Einträge mit dem Tag ‘Rassismus’


Das Jahr 2014 – Ein Feministisches Lexikon

19. Dezember 2014 von Charlott

Welche Themen standen auf unserer feministischen Agenda 2014? Welche Ereignisse haben das Jahr geprägt? Welche Personen und ihren Aktivismus haben wir bewundert? Zum Abschluss des Jahres gibt es dieses Mal ein Lexikon. Zu jedem Buchstaben könnte es natürlich noch zig weitere Einträge geben – ergänzt doch eure in den Kommentaren!

A wie Aktivismus, Ausschlüsse und Ablasshandel
Ein Thema, welches sich eigentlich durch jedes Jahr zieht/ ziehen sollte: Wie wollen wir unseren Aktivismus gestalten? Wie können dabei unterschiedliche Positionen bedacht und genutzt werden? Welche Taktiken und Praxen haben sich bewährt? Nadine machte sich darum einmal Gedanken darüber, wer wann auf Podien sitzt, wo Absagen vielleicht Sinn machen und wo nicht (und was das mit unterschiedlichen sozialen Positionierungen zu tun hat) und über Geldspenden als Art der ökonomischen Umverteilung.

B wie #BlackLivesMatter und #BringBackOurGirls
Am 09. August dieses Jahres wurde der Schwarze Jugendliche Michael Brown von dem weißen Polizisten Darren Wilson in Ferguson, Missouri, erschossen. Gegen den Polizisten wurde nicht mal ein Verfahren eingeleitet. Es handelt sich dabei natürlich nicht um einen Einzelfall, sondern es ist ein Beispiel für die anhaltende rassistische Polizeigewalt – die keinerlei Konsequenzen hat. In ihrem Text “Wenn Schwarzer Menschen nicht lächeln…” verlinkt Sharon eine ganze Reihe von weiteren Beispiel aus den USA und Deutschland. Von Ferguson ausgehend und durch weitere publik werdende Taten (die ebenfalls kaum Konsequenzen nach sich zogen) entwickelte sich in diesem Jahr eine Protestbewegung, die im Internet unter anderem unter dem Hashtag #BlackLivesMatter und auf den Straßen vieler Städte anzufinden war. In Berlin versammelten sich am 29. November Aktivist_innen am Brandenburger Tor, um den Opfern zu Gedenken und darauf zu verweisen, dass es stimmt: #FergusonIsEverywhere, Ferguson (d.h. rassistische Strukturen, die Gewalt legitimieren) sind kein rein us-amerikanisches Phänomen. So wird sich am 07. Januar zum bereits zehnten Mal der Tod von Oury Jalloh jähren. Derzeitig sammelt die Initiative im Gedenken an Oury Jalloh Geld um ein weiteres Gutachten zur Brand- und Todesursache anfertigen zu können.

Außerdem sollten nicht die 200 Mädchen, die am 14. April in Nigeria entführt wurden, vergessen werden.

C wie Chancengleichheit
Chancengleichheit, Chancengerechtigkeit, Teilhabe, Akzeptanz, > Toleranz, Inklusion – ein Wörtersalat, der häufig eher das “gut gemeint” als das “gut gemacht” abdeckt, wenn es um die Rechte von Menschen mit Behinderung geht. Hannah hat sich im November die Anhörung des Ausschusses “Arbeit und Soziales” zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen angehört und aufgezeigt, welche Diskussionen rund um das Bundesteilhabegesetz (nicht) geführt werden. Außerdem erklärte sie in einem weiteren Text, was der Begriff Inklusion eigentlich umfassen sollte und wie er häufig stattdessen ausgehöhlt wird.

D wie Diskurspolizei
Sprachdebatten zwischen “Darf man denn hier gar nichts mehr sagen!” und “Diese Gender-Leute drängen ja immer einen Sprachgebrauch auf!” begleiteten auch das Jahr 2014. Am prominentesten ist sicher die medial breit geführte “Debatte” um Lann Hornscheidts Sprachinterventionen. Auf einen öffentlichen Brief von WissenschaftlerInnen antwortete hier Jayrôme mit “Es ist Zeit, Realität als real zu betrachten“. Im Juli hatte außerdem accalmie die Verwendung diskriminierender Begriffe, die Verteidung dieser Praxis und das Umwerten als die echte Diskriminierung (TM) von Begriffen, die sonst unmarkierte Normen benennen, seziert.

E wie Elliot Rodger
Am 23. Mai tötete Elliot Rodger in Isla Vita, Kalifornien, sechs Menschen. Zuvor hatte er in Videos und einer über hundert Seiten langen “Autobiographie” seine Misogynie verbreitet. In vielen deutschsprachigen Medien wurde die Tat dekontextualisiert und individualisiert. Ich schrieb über die Hintergründe der Tat, wie sie vielleicht verhindert hätte werden können. (mehr …)


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Gesucht: Genießbare Abendunterhaltung

18. Dezember 2014 von Gastautor_in
Dieser Text ist Teil 4 von 4 der Serie Die Emanzipation der Banane

Naekubi bloggt bei Danger! Bananas über das Leben von Asiat_innen in Deutschland, Kultur und Alltag, Rassismus und Feminismus, Selbstbewusstsein und Selbstverständnis. Wir freuen uns sehr, dass sie nun auch eine Kolumne bei der Mädchenmannschaft schreibt.

