Einträge mit dem Tag ‘Sandrine Micossé-Aikins’


Ein Buch nach dem anderen: 10 Schwarze Autor_innen zum Black History Month

10. Februar 2015 von Charlott
Dieser Text ist Teil 94 von 99 der Serie Die Feministische Bibliothek

Februar ist Black History Month und könnte als Anlass genommen werden, noch mehr Bücher von Schwarzen Autor_innen auf die Leseliste zu setzen (denn diese sollten selbstverständlich das ganze Jahr über gelesen werden). Zur Inspiration habe ich hier eine Liste mit 10 Büchern von 10 Autor_innen zusammengestellt – eine Mischung mit Lyrik, Autobiographie, Essays, Drama und Romane, mit Klassiker_innen und eher neuen Erscheinungen. Ergänzt doch eure liebsten Bücher in den Kommentaren!

126381Chimamanda Ngozi Adichie – Purple Hibiscus
Spätestens seit Beyoncé in ihrem Song “Flawless” einen Teil der Rede “We should all be feminists” von Adichie einband, ist die nigerianische Schriftstellerin den meisten ein Begriff. Ihr letzter Roman Americanah, der auch bereits ins Deutsche übersetzt wurde, war außerdem ein riesiger Erfolg. Aber Adichie hat auch bereits zuvor wichtige Bücher veröffentlicht, wie den Biafra-Kriegs-Roman Half of a Yellow Sun oder ihr Debüt Purple Hibiscus aus dem Jahr 2003. Der Roman folgt der 15-jährigen Kambili, die durch einen Aufenthalt im Haushalt ihrer Tante Ifeoma lernt sich gegen ihren gewalttätigen, katholischen Vater aufzulehnen.

51C56FGR8PLAma Ata Aidoo – Anowa
Ama Ata Aidoo kann dieses Jahr ihren 75. Geburtstag feiern. Seit den 1960ern schreibt und veröffentlicht sie Theaterstücke, Gedichte und Prosa. Darüber hinaus gründete sie vor 15 Jahre in Ghana die Mbaasem Foundation, um andere afrikanische Autorinnen zu unterstützen. (Die dort veröffentlichte Liste mit Autorinnen ist zu dem ein super weiterer Einstiegspunkt, wenn eine auf der Suche nach neuer Lektüre ist.) Das Theaterstück Anowa spielt im Jahr 1874 vor dem Hintergrund fortschreitender Kolonisierung afrikanischer Gebiete, hier konkret Regionen im heutigen Ghana, und Versklavungshandel. Die titelgebende Protagonistin Anowa versucht in diesem historischen Setting ihren eigenen und zunächst eigenwilligen Weg zu gehen – und scheitert doch zuletzt.

41Z1Tea6qkL._SY344_BO1,204,203,200_May Ayim – blues in schwarz weiß
May Ayims wegweisender Gedichtband blues in schwarz weiß, der vor 20 Jahren erschien, hat in seinen Beobachtungen zu Rassismus, der deutschen Gesellschaft ™ und zwischenmenschlichen Begegnungen nichts an Aktualität eingebüßt. Doch ist Lyrik – auch wenn sie dezidiert politisch/ gesellschaftskritisch ausgerichtet ist – mehr als nur die inhaltliche Aussage und Ayims Gedichte überzeugen so auch immer durch ihre klare Sprache, geschickt entlarvende Wortspiele und einen hineinziehenden Rhythmus. Im Jahr 2013 erschien mit Weitergehen ein Band, wo die Gedichte aus blues in schwarz weiß und nachtgesang gesammelt erschienen. Über ihre Lyrik hinaus gelten absolute Empfehlungen für die von May Ayim mitherausgegebenen Werke Farbe bekennen. Afro-Deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte so wie Entfernte Verbindungen. Rassismus, Antisemitismus, Klassenunterdrückung.

