Einträge mit dem Tag ‘Rassismus’


Utøya. Drei Jahre.

22. Juli 2014 von Charlott

Heute vor drei Jahren ermordete Anders Behring Breivik 77 Menschen. Acht Menschen starben durch eine Bombe, die gegen 15:25 in Oslo detonierte. Die 69 anderen Personen erschoss Breivik auf der Insel Utøya. Sie waren Teilnehmer_innen und Organisator_innen eines Feriencamps der AUF (Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiderpartiet (AP)) gewesen.

Kurz vor dem Anschlag in Oslo versandte Breivik ein über 1000 Seiten langes Dokument. Sein “Manifest”, welches er zum Großteil auch aus Texten, die bereits andersweitig im Netz veröffentlicht worden waren, zusammen kopiert hatten. In diesen Seiten drückte sich jedoch deutlich seine Welt- und Wertvorstellung aus: voller Rassismus, Islamfeindlichkeit, Hetero_Sexismus und Misogynie. Das große Schlagwort, unter dem er alles subsumiert: Kampf gegen “Politische Korrektheit”.

Die Menschen, die vor drei Jahren getötet wurden, wurden gezielt getötet. Auch heißt es, dass Breivik auf Utøya besonders Frauen und Mädchen anvisierte. Vom Feminismus, nach ihm eine der auffälligsten Spielarten der “politischen Korrektheit”, wollte er die europäischen Männer befreien.

In Berlin findet heute um 17.30 vor der norwegischen Botschaft eine Gedenkveranstaltung statt. (FB-Link)

Zum Weiterlesen:


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Ablasshandel oder solidarische Handlung? Über Umverteilung mittels Geldspenden

17. Juli 2014 von Nadine

Alok Vaid-Menon hat vor kurzem einen sehr lesenswerten Artikel über Spenden als politische Handlung geschrieben. In seinem_ihrem Artikel geht es vor allen Dingen um Geldspenden an politische Graswurzel-Organisationen, die ressourcenarme queere Trans* of Color in ihrer Arbeit zentralisieren, also den immer miteinander verschränkten Kämpfen gegen Rassismus, Klassismus und Sexismus ihr Handeln widmen. Die Arbeit dieser Organisationen ist fundamental wichtig, da sie einem rassistischen, sexistischen und kapitalistischen System vor allem jene Menschen fokussieren, die nicht auf staatliche Unterstützung hoffen können, da sie (auch) von staatlicher Seite Repressionen und Gewalt ausgesetzt sind. Mainstream LGBT-Organisationen und Vereine sind hauptsächlich an “Gleichstellung” mit einer hetero_sexistischen und weißen Norm interessiert und verlagern öfter ihre Schwerpunkte ins Ausland. Damit nähren sie die stereotype Vorstellung, dass es “anderswo” Homophobie zu bekämpfen und westlich-europäische Grundwerte zu verteidigen und den “undemokratischen Anderen” vorzuzeigen gilt. Dabei geraten die Ursachen und spezifischen gesellschaftlichen Kontexte ehemals kolonisierter Staaten und die noch immer hohe ökonomische Einflussnahme westlicher Industrienationen – also ehemaliger Kolonialmächte – aus dem Blick, ebenso das rassistisch wie kapitalistisch motivierte Interesse, mit einem Pseudokampf für die Gleichberechtigung von z.B. Lesben und Schwulen Ausbeutung, Gewalt und Krieg in diesen Staaten zu rechtfertigen.

Ebenso vernachlässigt wird in diesem Zusammenhang Rassismus und Hetero_Sexismus innerhalb der eigenen Staatsgrenzen bishin zu rassistischen Kampagnen eben dieser LGBT-Organisationen, die damit einen vermeintlich unvereinbaren Gegensatz zwischen queer und of Color kreieren oder mal nebenbei die eigene lesbischwule Involviertheit in staatliche Verbrechen der NS-Vergangenheit unter den Tisch kehren. Kurz: der Staat hat ein hohes Interesse daran, besonders jene LGBT-Organisationen mit infrastrukturellen Mitteln auszustatten, die gesellschaftliche Normen (wie weiß_deutsch oder heterosexuell) nicht in Frage stellen, sondern sich an ihnen orientieren.

Vaid-Menon hat in ihrem_seinen Artikel allerdings nicht nur die staatliche Seite im Blick mit seiner_ihrer Kritik, sondern auch Aktivist_innen, die zwar die Anliegen der Graswurzel-Organisationen unterstützen, jedoch bisher nur ideell und weniger bis gar nicht finanziell. An sie appelliert sie_er, eigene ökonomische Privilegiertheit und sozialen Status in das eigene politische Handeln einzubeziehen und Geld zu spenden. Es kann nicht nur um Anerkennung und Repräsentation von politischer Arbeit gehen, Umverteilung muss stärker in den Blick gerückt werden.

