Einträge mit dem Tag ‘Roma’


Feministische Blicke, knutschende Heten und Kritik am Autismus-Begriff – die Blogschau

17. Mai 2014 von Nadine

alsmenschverkleidet schreibt über Elternschaft, die ständige Bewertung und Beurteilung schwangerer Körper und der Zwangs-Frauisierung in diesem Prozess: “Den Begriff der ” Mutter ” zu hinterfragen, ihn Stück für Stück abzutragen und durch das Skalpell der Dekonstruktion freizulegen, was darunter wirkmächtig funktioniert ist (m)ein möglicher Weg. Anzufangen fernab von limitierenden Einbahnstrassen in Richtung Weggabelung zu laufen um andere Variationen und Konzepte gelebter Elternschaft zu erkunden.”

“Ich sag nicht mehr “Afrika ist kein Land”. Jeder Mensch, der das nicht weiss, braucht es von mir nicht erklärt zu bekommen.”, befindet serialmel, denn sie hat keine Antwort, sie ist satt.

Aus den Zonen der Unbewohnbarkeit meldet sich Heiter Scheitern mit einer neuen Podcast-Folge zurück, in der es eigentlich um die Un_Vereinbarkeiten von queer und FLT* gehen soll – und das Kollektiv hält, was es verspricht: Es scheitert am Vorhaben.

Der Neudbayrische Kurier kommentiert die Studie zu der niedrigen Verurteilungsquote bei Fällen sexualisierter Gewalt (wir berichteten auch über diese) und findet “alles nicht so schlimm”. Die Initiative für Gerechtigkeit bei sexueller Gewalt nimmt den Artikel auseinander.

laufmoos schreibt über auf queeren Partys knutschende Hetenpärchen und deren Raumeinnahme. In einem zweiten Text erklärt laufmoos dann weiter, wer eigentlich wie und wann als hetero gelesen wird und welche Rolle dabei Praxen spielen.

Queer_Einsteigen hat einen Aufruf zu einer Studie zu Lebenssituationen von Trans*Kindern und -jugendlichen veröffentlicht, die noch nach Teilnehmer_innen sucht.

Am 16. Mai jährte sich zum 70. Mal der bewaffneter Aufstand der rund 6.000 Roma und Sinti im Lagerab­schnitt B IIe von Auschwitz-Birkenau. dROMa-Blog weist auf den Jahrestag und aktuelle Forderungen der Roma-Bürger_innenrechts-Bewegung hin.

Zum Anti-Diät-Tag hat Steinmädchen einen Text zum feministischen Blick geschrieben und wie dieser ihr dabei geholfen hat, die Bewertungen und Blicke anderer egaler finden zu können.

“Herzlichen Glückwunsch. Sie haben den Autismus-Zonk gewonnen. Sie haben den Begriff Autismus angewendet, ohne dass im Kontext ein Zusammenhang mit Autismus bestand.” – Autismus ist… zeigt auf, aus welchen Anlässen der Begriff Autismus verwandt wird und welche Auswirkungen dieser Gebrauch hat. (Hinweis: Reproduktion ableistischer Sprache)

Morgen gibt es in Berlin einen queer_feministischen Aktionstag zur Care Revolution mit Vorträgen, Workshops, Mitmachausstellung, Stadtspaziergang, open mic, Vokü, Kuchen.


Facebook | |


Asylrecht, Diskussion mit bell hooks und Schwangerschaftsabbrüche – kurz verlinkt

13. November 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 212 von 247 der Serie Kurz notiert

Beiträge auf Deutsch

Wie tief der Antisemitismus in Deutschland auch 75 Jahre nach der (Reichs-)Pogromnacht noch verankert ist, hat eine Befragung von 6.000 Jüd_innen aus acht EU-Mitgliedsstaaten ergeben. Erschütternd ist unter anderem, dass 25% der Befragten in den vergangenen fünf Jahren darüber nachgedacht haben, die Bundesrepublik zu verlassen, weil sie sich hier nicht (mehr) sicher fühlen.

