Einträge mit dem Tag ‘Schwangerschaft’


Quotenfragen, feministische Sexualkunde und das eigene Herz – die Blogschau

12. Juli 2014 von Nadia
Dieser Text ist Teil 252 von 265 der Serie Die Blogschau

Über die Zusammenhänge von „Essstörungen“, sexistischen Verhältnissen, Pathologisierung, Veganismus und die Möglichkeiten des Umgangs mit Betroffenen in und außerhalb der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung erschien ein sehr lesenswerter Text auf Antispe Dresden.

Über nervige Fragen zur Fauenquote und Zahlen schrieb Anne Schüssler: “Was Sie schon immer über Frauenzählen wissen wollten, aber nicht zu fragen wagten”.

Der Kaiserin ihre neuen Kleider: reizende Rundungen präsentiert ein neues Layout.

Asaekante plädiert für zeitgemäßen Sexualkundeunterricht und gegen die Tabuisierung von Sexualität, die oftmals mit sexistisch-patriarchaler R*pe-Culture einhergeht. Auf Das Ende des Sex wurde zudem eine Solidaritätserklärung für die Wissenschaftlerin Elisabeth Tuider veröffentlicht, die seit Anfang Juli einem Shitstorm ausgesetzt ist, nachdem medial ihre Ansätze für Sexualkunde diskutiert wurden.

Wie in Zeiten der Trauer im sozialen Nahfeld aus Fat Shaming auf einmal die Konstruktion von “tröstendem Essen” und “Körper als Schutzschild” hervorgeht – riotmango hat sich darüber gewundert.

Auf umstandslos. wurden Wörter rund um Schwangerschaft und Feminismus gesammelt und mit entprechenden Verlinkungen versehen.

lightsneeze hat ein sehr schönes Gedicht veröffentlicht: mein herz gehört mir.

Habt ihr diese Woche was geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Jede Woche verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Historische Drag Kings, safere Sextipps, eindimensionale Medienschablonen – die Blogschau

29. März 2014 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 240 von 265 der Serie Die Blogschau

Wichtige Geschichte(n): Das ButchBlog über “historische Drag Kings in den USA“.

Was an der verharmlosenden Berichterstattung über die Hebammenkrise falsch und problematisch ist, fasst Anja bei Von guten Eltern zusammen. Dazu auch noch passend: Auf der Seite selbstgeboren.de werden Geburtsberichte von Personen gesucht, die eine “kraftvolle und selbstbestimmte Geburt erlebt haben” haben. Nicole analysiert auf literatier, welche fraglichen Bilder durch diesen Aufruf (und dem Diskurs um “selbstbestimmte, natürliche Geburten”) transportiert und verstärkt werden.

Über Safer Sex für Trans*-Menschen (und andere) gibt es viel zu lesen und verlinkt bei wunder2welt.

Auf unregelmäßige Gedankensplitter wird dargestellt, warum (queer_)feministisches Wissen gespeichert werden sollte. Der Artikel ist Teil einer längeren (geplanten) Serie zum warum und wie des Archivierens von feministischen Wissen.

Einen Mangel an sexueller Bildung und was partriarchale Strukturen und die Pille danach damit zu tun haben, beschreiben Franziska Barth und Anna Wegricht bei wildwuchsutopien.

Steinmädchen schreibt über das beklemmende Gefühl des Kontrollverlusts, wenn das Geld nicht reicht.

Bloggerin Katrin (Reizende Rundungen) hat dekaderei ein Interview gegeben – “über den persönlichen als auch kollektiven Kampf gegen Fatshaming, das von “Frauenzeitschriften” propagierte Schönheitsideal, die Zerschlagung von Mode und Körperregime und ihren Umgang mit anonymer Hate-Speech”.

“Warum wir auf diese Art Bezeugungen verzichten können, bei denen sich weiße Hetero-Männer für möglichst viel Publicity gegenseitig dafür auf die Schultern klopfen, wie unfaßbar fucking tolerant sie sind, ja, ganz von sich selber gerührt, ohne zu checken, dass genau diese Kultur das Problem stärkt, vom dem sie sich so stolz abheben wollen” erklärt Eve Massacre auf Breaking The Waves.

Hilfreiche Tipps wanted: Das FemCamp Wien braucht eine Location! 120 Leute sollen sich am 20. und 21. Juni in Wien zur feminstischen Vernetzung treffen können.

Die österreichische feministische Online-Zeitschrift diestandard (von der Mädchenmannschaft sowohl häufig verlinkt als auch kritisiert) steht angesichts drohenden Ressourcen-Entzugs vor dem Aus. Was das bedeutet, erklärt Lea Susemichel in der an.schläge.

(Post-)Schwangere Körper in den Medien – aufZehenspitzen bietet eine gruselige Zitatezusammenstellung.

Über “Neues zu schädlichen Arbeitsumfeldern in der IT-Branche” anhand der Beispiele GitHub und Mozilla schreibt Melanie bei femgeeks.

Kurzfristiger Demo-Tipp: Eine Kneipe im Wrangelkiez in Berlin hat Schwarzen Menschen Hausverbot erteilt. Dagegen wird am Sonntag (morgen) um 17 Uhr demonstriert: Hier das Facebook-Event und der Demo-Aufruf der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (auf Englisch).

