Einträge mit dem Tag ‘Sara Ahmed’


Wie können wir ein feministisches Leben leben?

15. März 2017 von Charlott
Dieser Text ist Teil 126 von 128 der Serie Die Feministische Bibliothek

Alle Jahre (Monate) wieder geht ein Quiz um, was ungefähr wie folgt aufgebaut ist. Frage: Findest du, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sein sollten? Wenn du auf „Ja“ klickst, wird dir gratuliert. Toll, du bist Feminist_in! (Eine andere Variation gibt es auf Are you a feminist?) Menschen schicken sich diese Tests zu. „Siehst du, du bist doch auch Feminist!“ Der Test ist leichtverdaulich, für Menschen, die nah an der Norm sind. Der Test tut kaum weh – jedenfalls nicht den vorherrschenden Machtverhältnisse, denn in dieser einfachen Frage werden eine ganze Reihe von gefährlichen und gewaltvollen Annahmen und Normen reproduziert: Frauen werden in Bezug auf Männer gesetzt, Zweigeschlechtlichkeit bleibt unangetastet und „Gleichberechtigung“ übertüncht auch schnell wirkliche Macht- und Gewaltfragen. Was ist der Effekt dieses Tests? Mobilisiert er Menschen? Eher nicht, stattdessen können Leute zurück auf das Sofa fallen und sich auf die Schulter klopfen: Ich bin sogar voll feministisch (und im Hintergrund summen Annahmen wie „Ich bin sogar voll feministisch, dafür muss man(n) nämlich gar nicht so militant, männerhassend, humorlos, krass, etc. sein“). Ist es ein feministisches Leben, wenn einfach dieser Quiz-Prämisse zugestimmt wird und weitergelebt wird?

Sara Ahmeds neustes Buch Living a Feminist Life geht der Frage nach, wie denn ein feministisches Leben aussehen kann. Dankenswerterweise aber macht sie gleich zu Beginn deutlich: Ein feministisches Leben rüttelt an vielen Gesellschaftsnormen und greift unterschiedliche Machtverhältnisse und deren Verknüpfungen an. Mit einem einfachen „Ja ja, Männer und Frauen sollen voll gleiche Rechte haben.“ möchte sie sich gar nicht mehr auseinandersetzen. Sie wendet sich bewusst an die humorlosen (oder besser als humorlos verstandenen) Feminist Killjoys, einen Begriff den Ahmed vor Jahren prägte. Die Grundannahme des Buchs macht sie in der Einleitung deutlich: Der Feminismus, um den es ihr geht, setzt sich auseinander mit Heterosexismus, Cissexismus, Rassismus und anderen Diskriminierungsformen. Sie schreibt:

Eine Feminist_in bei der Arbeit zu sein handelt davon (oder sollte davon handeln), wie wir gewöhnlichen und alltäglichen Sexismus, inklusive akademischen Sexismus, anfechten. Das ist nicht optional: Das ist es, was Feminismus feministisch macht. Es ist ein feministisches Projekt Wege zu finden, in denen Frauen in Bezug auf Frauen existieren können; wie Frauen in Beziehung zu einander sein können. Es ist ein Projekt, weil wir noch nicht da sind. […] Wie können wir die Welt zerlegen, die so aufgebaut ist, dass sie nur manche Körper fasst? Sexismus ist ein solches Fassungs-System. Feminismus erfordert Frauen dabei zu unterstützen, in dieser Welt zu existieren. […] Teil der Schwierigkeit der Kategorie Frau ist, was daraus folgt sich in dieser Kategorie zu befinden, und ebenfalls was daraus folgt sich nicht in dieser Kategorie zu befinden aufgrund des Körpers, den du dir aneignest, dem Begehren, welches du hast, den Wegen, denen du folgst oder nicht folgst. Gewalt kann auf dem Spiel stehen, wenn man als Frau erkannt wird; Gewalt kann auf dem Spiel stehen, wenn man nicht als Frau erkennbar ist.

