Einträge mit dem Tag ‘Schwarze Frauen’


Förderung für Frauenprojekte, Strafanzeige gegen LaGeSo, Ava-DuVernay-Barbie – kurz verlinkt

10. Dezember 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 305 von 340 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Die Förderungen zahlreicher Arbeitsmarkt-, Integrations- und Frauenprojekte laufen zum 31. Dezember 2015 aus. Darunter befinden sich auch alle Berliner Frauen-Existenzgründungsprojekte. Eine Petition der Gründerinnenzentrale richtet sich an die Berliner Senatorin Kolat mit der Bitte, dass sich der Senat damit befasst. Update von der Petitionsseite: „Wir haben gerade die Nachricht aus der Senatsverwaltung erhalten, dass eine Intermislösung gefunden ist. Ab 01.01.2016 geht es weiter. Vielen Dank für die Unterstützung!“

Die Stiftung „filia“ unterstützt Projekte, die Mädchen stark machen, mit bis zu 5.000€. Der Inhalt des Projekts muss etwas damit zu tun haben, dass Mädchen und Frauen frei von Gewalt leben können und dass sie in der Gesellschaft mitentscheiden. Die Projekte werden von Mädchen und/oder Frauen für Mädchen und junge Frauen gemacht. Bis zum 1. März 2016 nimmt filias Mädchenbeirat Anträge mit Ideen und Plänen für Projekte an.

„Du wünschst dir manchmal eine Superheldin? Eine, die Gewalt gegen Frauen verhindert? Du bist die Superheldin!“ Der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (BFF) stellt seine Arbeit vor.

Die re:publica veröffentlicht wieder ein Call for Papers. Das diesjährige Motto ist TEN, da 2016 das 10. Jubiläum der re:publica gefeiert wird.

Mehr als vierzig Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte haben am Montag bei der Berliner Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige wegen Körperverletzung und Nötigung im Amt gegen Mario Czaja, Senator für Gesundheit und Soziales des Landes Berlin, und Franz Allert, Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Soziales des Landes Berlin (LAGeSo) sowie weitere Verantwortliche eingereicht.

„Mit ihrer Erklärung versucht Frau Zschäpe sich aus der Verantwortung zu ziehen. Dieser Aussage glaube ich kein Wort. Meine von vornherein geringen Hoffnungen, dass mit dieser Erklärung endlich die genauen Umstände des Mordes an meinem Vater aufgeklärt werden, sind enttäuscht.“ – so die Nebenklägerin Gamze Kubasik über die medial groß angekündigte Aussage Beate Zschäpes im NSU-Prozess.

Englischsprachige Beiträge

Der Dozent Steve Locke berichtet von seiner jüngsten Erfahrung mit polizeilichem racial profiling in den USA: „I fit the description…“

Hoffenlich gibt es noch irgendwo eine heimliches Zusatzlager, denn die Ava DuVernay-Barbie, deren Erlös politischen Projekten zugute kommt, war am Montag innerhalb von Minuten ausverkauft…

[Inhaltshinweis: Rape Culture] „If Daniel Holtzclaw’s Victims Were White, Everyone Would Know His Name“: Bei The Root kommentiert Kirsten West Savali die Misogynoir, die das Gerichtsverfahren gegen Daniel Holtzclaw umgibt.

Termine in Berlin, Halle, Linz, Wien

Am 10.12. in Halle/Saale, 19:00 im Audimax: Was hat Präimplantationsdiagnostik mit Eugenik zu tun? Wie kam es in Deutschland zur Legalisierung dieses Diagnoseverfahrens? Und was sagt uns das alles über den aktuellen Stand der feministischen Kämpfe um reproduktive Rechte? Zu diesen und weiteren Fragen spricht die Politikwissenschaftlerin Dr. Susanne Schultz.

Am 12.12. und 13.12. in Berlin, Werkstatt der Kulturen: Dekolonisiert euch! Workshops und Performances zur Selbstreflexion und für kreatives Empowerment.