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Einige Links zur Schwangerschaftsgewichtsdebatte

13. Februar 2014 von Lisa
Scan_bauch

(Collage: Fuckermothers)

Den Anfang (der aktuellen und medial wahrgenommenen Debatte) bildete der Text ‘Unguter Hoffnung‘ von Lara Fritzsche im ‘SZ-Magazin’. Darin kritisiert sie weibliche Schönheitsideale, die zunehmend auch – als Frauen wahrgenommene – Schwangere betreffen, und problematisiert, dass es immer mehr Mütter mit Essstörungen gibt. Am interessantesten fand ich diesen Ausschnitt zu den vielen Widersprüchen der Verhaltensnormen: “Schwangere Frauen sind ja Empfängerinnen vieler verschiedener – sich zum Teil widersprechender – Rollenanforderungen. Neben schlank bleiben gilt es ja auch, dem Nachwuchs keine wichtigen Nährstoffe zu verweigern. Sie sollen alle vier Wochen zur Vorsorge bei der Gynäkologin, (…), sollen bei der Arbeit Bescheid sagen, wann sie wieder arbeiten kommen, sollen Gelder beantragen, Krippenplätze organisieren, nicht blöde rumglucken und immer schön fickbar bleiben. Aber, ganz wichtig, das Wunder annehmen, sich auch mal fallen lassen, die Weiblichkeit umarmen und ständig in sich reinhören. Eine liebevolle Mutter werden eben.”

Danach entstand der Hashtag #alsichschwangerwar auf Twitter, auf dem verschiedene Menschen ihre Schwangerschaftserlebnisse und damit verbundene Normen beschreiben.

Glücklich Scheitern‘ berichtet von ihren eigenen Erfahrungen und allgemeinen Gedanken zu ‘Körpern und Schwangeren’. Dabei kritisiert sie auch einige Reaktionen auf Fritzsches Artikel, unter anderem Argumentationen, die “mit fraglichen definitionen von über- und normalgewichtig um sich werfen. oder frauen, die die schuld bei heidi klum und co. suchen, die kurz nach der geburt wieder mit schlanken körpern in die kamera lächeln. da mag ich  nicht mitmachen. für mich wird lediglich wieder mal deutlich: der körper einer frau ist nie ihre privatsache. der einer schwangeren erst recht nicht. die schuld bei denen zu suchen, die sich diesem diktat unterwerfen (beispiel heidi klum & co, aber auch den frauen, die aus angst vor den veränderungen vor einer schwangerschaft zurückschrecken) finde ich nicht weiterführend. so gar nicht. die mechanismen, die hinter diesen anrufungen und erwartungen an (schwangere) weibliche körper stecken stets bewusst machen und sich vor augen führen, das kann helfen. gegenseitige unterstützung statt bewertung, kritik an medialen, utopischen bildern und co – das wünsch ich mir mehr.”

In eine ähnliche Richtung geht auch der Beitrag von ‘Dr. Mutti’ namens ‘ich habe heute keinen dummen Spruch für dich‘: “Models im Allgemeinen und Heidi Klum im Besonderen sollen dafür verantwortlich sein, dass Schwangere sich mit einer Vielzahl verunsichernder oder beleidigender Sprüche konfrontiert sehen? Kann das wirklich sein? An dieser Stelle sollte einem doch etwas faul vorkommen. Das Problem ist nicht Heidi Klum. Das Problem ist eine Gesellschaft, in der man sich herausnimmt, über Frauen und ihre Körper, und ganz besonders über schwangere Frauen und ihre Körper, zu reden, als wäre es ein öffentliches Ereignis, zu taxieren und zu bewerten, ungefragt Tipps zu verteilen, zu verurteilen, beschämen oder beleidigen. Vielleicht ist Heidi Klum ein Opfer dieses gesellschaftlichen Diskurses, vielleicht ist sie auch nur ein Profi, die ihren Beruf ernst nimmt und deshalb viel investiert, um ihr Kapital – ihren normschönen Körper – zu pflegen. Warum muss sie dafür verurteilt werden, von anderen, “normalen” Frauen? Auch Heidi Klum ist letztlich nur eine Frau, die mehrfach schwanger war, und die in und nach diesen Schwangerschaften Entscheidungen für sich und ihren Körper getroffen hat. Und diese sind zu respektieren – auch von anderen Frauen. (…) Es geht also nicht darum, ob eine Frau dick oder dünn ist. Es geht darum, dass das Privatsache ist und man sich einfach verkneifen sollte, ungefragt dazu Stellung zu beziehen.”

Auf ‘Umstandslos‘ berichtet Autorin Eva von zwei ‘Highlights’ ihrer Schwangerschaft: “1. Mein eh schon unsympathischer Arbeitskollege, der mir erstaunt mitteilte, dass mein Bauch ganz schön dick ist. (Ach wirklich? Wäre mir gar nicht aufgefallen!) Und 2. der wildfremde Typ, der mir an der Bushaltestelle die Hand auf den Bauch legen wollte, und dabei seinem Freund erzählte, dass ihn das Wunder des Lebens immer wieder begeistert. (Nein, danke! Ich fass dir ja auch nicht an dein – sonst wohin, Arschloch!)”

