Einträge mit dem Tag ‘Sauereien’


Ukrainische Feministinnen und das sowjetische Patriarchat

14. Februar 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 6 von 19 der Serie Im Osten nichts Neues?

Was passiert eigentlich östlich von uns? Journalist Silviu Mihai kennt sich aus und wirft für uns alle zwei Wochen einen feministischen, gender- und gesellschaftskritischen Blick auf das „andere“, östliche Europa. Die konkreten Herausforderungen der Gleichberechtigung in Polen, woran wir einen bulgarischen Macho erkennen und welche Rolle Homophobie und Gendermainstreaming in Rumänien spielen, erfahrt ihr in dieser Kolumne.

Ein Jahr nach der Wahl von Wiktor Janukowitsch zum Präsident der Ukraine fürchten viele BeobachterInnen und AktivistInnen um die demokratischen Fortschritte des letzten Jahrzehntes. Die früheren proeuropäischen Regierungen hatten trotz zahlreicher Korruptionsskandale wichtige Reformen durchgesetzt und das Land näher an die EU gebracht. Janukowitsch, ein ehemaliger Parteifunktionär zu Sowjetzeiten und Freund Wladimir Putins, präsentierte sich offen als Gegner dieser Modernisierungsprozesse und wurde im Februar 2010 vor dem Hintergrund der tiefen Wirtschaftskrise gewählt.

Die ukrainische Frauenbewegung Femen, die früher gegen Sexismus und Ausbeutung der Prostituierten protestierte, engagiert sich jetzt allgemein für Menschenrechte und demokratische Gesellschaftsverhältnisse. In einem ARTE-Interview kritisiert die Vereinsvorsitzende Anja Gutzol die „starke Tendenz hin zum Totalitarismus“ unter der neuen Regierung. Einige Oppositionsanhänger wurden bereits festgenommen, die kritischen Medien müssen wieder mit offiziellen Schikanen rechnen.

Wie die meisten ehemaligen Funktionäre des Staatssozialismus hat Janukowitsch nicht nur eine antidemokratische Grundeinstellung, sondern auch stark sexistische Überzeugungen, die in Westeuropa eher unter provinziellen Anhängern der konservativen Parteien zu finden sind. Keine einzige Frau sitzt im neuen Kabinett. Damit ähnelt sich die Regierung einem Männerklo, kritisiert Femen. Neulich hat der Präsident versucht, Touristen in die Ukraine zu locken: Das Land organisiert nächstes Jahr, zusammen mit Polen, die Fußball-Europameisterschaft. Kiew sei besonders schön im Sommer, wenn sich die Frauen ausziehen, meinte Janukowitsch vor einem internationalen Publikum.

Die Ukraine gilt in Europa als eines der wichtigsten Reiseziele von Sextouristen und gleichzeitig als Rekrutierungsland und Drehkreuz fürs Frauenhandel. Die Äußerungen von Janukowitsch sind also nicht nur völlig daneben, sie signalisieren eine aufmunternde Botschaft an die weitverbreitete Ausbeutungsindustrie. Femen versucht mit „unanständigen“ Performances gegen die offizielle, scheinheilige „Dezenz“ zu mobilisieren.


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FJ Wagner und die Gorch Fock: Frauen, die auf Männerschiffen sterben, sind laut BILD-Zeitung selbst schuld

26. Januar 2011 von Meredith

Die Eltern der Soldatinnen Sarah S., die von ihrem Kommandanten einen verantwortungslosen Kletterbefehl erhielt und in den Tod stürzte, und von Jenny Böken, die unter bislang ungeklärten Umständen vor zwei Jahren über Bord ging, werden sich bei BILD-Kolumnist Franz Josef Wagner bedanken. Laut seiner neusten Post, mit dem Titel “Liebe Gorch Fock 2″, ist nämlich die Ursache dieser schrecklichen und verstörenden Vorgänge nicht, dass auf diesem Schulschiff junge Soldatinn_en von – ich sag es nochmal – verantwortungslosen Ausbilder_innen extremen Risiken ausgesetzt wurden. Ist ja auch wurst, dass alles, was man über die Gorch Fock weiß, darauf hindeutet, dass hier wirklich allen Kadetten unabhängig vom Geschlecht die Hölle zur See bereitet wurde. Nein, nein, der Grund ist: Jenny Böken und Sarah S. hatten von Anfang an nichts auf der Gorch Fock zu suchen. Die ist nämlich ein “Männerschiff”. Das erkennt man, laut Wagner, an ihrem Namen. Und Frauen, die sich auf Männerschiffen aufhalten, mag Wagner nicht:

Ich mag keine Frauen als Soldatinnen, ich mag keine Frau, die schießt, ich mag mir keine Frau vorstellen, die aus 40 Metern herunterstürzt.

