Einträge mit dem Tag ‘Russland’


Plus-Size-(Role)-Models, Anti-Terror-Kämpferinnen und Ghostbusters-Panik – kurz verlinkt

4. Februar 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 271 von 362 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Der Februar ist Black History Month (Monat der Schwarzen Geschichte). Black History Month Hamburg hat ein Veranstaltungsprogramm zusammengestellt, von (Kinder-)Parties über Lesungen/Poetry Slams hin zu Diskussionsveranstaltungen. Auch die Werkstatt der Kulturen in Berlin bietet ein abwechslungsreiches Black-History-Month-2015-Programm für Menschen jeden Alters.

„Hier findet gerade eine humanitäre Krise statt, die von der Aussenwelt nicht beachtet wird“: tagesschau.de zeigt einen kurzen Videobericht zum Leiden der Menschen, die in Borno, Nigeria, vor Boko Harams Terror flüchten mussten.

FrauTV veröffentlichte eine Online-Multimedia-Reportage zum Thema „Die neue Familie“.

„Richard von Weizsäckers Rede kam damals spät, war aber richtig. Bedrückend bleibt, dass sie zum Anfang des deutschen Sündenstolzes wurde, der sich zwar zu den Verbrechen bekennt, daraus jedoch Selbstgefälligkeit ableitet“: Annetta Kahane schreibt in der Berliner Zeitung zum 30-jährigen Jubliäum der „Befreiungs“-Rede des kürzlich verstorbenen Bundespräsidenten a.D., Richard von Weizsäcker.

Fluss e.V. Freiburg, die ehrenamtlich Bildungsarbeit zu Geschlecht und sexueller Vielfalt leisten, braucht Unterstützung: Bis heute Abend könnt ihr dem Verein eure Stimme geben bei der Online-Abstimmung im Rahmen des Freiburger Beteiligungshaushalts. Dafür muss man sich registrieren, aber nicht in Freiburg wohnen. Fluss e.V. ist der Vorschag Nr. 144 und freut sich über ein virtuelles „Daumen hoch“.

Die alleinerziehende Suzana S. und ihre fünf Kinder wurden in Deutschland geboren. Nun will sie der Landkreis Emsland in Niedersachsen abschieben,“ nach 28 Jahren – die taz berichtet.

Englischsprachige Beiträge

Schwarze Künstler_innen in den USA erklärten den Februar zum Black Future Month: Hier seht ihr eine Zusammenstellung von AfroFuturistic Videos, unter anderem mit Missy Elliott, TLC, Janet Jackson und Kelis.

Tess Munster, die Kleidergröße 54 trägt, wurde letzte Woche offiziell von einer Modelagentur unter Vertrag genommen – ein Affront für Körpernormierungs-Fans. Der dickenfeindliche Hass, der ihr (und anderen dicken_fetten Menschen) entgegenschlägt, und was dieser mit dem eigenen Leben von Dickenhasser_innen zu tun haben könnte, wird bei The Militant Baker analysiert.

Ein sexistischer, dickenfeindicher Nachruf einer australischen Zeitung auf die Schriftstellerin und Wissenschaftlerin Colleen McCullough wurde letzte Woche oft und treffend kritisiert. Die Washington Post hat  im Gegenzug ein paar satirische Nachrufe auf berühmte Männer veröffentlicht.

„Ain’t Afraid Of Ghosts. Terrified of Women.“ Shakesville kommentiert sexistische Reaktionen auf die nun offizielle Nachricht, dass vier Frauen – Leslie Jones, Melissa McCarthy, Kristen Wiig und Kate McKinnon – die Hauptrollen in einem neuen Ghostbusters-Film spielen werden. Auch Jezebel lässt sich diese Satire-Möglichkeit nicht entgehen.

Im Guardian interviewt Mona Mahmood vier kurdische Familien und erinnert an die Frauen, die im Kampf gegen IS in Kobane starben.

Ebenfalls im Guardian schreibt Jessica Valenti dazu, wie Sexismus Frauen körperlich und psychisch krank mache.

Der nigerianische Unternehmer Taofick Okoya hat Schwarze Puppen entwickelt, deren Verkaufszahlen weiße Barbies weit hinter sich lassen, und die Schwarze Kinder empowern sollen: Die „Queens of Africa.“

African Women in Cinema Blog stellt die Filme und Filmemacherinnen des pan-afrikanischen Filmfestivals FESPACO vor, das 2015 das 24. Jubliäum feiert und vom 28. Februar bis 4. März in Burkina Faso stattfindet.

entirely amelia kritisiert Jill Soloway, die noch im Januar für ihre Serie „Transparent“ einen Golden Globe gewann und nun bei Facebook einen cissexistischen Eintrag zu Bruce Jenner veröffentlichte.

Küssen als Protest? Zwei russische Aktivistinnen zeigen wie’s geht.

Termine in Berlin und Halle

Berlin 07.02. 2015, 18:00 Uhr, Baiz (Christinenstr.): Infoveranstaltung des Antifa Recherche-Teams Dresden: „Rassistische Mobilmachung: Eine Analyse zu PEGIDA und anderen Asylgegner_innen in Dresden und Umland“.

