Einträge mit dem Tag ‘Schmerzensmann-Debatte’


Wie könnten neue Männlichkeiten aussehen?

26. März 2012 von Christoph
Dieser Text ist Teil 28 von 30 der Serie Neues vom Quotenmann

In letzter Zeit wurde vermehrt in der Öffentlichkeit über „Männlichkeit,“ gar über „Männlichkeiten“ diskutiert. Endlich! Dachte ich zunächst, wünsche ich mir persönlich doch seit längerem eine Diskussion über neue Männlichkeiten jenseits von dem, was man im Englisch-sprachigen Raum „toxic masculinity“ nennt – toxische, schadhafte, destruktive Männlichkeit.

Doch zu früh gefreut. Hauptauslöser der Diskussion war ein Zeit-Artikel der Autorin Nina Pauer mit dem Titel „Die Schmerzensmänner.“ Pauers Artikel hat ein Problem – das Zusammenstoßen von neuen und alten Männlichkeitsstereotypen. Der „Schmerzensmann“ wird definiert als Mann, der sich selbst ständig reflektiert, sich passiv an seinem Bier festhält und nicht weiß, wann er „den move“ anzusetzen hat. Angeblich sei dies ein Problem für Frauen, so Pauer, denn wer will so einen schon als Partner? Der für mich problematischste Kern des Textes offenbart sich in einem Satz: „Spiegeln gleich stehen sich die Geschlechter gegenüber und hyperreflektieren ihre Beziehung zu Tode, bevor sie überhaupt angefangen hat.“ Da ist es wieder: Es ist falsch für den Mann zu viele stereotypisch feminine Züge anzunehmen. Das „Hyperreflektieren“ einer keimenden Beziehung gehört meines Erachtens zum Stereotyp ‘junge romantische Frau’. In vielem ist der Schmerzensmann das Gegenteil eines anderen männlichen Stereotyps: Dem ‘Player’, dem jagenden Macho, der seine weiblichen Opfer analysieren zu können glaubt und „den move“ perfektioniert hat. Persönlich ist mir ja der Schmerzensmann lieber, aber darum soll es in diesem Text gar nicht gehen.

Pauer’s Schmerzensmann ist ein Stereotyp, ein überzeichneter noch dazu, eine neue Schublade in die der ‘neue Mann’ gesteckt werden soll. Explizit geht es um die heterosexuelle, romantische Zweierbeziehung, impliziert wird ein gesellschaftliches Zusammenstoßen von Weiblichkeiten und Männlichkeiten, das etwas anders formuliert auch in ihrem Buch „Wir haben keine Angst“ stattfindet. Wieder der zu passive Mann, der nichts auf die Reihe bekommt und sein Potential ausnutzt, und die zu aktive Frau, die sich bemüht Erfolg zu haben und dabei fast vor Druck zerbricht. Beides stereotype Charaktere, die unsere Gesellschaft zugegeben hervor gebracht hat. Sie sind beide Exemplare der „graduates with no future,“ der Absolventen ohne Zukunft, wie sie Paul Mason in seiner Analyse der letztjährigen Revolutionen und Aufständen „Why It’s Kicking Off Everywhere“ beschreibt: Junge Menschen, gut ausgebildet aber ohne direkten Zukunftsplan. Junge Menschen, die zwischen den Rollen, die ihnen vorgelebt und vorhergesagt wurden, hängen. (mehr …)


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Eine explizite Blogschau: Sex, Begehren und Schönheitsbilder

24. März 2012 von Helga
Dieser Text ist Teil 150 von 254 der Serie Die Blogschau

Schön, schlank, fit – alles relative Kategorien stellt Nur ein Blog! fest mit Blick auf Sportlerinnen in der Sports Illustrated.

1000 Kreuze in die Spree berichtet aus Münster: dort waren christliche Fundamentalist_innen und Rechtsextreme gegen das Recht auf Abtreibung auf die Straße gegangen, wurden aber von der Gegendemo kreativ begleitet.

Jeden Tag zerplatzt die Bubble“ – LisaCalisa beschreibt im mädchenblog die Grantwanderung zwischen queerer Filterbubble auf der einen Seite und dem sexistisch-homophoben Alltag überall anders.

In den USA werden Frauen im „War on Women“ nun aktiv, berichtete das Mama Blog. Politiker, die Planned Parenthood das Geld für Untersuchungen bedürftiger Frauen streichen wollen, werden auf ihren Facebookseiten mit Fragen zu Menstruationsbeschwerden und Pilzinfektionen überhäuft.

Das Spiel Dortmunder BVB gegen Werder Bremen letztes Wochenenede wurde von homophoben Plakaten überschattet. Metalust & Subdiskurse reloaded nimmt sich der Diskussion um „Political Correctness“ an und den weißen, heterosexuellen Männern, die genau wissen, wann Rassismus, Sexismus und Homophobie vorliegen und wann nicht.