Das Thema “gute Unterhaltung” lässt mich nicht los. Jetzt, wo es wieder kalt und dunkel ist, bewege ich mich noch weniger aus dem Haus. Stattdessen sitze ich abends zu Hause, eingemummelt in Decken, und stopfe mich voll. Nicht nur mit Keksen, Lebkuchen oder Plätzchen, sondern mit Medien. Bücher, Serien, Filme. Blöd nur: Es schmeckt mir nicht mehr so wie früher. Filme und Serien, die ich früher bedenkenlos zu mir nahm, finde ich heute eklig und bisweilen ungenießbar. Sind die Medien schlechter geworden? Das denke ich nicht. Aber meine Perspektive hat sich verändert – ich bin älter geworden, was mit gewissen Begleiterscheinungen einher geht: Zum Beispiel, dass ich nicht mehr alles unkommentiert konsumiere, was mir vorgesetzt wird.

Früher, ja früher, da war das anders. Als ich jünger war, störte es mich nicht, wenn alte Klischees aufgewärmt und billige Tropoi verwendet wurden. Etwa wenn bei den Schlümpfen oder anderen Zeichentrickserien im Stammensemble genau eine Frau oder ein Mädchen war. AsiatInnen kamen nur als böse Ninjas vor oder als BesitzerInnen von China-Restaurants. Damals machte mir nichts aus, es war schließlich immer schon so gewesen, das war der Normalzustand. Gleichzeitig fiel es mir nicht einmal auf, wenn ausnahmsweise doch ein Mädchen Protagonistin war, wie bei “Clarissa”. Hauptsache, die Serie war unterhaltsam und bunt. Als Kind und Jugendliche ist man noch leicht zu beeindrucken. Konsumieren bedeutet schließlich, alles zu schlucken – was ich sehr zuverlässig und bereitwillig tat.

Mit dem Alter verfeinert sich der Gaumen und man lässt sich von künstlich aufgebauschten Produkten voller Farbstoffe und billiger Zutaten nicht mehr beeindrucken. Und es wird einfach umso deutlicher, wie langweilig, formelhaft und mies die Rezeptur vieler Medien ist. Nehmen wir zum Beispiel Firefly – eine zum Bedauern vieler Geeks kurzlebige Science-Fiction-Serie von Joss Whedon, die in einem amerikanisch-chinesischen Universum in der Zukunft spielt. Damals fand ich die Serie gut und unterhaltsam. Heute, beim nochmaligen Besehen frage ich mich, wie um alles in der Welt es mir nicht auffallen konnte, dass es für ein amerikanisch-chinesisches Zeitalter kaum chinesisch oder asiatisch aussehende ProtagonistInnen und StatistInnen gab. Chinesisch ist reduziert auf Flüche, die die ziemlich weiße Crew hin und wieder äußert. Oder Sherlock: So sehr ich die BBC-Serie schätze, so bescheuert fand ich den Teil “The Blind Banker”, wo wieder mal die olle asiatische Drachenlady als Bösewichtin und eine zarte Lotusblume als Köder herhalten mussten. Gähn.

Die Kekse von früher schmecken nicht mehr so wie damals, weil sie nicht so gut waren wie ich immer gedacht hatte. Und nicht nur mir geht es so: Erst letztens unterhielt ich mich mit meinem Schwesterherz über genau dieses Thema. Wir stellten fest, dass uns unsere Freizeitbeschäftigung durch Sexismus vermiest wurde. Was ich bei Serien und Filmen erlebte, sah sie bei Manga und Anime. Seit Jahrzehnten wird sie mit denselben stereotypen Frauenfiguren genervt, zuletzt von einem Anime über Fahrradfans namens Yowamushi Pedal: “Ich hab mich auch gefragt, wieso es in diesem Road Racing Club keine Mädchen gibt… und wieso das einzige Mädchen, das totale Fahrradenthusiastin ist, NICHT SELBST FÄHRT!!!” Auch in Manga und Anime sind Frauen gerade in gemischten Ensembles häufig nur Dekoration, das “Token-Mädchen” oder Love Interest. Selbst ein großer Cast von weiblichen Figuren bringt nicht viel, wenn es sich um einen Harem-Anime handelt – wenn also alle Frauen hinter dem einzigen Kerl her sind. Großartig. Die guten Angebote muss man daher mit der Lupe suchen, und selbst dann ist nicht alles perfekt. Ich greife nach jedem Strohhalm, wenn es um Unterhaltung geht.

Da wäre zum Beispiel die Serie Selfie mit John Cho und Karen Gillan, die ich trotz des fürchterlichen Titels unterhaltsam finde. Gillan spielt Eliza Dooley, eine (scheinbar) oberflächliche, Social-Media-abhängige junge Frau, die von Marketing-Guru Henry Higgs (Cho) bessere Manieren lernen und ein neues, besseres Image erhalten soll. Das klingt erst einmal nach “älterer Mann bringt dummer junger Frau etwas bei”, doch das legt sich sehr bald. Die beiden werden als vielschichtige Personen in einer Freundschaft gezeigt. Ich mag John Cho als “romantic interest” in dieser romantischen Komödie, denn wo gab es das das letzte Mal? Eben. Bezeichnenderweise wurde die Serie nach einer Staffel abgesetzt und die Chancen stehen schlecht, dass sie von einer Online-Plattform gerettet werden könnte. Boo-fucking-hoo. Zumindest die verbleibenden Folgen werden online veröffentlicht.

