Einträge mit dem Tag ‘Religion’


(Unbezahlte) Bildungsarbeit, BMX-Räder und Blabla-Diskussionen im Feuilleton – kurz verlinkt

17. Dezember 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 260 von 260 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Am Montag marschierten an die 15.000 Pegida-Anhänger_innen (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) durch Dresden. Die Parolen sind klar rechts, rassistisch und islamophob. Die taz ist mitgelaufen und schreibt über das Selbstverständnis der Mitmachenden. Die Süddeutsche berichtet vom Symposium “Grenzen im politischen Meinungskampf – Zum Umgang mit rassistischen Vorurteilen und Diskriminierungsideologien”, welches sich auch mit Pegida auseinandersetzte.

Die taz hat ein Interview mit der Islamwissenschftlerin Noha Abdel-Hady geführt. Sie untersucht die Rolle weiblicher Gelehrter im Islam. 

Warum ich für meinen Sohn Weihnachtsfiguren mit dunkelbrauner Hautfarbe bestelle“: Wie Kinder Rassismus erfahren, reproduzieren und verarbeiten,  erzählt Tupoka Ogette beim Migazin.

“Alleinerziehende und Hartz IV Alltagskampf bis zur Erschöpfung” - bei Deutschlandradio Kultur gibt es einen Beitrag über viele der strukturellen Faktoren, die sog. alleinerziehende Mütter und ihre Kinder in Armut halten.

In der sog. Düsseldorfer Tabelle ist geregelt, wieviel Geld zum Lebensunterhalt Kindern zusteht. Diese Tabelle ist nun angepasst worden – allerdings zugunsten der unterhaltspflichtigen Personen. Von denen die Mehrheit derzeit getrennt lebende Väter sind, die wiederum oftmals ohnehin nicht, nicht regelmäßig oder zu wenig Unterhalt für ihr(e) Kind(er) zahlen, obwohl sie statistisch finanziell von einer Trennung oft profitieren. Der Deutsche Juristinnenbund kritisiert daher die Entscheidung.

Türkisch, deutsch, lesbisch, feministisch: Ein schönes Interview von FrauTV mit Dj Ipek zu Identität und gegen eindimensionales Schubladendenken.

neues deutschland veröffentlicht einen ausführlichen Nachruf auf die Refugee-Aktivistin Mimi.

Beim Missy Magazine kritisiert Katrin Gottschalk den Zeit-Kommentar “Menstruationscomics, nein danke”, der sich, “wie so viele andere, am Image des Feminismus” abarbeite, “anstatt sich mit seinen Inhalten zu beschäftigen.”

englischsprachige Links

18 Badass Women You Probably Didn’t Hear About In 2014” hat Buzzfeed zusammengestellt.

In dem neuen Dokumentarfilm “Regarding Susan Sontag” verbindet Nancy Kate Tagebucheinträge von Sontag mit selten gezeigtem Archivmaterial von Auftritten, Interviews und aus den Städten, in denen Sontag lebte. Autostraddle bespricht den Film.

Beim Guardian schreibt Chelsea Manning über legale, insitutionelle und bürokratische Vorschriften/ Strukturen, die trans* Personen immer wieder Gewalt aussetzen: “Despite bureaucratic assumptions, we exist. […] the problem is not just inclusion or equal opportunities in institutions like government identification systems or voting – because such systems are inherently, if indirectly, biased to favor high income, straight, white, cisgender people. How can trans people change a system to which we don’t even have access?”

Schon mal von Lilly Yokoi gehört? Bust stellt die Fahrradakrobatin quasi als Vorgängerin all jener, die jetzt Tricks auf dem BMX machen, vor.

“We are Black Women, AfroIndigenous and women of color who have organized a social media Blackout.” – Aktivistinnen zur Aktion #ThisTweetCalledMyBack, unbezahlte Bildungsarbeit und den gewaltvollen Backlash.

Melissa McEwan hat auf Shakesville einen neuen Beitrag in der Serie “Hilfreiche Tipps für Typen”, die sich weniger sexistisch verhalten wollen, veröffentlicht.

französischsprachigesprachige Links

Die queer-feministische Organisation Queer African Youth Network veröffentlichte im Rahmen der Kampagne “16 Day Against Gender-Based Violence” 16 Geschichten von lesbischen_queeren Frauen aus den frankophonen Ländern Westafrikas und Kamerun.

