Einträge mit dem Tag ‘Sauereien’

Erste Klage auf Gleichbehandlung

Friday, January 25th, 2008 von Susanne

Die Süddeutsche Zeitung berichtet in ihrer heutigen Ausgabe (jetzt auch online), dass es eine erste Klage gegen einen Arbeitgeber wegen Geschlechterdiskriminierung gibt. Die 38-jährige Sule Eisele war bis 2007 beim Versicherer R&V angestellt. Ende 2006 informierte sie ihren Chef über ihre Schwangerschaft und bat um drei Monate Mutterschutz - Erziehungszeit wollte sie nicht in Anspruch nehmen, da ihr kranker Mann zuhause die Kinder betreut. Trotzdem wurde ihr an ihrem letzten Tag ihr Nachfolger vorgestellt, die Hochschwangere erlitt einen Nervenzusammenbruch.

Einige Monate später sprache Eisele noch einmal mit ihrem Chef und bestand darauf, wieder in das Unternehmen einzusteigen. Er bot ihr jedoch nur einen vergleichsweise schlechteren Job an. Außerdem sperrte er ihren E-Mail-Account und versagte ihr eine anstehende Schulung. Sule Eisele entschloss sich, ihren Arbeitgeber, die R&V, zu verklagen: auf 500.000 Euro.

Das ist die erste Klage seit Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes 2006. Demnach darf niemand wegen seines Geschlechts, Herkunft, Religionszugehörigkeit oder seiner sexuellen Orientierung diskriminiert werden. Der Fall wird Vorbildfunktion haben für zukünftige Schadensersatz-Urteile und -Summen. Die Anwälte von Sule Eisele haben die Klagesumme absichtlich so hoch gesetzt, da zum Beispiel EU-Vorgaben ausdrücklich eine abschreckende Wirkung der Strafe vorsehen. Und mit einer halben Million wäre die R&V noch gut bedient: In Amerika wurden 2005 einer Brokerin 29,3 Millionen Dollar wegen Diskriminierung zugesprochen, deren Chef sie eine “alte, hässliche Frau” nannte.

Auf jeden Fall ist der Mut der Sule Eisele zu bewundern, denn wer seinen Arbeitgeber verklagt, kann sich damit durchaus die gesamte weitere Karriere verbauen. Und anders als in den USA gibt es in Deutschland keine ausgeprägte Klagefreudigkeit. Aber gewinnt sie den Fall, werden sich Arbeitgeber in Zukunft zweimal überlegen, eine Hochschwangere vor die Tür zu setzen. Wirklich bewundernswert mutig!

Sexismus zum Frühstück

Wednesday, January 16th, 2008 von Meredith

Uargh, morgens bei Kaffee und Süddeutsche gleich mal gekotzt. Und zwar hierauf, mitten im Politikteil:

Was hat eine Geschäftsfrau in Hotpants bitte mit einem Billigflug zu tun? Ach ja, wegen der billigen Masche. Wieso ist es ausgerechnet die Frau? Weil niemand den haarigen Hintern des Mannes sehen will? Ja, in dem Fall sollten die Unternehmen es vielleicht einfach unterlassen, mit kontextbefreiten Ärschen zu werben.

Viel Lärm um nichts

Saturday, January 12th, 2008 von Susanne

Die Tennisspielerin Sania Mirza ist von indischen Ultra-Nationalisten verklagt worden. Sie empören sich, Mirza habe die indische Flagge mit nackten Füßen berührt, wie es obiges Foto beweise - wenn man denn genau das unbedingt sehen will. Zeugen sagen, zwischen Füßen und Flagge sei ein großer Abstand gewesen.

So oder so ist es absurd, dass Sania Mirza schon wieder verklagt wird. Obwohl erst 21 Jahre alt, ist es schon das zweite Mal - vor drei Jahren wurde sie bereits verklagt, weil sie in der Öffentlichkeit “in unwürdiger Kleidung” auftrete, also in Tenniskleidung, die ihre nackten Arme und Beine zeigt. Sie sei ein schlechtes Vorbild für Millionen. Später verbrannten Konservative wütend Bilder von ihr, weil sie angeblich gesagt habe, Sex vor der Ehe sei okay. Laut ihrem Manager sind alle diese Vorwürfe Quatsch. Offensichtlich wird sie nur deshalb angefeindet, weil sie einen selbstbestimmten westlichen Lebensstil pflegt.