Jerrys Welt‘ erzählt vom umgekehrten Phänomen, dem Wunsch zuzunehmen: “In der Schwangerschaft nahm ich knapp 12 kg zu, danach wog ich so 54 kg bei knapp 1,69 … ach Mensch glaubt mir  ich fühlte mich so wohl wie schon lange nicht mehr.
Das Gewicht konnte ich aber leider nur  n halbes Jahr halten.” Sie berichtet auch von einigen blöden Sprüchen, die sehr dünne Frauen oft hören müssen: “Es gibt die unterschiedlichsten Reaktionen. Der Klassiker ist jedenfalls ‘Ich wünscht ich hätte deine Figur!’ Oder wenn ich sage das ich zunehmen möchte ‘Ich geb dir ein paar meiner Kilos’ oder ‘Kindchen iss doch mal vernünftig’ oder ‘Kein Arsch, kein Tittchen so flach wie Schneewittchen!’ .. oder auch als ich letztes Jahr beim Orthopäden war wegen meinem Rücken, und der Arzt bin ich doch ehrlich darauf ansprach ob ich Magersüchtig sei (die Art und Weise war sehr unverschämt), zudem kommt das dies nicht das erste  Mal war.”

Was ich mich – auch durch ein Gespräch mit ‘AufZehenSpitzen’ – allerdings schon länger frage ist, was es für Möglichkeiten des Umgangs es mit solchen blöden Kommentaren und Verhaltensweisen gibt. Was ist die beste Erwiderung, wenn einem die sympathische Kollegin das zweifelhafte Kompliment macht, man hätte bis auf den Bauch ja gar nicht zugenommen? Wie lässt sich im Alltag ab besten gegen die Auf-den-Bauch-Fasser_innen vorgehen? Und wie auf das nicht immer unbedingt neutrale Verhalten und ungewollte Einmischungen von Ärzt_innen reagieren?


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Schwangerschaft und Körper*

10. Februar 2014 von Melanie

*zu beginn direkt einen disclaimer: da ich meine subjektive perspektive hier festhalte, werden nicht alle ‘körper’ im kontext von schwangerschaft sichtbar gemacht. welche reaktionen z.b. lesbisch lebende, trans-*, partnerlose frauen oder frauen, deren körper als behindert eingeordnet werden erleben, wenn es um das thema schwangerschaft & körper geht bleibt hier außen vor, über links zu erfahrungsberichten freue ich mich. einiges zum thema, wer kann/darf überhaupt schwanger werden/sich reproduzieren findet ihr auch im letzten podcast der mädchenmannschaft über reproduktive rechte

in den letzten tagen brodelt ein thema in meiner timeline: schwangerschaft und körpererfahrung. in der süddeutschen wird berichtet, dass schwangere gar essstörungen entwickeln, bei twitter werden unter dem hashtag #alsichschwangerwar kommentare gesammelt, die schwangere (und ja: soweit ich das verfolge, auch nur eine bestimmte gruppe von schwangeren/müttern) sich über ihren körper anhören durften. ich will hier meine ganz persönliche schwangerschafts-körpergeschichte erzählen und versuchen, sie ein wenig in den gesamtgesellschaftlichen kontext zu bringen. der text fällt also in die kategorie “laut gedacht”…

“glaubst du, dein freund findet dich seit der geburt eures kindes weniger attraktiv?” die frage überraschte mich. gleich zweimal: dass sie mir jemand stellte. und dann, weil ich sie mir noch nie gestellt habe. auf den gedanken wär ich so nicht gekommen. dazu gleich mehr. in die gleiche kerbe schlugen aussagen von (kinderlosen) freundinnen, die mir offen sagten, schwanger werden käme für sie nicht in frage (unabhängig vom kinderwunsch), die veränderungen an ihrem körper würden sie abschrecken. zunächst konnte ich solche aussagen nicht einordnen. aber letzten endes liegt es klar auf der hand: so lange weibliche körper in einer gesellschaft als objekte betrachtet werden, über die geurteilt werden kann und darf wie mensch will, wird eine frau* eben vor allem an ihrem körper und aussehen gemessen. und das schwangerschaft und geburt diesen nicht unverändert lassen, will ich überhaupt nicht leugnen.  da allgemeinplätze a la “aber dafür hast du ein kind zur welt gebracht” als ratschläge zu verteilen find ich unangemessen.

für manche ist es wirklich empowernd, zu wissen, der eigene körper ist in der lage, ein neues lebewesen hervorzubringen. ich habe lange gebraucht, das nicht gering zu schätzen. gering zu schätzen im sinne von: “naja, das machen frauen seit beginn der menschheit, das ist ja keine ‘leistung'”. nur, weil ich bewusst keine anstrengungen unternehme. im kapitalistischen sinne. dabei doch sehr wohl merke, wie “anstrengend” es ist, ständig müde zu sein, außer atem, den rücken grade halten undundund. und andersrum nicht in den umkehrschluss zu verfallen, körper abzuwerten, die diese “leistung” nicht erbringen (können/wollen; und damit meine ich nicht männer).