Termine

17.12. in Berlin, ab 16:30 Friedrichstraße/links neben Friedrichstadtpalast: Die Geburtshilfe steht vor dem Aus. #zappenduster – eine Demo der Hebammen.

17.12. in Berlin, 18:00 – 20:00 Kurfürstenstraße/Ecke Frobenstraße : Gedenken von Berliner Sexarbeiter*innen gegen Gewalt anlässlich des Internationalen Tags zur Beendigung von gegen Gewalt gegen Sexarbeiter_innen


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Transphobe Limo-Werbung und Anti-Diät-Tipps – die Blogschau

11. Mai 2013 von Nadia
Dieser Text ist Teil 201 von 265 der Serie Die Blogschau

Die Bionade: Jetzt nicht nur in der Plastikflasche, sondern auch transphob. Und deswegen auch bei Helga in der Liste diverser Vermeidungsprodukte.

Textprodüksiyon.net sammelt auf Ihrer Facebook-Präsenz Links zum NSU-Prozess.

Nach schlecht verhohlenem Lob für den Lichtenhagen-Pogrom nun ein opferbeschuldigender NSU-Entlastungsversuch: Publikative.org nimmt sich den Kommentar des FAZ-Redakteurs Jasper von Altenbockum vor.

“Ich sehe, wie in grellem Scheinwerferlicht, zehnfach vergrößert, die täglichen Details meiner Unterdrückung, die täglichen Details des Schmerzes anderer Frauen. Ich habe keine Abwehr mehr dagegen, keine Scheuklappen, ich sitze mittendrin wie ein Muscheltier ohne Schale.” Viruletta mit einem Zitat von Anja Meulenbelt aus dem Jahre 1976.

Charlott hat “Americanah”, den neusten Roman von Chimamanda Ngozi Adichie, rezensiert.

Vatertag, Geschlechterklischees und andere Schwierigkeiten bezüglich Bollerwagen und Trinkritual: mutterseelenalleinerziehend und Me, Myself and Child erklären nochmal, warum es da eigentlich nix zu feiern gibt.

Keine Diät/Ernährungsumstellung/Bauch-Beine-Po – Geschichten mehr! Fordert Identitätskritik. Und eine passende Anti-Diät gibt es auch noch, und zwar von der Arge Dicke Weiber.

Neuer Podcast bei heiter scheitern, u. a. zur Trans*-Tagung Gießen und zum The Knife-Konzert.

Ein Interview mit Miss Temple von “Some girls are bigger than others” könnt Ihr hier lesen.

Noch bis heute findet in Würzburg der evangelikale Kongress der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge statt. Das Bündnis „Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religösen Fundamentalismus“ hat nun einen Blog, der diesen Kongress kritisch aufarbeitet und zum Beispiel Reader zur Verfügung stellt und Protest organisiert.

In Wien gibt es seit vorgestern eine feministische Hausbesetzung.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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„Ich habe noch gar nicht alles im Internet entdeckt“

15. Dezember 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 88 von 115 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

Rummotzen

Wie heißt du?
Bäumchen

Seit wann bloggst du?
Seit November 2010.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Es gibt in der kleinen Stadt, in der ich wohne, keine ausreichend feministische Vernetzung, und das, obwohl ich so begierig drauf war, endlich politisch aktiv zu werden. Ich habe mich politisieren lassen durch eine Tierrechtsgruppe hier vor Ort und spürte bald, dass ich umfassender werden musste. Feministin bin ich schon seit jüngeren Jahren, aber eher abgeschottet und für mich, da ich nie eine andere kennengelernt habe (außer natürlich in den Klassikern, aber die sind ja alle schon tot). Das Schreiben war für mich eine Möglichkeit, herauszukommen, den vielen Gedanken in meinem Kopf Geburtshilfe zu leisten und mich selber auch in dem zu finden, was ich schrieb. Fast zur gleichen Zeit entdeckte ich auch den Mädchenblog und schrieb dort meinen ersten Post. Es war alles sehr spannend, auch weil ich noch recht unbedarft war.