Ich bin die meiste Zeit in Berlin politisch aktiv und halte mich viel in den hiesigen queer_feministischen Kontexten auf. Kontexte, die auch die Arbeit von Mainstream-LGBT-Organisationen oft genug kritisieren. Ich bekomme trotzdem selbstverständlich nur ausschnittweise Debatten mit, die hier geführt werden, z.B. wenn mal wieder Kritik an den rassistischen Ausschlüssen oder intransparent arbeitenden Strukturen dieser Kontexte geübt wird. Im vergangenen Frühling und Sommer gab es einige für mich wahrnehmbarere Auseinandersetzungen mit diesen Kritiken und Umverteilung/Spenden an antirassistische Organisationen waren ebenfalls Teil dieser Auseinandersetzungen. Ich habe mitbekommen, dass Spenden kritisch diskutiert wurden, weil die Umverteilung von Geld an antirassistische Projekte mittels Soli-Partys, Geld spenden, das von Veranstaltungen über ist auch an “Entwicklungshilfe”-Diskurse anschlussfähig ist, weiße sich damit von ihrer Verantwortung “freikaufen” wollen, Ablasshandel etc. Im Gegenzug habe ich es auch schon erlebt, dass auf Antira-Soli-Partys kaum ein Euro über ist für die Spendenbox oder den Eintritt, allerdings mehrere für Alkohol.

Obwohl ich die Kritik, die auch von PoC an einer ausruhenden Spenden-Mentalität geäußert wurde, teile, halte ich jeden Euro für prekäre politische Arbeit, die nicht auf etablierte (staatliche) Fundraising-Strukturen zurückgreifen kann, für wichtig. Egal von wem und mit welcher Intention. Anders als bei “Entwicklungshilfe”-Non-Profit- und -Nichtregierungsorganisationen (kurz: NPO oder NGO), die mit kolonialrassistischen und paternalistischen Spendenaktionen das schlechte Gewissen der weißen (Bürgerlichen) anticken wollen und bekannt ist, dass das Geld dieser Non-Profits und NGOs eher in die eigene Tasche, denn in sinnvolle Unterstützung fließt (siehe NGO industrial complex), sprechen wir bei alternativen/herrschaftskritischen Polit-Kontexten von illegalisierten Projekten und/oder Projekten, die aufgrund ihrer politischen Haltung und Arbeit nicht für (staatliche) Fördertöpfe in frage kommen, weil Kompromisshaltung und Anbiederung schlicht im Widerspruch zu ihrer Arbeit steht.

Auch bei Berliner Projekten, die vom Senat gefördert werden, ist zu verzeichnen, dass eher die personell und finanziell gut aufgestellt sind, die ihren Schwerpunkt nicht in mehrdimensional ausgerichteter Antigewalt- und Antidiskriminierungs- arbeit haben, während andere Senats- und staatlich geförderte Projekte, die Wert darauf legen mit ihrer emanzipatorischen Arbeit nicht an anderen Stellen Diskriminierung fortzuschreiben, zusehen müssen, wie sie überhaupt ihre Arbeit tun können. Geldspenden sind auch bei diesen Organisationen wichtig, um die Eigenmittel zu erhalten/erhöhen, damit überhaupt Gelder in bestimmter Höhe von staatlicher Seite beantragt werden können.

Insofern halte ich es für Luxus und wenig praktikabel erstmal unter uns weißen zu diskutieren, ob Spenden an unterstützenswerte Organisationen, Vereine und Projekte dem weißen Gönnertum zuträglich sind, das eigene Gewissen erleichtern oder sonst wie problematisch im Hinblick auf die Reproduktion von white supremacy (weißer Überlegenheit) sind. Es geht schließlich auch nicht um ein Entweder (spenden) – Oder (anders unterstützen). Solidarische Handlungen sollten im besten Falle auf mehreren Ebenen erfolgen, angefangen bei eigener Weiterbildung oder Übernahme von Tätigkeiten, die keine repräsentativen Zwecke haben (infrastrukturelle, organisatorische arbeiten im Hintergrund, für die in diesem fall weiße keine öffentliche Anerkennung erhalten).

Doch nicht nur Vereine und Organisationen sind mit Geld unterstützenswert, auch die Arbeit von einzelnen Aktivist_innen ist es. Crowdfunding-Plattformen bieten neben direkten Überweisungen z.B. eine Möglichkeit konkrete Projekte und Kampagnen mit Geld zur Realisierung zu bringen. Einfach Augen und Ohren offenhalten, dank sozialer Medien und eigener Netzwerke kommt einer_m selten an Spendenanfragen vorbei.

Es ist bekannt, dass die weiß-dominierten queer_feministischen Kontexte hier in Berlin zwar nicht reich sind, sich jedoch selten kritisch mit Klassen-, Geld-, Eigentums- und Besitzverhältnissen beschäftigen, was ein Hinweis darauf sein könnte, dass zwar Ressourcen zur Verfügung stehen, diese jedoch nicht oft geteilt werden wollen, wenn sie nicht der Befriedigung eigener Bedürfnisse dienen. Klassismus in queer_feministischen Kontexten is a thing, vor allen Dingen dann, wenn Personen permanenter struktureller Gewalt (z.B. Rassismus) ausgesetzt sind und damit der Zugang zu Ressourcen beschränkt wird, die für die meisten weißen wie mich selbstverständlich sind, z.B. Anspruch auf staatliche Sozialleistungen.