Berlin 19.02. 2015, 19:30 Uhr, Humboldt-Universität Berlin, Raum 1115 (Kinosaal): Im Rahmen des Projekttutoriums „Ungewollte Schwangerschaft, Schwangerschaftsabbruch und Reproduktive Gerechtigkeit“ wird der Dokumentarfilm „VESSEL“ (im englischen Original) kostenlos aufgeführt. Im Anschluss an die Vorführung gibt es ein Q&A mit Aktivistinnen*.

Halle, 10.02. 2015, 19:00 Uhr, Café Colonne Morris: Der Arbeitskreis qu(e)er_einsteigen stellt sich vor und lädt zum Kennenlernen und Mitmachen ein. Weitere Infos und Kontaktmöglichkeiten findet ihr hier.


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Fahrverbot für Trans*Personen?

12. Januar 2015 von Jayrôme

Am 6. Januar 2015 hat Russland eine Verordnung verabschiedet, die dazu führt, dass u.a. Trans*Menschen keine Führerscheinprüfung mehr ablegen dürfen.
Hier mein Kommentar dazu.

***

Update vom 14. Januar 2015 – hier die deutsche Transkription vom Video:

Fahrverbot für Trans*Personen?

Sollen Transgender, Transexuelle, Transvestisten und dazwischen und darüber hinaus Auto fahren dürfen?

Das ist die Frage, die sich die russische Regierung gestellt hat.

Und so: Anfang Januar hat Moskau eine Verordnung verabschiedet, die ein Fahrverbot unter anderem für Trans*Menschen bedeutet.

Denn laut internationalen Krankheitskatalogen leiden Trans*Leute an Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen.

Klar, Menschen wollen sicher fahren, ich meine sicher wollen sicher Leute sicher fahren, wir brauchen sichere Straßen und einen sicheren Verkehr.

Wenn ihr glaubt, Unfälle seien auf mehrere Ursachen zurückzuführen, wie zum Beispiel:
überhöhte Geschwindigkeit, Reifendefekt, Ermüdung, Alkohol, schlechte Sicht, rutschige Böden
… habt ihr euch geirrt.

Die meistens Verkehrsunfälle werden von Transvestiten verursacht, die am Steuer ihren Lippenstift im Innenspiegel auflegen, von Trans*Männern, die beim Fahren ihre Krawatte wieder zurechtmachen, von Transsexuellen, die mit ihrer Wahnvorstellung, einem anderen Geschlecht zuzugehören, so beschäftigt sind, dass sie an nichts anderes mehr denken können – wie sollen sie sich auf die Straße konzentrieren ?

Um Missverständnisse zu vermeiden:
1. Das Autoverbot gilt nur, wenn eine offizielle Diagnose vorliegt. Conchita Wurst darf weiter fahren.

2. Das Fahrverbot gilt nicht nur für Trans*Leute. Auf der Liste der neuen medizinischen Einschränkungen für eine Fahrerlaubnis stehen u.a. auch krankhaftes Glücksspiel, zwanghafter Diebstahl oder Fetischismus …

Interessant. Wenn Fetischismus ein Grund ist, warum Menschen nicht Autofahren dürfen, wird es viele hart treffen, wo doch für viele, die ein Auto besitzen, den Wagen selbst zu einem Fetisch wird.

Laut Statistik ereignet sich jeder vierte Unfall – Autounfall – in Russland aufgrund
schlechter Straßen, Alkohol und Unachtsamkeit der Fußgänger*innen.

Klar, das ist teuer, die Straßen zu verbessern. Teuer, Anti-Alkohol-Kampagnen zu machen. Und mehr Achtsamkeit kostet mehr Zeit für Fußgänger*innen.

Viel effektiver ist, bestimmte Bevölkerungsgruppen vom Lenkrad fernzuhalten.

Das Problem ist: Aus Angst vor einem möglichen Fahrverbot werden … könnten einige Menschen vermeiden, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Schade bei Glücksspielsucht oder zwanghaftem Diebstahl.

Für Trans*Menschen sieht es folgendermaßen aus:
Laut ICD, d.h. Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, die von der Weltgesundheitsorganisation herausgegeben wird, leiden wir wie gesagt an Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen.
In den meisten Ländern werden wir zur Diagnose gezwungen, um Hormone zu bekommen. Oder um eine Personenstandsänderung zu vollführen.

Trans*Menschen werden strukturell benachteiligt: auf dem Arbeitsmarkt, auf dem Wohnungsmarkt, im Gesundheitswesen, im Bildungswesen … Jetzt sollen sie auch noch nicht mehr fahren dürfen? Zu Hause bleiben? Super. So können sie sich prima um die Kinder kümmern. Nur schade, dass Trans*Leute in Russland keine Kinder kriegen dürfen, da für die Personenstandsänderung immer noch gesetzlich vorausgesetzt wird, dass ein Mensch zwangssterilisiert wird.

Also. Inwiefern beeinflusst Gender-Identität die Fähigkeit eines Menschen, ein Auto sicher fahren zu können?

Und macht es überhaupt Sinn, das Geschlecht auf dem Führerschein und sonstigen Ausweisen zu vermerken?

Sogenannte „Geschlechtsidentitätsstörungen“ müssen ersatzlos aus Krankheitskatalogen gestrichen werden.


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#freepussyriot bald Realität?