Deshalb ist für den alten Mann mit dem ungebremsten Laberfluss gar nicht die entscheidende Frage, warum Jenny Böken und Sarah S. sterben mussten. Nein:

Die wichtigste Frage ist, ob Frauen in diese Männerwelt passen.

Denn was Franz Josef Wagner mag, ist ganz einfach und total ungefährlich:

Die Frau, die ich mag, ist eine Frau, die ein Baby, eine Hoffnung, eine Zukunft hat.

Lieber Franz Josef Wagner,

ich möchte mich bei Ihnen bedanken. Dafür, dass Sie ganz offen ausgesprochen haben, wer in Ihren Augen und den Augen Ihrer Leserschaft als Frau ein lebenswertes Leben hat. Danke, dass Sie zeigen, dass Frauen Ihrer Meinung nichts wert sind, wenn sie keine Hoffnung haben, oder keine Babys. Und auch dafür, dass es Ihnen offenbar völlig egal ist, was mit den jungen Männern auf der Gorch Fock geschah. Dass es nämlich Ihrer Ansicht kein Problem ist, wenn ein Mann schießt oder aus 40 Metern hinunterstürzt. Dafür sind Männer Ihrer Meinung nach gemacht. Wir sehen es deutlich: Je normaler das Militär in Deutschland wird, desto normaler wird der alte Chauvinismus. Er ist 1945 offenbar nicht ausgestorben.

Sie sind nicht nur ein unverbesserlicher Misogynist, Herr Wagner. Das wäre ja keine Neuigkeit und auch nichts, über das sich irgendjemand noch aufregen könnte. Sie sind ein Menschenfeind, ein Menschenverächter. Und egal, wie menschenverachtend sich Ihr Arbeitgeber, die BILD-Zeitung seit ihrer Gründung immer und immer wieder geäußert und verhalten hat – es ist ein Skandal und eine Schande, dass solche Texte erscheinen dürfen, in einer Zeitung die sich gerade in diesem Fall als großes Aufklärungsorgan geriert.

Diesmal ganz ohne Grüße,
Meredith Haaf

Weil ich keinen Bock habe, auf die Seite der BILD-Zeitung zu verlinken: Man findet die Kolumne in der Rubrik “News”. Weitere Post an Herrn Wagner: fjwagner@bild.de. In der Kontakt-Rubrik kann man auch an die Redaktion schreiben.


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Ungarns neue ZensorInnen

3. Januar 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 3 von 19 der Serie Im Osten nichts Neues?
Youtube-Capture Annamária Szalai bei einer Pressekonferenz

Youtube-Capture Annamária Szalai

In den letzten Wochen haben Ungarns neue Mediengesetze in der deutschen und europäischen Öffentlichkeit für Aufregung gesorgt. Der rechtspopulistische Ministerpräsident Viktor Orbán, der das Land seit April mit einer Zweidrittelmehrheit regiert, zeigt sich von den Protesten wenig beeindruckt: „Nicht im Traum“ denke er daran, die Gesetze zu ändern. Offensichtlich nimmt Orbán die internationalen Drohungen nicht ernst – und hat wahrscheinlich Recht. Denn die europäische Reaktion ist nicht nur schwach, sie kommt auch sehr spät.

Was das Parlament in Budapest im Dezember verabschiedete war nur der letzte Teil eines beispiellosen allumfassenden Gesetzespakets, das öffentlich-rechtliche sowie private Radio- und Fernsehsender, Zeitungen und Internetportale praktisch unter die Kontrolle der Regierung stellt. Die neue Aufsichtsbehörde wurde schon im August gegründet, mit einem Vorstand, dem sogenannten „Medienrat“, der ausschließlich mit nationalkonservativen Anhängern der Regierungspartei Fidesz besetzt ist.