Am 16.12.in Berlin, Migrationsrat Berlin-Brandenburg, Oranienstr. 34: LGBT*I*Q Perspectives in Self-organised Resistance of Refugees in Berlin and Germany

Am 19. Januar in Linz, AK OÖ, 20.00 Uhr: Uraufführung des Stücks „Geheimsache Rosa Luxemburg.“ Die Wien-Premiere findet am 17. Februar im Theater Akzent statt. In der Bar&CO des Theaters Drachengasse ist das Stück von 29. Februar bis 5. März als Spielserie zu sehen.


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Misandrische Mittelfinger-Mode, Free CeCe, Polizeigewalt gegen Jugendliche – kurz verlinkt

10. Juni 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 282 von 340 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Seit dem 1. Juni kann man sich zum Inklusionscamp in Hamburg anmelden. Die Veranstaltung ist als Barcamp zum Thema Inklusion, inklusives Leben und Lernen geplant und findet am 25. und 26. September 2015 statt.

Mit Islamfeindlichkeit gegen Antisemitismus: Fabian Köhler analysiert für IslamQ, wie sich ein weißes deutsches Kollektiv mit antimuslimischem Rassismus vom eigenen Antisemitismus freispricht. [Siehe Kommentarbereich – danke für den Hinweis!]

Das JugendtheaterBüro Berlin wurde für die KulTür auf! Kampagne mit dem BKM-Preis für Kulturelle Bildung ausgezeichnet.

Und noch mehr Preise: Das Transgender Film Festival 2015 stellt die dort ausgezeichneten Werke vor.

Dominique Hansell schreibt für das Gunda Werner Institut zu Diversity als politischem Feigenblatt: Anhand der Fashion- und Beauty-Branche seziert sie, wie „das politisch korrekte „Anderssein“ […] hier zum kulturellen Aushängeschild der betreffenden Firmen und Institutionen [wird]“.

Obwohl europäische Rechtsinstanzen immer wieder Vätern mehr Rechte in Bezug auf Besuch, Umgang oder Erziehung von Kindern zuspricht, entschied das Bundesverfassungsgericht jüngst anders: Ein Vater darf ein Umgangsrecht gegen den Willen des Kindes nicht durchsetzen, wie das Online-Magazin Frauensicht berichtet.

Englischsprachige Links

Eine Raum wird nicht allein dadurch trans*inklusiv, in dem er statt beispielsweise Frauenraum zu FrauenLesbenTrans*Raum umbenannt wird. Autostraddle trägt Ansätze zusammen, wie (queere) Räume inklusiver für Trans*Frauen gestaltet werden können.

Endlich Sommermode? Kitty Stryker von Purr Versatility hat den ultimativen Guide für den misandrischen, male-gaze-den-Mittelfinger-zeigenden Look zusammengestellt.

Das Black Youth Project stellt ein Kinderbuch vor, in dem ein queerer Junge seine Geschichte erzählt.

Den Dokumentar-Film FREE CeCe!, der sich mit Gewalt gegen Trans*Frauen of Color beschäftigt und die Geschichte von CeCe McDonald (von dem Angriff gegen sie, ihre Verurteilung und Gefängniszeit und ihren Aktivismus gegen den Gefägnis-Komplex) nachzeichnet, könnt ihr noch finanziell unterstützen. Er benötigt noch Geld für die Post-Produktion.

Das Bitch Magazine stellt zehn Schwarze Komponistinnen/Frauen, die Musik schreiben, vor – von der Harlem Renaissance bis heute.

Eine Pool-Party in McKinney. Erst werden Jugendliche rassistisch beschimpft, dann wird die Polizei gerufen, welche die Jugendlichen angeht, mit Waffen auf sie zielt und Dejerria Becton, eines der anwesenden Mädchen, brutal auf den Boden wirft und fixiert. The Root hat alle Informationen zusammengestellt. Feminist Wire schreibt zu: „Police Criminals and the Brutalization of Black Girls„.

