Einträge mit dem Tag ‘Sarah Diehl’


Abtreibungen dürfen nicht tabuisiert werden

22. September 2011 von Magda

In einem kürzlich aufgezeichneten Interview beim Düsseldorfer Aufklärungdienst spricht Sarah Diehl, Autorin (u.a. “Deproduktion”) und Regisseurin des Doku­mentar­films “Abortion Democracy” über re­pro­duktive Rechte weltweit, den christlich-rechts­konser­vativen Einfluss auf das Thema Ab­treibung und illegalisierte Schwanger­schafts­ab­brüche. Diehl stellt fest, dass re­produktive Rechte heute leider nicht mehr sehr weit oben auf der Agenda vieler Feminist_innen stehen, getreu dem Motto “Das Thema interessiert uns nicht mehr so sehr, wir haben ja alles erreicht!”. Dass Abtreibungs­rechte in Deutsch­land allerdings immer noch ein­geschränkt sind, fasste Maria Wersig von Recht und Geschlecht letzte Woche anlässlich der “1000 Kreuze in die Spree”-Demonstration in einem Gastbeitrag beim Missy Magazin zusammen.

Fakt zum Thema Abtreibung ist: Jede dritte Frau weltweit nimmt mindestens eine Ab­treibung in ihrem Leben vor. Geschätzt 70.000 Frauen sterben jedes Jahr an ver­pfuschten Schwanger­schafts­ab­brüchen, weil ärztlich durch­geführte Ab­treibungen nicht erlaubt, verfügbar und/oder bezahlbar sind. Trotz der nie ver­schwinden Aktualität des Themas ist es tabuisiert und lebt von irre­führenden Mythen und Unwissen, so Diehl.

Die im Beitrag erwähnte Frauenkasse, die z.B. illegalisierten Frauen hilft bei Bedarf einen Schwangerschaftsabbruch zu finanzieren, sucht noch Helferinnen. Interessierte können sich bei sarah.diehl[at]yahoo.de melden.


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Abortion Democracy gucken

16. November 2009 von Helga

Seit einem Jahr tourt Sarah Diehl bereits mit ihrem Film Abortion Democracy: Poland/South Africa (siehe auch unser Interview mit ihr) über die Welt. Wer noch keine Gelegenheit hatte den Film zu sehen, kann dies nun nachholen. Bis Januar 2010 gibt es verschiedene Aufführungen in Deutschland:

18. November 2009 – Berlin
25. November 2009 – Berlin
26. November 2009 – Hamburg
14. Dezember 2009 – Jena
15. Dezember 2009 – Köln
1. Januar 2010 – Hamburg
12. Januar 2010 – Münster
14. Januar 2010 – Merseburg
26. Januar 2010 – Slubice (Polen)

Mehr Informationen und die Möglichkeit zur DVD-Bestellung gibt es auf abortion-democracy.de.


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“Abortion Democracy” im Kino

10. Juli 2009 von Barbara

Kinozeit:  Der Film Abortion Democracy: Poland/South Africa von Sarah Diehl (ein Interview mit ihr gibt es hier) wird am 14. Juli 2009 um 20 Uhr im Kino BABYLON in der Rosa-Luxemburg-Straße 30 in Berlin gezeigt.

Ein Film, der zum Nachdenken mehr als anregt – hinterher gibt es deswegen eine Diskussionsrunde mit der Regisseurin Sarah Diehl, Gisela Notz (Bundesvorsitzende pro familia e.V.) und Sybill Schulz (Familienplanungszentrum Berlin – Balance).


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Abortion Democracy

18. Dezember 2008 von Barbara

(c) Sarah DiehlSarah Diehl, geboren 1978, ist Dokumentarfilmerin und Autorin (ihr Buch „Brüste kriegen“ wurde 2004 im Verbrecher Verlag veröffentlicht). Sie hat in Eigenregie den Film „Abortion Democracy: Poland/South Africa“ gedreht. Ein Film, der sich einerseits an das Personal in Krankenhäusern wendet, „denn nur wenn diese Menschen Abtreibung als Menschen- und Frauenrecht wahrnehmen, werden Frauen auch Zugang zu einer sicheren Versorgung haben“. Daneben will sie die Politik erreichen, deutschlandweit sowie auf EU-Ebene und bei der UNO, damit die Perspektive der betroffenen Frauen gesehen wird und nicht nur auf einer rein theoretischen Ebene über Schwangerschaftsabbruch spekuliert wird, fern von den einzelnen Schicksalen.