Eine andere Serie, die ich persönlich gut gemacht und unterhaltsam finde, ist Black-ish – sie versucht, die Schwarze Familien-Sitcom wiederzubeleben. Doch anders als die früheren Formate widmet sich die Serie dezidiert Fragen und Lebenswirklichkeiten von Afro-AmerikanerInnen, ohne dass man sich als Nichtangehörige/r ausgeschlossen fühlt oder keinen Zugang erhält. Die MacherInnen im Hintergrund treffen den Ton meistens sehr gut, die Witze haben ein gutes Tempo und Niveau erreicht, was auch an der hervorragenden Auswahl der KinderdarstellerInnen liegt. Diese Serie scheint auch von der Quote her ein großer Erfolg zu sein und ich hoffe auf weitere Folgen, schließlich ist der Winter noch lang.

Das sind derzeit genau zwei für mich genießbare Serien von einem Buffet an Medienangeboten aus dem Jahr 2014, das anscheinend nur aus altem Weißbrot von vorvorgestern besteht. Was mich dabei auf die Palme bringt, ist die offensichtliche Faulheit und Ideenlosigkeit der sogenannten Kreativen. Ich habe es satt, wenn Kreative schlicht und ergreifend zu den immer selben Rezepten greifen. Niemand muss das Rad neu erfinden, aber ein wenig Mühe geben erwarte ich schon. Es braucht nicht die x-te Story von dem weißen, männlichen, heterosexuellen Helden, der die Welt rettet und am Ende das Mädchen kriegt.

Ich wünsche euch allen deshalb ein inklusiveres Jahr 2015, in dem es mehr Charaktere mit unterschiedlichsten Lebenswelten auf den Bildschirm schaffen und weniger von den ollen Kamellen.


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Dicke Bäuche, weiße Profilierungen, Gegen-Perspektiven auf Flucht & Migration – die Blogschau

13. Dezember 2014 von Nadine
Dieser Text ist Teil 265 von 265 der Serie Die Blogschau

Metal Musik zeichnet sich oft durch weißes hetero Mackerverhalten aus. In der neuen Reihe “Metalheads” auf “Der k_eine Unterschied” wird nach Brüchen und Subversivem im Metal gesucht. Der erste Teil behandelt Judas Priest und schwules Begehren.

Auf dem “Heimatkunde”-Portal der Heinrich Böll Stiftung sind mehrere Beiträge von und mit der Aktivistin und Künstlerin Noah Sow erschienen, u.a. ihr Vortrag zu weißen Aneignungen Schwarzer Wissensproduktionen.

Auf queer sehen gibt es ein kritisches Review zur Serie “The Fosters”, die zwei lesbische Mütter in den Mittelpunkt rückt.

Das autonome FrauenLesbenReferat Marburg hat die Identität eines gewalttätigen Typen, der in der Wissenschaft und darüber hinaus Anerkennung genießt, auf Wunsch der Betroffenen veröffentlicht.

Eine klassismus- und rassismuskritische Analyse zum Tod von Tuğçe Albayrak ist auf cosas que no se rompen veröffentlicht.

Koloniale Kontinuitäten, kulturelle Aneignung und Muslim-Sein in der Diaspora ist Thema auf Diaspora Reflektionen.

Über die Verantwortung der Medienlandschaft, wenn es um Diskriminierung und Gewaltandrohungen geht, schreibt Karnele.

Die Denkwerkstatt zitiert aus Anja Meulenbelts Klassiker “Scheidelinien. Über Sexismus, Rassismus und Klassismus

Don’t degrade Debs Darling kritisiert unhinterfragte Perspektiven im Kontext Selbstfürsorge und Körperpolitiken.

Women in Exile: Wie das deutsche Asylsystem Flüchtlinge und MigrantInnen spaltet

Bei der ARGE Dicke Weiber gibt es ein Gedicht: Mein dicker Bauch.

Nadia war bei der Zukunftsakademie NRW zu Gast und hat einige ihrer Eindrücke verbloggt, u.a. zum Kollektiv Askavusa, das Objekte von Menschen sammelt, die flüchteten und in Lampedusa angekommen sind.

Habt ihr diese Woche was geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Jede Woche verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Esther Bejerano, Stella Young, Tayo Onutor – kurz verlinkt

10. Dezember 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 259 von 260 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Die 89jährige Esther Bejerano hat den Holocaust überlebt. Heute tritt sie lesend und singend gegen Rassismus auf.

Konsti Knappe braucht eine Rampe, damit sein Rollstuhl ins Auto geschoben werden kann. Dafür könnt ihr spenden.

Die Heinrich Böll Stiftung hat ein neues Dossier veröffentlicht: Perspektiven und Analysen von Sinti und Roma in Deutschland. In diesem gibt es beispielsweise einen Beitrag von Tayo Onutor über ihr Erleben als Afro-Sintezza und die “Bitte um Vorstellung“.

Englischsprachige Links

Die australische Disability-Aktivistin, Journalistin und Komödiantin Stella Young ist am Wochenende im Alter von 32 Jahren verstorben. ABC schreibt über ihr Leben und die  Themen, die sie voran gebracht hat.

Fat rights are reproductive rights“, stellt Ali Thompson fest und führt im Text aus, wie dicke_fette Personen mit schlechter medizinischer Versorgung (von Vorsorge, über die Wirkung von hormoneller Verhütung etc.) konfrontriert sind, bei Adoptionen als unpassendere Kandidaten gelten und schneller als schlechte Eltern kategorisiert werden.