Die Spekulationen über die mutmaßliche Kindesentführung Marias durch eine Roma-Familie haben in Europa und den USA ganze Seiten gefüllt. Nun haben sich auch Vertreter des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma und des Europäischen Zentrums für Roma-Rechte zu Wort gemeldet.

Nach einem aktuellen Urteil des Europäischen-Gerichtshofs haben Geflüchtete, die in ihrem Herkunftsland aufgrund ihrer Homosexualität verfolgt werden, ein Recht auf Asyl in Europa. Diese Entscheidung könnte auch Einfluss auf deutsche Asylpolitik haben.

Das Leben in Sammelunterkünften für Geflüchtete ist immer auch mit Formen von Gewalt verbunden, bzw. ist an sich schon eine Form von Gewalt. Frauen und Kinder sind noch einmal spezifisch von Gewalt bedroht. Darum fordern Women in Exile & Friends die Abschaffung der Lager. Ihr könnt die Petition mitzeichnen.

Frauen in Deutschland bekommen immer weniger Kinder. Kein Wunder, denn wenn sie doch welche kriegen, werden sie nach wie vor hauptverantwortlich für die Sorgearbeit gemacht. Zahlen und Fakten hierzu liefert die tagesschau.

Gestern stellten Vetreter_innen der “Initiative in Gedenken an Oury Jalloh” ein neues Gutachten zur Todesursache von Jalloh vor und erstatteten Anzeihe wegen Totschlags oder Mordes gegen unbekannte Polizeibeamte. Darüber berichtet neues deutschland.

Im Jahr 2000 erschien “Duvarlar-Mauern-Walls”, ein dreisprachiger Dokumentarfilm zu migrantisierten Perspektiven auf den Mauerfall, welcher auf Interviews aufbaute, die der Filmemacher Can Candan 190/91 führte. Der Film Mauern 2.0, der jetzt auch online zu sehen ist, interviewt eine Reihe der Protagonist_innen noch einmal zu ihren Gedanken zu Mauerfall, aktuelle Politiken und Rassismus.

Die Süddeutsche zeigt anhand von Ellen Ammann, wie Geschichtsschreibung funktioniert und an welche Widerstandskämpfer_innen erinnert wird – und welche viele eher in die Vergessenheit gedrängt werden.

Zwar bereits aus dem Jahr 2010, aber weiterhin ein wichtiger Text: Pablo Pineda hat einen Film über sein Leben gemacht, er heißt “Yo También”. In einem Interview erzählt er nun von seinem Leben mit der Genmutation Trisomie 21: “Es ist eine Kondition, ein Zustand. So wie der eine blond ist, habe ich eben das Down-Syndrom. Es ist viel mehr ein Charakteristikum als eine Krankheit”.

Beiträge auf Englisch

Sechs Webserien mit und über Lesben findet ihr auf fusion.net – besonders empfehlenswert: Between Women <3

Die MSNBC-Moderatorin (sowie Wissenschaftlerin, Autorin etc.) Melissa Harris-Perry und die Wissenschaftlerin und Aktivistin bell hooks sprachen in einem 90-minütigen Gespräch zu Black Female Voices – Who is Listening? – Auch wer_welche die Liveübertragung verpasst hat, kann das Video dankenswerterweise nach schauen!

Ein weiterer Artikel zu der Diskussion, wo einige der Kernthemen noch einmal aufgegriffen und analysiert werden, hat Sara Salem auf Neo-colonialism and its Discontents verfasst.

Why I Can Never Be a Proper German“, führt Özlem Gezer im SPIEGEL aus. Sie schreibt über die alltäglichen Anrufungen, die sie immer wieder an ihren Platz verweisen – und dabei natürlich diesen Platz erst einmal definieren.

Schwangerschaftsabbrüche sind nichts ungewöhnliches, aber sie sind mit so vielen Stigmata verbunden, dass nur selten darüber gesprochen wird. Beim NY Magazine erzählen 26 Frauen über ihre Beweggründe, Erfahrungen und Gedanken.