Auch dass häufig Energie und andere Ressourcen auf die Organisation gut besuchter Partyreihen und anderen Konsumveranstaltungen verwendet werden kann, könnte ein Marker dafür sein, wer mehr als andere in der Lage ist, über die eigene Ressourcenverteilung selbst zu entscheiden und politische Arbeit im Sinne der eigenen Bedürfnisse zu tun.

Zu guter Letzt: Alok Vaid-Menon beschäftigt sich in dem verlinkten Text auch mit der Frage, wie theoretisieren und diskutieren _über_ etwas mit praktischen Konsequenzen zusammenhängen sollte:

“[...] I’ve always had the financial security to discuss political theory in the abstract, without facing the material consequences of these ideas. In these spaces ‘radical’ is less about your actual impact (ability to redistribute capital and resources) and more about the quality and ambition of your argument”

“Ich habe immer die finanzielle Sicherheit gehabt, um politische Theorie im Abstrakten zu diskutieren, ohne mich den materiellen Konsequenzen dieser Ideen zuwenden zu müssen. In diesen Kontexten geht es bei “radikal” weniger um den tatsächlichen Einfluss (Möglichkeit, Kapital und Ressourcen umzuverteilen) und mehr um die Qualität und die Zielrichtung des eigenen Arguments”


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Zum 5. Jahrestag des Mordes an Marwa El-Sherbini

1. Juli 2014 von Charlott

Fotografie von Marwa El-Sherbini, der Ausschnitt zeigt ihr lächelndes Gesicht und einen Teil ihrer Kopfbedeckung

Heute vor 5 Jahren tötete Alexander Wiens Marwa El-Sherbini mit 18 Messerstichen. Der Mord konnte quasi ungehindert geschehen – mitten in einem Gerichtssaal im Landgericht Dresden. Nach der Attacke verstarb El-Sherbini noch am Tatort. Ihr Ehemann, Elwy Ali Okaz, wurde verletzt, zum einen durch Messerstiche von Wiens, aber auch durch eine Kugel eines Polizisten, der Okaz für den Täter hielt. Der damals dreijährige Sohn von Marwa El-Sherbini musste den Mord mit ansehen.

An diesem Tag, dem 01. Juli 2009, fand eigentlich ein Gerichtsverfahren gegen Alexander Wiens statt. Dieser hatte El-Sherbini auf einem Spielplatz rassistisch und anti-muslimisch beschimpft. Im Jahr 2008 war er zu einer Geldstrafe verurteilt worden, doch akzeptierte er diese nicht. Dann legte auch die Staatsanwaltschaft Berufung ein, da sie die Strafe für zu gering empfand und weitere Fälle von *istischen Beleidigungen dazu kamen.

Alexander Wiens anti-muslimische und rassistische Einstellungen waren bekannt; sein Hass gegen El-Sherbini war kein Geheimnis. Trotzdem gab es keine erhöhte Sicherheitsvorkehrungen bei der Verhandlung und Wiens war es ohne weiteres möglich ein Messer in den Verhandlungssaal zu bringen.

In Ägypten, wo El-Sherbini auch beerdigt wurde, kam dem Fall viel Aufmerksamkeit zu. In großen Demonstrationen wurden die anti-muslimischen Ressentiments in Deutschland (und anderen europäischen Ländern, schließlich war es auch nur kurz nachdem Frankreichs damaliger Präsident Sarkozy eine Rede zur Burka gehalten hatte) benannt und kritisiert.  Deutschsprachige Medien hingegen verschwiegen lange den politischen Hintergrund der Tat. Und auch Politiker_innen nahmen das Geschehene nicht zum Anlass offensiv gegen rassistische Diskriminierungen und Gewalt gegen Muslim_innen vorzugehen.

Anlässlich des fünften Jahrestages initiierte heute der Rat muslimischer Studierender & Akademiker (RAMSA) einen Tag gegen antimuslimischen Rassismus (dazu auch auf islam.de).

Heute werden um 17 Uhr am Landgericht Dresden in Gedenken an El-Sherbini die Namen der Opfer rechtsextremer und rassistischer Gewalt seit 1990 verlesen.

In den letzten Jahren hatte auch bereits Kübra regelmäßig an den Mord an Marwa El-Sherbini erinnert. So schrieb sie 2011 “Zwei Jahre seit Marwa El Sherbini und wir haben nichts gelernt?” und im letzten Jahr “Vier Jahre Fünf Tage“.


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Essen, Fußball, Horrortussis – kurz verlinkt

25. Juni 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 239 von 243 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Die behindert und verrückt feiern Pride Parade Berlin ist nicht parteien- oder institutionsgebunden. Wir benötigen daher Unterstützung finanzieller Art, um die Parade und die begleitende Kampagne durchzuführen.” – so der Aufruf der Organisierenden.

Die politischen Dimensionen des Essens werden derzeit an der Uni Erfurt im Projekt „Das Essende Subjekt“ erforscht. Radio F.R.E.I. hat mit der Amerikanistin Nina Mackert über die politischen Dimensionen von Körper und Essen und den damit verbundenen gesellschaftlichen Vorstellungen gesprochen.

Der Deutschlandfunk sendete einen Beitrag über den zunehmenden Antisemitismus deutscher Intellektueller.