Am 6. Dezember vor 25 Jahren wurden 14 Frauen an der École Polytechnique de Montréal erschossen. Ms. Magazine erinnert an die Opfer. Und Bitchmagazine verweist insbesondere auf die Tatmotive sowie den Ausruf “You’re all a of bunch of feminists! And I hate feminists!” des Täters und verlinkt eine Dokumentation.

Diskussionen rund um #BlackLivesMatter und Polizeigewalt gegen Schwarze Menschen sind häufig sehr zentriert auf Männer. Princess Harmony Rodriguez fragt darum bei BlackGirlDangeroursWhose Lives Matter?: Trans Women of Color and Police Violence” und Danielle Stevens gibt auf Elixher unter “Ain’t I a Human?: Ferguson and the Neglect of Black Women, Femmes, and Girls” konkrete Hinweise zur Neuausrichtung der Debatte.

Termin in Berlin

12.Dezember: Sister-Wellness. Ein Themen- und Austauschabend für und von Schwarzen Frauen*InterTrans und Frauen*InterTrans of Color, zu Wellness als Selbstermächtigung und Widerstand. Mit Noah Sow, Diana Hartmann und Pasquale Virginie Rotter.


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Deutsch in jedem Wohnzimmer – CSU läuft sich warm zum Parteitag

8. Dezember 2014 von Charlott

“Wer dauerhaft hier leben will, soll dazu angehalten werden, im öffentlichen Raum und in der Familie deutsch zu sprechen”, so heißt es in einem Leitantrags-Entwurf für den nächsten CSU-Parteitag, der in den letzten Tagen bekannt wurde. Der CSU-Vorstand wird heute über das Papier beraten und vom 12. bis 13. wird der Parteitag in Nürnberg stattfinden. Der ‘Vorstoß’ wurde am Wochenende sofort kritisch in vielen Medien aufgenommen. Der CSU-Generalsekretär Andres Scheuer aber verteidigte die Forderung weiter und wurde vom BR mit folgenden Worten zitiert: “Die Entwürfe der Leitanträge zum Parteitag sind gut vorbereitet und breit abgestimmt”.

Natürlich lädt die Forderung zu Spötteleien (Was ist mit Bayrisch?) und zu großen Fragen der Umsetzung (CSU-Verterter_innen in jedem Wohnzimmer des Landes zur Kontrolle?) ein. Aber bevor der Antrag unter ‘A wie absurd’ abgeheftet wird, ist es wichtig festzustellen, dass er wunderbar anschlussfähig ist an rechtspopulistische Diskussionen und diese mit neuer Nahrung füttert.

Selbst in der kritischen Medienanalyse wurden viele der Konzepte, die in dem Antrag stecken unhinterfragt übernommen, so sprachen viele Artikel von ‘Ausländern’, um die es ginge. Aber wer sollen eigentlich diese ‘Ausländer’ sein? Um den Besitz eines bestimmten Passes geht es sicher nicht. Selten wird in diesen Debatten an alle Sprachen und alle mehrsprachig agierenden Menschen gedacht. Die Grenzen  dessen, was als okay angesehen wird, sind klar rassistisch und klassistisch beeinflusst. Zumeist nicht mitgemeint sind die Kinder aus bildungsbürgerlichen Familien, die zu Hause nur Französisch sprechen und beispielsweise in Berlin dann das Lycée Français de Berlin besuchen. Die rassistische Abwertung bestimmter Sprachen (wie zum Beispiel Türkisch) ist zudem verbunden mit einem Denken, dass Verwertbarkeit in  den Mittelpunkt rückt. Sprachen, die “in der Wirtschaft” wichtig sind/ als wichtig gesetzt werden, sind toll (aber auch dann meist nur, wenn sie von weißen erlernt werden).

Die CSU macht auch in ihren weiteren Aussagen deutlich, wo sie steht. Denn eigentlich geht es ihr vor allem um “bayrische Werte” (wie auch immer diese aussehen). Weiter wird die Angst geschürt, dass Menschen allein wegen der Sozialleistungen einwandern und wahrscheinlich ‘richtigen Deutschen’ somit etwas wegnehmen. Die Debatte um Sprache verstärkt dabei besonders stark Vorstellungen vom ‘Deutschsein’, in dem sie auf Vorstellungen aufbaut, die von ‘einem Volk’ mit einer Sprache in einer Nation ausgehen – die natürlich noch nie so der ‘Wirklichkeit’ entsprochen haben, aber wichtige ideologische Stütze vieler rassistischer und nationalistischer Rhetoriken ist.

Auch auf Twitter wird der CSU-Vorschlag diskutiert. Unter dem Hashtag #YallaCSU wird der diskriminierende Gehalt auseinander  genommen und über eigene Erfahrungen geschrieben. Am Wochenende erreichte der Hashtag sogar die Top10 der Twitter-Themencharts.

Kübra schrieb bereits 2012 auf Ein Fremdwörterbuch über Wörter, Ideen und Gefühle, die für sie mit verschiedenen Sprachen verknüpft sind: “So leben manche Gefühle nur in bestimmten Sprachen. Sprache öffnet uns die Welt und grenzt uns ein – im gleichen Moment.”