[Inhaltshinweis: Gewalt gegen Frauen, graphische Darstellung] Die griechische Filmemacherin Anastasia Bartzoulianou hat das Drehbuch zu “The Noir Project”, einem Film über häusliche Gewalt in einer Heterobeziehung, geschrieben. Das Team arbeitet u.a. mit European Anti-Violence Network, Woman’s Shelter in Thessaloniki und dem European Network Of Women zusammen. Für die Post-Produktion wird noch Geld benötigt.

Termine in Berlin, Bochum, Hamburg und Leipzig:

(mehr …)


Facebook | |


Lesben und Schwule in Ostberlin, Rassismus zu Halloween, Klage gegen Karl Lagerfeld – kurz verlinkt

30. Oktober 2013 von der Mädchenmannschaft

Beiträge auf Deutsch

Jeder sechste Mensch in Deutschland ist armutsgefährdet. Besonders betroffen sind Frauen und Alleinerziehende.

Filiz Demirova, eine Romni, berichtet bei radioeins über ihre Erfahrungen mit Alltagsrassismus.

Auch ein Leben mit einer schweren Erkrankung kann glücklich, lebenswert sein. Ein besonderes Beispiel hierfür ist Hannelore Setter gewesen, die am 10. Oktober im Alter von 79 Jahren in ihrem Krankenhausbett gestorben ist. 60 Jahre hatte sie dort verbracht.

Wie viel zählt das Leben eines geflüchteten Kindes in einem Asylbewerber*innenheim in Deutschland? Für viele anscheinend erschütternd wenig, wie Familie Petrovic auf bittere weise feststellen musste. Ihr Sohn Leonardo wäre vor zwei Jahren aufgrund der unterlassenen Hilfeleistung mehrerer Personen beinahe gestorben. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage eingereicht.

In der Schweiz wird gerade ein diskriminierender Rückschritt diskutiert: ein explizites Ehe-Verbot für homosexuelle Paare.

Ein Mann zeigt Angestellten der Deutschen Bahn gegenüber Zivilcourage – und wird dafür von ihnen rassistisch beleidigt, weil er Schwarz ist. Später stellt sich heraus: Der Mann ist der Landtagsabgeordnete Daniel Mack. Und plötzlich tut der DB alles furchtbar leid.

“Out in Eastberlin” – ein neuer Kinofilm berichtet über das Leben homosexueller Personen in der DDR. Hier findet ihr den Trailer.

Ein blondes Kind lebt bei einer Roma-Familie – und sofort schreiben große europäische Medien von Kindesraub. Keno Verseck berichtet auf SPON von der Geschichte dieses antiromaistischen Ressentiments (siehe auch die englischsprachigen Links weiter unten).

Karl Lagerfeld äußerte sich mal wieder diskriminierend über dicke Menschen und insbesondere dicke Models und hat dafür nun – yeah! – eine Klage am Hals.

Hier könnt ihr für die Kampagne “Dritte Option” spenden.

Beiträge auf Englisch

Eine vermeintliche Kindesentführung durch ein Roma-Paar fand medial große Beachtung und Anteilnahme – anders als die  Fälle, in denen Kinder aus rassistischen Gründen gewaltsam von ihren Familien getrennt werden. Discipline and Anarchy schreibt über den rassistischen Bias in Entführungsdiskursen (siehe auch die deutschsprachigen Links weiter oben).

Sexualisierte Ausbeutung und Gewalt stellten einen Grundpfeiler des Systems der Sklaverei in den Staaten der heutigen USA (und sicher genauso anderswo) dar. Akiba Solomon bespricht für Colorlines, in wiefern der Film “12 Years A Slave”  einen wichtigen, oftmals vernachlässigten Teil der Geschichte der  rape culture offen legt.

Wäre es nicht so ernst im echten Leben, könnte man inzwischen von einem regelrechten Krimi sprechen:  Ein Gericht hat das geradezu gewaltsam durchgesetze Anti-Abtreibungsrechte-Gesetz in Texas für verfassungswidrig erklärt.