[Inhaltshinweis: Antisemitismus, Rassismus] Erst vor kurzem schrieb Charlott unter anderem über den Zusammenhang von Fussball und Nationalismus; beim WM-Spiel der deutschen gegen die ghanaische Mannschaft gab es dann kein Halten mehr: “Sixt” schaltete eine rassistische Werbeanzeige, deutsche Fußballfans zeigten sich in Blackface, und auf Twitter gab es einige rassistische Äußerungen. Der DFB überklebte währenddessen lieber erneut ein Anti-Rassismus-Plakat in einem Stadion. Das Time Magazine kontextualisiert die Vorfälle (auf Englisch).

Die lesbische Künstlerin und visuelle Aktivistin Zanele Muholi aus Südafrika spricht im Interview mit dem Freitag über ihren Aktivismus, ihre Kunst und über rassistische und hetero_sexistische Gewalt.

Meredith Haaf analysiert in ihrem Essay sehr treffend die verfehlte Feminismusdebatte (TM) und die Erfindung der “Horrortussi“. Den feministischen Debatten in der Öffentlichkeit fehlt es an Radikalität.

Die aktuelle Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung Mittelweg 36 ist draussen – mit einem Schwerpunkt zu der 2012 verstorbenen Feministin Sulamith Firestone, inklusive eines Nachrufs von Susan Faludi.

Im Tagesspiegel wird Maria Wersigs Buch zum Ehegattensplitting besprochen, und einige der sich um eben jenes rankenden Mythen (wie beispielsweise, dass es bei der Einführung eben dem Zeitgeist entsprochen hätte) werden als eben solche entlarvt.

Die Frankfurter Rundschau berichtet über die Flüchtlingsfrauenkonferenz und die Probleme, vor die geflüchtete Frauen oftmals gestellt sind.

englischsprachige Links

Warum die Darstellung unterschiedlicher Körper(formen) in den Medien wichtig ist – und Orange Is The New Black vorbildlich voran geht, wird in der Huffington Post besprochen.

Lindsey Dennis ärgert sich bei Feminspire über die heteronormativ-androzentrisch verengte Perspektive, die sehr oft auf das Thema Safe(r) Sex gerichtet wird.

[Inhaltswarnung: Cis-Sexismus, Gewalt, Folter, Mord] Es gab wieder einen Mord an einer trans* Frau of Color.

“Hör auf mich zu unterbrechen.” “Das habe ich gerade gesagt.” “Das braucht keine Erklärung”: Diese drei Sätze sollten alle Frauen lernen, schreibt Role Reboot.

Eine Studie hat herausgefunden, dass Richter, die mindestens eine Tochter haben, häufiger dazu tendieren ihre Entscheidungen an Frauenrechten zu orientieren. Es gibt viele Erklärungsfaktoren für diese Wahl, aber am plausibelsten erscheint, das sich die Lebensrealitäten von Frauen, den eigenen Töchtern, und der gesellschaftlichen Ungleichbehandlung ihre Wahrnehmungen prägen.

Discover Football organisiert die international Kampagne Moving Perspectives zu Frauenfußball und Empowerment zur WM in Brasilien. Sie werden im Zeitraum vom 25. Juni- 13. Juli in Rio de Janeiro vor Ort sein und vom 3.Juli bis 7. Juli von Fußball- und Menschenrechtaktivistinnen, sowie Journalistinnen aus Argentinien, Brasilien, Ghana, Iran, Kamerun, Kanada, Mexiko, Nigeria und Uruguay unterstützt. Dazu gibt es auch ein Blog.

#BringBackOurGirls: Boko Haram entführte nun dutzende weitere junge Frauen – Al Jazeera berichtet.

Termine in Berlin, Freiburg, Münster, Wien

(mehr …)


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Pink stinkt nicht, ihr Lauchs!

19. Juni 2014 von Gastautor_in

Heng ist freie Autorin, bloggt auf Tea-Riffic und twittert unter @sassyheng. Ihre Kritik an der Organisation Pinkstinks veröffentlichen wir hier erneut mit freundlicher Genehmigung. (übrigens: Falls der Text bei euch GIF-Alarm auslöst, findet ihr hier eine Anleitung, um diese zu deaktivieren)

Wenige Phänomene sind so polarisierend wie Pinkstinks. Maximal die Frage, ob Käse Dessert sein darf, kann hier mithalten. Während letzteres eine Sache des Geschmacks ist, ist Pinkstinks für mich eine Frage der Logik. Es ist ja bei vielen Sachen so, dass sie auf dem ersten Blick so richtig geilomeilo und amazing sind, bei sich beim genaueren Nachdenken aber als superproblematisch und uncool erweisen.

