Einträge mit dem Tag ‘Schönheitsterror’


Schön Blöd

22. Juli 2011 von Verena
Dieser Text ist Teil 54 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Als Natasha Walter Ende der 90er ihr Buch „The New Feminism“ veröffentlichte, war sie optimistisch, dass die sexistischen Kämpfe der Frauenbewegung gewonnen seien und sich nun auf die politische und soziale Gleichstellung konzentriert werden könne. Ein Irrtum, wie die Britin einräumt: „Living Dolls“ beschreibt eine Generation von Frauen, die von Kindesbeinen an in eine rosa Puppenwelt gedrängt werden, die sie auch als Erwachsene nicht loslässt. Walter nennt es die „steckengebliebene Revolution“ und zeigt anhand zahlloser Beispiele auf, wie erstrebenswert es für junge Frauen heute offenbar ist, ein Leben als Puppe zu führen oder auf die erotische Ausstrahlung reduziert zu werden.

Noch folgenreicher ist jedoch, dass das Idealbild weiblicher Schönheit, dem Frauen nacheifern sollen, in einem Großteil unserer Gesellschaft in immer höherem Maße durch Sexualität und erotische Ausstrahlung definiert wird

Als „Living Dolls“ im vergangenen Jahr in England erschien, erzeugten Walters Thesen auch hierzulande ein Echo. Dass nun mit der deutschen Übersetzung eher wenig in den Medien passiert verwundert. Denn auch wenn Walter mit Glamour Modeling für Billo-Zeitschriften wie Nuts oder die aus dem Boden schießenden Table Dance Bars  auf britische Verhältnisse konzentriert, ihrer Beobachtungen gelten auch für uns. Und Walter wühlt ordentlich mit dem Zeigefinger in der sexuellen Pseudo-Befreiung unserer Zeit:

Meines Erachtens ist es an der Zeit, die übertriebene Weiblichkeit, die den Frauen dieser Generation als Ideal vermittelt wird, in Frage zu stellen. Das muss einerseits durch eine Kritik am Wiederaufleben des biologischen Determinismus geschehen, der uns einredet, Gene und Hormone legten und unausweichlich auf die traditionellen Geschlechterrollen fest. Zum anderen müssen wir die klaustrophobische Kultur, die vielen jungen Frauen weismacht, sie könnten nur durch Ausnutzen ihres Sex-Appeals Macht erlangen, auf den Prüfstand stellen.

Walter unterteilt ihr Buch in zwei Themenblöcke: „Der neue Sexismus“ und „Der neue Determinismus“. Im ersten Teil taucht sie ein in die Szene von Stripparties im herkömmlichen Clubbetrieb, Glamour Modeling und Lapdance-Bars; lässt junge Mädchen zu Wort kommen genauso wie ChefredakteurInnen, HerausgeberInnen und PR-ExpertInnen. Dabei sind es vor allem die zum Teil selbstentlarvenden Sätze der MedienmacherInnen als auch die resignierenden Erkenntnisse junger Mädchen, die mehr sagen als Walter es mit einer Analyse der Gegebenheiten tun könnte. So erklärt eine junge Frau:

Man braucht sich nur die Lapdance-Clubs anzuschauen, das sagt so viel über unsere Kultur aus. Die Männer darin sind ‚seriös’, sie tragen einen Anzug und haben ein Bankkonto, die Frauen sind ‚unseriös’, sie sind nackt und haben Schulden. (weiterlesen …)


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Kürzere Wissensnews: Frauen nehmt ab

22. Juli 2011 von Helga

Viel zu oft gehen unkritische Wissenschaft und Berichterstattung eine unglückliche Verbindung ein. Das Ergebnis sind dann die vermeintlich harmlosen bunten Meldungen, die sich so schön verkaufen, weil sie unser Weltbild bestätigen. Erkenntniswert null, dabei lohnt es sich, genauer hinzuschauen (siehe auch den PhD Science News Cycle). Ein Beispiel:

Dienstag berichtete DRadio Wissen über eine Studie, nach der Paare glücklicher sind, wenn der BMI der Frau niedriger sei als der des Mannes. Botschaft an die Frauen mal wieder: Seid schlank! Befragt wurden 169 heterosexuelle Paare unter 35 Jahren. Alleine diese Auswahl ist schon kritisch, weil oft ältere Frauen berichten, erst spät mit ihrem Gewicht und Aussehen Frieden geschlossen zu haben. Eine Forscherin betonte aber, so der Telegraph, es käme nicht auf das absolute Gewicht an, sondern das relative – auch eine schwerere Frau könne glücklichsein, Hauptsache ihr Ehemann sei noch schwerer. Na immerhin?