Vitamin W berichtet über das Fotoprojekt “Alone Time” von JJ Levine: Indem gezeigt wird, dass ein und derselbe Körper jegliches Geschlecht überzeugend verkörpern kann,  sollen herrschende Normvorstellungen über die zweigeschlechtliche Rollenverteilung in Frage gestellt werden.

Halloween steht vor der Tür und damit leider auch immer wieder Leute in Blackface oder Redface – wer nach wie vor nicht mitbekommen hat, das sowas rassistische Kackscheiße ist, geht ziemlich ignorant durchs Leben, hält Awesomely Luvvy fest. Inklusive praktischer Entscheidungsgrafik!

Queer-Gerechtigkeit bedeutet mehr als schwule weiße Männer, die mit ihren Beziehungen an die Öffentlichkeit gehen, erklärt Audrey bei Autostraddle.

Termine in Berlin, Mülheim an der Ruhr, Bochum und Bielefeld (mehr …)


Facebook | |


Brandstiftung in Duisburg-Hochheide – Gedanken an Lichtenhagen

11. Oktober 2013 von Viruletta

Dass die antiromaistische Stimmung (nicht nur) in Duisburg mehr und mehr hochkocht, ist schon länger bekannt. Spätestens nachdem sich in Duisburg Nachwachen bildeten, um die Bewohner*innen der Häuser In den Peschen zu schützen, berichteten auch Mainstreammedien darüber. Die bei den Nachtwachen aktiven Menschen fürchteten ein zweites Rostock-Lichtenhagen, nachdem Gewaltandrohungen und tatsächliche Übergriffe gegen die dort untergebrachten Menschen Alltag geworden waren.

Nun ist das erste Haus, in dem überwiegend Roma-Familien leben, in Brand gesteckt worden. Es steht nicht in Duisburg-Rheinhausen wie die Häuserreihe In den Peschen, sondern im Stadtteil Hochheide, aber die Gründe für die Brandstiftung könnten dieselben sein. Die 42 Menschen, die sich zu Brandzeitpunkt in dem Haus befanden, mussten sich auf das Dach retten – 28 von ihnen sind noch Kinder. Sechs Erwachsene und elf Kinder erlitten dabei Rauchvergiftungen und Verbrennungen ersten Grades. Einen Hinweis auf einen “fremdenfeindlichen” (sic!) Hintergrund sieht die Polizei laut eigenen Angaben derzeit nicht. Es werde aber “wie üblich […] in allen Richtungen ermittelt”, so die Polizeisprecherin Daniela Krasch. Dass dies tatsächlich geschieht, bezweifelt die Initiative gegen Duisburger Zustände jedoch:

Nach den bisher ergebnislosen und offenbar mit peinlich wenig Begeisterung geführten Ermittlungen der Duisburger Polizei gegen geistige Brandstifter_innen im Internet, aber auch gegen die Schmierer_innen von rassistischen Parolen In den Peschen, darf bezweifelt werden, dass dieses Mal ernsthaft und tatsächlich in alle Richtungen gefahndet wird.

Wovon weitaus eher auszugehen ist, ist dass der Vorfall, sofern er Erwähnung findet, von Seiten der Politik sowie der Medien erneut zur antiromaistischen Stimmungsmache genutzt werden wird. Eine perfide Täter-Opfer-Umkehr zieht sich ohnehin durch einen Großteil der bundesdeutschen Berichterstattung, sobald in irgendeiner Form über Roma berichtet wird. In einer ausführlichen Analyse der Duisburger Zustände schrieb das Migazin bereits vor einiger Zeit:

Die Zuwanderer werden zu Tätern gemacht, obwohl sie – sozial marginalisiert – von extremer Armut betroffen sind. Die Sichtweise, dass sie Probleme haben und nicht machen, wird nicht thematisiert. Die Tatsache, dass Roma besonders in Ungarn, Rumänien und Bulgarien aus rassistischen Gründen diskriminiert, verfolgt oder gar umgebracht werden, findet fast keine Erwähnung.