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Bones – Knochen lügen nicht. Rassismus und Sexismus unter der Haut

4. Dezember 2014 von Melanie

Serien waren schon immer mein Laster. Meine Prokrastinationsform Nummer eins. Die Serie Bones faszinierte mich, weil sie mit einer meiner Sehnsüchte spielt: Die Sehnsucht danach, zu WISSEN, wie der Mensch von Grund auf funktioniert, die Sehnsucht nach unhintergehbaren Tatsachen, die Menschen ausmachen. Und dieses Wissen liegt nach Bones in den Knochen.

Dass dabei mit rassistischen und sexistischen – vermeintlichen – Wahrheiten über die „Natürlichkeit“ des Menschen und die Wissenschaft vom Menschen gespielt wird, erschließt sich der_m Betrachter_in oftmals erst auf den zweiten Blick, macht es doch unter dem Deckmantel von „Wissenschaftlichkeit“, „Rationalität“ und „Logik“ jeden Widerspruch zu nichte.

Für diejenigen unter Euch, die mit der Serie nicht vertraut sind ein paar Infos:

Dr. Temperance Brennan ist forensische Anthropologin im (fiktiven aber an das real existierende Smithsonian Institute angelehnte) Jeffersonian Institute in Washington, D.C. und arbeitet bei Kriminalfällen mit dem FBI-Agenten und ausgebildeten Scharfschützen Seeley Booth zusammen. Ihr Spezialgebiet sind dabei die Fälle, in denen vom Opfer nur noch Knochen übrig sind. Anhand der Knochen zieht Brennan, Spitzname „Bones“, Rückschlüsse auf das Opfer, den Mörder und/oder die Tatwaffe und den Mordhergang. Ein Team von weiteren Wissenschaftler_innen unterstützt die beiden dabei.

Auf der einen Seite werden in der Serie Geschlechterstereotype unterwandert und das Team ist durchweg „divers“ – in der ersten Staffel wird das Institut noch von einem Schwarzen Archäologen geleitet, in der zweiten Staffel bekommt Bones noch eine direkte Vorgesetzte – eine Schwarze Gerichtsmedizinerin. Und wie nun kann eine wissenschaftliche Gruppe, die von einer Schwarzen FRAU! geleitet wird, Rassismen und Sexismen re/produzieren?

Dr. Brennan, also Bones, wird als rational und logisch denkend dargestellt. Nur das Zwischenmenschliche ist ihr völlig fremd: „Ich hasse Psychologie. Das ist eine weiche Wissenschaft“ erklärt sie in der ersten Folge der ersten Staffel. Aber natürlich gibt es eine Begründung für Brennans Rationalität: Dadurch, das Temperance als Kind von ihren Eltern verlassen wurde und (bis zur ersten Staffel der Serie) auch nicht weiß, warum und was aus ihnen geworden ist, lehnt sie die menschlichen Beziehungen ab und verlässt sich nur noch auf wissenschaftliche Fakten. Ähnliche Meme gibt es in Computerspielen, wenn es für die kampfeslustigen Frauen stets eine Hintergrundgeschichte gibt, die ihre Brutalität erläutert (meistens steckt dann Rache/Vergeltung als Motiv dahinter).

Anhand der Serie ließe sich viel verdeutlichen, über die „moderne“ Sicht auf die Wissenschaft vom Menschen. Darüber, wie als „wissenschaftlich“ nur das gilt, was mit modernster Technik sichtbar oder begreifbar (im buchstäblichen Sinne) gemacht wird. Wie die Metapher von hart und weich, also von wissenschaftlich/unantastbar mit unwissenschaftlich/schwammig an den „Knochen“ festgemacht wird. Und das, wo selbst die moderne Medizin inzwischen weiß, dass Knochen nicht „hart“ und unveränderlich sind, angefangen beim Wachstum, über ihre Reperaturfähigkeit, Nachgiebigkeit und so weiter und so fort.

An dieser Stelle will ich nur darauf eingehen, wie hier Geschlecht und “Rasse” als „natürlich“ und wissenschaftliche Tatsache dargestellt und im selben Moment ad absurdum geführt werden. (Um es gleich vorweg zu nehmen: Bereits auf einem UNESCO-Workshop stellten Fachwissenschaftler_innen aus dem Bereich Humanbiologie/Anthropologie fest, dass es keinen wissenschaftlichen Grund gebe, den Begriff “Rasse” weiterhin zu verwenden. Wer mehr dazu lesen möchte: siehe Literaturtipp unten)

Nehmen wir der Einfachheit halber direkt die erste Folge der ersten Staffel. In einem See wird eine Leiche gefunden und geborgen. Bones und ihr Assistent kommen mit Booth, dem FBI-Ermittler an den Tatort:

Booth: „Was kannst Du mir sagen?“

Bones: „Nicht viel, sie war eine junge Frau, wahrscheinlich zwischen 18 und 22 (…) Hautfarbe unbekannt“ (…)

Assistent erklärend: „Die Epiphysenfuge zeigt das Alter an, die Form der Beckenknochen das Geschlecht“

Später wird Angela, eine Teamkollegin, ein 3D-Modell des Opfers darstellen. Mit einem B.A. in bildender Kunst und Informatik hat sie die Fähigkeit, sowohl „Phantombilder“ der Opfer zu zeichnen, als auch ein Programm entwickelt, dass die 3D-Darstellung von Personen anhand der von Bones weitergegebenen Informationen ermöglicht. Das Programm kann auch ganze Tathergänge nachstellen, aber soweit nur, damit ihr Euch folgenden Dialog besser vorstellen könnt:

Angela präsentiert das Opfer als Hologramm: „Ihr Schädel war schwer zerstört. Aber Rassemerkmale, Größe der Wangenknochen, Nasenbogen, Größe des Hinterkopfs, alles spricht für eine Afro-Amerikanerin.“

Man braucht hier noch nicht mal Kenntnisse über den Aufbau menschlicher Knochen oder bekannter Rassentheorien, um zu merken, dass „Afroamerikanerin“ ein Konstrukt ist, das historisch gewachsen ist und Vorstellungen von (als natürlich gedachter) “Rasse” und Migrationsgeschichten vermischt. Afroamerikanisch meint: Menschen mit schwarzer Hautfarbe, die in US-Amerika leben* (*Den Komplex der darüberhinaus geht, lass ich an dieser Stelle weg). Wie man das an Knochen erkennen soll? (Und erinnern wir uns an den Satz weiter oben: „Hautfarbe unbekannt“ – Hautfarbe reicht hiernach bis auf die Knochen)

Aber es wird noch absurder:

Bones: „Angela, lass das Programm noch mal durchlaufen und nimm die Parameter einer weißen Frau.“ (scheint immer noch unzufrieden mit dem Ergebnis) „Splitte es auf, gemischte Merkmale.“

Angela: „Lenny Kravitz oder Vanessa Williams?“

Bones: „Ich weiß nicht, was das bedeutet.“

Offensichtlich lassen die „Rassemerkmale, Größe der Wangenknochen…“ doch keinen eindeutigen Rückschluss zu. Bones lässt Angela die „Parameter einer weißen Frau“ eingeben, ohne das ersichtlich wird, welche ‚Parameter’ das genau sind, ist offenbar immer noch unzufrieden (sprechen die Knochen wohl doch keine so genaue Sprache?) und bittet um „gemischte Merkmale“. Auch diese Angabe ist zumindest Angela nicht eindeutig genug, so dass sie zurückfragen muss, ob eher so Lenny Kravitz-gemischt oder Vanessa Williams-gemischt. Mit dem Standardsatz von Bones, „Ich weiß nicht, was das bedeutet“ macht sie deutlich, dass sie von der Existenz dieser Prominenten keine Ahnung hat.

Und an dieser Stelle kann man sich immer noch, ohne vorhandene Kenntnisse vom Aufbau des menschlichen Skeletts folgende Fragen stellen:

– Wie konnten die deutschen Übersetzer_innen dieser Serie so unsensibel eins zu eins Begrifflichkeiten verwenden, die bereits bei der „Judenvermessung“ im dritten Reich verwendet wurde, diese mitbegründet hat? (Aber auch für andere Gruppen verwendet wurde). Ab wann ist eine Schwarze schwarz – hier wird mit der weißen „Angst“ gespielt, dass phänotypisch angeblich stets

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Veranstaltungen gegen Rassismus, Psychiatriekritik und die Kopftuchfrage – Die Blogschau

29. November 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 264 von 265 der Serie Die Blogschau

Zunächst noch einmal wichtige Terminhinweise: Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland Bund e.V. veranstaltet heute gleich zwei Solidartitätsveranstaltungen, zum einen gegen die rassistische Tradition des “Zwarte Piet” von 13:45 Uhr und endet um 14:15 Uhr vor der Niederländischen Botschaft in Berlin und zum anderen von 15:30 – 16:30 Uhr auf dem Platz des 18. März direkt vorm Brandenburger Tor anlässlich der Entscheidung der Geschworenenjury im Fall von Michael Brown statt. Mehr Informationen gibt es beim ISD e.V.

anders deutsch berichtet von einer Gegendemonstration gegen eine Nazi-Demo in Berlin-Marzahn. Diese finden zur Zeit alle paar Tage in Berlin (und natürlich auch anderen Städten) statt. Die nächste in Marzahn zum Beispiel schon wieder am Montag, den 01.Dezember.

Bei der Zeit schrieb Robin Detje einen Text zu Feminimus, genauer gegen den Backlash gegen Lann Hornscheidt verfasst. Und weil er sich dort pro-feministisch inszenierte, wurde der Text auch gleich mal vielerorts gelobt und massig verlinkt. sanczny hat sich dem Artikel kritisch gewidmet.

Auf Das Ende des Sex gibt es einen “Überblick: Angriffe gegen Geschlechterforscher_innen und Sexualpädagog_innen und die Positionierungen von Fachgesellschaften“.

Bei fembooks gibt es als Antwort auf den Backlash eine Zusammenstellung von Büchern, “die aus Trans-Perspektive verfasst wurden oder sich kritisch, widerständig, empowernd, kreativ mit Lebensentwürfen, Erfahrungen, Sprache, Biografien … jenseits von Mann/Frau befassen.”

Zur Frage ob und wie die “Pille danach” rezeptfrei in Deutschland wird, hat i heart digital life einiges zusammengetragen.

Die zweite Folge des Podcasts Steintofu ist erschienen und dreht sich um das Thema Depressionen, wobei Kritikpunkte am Konstrukt Depression, was Depressionen mit politischer Arbeit zu tun haben können und Umgangsweisen- und ansätze thematisiert.

Muslimische Frauen, die ein Kopftuch tragen, sehen sich immer wieder und wieder und wieder mit der Frage nach dem “Warum?” konfrontiert. betuelulusoy antwortete in einer Diskussionsrunde nach einer nach einem Podiumsgespräch einmal mit “Das geht Sie überhaupt gar nichts an!” und schreibt über das wunderbare Gefühl nach diesem Ausspruch.