Ahmed offeriert keine einfachen Antworten, kein „du denkst a, also bist du b“. Vielmehr geht es um die Erfahrungen und Tätigkeiten (aus denen wieder neue Erfahrungen erwachsen), die Feminist_in-Sein immer wieder herstellen. Sie gibt also keine simple Gebrauchsanleitung an die Hand, sondern beschreibt, lässt Gedanken wandern, stößt Gedanken an. Das Buch ist nach der Einleitung in vier weitere Teile aufgeteilt. Zunächst schreibt Ahmed in „Becoming Feminist“ über die Wege, die dazu führen sich feministisch zu positionieren, feministisch zu handeln und die Welt durch eine feministische Analyse-Linse wahrzunehmen. Im nächsten Teil („Diversity Work“) geht es konkret um „Diversitäts-Arbeit“, zum einen von Personen, die beispielsweise in Universitäten dazu konkret beauftragt sind, zum anderen aber auch um die alltägliche „Diversitäts-Arbeit“, die Menschen verrichten, die sich in Räumen aufhalten, deren Normen sie nicht (ganz) erfüllen. Im dritten Teil („Living the Consequences“) dann geht es Ahmed um die Konsequenzen im weitesten Sinne, die es hat oder haben könnte ein feministisches Leben zu führen. Anstatt einer einfachen Schlussfolgerung bietet Ahmed gleich zwei Dinge in ihrem letzten Kapitel an: Ein Überlebenskit für Feminist Killjoys und ein Killjoy Manifesto.

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Stiftung Zurückgeben, Rücktritt von Sara Ahmed und feministische Ideen zum Internet – kurz verlinkt

2. Juni 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 318 von 351 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Sankofa, eine neugegründete bilinguale Berliner Kita für Kinder zwischen 1 und 6 Jahren, die sich insbesondere für die Bedürfnisse von Kindern afrikanischer Herkunft einsetzt, ist auf der Suche nach Sponsoren und Spenden: Jede kleine Spende ist gern gesehen!

Im Auftrag des unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus des Deutschen Bundestages wird derzeit eine deutschlandweite Onlinebefragung durchgeführt. Es geht um die Frage, wie Jüdinnen_Juden in Deutschland aktuell die Stimmung einschätzen und inwieweit sie gegebenenfalls Feindlichkeit wahrnehmen und erleben. Die Umfrage richtet an die jüdische Bevölkerung ab 16 Jahren, die überwiegend in Deutschland ihren Lebensmittelpunkt hat.

Erneut unterstützt die Stiftung ZURÜCKGEBEN künstlerische und wissenschaftliche Vorhaben jüdischer Frauen. Jüdische Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen, die ihren Wohnsitz in Deutschland haben, können sich ab sofort für den Förderpreis 2016 der Stiftung bewerben. Die Bewerbungsfrist endet am 31. Juli 2016.

Als am 30. Mai auf einer Fachveranstaltung der SPD Bundestagsfraktion über das geplante Bundesteilhabegesetz diskutiert wurde – wie zumeist ohne Menschen, die von diesem Gesetz direkt betroffen sind, nahmen Sigrid Arnade und Raul Krauthausen die Bühne ein und fragten „Für wen ist dieses Gesetz eigentlich?“:

Die österreichische Hochschulschüler_innenschaft hat ein Positionspapier zum Umgang mit Geschlechtseintrag und Namen von inter* und trans Personen an Hochschulen verfasst. Auf dem Tumblr NaGeH, dem dazugehörigen Twitter-Account und unter dem Hashtag #NaGeH werden zu dem Erfahrungen von inter* und trans Personen geteilt.

Im Sommer geht Women in Exile wieder auf Bootstour, um auf die anhaltende Forderung zur Abschaffung der Lager für Geflüchtete hinzuweisen. Im Missy Magazine schreibt die Gruppe über die Idee der Tour, geplante Aktionen und Hintergründe.

Englischsprachige Links

Professorin für Race and Cultural Studies Sara Ahmed verlässt die Goldsmiths Universität in London: „Sometimes we have to leave a situation because we are feminists.“

Mashable berichtet über die neue Kollektion von Bindern der LGBTQ-geführten Firma GC2b, die es nicht nur in den Größen XXS bis 5XL gibt, sondern auch noch in fünf verschiedenen Hauttönen von hellem beige zu dunklem braun.

GenderIT hat eine Ausgabe zusammengestellt, die sich mit „Feminist Principles of the Internet“ beschäftigt ausgehend von Diskussionen der Konferenz „Imagine a Feminist Internet“, die 2014 in Manila stattgefunden hatte. Im Editorial guckt Dhyta Caturani auf die Ergebnisse dieser Konferenz und was seit dem geschah. Carolin Tagny schreibt zu „Feminism online in West and Central Africa: Identities and digital colonisation„, Florencia Goldsman zu „The Do-It-Yourself Feminist Internet: Cyber feminist actions from Latin America“ und Anita Gurumurthy mit Nandini Chami zu „Data: The new four-letter word for feminism„.

Termine in Augsburg und Berlin
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