Termine in Berlin, Dortmund, Hamburg, Konstanz und Wien

10.06. in Konstanz: Vortrag zu Racial Profiling von Jamie Schearer.

10.06. in Berlin: Kongress „Respekt statt Ressentiment“ – Strategien gegen eine neue Welle von Homo- und Transphobie.

11.06. in Dortmund: „female energy“: Vernissage verschiedener Künstler_innen im Fachbereich Design der Fachhoschule Dortmund. (FB-Link)

22.06 in Wien: Frigga Haug spricht im Rahmen der Dialogreihe „Gutes Leben für alle“ über die Forderung „Teilzeit für alle“. (FB-Link)

17.07. in Berlin: „Grrrls To The Front: Das Female Focus Festival“, das „viele verschiedene Berliner Rapper*innen und DJ*s“ fördert, „die zusammen mit internationalen Künstler*innen aus Buenos Aires (ARG), Durham (USA), Birmingham (UK) und Johannesburg (RSA) das Festival gestalten. (FB-Link)

01.08. in Hamburg: Queer Flora Soliparty, 23 Uhr, Rote Flora.


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Interview mit Peggy Piesche über Lesben in der DDR: „Sichtbarkeit kann niemals nur die eigene sein“

26. Mai 2015 von Nadine

Peggy Piesche und ich waren als Referentinnen zur Tagung „Das Übersehenwerden hat Geschichte – Lesben in der DDR und in der friedlichen Revolution“ in Halle geladen. Auf der Tagung standen verschiedene lesbische Perspektiven auf lesbischen Aktivismus in der DDR, während und nach der Wendezeit im Mittelpunkt. In diesem Zusammenhang fragte der Freitag ein Interview mit einer ‚Zeitzeugin‘ an, das ich nach der Tagung mit Peggy Piesche führte. Wir konnten das Interview nicht zur Autorisierung freigeben, so dass es nun auf der Mädchenmannschaft erscheint. Die Zusammenarbeit mit dem Freitag zeigte deutlich, dass viele sogenannte ‚Qualitätsmedien‘ bzw. journalistische Angebote nicht an Selbst-Erzählungen interessiert sind, die sich gängigen heteronormativen, weißen und westlichen Geschichts- und Diskriminierungsnarrativen und Interessen entziehen. Peggy Piesche hat dazu einen Text geschrieben, den ihr am Ende des Interviews findet.

Obwohl Lesben in der DDR rechtliche Gleichstellung genossen, blieben sie unsichtbar. Es gab im Gegensatz zur BRD kaum öffentliche Orte des Zusammenkommens, in der breiten Öffentlichkeit fanden sie keine Erwähnung. Teilnehmerinnen der Tagung sprachen davon, dass sie sich isoliert fühlten. Ging es dir ähnlich?

Ja, ich denke, dass dies ein allgemein gesellschaftliches Phänomen in der DDR war. Die rechtliche Gleichstellung von Lesben, die weit fortgeschrittenere Gleichberechtigung von Frauen allgemein in der DDR gegenüber der BRD war nur eine Seite bzw. nur eine Hälfte real-sozialistischer Ideologie. Da über vieles nicht geredet wurde und es wenig Räume gab, in denen alternative Lebensentwürfe gedacht oder gar gelebt werden konnten, entwickelte sich im DDR-Alltag so etwas wie eine sprachliche Leerstelle.

Was meinst du damit?

Natürlich wussten wir, was ‚Homosexualität‘ war, kannten Wörter wie ‚Lesben‘ und ‚Schwule‘. Aber im aktiven Aussparen dieser Wörter und allem, was damit zusammen hängt, indem eine bestimmte Sprache sozusagen nicht ausgeübt oder verwendet wurde, fehlten für Lesben und Schwule die Möglichkeiten in ihre Identität hineinwachsen zu können. Ich wusste sehr früh, wie ich fühlte und was das bedeutet. Aber in einen Austausch dazu zu kommen, war zumindest für mich in der Provinz (ich habe in den Mit-80ern in Erfurt studiert) kaum möglich. Das Schweigen war allgegenwärtig.