Dein Dokumentarfilm „Abortion Democracy: Poland/South Africa“ ist gerade erschienen. Warum hast du dich auf die Länder Polen und Südafrika beschränkt?

Die beiden Länder stehen exemplarisch dafür, wie unterschiedlich Frauenrechte in einer Demokratie beurteilt werden: Die Solidarnosc-Regierung in Polen hat Anfang der neunziger Jahre Abtreibung fast vollständig illegalisiert, da sie sich somit die Unterstützung der katholischen Kirche sichern wollte. Südafrika hat Abtreibung im Zuge der Reform des Gesundheitssystems nach dem Ende der Apartheid legalisiert, da sie die Ungerechtigkeit und Notwendigkeit gerade für arme Frauen anerkannten.

Das Interessante ist, dass die Zahl der Abtreibungen und der Zugang zu sicheren Eingriffen nicht nur damit zusammenhängen, ob Abtreibungen legal oder illegal sind. In Polen ist es etwa trotz der Strafbarkeit relativ leicht, an eine illegale aber sichere Abtreibung zu kommen: Für ein entsprechend hohes Honorar bieten viele Ärzte – die deshalb auch ein großes Interesse haben, dass Abtreibung illegal bleibt und sich auch öffentlich gegen Abtreibung aussprechen – den Eingriff an. In Südafrika, wo Abtreibungen dagegen offiziell legal sind, haben es Frauen oft schwer, Zugang zu Informationen und sicheren Eingriffen zu bekommen, weil die Mentalität des Gesundheitspersonals nach wie vor konservativ und wertend ist und die Gesundheitsversorgung allgemein sehr schlecht ist.

Bei meiner Recherche habe ich erkannt, dass nur ein fundamentaler Wandel der Einstellung zu Abtreibung und Verhütung sicherstellen kann, dass Frauen tatsächlich die Möglichkeit haben, sich für oder gegen eine Schwangerschaft zu entscheiden. Wenn Ärzte sich aus moralischen Gründen weigern, den Eingriff durchzuführen oder die Pille herauszugeben, hilft auch eine gesetzliche Legalität des Abbruchs nicht. Außerdem wird Abtreibung oft von politischen Parteien instrumentalisiert, um Wählerstimmen zu bekommen, – das passiert vor allem in Nord- und Südamerika ganz massiv – denn es ist immer leicht sich als „Lebensschützer“ zu inszenieren, wenn man die Perspektive und das Leiden der Frauen verschweigt.

Viele Frauen kommen in deinem Film zu Wort und sprechen vor der Kamera über ihre Erlebnisse und Erfahrungen. Du betonst „the importance to speak out“ – welche Öffentlichkeit hat das Thema Schwangerschaftsabbruch derzeit? Und wie vergleichst du die Öffentlichkeit in Deutschland damit?

Zwar war Abtreibung ein Hauptmotiv für die westliche Frauenbewegung in den sechziger und siebziger Jahren, aber seither ist es relativ still darum geworden. Sogar Anfang der neunziger Jahre, als in Deutschland das Gesetz im Zusammenschluss von Ost- und Westdeutschland zwischen den Parteien neu ausgehandelt wurde, gab es kaum feministische Mobilisierung für eine komplette Legalisierung des Abbruchs. Abtreibung ist hier immer noch illegal aber geduldet, deshalb kann der Zugang dazu willkürlich erschwert werden. Die Zwangsberatung stellt in dem Zusammenhang ein großes organisatorisches Problem gerade im ländlichen Gebiet dar. Außerdem müssen jährlich noch etwa 1300 deutsche Frauen nach Holland reisen, um eine sichere Abtreibung zu bekommen und es gibt auch hier viele Fälle, wo arme und illegalisierte Frauen versuchen, selbst einen Abbruch vorzunehmen, was schlimme gesundheitliche Risiken birgt.