ich konnte mit den veränderungen meines körpers relativ entspannt umgehen. zum einen, weil ich meinen “frieden” mit meinem äußeren schon vor minimes geburt gemacht habe. frieden im sinne von: ich bin eh nicht perfekt (ohne zu leugnen, dass ich wohl das bin, was mensch als ‘normschön’ bezeichnet, weder auffallend hübsch noch das gegenteil. zumindest hat man beides noch nicht zu mir gesagt…). auch ohne schwangerschaft und geburt wird mein körper sich alters- und schwerkraftbedingt verändern, genau genommen hat er das zwischen meinem 20. und 30. lebensjahr sogar mehr, als während der 9 monate schwangerschaft. ich habe über 30 jahre gebraucht, um so was wie “meinen eigenen stil” zu finden, herauszufinden welche farben und klamottenschnitte mir stehen und dass ich die nicht in den gängigen klamottendiscountern finde. ich habe sogar schon mal das gemacht, was man gemeinhin als schönheits-op versteht, bin also auch nicht auf der seite derer, die vehement “steh zu deinem körper, wie er ist” vertreten. ich habe rosazea, eine chronische hautkrankheit die mit antibiotika behandelt wird, die ich in der schwangerschaft nicht nehmen darf und darum momentan aussehe, wie mit 16, als die krankheit noch akne hieß. und ob mein partner mich noch attraktiv findet? ich glaube. und sollte unsere beziehung bisher lediglich auf der straffheit meiner haut oder festigkeit meiner brüste beruht haben, war sie ja nicht viel wert. außerdem: an der schwangerschaft war er ja nicht unbeteiligt. dennoch sehe ich sehr wohl, dass sich stets das recht herausgenommen wird, über schwangere körper zu urteilen. auch ich bekam “komplimente” wie “abgesehen vom bauch sieht man gar nicht, dass du schwanger bist”, oder “du siehst schon wieder aus wie vor der schwangerschaft”, auch ich bekam ratschläge wie “mehr als 8 kilo muss man aber wirklich nicht zunehmen”.

darum richtet sich mein appell letzen endes nicht an die schwangeren a la “entspannt euch” oder “schaut mal, was euer körper da leistet”. in der schwangerschaft treffen die schönheitserwartungen dieser gesellschaft geballt auf eine ein, weil ein schwangerer körper noch mehr objektifiziert wird, beurteilt und bewertet werden darf, schließlich meint mans doch nur gut und weiß es besser! oder wie es im eingangs erwähnten artikel der süddeutschen steht:

“Schwangere Frauen sind ja Empfängerinnen vieler verschiedener – sich zum Teil widersprechender – Rollenanforderungen. Neben schlank bleiben gilt es ja auch, dem Nachwuchs keine wichtigen Nährstoffe zu verweigern. Sie sollen alle vier Wochen zur Vorsorge bei der Gynäkologin, zur Geburtsvorbereitung, zur Kreißsaal-Führung, zum Beckenboden-Training, sollen Bücher lesen und Zimmer herrichten, nicht ständig in Tränen ausbrechen, sollen bei der Arbeit Bescheid sagen, wann sie wieder arbeiten kommen, sollen Gelder beantragen, Krippenplätze organisieren, nicht blöde rumglucken und immer schön fickbar bleiben. Aber, ganz wichtig, das Wunder annehmen, sich auch mal fallen lassen, die Weiblichkeit umarmen und ständig in sich reinhören. Eine liebevolle Mutter werden eben” (hervorhebungen von mir) – sich widersprechende anforderungen und erwartungen, wie so oft, wenn es um frauen geht.

die kommentare unter dem artikel springen ebenfalls hart mit den schwangeren und müttern um: “Die andere Seite, das Bemühen nach der Geburt den früheren Zustand des Körpers wiederherzustellen sollte für eine gesunde Frau kein Problem sein und sie auch nicht übermäßig beanspruchen.” – steht da zum beispiel (geschrieben von einem reinhard). oder mütter reagieren mit zweifelhaften texten, die zwar die zunahme während der schwangerschaft rechtfertigen, aber ansonsten mit fraglichen definitionen von über- und normalgewichtig um sich werfen. oder frauen, die die schuld bei heidi klum und co. suchen, die kurz nach der geburt wieder mit schlanken körpern in die kamera lächeln. da mag ich  nicht mitmachen. für mich wird lediglich wieder mal deutlich:

der körper einer frau ist nie ihre privatsache. der einer schwangeren erst recht nicht. die schuld bei denen zu suchen, die sich diesem diktat unterwerfen (beispiel heidi klum & co, aber auch den frauen, die aus angst vor den veränderungen vor einer schwangerschaft zurückschrecken) finde ich nicht weiterführend. so gar nicht. die mechanismen, die hinter diesen anrufungen und erwartungen an (schwangere) weibliche körper stecken stets bewusst machen und sich vor augen führen, das kann helfen. gegenseitige unterstützung statt bewertung, kritik an medialen, utopischen bildern und co – das wünsch ich mir mehr.