Die Zensurbehörde darf ab dem 1. Januar 2011 jede Medieninstitution mit hohen Geldstrafen belegen, wenn ihr die Berichterstattung nicht ausgewogen erscheint, aber auch, wenn sie das „öffentliche Interesse“ oder die „öffentlichen Sittlichkeit“ verletzt sieht. Die Direktorin der Behörde, Annamária Szalai, wurde von Orbán hochpersönlich ernannt – auf neun Jahre. Der Höhepunkt ihrer journalistischen Karriere hat Szalai in den frühen 1990er Jahren erreicht: Damals war sie Chefredakteurin bei dem Provinz-Pornoblatt „Miami Press“ in ihrer Heimatstadt Zalaegerszeg. Heute kritisiert sie die Medienschilderungen von Sex und Gewalt natürlich und tritt für öffentlichen Anstand ein.

Titel von Miami Press


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Mein Körper und die tschechischen Behörden

20. Dezember 2010 von Silviu
Dieser Text ist Teil 2 von 19 der Serie Im Osten nichts Neues?

Menschen, die aus ihren Ländern flüchten, weil sie aufgrund ihrer vermeintlichen oder tatsächlichen sexuellen Orientierung Verfolgungen oder sogar den Tod fürchten müssen, sollten am besten die Tschechische Republik meiden. Denn die Behörden in der Heimat Franz Kafkas prüfen gerne genau den Grund des Asylantrags, indem sie dem/der AntragstellerIn Hetero-Pornofilme vorspielen und dabei den Blutfluss im Penis oder in der Vagina messen. Gegen die Proteste der EU verteidigen die tschechischen Bürokraten ihre atemberaubende Neugier: Der Test sei freiwillig und diene nur als letztes Mittel der Feststellung der sexuellen Orientierung.

Also, abgeschoben und eventuell erhängt werden, oder lieber die Hose runterlassen? Wie die meisten – vor diese tolle Alternative gestellten – AsylbewerberInnen entscheiden, lässt sich leicht raten, wie die Spiegel-Geschichte zwei iranischer Jungen zeigt. Wie groß der psychologische Druck in einer solchen Situation ist, und was die ersten europäischen Eindrücke der AntragstellerInnen sind, können wir uns vorstellen. Hinzu kommt, dass die AntragsstellerInnen meistens keine Ahnung von ihren Rechten haben, um sich den Tests zu verweigern. Die Genauigkeit der Methode als empirischer Test lässt ebenso wenig Zweifel an der Intelligenz und Vernunft der Beamten vom tschechischen Innenministerium wie die Annahme, dass nur „echte Homosexuelle“, und nicht etwa bisexuelle oder vermeintlich Homosexuelle tatsächlich verfolgt werden können.

Merkwürdig ist auch die Geschichte der Tests. Die erste Version war nur für Männer geeignet und wurde in den 1950er Jahren ausgerechnet in der stalinistischen Tschechoslowakei erfunden, mit dem Zweck, „falsche Schwule“ zu identifizieren, die angeblich versuchten, unter dem Vorwand der sexuellen Orientierung den Wehrdienst zu umgehen. Später wurden neuere Versionen der Tests entwickelt, die den Blutdruck nicht nur im Penis, sondern auch in der Vagina messen können. Nicht nur der Körper der Militärverweigerer bot damals den tschechischen Ärzten und Bürokraten eine Oberfläche für ihre medizinisch-politischen Interventionen. Die Sterilisierung von Roma-Frauen fing ebenfalls unter dem Staatssozialismus an und ging nach der Wende weiter. Die letzten bekannten Fälle aus 2007 haben die tschechische Regierung zwar dazu bewegt, sich offiziell zu entschuldigen, Reparationsgeld wurde aber noch nicht bezahlt .


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Die ultimative Anleitung für Stereotypen-Bullshit

16. Dezember 2010 von Verena
Dieser Text ist Teil 44 von 54 der Serie In Bildern: Das denkt die Welt

Unsere Leserin Julia ist bei Tchibo über die Buch-Reihe “So macht man das! Das ultimative Anleitungsbuch” gestolpert.

Gruselig, was sich so alles zwischen Kaffeebohnen versteckt

Jawohl – gestolpert, denn, wie sie mit Recht auf Empörung schreibt, solche Bücher schaffen bei all denen Abhilfe, die das richtige Frau- oder Mannsein noch nicht drauf haben…

Die Grundaussage: Die rosa-herzige Damenwelt wünscht sich nichts sehnlicher, als sich zu stylen und fit zu halten (gerne mittels Kamelreiten), damit sie letzten Endes als heiratswert befunden wird. In der kühlblauen Technikwelt der Herren hingegen dreht sich alles darum, in Helden- und Player-Manier das riskante Leben zu meistern (Lawinen! Hitzewellen!) und mittels Zimmern von Baumhäusern oder Basteln von Kartoffeluhren Eindruck zu schinden.