Der Artikel schließt mit einem Fazit, das sich auch jetzt wieder in Erinnerung gerufen werden sollte:

Duisburg ist eine Einwanderungsstadt mit über 100 Jahren Migrationsgeschichte. Die eingewanderten Gruppen reichen von den „Ruhrpolen“ um 1900 über die Vertriebenen nach dem 2. Weltkrieg, die Arbeitsmigranten ab den 1950er Jahren bis hin zu Asylsuchenden, Spätaussiedlern und Kontingentflüchtlingen kurz vor der Jahrtausendwende. Man könnte sagen, dass Migration in Duisburg zur Tradition geworden ist. Diese Tradition wird nun von Menschen aus Südosteuropa fortgesetzt und zum wiederholten Male wird daraus ein Problem konstruiert. Duisburg scheint aus seiner Geschichte nicht viel gelernt zu haben.

Und Deutschland auch nicht.


Facebook | |


Antiromaistische Zustände in Duisburg #indenpeschen

26. August 2013 von Viruletta

TRIGGERWARNUNG: Rassismus, Antiromaismus, Polizeigewalt.

Vor einer knappen Woche haben wir über die rassistischen Übergriffe sowie den dagegen erstarkenden Widerstand in Duisburg #indenpeschen und Berlin #MaHe berichtet. In Duisburg hat sich die Lage seit dem letzten Wochenende leider deutlich zugespitzt. Während die Mainstreampresse die Schuld bei den Bewohner*innen der Häuser In den Peschen 3-5 sowie den Organisator*innen der mit ihnen solidarischen Nachtwache sucht, sind inzwischen mehrere Pressemitteilungen und Blogbeiträge von Seiten der Unterstützer*innen veröffentlicht worden.

Rassististische Stimmungsmache auf der “Diskussionsveranstaltung” von “Bürger für Bürger e.V.”

Am Freitagabend veranstaltete der Verein “Bürger für Bürger e.V.” eine sogenannte “Diskussionsveranstaltung” über die Häuser In den Peschen 3-5. Hierbei ist es offensichtlich von vornherein nicht beabsichtigt gewesen, mit den Bewohner*innen statt über sie zu diskutieren, denn von ihnen ist bezeichnenderweise keine*r Einzige*r eingeladen worden. Auch die Moderation schien schon vor Beginn der “Diskussion” einen klaren Standpunkt zu beziehen, so wurde bereits in der Anmoderation von Menschen gesprochen, die „kulturell nicht hierher passen“ (R. Karling) würden. Ebenso wenig wurden die wiederholten rassistischen Zwischenrufe unterbunden, ganz im Gegenteil zu den Versuchen, rassismuskritisch zu intervenieren. Dominiert wurden die Beiträge auf der letztlich etwa 100 Teilnehmer*innen umfassenden Versammlung unter anderem von Mitgliedern der rechtspopulistischen Partei “Pro NRW”. Es wurde außerdem mehrfach versucht, als Andersdenkende ausgemachte Personen einzuschüchtern und zu bedrohen, zum Beispiel in dem wiederholt Fotos von ihnen gemacht und während der Versammlung ein Hammer gezeigt wurde.

Auseinandersetzungen nach der Versammlung mit anschließendem Polizeieinsatz

Im Anschluss an die Veranstaltung eskalierte die Situation dann leider völlig. Menschen, die sich während der Veranstaltung rassismuskritisch geäußert hatten, wurden von Nazis verfolgt, konnten sich jedoch glücklicherweise in ein Wohnhaus retten. Als Folge der Vorkommnisse rückte die Polizei mit einem Großaufgebot an, jedoch nicht um endlich die Bewohner*innen so wie ihre Unterstützer*innen zu schützen, was ihre Aufgabe gewesen wäre. Stattdessen stürmten sie scheinbar wahllos Wohnungen der Häuser In den Peschen 3-5. Teilnehmer*innen der Nachtwache schildern die Situation folgendermaßen:

Bei dieser Polizeimaßnahme – die maßgeblich durch z.T. vermummte Duisburger Hundertschafts-Polizist*innen durchgeführt wurde – drang die Polizei in mehrere Wohnungen ein, einige Kinder wurden aus dem Schlaf gerissen und mit Pfefferspray attackiert, außerdem erlitt eine hoch-schwangere Frau einen Nervenzusammenbruch und wurde ins Krankenhaus gebracht. Nach unseren Informationen wurde mindestens ein Mal aufgelegt, als versucht wurde einen Krankenwagen „In die Peschen“ zu rufen.
Drei Bewohner des Hauses wurden festgenommen, darunter ein Jugendlicher. Ebenso wurden zwei Personen, die sich an der Nachtwache beteiligten, von der Polizei in Gewahrsam genommen. Nach Zeugenaussagen hätten sich die beiden zu diesem Zeitpunkt schon an der Nachtwache beteiligt und würden folglich nicht als Tatbeteiligte in Frage kommen.
Während des gesamten Polizei-Einsatzes wurde nicht versucht mit den Bewohner*innen zu kommunizieren. Somit haben die Bewohner*innen über die ganze Polizeimaßnahme hinweg keine Information über das Vorgehen der Polizei oder einen Grund für das Eindringen in das Wohnhaus bekommen.

Ähnlich geschildert werden die Vorfälle auch vom Duisburger Bündnis gegen Antiziganismus und in einem Gastbeitrag bei der Landtagsabgeordneten Birgit Rydlewski (Edit: danke für die Hinweise, hier stand zu erst, dass der Beitrag direkt von ihr stammen würde). Bei Letztere schließt der Augenzeugenbericht mit dem Fazit, dass der Augenzeuge nicht glaubt, dass es unter den gegebenen Umständen auf Dauer möglich sein wird, einen Anschlag auf die Häuser zu verhindern, da es der Polizei viel eher darum zu gehen scheint, die Bewohner*innen zu diskriminieren und zu kriminalisieren, anstatt Übergriffe auf das Gebäude und die dort lebenden Menschen zu verhindern.  Auch der Deutsche Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. setzt die aktuellen Geschehnisse in Duisburg in den Kontext der Progrome von Rostock- Lichtenhagen, Solingen, Hoyerwerda und Mölln.

 Wie kann es jetzt weitergehen?

Die Antirepressionsgruppe Mülheim hat dazu aufgerufen, Gedächtnisprotokolle von Freitag Nacht einzusenden. Außerdem hat die rechtspopulistische Partei “Pro Deutschland” für den kommenden Donnerstag, den 29. August, eine Demonstration vor den Häusern In den Peschen 3-5 angemeldet. Sobald es Informationen über Gegenveranstaltungen gibt, werden wir euch an dieser Stelle darüber informieren. Generell sollte aber nochmal betont werden, dass das weitere Vorgehen nun gut abgewogen, ausführlich mit den Bewohner*innen besprochen und keinesfalls über ihre Köpfe hinweg entschieden werden sollte.

Update: Die bisher in erster Linie durch ihre einseitige Berichterstattung aufgefallene Lokalpresse verweist inzwischen ebenfalls auf einige der hier verlinkten Gegendarstellungen.


Facebook | |


Rassistische Normalzustände – kurz verlinkt

22. August 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 200 von 247 der Serie Kurz notiert

In der vergangenen Woche haben sich allerhand spannende Linktipps angesammelt – daher gibt es diese Woche “Kurz verlinkt” gleich zweimal. Hier Teil 2.

Heute jähren sich die Angriffe auf die zentrale Aufnahmestelle für Geflüchtete und ein Wohnheim für ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter_innen in Rostock zum 21. Mal. Auch 21 Jahre später müssen Asylsuchende in Deutschland um die Sicherheit in ihren Unterkünften bangen.