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Kleine Mengen von Alkohol in der Schwangerschaft führen zu besserer emotionaler Entwicklung des Kindes? Über Verbote

20. Januar 2014 von Lisa
Dieser Text ist Teil 42 von 43 der Serie Muttiblog
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Provokation (Foto: Fuckermothers)

Mütter und ganz besonders Schwangere müssen strengen Regeln folgen. Diese Regeln werden gern mit den Erkenntnissen wissenschaftlicher Untersuchungen ‘belegt’, über die sich Mütter natürlich ebenfalls informieren müssen. Sie sollen lesen und Rat suchen, sie sollen Studien studieren, sie sollen wissen, welche Babynahrung und -kleidung am gesündesten ist, dass Stillen das Beste ist, welcher Kindersitz der sicherste und welcher Erziehungsstil am entwicklungsförderndsten. Dieser Glaube an die Wissenschaft und die Forderung nach der belesenen Mutter scheint aber eine Grenze zu haben: Wissen, das das Befolgen strenger Regeln in Frage stellt. Sobald es Anzeichen gibt, dass die Mutter sich etwas entspannen könnte, dass sie sich nicht komplett für das Wohl ihres Kindes zurücknehmen muss, gilt dieses Wissen als falsch und gefährlich. Denn: Verbote sind eben Verbote.

Besonders schön illustriert dies das totale Alkoholverbot in der Schwangerschaft. Denn das vollständige Verbot lässt sich nicht wirklich mit Studien begründen. Schon vor zwei Jahren gab es hier einen kritischen Beitrag zur Kampagne ‘Kein Glas in Ehren’, in dem auf die schon lange vorliegenden Ergebnisse verwiesen wurde, dass moderater (!) Alkoholkonsum in der Schwangerschaft keine nachweisbaren Auswirkungen auf die Gesundheit des Kindes hat. Nun gab es erneut eine Studie zum Thema, die ein lustiges Ergebnis hatte. Die Psychologin Janni Niclasens fand heraus “dass Kinder von Frauen, die in der Schwangerschaft kleine Mengen von Alkohol konsumierten, im Alter von sieben Jahren emotional besser entwickelt waren und ein besseres Sozialverhalten zeigten als Kinder von Frauen, die als Schwangere gar nicht getrunken hatten.”

Dieses Ergebnis passt nicht zur strengen Reglementierung der Schwangerschaft. Niclasens musste ihr Ergebnis deswegen relativieren und trotzdem öffentlich dafür plädieren, dass Schwangere keinen Tropfen Alkohol trinken dürfen. Mit entsprechend seltsamen Windungen stellte auch die FAZ die Studie in ihrem Wissensteil vor (Christina Hucklenbroich: Rausch und Risiko). Denn weder der Wissenschaft noch der mündigen Mutter kann dort vertraut werden. Gemäß dem Artikel sind beide gefährlich und höchst fehleranfällig. Studien liefern nicht schlicht Daten, die dem gängigen totalen Verbot von Alkohol widersprechen, sondern sie liefern “so missverständliche Daten, dass die Autoren selbst anfangen, werdende Mütter eindringlich zu warnen”. Puh. Fragt sich natürlich, womit die Mütter gewarnt werden sollen.

Mit Informationen natürlich, aber welchen? Studienergebnisse scheinen die Warnungen ja nicht unbedingt zu bestätigen. Und komischer Weise sind es gerade “die am besten informierten und sozial integrierten Mütter” beziehungsweise die “am besten ausgebildeten Teilnehmerinnen der Studie”, die zugeben, Alkohol in der Schwangerschaft zu trinken. Warum? Weil sie ihre Schlüsse aus den vorliegenden Informationen ziehen? Oder weil sie sich in einer priveligierteren Position befinden als weniger gut ausgebildete und marginalisierte Mütter, deren Erziehungskompetenzen schon beim kleinsten Fehltritt angezweifelt werden? Schließlich ist es für Frauen, deren Mutterschaft sozial erwünscht ist, sehr viel leichter gegen Normen zu verstoßen oder solche Verstöße zuzugeben. Aber nein, das sind nicht die Gründe, die der Artikel nennt. Die best informierten Mütter trinken gelegentlich Alkohol, denn sie sind nicht “unabhängig genug, um ihren Lebensstil in der Schwangerschaft zu ändern.” Aha.

Was also als Maßnahme ergreifen, um Unabhängigkeit zu fördern, aber zugleich das Verbot dennoch nicht in Frage zu stellen? Vielleicht ja: Aufklärung (denn die hat ja nichts mit Informationen oder Wissenschaft oder Unabhängigkeit zu tun). Da auch die nicht zu wirken scheint, schließt der Artikel mit einer Argumentation, deren Bedeutung sich mir bislang nicht voll erschloss: “Aufklärung allein scheint nicht zu reichen. Es könnte eine neue Aufgabe für das Gesundheitssystem sein, Mütter darin zu bestärken, ihre eigenen Interessen wahrzunehmen – wenigstens neun Monate lang.” Aber … vielleicht nehmen Schwangere ihre Interessen ja auch teilweise einfach schon wahr indem sie, selten und in Maßen, mitunter Alkohol trinken? Könnte das nicht gar ein Zeichen von Unabhängigkeit sein?

Wir sind nie modern gewesen, heißt es bei Latour. Und dass die Moderne zwar Fortschritt durch ‘reine’ Wissenschaft predigt, zugleich aber ständig ‘unreine’ Mischungen aus Wissenschaft und Politik, Natur und Gesellschaft, Wahrheit und sozialen Regeln hervorbringt. Die (nicht-geführte) Debatte um das totale Alkoholverbot in der Schwangerschaft hat mich wieder daran erinnert.