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Nicht weiblich genug für die Rolle der Ballkönigin

13. Oktober 2010 von Helga

Vor kurzem berichteten wir über den Transmann Oak, der nicht Homecoming King an seiner US-High School werden durfte. Ein ähnliches Problem hat Andy Moreno. Die 18-Jährige wurde von Freund_innen als Homecoming Queen der North Dallas High School vorgeschlagen und erfuhr dann prompt von der Schulleitung, sie solle doch lieber versuchen, Homecoming King zu werden. Da es im Schuldistrikt von Dallas keine Vorgaben gibt, welche Bedingungen die angehenden Ballköniginnen erfüllen müssen, liegt die Entscheidung allein bei der Schulleiterin. Über ihre Auswahlkriterien hüllt sie aber leider den Mantel des Schweigens – außer Moreno wollte sich gegenüber der Presse niemand zu dem Thema äußern:

Nachdenklich stimmt auch, dass Moreno erklärt, sich extra unauffällig verhalten zu haben und jedem Ärger aus dem Weg gegangen zu sein, um nicht in das Klischee der „schwierigen Transgender“ zu fallen.


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Transgender Teen darf nicht “Homecoming King” sein

1. Oktober 2010 von Magda

Der 17jährige Transmann Oak besucht die Mona Shores High School im US-amerikanischen Bundesstaat Michigan. Als die jährliche Wahl zum Homecoming King bzw. zur Homecoming Queen ansteht, mobilisiert der beliebte Teenager seine Mitschüler_innen per Facebook und kann so die meisten Stimmen für sich gewinnen. Die Krone darf Oak sich trotzdem nicht aufsetzen: Als er zur Schuldirektorin gerufen wird, teilt sie ihm mit, dass alle seine Stimmzettel für ungültig erklärt werden, weil er nicht als Junge sondern noch als Mädchen in der Schule gemeldet ist. Die Krone wird an den Zweitplatzierten weitergereicht.

Mal abgesehen vom Sinn oder Unsinn von Beliebtheitswahlen an US-amerikanischen High Schools demonstriert dieses Beispiel anschaulich, wie sehr die eindeutige Zuordnung zum “männlichen” oder “weiblichen Geschlecht” (bzw. was viele mit “Männlichkeit” und “Weiblichkeit” assoziieren) – und zwar nicht nur im Verhalten und Aussehen, sondern auch auf dem Papier – Voraussetzung für solche Wahlen sind. Auch wird hier deutlich, wie starr und unflexibel dieses System gleichzeitig ist: Ein Wechsel von weiblicher zu männlicher Geschlechtsidentität oder vice versa ist einfach nicht vorgesehen, geschweige denn Uneindeutigkeit in Bezug auf Geschlecht.

Um ein Zeichen gegen Transphobie und die Ausgrenzung von Transgenders zu setzen, tragen Oaks Mitschüler_innen heute in der Schule T-Shirts mit der Aufschrift “Oak is my King”. Auf der gleichnamigen Facebook-Seite bekunden sie ihre Solidarität mit Oak und sammeln Spenden für seine geplante Operation.

[Danke an Anna für den Link, via advocate.com]


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Du willst eine Gehaltserhöhung? Dann wasch den Intimbereich!

27. August 2010 von Helga
Dieser Text ist Teil 41 von 54 der Serie In Bildern: Das denkt die Welt
Anzeige aus dem Women's Day Magazine für summer's eve – Unter der Überschrift Confidence at Work: How to ask for a raise kommt als erster Tip, den Tag mit einer Dusche zu beginnen, inklusive Intimwaschlotion, sowie eine Packung Intimwaschtücher für zwischendurch einzupacken

Bild über Daily Kos - Draufklicken zur Großansicht

Eine Anzeige für summer’s eve erklärt im Women’s Day Magazine worauf frau achten sollte, wenn sie eine Gehaltserhöhung will. Das Wichtigste:

1: It should start with your usual routine and all the things you do to feel your best, including showering with Summer's Eve® Feminine Wash or throwing a packet of Summer's Eve® Feminine Cleansing Cloth into your bag for a quick freshness pick-me-up during the day.

Bild über Daily Kos

Ja liebe Ladies, für die berufliche Karriere ist ein frisch duftender Intimbereich das A und O (via twitter.com/ju_les).