"Schwarz - lesbisch - deutsch. 1980er Jahre in Südostdeutschland“  - Peggy und ihre Mit-Azubis einer LPG in Gotha. Fotoquelle: privat

„Schwarz – lesbisch – deutsch. 1980er Jahre in Südostdeutschland“. Peggy (links) und ihre Mit-Azubis einer LPG in Gotha. Fotoquelle: privat

Waren bestimmte Lesben-Gruppen sichtbarer als andere?

Das glaube ich schon. Das bereits beschriebene sehr typische Phänomen in der DDR, nämlich unliebsame Geschichte/n, Realitäten und Gedanken in einem Mantel des Schweigens zu ersticken, spielt hier auch eine Rolle. Diese Pathologisierung des Schweigens funktionierte natürlich in den Provinzen besser als in den wenigen Zentren der DDR. In Städten wie Berlin, Leipzig, Dresden und Jena waren die Möglichkeitsräume schon etwas größer. Hier trafen schneller oder vielmehr schon früher als in anderen Gegenden die beiden ‚Parallelwelten‘ systemkritischer politischer Gruppen und alternativ gesellschaftliche Lebensentwürfe im Schutze der Kirche aufeinander. Dabei bildeten diese Räume durchaus die gewünschte weiße deutsche Homogenität ab, die auch in der DDR identitätsstiftend für das Nationalkollektiv galt.

Besonders die Lesben, die sich unter dem Dach der evangelischen Kirche organisierten, sahen sich politischer Verfolgung durch die Stasi ausgesetzt. Bespitzelung, Verhaftungen und Denunzierung waren an der Tagesordnung. Waren Lesben potentielle Systemfeindinnen?

In dem angestrebten Lebenskonzept ganz sicher. Denn das schien das recht biedere und bürgerliche Gesellschaftskonzept der DDR zu bedrohen. Nicht umsonst wurde auch in der DDR die heteronormative Familie als „Keimzelle“ der Gesellschaft gestützt. Dennoch muss aber deutlich gemacht werden, dass lesbisch sein noch nicht gleichbedeutend mit Systemkritik einher ging. Die Bespitzelungen der Stasi bezogen sich auf das gesamte Spektrum der Gesellschaft. Es haben auch Lesben Lesben bespitzelt.

Neben politischer Opposition spielte auch der Kampf um politische, soziale und kulturelle Anerkennung eine Rolle. Konntest du dich als Schwarze Lesbe mit den Zielen der Bewegung identifizieren?

Wie gesagt, von einer richtigen Bewegung wusste ich in der DDR nicht wirklich etwas. Die Bewegung konnte sich meines Erachtens eher erst nach bzw. mit der Wende als solches wahrnehmen und ihre Energien bündeln. Aus der Perspektive der DDR-Provinz handelte es sich vielmehr um zerstreute Räume und individuelle Begebenheiten. Für mich und meine Generation waren hier vor allem die Sommercamps der evangelischen Kirche Orte der Begegnung. Diese Räume waren natürlich alle durchweg sehr weiß, was wiederum für mich schnell zu Grenzerfahrungen führte. Als Schwarze Frau und Lesbe habe ich vor allem einen Bezug auf die differenzierten Lebensrealitäten, die es in der DDR gab, vermisst. In diesen Räumen wurde der gesellschaftliche Mythos, nach dem es Rassismus in der DDR nicht geben konnte, nicht hinterfragt.

Es gab also keine Räume, in denen Rassismus und Schwarze Lebensrealitäten Thema waren?