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Deine Mutha! Ein Linktipp

27. August 2013 von Lisa

Eine alternative Mutter fragt sich, ob sie überhaupt wirklich alternativ sein will, die ‘bizzarsten’ Erlebnisse in der Schwangerschaft – vom veränderten Geschmack der Pussy bis zum Ausgeliefertsein in den Wehen – werden geteilt und eine Autorin schreibt über ihre ‘Reise zur Mutterschaft‘, bei der auch eine Abtreibung auf dem Weg lag. Das alles ist im englischsprachige Mutha-Magazin nachzulesen, das diesen Monat online ging.

Gründerin ist die Feministin und Schriftstellerin Michelle Tea, die bereits ihre Versuche dokumentierte, als queere Frau schwanger zu werden. Dabei fiel ihr auf, dass es wenig Informationen und Role-Models für alternative Erfahrungen von Elternschaft gab.   Deswegen gründete sie mit Freund_innen und Bekannten ihre eigene Seite. Dort soll es laut ‘About‘ um Babynamen, Umstandsmode, feministische Kindererziehung, Punk-Mütter, Hip-Hop-Mütter, Mommy-Wars und eigentlich alles gehen.


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Männliche Schwangerschaft ist nicht abschreckend

15. August 2013 von Lisa

Etwas gegen ungewollte Schwangerschaften tun und zugleich daran erinnern, dass Männer genauso für Kinder zuständig sind wie Frauen? Eigentlich eine gute Idee. Dazu Plakate mit jungen Männer zeigen, die einen schwangerem Bauch haben und auf denen der Schriftzug ‘unexpected’ / ‘unerwartet’ steht, wie es eine US-amerikanische Kampagne in Chicago tat? Auf den ersten Blick vielleicht eine gute Idee, auf den zweiten aber eine schlechte. Es gab viel berechtigte Kritik an dieser Kampagne, die unter anderem hier nachzulesen ist. Zentral dafür waren vor allem zwei Gründe:

1. In den USA gibt es fast permanent Kampagnen, die versuchen, ungewollte Teenager-Schwangerschaften zu verhindern. Dabei setzen viele Organisationen leider lieber auf Abschreckung anstatt auf Sexualaufklärung oder auf Zugang zu Verhütung und Abtreibung. Das führt jedoch  nur dazu, dass schwangere Teenager stigmatisiert werden. Statt auf politische Zusammenhänge zu verweisen, werden in vielen der Kampagnen nur individuelle Mädchen präsentiert, die scheinbar ‘zu naiv’ oder ‘zu unvorsichtig’ waren und deren Leben nun als ‘verpfuscht’ gilt. In der Kampagne aus Chicago werden nun anstatt weiblicher, männliche Teenager stigmatisiert. Problematisch ist beides.

2. Die Kampagne richtet sich ausschließlich an heterosexuelle und cis-gender Teenager. Mit ihrem vermeintlichen ‘Überraschungseffekt’ setzt sie voraus, dass Männer nicht schwanger werden wollen oder können. Dadurch werden männliche Schwangerschaften – wie sie etwa J. Wallace oder Thomas Beatie erlebten – zu etwas, was als ‘unnormal’ und ‘abschreckend’ gilt. Um solchen transphoben Aussagen entgegen zu treten, hat Das ‘Media Literary Project’ alternative Plakate entworfen. Statt ‘unexpected’ ist dort beispielsweise zu lesen “Trans men have babies, too.” – Trans*männer können auch Babys bekommen.


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Mutterschaft bei sexueller Gewalterfahrung

24. Juni 2013 von Lisa

[Trigger Warnung]

Das Erleben von Geburt und Mutterschaft ist sehr unterschiedlich. Für Überlebende sexueller Gewalt stellt es oft eine besondere Herausforderung dar. Auf ‘The Feminist Wire’ berichtet Gretchen Davidson im Text ‘On Motherhood and Surviving Sexual Violence‘ von ihrer eigenen Geschichte – die selbstverständlich nicht stellvertretend für alle Überlebenden ist. Dabei geht sie sowohl auf problematische Aspekte ein als auch auf Möglichkeiten des Empowerments, also der Selbstermächtigung. Davidson erzählt, dass sie, durch die vorangehende Gewalterfahrung besonders der Kontrollverlust während der Geburt ängstigte. Leider bestätigte ihre erste Geburt ihre Befürchtungen: sie wurde von einem wenig einfühlsamen und respektlosen Arzt geleitet und endete in einem Kaiserschnitt. Davidson nutzte dieses negative Ereignis, um sich intensiver mit ihrem Kontrollbedürfnis auseinanderzusetzen und ihre folgenden Geburten bewusst besser zu gestalten. Begleitet von einer Hebamme und ihrem Partner konnte sie den Kontrollverlust beim nächsten Mal positiv erleben.