11. Dezember 2013 von Charlott

Für die Pussy Riot- Aktivistinnen Nadezhda Tolokonnikova und Maria Alyokhina gab es gestern von gerichtlicher Seite positive Neuigkeiten: Der Oberste Gerichtshof hat verkündet, dass die Urteile so nicht rechtens seien. Irina Khrunova, Anwältin der beiden, gab allerdings zu bedenken, dass sie bisher noch nicht wisse, was dies genau bedeutet und dass es nicht automatisch heißt, dass Tolokonnikova und Alyokhina auf freien Fuß gesetzt werden.

Doch auch unabhängig davon könnten die beiden Aktivistinnen unter einem neuen russischen Amnestie-Gesetz vorzeitig aus den Gefängnissen entlassen werden. Beim Voice Project hieß es am Montag [meine Übersetzung]:

Wir haben gerade mit Pyotr Verzilov, Ehemann des gefangenen Mitglieds Nadezhda Tolokonnikova, gesprochen, der die Gerüchte bestätigt, dass beide Mitglieder, Nadya und Maria Alyokhina, befreit werden unter dem Amnestiegesetz, welches vom Kremel im Parlament eingebracht wird, um den 20. Geburtstag der russischen Verfassung am Donnerstag zu kennzeichnen. Nadya’s Vater Andrei konnte dies auch durch „zuverlässigen Quellen“ bestätigen.

„Es ist vom Kremel und bereits offiziell, sie werden freigelasssen“, sagte Pytor uns heute. Er fügte aber hinzu: „Wir wissen noch nicht, wann es passieren wird, da es unklar ist, wann die Duma über das Gesetz abstimmt und wie schnell es auf die Gefängnisse angewendet wird – könnte von 2 Wochen bis 2 Monaten sein, bis sie befreit werden.“

Die russischsprachige Seite Interfax zitiert den Vizesprecher der Duma, Vladimir Vasiliev, mit der Aussage, das unter dem Gesetz etwa 2000 Menschen aus den Gefängnissen freigelassen und außerdem rund 17500 Menschen ohne Freiheitsstrafe Amnestie erfahren würden. Darüberhinaus könnten rund 6000 Verfahren eingestellt werden. Dass diese große Amnestiewelle gerade kurz vor den olympischen Spielen durch das Land rollen wird, ist natürlich mit Sicherheit kein Zufall.


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Nadezhda Tolokonnikova. Verschollen im System.

5. November 2013 von Charlott

Seit mittlerweile über 1,5 Jahren sitzen Nadezhda Tolokonnikova und Marina Alyokhina, Aktivistinnen von Pussy Riot in russischen Gefängnissen. Ende September berichtetete Tolokonnikova von den Umständen in diesen Gefängnissen. In einem offenen Brief, der beim Freitag vollständig übersetzt wurde, schrieb sie unter anderem [Inhaltshinweis für Link: Gewaltbeschreibungen]:

Die Zahl der Verstöße gegen die gesetzlich vorgeschriebenen Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Strafkolonie 14 ist endlos. Meine größte und wichtigste Klage jedoch ist diese: Die Verwaltung verhindert mit den allerhärtesten Mitteln, dass irgendeine Beschwerde oder Forderung bezüglich der Bedingungen in der Strafkolonie 14 nach außen dringen kann. Die Verwaltung zwingt die Menschen zu schweigen. Sie scheut nicht, sich zu den allerniedrigsten und grausamsten Mitteln herabzulassen, um dieses Ziel zu erreichen. Alle anderen Probleme gehen auf dieses zurück – die Quotenerhöhungen, der 16-Stunden-Arbeitstag, etc. Die Verwaltung fühlt sich unantastbar; rücksichtslos unterdrückt sie die Insassinnen mit immer größerer Härte.

Als Konsequenz dieser Behandlung, trat Tolokonnikova am 23. September in den Hungerstreik. Weitere Hungerstreiks folgten im Oktober. Sie forderte auch in ein anderes Gefägnis verlegt zu werden. Am 18. Oktober wurde sei das letzte Mal gesehen, denn am 22. Oktober soll sie tatsächlich in ein anderes Gefängnis überführt worden sein. Seit dem gab es keinen Kontakt mehr zu Familienangehörigen, Freund_innen oder Anwält_innen. Ihr aktueller Aufenthaltsort ist nicht klar.

In einem Artikel bei The Daily Beast von Anna Nemtsova heißt es (Orginal Englisch):

„So lässt das System eine Person ohne jegliche Spur für Wochen verschwinden.“, sagt Verzilov. Die Zeitspanne, in der ein_e Insass_in von einem Gefängnis zum anderen Gefängnis transportiert wird, ist eine wahrhaftige Grauzone im russischen korrektiven System, welche von zwei Wochen bis hinzu zwei Monaten dauern kann, abhängig davon, bei wie vielen Transit-Gefängnissen auf dem Weg Halt gemacht wird.

Zu den Hintergründen: Seit Januar des letzten Jahres berichten wir regelmäßig über die Aktivistinnen von Pussy Riot. Der Anfang des letzten Texts, in dem auch Zines verlinkt sind, die den Prozess dokumentieren, bleibt relevant:

Heute [17. August 2013] jährt sich zum ersten Mal die skandalöse Verurteilung der Aktivistinnen von Pussy Riot wegen “Rowdytums”. Im Oktober 2012 kam Yekaterina Samutsevich auf Bewährung frei. Nadezhda Tolokonnikova und Marina Alyokhina befinden sich immer noch in Gefangenschaft. Genaues könnt ihr im Mädchenmannschafts-Dossier nachlesen.