(Foto über sueddeutsche.de)

UNICEF-Foto des Jahres: elfjährige Braut

Monday, December 17th, 2007 von Susanne

Dieses Bild ist “UNICEF-Foto des Jahres 2007″ geworden. Es zeigt eine Elfjährige mit ihrem 40-jährigen Verlobten. Die Eltern des Mädchens sagen, sie brauchen das Geld. Der Bräutigam sagt, er wolle seine zukünftige Frau zur Schule schicken. Die Leute im Dorf sagen: “Die Männer wollen keine gebildeten Frauen, das Mädchen wird wohl bald Kinder bekommen.”

„Was fühlst du heute?“ fragte Fotografin Stephanie Sinclair das Mädchen Ghulam am Tag ihrer Verlobung. “Nichts“, sagte das Mädchen etwas verwirrt. “Ich kenne diesen Mann nicht - was sollte ich fühlen?“

Über unicef.de

(Foto: Stephanie Sinclair)

Nachtrag am 19.12.: Der niederländische Schriftsteller Leon de Winter schreibt auf spiegel.de über all das, was dieses Foto in ihm auslöste: “… dass unser Universum (…) in seinem tiefsten Inneren getroffen worden ist vom Leiden dieses einsamen, sehr einsamen Mädchens.”

Nur-Mütter und arme Kinder

Friday, November 30th, 2007 von Susanne

Dass es da einen Zusammenhang gibt, legt eine gestern erschienene Studie nahe. Die OECD-Studie “Babies and Bosses“, die die Situation in 30 Industrie- und Schwellenländern vergleicht, kritisiert, dass es in Deutschland überdurchschnittlich viele Fälle von Kinderarmut gibt, und das obwohl die Staatsausgaben für Familien sehr hoch sind. Das Geld werde falsch investiert, so die Kritik. Wichtiger als Gelder für die Familien sei es, den deutschen Frauen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern. Die OECD lobte den Kurs der Bundesregierung, die Kinderbetreuung auszubauen, Väter zur Familienarbeit zu ermuntern und die kürzere Bezugsdauer des Elterngeldes, weil es die Frauen animiert, nicht zu lang aus dem Beruf auszusteigen - was wiederum ein Anreiz für Arbeitgeber ist, mehr Frauen einzustellen.

Harsche Kritik bekam explizit die Idee eines “Betreuungsgeldes”, für das sich die CSU seit der Diskussion um den Ausbau der Kinderbetreuung einsetzt. Sie fordert, dass Eltern, die ihre Kinder nicht in Krippen oder Kindergärten betreuen lassen wollen, dafür ein Ausgleichsgeld zu zahlen. Diese “Herdprämie” zementiert allerdings alte Geschlechterrollen: arbeitender Mann, Frau zu Hause bei den Kindern. Und genau dieses Modell fördert zum einen, dass von Frauen erwartet wird, dass sie zuhause bleiben und dass sie dadurch noch weniger durch Arbeitgeber gefördert werden. Zum anderen liegt das Risiko von Kinderarmut in Familien mit nur einem Verdiener höher, so das Ergebnis der OECD-Studie.

Mehr sexistischer Bürobedarf

Thursday, November 29th, 2007 von Susanne

Via feministing.com

Der Bleistiftspitzer war noch nicht der Höhepunkt, es geht noch ätzender.

Über femisting.com

Gaaahh!

Monday, November 26th, 2007 von Meredith

Charming, so humoristischer Sexismus. Frauen brauchen öfter mal was hinten reingesteckt, oder was? Schlechter geht’s nicht.

Über feministing.com

Was macht man mit Vergewaltigungsopfern? Na klar, auspeitschen!

Friday, November 23rd, 2007 von Meredith

Dass Saudi-Arabien für Frauen ein Gefängnis ist, wissen wir ja schon lange. So ist das nun mal mit Ländern, in denen religiöse Fundamentalisten regieren. Und doch schafft es Riad immer wieder, ungläubiges Entsetzen zu wecken. Offenbar werden dort Gesetze gemacht, um Frauen zu demütigen und zu foltern. Ein 19-jähriges Vergewaltigungsopfer ist von einem saudischen Gericht zu 200 Peitschenhieben und sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Sie war von sechs Männern aus einem Auto verschleppt und missbraucht worden. Ihr Verbrechen: Der Mann, neben dem sie im Auto saß, war weder ein Verwandter noch ihr Ehemann. Und das ist nach saudischem Recht strafbar.