Ich weiß immer gar nicht, wo ich anfangen soll, wenn ich erklären soll, dass Pinkstinks eher nicht so geilomeil ist. Vielleicht versuche ich es mal so:

You must be shitting me with that name of yours

Allein der Name ist so problematisch, dass ich mich frage, wie sich als Feminist_innen bezeichnende Menschen unter diesem Titel einen Kampf führen können. Es erschließt sich mir nicht. (Und ich bin nicht diejenige, die Gender Studies studiert hat.) Was impliziert der Name denn?
Der Name wertet Femininität ab und macht queere Kämpfe unsichtbar beziehungsweise stellt sie als irrelevant dar. Die Kampagne existiert in keinem sozialen Vakuum, sondern in einer Soziokultur, in der Pink_Rosa für Femininität, Frauen*, Homosexualität, Optimismus, Spaß, Kindlichkeit und Sexualität an sich steht. Der Slogan “Pink stinks!” diskreditiert all dies. So funktioniert Semiotik. So funktioniert Sprache.

“Aber gemeint ist ja ‘Pink für alle!’ “

Es schert mich nicht, was eigentlich gemeint ist. Ich kann auch, sagen wir, “Deutschland ist Beste” auf meine Fahne schreiben und dann erzählen, dass es kein Patriotismus mit Referenz auf irgendwelche ehemaligen Strophen der Nationalhymne sei, sondern dass ich damit nationalkritisch unterwegs bin und meine tatsächliche Message “No borders, no nations and who the fuck is Deutschland anyway!” ist. Allerdings zweifle ich an der Glaubwürdigkeit dieses Projekts. Weil es nach Kackscheisze klingt.

Wenn Pinkstinks wirklich vorhätte, Femininität aufzuwerten – und zwar für alle Geschlechter -, dann würden sie nicht diesen Namen wählen. Stellen wir uns bitte dieses Szenario vor: Kind spaziert auf der Straße herum und liest auf einem Sticker “Pinkstinks”. Was passiert nun? Geht das Kind an sein iMac und liest sich die Homepage der Kampagne durch? Oder internalisiert es diese problematische Implikation/Message und reproduziert diese im Alltag, zum Beispiel in Form von Tussi-Bashing an der Schule?

Andere Eltern, andere Ressourcen

Der Vorschlag, Eltern könnten mit ihren Kindern über das Thema sprechen, kann nur an privilegierte Familien gerichtet sein. Faktoren wie Sprache, digitale Kompetenzen, thematisches Vorwissen und Zeit stellen für einige Eltern(teile) Barrieren dar, sich mit Pinkstinks auseinanderzusetzen. Ich kann natürlich nicht für alle Familien sprechen, aber meine Eltern wären damals nicht (und wären es heute auch nicht) in der Lage gewesen. Und das aus allen der genannten Gründe.
Selbst, wenn sie mit Stevie Schmiedel auf einer Wellenlänge wären, sind sogenannte geschlechtsneutrale Dinge (sowohl Kleidung als auch Spielzeug, Schreibmaterial, Bettwäsche… alles, eben) in der Regel teurer und nicht überall erhältlich. Generell ist es ein Privileg, (insbesondere Klein-)Kinderkleidung kaufen zu können. Wer da auch noch auf die korrekteren Exemplare zurückgreifen kann, dem sage ich mit Blick auf Wohlstand gern Mashallah.

Klassengesellschaft from begin

Nicht erst in der Schule, sondern schon in der Kindergruppe könnten in Zukunft Klassenhierarchien aufgebaut werden. Die Kinder aus akademischen_Middle-Class-Familien wären mondän in sogenannten neutralen Farben gekleidet, der Rest in pinken Billo-Outfits. (Ich find’s übrigens immer wieder bezaubernd, wie geschlechtsneutral in der Regel immer stereotypisch männlich-kodierte Farben und Dinge meint. Mir fehlt da bisschen das gyn in androgyn. Aber das nur gemütlich am Rande.)

Vorangetrieben wird auch der Androzentrismus. Femininitätsfeindlichkeit hat Unsichtbarmachung feminin-kodierter und trotzdem badass konnotierter Eigenschaften zur Folge. Dazu gehört auch das Shaming von Femininität. Das war schon immer so. In meiner Grundschulklasse wurde übrigens das Mädchen mit dem pinken Barbierucksack gemobbt wegen ihrer Mädchenhaftigkeit gemobbt, nicht die coolen, toughen Girls mit blauen Delfinrucksäcken und Cola-Lollies. Und wer hat sich von denen ist jetzt badass? Das Barbierucksack-Grrrl definitiv. (Zu den anderen habe ich keinen Kontakt, so idk.) Aber auch diese Anekdote erzähle ich casually nebenher.

Role-models my ass

Wer wird eigentlich durch Pinkstinks repräsentiert und wer nicht? Die Rubrik Role Model des Monats, in der monatlich weibliche Vorbilder portraitiert werden, habe ich mir ein bisschen genauer angeschaut.
Zu sehen sind vorwiegend weiße Frauen, lediglich eine einzige könnte eine Woman of Color sein. Zufall? Ich glaube nicht an Zufall. Es wird ja nicht so schwer sein, wenigstens, sagen wir, Beyoncé als weiteres Idol vorzustellen. Oder Alicia Keys. Oder Sharon Otoo. Und wie sieht es eigentlich mit Trans*-Personen aus? Und warum sind alle schlank und normschön?

Diese sehr einseitige Repräsentation schafft weitere Ausschlüsse im Gesamtkontext der Kampagne. Wie kann ich mich als feminines, dickes_fettes (eventuell Trans-)Mädchen of Color mit nicht-akademischen Eltern jemals mit Pinkstinks identifizieren?