MARIAMA-BA-UNE-SI-LONGUE-LETTREMariama Bâ – Une si longue lettre
Der Roman um die Protagonistin Ramatoulaye gehört sicher zu den Klassikern der afrikanischen feministischen Literaturen. Der Roman ist in Briefform gehalten. Ramatoulaye schreibt an ihre Freundin Aissatou Bâ anlässlich des Todes ihres Ehemanns. Im Verlauf des Texts beschreibt sie nicht nur die Umstände seines Todes, sondern blickt auf ihr eigenes Leben, ihre Umgänge mit und nach und nach Überschreitungen von patriachalen Grenzziehungen zurück. Das Buch ist unter Ein so langer Brief auch in deutscher Übersetzung erschienen.

9783942885317Sandrine Micossé-Aikins – The Little Book of Big Visions. How to be an Artist and Revolutionize the World
Das mit gemeinsam mit Sharon Dodua Otoo herausgegebene Buch war das erste in der Reihe “Witnessed”. (In dieser sind mittlerweile auch noch eine Reihe anderer Werke erschienen, wie z.B. der Fotoband Daima – Images of Women of Colour in Germany von Nzitu Mawakha.) In The Little Book of Big Visions geht es um die Un_Möglichkeiten des Kunstschaffens in Deutschland aus der Perspektive Schwarzer Künstler_innen. In Essays und Interviews nähern sich unterschiedliche Künstler_innen/ Autor_innen den Strukturen, Rezeption und Ästhetiken an. Etwas ausführlicher besprach ich das Buch bereits bei seinem Erscheinen in 2012.

janet-mock-book-coverJanet Mock – Redefining Realness
In ihrer ausführlichen Besprechung hier bei uns schrieb Magda: “Auf etwas mehr als 250 Seiten präsentiert Mock eng verknüpft mit ihrer Lebens­geschichte eine Gesellschafts­analyse, die die mit­einander verwobenen Macht­verhältnisse leicht verständlich erklärt und diskutiert, ohne die individuelle Handlungs­fähigkeit aus dem Blick zu verlieren. Mock verschmilzt ihre bisherige Lebens­geschichte und ihre Visionen mit Schwarzen feministischen Theorien und nimmt immer wieder Bezug auf Autor_innen und Aktivist_innen wie zum Beispiel Audre Lorde oder Zora Neal Hurston. Und Jugend-Freund_innen wie Wendi Miyake, Make-Up-Artistin und Inspiration für Mock.”

51i-Ue-QrmLToni Morrison – Playing in the Dark: Whiteness and the Literary Imagination
1993 erhielt Toni Morrison den Literatur-Nobelpreis. Zu ihren bekanntesten Romanen gehören The Bluest Eye, Song of Solomon und Beloved. Im April wird ihr 11. Roman God Help the Child erscheinen. Doch neben Romanen schreibt Morrison auch Kinderbücher, Kurzgeschichten, Theaterstücke und nicht-fiktionale Texte. Warum sich also nicht auch mal letzterem hinwenden?! In Playing in the Dark, ihrem Werk aus dem Jahr 1992, zeichnet Morrison nach wie in literarischen Werken weißer us-amerikanischer Autor_innen race (und vor allem die “Africanist presence”) eine wesentliche, wenn auch häufig unbenannte Rolle spielt und wie so eine weiße amerikanische Identität konstruiert wird. Ein Paradabeispiel dafür, wie kritische Literaturanalyse aussehen könnte.

Notre-Dame-du-NilScholastique Mukasonga – Notre-Dame du Nil
Scholastique Mukasonga ist eine ruandische Schriftstellerin und Notre-Dame du Nil ihr vierter von fünf Romanen. Sie wurde für diesen 2012 auch mit dem prestigeträchtigen Prix Renaudot ausgezeichnet. Der Roman spielt in den 1970er Jahren in einer christlichen Mädchenschule in Ruanda. Dort treffen die Töchter der ruandischen Elite aus Militär und Politik auf Mädchen aus bäuerlichen Familien. Als zur Weihung einer neuen Marienstatue die miliante Ruandische Jugend eingeladen wird, eskalieren bereits brodelnde Konflikte. Mukasonga entwirft einen Mikrokosmos, der seinen Schatten auch voraus auf den kommenden Genozid 1994 wirft. Das Buch erschien auch unter Die heilige Jungfrau vom Nil in deutscher Übersetzung.