Rassismus galt in der DDR ideologisch als überwunden und wurde mit moralischem Verweis auf den Westen als systemisch irrelevant angesehen. Die DDR zelebrierte in ideologischen Gefechten des Kalten Krieges ihre Sozialistische Internationale Solidarität. Gern und besonders mit den ‚jungen aufstrebenden Nationalstaaten in Afrika’. Da passten die Erfahrungen und Lebensrealitäten Schwarzer Menschen und Lesben nicht ins Konzept. Mit dem Schweigen über Rassismus im eigenen Land und der gesellschaftlichen Unsichtbarkeit von Menschen jenseits einer heterosexuellen weißen Norm waren diese Themen auch im DDR-Alltag wenig möglich. Weil es nicht gedacht werden konnte, war es für die meisten einfach nicht da.

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Über das Gucken und Sehen: Schwarze Frauen in Deutschland an_erkennen

4. Mai 2015 von Sharon

[Die englische Fassung des Texts findet sich weiter unten.]

Gestern wäre der 55. Geburtstag von May Ayim gewesen. Anlässlich des Tages wurde der 2. May Ayim Tag am May-Ayim-Ufer gefeiert. In Rahmen dessen wurde die Ausstellung „Daima“ eröffnet. Dazu habe ich einen Text vorgelesen, der hier veröffentlicht wird.

Was passiert, wenn du guckst?

Wahrscheinlich guckst du manchmal ganz unschuldig, überrascht oder aus Interesse. Manchmal wirst du einen fragenden Blick haben – vielleicht um ein Vorurteil, welches du bereits hast, zu bestätigen oder infrage zu stellen. Manchmal guckst du wohl aus Angst oder sogar Abscheu. Was passiert dann?

Meistens wenn Mitglieder einer mächtigen Gesellschaftsgruppe gucken, dann etablieren oder bestätigen sie eine bestimmte Perspektive auf etwas. Der Akt des Guckens erschafft (wieder) ein Objekt, welches angeguckt oder untersucht wird. Wenn viele Menschen auf die gleiche Sache gucken wird eine dominante Ansicht gebildet. Diese dominante Ansicht wird über viele Wege kommuniziert. Wenn ich hier also über „gucken“ schreibe, dann meine ich nicht nur den spezifischen physischen Akt, sondern jegliche Aktivität die eine Perspektive auf ein Objekt etabliert. Insgesamt erzählen die Blicke von Mitgliedern einer mächtigen Gesellschaftsgruppe eigensinnige Geschichten über ein Objekt. Mit der Zeit besitzen diese Geschichten eine größere Autorität, als was das Objekt jemals könnte. Jedoch ist die Information, die das „Gucken“ bietet, unvollständig, da die Kommunikation nur in eine Richtung geht. Gucken ist nicht das Gleiche wie Sehen. In einem Kontext, in dem der weiße männliche Blick dominiert, wurden Schwarze Frauen immer angeguckt aber selten gesehen.