Ich frage mich auch, warum die Leute von Pinkstinks denken, Tavi Gavinson würde irgendwie in ihr Konzept passen. Versteht mich nicht falsch, ich liebe Tavi, und genau deshalb ist es mir ein Rätsel, inwiefern sie ein Vorbild im Sinne von Pinkstinks ist: Im Alter von 11 Jahren gefärbte Haare, Mode als Hauptinteresse, durchgehende Zelebration von Grrrl Culture – wäre sie damals nicht der fleischgewordene Alptraum für Pinkstinks gewesen? (Aber auch hier: Modeblogger_innen gibt es mit so unterschiedlichen Körpern, warum schafft nur dieser den Status als Vorbild?)

Whitie-Verein

Am peinlichsten finde ich allerdings, dass auf der Website unkritisch zu rassistischen Praktiken wie Cultural Appropriation unkritisch ermutigt wird. Dass eine weiße Person sich American Tribal Style Bellydance aneignet und sich in Toffelz-Tradition einen Kulturmischmasch gönnt, scheint für das Pinkstinks-Team nicht problematisch zu sein. Ich kann ihnen aber versichern, dass es für diverse People of Color offensive as fuck ist.

Vor weiteren rassistischen No-Gos wird kein Halt gemacht. Stellt euch vor, eine weiße Person würde den Begriff “Gender Apartheid” nutzen, dafür kritisiert werden und keine Verantwortung für ihre Handlung übernehmen, sondern den Spaß so stehen lassen. Dass Akademiker_innen vermeintlich kritischen Œvres nicht verstehen (wollen), dass Rassismus-Analogien in jedem Fall unangebracht sind, wird für mich immer ein Mysterium bleiben. (Ebenfalls die Frage, inwiefern genderspezifisches Marketing mit systematischen Unterdrückungsmechanismen wie der Rassentrennung in Südafrika zusammenhängt.)

Vielleicht liegt es daran, dass die feministische Praxis “Check your privilege!” noch nicht bei den Superpro-Feminist_innen von Pinkstinks angekommen ist.

Body-diversity? AS IF.

Stellt euch vor, eine Kampagne würde alle möglichen Körpergrößen loben, aber ihre Shirts nur bis Größe L anbieten. Klingt nach Realsatire, oder? Zumindest alle ökologisch fairen Kleidungsstücke. Und weil bio cooler ist, können die uncoolen (dicken_fetten) Leute sich nur die Spreadshirt-Sachen holen. That’s life, I guess.

Nicht überall ist Pink sexistisch konnotiert. In queer_feministischer Sub- und Popkultur wurde die Farbe längst subvertiert, Aneignungsprozesse haben schon in den 1990ern angefangen. Generell sind queer_feministische Strategien radikal und effektiv, das Reclaimen ist eine von ihnen. Warum gibt Pinkstinks keine Credits an diese Kämpfe, sondern macht sie unsichtbar?

Für mich passt die Asymmetrie im Konzept von Pinkstinks auch nicht ganz in die feministische Praxis hinein. Erwachsene unterhalten sich mit Erwachsenen über Kinder. Rieche ich da Adultismus? Probably yes! (@Antiprodukt hat über Pinkstinks Adultismus gegenüber Femen eine schöne Analyse geschrieben. Auch die Reproduktion von Sexismen schlug Pinkstinks gemütlich in die Runde. Der Beitrag ist mit einem Passwort geschützt, aber vielleicht bekommt ihr es über Twitter. Bezogen wird sich auf diesen Blogeintrag von Stevie Schmiedel.) Außerdem: Problematische, misogyne_ heterosexistische Tendenzen werden verstärkt und unter dem Deckmantel vermeintlichen Feminismus legitimisiert.

Ich bin nicht die erste, die sich mit Pinkstinks aus diversen Gründen nicht solidarisieren kann_will. Auf Shehadistan gibt es diesen sehr treffend geschriebenen, polemischen Artikel. Er ist so super, dass ich am liebsten alles zitieren möchte und mir zusätzlich wünsche, Nadia wäre meine große Schwester. Ihr könnt ihn aber auch einfach dort lesen, als Appetizer (als ob es für diesen Blog einen Appetizer bräuchte, lbr) nur diesen Absatz:

Was an Pinkstinks verärgert ist nämlich, dass sie eine der Initiativen ist, die einerseits anscheinend Grundstrukturen des Sexismus anscheinend nicht wirklich aufdecken und verstehen will, sich andererseits aber zur großen Mutterorganisation antisexistischer Arbeit (aller aller Zeiten!) inszeniert, und damit nicht unwesentlich zur Unsichtbarmachung von Aktivist_innen beiträgt.Was ebenfalls nervt (aber wohl nicht verwundern sollte), ist, dass regelmäßig Errungenschaften (zum Beispiel: Feminismus ohne Cis-Männer) kleinerer aktivistischer Zusammenschlüsse und Einzelpersonen von Pinkstinks als “adsurdums” abgewatscht werden.

