Einträge mit dem Tag ‘religiöser Eifer’


Here she comes again

3. Mai 2008 von Susanne

Eva Herman is back! Und mit ihr ein drittes Prinzip. Das “Eva-Prinzip” und das “Prinzip Arche Noah” hatten wir ja schon, jetzt geht’s um alles: “Das Überlebensprinzip. Warum wir die Schöpfung nicht täuschen können” heißt Hermans neuestes Buch – ein 196 Seiten langes Interview zwischen ihr und Friedrich Hänssler, in dessen Verlag das Buch auch erscheint. Und zwar übermorgen, aber Auszüge erschienen bereits in der Bild-Zeitung.

Auch mit ihrem dritten Buch verleumdet Eva Herman ihren gesamten bisherigen Lebenslauf, plädiert für das Dasein als Mutter und Ehefrau, haut aber doch jährlich ein Buch raus und beschreibt darin jeweils (reuevoll?), wie sie früher Job und Familie verband. “Das Überlebensprinzip” ist persönlicher als alle ihre Bücher davor, so erzählt sie beispielsweise über ihre Mutterschaft:

„Niemals werde ich den Tag vergessen, an dem die Omi des Kleinen freudig bei mir im Dienst anrief und stolz berichtete, dass mein Sohn seine ersten Schritte getan hatte. So sehr ich mich darüber auch freute, so tieftraurig war ich als Mutter: Ich war nicht dabei gewesen, als mein einziges Kind laufen lernte.“

Und über ihre eigene Mutter:

„Ich machte sie für einige Zeit meines Lebens verantwortlich, dass sie uns Kinder öfter vernachlässigte, weil sie in unserem Hotel hart arbeiten musste. Sie tat damals nur, was sie tun musste, und sie hatte oft ein schlechtes Gewissen dabei und vor allem Sehnsucht nach uns, doch hatte sie gar keine andere Wahl. Und sie ahnte auch nicht, wie sehr sie uns fehlte und dass wir manchmal wirklich außerordentlich unter der Trennung litten.“

Doch nicht nur der Muttermythos wird hier ein weiteres Mal beschworen, Eva Herman stellt nun all ihre Thesen noch deutlicher als zuvor in einen göttlichen Zusammenhang:

„Mein Mann ist mir eine große Hilfe. Er unterstützt mich, wo er nur kann. Und er selbst hat den Weg zu Gott ebenfalls gewählt. Wir können stundenlang durch die Natur laufen, am Wasser sitzen oder auf den Gipfel eines Berges wandern, um dort innezuhalten und zu beten.”

Und:

„Es gibt mehrere Ziele, die mich leiten. Das größte und wichtigste ist, Gottes Willen zu respektieren und seine Schöpfung zu lieben und zu achten. Das ist unsere grundsätzliche Aufgabe hier auf Erden.”

Abschließend verrät Eva Herman der Bild-Zeitung bzw. ihrem Interviewer noch, sie bete für Alice Schwarzer. Warum?

„Alice Schwarzer hatte, als zum ersten Mal öffentlich über meine Thesen diskutiert wurde, hinter meinem Rücken eine Denunziation im großen Stil losgetreten. (…) Seit einiger Zeit bete ich für Alice Schwarzer. Wer seinen Gegnern in Liebe begegnet, kann mit Hilfe des Himmels Gutes erreichen. Ich bete für ihre Erkenntnis.“

Na dann.


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Proteste gegen Frauenrechte in Bangladesch

11. April 2008 von Susanne

In Dhaka, der Hauptstadt Bangladeschs, kam es heute zu Ausschreitungen, als militante Islamisten gegen Pläne der Regierung protestierten, nach denen Frauen die gleichen Rechte wie Männer bekommen sollen, unter anderem im Erbrecht. Dies verstoße gegen die Vorschriften des Korans, argumentieren die Islamisten. In Bangladesch ist der Islam Staatsreligion.


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“Afghan Star”-Kandidatin erhält Morddrohungen

26. März 2008 von Katrin

Das Format von “Deutschland sucht den Superstar” gibt es bekanntermaßen auf der ganzen Welt. Wer aber hätte gedacht, dass es auch in Afghanistan ein Äquivalent zu Bohlens nervigem Eintagsfliegen-Casting gibt? “Afghanistan sucht den Superstar” schreibt die Netzeitung und gefunden wurde dieser auch schon.

Doch viel interessanter als die Nachricht, dass ein 19-Jähriger von hunderten jungen Männern für seinen Sieg bei dieser Show umjubelt wurde, finde ich die Geschichte der 20-jährigen Lima Sahar (im Video), die als erste Kandidatin der nun schon seit drei Jahren existierenden afghanischen Fernsehshow überhaupt unter die besten drei kam: Sie bekam Morddrohungen. Grund dafür ist nicht etwa, dass sie kein Kopftuch trug (das tat sie immer brav), sondern vielmehr dass religiöse Gelehrte des Landes der Meinung sind, Sendungen wie “Afghan Star” trügen zur Untergrabung der Traditionen bei und stärkten die “Unmoral”.

Lima Sahar kommt außerdem aus der afghanischen Provinz Kandahar, die früher eine Hochburg der Taliban war und bis heute extrem konservativ ist: Noch vor sieben Jahren durften Frauen dort nicht ohne ihre Männer auf die Straße und mussten ihre Körper von Kopf bis Fuß verschleiern. Lima Sahar will sich aber nicht unterkriegen lassen: “Ich verliere nicht meinen Mut, denn ich habe den dritten Platz dank der Stimmen meines Volkes erreicht, und ich weiß, ich werde weiter erfolgreich sein.”