In Deutschland ist die Situation nicht anders. Obwohl Schwarze Menschen seit gut über 300 Jahren in dieser Region leben, haben die meisten weißen Deutschen erstaunlich wenig Wissen über die Anwesenheit und den Einfluss Schwarzer Menschen in diesem Land. Und selbst in Schwarzen Communities in Deutschland sind die bekanntesten Beispiele für Schwarze deutsche Selbstbestimmung und Widerstand gegen Rassismus vor den Mit-1980ern üblicherweise männlich: Zum Beispiel Anton Wilhelm Amo, ein Schwarzer Mann, der 1736 der erste Professor afrikanischer Herkunft wurde, der an einer deutschen Universität studierte und arbeitete. Und Rudolf Duala Manga Bell, ein in Kamerun geborener König und Aktivist, der sich in seinem Heimatland Anfang des 20. Jahrhunderts der deutschen Kolonialherrschaft widersetzte und darum 1914 wegen Hochverrats hingerichtet wurde.
Ähnlicher Weise sind Simone de Beauvoir und Clara Zetkin innerhalb der deutschen feministischen Bewegung und zum Teil auch in der deutschen Mehrheitsgesellschaft bekannte und respektierte Persönlichkeiten. Beide Frauen sind weiß. Jedoch verdienen Schwarze Frauen wie Emily Duala Manga Bell, eine anti-koloniale Aktivistin, die ihren (oben genannten) Ehemann überlebte oder Fasia Jansen, eine Friedensaktivistin und Überlebende des Neuengamme Konzentrationslagers, ebenfalls Ansehen und Anerkennung für ihre jeweiligen Beiträge zur anti-rassistischen Bewegung und Frauenbewegung in Deutschland.
Der deutsche Kontext ist einer, in welchem historisch die Existenz Schwarzer Deutscher rechtlich verleugnet wurde und selbst heute gibt es keine rechtlichen Möglichkeiten sie statistisch zu erfassen; ein Kontext, in dem zahllose Schwarze Kinder mit ausschließlich negativen Begriffen zur Selbstbeschreibung aufwuchsen; einer, in dem viele genau dieser Kinder aufgrund von rassistischen Nazi-Gesetzen zur „Rassenmischung“ sterilisiert wurden; und einer, wo Schwarze Individuen oftmals ihr ganzes Leben verbrachten ohne andere Menschen zu kennen, die so aussahen wie sie selbst. In diesem Kontext, wo die kulturelle Repräsentation von weißen und männlichen Idealen dominiert wird, und wo kritische Positionen dagegen entweder Schwarz männlich oder weiß weiblich waren, sehen sich Schwarze deutsche Lesben_Frauen vielfachen Hürden gegenüber. Es war in diesem Kontext, dass Audre Lorde, eine afro-amerikanische Lesbe, Feministin, Dichterin, Aktivistin, Wissenschaftlerin und Mutter, erstmals Berlin im Jahr 1984 besuchte, um an der Freien Universität zu unterrichten und Verbindungen zu jungen Schwarzen Frauen, die hier lebten, aufzubauen.

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Die Definition von Krawall, Trolle verfüttern und Kristen Stewarts neue Kumpeline – kurz verlinkt

30. April 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 5 von 340 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

queer.de berichtet über eine neue Resolution des Europarats, in der dieser fordert gegen Trans*-Diskriminierung vorzugehen. So sollte beispielsweise die Änderung des Geschlechtseintrags und des Namens in amtlichen Dokumenten ohne den Zwang zu medizinischen Behandlungen oder psychologischen Begutachtungen erfolgen könnnen.

Anlässlich von 200 Verhandlungstagen und fast zwei Jahren im NSU-Prozess gegen Beate Zschäpe, Ralf Wohlleben, André Eminger, Holger Gerlach und Carsten Schultze vor dem OLG München zieht NSU Watch eine kurze Zwischenbilanz zum Prozess und stellt unter anderem heraus: „Die These vom NSU als isolierter Zelle mit nur einem kleinem Umfeld an Unterstützer/innen ist so nicht haltbar.“

Von der Broschüre „Was tun? Sprachhandeln – aber wie? W_Ortungen statt Tatenlosigkeit.“ ist die zweite, überarbeite Auflage erschienen. Die Druckvorlage kann kostenfrei per Mail bestellt werden und auf der Seite feministisch-sprachhandeln.org lässt sie sich als PDF herunterladen.

englischsprachige Links

Pajiba nimmt die heterosexistische Beharrlichkeit aufs Korn, mit der Kristen Stewarts aktuelle offensichtliche/vermeintliche Liebesbeziehung von den Medien als „Mädchenfreundschaft“ gelabelt wird.

Ragen Chastain fast auf Dances With Fat noch mal kompakt ein paar Dinge zusammen, die du niemandem schuldest – wie Schönheit, Gesundheit oder Sexiness.

Die siebenjährige Natalie McGriff hat für ihr Comicbuch The Adventures of Moxie Girl, einer Superheldinnengeschichte über ein Schwarzes Mädchen, einen Crowdfundingpreis gewonnen, berichtet Feministing.

Loretta Lynch wurde zur ersten Schwarzen Generalstaatsanwältin der USA ernannt. For Harriet berichtet.

