anderen Eltern in ähnlichen Situationen auszutauschen. Das Kind versuche ich, so gut es eben in dieser Weißbrotgesellschaft geht, zu empowern, d.h. ihr den Kontakt zu Schwarzen Bezugspersonen zu bieten und ihr möglichst viele Medien (Bücher, Filme, Serien, Musik etc.) anzubieten, in denen Schwarze Menschen eine positive Rolle spielen, bzw. positiv und nicht-stereotyp /ohne Klischees dargestellt werden (was wirklich nicht ganz einfach ist). Sie hat zum Glück von klein auf viele Schwarze Freund_innen und ist eigentlich sehr selbstbewusst. Allerdings spüre ich gerade stark, wie mit zunehmendem Alter der Einfluss ihrer Peers zunimmt, während meiner abnimmt und jetzt noch ein anderer großer -Ismus immer stärker wird und eben soviel Aufmerksamkeit benötigt: Sexismus (und Rollenklischees).

Ich muss versuchen abzuwägen. Wie kann ich meine Kräfte einsetzen um sie zu Unterstützen und zu Beschützen ohne zu viele Energien zu verschwenden, die ich für den Alltag und die schönen Dinge brauche. Wie sehr fällt es auf sie zurück, wenn ich mich bei Lehrer_innen und Erzieher_innen oder Eltern ihrer Freund_innen beschwere und gegen eine Wand renne? Wie viel muss sie jetzt wissen, was hat Zeit für später? Wie viel muss und kann ich mit ihr besprechen und wo muss sie ihre eigenen Strategien finden, bzw. wo und wann braucht sie vielleicht andere Menschen, die ihre Erfahrungen besser verstehen als ich. Was kann ich noch tun? 

Für die weiße Mehrheitsgesellschaft in diesem Land gibt es kein(en) Rassismus(problem), um jedes kleine Wort muss gekämpft werden und je älter mein Kind wird, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass sie ganz direkt rassistisch angegriffen wird …. und das macht mir Angst.


Facebook | |


Hamsterrad der Ignoranz – Wenn Weiße mit sich selber über Rassismus reden

29. Januar 2013 von Gastautor_in

Rassismus in Kinderbüchern: In diesem Text, den wir freundlicherweise veröffentlichen dürfen, setzt Sula als Schwarze Kunstwissenschaftlerin, Aktivistin und Mutter einen Punkt unter die unsäglichen Debatten im Pfuilleton und drumrum.

Und als ob es in den letzten Wochen nicht bereits deutlich genug geworden wäre, dass sich jene Schriftsteller_innen und Journalist_innen, die sich zur Zeit in Panik an das eine Wort klammern, das scheinbar konstitutiv für den Erhalt deutscher Kultur und Identität ist, es sorgfältig vermeiden, irgendeine wie auch immer geartete Recherche bezüglich des Wortes oder der Debatte zu betreiben, musste die ZEIT noch einen weiteren Kommentar veröffentlichen, der die Stimmen Schwarzer Menschen, die immerhin vereinzelt, der Ursuppe weißer Mainstreammeinung zum Trotz, sichtbar geworden sind, in guter imperialistischer Tradition ausblendet.

 Auch Frau Christine Nöstlinger muss sich zur Debatte äußern. Das Ganze wird noch völlig unnötigerweise verziert von rassistischen Abbildungen und Texten aus „Der Struwwelpeter“. Schade, dass man Bücher nicht entlesen kann. Irgendwie sehe ich es nicht mehr ein, dass ich mir die Mühe machen soll, mir noch irgendetwas anzuhören, durchzulesen oder anzuschauen, was von weißen Deutschen (oder wie in diesem Fall Österreicherinnen) ganz offensichtlich sowieso nur für weiße Deutsche produziert wird, während die „geistige Elite“ dieses Landes in zwei Wochen zermürbendem Sich-im-Kreise-Drehen um die eigene Argumentation im luftleeren Raum es offensichtlich nicht geschafft hat, auch nur einen der vielen Texte anzufassen, die die vielen Irrtümer, unfundierten Behauptungen und apokalyptischen Verschwörungsfantasien, die sich auch in Frau Nöstlingers Text wieder tummeln, ausnahmslos entschärfen. (mehr …)


Facebook | |


Lesestoff für das ganze Wochenende – die Blogschau

26. Januar 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 192 von 295 der Serie Die Blogschau

Im Pfuilleton (danke, Sabine :) ) wird ja derzeit ständig behauptet, man könne Kindern rassistische Begriffe doch einfach „erklären“.  Schwarze Kinder hat dabei offenbar kaum jemand im Sinn…
Bei Bühnenwatch hat sich Anneke Gerloff  die Mühe gemacht, viele der in der Kinderbuchdebatte breitgetretenen white-supremacy-Argumente  auseinander zu nehmen. Auch Anarchistelfliege schreibt über den rassistischen Backlash, verlinkt gute Beiträge  und fasst nochmal einiges zusammen. Außerdem gibt es dort noch ein paar erläuternde Gedanken zum Unterschied zwischen Befindlichkeit und Betroffenheit.