Bei Feminismus in Pott gibt es unter “Gut gemeint und trotzdem ätzend: Eine Veranstaltung zu Körpern in den Medien in Mülheim an der Ruhr” eine Rückschau auf eine Veranstaltung, auf der auch Magda ihren Vortrag “Mein Fett ist politisch” hielt – doch leider in keinem besonders diskriminierungsarmen Rahmen.

Und auch im November startete ein neues Blog in der deutschsprachigen queer_feministischen Blogosphäre: Auf nopsyko schreibt ein_e Psycholog_in mit eigener Psychiatrieerfahrung kritisch zu Psychiatrie und Psychiatrisierung.

Habt ihr diese Woche was geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Jede Woche verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Weiße Wut, Körpernormierungen und geduldete Gewalt – kurz verlinkt

27. November 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 257 von 260 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Artikel

Magda hat in Leipzig ihren Vortrag “Mein Fett ist Politisch” gehalten. Dazu hat der Leipziger Studi-Radiosender mephisto 97.6 einen kurzen Radiobeitrag gemacht.

Das Migazin interviewte Dr. Yasemin Shooman zur wissenschaftlichen Untersuchung der Repräsentation migratisierter Menschen in den Medien.

Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh ruft unter dem Motto “900 x 10 Euro” zu Spenden auf für pathologische und toxikologische Nachuntersuchungen, um die Brand- und Todesursache von Oury Jalloh aufzuklären.

Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter e.V. (VAMV) weist in einer Pressemitteilung darauf hin, dass bei der aktuellen SGB II-Reform Kürzungen zu Lasten der Kinder von Alleinerziehenden drohen. So heißt es: “Die geplante ‚Klarstellung‘ führt unterm Strich dazu, dass die Existenz des Kindes nicht gedeckt wäre.”

Noch/ schon auf der Suche nach einem Kalender für das Jahr 2015? Die Mädchengruppe um den Mädchenjahreskalender gibt nun im zweiten Jahr ihren politisch-feministischen Taschenkalender heraus.

Englischsprachige Artikel

Bei der Washington Post erklärt Carol Anderson, warum es in Ferguson nicht um Schwarzen Ärger gegen Polizeibeamt_innen geht, sondern um weiße Wut und einen Backlash gegen antirassistische Fortschritte.

Auch Mia McKenzie bei Black Girl Dangerous schreibt über Ferguson, die Ausschreitungen, und was Gewalt in diesem Zusammenhang wirklich bedeutet.

Absolut lesenswert: “So You Can Fuck Us; What’s Next? Going Beyond Sex With Trans Women“.

Roxane Gray kommentiert beim Guardian die Debatte um Bill Cosby und rape culture und fordert auf endlich Betroffenen zu glauben.

Bei The Daily Beast erinnert Asawin Suebsaeng daran, wie viele Film- und Popstars bereits Übergriffe und sexualisierte Gewalt verübt haben – was ihrer allgemeinen Beliebtheit aber keinen Abbruch tut.

“A really bad month”: Einen kurzen Bericht über eine ungeplante und dann beendete Schwangerschaft in gezeichneter Form gibt es bei The Hairpin.

Termine in Berlin und Frankfurt am Main nach dem Klick:
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Wenn Schwarze Menschen nicht lächeln…

25. November 2014 von Gastautor_in

Sharon Dodua Otoo ist Schwarze Britin – Mutter, Aktivistin, Autorin und Herausgeberin der englischsprachigen Buchreihe “Witnessed” in der edition assemblage. Sie ist aktives Mitglied in der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) e.V. Unter dem Namen Ms.Represented bloggt und twittert Sharon ebenfalls.

Liebe Schwarze Menschen,

es ist eine Kleinigkeit, aber offensichtlich bedeutet sie den Unterschied zwischen Leben und Tod: Ihr müsst der Welt zeigen, dass ihr glücklich seid.

Es scheint, dass in (vorwiegend weißen) Ländern, in denen Schwarze Menschen nicht lächeln, oft fälschlicherweise angenommen wird, dass sie teuflische Superkräfte besitzen. Falls sie beispielsweise kleine Jungs sind, wird fälschlicherweise angenommen, dass sie andere Kinder auf dem Spielplatz anschießen und töten könnten (mit einer Spielzeugpistole). Oder falls sie männliche Teenager sind, wird fälschlicherweise angenommen, dass sie in einem Radius von einigen Metern um sich herum alle töten könnten mit ihren bloßen Händen (die sie in die Luft halten als Zeichen des Ergebens). Oder falls sie Frauen sind, wird fälschlicherweise angenommen, dass es ihnen möglich ist die Flugbahn einer Kugel mit Willenskraft zu ändern (welche absichtlich in die Wand gefeuert wurde). Nichtlächelnde Schwarze Menschen müssen auf den Boden niedergerungen und außer Gefecht gesetzt werden. Einfach so.

Natürlich sind alle meine Beispiele aus den USA. Aber es gibt auch andere Beispiele näher dran.

In Deutschland bedeutet die Illusion von STSK (Schwarze Teuflische Superkräfte), dass Polizeibeamte schießen, um eine Frau in ihrem ehemaligen Zuhause zu töten, oder auf dem Arbeitsamt. Bei Männern wird angenommen, dass sie so eine Gefahr darstellen, dass sie, selbst wenn sie mit gefesselten Händen und Füßen auf einer feuerresistenten Matratze liegen, direkt eliminiert werden müssen.