Die Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt (KOP) und der Migrationsrat Berlin Brandenburg e.V. rufen auf zur Solidarität mit Ayfer H. (Hintergrundinfos ab Seite 132 in der Chronik) und mobilisieren gemeinsam mit ihr zur Prozessbeobachtung. Wann? Am Mittwoch, den 28. August 2013 um 11:30 Uhr. Wo? 64. Strafkammer des Landgerichts, Turmstraße 91, 10559 Berlin, Raum 731.

Alltagsrassismus erleben auch Reiche und Prominente, wie u.a. in der Süddeutschen Zeitung zu lesen ist: “Der eigentliche Skandal ist nicht, dass sich jemand weigerte, Oprah Winfrey eine teure Handtasche zu zeigen. Der Skandal ist, dass sich jemand weigerte, einer schwarzen Frau eine teure Handtasche zu zeigen. Dass es sich dabei um die berühmte Unternehmerin handelte, verhilft dem Fall, der sonst wohl nie an die breite Öffentlichkeit gelangt wäre, zu Bekanntheit. Mehr nicht.”

Die Jüdische Allgemeine meldet einen krassen Fehlgriff bei eben dieser Zeitung: Mit einem Foto eines Bahngleises des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau hat die Süddeutsche am Montag eine Leser_innenbriefseite zum Bahnchaos am Mainzer Hauptbahnhof illustriert.

Dass Frauen, die aus vermeintlich religiösen Gründen ein Kopftuch tragen, es schwer haben, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden, war bekannt. Dass diesen Frauen aber mehr als jeder dritte Betrieb verschlossen bleibt, geht nun aus einer aktuellen Studie der Pädagogischen Hochschule Freiburg hervor, über die das Migazin berichtet.

Die taz berichtet über das Leben von Rroma-Familien in Serbien, die aus Deutschland abgeschoben wurden.

Ebenfalls in der taz: „Ich kam als Opfer rein und ging als Täter wieder raus“ – ein Bericht über Vergewaltigungen unter dem Einfluss sogenannter K.O.-Tropfen.

Eine neue TV-Serie über das Leben im Gefängnis, “Orange Is The New Black”, wird in der feministisch-kritischen US-amerikanischen Blogosphäre heiß diskutiert. Ein Interview mit einer der Schauspieler_innen gibt es nun bei Autostraddle [auf Englisch].

Mutmaßlich als Zeichen gegen menschenfeindliche homophobe Gesetze in Russland haben sich zwei russische Athletinnen bei der Leichtathletik-WM während der Medaillenvergabe geküsst - vermutlich drohen ihnen deswegen  Sanktionen [Text auf Englisch] Edit: Offenbar sind die beiden Sportlerinnen von dieser Interpretation ihrer Aktion nicht sonderlich begeistert

Cheryl Sandbergs “Lean In”-Webseite hat ironischerweise ein unbezahltes Praktikum ausgschrieben. Bei der The Ed Show sprechen Zerlina Maxwell und Keli Goff über den Kampf für gerechte Löhne und welche Ausschlüsse solche Praktika produzieren [auf Englisch].

Viele Tipps zur Selbstfürsorge gibt es bei Scarleteen [auf Englisch].

Warum thin-shaming, die Abwertung von als dünn gelesenen Körpern,  falsch und fies ist, aber nicht das Pendant zu fat-shaming, erklärt Lindy West auf Jezebel [auf Englisch].

Im New Statesman erklärt Laurie Penny Männern* nochmal den Unterschied zwischen individueller Schuld an und individueller Verantwortung für Sexismus – und fordert dazu auf, letztere zu übernehmen [auf Englisch].

Von wegen Höhlenmenschen und Evolution und so: Die allgemein verbreitete Überzeugung, dass Männer* grundsätzlich mehr an Sex interessiert seien als Frauen*, ist relativ neu, wie Alyssa Goldstein bei Alternet berichtet [auf Englisch].

Mädchen im Alter zwischen vier und acht Jahren sagen, was sie an ihren Körpern mögen: Was der Körper tun kann, ist wichtiger als wie er aussieht [auf Englisch].