Leider findet sich bisher nichts zu der Studie auf der Seite der Universität von Tennesse. Auch steht nirgendwo, in welcher wissenschaftlichen Zeitschrift die Ergebnisse veröffentlicht werden und ob sie dabei einer Peer Review, einer wissenschaftlichen Begutachtung, unterzogen werden. So bleibt leider unklar, was die Wissenschaftler_innen berücksichtigt haben: Den gesellschaftlichen Druck auf Frauen, schlank und hübsch zu sein. Die Idee, ein Mann könne sich mit seiner Ehefrau schmücken. Das Bild einer Ehefrau als Trophäe einer erfolgreichen Jagd. Die Sticheleien, wenn Frauen mit Männern zusammen sind, die vermeintlich außerhalb ihrer „Liga“ sind („was findet der nur an ihr?”). Denn all diese Stereotype sind bis heute noch lebendig und beeinflußen unsere Selbsteinschätzung und unser Glück. Studien und Berichterstattung darüber, die diese Punkte auslassen, festigen leider nur den Status Quo und verpassen die Chance zu kritischer Auseinandersetzung.

Apropos Berichterstattung: Auf Twitter hatte DRadio Wissen noch mal einen ganz anderen Text gewählt.

Tweet von @DRadioWissen: #Wissensnachrichten Starker Mann, zarte Frau - dieses Klischee macht Paare glücklich. http://bit.ly/njeB8C - 22 hours ago via HootSuite

Aus der Frage nach dem Gewicht wurde auf einmal „stark“ und „zart“ – auf Nachfrage hies es, stark sei im Sinne von „kräftig“ verwendet worden. Tatsächlich sind beides Wörter, die sich eben nicht auf die untersuchte Eigenschaft (Gewicht, Masse) beziehen, sondern auf Kraft. Das wirft natürlich gleich das Bild des starken Mannes auf, der seiner Partnerin das Marmeladenglas öffnet – dabei wurde dies gar nicht untersucht. Außerdem können schlanke Frauen durchaus Kraft haben, während ihr Partner eher untrainiert ist.

So wird aus einer obskuren Studie die Botschaft, für ihr Glück müssten sich Frauen einen starken Mann und Beschützer wählen, während sie selbst nicht nur schlank, sondern auch noch schwach sein sollten.


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Frauenbilder in Film und Fernsehen unter der Lupe

3. Mai 2011 von Helga

In ihrer neuen Reihe “Tropes vs. Women” für das Bitch Magazine beleuchtet Anita Sarkeesian die weiblichen Charaktere in Hollywoodfilmen und TV-Serien. Ein Trope, auf Deutsch Tropus, bezeichnet dabei eine Figur, die nur als bildlicher Ausdruck fungiert, aber keine eigene Persönlichkeit darstellt. Inzwischen gibt es gerade für weibliche Charaktere eine Reihe an Motiven, die immer wiederkehren: Tote im Kühlschrank, das manische Traummädchen und Schlumpfine (einige Videos haben bereits deutsche Untertitel):

Passend dazu erschien vor einiger Zeit eine Studie, dass Frauen weiter vor und hinter der Kamera immer noch unterrepräsentiert sind. Außerdem berichtete USA Today, dass Frauen dabei weitaus häufiger als Männer nackt oder sexy gekleidet vorkamen. Besonderer auf das Aussehen weiblicher Teenager wird der Fokus gelegt: Sie sind häufiger freizügig gekleidet als ältere weibliche Charaktere und werden auch am häufigsten für ihr Aussehen komplimentiert.


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Was bringen uns die Medien eigentlich bei?

4. März 2011 von Helga

Vor kurzem haben wir Euch bereits den Film “The Codes of Gender” vorgestellt, der sich mit der Inszenierung von Frauen in der Werbung befasst. Mit “Miss Representation” hat Regisseurin Jennifer Siebel einen ähnlichen Film gedreht, es geht dabei um die Darstellung von Frauen allgemein in den Medien. Interviewt hat sie dafür Politikerinnen wie Condoleezza Rice und Nancy Pelosi, Feministinnen wie Gloria Steinem, Schauspielerinnen wie Rosario Dawson und Jane Fonda und jede Menge weiterer Frauen.