Saudische Menschenrechtsaktivistinnen protestierten heftig gegen das Urteil und forderten, das Recht in Saudi-Arabien müsse dringend reformiert werden. In den USA hat jetzt Hilary Clinton das Thema aufgegriffen als Beispiel für George W. Bushs Vernachlässigung der Menschenrechtsthematik. Ist ja an sich auch sehr ehrenwert. Nur wollen wir erst einmal sehen, ob unter Clinton die Geschäftsbeziehungen zum Königreich Saudi-Arabien abgebrochen werden. Denn bisher war Öl noch immer mehr Wert als die Rechte von Menschen.

Frauenleben: 76 Prozent eines Männerlebens

Monday, November 19th, 2007 von Susanne

Das Weltwirtschaftsforum hat gerade den “Global Gender Gap Report 2007” veröffentlicht. Für diese weltweite Studie wird die wirtschaftliche und soziale Situation von Frauen und Männern des jeweiligen Landes verglichen. Die Forscher untersuchen vor allem vier Bereiche: 1. wirtschaftliche Teilhabe; 2. Möglichkeiten, politische Verantwortung zu übernehmen; 3. Zugang zu Bildung und 4. Gesundheit und Lebenserwartung.

Dabei soll ein Index verdeutlichen, wie unterschiedlich die Lebensumstände der Geschlechter sind und wie viel schlechter es Frauen im Vergleich zu Männern geht. Im internationalen Ranking landete Deutschland mit einem Index von 0,761 (1 = Gleichheit der Geschlechter) auf Platz 7, hinter Schweden, Norwegen, Finnland, Island, Neuseeland und den Philippinen. Zwar sind in 120 anderen Ländern die Lebensumstände für Frauen noch gravierender schlechter als für Männer, doch die Freude über einen Platz im Spitzenfeld wird getrübt beim Blick auf das vergangene Jahr: Da belegte die Bundesrepublik noch Platz 5. Neuseeland und die Philippinen haben also größere Fortschritte in Sachen Gleichberechtigung gemacht als wir.

Wer sich die genaue Analyse der Daten zu Deutschland anschaut (S. 83) entdeckt den schlechtesten Wert im internationalen Vergleich bei der Kluft zwischen Frauen- und Männergehältern. Mit einem Verdienst von 65 Prozent der Männergehälter liegt Deutschland in dieser Hinsicht auf dem miserablen Platz 71. Die Gründe für dieses schlechte Ergebnis sind vielfältig: hohe Zahl an Nur-Hausfrauen, schlechtere Bezahlung von Frauen in Unternehmen, riesiger Frauenanteil (96 Prozent) in der Teilzeitarbeit.

Abwarten, wie sich im nächsten Jahr die Kinderbetreuungs-Offensive der Bundesregierung auf diese Kluft auswirkt. Und bis dahin für gleiche Bezahlung kämpfen, schon morgen mit einem Gehaltsgespräch bei den Vorgesetzten.

Alarm: Die Moral-Apotheker kommen!

Wednesday, October 31st, 2007 von Meredith

Papst Benedikt hat katholische Apotheker dazu aufgefordert, die Pille Danach nicht mehr auszugeben. Auch wenn sie in ihren Heimatländern per Gesetz dazu verpflichtet seien, das Präparat zu führen, sollten sie sich auf die Verweigerung aus Gewissensgründen berufen. Darüber hinaus sollen Apotheker nach der Vorstellung Benedikts ihre Kunden über die ethischen Konsequenzen solcher Verhütungspräparate aufklären. Ich würde sagen, ein Apotheker, der lieber sein Christengewissen beruhigt, statt seine Kunden zu bedienen, sollte sich einen anderen Beruf suchen.

Vermutlich stellt er sich das vor wie in einigen US-amerikanischen Bundesstaaten: Dort haben christlich-konservative Apotheker sich so lange geweigert, Verhütungsmittel zu verkaufen, bis die Gesetzeslage zu ihren Gunsten geändert wurde. Mit der Folge, dass es an manchen Orten mittlerweile vollkommen unmöglich geworden ist, die Pille (und die Pille Danach) zu bekommen.

Hat der Vatikan eigentlich nichts besseres zu tun, als die Freiheit der Menschen zu sabotieren? Wenn er sich schon dazu berufen fühlt, die Pharmazie aufzumischen, sollte sich Benedikt lieber mal mit den Konzernen auseinandersetzen, die die Produktion generischer Medikamente in den armen Ländern blockieren. Damit würde er der Menschheit zur Abwechlung mal einen Gefallen tun.