Facebook | |


Rassistische Übergriffe und Widerstand in Berlin und Duisburg

20. August 2013 von Charlott

In zwei Tagen jähren sich zum 21. Mal die Gewalttaten gegen Asylsuchende in Rostock Lichtenhagen. Während auf ZDFneo Flucht nachgespielt wird, Gauck sich bestimmt an seine letztjährige Eichen-Pflanz-Aktion anlässlich des Jahrestages erinnert und Angela Merkel mehr Zivilcourage gegen Rechtsextremismus fordert (ohne natürlich Rassismus als gesamtgesellschaftliches Problem und auch Teil der aktuellen politischen Entscheidungen zu benennen):

Übergriffe auf neue Unterkunft für Asylsuchende in Berlin

Bereits seit Wochen wurde gegen eine neue Unterkunft für Asylsuchende in Marzahn-Hellersdorf Stimmung gemacht und mit rassistischen Parolen gehetzt. Einen “Höhepunkt” fand dies bei einer Bürgerversammlung (sic), organisiert durch den Bezirk, am 9. Juli. Ziel der Veranstaltung war es gewesen, Anwohner_innen über die Planungen zu informieren und Fragen zu beantworten. Stattdessen kamen Nazis wie Maria Fank vom Ring nationaler Frauen an das Mikro.

Gestern bezogen nun die ersten Flüchtenden die neu eingerichtete Unterkunft und wurden direkt mit Hitler-Gruß von AnwohnerInnen begrüßt, es wurden Parolen gebrüllt und weitere Drohgebärden aufgefahren. Auf Facebook wurde über Brandanschläge auf die Unterkunft fantasiert. Erste Refugees haben der Unterkunft aufgrund der aktuellen Lage den Rücken zugekehrt. Unterstützende Demonstrant_innen waren den ganzen Tag aber auch vor Ort. Heute Nacht haben 15 von ihnen eine Mahnwache abgehalten. Bei Storify gibt es eine Übersicht der gestrigen Ereignisse. Unterstützung vor Ort ist immer noch wichtig (FB Link). Heute Abend soll eine NPD-Kundgebung ab 18 Uhr gegenüber der Unterkunft stattfinden.

Mehr Informationen und u.a. eine Artikelsammlung findet ihr bei linksunten.indymedia. Auf Twitter könnt ihr den Hashtag #MaHe und insbesondere dem Account @AntiRa_Info_MH folgen.

Übergriff gegen Roma in Duisburg

In Duisburg spitzen sich derweil die Gewaltandrohungen und tatsächlichen Übergriffe auf die Bewohner_innen zweier Wohnblöcke (In den Peschen 3 und 5) zu. Die Anwohner_innen sind zu einem großen Teil Roma. Auch hier wird Facebook zum gemeinsamen Hetzen genutzt. Dort wird immer wieder zum Anzünden der Häuser aufgerufen (TW für den Link). Aber auch die Mainstreampresse wie die WAZ oder der WDR unterstützt die Stimmungsmache mit rassistischen_antiromanistischen Artikeln und Beiträgen, in denen vor allem den GegnerInnen mit ihren rassistischen Annahmen Raum gegeben wird (und ergänzt wird, dass es natürlich wirklich Probleme mit Roma in Duisburg gäbe).

Solidarische Aktivist_innen halten seit zwei Tagen Nachtwachen bei den Gebäuden. Auch hier wird Unterstützung gebraucht!
Heute um 17 Uhr soll es ein Treffen von Unterstützer_innen im Asta Keller der Uni Duisburg geben.

Auf Twitter könnt ihr dem Hashtag #indenpeschen folgen um auf dem Laufenden zu bleiben. Seit heute gibt es auch einen Blog: In den Peschen und einen Twitteraccount @IndenPeschen.

Für beide Orte gilt: Wenn ihr weitere, aktuellere Informationen oder gute, informierende Artikel habt, postet sie bitte in die Kommentare.


Facebook | |



Anzeige