Worüber schreibst du?
Grundsätzlich ist mein Blog feministisch und links ausgerichtet und ich beschäftige mich mit vielen Gedanken, tagesaktuellen Themen, Medienbildern. Wichtig ist mir dabei die Verbindung mit anderen Themen, die eine Bedeutung in meinem Leben haben. Darum musste ich in meinen letzten Postings das eine oder andere Mal sehr persönlich werden, etwas, was mir ehrlich gesagt, zuerst sehr schwer fiel. Tierbefreiung, Religiösität, mein Leben als „Frau mit Migrationshintergrund“ (sehr hintergründig), Lesbisch-sein – all das sind Aspekte von mir, die zur Sprache kommen wollen und die ich nicht ausschließen kann aus meiner Betrachtung der Welt. (mehr …)


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Schulversager, weil Gott es will

31. März 2011 von Kübra

„Gehört der Islam zu Deutschland?” Wenn ich diese Frage noch einmal höre, knallts. Dann schnappe ich mir mein Sprengstoffgürtel und das tickende Bömb­chen unter dem Kopftuch und gehe in die Luft – dorthin, wo dümmliche Fragen nicht hinkommen. In eine Welt frei von pseudo-intellektuellen Stell­ver­treter-Diskussionen. Eine Welt frei von Fragestellern, die eigentlich nur meinen: „Ätsch, ihr Muslime gehört nicht zu uns.“ Weil das aber zu plump wäre, tut er mal eben so, als ginge es ihm um einen ernsthaften lösungsorientierten Diskurs. „Ich meine es ja nur gut mit euch.“

Seit Wochen dröhnt ein höchst frustrierender medialer Diskurs in meinen Ohren, bei dem Selbstverständlichkeiten und Banalitäten ad absurdum diskutiert werden. Ob der Islam zu Deutschland gehört, lässt sich genauso schnell beantworten, wie ob Foucault, Hobbes, Newton, Adam Smith oder Harry Potter zu Deutschland gehören. Die Frage kann doch nicht ernsthaft ernst gemeint sein?

Doch, sie ist ernst gemeint. Kürzlich saß ich im Publikum einer top-besetzten Diskussionsveranstaltung und wollte mir anschauen, wo wir uns diskursmäßig der­zeit befinden. Schockiert musste ich feststellen: Wir sind unten. Ganz tief unten.

Es war ein renommierter Spiegel-Journalist, der die Diskussion offenbar als Niveaulimbo begriff. Woher die Erregungsbereitschaft der Muslime käme, witzelte er. Ihnen fehle es an Sex und Alkohol. Dann fragte er ernst in die Runde ob es einen Zusammenhang zwischen dem Islam und Bildungsverweigerung gäbe.

Sollte ich lachen oder weinen? Aus dem Publikum schaute ich ihn an. Er wich mei­nem Blick aus. Dann stand ich auf, um einen Wortbeitrag zu leisten. Der Herr drehte seinen Kopf weg. „Sie dürfen mich ankucken oder verwirrt Sie meine Exis­tenz?“, fragte ich. Ganz offensichtlich war dem so. Seinen Behauptungen zufolge dürfte ich schließlich gar nicht existieren.

„Iqra – Lies!“ ist das erste Wort, das dem Propheten überliefert wurde. Religiösität bedeutete für mich immer auch mich weiterzubilden, persönlich weiter­zu­ent­wickeln und nach Wissen zu streben. Nie etwas anderes. Nie habe ich Gegenteiliges beigebracht bekommen, gehört oder gelesen. Und da kommt ein schnieker Journalist dahergelaufen und stellt Zusammenhänge her, wo keine sind. Klar, er will eigentlich wissen, warum viele Migranten aus islamisch geprägten Ländern im deutschen Bildungssystem schlecht abschneiden. Dann soll er mir mal einen Schüler zeigen, der nicht lernt, weil er das theologisch begründen kann.

„Sie stellen die falschen Fragen“, sagte ich. Es sind Schicht- und Sozialprobleme, die er da anprangern sollte. Nach der Diskussionsrunde fragte ich ihn, wie er denn zu dieser Haltung komme. „”Ich habe viele Bücher flüchtig gelesen“, erklärte er. „Flüchtig“, wiederholte ich. „Ja, das ahnte ich bereits.“

Dann drehte er sich mit vorgehaltener Hand zu mir um und verriet: „Ich bin kein Islam-Experte. Man lädt mich halt ein. Und ein bisschen muss es ja knallen.“ Apropos knallen, irgendwo unter diesem Tuch müsste das Ding doch sein …

(Dieser Text erschien ursprünglich als Kolumne in der Taz.)