Wenn Schwarze Menschen nicht lächeln, gelten sie als unfreundlich, aggressiv und verbreiten Angst. Denk darüber nach. Als eine Schwarze Person in deiner Nähe zeigte, dass sie irgendetwas anderes als vollkommene Zufriedenheit mit der Welt spürt, was war deine emotionale Antwort?

Für mich ist es so: Wenn ich unglücklich bin, erlebe ich nur in den seltensten Fällen bedingungslose Empathie. Und wenn, dann meistens von einer anderen Schwarzen Person.

Und da wir offensichtlich nicht zu jeder Zeit ausschließlich von Schwarzen Menschen umgeben sein können, müssen wir über unsere Optionen nachdenken. Britisch wie ich bin, glaube ich nicht, dass uns ein 24-Stunden-Lächel-Marathon schützen wird. Nun, ich habe keinen besseren Vorschlag als zu sagen, das wir weiterhin auf einander achten sollten und wir sollten auf diesen utopischen Tag hinarbeiten, an dem auch in vorwiegend weißen Gesellschaften jede_r wirklich Menschenrechte hat. Selbst jene, die nicht lächeln.

P.S.:

Liebe Allies,

es ist an der Zeit sich zu steigern – Bitte wirkt der tatsächlichen Gewalt, die Schwarze Menschen jeden Tag in ihren Intraktionen mit weißen Menschen in überwiegend weißen Gesellschaften erleben, entgegen, erkennt und benennt sie.

Des Teufels Advokaten gibt es genug.

 

When Black people don’t smile…

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Rechts gegen Rechts, #shirtstorm, Schnulzen gegen Ebola – kurz verlinkt

19. November 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 256 von 260 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über die Aktion “Rechts gegen rechts” in Wunsiedel. “Lachen ist Macht”, Gewalt aber auch: Im bisherigen Jahr 2014 wurden in Deutschland bereits mehr Angriffe gegen Geflüchtete verübt als in den beiden Jahren zuvor – und zwar zusammen gerechnet.

Beim kulturradio des RBB kann nun auch online die Sendung “Alltagsrassismus in Deutschland” nachgehört werden, wo unter anderem Sharon Dodua Otoo und Kübra Gümüşay sich zu Wort melden. Es geht es unter anderem um die vermeintlich harmlosen Fragen wie “Woher kommst du wirklich?”, Auswirkungen von politischen Debatten über Asyl, die Kinderbuchdebatte und #schauhin. (Inhaltshinweis: N-Wort ausgesprochen)

“Für mich fehlt dieser Gesellschaft die Bereitschaft, Differenzen stehen zu lassen.”, sagt Lann Hornscheidt in der FAZ in einem Artikel über Sprachformen, Geschlecht und gewaltvolle Reaktionen. (Inhaltshinweis: Reproduktion vieler Hasskommentare, Gewaltandrohungen etc.)

englischsprachige Links

Bei Race Traitor schrieb Tamara K. Nopper einen offenen Brief an “weiße Antirassist_innen” und erklärt, warum diese Selbstbezeichnung ein Widerspruch in sich ist.

Johnetta Elzie berichet bei Ebony über die traumatisierenden Erlebnisse während der fortdauernden Proteste gegen rassistische Polizeigewalt im US-amerikanischen Ferguson, denen die Polizei dort extrem martialisch und gewaltvoll begegnet: “When I close my eyes at night, I see people running from tear gas in their own neighborhood. […] I didn’t expect to go from a peaceful protester trying to attend a vigil for a young teen gunned down, to a modern day freedom rider. But I am prepared to stay the course and fight as long as we must.”

Dr. Matt Taylor, einer der European Space Agency (ESA)-Wissenschaftler_innen des Rosetta-Projekts, löste mit einem sexistischen Hemd, das er zunächst bei der Live-Übertragung der Landung trug, Kritik aus. STEM Women schrieben zum “#shirtstorm” und zu alltäglichem Sexismus in MINT-Bereichen.

“Where Are Our Elders?” – Anlässlich des Todes von Leslie Feinberg fragt sich Sunny Drake, wie viel Platz in aktivistischen Communities eigentlich für ältere und alternde Menschen, für die Vorgänger_innen ist.

Es ist wieder mal so weit: Bob Geldorf hat seine Showbiz-Freund_innen angerufen und rettet jetzt Afrika. Denn was hilft besser gegen Ebola (und alles andere Leid) als Singen und CD-Verkäufe?  Wirklich nichts dazugelernt?, fragt AfricaIsACountry.

Das TIME Magazine lässt über Wörter abstimmen, die für das Jahr 2015 verboten gehören. Mit auf der Liste: Feminismus. Nun haben sie sich entschuldigt (aber auch nichts an der Liste geändert). Bust schreibt über den Vorfall.

Termine in Berlin

Kein Platz für Rassismus – Anti-Geflüchteten-Demos stören in Buch und Berlin-Marzahn:

Vom 26.11. bis 29.11. findet das Festiwalla 2014 statt, eine Programmübersicht findet Ihr hier.

Die MIND THE GAP-Ausstellung mit Arbeiten der Schweizer-Jüdischen Künstlerin Elianna Renner wird am 21.11.2014 eröffnet.

Der Film ID-Without Colors wird am 20.11. um 19 Uhr (OmU) bei Frauenkreise Berlin gezeigt, Choriner Straße 10, 10119 Berlin. Im Anschluss gibt es eine Diskussion.


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