Edit 05.11. (16:20 Uhr): Seit heute Mittag berichtigen einige Medien, dass es wieder Kontakt zu Tolokonnikova gegeben hätte. Soweit ich es überblicken kann, reproduzieren alle Medien die gleiche Nachrichtenagentur-Meldung. Nachzulesen z.B. bei der Huffington Post.


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Speak up or walk out? (Teil 2 von 2)

10. September 2013 von Gastautor_in

Dieser Beitrag ist Teil 2 unseres Gastbeitrags von Claudus , der erste Teil ist gestern hier erschienen. Der Autor (cis, hetero, weiß, disabled) wohnt derzeit in Bayern, ist seit einigen Jahren queer-feministisch aktiv, schreibt gelegentlich Texte oder hält Vorträge zu Themen rund um Gender und Social Justice.

Sich mit den LGBT-Aktivist*Innen in Russland verbünden – nur wie?

[Hinweis: Ich werde im weiteren Verlauf dieses Beitrags die inklusivere Abkürzung LGBTQI verwenden, in den meisten Artikeln ist jedoch entweder von Lesbian and Gay, homosexual oder LGBT die Rede.]

Was wäre also zu tun und was bedeutet es auf die Betroffenen so zu hören, dass man nicht das eigene Verständnis aufdrückt, aber auch nicht inaktiv zusieht? Hier gibt es durchaus russische Aktivist*Innen, die sich offen für einen Boykott der Winterolympiade oder „alles Russischen“ aussprechen, so bspw. eine Gruppe in einem bei Queernations veröffentlichten Brief oder in einem Beitrag von Nancy Goldstein zusammengefasst. Allerdings widersprechen anderem wie das Russian LGBT Network, einer der größten Interessenverbände dieser Art, deutlich den Boykottvorhaben. Sie veröffentlichten unlängst ein ausführliches Statement zu dieser Frage. Neben dem Verweis auf den Fakt, dass Olympiaboykott in der Vergangenheit selten von Erfolg gekrönt war und weder die Boykotte der 1980er Olympiade in Moskau, noch derer 1984 in Los Angeles oder 1968 in Mexiko City groß etwas bewegt hätte, geschweige denn als relevant erinnert würden, sprechen sie sich deutlich gegen einen Boykott aus. Anstatt die Spiele zu boykottieren, so das Statement, wäre es eine einmalige Chance nach Sochi zu kommen und dort, vor Ort deutlich Stellung zu beziehen. Anstelle von Nicht-Olympia also die Hoffnung, die Spiele in eine große Pride Parade zu verwandeln oder zumindest die internationale Aufmerksamkeit zu nutzen, um russische LGBTQI-Aktivist*Innen sichtbarer zu machen.

Natalia Anatova, eine Bloggerin aus Russland, zeichnet sogar ein wesentlich düsteres Bild. Neben dem Hinweis, dass scheinbar in Russland „sexuelle Minoritäten“ der gebräuchlichere Begriff ist, setzt sie sich offen mit der Frage auseinander, inwiefern die russische Regierung wirklich als homophob zu bezeichnen ist, bzw. ob und wie westliche Interventionen wirksam sind bzw. sein können. Russland, so ihr Argument, hat keineswegs eine dezidiert homophobe Regierung, vielmehr ginge es Putin und Konsorten darum, zum einen innere Missstände zu übertünchen, zum anderen im Wesentlichen darum, sich als starke, das Zepter in der Hand haltende Macht zu präsentieren. Der „Westen“ wird hierbei von vielen Menschen in Russland als Feindbild beschworen, nachdem die wirtschaftliche Entwicklung nach dem Ende der Sowjetunion nicht die erhoffte allgemeine Verbesserung nach sich zog. Homophobie ist hierbei nicht ausschließlich ein Kurs der Regierung, sondern weit Bestandteil eines Alltagsverständnisses. Offen Widerstand zu zeigen gefährdet die prekäre Sicherheit des „Zumindest wissen wir, wie unsere Gesellschaft funktioniert“, wohingegen sich in Gesellschaft „normal“ zu verhalten bedeutet staatlichen Sanktionen zu entgehen. Aktivismus, wie etwa Pride Parades, stellen diesen „normalen“ Status Quo in Frage und wird daher als bedrohlich empfunden, so die Analyse Anna Arutunyans:

Und das zeigt einen zugrundeliegenden Konservatismus, dem es nicht um Gott und Waffen geht, sondern um etas tieferes, einzigartigeres: das tief-sitzende, vermutlich erlernte, Mistrauen gegenüber Provokationen und Konflikt innerhalb der russischen Bevölkerung. Es gibt einen Grund für dieses Mistrauen: Die Russ*Innen wissen, wie ihre Gesellschaft und ihre Regierung funktioniert und das man durch Kopf zu hoch zu halten und Krawall anfangen riskiert zerstört zu werden.

Wenn die Regierung diese dann als „westliche Intervention“ stigmatisieren kann und sich über homophobe Gesetzgebung noch deutlicher als starke Kraft ins Bild setzen kann und damit zumindest bei den 42% der russischen Bevölkerung, die Homosexualität gerne bestraft sähe, Sympathie sammeln kann, dann wird ein Boykott daran nichts ändern. Bedauerlicherweise, so Anatovas Fazit, können Menschen im Westen vor diesem Hintergrund wenig tun, außer die Geschehnisse in Russland weiter verfolgen und sie ermahnt Verbündete, nicht zu sehr auf symbolische Politiken zu setzen, wenn russische Aktivist*Innen selbst in der Form des Widerstands sehr divers sind und nicht geschlossen hinter offen inszenierten Veranstaltungen stehen.

