Einträge mit dem Tag ‘Russland’


Nach Pussy Riot-Auftritt in Kirche: Aktivistinnen in Haft

26. März 2012 von Helga

Aktivistinnen und Musikerinnen des russischen Kunst-Kollektivs „Pussy Riot“ sind erneut verhaftet worden. Nachdem sie im Januar noch kurz darauf wieder freigelassen wurden, erwarten sie dieses Mal Anklagen, die mit sieben Jahren Haft bestraft werden könnten. Mitte Februar hatten Pussy Riot in der Kathedrale in Moskau die Performance „Heilige Jungfrau Maria, schick Putin fort“ abgehalten. Zwei Frauen, Nadezhda Tolokonnikova und Marina Alyokhina wurden am 3. März verhaftet, Yekaterina Samutsevich zwei Wochen später. In Russland ist darüber eine breite Debatte ausgebrochen, die vor allem von der russisch-orthodoxen Kirche befeuert wird.

Am Samstag sollte darüber entschieden werden, ob Pussy Riot sich vor Gericht verantworten müssen, bisher ist aber noch nicht über eine Entscheidung berichtet worden. Für den 31. März gibt es eine Solidaritätsveranstaltung in Moskau, am 1. April soll dann in Berlin vor der russischen Botschaft protestiert werden. Außerdem ist bei change.org eine Petition, die den russischen Justizminister auffordert, die Frauen freizulassen. Weitere Informationen gibt es auf dem Blog Free Pussy Riot.


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Russische Feministinnen rocken gegen den Staat

23. Januar 2012 von Magda
Dieser Text ist Teil 16 von 19 der Serie Im Osten nichts Neues?

Mit Punk gegen autoritäre Strukturen! In knall­bunten Sommer­kleidern und mit selbst­gestrickten Neon-Masken protestierte die feministische Punkband Pussy Riot in Moskau auf dem Roten Platz gegen den paternalistischen russischen Staat und seine ver­krusteten, sexistischen Strukturen. Die Musikerinnen riefen dazu auf, öffent­liche Plätze in Russland zu besetzen und für politische Reformen zu kämpfen, so die Berliner Morgenpost.

“Wir erinnern uns an die Ereignisse des Jahres 1968″, schreiben Pussy Riot in ihrem Blog [Anmerkung: mit Google Translate könnt ihr die Seite auf Deutsch oder Englisch lesen]. “Die gleichen Macht­strukturen wie bei Breschnew regieren das Land immer noch, sie sind nicht weg. Nur die Formen des Autoritarismus, der Kontrolle und des staat­lichen Terrors haben sich geändert… Bürger werden in Russland bis heute von den Macht­habern für psychisch Kranke gehalten, die keine Ent­scheidungen selbst­ständig treffen können”.

Auf dem Roten Platz spielten die Musikerinnen ihren Song “Putin Has Pissed Himself“, in dem sie den derzeitigen Minister­präsidenten und erneuten Präsident­schafts­kandidaten Wladimir Putin kritisieren. Sie singen: ”Aufstand in Russland – Charisma des Protests, Aufstand in Russland – Putin hat Schiss” (auf ihrer facebook-Seite hat Riot Grrrl Berlin den gesamten Songtext auf Englisch zum Nach­lesen).

Die Aktivistinnen wurden daraufhin von der Polizei ver­haftet und ver­prügelt, aber glück­licher­weise nach Stunden (vorerst) wieder frei­gelassen. Erschreckend, wie die russische Polizei mit feministischem Protest umgeht…

Die Band ist für ihre Protestauftritte bekannt. So spielte sie bereits auf dem Vorbau des Moskauer Unter­suchungs­gefängnisses oder auf dem Dach eines Busses. Inspiriert wurden die Punkerinnen laut eigener Aussage vom Arabischen Frühling. So geht es ihnen primär um Politik und nicht darum, Aufmerk­sam­keit für ihre Band zu erlangen. Die Aktionen zeigen auch schon erste Wirkungen: In anderen russischen Städten gibt es bereits Nach­ahmerinnen – ganz nach dem Motto der Musikerinnen: Krawall ist niemals leise!

Einen Hörbeitrag zu den Pussy Riots mit weiteren Informationen findet ihr bei Radio Bayern.


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Für den langen Winterabend: Die Autobiographie von Emma Goldman

27. Dezember 2010 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 48 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Maike Landwehr, 1983 geboren und alleinerziehenderweise vom Vater großgezogen, erkannte schon früh die Idiotie von Geschlechterrollen. Auf die Verweigerung mit Puppen zu spielen und sich “niedlich” anzuziehen, folgte schließlich ein Studium in Hamburg, bei dem sie sich mit Männerphantasien und Frauenbildern in Geschichte und Literatur beschäftigt hat. Maike wird uns heute die Autobiographie „Gelebtes Leben“ von Emma Goldman vorstellen.