Noch mal die Schmerzensschmerz-Debatte: anarchie & lihbe erinnert daran, dass das Zeigen von Gefühlen Frauen bis heute zum Nachteil gereicht. Und dass neu-entdeckte Schmerzensmänner ihre Gefühle nun oft genug genau denen gegenüber ausleben, die es selbst nicht können.

Freude bei der Denkwerkstatt! Endlich ein Film über weibliches Begehren. “Turn Me On, Dammit“! kommt (natürlich) aus Norwegen.

Eine schöne Geschichte übers Begehren hat auch Wir lieben Konsens diese Woche. Und auch ryuus Hort setzt sich damit auseinander.

Apropos: Besser Lesen hat „Lady Chatterley“ gelesen. Als Charakterstudie zu empfehlen, als erotische Literatur eher nicht.

Die Tilde ärgert sich über das gedankenlose „Diagnostizieren“ von Identitätsstörungen in Musikrezensionen und empfiehlt Literatur zum Weiterbilden.

Andere Zeiten, andere Sitten. Die Fuckermothers über Ratschläge für stillende Mütter in den zwanziger Jahren.

Für eine bessere Vernetzung der (feministischen) Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Transphobie, Schwarze Feministen und die Schmerzensmanndebatte – kurz notiert

1. Februar 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 137 von 243 der Serie Kurz notiert

Auf The Root erzählt Byron Hurt, wie er erst den Sexismus seines Vaters weiterlebte – und dann zum Schwarzen Feministen wurde.

Nachdem im kanadischen Vancouver die Anzahl sexualisierter Übergriffe kontinuierlich gestiegen war, ist sie im letzten Jahr erstmals gesunken – und zwar um sage und schreibe zehn Prozent. Von offizieller Seite wird dies zurückgeführt auf eine Ende 2010 gestartete Aufklärungskampagne, die sich – und hier wird es interessant, weil untypisch – unter dem Titel Don’t Be That Guy (Sei nicht dieser Typ) mittels Plakaten an junge Männer wendet und damit den Fokus vom poten­tiellen Opfer von Gewalt zum potentiellen Täter verschiebt.

Das Feuilleton diskutiert, ob wir wieder härtere Typen brauchen. Mit Standpunkten von vorgestern und unnötiger Verbissenheit. Der junge Mann hat seine Rolle ver­loren? Gut so! Auch die FAZ widmet sich der aktuellen Weiche-Männer-Diskussion:
Zum Schießen / Totlachen / auf dem Boden kringeln.

Geodreiecke sind unhandlich und niemand hat sie dabei – aber zum Zeichnen sind sie eigentlich ganz praktisch. Mathematikerin Vi Hart erklärt, wie man sich aus einem Stück Papier schnell bei den verschiedensten Winkeln behilft. Mit einem Angle-a-Tron:

Noch einmal Kanada: Seit einem halben Jahr quasi unbemerkt blieb eine Regelung des kanadischen Verkehrsministeriums. Danach dürfen nur Menschen in Flugzeuge gelassen werden, deren soziales Geschlecht mit dem Eintrag in ihren Ausweispapieren übereinstimmt. Trans­personen, die ihren Pass noch nicht geändert haben oder das noch gar nicht dürfen, dürfen damit in Kanada nicht mehr in Flugzeuge steigen. Ebenso genderqueere Menschen, die auf den ersten Blick nicht klar einem Geschlecht zugeordnet werden können, wie Christin Milloy berichtet.

Inzwischen gibt es schon eine Petition an die kanadische Regierung, Transmänner und -frauen nicht weiter zu diskriminieren. Eine weitere Petition gibt es für das Transmädchen in Berlin, das in die Psychatrie eingewiesen und zwangsweise als Junge erzogen werden soll.

Das Medizinstudium ist inzwischen weiblich dominiert, im Beruf sind Ärztinnen aber deutlich unzufrieden. Das ärzteblatt berichtet, dass fast 80 Prozent Unter­schiede in der Beurteilung ihrer Arbeit sehen; Fast 90 Prozent sind der Meinung, dass Männer schneller befördert werden.

Nach langen Querelen werden im Berliner „Homo-Mahnmal“ nun auch lesbische Paare gezeigt, so Queer.de. Erinnert wird an die von Nationalsozialisten verfolgten Homosexuellen – da Lesben im Gesetz nicht erwähnt wurden, beschränkte man sich bisher auf schwule Paare. Dennoch wurden auch lesbische Frauen als „Asoziale“ eingestuft und verfolgt.

Die Termine wieder nach dem Klick: (mehr …)


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