Eine weitere Kandidatin, Setara Hussainzada, musste ebenfalls von zu Hause fliehen, weil sie Morddrohungen erhalten hatte. Erschütternd auch die Äußerungen eines Regierungsmitglieds. Die Netzeitung zitiert:

„Ein Regierungsmitglied, das nicht namentlich genannt werden wollte, erklärte, die afghanische Regierung habe nichts gegen Sendungen wie den «Superstar»-Wettbewerb. «Aber wir haben Angst, dass Extremisten dies als Argument benutzen, um den Menschen in ländlichen Gegenden zu zeigen, dass wir westlich geprägte Programme fördern, die sie als unislamisch verurteilen.» “


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Iranische Frauenzeitschrift “Zanan” verboten

15. Februar 2008 von Susanne

Cover der feministischen, iranischen Zeitschrift Zanan: Gesicht einer Frau in Großaufnahme Vor einigen Tagen wurde Irans einzige feministische Frauenzeitschrift, Zanan, verboten. Dem Magazin wurde “wegen angeblicher Beleidigung der islamischen Werte” die Lizenz entzogen, schreibt heute die Süddeutsche Zeitung auf ihrer Medienseite. Und weiter:

“Das Magazin [...] war 1992 von Shahla Sherkat gegründet worden und konnte sich gegen erbitterten Widerstand des klerikalen Establishments all die Jahre halten. Was es vor allem auszeichnete: Hier fanden religiöse und weltlich argumentierende Frauenrechtlerinnen zusammen. Hier arbeiteten sie gemeinsam, um gegen das iranische Patriarchat für Frauenrechte zu kämpfen.”

Zusammen mit mit der liberalen Juristin Mehrangiz Kar klärte Shahla Sherkat 16 Jahre lang mit dem Magazin iranische Frauen über ihre Rechte auf, führte Kampagnen an und forderte eine Neuinterpretierung des islamischen Rechts. Kurz, sie versuchten, einen “Islamischen Feminismus” zu begründen – nicht unangefeindet, von ihren Kritikern, die sagen, Islam und Feminismus könnten niemals zusammengehen.

124 Wissenschaftler und Publizisten, darunter Jürgen Habermas, Noam Chomsky und die Friedensnobelpreisträgerinnen Betty und Judy Williams haben jetzt in einem offenen Brief den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad und Ali Chamenei, den geistlichen Führer des Irans, aufgefordert, Zanan die Lizenz zurückzugeben. Hier kannst du diesen Brief auch selbst unterschreiben und an Zanan schicken. (Hinweis: Klick auf “show/hide this post”)


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Viel Lärm um nichts

12. Januar 2008 von Susanne

Die Tennisspielerin Sania Mirza ist von indischen Ultra-Nationalisten verklagt worden. Sie empören sich, Mirza habe die indische Flagge mit nackten Füßen berührt, wie es obiges Foto beweise – wenn man denn genau das unbedingt sehen will. Zeugen sagen, zwischen Füßen und Flagge sei ein großer Abstand gewesen.

So oder so ist es absurd, dass Sania Mirza schon wieder verklagt wird. Obwohl erst 21 Jahre alt, ist es schon das zweite Mal – vor drei Jahren wurde sie bereits verklagt, weil sie in der Öffentlichkeit “in unwürdiger Kleidung” auftrete, also in Tenniskleidung, die ihre nackten Arme und Beine zeigt. Sie sei ein schlechtes Vorbild für Millionen. Später verbrannten Konservative wütend Bilder von ihr, weil sie angeblich gesagt habe, Sex vor der Ehe sei okay. Laut ihrem Manager sind alle diese Vorwürfe Quatsch. Offensichtlich wird sie nur deshalb angefeindet, weil sie einen selbstbestimmten westlichen Lebensstil pflegt.

(Foto über sueddeutsche.de)


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Alarm: Die Moral-Apotheker kommen!

31. Oktober 2007 von Meredith

Papst Benedikt hat katholische Apotheker dazu aufgefordert, die Pille Danach nicht mehr auszugeben. Auch wenn sie in ihren Heimatländern per Gesetz dazu verpflichtet seien, das Präparat zu führen, sollten sie sich auf die Verweigerung aus Gewissensgründen berufen. Darüber hinaus sollen Apotheker nach der Vorstellung Benedikts ihre Kunden über die ethischen Konsequenzen solcher Verhütungspräparate aufklären. Ich würde sagen, ein Apotheker, der lieber sein Christengewissen beruhigt, statt seine Kunden zu bedienen, sollte sich einen anderen Beruf suchen.

Vermutlich stellt er sich das vor wie in einigen US-amerikanischen Bundesstaaten: Dort haben christlich-konservative Apotheker sich so lange geweigert, Verhütungsmittel zu verkaufen, bis die Gesetzeslage zu ihren Gunsten geändert wurde. Mit der Folge, dass es an manchen Orten mittlerweile vollkommen unmöglich geworden ist, die Pille (und die Pille Danach) zu bekommen.

Hat der Vatikan eigentlich nichts besseres zu tun, als die Freiheit der Menschen zu sabotieren? Wenn er sich schon dazu berufen fühlt, die Pharmazie aufzumischen, sollte sich Benedikt lieber mal mit den Konzernen auseinandersetzen, die die Produktion generischer Medikamente in den armen Ländern blockieren. Damit würde er der Menschheit zur Abwechlung mal einen Gefallen tun.


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