Body policing und body shaming sind machtvolle Facetten von Sexismus – damit einher geht das oftmals komplett verinnerlichte Bewusstsein, dass der eigene Körper permanent von anderen wahrgenommen, reguliert, be- und abgewertet wird.  Nahezu alle Frauen* sind davon betroffen. Besonders krass erfahren das allerdings dicke Frauen*, denen ihr  „Versagen“ im Kampf um das Erfüllen bestimmter Normen permanent vor Augen geführt wird.  Riotmango rantet gegen das Verleugnen von Privilegien, die schlanke Menschen in diesem Kontext gegenüber dicken haben.

Kotzen über das Erzbistum Köln und Verhütungspolitik:  ein offener Brief mit Hintergrundinfos.

Kinder und Jugendliche werden von Erwachsenen mit einer Menge Ansprüchen und Erwartungen konfrontiert – auch in links-alternativen Umfeldern, wie Somlu beschreibt.

Warum sie sich die offenbar obligatorische Diät zum Jahresanfang getrost spart, schreibt Katrin auf Reizende Rundungen. Toll aussehen geht sowieso auch hervorragend ohne.

Eine Taxifahrerin lehnt die Beförderung eines Fahrgastes ab, der sie bei einer vorherigen Fahrt sexuell belästigt hat. Bald darauf folgt die Kündigung, sie sei nicht „hart genug für diesen Beruf“ – das Mädchenblog berichtet über den unfassbaren Vorfall.

A propos unfassbar: Khaos.Kind schreibt einen offenen Brief an die EMMA, die sich in ihrer letzten Ausgabe in Sachen Bullshit selbst übertroffen hat.

Verharmlosung und Relativierung von sexistischen Übergriffen, Teil 6748: FDP-Politiker Rainer Brüderle hat eine Journalistin belästigt, und wer steht im Fokus der Kritik?  Na, ratet mal (Lösung bei Merle Stöver).
Die im Zuge des Vorfalls entstandene Twitterkampagne #aufschrei betrachtet das Antiblog und gibt praktische Hinweise, wie es weitergehen könnte. Auf Zehenspitzen sucht für sich einen Umgang mit Street Harrassment. Auch Frau Dingens erträgt den Normalzustand rape culture nicht mehr.

Ein neuer Stern am Bloghimmel:  Don’t degrade Debs, darling! startet mit wichtigen Fragen zur eigenen Identität:  „Habe ich das Recht Attribute die mir gefallen, die sich für mich erstrebenswert anfühlen anzunehmen oder muss ich dafür etwas erfüllen? Was ist entscheidend? Wie mich andere wahrnehmen? Wohl kaum! Wie ich mich selbst wahrnehme oder was ich mir wünsche zu sein? Kann ich Begrifflichkeiten entwerten oder ihnen die Schlagkraft nehmen, weil ich nicht genug irgendwas bin? Ab wann darf ich mich mit Dingen identifizieren?“

accalmie erklärt auf ihrem Blog noch mal das mit dieser Zensur und wer hier eigentlich wen ausschließt (auf Englisch).

Wie sich diskriminierendes Verhalten erkennen und bekämpfen lässt, darüber schreibt Zweisatz  – inzwischen bereits Teil 6.
Dazu passt eine anonyme Online-Umfrage, die Nejra Drljevic im Rahmen ihrer Bachelorarbeit in Sozialer Arbeit durchführt. Diese Befragung richtet sich an Frauen islamischer Religionszugehörigkeit und fragt u.a. nach Diskriminierungserfahrungen und Umgangsformen damit. Die Forscherin freut sich über rege Teilnahme.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


Facebook | |


Veranstaltungshinweise: Schwarze deutsche Geschichte in Berlin

14. November 2012 von Gastautor_in

Unsere Leserin Kristin hat ein paar spannende Veranstaltungshinweise für die nächsten Wochen in Berlin zusammen getragen. Vielen Dank dafür!

In den nächsten Wochen gibt es in Berlin eine ganze Reihe an interessanten (empowernden) Veranstaltungen für/von/mit/über Schwarze Menschen in Deutschland. Sie finden zum Teil unabhängig voneinander statt, obwohl sie vieles verbindet, weshalb sie imho zumindest einen gemeinsamen Blogpost verdienen. Besonders die Geschichte(n) Schwarzer Frauen bekommen durch diese Veranstaltungen wunderbar viel Raum und sie bieten die Möglichkeit sich (noch) einmal mit nicht-weißen Perspektiven auf deutsche Geschichte und Feminismus auseinander zu setzen. Außerdem geben sie Gelegenheit für Eltern und/oder Bezugspersonen etc. sich auszutauschen und sich selbst und die nächste Generation zu stärken.