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Neues aus der muslimischen Trendethnie

20. Januar 2011 von Kübra

Bin ich eine Sadistin? Schlummert tief in mir eine andere Kübra? Denn warum sonst geißele ich mich immer wieder mit schlechten Hetzartikeln in deutschen Wochenmagazinen?

Jedenfalls erwischte ich mich kürzlich wieder dabei, wie ich einen solchen Artikel las. Ich wäre fast vom Stuhl gekippt, ging es doch tatsächlich endlich einmal um das noch nie zuvor besprochene Tabuthema Ehrenmord und das Sexualleben „muslimischer“ Jugendlicher in Deutschland (man ist bekanntlich nicht mehr türkisch oder arabisch, sondern nur noch muslimisch).

Wirklich gut wird der Artikel, als er es schafft, durch das ständige Wiederholen einen direkten Zusammenhang zwischen Islam und Ehrenmorden zu kreieren. Das heißt im Klartext: Ehrenmorde wird man nur dann los, wenn man den Islam los wird. Dabei haben Ehrenmorde oft mehr mit der Tradition als mit der Religion zu tun – die Ehrenmorde sogar verbietet. Viele junge Mädchen argumentieren mit ihrer Religion gegen herrschsüchtige Väter und Brüder. Aber nein. Hier schreibt schließlich eine, die es wissen muss. Sie kommt aus dem besagten Kulturkreis. Ergo: Sie besitzt einen Freischein für Undifferenziertheit.

Und das ist schade, weil die Autorin über etwas Wichtiges schreibt. Es gibt Familien und Gesellschaftskreise, die ihre Ehre vom Jungfernhäutchen der Töchter abhängig machen und, um diese Ehre zu retten, auch körperliche Gewalt ausüben würden. Und jeder dieser Fälle ist eine Tragödie.

Schon mit 16 Jahren fuhr ich an Wochenenden zu interreligiösen Veranstaltungen und Dialogprogrammen und erzählte Tagung aus, Tagung ein die gleiche Leier: Nein, Ehrenmorde sind kultur- und traditionsabhängig. Sie sind mit dem Islam eigentlich unvereinbar. Aber natürlich ist jede Religion schon einmal für Gewalt instrumentalisiert worden: das Christentum, welches Nächstenliebe predigt, ebenso der friedfertige Buddhismus. Überall dieselben Fragen, deshalb auch dieselben Antworten. Auch im Fernsehen und sämtlichen Talkshows.

„Muslime kommen unglaubwürdig rüber“, sagte mir eines Tages ein Freund. „Einerseits betonen sie, wie unislamisch Ehrenmorde sind, andererseits findet man immer wieder Fälle, bei denen Religion als Motivation angeführt wird.“ Dass sich in vielen deutschen Städten Muslime seit Jahren aktiv gegen Ehrenmorde und für eine Trennung von Religion und Tradition einsetzen, wusste er nicht. Ehrenmorde sind auch nicht die einzige Tradition, für die der Islam missbraucht wird. Gewalt in der Ehe, schwache Frauenrollenbilder und belastend hohe Erwartungshaltungen an Männer sind nur einige der Missstände.

Wir Muslime müssen diese Missstände weiter diskutieren, intensiver als bisher. Nicht jedoch mit Fingerzeigenden auf Dialogveranstaltungen, wo wir glauben, der Islam als Ganzes stehe auf dem Prüfstand, und uns deshalb sofort in Verteidigungshaltung begeben. Sondern souverän, kritisch und selbstbestimmt innerhalb der muslimischen Communities. Dafür brauchen wir Foren und Formen. Und dann kann die kleine Sadistin in mir ruhen.

(Dieser Text erschien ursprünglich als Kolumne in der Taz.)


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Warum ich gern die dicke Anna wär

16. Dezember 2010 von Kübra

Auch ich wurde in der Schule mit schlecht geschriebenen Jugendbüchern über Mobbing gequält – von Erwachsenen, die uns Jugendliche voll gut verstanden. Eines der Mobbingbücher handelte von Anna, einem fülligeren Mädchen, das von seinen Mitschülern geärgert wird. Irgendwann passiert ganz viel Drama. Am Ende wird Anna selbstbewusst. Happy End. Langweilig. Eine Szene aber blieb mir im Kopf hängen:

Als Anna mit ihrem neuen Selbstbewusstsein ins Schwimmbad geht, ruft ein Junge „Fette Anna!“ und lacht sie aus. „Fett schwimmt oben!“, ruft Anna zurück. Und lacht auch. Er ist irritiert. Dann lachen sie zusammen und werden Freunde. Frei nach der Pausenhofregel: Wenn dich jemand auslacht, dann lach mit. Denn das kommt souverän rüber.