515RwbHHzQL._SY344_BO1,204,203,200_Peggy Piesche – Euer Schweigen schützt Euch nicht: Audre Lorde und die Schwarze Frauenbewegung in Deutschland
Erst vor kurzem fand in Berlin eine Konferenz statt, die sich den Berliner Jahren (und deren Nachwirkungen) von Audre Lorde widmete. Unter der Überschrift „Schwarze, Lesbe, Mutter, Kriegerin, Poetin“ berichtete Sharon Dodua Otoo ausführlich beim Tagesspiegel. (Nicht nur) Zu diesem Anlass lohnt es sich auch den von Peggy Piesche herausgegebenen Sammelband Euer Schweigen schützt euch nicht, der 2012 anlässlich des 20. Todestages von Lorde erschien, in die Hand zu nehmen. In diesem erinnern sich Wegbegleiterinnen und nähern sich Aktivistinnen an Lordes Schaffen und bis heute spürbaren Einflüsse an.

images.cgiYvonne Vera – Butterfly Burning
Dieses Jahr jährt sich bereits zum 10. Mal der Tod der großartigen simbabwischen Schrifstellerin Yvonne Vera, die leider mit gerade einmal 40 Jahren verstorben war. Hinterlassen hat sie neben von ihr herausgegeben Anthologien fünf faszinierende Romane, die allesamt einen Blick wert sind. In für Vera typischer lyrischer und symbolträchtiger Art und Weise folgt der Roman seiner Protagonistin Phephelaphi, die versucht in den 1940ern beschränkt durch koloniale und patriachale Strukturen trotzdem ihr Leben zu gestalten.


Facebook | |


Antirassistischer Kulturherbst

9. September 2014 von Nadine

Ab Mitte September finden in Berlin einige Veranstaltungen statt, die antirassistische Perspektiven mit Kunst und Kultur verbinden. Nach wie vor ist die hiesige Kunst- und Kulturlandschaft westlich, eurozentrisch und weiß(deutsch) geprägt und strukturiert, insofern verstehe ich die nachfolgend aufgelisteten Events auch als Widerstand und Intervention in diesen Normalzustand, ganz gleich, ob die Veranstaltungen diesen vordergründig zum Thema machen oder nicht.

Wenn es Veranstaltungen in eurer Umgebung mit ähnlichen Schwerpunkten oder Perspektiven gibt, dann postet sie doch in die Kommentare und ich ergänze die Übersicht von Zeit zu Zeit!

Frauenkreise Berlin: Kunst als Ort der Selbstermächtigung und des Widerstands. Perspektiven Schwarzer Frauen*, Frauen* of Color und Frauen* mit Migrationsgeschichte
Veranstaltungsreihe vom 11.9. bis 4.12.2014. Der Verein schreibt über die Reihe: “Welche Rolle spielen Kunst und künstlerisches Schaffen innerhalb von Prozessen der Identitätsverhandlungen und des Empowerments? Wie kann die Produktion und Darstellung von Kunst eingesetzt werden, um auf gesellschaftliche Dominanz- und Machtverhältnisse aufmerksam zu machen, auf diese Einfluss zu nehmen und als widerständiges Mittel fungieren, um ihnen entgegen zu wirken? In wie weit kann durch Kunst Solidarität hergestellt und Differenzen überwunden werden, und welche Bedeutung haben Kunst und ‘Kultur’ für aktuelle politische Widerstandsbewegungen?”