In selbigen Text wird auch das Typenproblem von Pinkstinks angesprochen und auseinandergenommen. Wer als feministischer Verein Fördergelder in Gehälter an Cis-Männer steckt, muss meiner Meinung nach wirklich starke Nerven haben, aber vielleicht ist es nur meine misandristische Ader, die gerade stark schlägt.

Am Anfang war ich auch noch auf der Seite von Pinkstinks. Ich war motiviert und uninformiert. Das ist bei Pinkstinks-Anhänger_innen nichts Unübliches. Aber wer in der Lage ist, sich die Pinkstinks-Homepage anzuschauen, kann auch ein paar Klicks weiter surfen oder sich generell Gedanken darüber machen, wem mit der Kampagne Raum geschaffen wird (Spoiler: weißen, akademischen, sozial privilegierten Familien, Cis-Männern, Heten, androzentrischen Subkulturen, Femme-Basher_innen, Wannabe-moralischen-Instanzen und, let’s face it, normschönen Körpern) und wem nicht (Spoiler: allen anderen).

Vermutlich habe ich einige Fails von Pinkstinks übersehen, das macht nichts, ich bin müde, habe PMS und schwitze, ich möchte mich jetzt gerne mit spaßigen Dingen beschäftigen, zu denen gehört diese Angelegenheit nicht. Die Aversion, die ich aufgrund der aufgelisteten Dinge gegen Pinkstinks pflege, ist so groß und vielschichtig, dass ich nicht nur meine Solidarität verweigere, sondern alle Fans bis ins Unermessliche judge. Nicht alles, was anschlussfähig ist, muss auch cool sein. Und wer nicht einsehen möchte, dass der Mangel an Intersektionalität einfach scheiße ist, kann zwar chillen, aber nicht mit mir.


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Feindliche Lehrer_innen, gefährliche Esoterik, Verunglimpfung des Staats – kurz verlinkt

5. Juni 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 237 von 243 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Beiträge

Wien’s Werbewatchgroup gegen sexistische Werbung ist jetzt auch auf Facebook.

Emy Fem arbeitet seit vier Jahren als Trans*-Sexarbeiterin und gibt ihr professionelles Wissen an Kolleginnen weiter. Im Dezember letzten Jahren gab sie erstmals einen Workshop für Trans*-Sexarbeiterinnen auf der Berliner Frobenstraße. Im Interview auf dem Blog der Aidshilfe erzählt sie unter anderem davon.

Ein lesbisches Paar aus Kirgistan soll von Deutschland nach Polen abgeschoben werden. queer.de berichtet über eine Petition dagegen und die Schikanen, die das Paar, aber auch andere LGBT-Flüchtende, ertragen müssen.

Das neue an.schläge-Magazin erscheint und wie immer gibt es auch einige Texte online zu lesen. Zum Schwerpunktthema erläutert Claudia Barth, was Esoterik gefährlich macht und Alexandra Strickner spricht über TTIP („Transatlantic Trade and Investment Partnership“) und welche Auswirkungen es insbesondere auch auf Frauen haben würde.

In Berlin erstatteten Polizeibeamt_innen Anzeige wegen “Verunglimpfung des Staats” gegen Teile eines Hausplakats, das an den Bombenanschlag des NSU am neunten Juni 2004 in Köln erinnert, und beauftragten die Feuerwehr, den Satz “NSU: Staat & Nazis Hand in Hand” zu entfernen.

“Entwicklungshilfe für den deutsch-deutschen Kulturbetrieb” – im Migrazine berichten Azadeh Sharifi und Bahareh Sharifi über das Bündnis Mind The Trap.

Im Rahmen ihrer Masterarbeit führt eine Bieldefelder Studierende eine Umfrage durch zu Vielfalt am Arbeitsplatz – gleichgeschlechtliche Lebenskonzepte und Erwerbsarbeit

“Auslese, Perfektionierung und die Last der Entscheidung” – eine Diskussion zur Pränataldiagnostik auf freie-radios.net.

englischsprachige Beiträge

Fünf Jahre nach dem Mord an Dr. George Tiller, dem Arzt einer Praxis in Kansas, die Abtreibungen vornahm, führen Mitarbeiterinnen und eine neue Ärztin die Praxis fort. Wie MSNBC berichtet, sind sie weiterhin mit Belästigungen, versuchter Sabotage und Morddrohungen konfrontiert – insbesondere im Kontext der sich ständig verschärfenden Abtreibungsrechteinschränkungen in Kansas und anderen US-Bundesstaaten.

Bei Shakesville antwortet Melissa McEwan auf “geek guys’”-Beiträge zu Elliot Rodger und den Sexismus und die Objektifizierung, die vielen dieser Texten zugrunde liegen.

Am ersten Juni starb Yuri Kochiyama im Alter von 93 Jahren. Autostraddle erinnert an die Aktivistin, die auch – aber nicht nur – im Civil Rights Movement der USA engagiert war. Bei Racialicious wird noch einmal expliziter herausgearbeitet, wie Kochiyama intersektionellen Aktivismus vorgelebt hat.

Über ihre Erfahrungen mit weißen Lehrer_innen und wie white supremacy in der Schule installiert wird, schreibt Mia McKenzie bei Black Girl Dangerous.

