Immer noch die Gretchenfrage
10. Juni 2009 von KatrinEine Tagung der Böll-Stiftung beschäftigte sich mit dem Verhältnis von Religion und Frauenrechten. Entkommt man der patriarchischen Falle, die allen Religionen innewohnt?

(C) Frl. Zucker - fraeuleinzucker.blogspot.com/
Wenn man zu einer Konferenz mit dem Titel „Religion Revisited – Frauenrechte und die politische Instrumentalisierung von Religion“ geht, dann tut das wahrscheinlich niemand ohne bestimmte Erwartungen. Diese können religiös geprägt sein: Vielleicht erhofft man sich Lösungen für offenkundige Dilemmata innerhalb der eigenen Glaubensgemeinschaft. Oder man erwartet sich ein klares religionskritisches Signal und Wege zu mehr Säkularisierung im eigenen Staat oder in anderen Staaten auf der Welt. Wenn man als FeministIn hingeht, dann möchte man Antworten auf Fragen der Gleichberechtigung, religiös begründeter Gewalt gegen Frauen weltweit, reproduktiver Selbstbestimmung und viele mehr. Denn gerade als FeministIn fühlt man sich in einem kulturkritischen Dilemma: Auf der einen Seite möchte man nicht in kolonialer Manier intolerant mit den eigenen Vorstellungen als Ideal ein Urteil über andere Kulturen fällen. Auf der anderen Seite will man die notwendige Kritik an menschen- und vor allem frauenverachtender, religiös begründeter Gesetze und Handlungen äußern.
Wahrnehmung der Frauen
In den großen Religionen der Welt finden sich hierarchische Strukturen, welche traditionell ein Patriarchat begründen. Nur sehr schleppend und stets auf Druck von außen, nie durch eigene Aktivität, öffnen sich manche ein kleines bisschen, indem sie auch Frauen in hohen religiösen Ämtern akzeptieren. In anderen Religionen hingegen scheint sich entweder gar nichts zu tun, oder sie verschärfen gar ihre Unterdrückung von Frauen, wie dies in einigen islamistischen Staaten, etwa momentan in Afghanistan, der Fall ist. Die internationale Frauenrechts- und Entwicklungsorganisation AWID (Association For Women’s Rights in Development) beobachtet diese Entwicklungen kritisch und hat eine Befragung an über 1.600 Frauenrechts-AktivistInnen durchgeführt, um Auskunft über deren Wahrnehmung der Gefahr religiöser Fundamentalismen für die Rechte von Frauen zu erhalten. Diese Befragung war Basis eines Tagungs-Workshops.
Zusammenfassend: Fundamentalismen gibt es in allen Religionen der Welt – so die Wahrnehmung der Befragten, die aus vielen Ländern der Welt kamen und nahezu alle möglichen, selbst die kleinsten Religionen repräsentierten. Eine Mehrheit der Befragten AktivistInnen empfand religiösen Fundamentalismus als Problem für ihre eigene Arbeit. Als charakteristischste Merkmale nannten sie “absolutistisch” und “intolerant” (42 Prozent der Befragten). 24 Prozent gaben “gegen Frauen” und “patriarchalisch” an. AWID fand in der Beschreibung des Verhaltens verschiedener religiöser Fundamentalismen vor allem eine ganz besondere Gemeinsamkeit: Das Ziel, den Körper und die Sexualität der Frauen auf die eine oder andere Art zu kontrollieren. Ein aktuelles Beispiel ist die Sex-Pflicht in der afghanischen Ehe. Oder die Kontrolle weiblicher Körper durch verschieden starke Verschleierung derselben. Ein drittes Beispiel ist die Kontrolle der weiblichen Sexualität durch strikte Verbote von Verhütungsmitteln und durch ein Abtreibungsverbot. (weiterlesen …)
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