So einfach ist das. Im letzten Jahr war ich in den Religionsleistungskurs einer Schule eingeladen. Das Thema war der Islam und ich das lebende Beispiel. Der Lehrer, gleichzeitig Leiter der Schule, stellte mich der Klasse so vor: „Das ist Kübra, sie ist Muslimin, aber trotzdem ganz nett.“ Einen Moment der Stille. Betretenes Schweigen. Da fing ich an zu lachen, die Klasse mit mir mit. Und auch der Lehrer, wenn auch zögerlich. Letztendlich hatten wir viel Spaß. Hat man ja sonst kaum in der Schule.

Auch mit meinen – muslimischen wie nichtmuslimischen – Freunden witzeln wir im Alltag über die geheimen Waffenlager unter meinem Kopftuch oder die verrückte Terrorhysterie. An Flughäfen flüstern wir „Terror“, „Bombe“ und „Trainingscamp“.

Sobald aber Muslime mit Fremden, mit Kritikern vor allem, über den Islam, ihre Religion, diskutieren, ist erst mal Schluss mit Humor. Das Thema ist so persönlich, privat und emotional geladen, dass viele von uns verkrampfen.

Fast automatisch gehen wir auf Verteidigungskurs und sehen uns als Vertreter der Religion, die sich der ganzen Welt erwehren müsse. Und ja, wir kennen auch den Vorwurf, der daraus resultiert: Muslime seien humorlos. (mehr …)


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Stoppt die Zwangsislamisierung!

18. November 2010 von Kübra

Kübra Yücel, 22, ist Kolumnistin bei der Tageszeitung (taz), schreibt als freie Journalistin für verschiedene Publikationen und betreibt den Blog ein-fremdwoerterbuch.com. Sie studiert Politikwissenschaften in Hamburg und zuvor in London. Kübra ist Gründungsmitglied von Zahnräder, einem Netzwerk von engagierten und aktiven Muslimen und Musliminnen. Wir begrüßen Kübra ganz herzlich auf der Mädchenmannschaft und freuen uns auf ihre Kolumne “Das Wort zum Freitag”.

Eine Morddrohung habe ich erhalten. Meine erste. Ich sollte mich wohl geehrt fühlen. Eine Morddrohung ist ein Ritterschlag für jeden Meinungsmacher. Wer heutzutage was auf sich hält, schmückt sich mit seinen Kritikern und vor allem mit seinen Bedrohungen. Je gefährdeter die Person und Meinung, desto wichtiger wird man. Danke. Aber nun zum Thema.

Aus gegebenem Anlass – quasi als Dankeschön – schließe ich mich meinen Kritikern an und fordere einen Stopp der Islamisierung Europas. Auch ich finde es erschreckend, wie viele Menschen nun plötzlich zu “Muslimen” gemacht werden.

Unauffällige Bürger Deutschlands, die sich bis dato nie mit Religion oder dem Islam beschäftigt hatten, bekommen plötzlich ein “Muslim”-Etikett verpasst. Zack! Zum Beispiel meine atheistische iranische Freundin, die von vielen Deutschen pauschal unter der Kategorie “Muslimin” geführt wird. Deswegen muss sie ihnen gegenüber ihre Partygänge und ihren Alkoholkonsum verteidigen. Oder ein türkischer laizistischer Bekannter, dem kein Schweinefleisch mehr angeboten wird. Die beiden wurden quasi zwangsislamisiert und hocken nun in einem Boot mit praktizierenden Muslimen. Und wie viele andere müssen nun auch sie geradestehen für eine Religion, die sie weder kennen noch kennen wollen. (mehr …)


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Bloggen statt blocken

4. März 2010 von Helga
Dieser Text ist Teil 30 von 115 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

BLOGGENSTATTBLOCKEN.wordpress.com

Wie heißt du?
Canan.