Sie beschreibt den Einfluss der Mutterschaft auf ihr Trauma als eine Art ‘Zwischenraum’, in dem sich Vergangenheit und mögliche Zukunft, Schmerz und Heilung treffen (Übersetzung folgt): “Becoming a mother has been a profound part of my journey to heal from sexual violence, bringing me the opportunity to reclaim a powerful connection to my body and my womanhood. Through these experiences I have become better at embracing my vulnerability and celebrating my strength. I know that I am affected by my environment, by what happens in the world, by the privileges and inequities that exist in our society, and by the shifting energies that ripple through my little family, my extended family, and my community. I am affected by my past and it lives inside me. I try to be affected by my future too, especially the futures of my children. This is a complex and difficult space to live in, but it is real. It gives room for acknowledging pain, and it gives room for healing. It gives room for our many imperfections, but it also gives space for infinite potential.”

[“Mutter zu werden war ein tiefgreifender Schritt auf meinem Weg der Heilung nach sexualisierter Gewalt, denn es gab mir die Möglichkeit, eine kraftvolle Verbindung zu meinem Körper und meinem Frausein zurück zu erlangen. Durch diese Erfahrung bin ich besser darin geworden, meine Verletzlichkeit zu akzeptieren und meine Stärke zu kennen. Ich weiß dass ich von dem, was in meiner Umgebung geschieht, beeinflusst bin, von dem was in der Welt passiert, von den Privilegien und Ungerechtigkeiten die  in unserer Gesellschaft existieren, und von den wechselnden  Energien die durch meine kleine Familie, meine erweiterte Familie und meine Community/Gemeinschaft strömen. Ich bin beeinflusst von meiner Vergangenheit und sie lebt in mir fort. Ich versuche ebenso von meiner Zukunft beeinflusst zu sein, vor allem der Zukunft meiner Kinder. Dies ist ein komplexer und schwieriger Ort zum leben, aber er ist real. Er gibt den Raum, Schmerz anzuerkennen, und er gibt Raum zum heilen. Er gibt Raum für all unsere Unvollkommenheiten, aber er gibt auch Raum für unbegrenzte Möglichkeiten.”]

In der medizinischen Geburtshilfe wird sexuelle Traumatisierung wenig beachtet. Dies beanstanden auch die Autorinnen eines 2003 erschienenen Artikels im ‘Deutschen Ärzteblatt’. Darin erklären sie, dass zwar jede dritte bis fünfte Frau sexuelle Missbrauchserfahrungen im Kindesalter machen musste, dass aber “betroffene Frauen häufig nicht die auf ihre Situation abgestimmte prä-, peri- und postnatale Betreuung” erhalten. Sie empfehlen medizinischen Personal, sich besser über mögliche Folgen sexueller Gewalt zu informieren und offen dafür zu sein, wenn Frauen bei der Geburtsvorbereitung diesbezügliche Erlebnisse ansprechen. Besonders wichtig sei, in der Betreuung Wahlfreiheit und Gestaltungsmöglichkeiten in den Vordergrund zu stellen. Dazu gehören selbstverständlich auch Schmerzmedikation und Wunschkaiserschnitt – also auch der Abschied von Normen wie der vermeintlich ‘natürlichen Geburt’.


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Blumen, Brüste, Bullshit – die Blogschau

18. Mai 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 202 von 265 der Serie Die Blogschau

Vergangenen Sonntag war Muttertag. Katharina von Sich mit Worten bevorraten will nicht nur zu diesem Anlass mehr als Blumen.  Auch Melanie ist kein Fan dieses Begängnisses, reflektiert aber zu diesem Anlass ihre Sicht auf Dankbarkeit für  Mütter.

Gleich ein bunter Strauß an Berichten darüber, wie wenig mensch sich selbst in vermeintlich alternativen,  emanzipatorischen Umfeldern auf Pausen vom *istischen Alltag verlassen kann:

Kotzwürg-Sexismus galore beim BarCamp Graz.  Und mehr als genug Kackscheiße auch beim Workers Youth Festival in Dortmund.  Das erfolgreiche Modelabel American Apparel geriert sich als hipper Awareness-Laden, kommt aber seit jeher nicht ohne Sexismus aus.  An der Heidelberger Uni lacht man über NSU-Verharmlosung in Tateinheit mit Plumpsexismus von vorvorgestern. An der Düsseldorfer Uni soll ein antifeministisch dominiertes  Männerreferat gegründet werden. Und angesichts der von großem Pressetamtam begleiteten Proteste gegen die “Barbie Dreamhouse Experience” konnte mensch sich auch nur noch an den Kopf packen.

Edward von Twidgeridoo! berichtet unter dem bitter sarkatischen Titel “Meine erste Internierung” über erfahrene(n) Rassismus und Polizeigewalt. Mehr (Grundlagenarbeit für) rassistische Kackscheiße ist zu erwarten bei der Innenminister*innenkonferenz (IMK), die vom 22.-24. Mai in Hannover stattfindet und wo auch Asyl- und Migrationspolitik auf dem Programm steht – Protest wird bereits organisiert.

Die ständige Erwartung, verfügbar zu sein – für Diskussionen, Erklärungen oder den Wohlfühlfaktor: Frau Dingens hat genug davon. A propos Erwartungshaltung: Seitdem ich auf meinem Profilbild Tatyana Fazlalizadehs Anti-Street-Harrassment-Shirt trage, wird immer wieder gefragt, wo es dieses großartige Shirt den gebe – und auch High on Clichés kennt den Ärger über die ständige Aufforderung “Lächel doch mal!”.