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Polanski-Entschuldigungen und kein Ende

15. Juli 2010 von Helga

Fast schon ein wenig heimlich, mitten im weltweiten WM-Trubel, hat die Schweiz den Hausarrest für Roman Polanski aufgehoben. So berichtete die Tagesschau:

Zur Begründung teilte das Justizministerium mit, man habe nicht abschließend klären können, ob Polanski eine ihm 1977 auferlegte Strafe nicht bereits verbüßt habe.

Dass er der 13-Jährigen damals Alkohol und Drogen gab und sie anschließend vergewaltigte, dies zugab und schuldig gesprochen wurde, hat sich anscheinend rumgesprochen. Trotzdem wurde von Stars, Sternchen und Kommentator_innen unzählige Male sein Promibonus bemüht und das so offen wie sonst selten. Ungeachtet auch der Tatsache, dass Strafverfolgung heute nicht mehr auf dem Racheprinzip basiert, kann es darüberhinaus die Tagesschau nicht lassen, wiederholt zu bemerken:

Opfer forderte mehrfach Einstellung des Verfahrens […] Die Frau äußerte inzwischen mehrmals den Wunsch, das Verfahren solle eingestellt werden.

In einem Kommentar bei der taz setzt sich Kirsten Reinhardt mit diesem und den weiteren Euphemismen auseinander, die im Zusammenhang mit Roman Polanski gern verwendet werden:

[…] bleiben wir bei der Formulierung des “Sichvergehens”. Haben Sie dabei nicht auch einen kleinen Jungen im Kopf, der mit dem Finger in der Marmelade in der Speisekammer steht? Klingt das nicht wie ein Kavaliersdelikt? Ein kleines “Vergehen” eben?

[Achtung: Die Kommentare enthalten teilweise explizite Beschreibungen.]


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Militär, Google, Elterngeld, Caster Semenya, Rosa Taxis, UN Women, Bäuche und Anne Frank als Comic

8. Juli 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 85 von 153 der Serie Kurz notiert

In Österreich haben die Hälfte der Frauen, die seit 1998 im Bundesheer aufgenommen wurden, den Dienst quittiert. DieStandard.at berichtet

Mögliche Gründe dafür sind das dreifach höhere Mobbingrisiko, dem Soldatinnen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen ausgesetzt sind und die “maskulinen” Werte beim Militär, die (unbewusst) die Ablehnung von Frauen fördern.

Der Jahreszeitenverlag strukturiert seine Redaktionen um, berichtet die taz. Dabei müssen vor allem Alleinerziehende, Mütter in Elternzeit und Behinderte gehen – dabei richten sich die meisten der Zeitschriften an Frauen und Familien.

Partner_innen in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften haben in den USA eine Steuer zu tragen, die für verheiratete heterosexuelle Personen nicht anfällt. Laut FAZ zahlt Google diese Steuer für seine homosexuellen Mitarbeiter_innen.

Spiegel berichtet, wie Besserverdienende das Elterngeld für Langzeiturlaube nutzen, während das Elterngeld Hartz-IV-Familien vom schwarz-gelben Sparpaket künftig gestrichen wird.

Die United Nations Vollversammlung beschloss am Freitagabend in New York, ein neues Ressort zur Unterstützung von Frauenpolitik einzurichten. Die neue Einheit, die aus vier kleineren Organisationen zusammengschloßen wird, heißt UN Women.

Wie der internationale Leichtathletikverband IAAF entschied, darf die Weltmeisterin über 800 m, Caster Semenya, nach einjähriger Sperre nun wieder starten – “als Frau” bei den Frauen.

Die Anne-Frank-Stiftung reagiert auf “veränderte Lesegewohnheiten bei Kindern und Jugendlichen” und veröffentlicht die Lebensgeschichte von Anne Frank nun auch als Comic.

Jessica Valenti von feministing ist schwanger und genervt von “gut gemeinten” Ratschlägen und Bauchgrabscher_innen.

Eine interessante Dokumentation namens “Die Rosa Taxis von Dubai” findet ihr auf ARTE.

Auf Dubais Straßen sieht man immer häufiger rosafarbene Taxis mit weiblichen Fahrern. Dass Frauen hinter dem Steuer von nicht für rein private Fahrten genutzten Fahrzeugen sitzen, ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten eine echte Revolution – und gleichzeitig eine große Errungenschaft für islamische Frauen.


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