Zur Eröffnung der Reihe wird am Donnerstag die Dokumentation “A litany for survival” gezeigt, die das Leben und Schaffen der Dichterin und Aktivistin Audre Lorde nachzeichnet. Vorgestellt den gesamten Herbst über Arbeiten, Aktivitäten und Performances von Alisa Anh Kotmair, dem JugendtheaterBüroBerlin und dem Bündnis kritischer Kulturpraktiker*innen, Moona Moon, Azadê, Sarah Mouwani und Bahati, Oxana Chi und Layla Zami und Branwen Okpako.
Das gesamte Programm findet ihr hier zum Download oder auf der Webseite von Frauenkreise

Ballhaus Naunynstrasse: Rassismus im Kulturbetrieb
Am 18. September beschäftigt sich das Ballhaus mit den Herausforderungen und Perspektiven für ein diskriminierungsfreies Theater: Aus dem Ankündigungstext: “Kultur wird meist als rassismusfreie Zone gedacht – besonders im Land der Denkerinnen und Dichter. Dabei reicht schon der Blick auf das deutsche Gegenwartstheater, um die Widersprüche in diesem Selbstbild zu sehen. […] In den letzten Jahren haben postmigrantische KulturarbeiterInnen und AktivistInnen of Color unhinterfragte institutionelle Arbeitsweisen und künstlerische Konventionen aus rassismuskritischen Perspektiven problematisiert. Trotzdem hat sich an den Strukturen bisher wenig geändert.” Was zu ändern wäre und wie das passieren kann, darüber diskutieren am 18. September u.a. Sandrine Micossé-Aikins, Kien Nghi Ha, Azadeh Sharifi

Sophiensaele: Simone Dede Ayivi – Performing back
Simone Dede Ayivi ist Theaterarbeiterin in den Feldern Regie, Dramaturgie und Performance. Letztes Jahr veröffentlichte sie im Tagesspiegel und auf der Mädchenmannschaft einen Text zur Debatte um rassistische Begriffe in Kinderbüchern. Mit ihrer aktuellen Produktion “Performing Back” widmet sich Ayivi Fragen von Erinnerung und begibt sich dabei auf eine Expedition in die Kolonialgeschichte – auch die der eigenen Familie. Vom 19.-22. September jeweils um 21 Uhr in den Berliner Sophiensaelen.

Frauenzentrum Schokofabrik: Lesung “Amon – Mein Großvater hätte mich erschossen”
Jennifer Teege erfährt mit Ende 30, dass ihr Großvater Amon Göth war – SS-Offizier und Kommandant im Konzentrationslager Płaszów bei Krakau und verantwortlich für die Ermordung von mindestens 10.000 Menschen. Davor lebte und studierte sie viele Jahre in Israel. In ihrer Biografie verarbeitet Teege ihre Familiengeschichte. Lesung und anschließendes Gespräch finden am 19.9. um 19 Uhr statt. Die Autorin liest nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen Städten.


Facebook | |


The Little Book Of Big Visions

14. Dezember 2012 von Charlott
Dieser Text ist Teil 66 von 99 der Serie Die Feministische Bibliothek

Im Oktober erschien “The Little Book of Big Visions. How to be an Artist and Revolutionize the World”, zu deutsch etwa Das kleine Buch von großen Visionen. Wie Künstler_in sein und die Welt revolutionieren. Das von Sandrine Micossé-Aikins und Sharon Dodua Otoo herausgegebene Buch ist das erste in der neuen Reihe “Witnessed” bei edition assemblage. Ein Anteil des Buches wurde über so genanntes crowdfunding, also der Unterstützung potentieller Leser_innen, bei startnext.de finanziert. Dort beschrieb Sharon Dodua Otoo auch die Zielsetzung der Buchreihe:

In dieser Kollektion fiktionaler und nichtfiktionaler Arbeiten geben Autor_innen der afrikanischen Diaspora, die in Deutschland leben (oder gelebt haben) und in englisch-sprachigen Ländern lebten (oder leben) Zeugnis über die Erfahrung in Deutschland Schwarz zu sein. Somit wird englischsprachigen Leser_innen ein Einblick in die Lebensrealität dieser Schwarzen Autor_innen gewährt.

Wer_welche noch ein Weihnachtsgeschenk sucht, oder selbst noch einen Wunsch offen hat: Ich möchte dieses Buch allen, die Englisch können, schwer ans Herz legen.

(mehr …)


Facebook | |



Anzeige