Die Brust-OP von Angelina Jolie ist nicht nur ein Knaller für die Boulevardmedien, sondern auch ein Politikum. Mel gibt Kontext und findet:  “Well done, Angelina Jolie”.  Merle Stöver möchte Jolie für ihre Entscheidung respektiert sehen – gerade von Feministinnen. Und weil (gerade auch Frauen*-)Gesundheit immer ein politisches Thema ist, berichtet my myself & child über ihren “Gebärmutterschnupfen” und lädt zur Vernetzung ein.

Und wo wir schon bei Körper und Selbstbestimmung sind: Grrrlghost hat anlässlich der Debatte um die “Pille danach” noch ein Video beizusteuern.

Shopping ist nicht für alle ein Vergnügen – die Suche nach passenden BHs auch nicht, wie Ryuu berichtet. Außerdem ist Ryuu aus Berlin – nach wie vor Sehnsuchtsort für viele – weggezogen und erzählt, warum. Und dass auch in anderen Städten mit B am Anfang ordentlich was los sein kann, lässt sich Helgas umfangreicher Terminliste für Braunschweig entnehmen.

Außerdem hat Helga ein Buch über Pionierinnen der Archäologie gelesen und rezensiert.

Ninia LaGrande interviewt Jasmin Mittag,  Initiatorin der Kampagne “Wer braucht Feminismus?” in Deutschland.

Nele Tabler schaut die  TV-Serie Call the Midwife (Ruf die Hebamme) und findet schwangere Heldinnen.

Anne Roth sammelt Beispiele von Fällen, bei denen feministischen Medien, Blogs, Zeitschriften, Fernseh- oder Radiosendungen von Zensur betroffen waren (oder sind).

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Abtreibungsverbot tötet

19. November 2012 von accalmie

Am 28. Oktober 2012 verstarb Sa­vita Ha­lap­pa­na­var im Universitäts­klinikum Gal­way in Ir­land. Savita Halappanavar erlag einer Sepsis, nachdem das Personal des Kranken­hauses einen Schwanger­schafts­ab­bruch ver­wei­gerte, der aller Wahr­schein­lich­keit nach ihr Leben hätte retten können. Sie wurde 31 Jahre alt.

Schwanger­schafts­ab­brüche sind in Irland seit 1861 gesetz­lich ver­boten und können mit einer lebens­langen Haft­strafe geahndet werden. Wie bereits in einem Vergleich von deutschem und US-Recht zu Schwanger­schafts­ab­brüchen beschrieben, beschränkt sich christ­licher Funda­menta­lismus, entgegen gängiger öffent­licher Wahr­nehmungen, also nicht auf die Gesetz­gebung und Praxis zu Schwanger­schafts­ab­brüchen in den USA, sondern hat auch in Teilen Europas einen über­pro­portionalen Ein­fluss auf Re­produk­tions­rechte von Frauen*. Dieser Beitrag ist eine (erweiterte) Übersetzung der Stellung­nahme der irischen Aktivist_innen von “Galway Pro-Choice”, die letzte Woche veröffentlicht wurde.

Mehr zur Situation in Irland und zu feministischem Aktivismus für Reproduktionsrechte kann man unter “Choice Ireland” erfahren (auf Englisch) und die Aktivist_innen durch Spenden unterstützen. Ausserdem hat das Bündnis “Marsch für das Leben – What the Fuck!” eine Pro­test­kund­ge­bung an­ge­kündigt: Mittwoch, 21. No­vem­ber, ab 18:00 Uhr vor der iri­schen Bot­schaft in Ber­lin.

Sollte sich die Gesetzes­lage in Irland nicht ändern, werden weitere schwangere Personen sterben. Aufgrund des “Case X”-Urteils (aus dem Jahr 1992) haben schwangere Personen das formale Recht auf einen Schwanger­schafts­ab­bruch in Ir­land, wenn dieser notwendig ist, um das Leben der Schwangeren zu retten. Aller­dings hat Irland dieses Urteil niemals in der Gesetz­gebung um­gesetzt, und das Ver­sagen verschiedener Re­gierungen, dies endlich anzugehen, führte zu Savitas Tod.

Savita wurde am 21. Oktober aufgrund starker Rücken­schmerzen in das Galwayer Kranken­haus gebracht. Zunächst teilte ihr ein Arzt mit, dass alles in Ordnung sei, aber Savita weigerte sich nach Hause zu gehen. Es stellte sich heraus, dass ihre Frucht­blase geplatzt war und sie eine Fehl­geburt (in der 17. Schwanger­schafts­woche) erlitt. Man teilte ihr mit, dass der Fötus keine Chance habe zu überleben, und dass die Fehl­geburt inner­halb einiger Stunden beendet sein würde. Die Fehl­geburt verlief jedoch nicht wie erwartet, und der Fötus verblieb in Savitas Uterus. Auch wenn es offen­sicht­lich war, dass der Fötus nicht über­leben konnte, wurde ein fetaler Herz­schlag fest­ge­stellt. Aufgrund dessen lehnte das Krankenhauspersonal Savitas wieder­holte Bitte, den Fötus zu entfernen, ab; unter dem Verweis darauf, dass Irland “ein katholisches Land” sei. Savita verbrachte weitere 2 1/2 Tage mit starken Schmerzen.

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