Die eine, gute und richtige Lösung bieten diese Perspektiven für aussenstehende Aktivist*Innen nicht. Will man sich nach den verschiedenen Stimmen der russischen Aktivist*Innen richten, bleibt – ähnlich wie zuvor – die Bandbreite von Nichtintervention bis zum Boykott erhalten. Was allerdings all diesen Beiträgen gemein ist, ist die eine zugrunde liegende Bitte: Handelt gegen Homophobie, seid solidarisch, aber bleibt aufmerksam denjenigen Forderungen der Betroffenen gegenüber. Wer also aktiv werden möchte, sollte eventuell den direkten Kontakt zu entsprechenden Aktivist*Innen suchen und mit diesen klären, ob und wie ein Kiss-In, ein Boykott, eine Soliparty oder andere Formen des Protestes gestaltet sein sollten. Ein erstes Feedback zu einigen Kampagnen gab es unlängst in Form der Kampagne „From Russia With Love“, bei der sich russische LGBTQI für Solidarität aus aller Welt bedankten.


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Speak up or walk out? (Teil 1 von 2)

9. September 2013 von Gastautor_in

Wir freuen uns über diesen Gastbeitrag von Claudus! Der Autor (cis, hetero, weiß, disabled) wohnt derzeit in Bayern, ist seit einigen Jahren queer-feministisch aktiv, schreibt gelegentlich Texte oder hält Vorträge zu Themen rund um Gender und Social Justice.

Sich mit den LGBT-Aktivist*Innen in Russland verbünden – nur wie?

[Hinweis: Ich werde im weiteren Verlauf dieses Beitrags die inklusivere Abkürzung LGBTQI verwenden, in den meisten Artikeln ist jedoch entweder von Lesbian and Gay, homosexual oder LGBT die Rede.]

Die aktuellen Ereignisse in Russland bedürfen wohl kaum einer Zusammenfassung, zumindest LGBTQI-Nachrichtendienste und –medien berichten seit Wochen über die Entwicklungen rund um das jüngst erlassene Gesetz gegen „Homosexuelle Propaganda“, nach dem bereits eine offen getragene Regenbogenflagge schwere Repressionen nach sich zieht. Auch die eindringlichen Bilder von Gewalt gegen LGBTQI-Menschen, die wie im Fall rechtsradikaler Übergriffe und Morde entweder von staatlicher Seite nicht verhindert wird oder aber durch russische Polizei und Sondereinheiten direkt vom Staat ausgeht, sprechen für sich. Eine gute, aber deutlich mit Triggerwarnung für Homophobie und Gewalt zu versehende Zusammenfassung findet sich hier. Umso weniger erstaunt es, dass in der internationalen LGBTQI-Community nicht diskutiert wird, ob etwas sondern vielmehr was getan werden sollte, um den russischen Verhältnissen die Stirn zu bieten und die dort lebenden LGBTQI zu unterstützen. Die viele Fallstricke spannen sich irgendwo zwischen „Lieber gar nicht einmischen, weil man nicht selbst betroffen ist“ und „Anderen die eigenen Vorstellungen von Aktivismus aufrdrücken“.

Was aber bedeutet es in diesem konkreten Fall aktiv zu werden, ohne dabei paternalistisch zu werden? (mehr …)


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Rassistische Normalzustände – kurz verlinkt

22. August 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 207 von 362 der Serie Kurz notiert

In der vergangenen Woche haben sich allerhand spannende Linktipps angesammelt – daher gibt es diese Woche „Kurz verlinkt“ gleich zweimal. Hier Teil 2.

Heute jähren sich die Angriffe auf die zentrale Aufnahmestelle für Geflüchtete und ein Wohnheim für ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter_innen in Rostock zum 21. Mal. Auch 21 Jahre später müssen Asylsuchende in Deutschland um die Sicherheit in ihren Unterkünften bangen.

Die Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt (KOP) und der Migrationsrat Berlin Brandenburg e.V. rufen auf zur Solidarität mit Ayfer H. (Hintergrundinfos ab Seite 132 in der Chronik) und mobilisieren gemeinsam mit ihr zur Prozessbeobachtung. Wann? Am Mittwoch, den 28. August 2013 um 11:30 Uhr. Wo? 64. Strafkammer des Landgerichts, Turmstraße 91, 10559 Berlin, Raum 731.

Alltagsrassismus erleben auch Reiche und Prominente, wie u.a. in der Süddeutschen Zeitung zu lesen ist: „Der eigentliche Skandal ist nicht, dass sich jemand weigerte, Oprah Winfrey eine teure Handtasche zu zeigen. Der Skandal ist, dass sich jemand weigerte, einer schwarzen Frau eine teure Handtasche zu zeigen. Dass es sich dabei um die berühmte Unternehmerin handelte, verhilft dem Fall, der sonst wohl nie an die breite Öffentlichkeit gelangt wäre, zu Bekanntheit. Mehr nicht.“

Die Jüdische Allgemeine meldet einen krassen Fehlgriff bei eben dieser Zeitung: Mit einem Foto eines Bahngleises des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau hat die Süddeutsche am Montag eine Leser_innenbriefseite zum Bahnchaos am Mainzer Hauptbahnhof illustriert.