Ich denke, es muss genau im Auge behalten werden, wie sich bereits international vernetzte Abtreibungsgegner auch hier organisieren und versuchen, die Diskurshoheit über Abtreibung zu gewinnen. Gerade wurde ein Urteil des Bundesgerichtshofes gefällt, das besagt, dass ein Arzt einer Abtreibungsklinik als „Tötungsspezialist für ungeborene Kinder“ bezeichnet werden darf. Eine städtische Klinik in Passau stellt Ärzte nur an, wenn diese ein Dokument unterschreiben, das besagt, dass sie niemals Abbrüche vornehmen würden. Gerade wird ein neues Gesetz zur Spätabtreibung verhandelt, das auch Abtreibung allgemein in Frage stellen wird. Und in mehreren deutschen Großstädten gibt es jedes Jahr immer größere Demonstrationen von sogenannten „Lebensschützern“.

Abtreibung ist ja doch ein Evergreen-Thema für Feministinnen. Wie sollte der Schwangerschaftsabbruch deiner Meinung nach geregelt werden?

Leider ist Abtreibung keineswegs ein Evergreenthema für Feministinnen. Auch heute ist das Thema kaum noch präsent, was meiner Vermutung nach zwei Gründe hat:
Erstens fokussieren sich feministische Gruppen oder die Gender Studies entweder auf Identitätspolitik oder auf die Dekonstruktion von Geschlecht. Dabei wurde bisher außer Acht gelassen, dass sich Themen wie Abtreibung oder Verhütung sehr wohl anbieten, Geschlechterkonstruktionen zu hinterfragen. Die Institution der Heterosexualität bezieht ihre natürliche Legitimation vor allem aus der zweigeschlechtlichen Reproduktion. Diese zu unterlaufen, die gesellschaftliche Konstruktion von Mütterlichkeit und Väterlichkeit zu hinterfragen und sich dem ‚natürlichen’ Schicksal durch einen Schwangerschaftsabbruch zu verweigern, sind für die Dekonstruktion der Kategorie Gender sehr hilfreiche Tools. Aber wenn es bei feministischen Themen um sexuelle Selbstbestimmung geht, wird der Schwangerschaftsabbruch da leider oft nicht mehr mitgedacht. Schwangerschaft und Abtreibung werden oft leider als Thema des Second Wave- und des Differenzfeminismus abgehakt. Zudem wird das unter jungen Feminist/innen populärere Queering normalerweise mit der Überschreitung der Geschlechtergrenzen zwischen männlich und weiblich und mit offen zur Schau gestellter sexueller Nonkonformität verbunden – und nicht mit einer heimlichen Verweigerung innerhalb einer Geschlechterrolle.

Zweitens glaube ich, dass Frauen suggeriert wird, dass sie nun besser mal Ruhe geben und vor allem nicht mehr auf das moralische Recht auf den Abbruch beharren sollten, so dass sie sich nicht mehr trauen, ein so tabuisiertes Thema offen anzusprechen und auf die ganzen Probleme der neutralen Informationsbeschaffung, der Organisation und des Zugangs zu Abbrüchen hinzuweisen. Die meisten westlichen Frauen denken eben, sie kriegen schon irgendwie einen Abbruch, wenn sie einen brauchen und wollen sich mit diesem stigmatisierten Thema nicht weiter befassen. Dabei vergessen wir auch gerne unsere Schwestern aus dem Süden, ebenso wie arme, ungebildete und illegalisierte Frauen: Weltweit stirbt laut WHO alle sieben Minuten eine Frau an einem unsicheren, weil illegalen Abbruch. Dies bezeugt nur, wie groß der soziale und ökonomische Druck für Frauen bei einer ungewollten Schwangerschaft ist: Die Frauen riskieren alles dafür. Sexualität lässt sich nicht vollkommen disziplinieren, vor allem nicht wenn die Verantwortung dafür immer noch auf Frauen abgewälzt wird und auch bei gewissenhafter Verhütung kann es zu Pannen kommen. Da Frauen immer der Willkür von Gesundheitspersonal und Politikern ausgesetzt sind, denke ich ist es sogar notwendig ein Recht auf Abtreibung zu formulieren und es endlich aus dem Strafgesetzbuch rauszuholen.

„Abortion Democracy: Poland/South Africa“. Deutschland 2008. Regie: Sarah Diehl. 50 Min. Infos, Bilder und Aufführungstermine unter www.abortion-democracy.de; dort gibt es auch die Möglichkeit, den Film auf DVD zu kaufen.


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