Im Kindergartenalter wollen Jungen und Mädchen noch gleich oft Präsident_in der USA, danach nimmt die Zahl der ambitionierten Mädchen immer weiter ab. Spielen die Medien eine Rolle und welches Frauenbild vermitteln sie eigentlich? Von Condoleezza Rice als „Dominatrix“ über investigative Interviews zu Sarah Palins Ein­stellung gegenüber Brustimplantaten nimmt der Film die (Nicht-)Vor­bilder­ver­mittlung auseinander:

Newest Miss Representation Trailer (2011 Sundance Film Festival Official Selection) from on Vimeo.

Vorgestellt wurde der Film auf dem Sundance Film Festival im Januar, ob er jemals syn­chro­nisiert oder deutsch untertitelt und in Deutschland gezeigt wird, stand lei­der nirgendwo.

(via Clutchmagazine)


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Engagement gegen den Schlankheitswahn

21. Januar 2011 von Helga

Ob Titelbilder von Fernsehzeitschriften oder Werbeplakate für Elektronikfachhandel, alles wird verkauft mit Frauenkörpern. Schlanken Frauenkörpern wohlgemerkt. Wie frau einen solchen bekommt, steht dann im Frauenmagazin daneben. In Wien leistet seit über einem Jahr eine Frauengruppe Widerstand – die ARbeitsGEmeinschaft dicker Weiber.

Vier Frauen der ARGE Dicke Weiber posieren beim Workshop für die Kamera, lachend und die Arme zur Kamera gestreckt, auf einem Bein stehend

© ARGE Dicke Weiber

Wie kam es zur Gründung der ARGE Dicke Weiber?

Als engagierte dicke Frauen und Lesben schlossen wir uns zusammen, um gemeinsam auf die zunehmende Diskriminierung aufgrund des Gewichts hinzuweisen. Wir sind tief betroffen und wütend über den immensen Druck, der auf dicke Menschen ausgeübt wird, und wir wollen uns gegen diesen Schlankheitsterror wehren. Wir wollen mit unserer selbstorganisierten Initiative dicken Frauen und Mädchen Mut machen, uns politisch mit dem Thema auseinandersetzen und Aktionen durchführen.

Wie sieht Euer Engagement konkret aus?

In Anlehnung an “Fat Liberation Movement” in den USA, wo schon in den 1970er Jahren “Fat Activist”-Gruppen entstanden, wollen wir mehr sein als reine Selbsthilfe. Wir verstehen uns als Teil einer weltweiten Dickenbewegung, die angetreten ist, die Dickenfeindlichkeit in dieser Gesellschaft zu beenden. Unsere Strategien dazu sind: Stärkung des Selbstbewusstseins, Selbstermächtigung, politische und persönliche Reflexion und Auseinandersetzung sowie Öffentlichkeitsarbeit, Aktivismus und jede Menge Spaß. Konkret treffen wir uns zweimal im Monat zum persönlichen Erfahrungsaustausch in der Gruppe, wir organisieren Veranstaltungen wie Diskussionen und Filmabende, schreiben Texte, produzieren und sammeln dickenfreundliches Bildmaterial, sind bei Frauendemos mit Redebeiträgen und Transparenten präsent (8. März und 25. November) und vieles mehr.

Plakat mit einer Nana und der schwarzen Aufschrift: Auf DIÄTEN pfeifen, den Schlankheitswahn angreifen! ARGE Dicke Weiber - Hinter und neben dem Plakat stehen Frauen der ARGE

© ARGE Dicke Weiber

Was habt ihr schon erreicht?

Die Stärkung des Selbstbewusstseins ist bei jeder einzelnen Frau, die mitmacht, wirklich augenfällig und spürbar. Viele von uns gehen nach langer langer Zeit wieder schwimmen, tragen keine alles verhüllenden Kleidungsstücke mehr, wehren sich gegen Beschimpfungen und dickenfeindliche Äußerungen und schenken sich selbst endlich (wieder) den Respekt und die Liebe, die wir uns solange vorenthalten haben. Dies ist ein sehr wichtiger erster Meilenstein, denn ohne Selbstbewusstsein ist es als dicke Frau so gut wie unmöglich „Dickenpolitik“ zu machen.
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Schatz, findest Du meine Schamlippen echt ok?

23. November 2010 von Helga

DieStandard.at hat wieder eine Zitrone vergeben – diesmal an ein Schönheitsinstitut, das für „selbstbestimmte“ Genitalchirurgie bei Frauen wirbt. Mit einem echten Schmankerl an Pathologisierung:

Ob beim Tragen figurbetonter Kleidung, beim Sport oder gar in den romantischsten Stunden eines glücklichen Paares, die Beschaffenheit der weiblichen Intimzone bietet nicht selten Anlass für enttäuschte Erwartungen.