Dass Frauen, die aus vermeintlich religiösen Gründen ein Kopftuch tragen, es schwer haben, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden, war bekannt. Dass diesen Frauen aber mehr als jeder dritte Betrieb verschlossen bleibt, geht nun aus einer aktuellen Studie der Pädagogischen Hochschule Freiburg hervor, über die das Migazin berichtet.

Die taz berichtet über das Leben von Rroma-Familien in Serbien, die aus Deutschland abgeschoben wurden.

Ebenfalls in der taz: „Ich kam als Opfer rein und ging als Täter wieder raus“ – ein Bericht über Vergewaltigungen unter dem Einfluss sogenannter K.O.-Tropfen.

Eine neue TV-Serie über das Leben im Gefängnis, „Orange Is The New Black“, wird in der feministisch-kritischen US-amerikanischen Blogosphäre heiß diskutiert. Ein Interview mit einer der Schauspieler_innen gibt es nun bei Autostraddle [auf Englisch].

Mutmaßlich als Zeichen gegen menschenfeindliche homophobe Gesetze in Russland haben sich zwei russische Athletinnen bei der Leichtathletik-WM während der Medaillenvergabe geküsst – vermutlich drohen ihnen deswegen  Sanktionen [Text auf Englisch] Edit: Offenbar sind die beiden Sportlerinnen von dieser Interpretation ihrer Aktion nicht sonderlich begeistert

Cheryl Sandbergs „Lean In“-Webseite hat ironischerweise ein unbezahltes Praktikum ausgschrieben. Bei der The Ed Show sprechen Zerlina Maxwell und Keli Goff über den Kampf für gerechte Löhne und welche Ausschlüsse solche Praktika produzieren [auf Englisch].

Viele Tipps zur Selbstfürsorge gibt es bei Scarleteen [auf Englisch].

Warum thin-shaming, die Abwertung von als dünn gelesenen Körpern,  falsch und fies ist, aber nicht das Pendant zu fat-shaming, erklärt Lindy West auf Jezebel [auf Englisch].

Im New Statesman erklärt Laurie Penny Männern* nochmal den Unterschied zwischen individueller Schuld an und individueller Verantwortung für Sexismus – und fordert dazu auf, letztere zu übernehmen [auf Englisch].

Von wegen Höhlenmenschen und Evolution und so: Die allgemein verbreitete Überzeugung, dass Männer* grundsätzlich mehr an Sex interessiert seien als Frauen*, ist relativ neu, wie Alyssa Goldstein bei Alternet berichtet [auf Englisch].

Mädchen im Alter zwischen vier und acht Jahren sagen, was sie an ihren Körpern mögen: Was der Körper tun kann, ist wichtiger als wie er aussieht [auf Englisch].


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Kämpfe, mit Rückschlägen, aber auch mit Erfolgen – die Blogschau

17. August 2013 von Viruletta
Dieser Text ist Teil 215 von 295 der Serie Die Blogschau

antiprodukt schreibt darüber, was es mit Menschen macht, jahrelang auf Jobsuche zu sein – und jahrelang den Stempel „Ungenügend“ aufgedrückt zu bekommen.

Maya hat auf femgeeks zwei vor sexistischen Klischees strotzende Stellenanzeigen auseinander genommen, mit denen eine IT-Firma nach weiblichen beziehungsweise männlichen Bewerber*innen gesucht hat.

Nadine schreibt auf Medienelite über Macht, Selbst-Ermächtigung und die Suche nach Verbundenheit.

Wieder mal ist Menschen Raum geboten worden, darzulegen, wieso politische Korrektheit in ihren Augen unnötig und unsinnig ist. denkwerkstatt analysiert die dort vorgetragenen (Schein-)Argumente.

Don’t degrade Debs, darling! erklärt, wieso das momentan sehr verbreitete Bild, auf dem Putin mit Photoshop MakeUp verpasst worden ist, nicht angebracht ist, um die menschenverachtende Politik in Russland anzuprangern.

Sexistische und gewaltverherrlichende Lieder sind weder im Radio noch auf anderen Kanälen eine Seltenheit. Zum Glück gibt es im Internet Möglichkeiten, eigene Medien zu schaffen und zu verbreiten. Ein paar davon hat Drop the thought für euch zusammengesucht.

Dr. Mutti schreibt über die Einschätzung der Bundeszentrale für politische Bildung, Benjamin Blümchen würde aus Kindern Linksradikale machen.

Seit dem 1. August gilt in Deutschland das Recht auf einen Kita-Platz für ein- und zweijährige Kinder. Plätze gibt es trotzdem noch nicht genug und auch ein antifeministischer Backlash blieb leider nicht aus, berichtet fuckermothers.

Wo die Grenzlinie zwischen vermeintlicher „Weltoffenheit“ und Rassismus verläuft und was kulturelle Aneignung von kultureller Adaption unterscheidet, erklärt Tea-riffic auf ihrem Blog.

Chaos_Pausen schreibt über den gesellschaftlichen Druck, sich als weiblich gelesener Mensch die Achselhaare entfernen zu müssen, und wie schwierig es manchmal ist, ihm Widerstand zu leisten.

Die Naturkosmetikmarke alverde hat eine neue Serie unter dem Titel „African Soul“ auf den Markt gebracht. Undercover of Color erklärt nochmal für alle, die es immer noch nicht verstanden haben, wieso solche Marketingskampagnen überhaupt nicht klar gehen.