„Gelebtes Leben“ (im Original: Living my Life) – der Titel passt: Emma Goldman (1869-1940) hat ihr Leben gelebt, oft kompromisslos, häufig uneigennützig und immer unangepasst. Mit 20 Jahren betrat eine junge Frau die Großstadt New York, sie selbst zählte ihre Lebensjahre später von diesem Zeitpunkt an, denn die Stadt und die Menschen, die sie hier traf und kennenlernte, politisierten sie stark und weckten einen äußerst rebellischen Geist in ihr. In den damals noch jungen Vereinigten Staaten herrschte eine politische Realität, gegen die sie ihr Leben lang ankämpfen sollte.

Der so genannte Haymarket Riot war brutal und für mehrere der Mitorganisatoren tödlich niedergeschlagen worden und veranlasste neben Goldman noch viele andere, sich gegen die menschenverachtende Arbeitssituation in Fabriken und Betrieben zu wehren. Goldman war es dabei wichtig, nicht in einen starren Dogmatismus zu verfallen, sondern stets auch die Meinungen ihrer Mitstreiter_innen wie die ihrer Gegner_innen anzuhören. Ihr besonderes Anliegen war die Durchsetzung der Redefreiheit in ihrem Land. Einem Land, das sich selbst als Demokratie bezeichnete, dessen ständige Missachtung demokratischer Rechte Goldman jedoch täglich registrierte. (weiterlesen …)


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Wer war… Emma Goldman?

27. Juni 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 17 von 31 der Serie Wer war eigentlich …

Emma Goldman war eine russisch-amerikanische Anarchistin, die am 27. Juni 1869 im heutigen Litauen (damals Russisches Reich) als Tochter eines jüdischen Theaterdirektors geboren wurde.

Emma Goldmanm (1911) via Wikimedia Commons

Als Emma 13 Jahre alt war, zog sie mit ihrer Familie nach Sankt Petersburg. Dort arbeitete sie in einer Fabrik als Korsettmacherin und kam erstmals mit revolutionär gesinnten Kreisen in Berührung.

Mit 17 emigrierte Goldman mit ihrer älteren Schwester Helene in die USA nach New York, wo sie einige Jahre in einer Textilfabrik arbeitete und so die Lebensverhältnisse der amerikanischen Arbeiter_innen kennenlernte. Die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt sie durch die Heirat mit einem Arbeitskollegen, von dem sie sich im Jahr darauf scheiden ließ. Nach der Hinrichtung von vier Anarchisten nach der Haymarket Affäre radikalisierte sich Goldman und begann auf Demonstrationen und Veranstaltungen zu sprechen.

Ihre Themen, die sie auf unzähligen Vortragsreisen durch sämtliche Bundesstaaten vortrug, waren der Kampf für die Redefreiheit, für die damals illegale Geburtenkontrolle, für sexuelle Freiheit, gegen Nationalismus und kapitalistische Ausbeutung, ab 1914 auch gegen Militarismus und den Kriegseintritt der USA. (Antje Schrupp)

Goldman wurde mehrere Male in ihrem Leben verhaftete, u.a. wegen “Anstiftung zur Aufruhr” oder wegen Verteilung von Information zur Geburtenkontrolle. Sie befürwortete Abtreibung, da viele Frauen auf Grund ihrer prekären Situation keine andere Wahl bliebe. (weiterlesen …)


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Neuigkeiten weltweit

8. April 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 71 von 153 der Serie Kurz notiert

Auf WomensRights erforscht Sarah Menkedick die Beweggründe der tschetschenischen Selbstmordattentäterinnen, die sich in der Moskauer U-Bahn in die Luft sprengten.

Rosa Werbeplakat mit einer lächelnden Frau und arabischer Schrift

Nadine Moawad ärgert sich über die stereotype Werbung einer Supermarktkette im Libanon, die eine Lotterie ausschrieb und diese mit diversen Sprüchen wie “Wenn ich eine Million gewinne, dann …” beworb. Unter dem Bild einer Frau steht: “Wenn ich eine Million gewinne, finde ich mit Sicherheit einen Ehemann”. Moawad bearbeitete die Werbung und machte daraus: “Wenn ich eine Million gewinne, werde ich eine Werbeagentur aufmachen, die Frauen nicht als Idiotinnen darstellt.”

Eine der mächtigsten Frauen der Welt ist Chanda Kochhar, die die FAZ gerade im Profil vorstellte. Als CEO der größten indischen Privatbank ICICI rät sie Frauen, auf ihrem Karriereweg nicht um Sonderbehandlung zu bitten. Und hat selbst ein Unterstützungsnetzwerk aus Eltern, Schwiegereltern und Hausangestellten.

Auf BitchMedia erklärt Jessica Yee, warum Verschleierungsverbote ein feministisches Thema sei, welches mehr in den Vordergrund gerückt werden sollte.

The Sexist: Du bist erst ein Vergewaltigungsopfer, wenn die Polizei dies bestätigt. Und wieder dabei: Vergewaltigungsentschuldigungen.

Nicht neu, aber wohl immer noch relevant: Auf gewichtsdiskriminierung.de wird aus Glenn Gaessers’ Buch “Big Fat Lies: The truth about your weight and your health” zitiert:

Über die Hälfte der Frauen zwischen 18 und 25 würde es vorziehen, von einem LKW überfahren zu werden, als dick zu sein, und zwei Drittel hätten lieber einen schlechten Charakter oder wären dumm als dick.