Termin eins ist am Donnerstag, 15.11.: Die Frauenkreise Berlin zeigen um 19 Uhr den Film „Hoffnung im Herzen. Mündliche Poesie – May Ayim“ mit anschließender Lesung von Ika Hügel-Marschall – hier der Link zum Facebook-Event.

Samstag darauf (17.11.) gibt es an selber Stelle von 11-15 Uhr einen Empowerment Workshop für Schwarz – Weiße Familien mit Jamie da Silva (bitte anmelden)

Praktisch im Anschluss daran (aber mit genug Zeit dazwischen um von einem Ort zum anderen zu kommen und noch was zu essen o. ä.) zeigt das Frauenzentrum Schokofabrik um 17 Uhr, in der Alten Feuerwache Kreuzberg, den Dokumentarfilm „Audre Lorde – The Berlin Years 1984 – 1992“ von Dagmar Schultz, die ebenfalls anwesend sein wird.

Nächste Woche Mittwoch, den 21.11. stellen ADEFRA e.V. und der Orlanda Verlag das neue Buch „‚Euer Schweigen schützt Euch nicht‘ – Audre Lorde und die Schwarze Frauenbewegung in Deutschland“ vor. Es lesen und diskutieren mit der Herausgeberin Peggy Piesche: Katharina Oguntoye, Prof. Dr. Maisha Eggers sowie Raja Lubinetzki, Dr. Marion Kraft und Noah Sow. Beginn 20 Uhr im Grünen Salon.

Zum brasilianischen „Tag des Schwarzen Bewusstseins“ am 24.11. feiern die Frauenkreise Berlin in Kooperation mit der Academia Jangada von 14.30 – 16 Uhr ein Kinderfest mit Mini-Workshops zu afrobrasilianischer Kultur & Geschichte, zum Zuschauen und Mitmachen.

Und am ersten Dezemberwochenende dann bietet ManuEla Ritz ein zwei-tägiges Empowerment Training für Eltern nicht-weißer Kinder an – Anmeldung hier.

(Leider) nicht in Berlin aber bis März 2013 in verschiedenen Deutschen Städten zu sehen, ist die Ausstellung Homestory Deutschland – Schwarze Biografien in Geschichte und Gegenwart.

Mehr Info zu den jeweiligen Veranstaltungen findet ihr unter den Links. Über Ergänzungen etc. in den Kommentaren freue ich mich natürlich auch sehr.


Facebook | |


Die weiße Welt der Kinderbücher

31. August 2012 von Gastautor_in

Unsere Leserin Maria sucht in Kinderbüchern nach mehr von jener Welt, wie auch ihre eigene Tochter sie kennt. Hier berichtet sie von ihrer Odyssee durch die Buchläden.

Als ich noch zur Schule ging, habe ich immer gerne und viel gelesen. Alle möglichen Arten von Büchern aus den verschiedensten Genres. Lesen fiel mir leicht und ich bin in den Büchern versunken, habe mit den Held_innen mitgefiebert. Die meisten dieser Bücher habe ich noch, sie stehen bei meinen Eltern oder im Kinderzimmer meiner Siebenjährigen. Der Plan war, sie an meine Tochter weiterzugeben, in der Hoffnung, sie hat genauso viel Spaß daran. Doch einige der Bücher lassen das einfach nicht zu. Spätestens als ich ihr Pippi Langstrumpf vorlas und, weil ich es völlig verdrängt hatte, über das N-Wort stolperte, wurde mir klar, dass ich die Kinderbücher genauer unter die Lupe nehmen muss. Aber nicht nur das.

Ich begann mich auf die Suche zu machen nach Büchern, in denen die Held_innen mehr aussahen wie meine Tochter und viele ihrer Freund_innen, sprich Kinder of Color. Törichterweise, und das will ich hier nicht unerwähnt lassen, stürzte ich mich zuerst auf Jim Knopf. Aber mensch lernt ja und irgendwie fand ich dann noch die Buchliste der ISD [Anm.: Liste ist derzeit nicht online], die Negativliste von Der Braune Mob e.V. und dann sogar eine Facebook-Gruppe, die sich dem Thema widmet und stellte trotzdem fest: Es gibt zu wenig, viel zu wenig. Außer ein paar (wirklich schönen) Bilderbüchern gibt es, vor allem für die älteren Kinder, praktisch nichts auf dem deutschen Buchmarkt – auf eine Ausnahme komme ich gleich noch zu sprechen.

Weil ich sowieso auf der Suche nach einem Geschenk war, startete ich vor ein paar Tagen spontan mal wieder einen Selbstversuch. Ich ging in drei große Buchläden und fragte einfach mal nach, wie es denn so aussieht mit Büchern für Kinder ab sieben, deren Protagonist_innen nicht weiß sind. Das ist, was dabei rauskam. (mehr …)


Facebook | |



Anzeige