Ein Mitglied des Verdi-Vorstands, die damals mit in der HartzIV-Komission gesessen hat, erzählt, was dort damals geplant worden ist – und was die rot-grüne Bundesregierung dann daraus gemacht hat. Somlus Welt hat das Video auf ihrem Blog aufgegriffen.

Bei phenomelle findet sich ein Video aus der LESgenden-Reihe mit Aktivistin Susi Beckers, die im Juli verstorben ist.

[TRIGGERWARNUNG: sexualisierte Gewalt] Wer innerhalb eine rape culture sexualisierte Gewalt zur Anzeige bringen will, erlebt in den meisten Fällen leider noch mehr Gewalt. Diese Erfahrung musste auch Don’t degrade Debs, darling! machen. Warum die ganze Prozedur trotzdem ein empowerndes Moment für sie bereit hielt, erklärt sie auf ihrem Blog.

Leidmedien hat gestern den ersten Geburtstag gefeiert. Wir gratulieren!

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Pussy Riot. Ein Jahr nach der Verurteilung. (Und Zines!)

17. August 2013 von Charlott

von Leah und Charlott

Heute jährt sich zum ersten Mal die skandalöse Verurteilung der Aktivistinnen von Pussy Riot wegen „Rowdytums“. Im Oktober 2012 kam Yekaterina Samutsevich auf Bewährung frei. Nadezhda Tolokonnikova und Marina Alyokhina befinden sich immer noch in Gefangenschaft. Genaues könnt ihr im Mädchenmannschafts-Dossier nachlesen.

Das Internet ausdrucken, den Prozess dokumentieren: Unser Zine

Während die Interventionen von Pussy Riot in feministischen Kontexten seit langem verbreitet und diskutiert werden, stürzten sich während des Prozesses auch die Mainstreammedien oder große Organisationen wie Amnesty International auf das Geschehen. Dabei wurden leider oftmals wesentliche Positionen der Aktivistinnen ent_erwähnt und durch eine bildliche Fixierung auf Nadezhda Tolokonnikova begleitet. Der Pussy Riot-Prozess wurde zudem innerhalb kurzer Zeit dafür genutzt, das Bild eines „freien Deutschland“ zu zeichnen, welches sich von einem „bösen Russland“ abgrenzen kann.

Auf der anderen Seite bot das Internet einen fast unmittelbaren Zugang zum Prozessgeschehen. Mehrere Journalist_innen und andere Prozessbeobachter_innen twitterten live aus dem Gerichtssaal, andere, wie zum Beispiel @uebersetzer und @Eng_Pussy_Riot, übersetzen die Tweets, so dass auch Außenstehende – selbst in anderen Ländern bzw. mit anderen Sprachkenntnissen – detailreich den Prozess miterleben konnten.

In unseren Zines haben wir versucht Teile des Prozesses zu dokumentieren. Unser Ziel war es das unmittelbare, aber eben flüchtige von Twitter in eine Form zu bringen, die auch noch länger nachvollziehbar ist. Was an einem Tag auf Twitter geschrieben wird, rutscht durch immer neue Tweets schnell nach unten und ist nach kurzer Zeit nicht mehr zugänglich. Nicht nur wegen der Geschwindigkeit, sondern auch weil Twitter nicht zum nachlesen gedacht ist. Das aktuellste erscheint oben, das älteste ganz unten, was ein im Nachhinein lesen deutlich erschwert. Davon abgesehen gibt es natürlich auch viele Menschen, die gar nicht Twitter verfolgen.

Die Idee zum Zine hatte Leah, als sie zum Prozessbeginn anfing einigen Twitter-User_innen zu folgen, die das Verfahren begleiteten. Obwohl zu diesem Zeitpunkt viel über Pussy Riot und den Prozess berichtet wurde, enthielt diese Berichterstattung wenig von der Aussagekraft der Zitate direkt aus dem Gerichtssaal. Die Absurdität der Fragen und Äußerungen der Anklage und die beeindruckenden Statements der drei Aktivistinnen und ihrer Anwält_innen ließen sie nicht mehr los. Als der Prozesstag beendet und die weitere Verhandlung auf den nächsten Tag verschoben wurde, kam ihr zunächst der Gedanke dass es toll wäre, all diese Tweets speichern und aufheben zu können.

Schnell überzeugte Leah auch Charlott von der Idee und das Basteln begann: Zunächst druckten wir also den jeweils gesamten Tag eines deutsch- und eines englischsprachigen Accountes aus, schnitten alle gesendeten Tweets einzeln aus und klebten sie in chronologischer Reihenfolge wieder auf. Hatten wir zu Beginn noch das hehre Ziel Zines zu jedem einzelnen Prozesstag zu machen, sind es letzten Endes exemplarische Zines für die Prozesstage 2 und 7 geworden.

Gerade jetzt, bereits ein Jahr nach der Verurteilung, wird die Kraft dieser Dokumentation deutlich, wenn eine_r nochmals durch die beiden aufgezeichneten Prozesstage blättert und sichtbar bleibt, welche Politiken dort Einfluss hatten und immer noch haben.  Das Wort Feminismus, welches im Prozess immer wieder im Mittelpunkt stand, wurde konsequent im Mainstream ausgeblendet. In den Tweets bleibt dieser Aspekt aber nicht verborgen!