„Do Feed the Trolls—to People Who Will Hold Them Accountable“: Andrea Grimes teilt bei RH Reality Check ihre Erfahrungen mit der Praxis, bei Angriffen, die sie in sozialen Medien erlebt,  Leute aus dem Umfeld des „Trolls“ in die Konversation einzubeziehen.

Medien vermitteln ein ganz bestimmtes Bild von Menschen, die sogenannte Essstörungen haben: schlanke, weiße, wohlhabende Frauen, die wie Models in Magazinen aussehen wollen. Raquel Reichard erklärt, warum das irreführend ist.

Derzeitig wird ein neuer Film für Netflix gedreht: „The Ridiculous Six“. In der letzten Woche verließen eine Reihe von Native American Schauspieler_innen das Set aufgrund der im Film dargestellten rassistischen Stereotype. Racialicious berichtet über den Protest. Außerdem interviewten sie die Aktivistin Megan Red-Shirt Shaw zur #NotYourHollywoodIndian- Kampagne.

Egal wie viele Schwarze Menschen von Polizist_innen getötet werden, die Proteste, die darauf aufmerksam machen, sollen doch bitte ‚friedlich‘ bleiben. Beim Atlantic schreibt Ta-Nehisi Coates über diese Forderung: „When nonviolence begins halfway through the war with the aggressor calling time out, it exposes itself as a ruse. When nonviolence is preached by the representatives of the state, while the state doles out heaps of violence to its citizens, it reveals itself to be a con.“

Elle South Africa interviewt die südafrikanische Performance-Künstlerin Sethembile Msezane über The Public Holiday Series, Post-Apartheid und Frauenkörper.

Termine in Berlin und Linz

2. Mai, Berlin: Far, far away? Podiumsdiskussion zu Kolonialrassismus im Unterricht.

6. Mai, Berlin: Vortrag von Magda Albrecht: “(Mein) Fett ist Politisch” um 16:30 Uhr an der ASH Berlin (Alice-Salomon-Platz 5, 12627 Berlin), Raum 225.

6. bis 8. Mai, Linz (Österreich): Die Tagung „Kicking Images. Bilderpolitiken/sexualisierte Gewalt/Interventionen“ vereint zum Thema Wissenschaftler_innen, Künstler_innen und Aktivist_innen.

7. Mai, Berlin: „Themenabend zu Intersektionalität“ mit Emilia Roig und der Initiative intersektionale Pädagogik(i-Päd) und 9. Mai: Die dritte Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Widerstandsbewegungen von geflüchtetenFrauen* in Berlin und Deutschland„.


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Die Mär von solidarischer Umverteilung und warum Toleranz scheiße ist – die Blogschau

15. November 2014 von Nadia
Dieser Text ist Teil 265 von 295 der Serie Die Blogschau

Deutscher Patriotismus und warum der 9. November kein Tag zum Feiern ist/war: Dazu gab es einen Text auf Spunk, dem Blog der Grünen Jugend.

Hengs erstes Zine-Projekt „My Body, My House“ ist online.

Respect my Fist stellten Überlegungen zu Freiheitskonzepten, Schwesterlichkeit und Wir-Bezügen an.

Toleranz? Toleranz ist scheiße, sagt sanczny.

Freiwillige, solidarische Umverteilung? Clararosa nimmt ein Ideal unter die Lupe.

Es gibt ein neues Classmatterszine, tada!:

Ein Interview zu Sexarbeit und Mutterschaft führte umstandslos.

Maisha Eggers schrieb über Schwarze Frauen im ‚Shondaland‘ und die feministische Kulturpolitik einer digitalen Diaspora.

Schutzräume nur „für Frauen*“ – wer ist willkommen, wer nicht? Ein sehr lesenswerter Text (zu einem immer noch aktuellen Thema) dazu erschien auf progress-online.

Querulant_ins erste Lesetour in Audio und Bild gibt es hier zum Angucken und Anhören.

Habt ihr diese Woche was geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Jede Woche verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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