Seit wann bloggst du?
Seit April 2009.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Um ehrlich zu sein, war ein Blogwettbewerb ausschlaggebend (den ich dann auch gewonnen habe). Aber auch nachdem der Blogwettbewerb dann vorüber war, wusste ich, dass ich das Bloggen nicht so schnell aufgeben werde.

Ich schreibe, weil ich denke, dass es wichtig ist. Schreiben kann man, weil man Gedanken loswerden möchte, weil man Worte aus seinem Inneren befreien möchte. Aber auch, um andere zu inspirieren, einen Gedankenaustausch stattfinden zu lassen oder um zu sagen: Ich bin da! Und ich denke bei mir waren all diese Punkte irgendwie zusammen der Grund damit anzufangen. Als türkische Muslima gehöre ich nicht gerade zu einer Mehrheit in der deutschen Gesellschaft und umso wichtiger finde ich es, dass man seinen Standpunkt klar und deutlich vertritt. Auch öffentlich. Denn nur so kann doch eine Gesellschaft friedlich zusammen leben!? Wenn nicht jeder von demselben Gedankengut gelenkt wird, sondern selber seinen Kopf einschaltet und nachdenkt; wenn jeder sich fragt: Was denke ich selber und was ist meine Meinung? Und wenn man eine Antwort auf solche Fragen gefunden hat, sollte man sie vertreten. Selbstbewusst und so wie man ist. „Bloggen statt Blocken“ ist von mir bewusst gewählt, da ich auf direkte Weise zum „Bloggen“, damit zum sprechen, schreiben und Ich-Bin-Hier-Sagen auffordere und das „Blocken“, nämlich sich anderen Menschengruppen gegenüber verschließen und nicht nachdenken, bewusst ablehne.
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Noch ein letztes Mal Weihnachten: Was ist Privileg?

30. Dezember 2009 von Helga

Ein (online nicht mehr verfügbares) Bild von PostSecret demonstriert die Konsequenzen von Privilegien:

 Zerknülltes Geschenkpapier, oben weiß mit Aufschrift: I hate having to pay attention to the type of wrapping paper I buy now that I have Jewish friends, unten blau mit silberglänzenden Schneeflocken

I hate having to pay attention to the type of wrapping paper I buy now that I have Jewish friends – Ich hasse es, dass ich beim Einkauf auf die Art des Geschenkpapiers achten muss, seit ich jüdische Freunde habe.

Wie Lisa von Sociological Images erläutert, bedeutet priviligiert zu sein, einfach in die Gesellschaft zu “passen” und allein über das eigene Sein zu profitieren. Die Aufgabe seines Privilegs, geht damit einher, etwas aufzugeben, ob groß oder klein.

Normalerweise kaufen wir einfach eine Rolle weihnachtliches Geschenkpapier und wickeln alle Weihnachtsgeschenke darin ein. Doch Tannenbäume und Weihnachtsmänner sind nicht die passende Verpackung für Chanukkageschenke. Statt die jahrelange Routine weiterzuleben, muss an andere gedacht werden, eine zweite Rolle gekauft werden. Vielleicht stört es die jüdischen Freunde auch nicht, Weihnachtspapier um die Geschenke zu haben. Das erfährt man aber auch erst, wenn man sie fragt.

Kleine Dinge, die scheinbar trotzdem zuviel sein können. Klar, am Ende hat man eine jüdische Freundin, die keine Weihnachtsbäume mag, einen Freund, den es nicht stört, wie die muslimische Freundin, der Atheist feiert Weihnachten gar nicht und mit dem anderen Moslem kommt man überein, dass er ein Weihnachtsgeschenk bekommt und man selbst am Fastenbrechen teilnimmt. Kompliziert und anstrengend.

Doch jede und jeder der Freunde, fühlt Weihnachten sehr deutlich, nicht zu “passen”. Denn die meisten Deutschen gehen davon aus, dass jede_r Weihnachten feiert und müssen erst aufgeklärt werden, dass dem nicht so ist. Interessierte Mitbürger fragen noch nach den eigenen Einstellungen, manche sehen einen schon als Sprecher für seine (Nicht-)Konfession: “Was macht ihr Atheisten an Weihnachten denn so?” Ignorante Zeitgenossen machen einfach das, von dem sie meinen, es sei angebracht und beschenken einen ungefragt mit oder eben gar nicht.