Die Zines könnt ihr nun endlich hier runterladen: Zines.

Heute noch protestieren gehen

Der heutige Tag wurde ausgerufen als “Tag der Solidarität gegen die Verurteilung von Pussy Riot”. Die Seite freepussyriot kündigt Aktionen in Berlin, Derry, Köln, Manchester, New York, Oslo, Paris, Skagaströnd, Stockholm, Tel Aviv und Washington DC an.

In Berlin könnt ihr ab 14 Uhr gegenüber der russischen Botschaft demonstrieren. Auch in Köln wird sich um 14 Uhr getroffen, dort beim Bahnhofsvorplatz vom Haupteingang des Kölner Hauptbahnhofs. (Beide Links zu den Facebook-Veranstaltungshinweisen.) Hoffentlich wird diesmal bei den Protesten deutlich, worum es geht: Die Verurteilung dreier Aktivistinnen, die patriarchale Strukturen im russischen Staat und der Kirche kritisieren.


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Fat Empowerment und internationale LGBT-News – kurz verlinkt

28. Juni 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 202 von 362 der Serie Kurz notiert

Wortwörtlich rape culture wie sie im Buche steht, powered by Kickstarter (Contentwarnung) – nach massiven Protesten gegen ein dort finanziertes „Pick-Up“-Buch hat die Crowdfunding-Platform sich entschuldigt und Maßnahmen der Wiedergutmachung angekündigt (verlinkte Texte auf Englisch).

Die American Medical Association hat „Übergewicht“ (sic) zur Krankheit erklärt. Fat Aktivist_innen wie Fat Heffalump und Virgie Tovar stellen klar, dass dick_fett nicht gleich auch krank bedeutet und befürchten, dass solche Pathologisierungen in der Praxis zu noch mehr Fat Shaming und Stigmatisierung von dicken_fetten Menschen führt. Es gibt eine Petition, die ihr unterschreiben könnt (englischsprachig). Und auf La Respuesta gibt es ein hinreißenedes empowerndes E-Zine: „A Resource Guide To Fatphobia“

„Sprache ordnet die Welt, konstruiert und kategorisiert. Deshalb ist die Auseinandersetzung um abwertende Begriffe wichtig“, stellt Hadija Haruna in der taz klar.

Am 7. Juni 2013 fand in Österreich die 3. Frauenenquete der Frauenministerin in Kooperation mit der Plattform 20000frauen statt. Die Keynote sprach Elisabeth Klaus: „Zwischen Antifeminismus und Elitefeminismus: Der Geschlechterdiskurs im medialen Mainstream“.

Die European Women’s Lobby (EWL), größte Dachorganisation für Frauenvereinigungen in den Europäischen Union, stellt sich hier online vor (Englisch).

Spektakulär: Die christlich-konservative Organisation Exodus, die u.a. „Konversionstherapien gegen Schwulsein“ durchgeführt hat, hat sich bei der LGBT-Community für ihr „unbliblisches und unehrerbietiges Weltbild“ entschuldigt (Englisch).

Die NGO Pink Armenia berichtet über die Menschenrechtssituation für LGBT in Armenien (Englisch).

In der Türkei endet an diesem Wochenende die Istanbul Pride Week – Thema dieses Jahr: „Widerstand“ (Englisch).

Wie Engagement für das Recht auf lesbische und schwule Ehen aus wertkonservativer Perspektive aussieht, lässt sich bei queer.de nachlesen.

Eine in Schweden asylsuchende Trans*frau und LGBT-Aktivistin soll nach Russland abgeschoben werden. Eine Petition wendet sich dagegen (Englisch).

Auf Jezebel erklärt Dodai Stewart anhand des neuen Videos von Miley Cyrus, wo Inspiration zu kultureller Aneignung wird und was daran problematisch ist (Englisch).

Es hat sich immer noch nicht zu allen durchgesprochen: Seriöser Journalismus kommt nicht nur aus der Feder von weißen Männern – xojane erinnert daran (Englisch).

Die 17jährige Jinan Younis wollte an ihrer Schule eine feministische Gruppe gründen – was dann passierte, berichtet sie im Guardian (Englisch).

Der FOCUS berichtet über die massiv hohen Zahlen von Gewalt gegen Frauen – die WHO hat die Zahlen nun veröffentlicht, nachdem sie bereits bei anderen UN-Organisationen/Abteilungen und NGOs zu erfahren waren und  u.a. die Aktion One Billion Rising im Februar ageregt hatten.

Die in den USA sehr populäre Fernsehköchin Paula Deen steht  wegen wiederholter rassistischer Handlungen in der Kritik. Daraus ging nun das Hashtag #paulasbestdishes (Paulas beste Rezepte) hervor, welches satirisch auf Deens aktuelle Ausfälle Bezug nimmt (Englisch).

In der Münchner Innenstadt ist eine Gruppe Geflüchteter in den Hungerstreik getreten. Mit einer Erklärung zu ihren Forderungen wenden sie sich an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichtes.

In Berlin läuft derzeit und noch bis zum 18. August die Veranstaltung re.act.feminism #2, die sich um feministische Performancekunst dreht – unter anderem mit Ausstellungen, Workshops, Performances und Vorträgen.

Heute Abend in Wien, als Startveranstaltung zur Frauen-Fußball-EM: Diskussion und Party bei Frauen. Fussball. Medien.


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