Liebe Leute bei „Woman & Health“ (ja, die nennen sich echt so), wie glücklich kann ein Paar sein, das derart große Erwartungen an den Intimbereich stellt?


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Du willst eine Gehaltserhöhung? Dann wasch den Intimbereich!

27. August 2010 von Helga
Dieser Text ist Teil 41 von 54 der Serie In Bildern: Das denkt die Welt
Anzeige aus dem Women's Day Magazine für summer's eve – Unter der Überschrift Confidence at Work: How to ask for a raise kommt als erster Tip, den Tag mit einer Dusche zu beginnen, inklusive Intimwaschlotion, sowie eine Packung Intimwaschtücher für zwischendurch einzupacken

Bild über Daily Kos - Draufklicken zur Großansicht

Eine Anzeige für summer’s eve erklärt im Women’s Day Magazine worauf frau achten sollte, wenn sie eine Gehaltserhöhung will. Das Wichtigste:

1: It should start with your usual routine and all the things you do to feel your best, including showering with Summer's Eve® Feminine Wash or throwing a packet of Summer's Eve® Feminine Cleansing Cloth into your bag for a quick freshness pick-me-up during the day.

Bild über Daily Kos

Ja liebe Ladies, für die berufliche Karriere ist ein frisch duftender Intimbereich das A und O (via twitter.com/ju_les).


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Die Teenager und der Sex…

25. August 2010 von Verena
Dieser Text ist Teil 8 von 20 der Serie Sex am Morgen

… in den Vulva-Spots geht es dieses Mal außerdem um andere Sexpartner, vermeintliche Sex-Störer und gute Neuigkeiten gibt es für Sex-Arbeiterinnen in Bangladesch

Sex ist nicht immer an allem schuld. Associated Press berichtet, dass die schulische Leistung von Teenagern nicht davon abhängt, ob sie in einer Beziehung sind oder nicht. ABER: Frönen sie unverbindlichem, promiskuitivem Sex, dann durchaus. Es sei nicht so so sehr die Frage, ob ein Teenager Sex habe oder nicht, der über die schulische Leistung entscheide, sondern in welcher Art von Beziehung Sex stattfände, heißt es vonseiten der Forscher. Ach so… Und wie sieht es mit anderen Faktoren aus? Familiäres Umfeld, Lehrer, Freunde und das generelle Leistungsspektrum junger Menschen? Pfff…

Einen Schritt hin zur gesellschaftlichen Anerkennung, ist Sexarbeiterinnen in Bangladesch gelungen, wie die BBC berichtet:  Neuerdings darf ihr Beruf im Personalausweis eingetragen sein. Obwohl Prostitution legal ist, kämpfen die Sex-Arbeiterinnen mit dem sozialen Abseits. Die offizielle Berufsbezeichnung auf einem behördlichen Dokument kann das nun hoffentlich ein Stück weit ändern.

Danken möchte man auch Werner Bartens, der auf sueddeutsche.de über die “Scheinerkrankung” Cellulite schreibt. Seit 1973 die Betreiberin eines New Yorker Schönheitssalons die weiblichen Hautveränderungen an Beinen, Hüften und Po stigmatisierte, cremen, wickeln und bekämpfen Millionen von Frauen die als natürlicher Teil des Altersprozesses auftretenden Dellen. Völlig umsonst – natürlich.

Jetzt, wo Sexpuppen kurz davor sind, echte Gefühle zu entwickeln, lohnt ein Blick auf die Geschichte dieser allzeit bereiten Spezies. Annina von Girls can Blog gab uns den Tipp, bei medicalinsurance vorbei zu gucken. Danke!


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Oh, ohne Botox!

18. August 2010 von Verena

Weibliche Celebrities sind ja vor allem deshalb berühmt, weil sie so schön sind – im Fersehen, auf der Kinoleinwand, dem roten Teppich und all den Oh!-Wow!-Bildern in den bunten Blättern.

Dass diese Schönheit nicht immer mit rechten, sprich natürlichen, Dingen zugeht, versteht sich von selbst. Botox ist in Hollywood wahrscheinlich mindestens genauso beliebt, wie eine Maß Bier auf dem Münchner Oktoberfest. Um so erstaunlicher, wenn Schauspielerinnen und Co. nicht nur den Gebrauch des Nervengiftes zugeben, sondern ihm in aller Öffentlichkeit abschwören, wie es jüngst Desperate Housewife-Darstellerin Teri Hatcher getan hat.