Weitere Privilegien sind z.B. Heterosexualitität, (cis-)Männlichkeit oder helle Haut.


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Applaus für… City of Refuge – Stätte der Zuflucht für LGBT

21. September 2009 von Magda
Dieser Text ist Teil 8 von 31 der Serie Applaus für

Wenn man Kirchen und deren Dogmen sonst immer kritisch entgegentritt, macht folgende Nachricht auf colorlines.com doch sehr glücklich: In der Kleinstadt Lanham in Maryland, USA, predigt Pastor Kendal Brown in seiner Kirche City of Refuge die so genannte Lehre der Radical Inclusion (“Radikale Einbeziehung”), ein konfessionsübergreifender Ansatz, der all denjenigen Sicherheit und Ermutigung spenden soll, die von vielen religiösen Gemeinden ausgeschloßen und verachtet werden – und dies sind insbesondere Lesben, Schwule, Bisexuelle und/oder Transsexuelle (kurz LGBT).

Kirche "City of Refuge"

Auf der Homepage der Kirche heißt es:

It is The Fellowship’s goal to create a place where all may feel free to worship, serve, and grow spiritually – without regard to race, ethnicity, social class, age, gender/gender identity, or affectional orientation. We will create a safe place for all persons to flourish – especially women, same-gender-loving individuals and their allies, transgendered persons, persons in recovery, the recently incarcerated, the economically disenfranchised, and persons infected and affected by HIV/AIDS.

(zu deutsch: “Es ist das Ziel der Gemeinde, einen Ort zu kreiieren, in dem sich alle Menschen wohlfühlen können, um zu beten, Gott zu dienen und spirituell zu wachsen – ungeachtet ihrer Hautfarbe, Ethnizität, sozialen Klasse, Alter, Geschlecht / Geschlechtsidentität, oder sexuellen Orientierung. Wir werden einen sicheren Ort für alle Personen etablieren, damit sie aufblühen können – dies gilt insbesondere für Frauen, Homosexuelle und ihre UnterstützerInnen, Transgender Personen, Menschen in Genesung, die ehemals Inhaftierten, die ökonomisch Entrechteten, und HIV- oder AIDS-Infizierte.”)

Im Artikel werden auch mit stereotypen (und rassistischen) Vorurteilen aufgeräumt, afroamerikanische communities seien Homosexuellen gegenüber feindlicher eingestellt als etwa weiße US-AmerikanerInnen. Auf die Feststellung einer Kirchgängerin, dass Erstere ganz besonders starre Vorstellungen von Geschlechterrollen hätten, erklärt Cedric Harmon, zweiter Pastor in der Kirche, dass diese Intoleranz im Kontext struktureller Probleme in den afroamerikanischen communites betrachtet werden müsse.

“I do not believe that the African American community just inherently can’t deal with gay people or is exceptionally conservative. It’s that there are additional burdens, pathologies and challenges already and this issue is often couched as yet another threat (…) All of the gaps, or threats, are wider in communities of color. The healthcare gap. The technology gap. The education gap. When same-gender-loving persons are perceived as an additional threat, people do not know how to respond.”

(zu deutsch: “Ich glaube nicht, dass die afroamerikanischen communities einfach nichts mit Homosexuellen zu tun haben wollen oder ganz besonders konservativ sind. Es ist nur so, dass es zusätzliche Belastungen, Pathologien und Herausforderungen gibt und diese Angelegenheit häufig als noch eine zusätzliche Bedrohung angesehen wird. All diese Diskprepanzen und Bedrohungen sind bei AfroamerikanerInnen größer: Verglichen mit Weißen gibt es Unterschiede in der Versorgung von Gesundheit, Technologie und Ausbildung. Wenn Homosexuelle als Bedrohung wahrgenommen werden, wissen viele Menschen nicht, wie man darauf reagiert.”)

Eine Kirche wie die City of Refuge bietet jenen, die häufig in US-amerikanischen Kirchen als krank dargestellt und ausgestoßen werden, einen Zufluchtsort und betont Inklusion und Gerechtigkeit als Stärken der Kirche und nicht etwa Bestrafung und Ausschluß. Außerdem sieht sich die City of Refuge als so genannter safe space, ein sicherer Ort, in dem man vor Anfeindungen gewahrt ist und mit Menschen kommuniziert, die mitunter ähnliche Erlebnisse hatten.


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