In Portland (Oregon, USA) wurde ein Transgender Café eröffnet, welches Transgenders die Möglichkeit gibt, Geld für eine Krankenversicherung zu verdienen.

In Portland (Maine, USA) sind rund zwei Dutzend Frauen im Rahmen des GoTopless-Tags halbnackt durch die Stadt gezogen, um für das Recht auf freien Oberkörper zu demonstrieren. Die Demonstration endete aber wohl etwas anders als geplant (via Spiegel).

Topless Parade in Portland Maine from Jared Anderson on Vimeo.


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Wer war… Sofja Kowalewskaja?

15. Januar 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 3 von 31 der Serie Wer war eigentlich …

Sofja Wassiljewna Kowalewskaja wurde heute vor 160 Jahren in Moskau (Russland) geboren. Sie war eine russische Mathematikerin und wurde die erste Mathematikprofessorin Europas. Neben ihren mathematischen Werken schrieb sie auch gerne Dramen.

Quelle: math-blog.com

Quelle: math-blog.com

Kowalewskaja’s Interesse für Mathematik wurde auf ungewöhnliche Weise geweckt: Bei Renovierungsarbeiten im Haus reichte die Tapete nicht mehr für das Kinderzimmer. Flugs holte man altes Papier vom Dachboden und tapezierte damit das Zimmer. So zierte fortan eine Vorlesung von Differential- und Integralrechnung die Wand der jungen Sofja*.

Als sie sich dafür entschied, Mathematik zu studieren, arrangierte sie eine Scheinehe, um Russland verlassen und studieren zu können – gegen den Willen ihres Vaters. Zu dieser Zeit durften Frauen das Land nicht ohne die Erlaubnis des Vaters oder des Ehemannes verlassen. Kurze Zeit nach ihrer Hochzeit verließ Kowalewskaja im April 1869 Russland und studierte in Wien, Heidelberg und Berlin, wo Frauen meist nur als Gasthörinnern zugelassen waren. In Berlin wurde ihr gar der Zutritt zur Universität versagt, woraufhin sie Privatstunden von Karl Weierstrass erhielt. Kowalewskaja schrieb drei Arbeiten über partielle Differentialgleichungen, abelsche Integrale und Saturnringe und präsentierte diese der Universität Göttingen als ihre Doktorarbeit. 1874 wurde ihr dafür der Doktortitel mit summa cum laude verliehen.

Auf Grund ihres Geschlechts blieben ihr Anstellungen in der Lehre vorerst verwehrt, welches ihre Motivation und in der Konsequenz auch ihre Forschung lähmte. 1878 brachte sie eine Tochter zur Welt. Ab 1880 nahm sie das Studium der Mathematik wieder auf. Vier Jahre später erhielt sie auf Grund der Unterstützung des Weierstraß-Schülers Gösta Mittag Leffler eine Stelle als Privatdozentin in Stockholm (Schweden) und wurde im Juni des gleichen Jahres für fünf Jahre als außerordentliche Professorin angestellt. Kowalewskaja wurde somit die erste Mathematikprofessorin Europas. Im Februar 1891 verstarb sie in Stockholm.

*vgl. Kowalewskaja, “Erinnerungen an meine Kindheit”.

Mehr Informationen zu Mathematikerinnen gibt es auf mathematikerin.de.


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Russland: O.k. für sexuelle Belästigung – weil’s der Arterhaltung dient…

4. August 2008 von Katrin

Die Online-Ausgabe des britischen Telegraph berichtete vor einigen Tagen über den Ausgang eines Gerichtsverfahrens in Russland, in dem eine Angestellte ihren Chef wegen sexueller Belästigung angeklagt hatte. Der zuständige Richter urteilte: Ohne Sexuelle Belästigung keine Kinder und wies mit dieser Begründung die Anklage ab. Die Beweislage allerdings hätte anderswo sicher zu einer Verurteilung geführt. Der Telegraph kommentiert:

“Since Soviet times, sexual harassment in Russia has become an accepted part of life in the office, work place and university lecture room.”

Schockierend sind auch die Zahlen, die einer aktuellen Untersuchung zufolge diesen Zustand belegen: 100 Prozent (!) der berufstätigen russischen Frauen gaben demnach an, dass sie Opfer sexueller Belästigung durch ihre Vorgesetzten wurden. Ganze 32 Prozent gaben zu, mindestens ein Mal Verkehr mit ihnen gehabt zu haben und weitere sieben Prozent behaupten, vergewaltigt worden zu sein.

Die Folge davon:

“Eighty per cent of those who participated in the survey said they did not believe it possible to win promotion without engaging in sexual relations with their male superiors.”

Und:

“Women also report that it is common to be browbeaten into sex during job interviews, while female students regularly complain that university professors trade high marks for sexual favours.”

Nicht, dass die Frauen sich nicht gegen diese Tatsachen wehrten, doch ihre Ausgangslage ist denkbar schlecht: Nur zwei Frauen haben seit dem Ende der Sowjetunion ein Gerichtsverfahren wegen sexueller Belästigung in Russland gewonnen.


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