Foto via Huffington Post

Sowohl die Huffington Post, als auch Spiegel Online griffen die “Nude”-Bilder auf, die Hatcher über facebook veröffentlicht hatte. Wir sehen: Eine 45-Jährige nach dem Duschen, vor dem Schlafengehen und ohne offensichtliches Make-Up – eine attraktive Frau. Sie wolle mit ein paar Wahrheiten über Schönheit aufräumen, um es Frauen einfacher zu machen, zu ihrem Alter zu stehen, wird Hatcher zitiert.

Foto via more.com

Mit einer ähnlichen Aktion hatte Jamie Lee Curtis vor einigen Jahren für Aufsehen gesorgt. Die für einen makellos durchtrainierten Körper bekannte Schauspielerin ließ sich mit 2002 in Unterwäsche und ohne Fotoshop-Nachbearbeitung fotografieren. Es sei eine heimtückische Angelegenheit, die Welt glauben zu lassen, sie sei die Glamour-Jamie mit dem perfekten Körper, blah, blah, blah. Stattdessen zeigte die damals 44-Jährige, wie Frauen nun mal unretuschiert aussehen. Ganz normal halt.

Dabei sind Botox und andere “Schönmacher”, genauso wie Schönheitsoperationen längst keine rein weibliche Angelegenheit mehr. Wäre doch interessant, wie das Medienecho ausfällt, würde sich Mickey Rourke von kosmetischer Instandsetzung distanzieren.


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Nippelfreie Zone

23. Juli 2010 von Susanne
Dieser Text ist Teil 3 von 11 der Serie Die Farbe Lila

In den letzten Tagen wurde es immer unvorstellbarer, das Wochenende ohne Besuch am See überleben zu können. Ich brauchte dringend einen neuen Bikini, mein alter ist zehn Jahre alt. Also versuchte ich, einen zu kaufen. Bei dem Versuch blieb es allerdings. Dabei habe ich keinen ausgefallenen Geschmack und auch keine überzogenen Preisvorstellungen. Ich habe nur nicht den Wunsch, meinem Busen eine Rundumabdichtung zu verpassen – gepolstert und abgeschirmt gegen Gefahren jeder Art, die am See auf mich warten.

Aber das Designvorhaben der Bekleidungsindustrie scheint zu sein: meine Brüste zu beschützen. Warum sonst gibt es nur noch dick gepolsterte Bikinioberteile? Oder Büstenhalter. Auch hier das gleiche Bild, zum Beispiel im Prospekt, der mir aus der Zeitung entgegenflattert. Vermutlich wurden durch den frustrierenden Shoppingversuch meine Sensoren geschärft, normalerweise schmeiße ich Prospekte einfach ungesehen weg. Aber diesmal starren wir uns gegenseitig an: die gepolsterten Brüste mich und ich sie. Stramm stehen sie da, durch die unveränderliche Form der Schalen, wie eine Armee. Und neben den Dekolletés der Models steht die Erklärung für die Erfindung gepolsterter Unterwäsche: Es geht nicht um Schutz, sondern darum, etwas “unsichtbar” zu machen. Wer sich die Worte “T-Shirt-BH” und “Pulli-BH” ausgedacht hat, sollte mit ebensolchen geknebelt werden, der Erfinder von “unsichtbar” für seine Doofheit gleich mit. Ein unsichtbarer BH wäre: kein BH.

Brauner Hintergrund mit 2 Bäumen und 3 Pilzen. Ein Wolf liegt blutend auf dem Boden. Im Vordergrund steht ein Mädchen mit lila Käppchen und einem blutigen Messer in der Hand. Es sagt: I don't need to be saved. I can do that myself.

(c) Frl. Zucker

Deswegen kann diese Erfindung nur heißen: Irgendjemand hat ein Problem mit Brüsten, wie die Natur sie wachsen lässt. Weibliche Nippel sollen unsichtbar werden. Und in wattierte Förmchen eingepackt, wird die weibliche Brust normiert. Kleine, große, spitze, hängende, runde, schiefe, lustige oder flache Brüste sieht man immer weniger. Mit Pulli- und T-Shirt-BH sieht jede Brust, die einem auf der Straße entgegenkommt, gleich aus: fest, rund und mittelgroß. So wird Frauen eingeredet, das, was sie schon haben, sei nicht ganz so super wie das, was sie haben können. Und ihnen wird auch eingeredet, auf keinen Fall dürfe man unter dem T-Shirt oder Pulli “etwas” sehen. Ein Pulli-BH muss her, denn egal ob normaler BH oder kein BH, solange keine Watteschicht eingebaut ist und auch nur ein kleiner Wind weht, sieht man bei Brüsten Nippel. Bei Frauen wie bei Männern. (weiterlesen …)


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