 Janet Mocks offener Brief an eine junge trans Frau of Color, die immer noch – ohne Anklage – in einem Gefängnis sitzt: Mock verweist auf die vielen gewaltvollen Erfahrungen von trans Frauen und die wenigen ‘Highlights’ des aktuellen Aktivismus, sie schreibt darüber wie wichtig ihr Maya Angelou war und verbindet Lebensgeschichten verschiedener Schwarzer Frauen.

Termine

Berlin: Am 5. Juni findet in Frauenkreise die Buchvorstellung “Zweimal verfolgt. Eine Dresdner Jüdin erzählt” statt. Das Buch ist Ergebnis zahlreicher Gespräche, die die Autorinnen Carolyn Gammon und Christiane Hemker mit Johanna Krause bis kurz vor ihrem Tod 2001 geführt haben.

Mannheim: Am 28. und 29. Juni gibt es zahlreiche Kurzfilme beim Girls Go Movie Festival. Das Festival richtet sich an Frauen und Mädchen im Alter von 12 bis 27 Jahren.


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Herren einsperren, Hard Femme und Menstruation

1. Juni 2014 von Nadine
Dieser Text ist Teil 247 von 253 der Serie Die Blogschau

Heng schreibt über ihre Prozesse auf dem langen Weg von “female to female” und kommt  zu dem vorläufigen Ergebnis: “ich [kann] fett, feminin, queer, tough, cool, radikal, stark und schön sein [...], und zwar alles gleichzeitig.

Ihdl kramt einen fünf Jahre alten Blogeintrag über den “Herrentag/Männertag” aka Christi Himmelfahrt mit einer neuen Ergänzung wieder raus. Es geht um einen Flyer, der fordert, dass Typen an dem Tag zu Hause bleiben müssen, um den öffentlichen Raum zu einem Schutzraum umzufunktionieren.

Hannah C. Rosenblatt findet: Menstruation matters. Deshalb beschreibt sie ihre Erfahrungen mit Mooncups, Stoffeinlagen und freiem Bluten.

Auf Fembooks ist eine Rezension zu Daima. Images of Women of Colour in Germany erschienen.


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Wer “macht” Elliot Rodger, warum soll die USA Reparationen zahlen – kurz verlinkt

30. Mai 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 236 von 243 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Beiträge

Wie viel Reform lässt der reformorientierte Papst Franziskus zu? Die Exkommunikation von Martha Heizer, Vorsitzende der österreichischen Initative von “Wir sind Kirche”, zeigt die Grenze auf. Die Initative gründete sich nach Bekanntwerden des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche, in dem auch ein österreichischer Erzbischof involviert war.

Das nigeriansiche Militär will die entführten Schülerinnen geortet haben.

Neonazis überfallen am Sonntagaben die Wahlparty im Dortmunder Rathaus. Die Polzei soll “überrascht” gewesen sein, sogar abgehauen, als die Neonazis mit Pfefferspray drohten, scheibt der Linken-Abgeordnete Utz Kowalewski. Hier ein Video.

Ihr einziges “Verbrechen” sei, dass sie Feministin ist, schreibt das schwedische Blatt “Dagens Nyheter” über ihre Wahl. Mit Soraya Post von der schwedischen “Feministischen Initative” zieht eine Romni in das EU-Parlament ein. Sie hat nichts zu verlieren und keine Angst “pain in the ass” im politischen Establishment zu sein. Post will bewegen, verändern und sich einsetzen. Erfahrung als Mensch “zweiter Klasse” habe sie oft gemacht.

englischsprachige Beiträge

Fünf Punkte, die wir am besten nicht verwenden, wenn wir über Trans* of Color schreiben.

Was passiert, wenn Audre Lorde und James Baldwin diskutieren? Sie sprechen über alles Denkbare, schonungslos und revolutionär. Sie schaffen damit Raum für Differenz.

Warum Amerika Reparationen zahlen sollte, dies argumentiert Ta-Nehisi Coates in seinem viel diskutierten Artikel in The Atlantic.

“Ich wachse mehr und mehr in die Isolation hinein.” Eine Trans* Jugendliche wird für fünf Wochen in Einzelhaft in ein Gefängnis für Erwachsene eingeliefert. Ohne eine Anklage, aber mit Retraumatsierungen.

Im Kontext der misogynen Morde durch Elliot Rodger arbeitet ein interessanter Artikel die Diskurse um Sexualität, Maskulinitäten und Zuschreibungen, insbesondere für Asian-Americans in den USA, heraus.

“Wir werden in der Welt weiterleben, welche Elliot Rodger produzierte.” Dabei müssen zwei zentrale Fragen gestellt werden.

Schauspielerin, TV-Produzentin und LGBTI-Aktivistin Laverne Cox schreibt Geschichte: Sie ist als erste Trans* Person auf dem Cover der Times abgebildet. Es geht um Bürger_innenrechte in den USA.

Termine

Am 3. Juli findet an der Ruhr-Universität in Bochum eine Tagung zu Gender und Pop statt.

“Fehl am Platz? Grenzen queer-aktivistischer Räume” unter diesem Motto wird im Insitut für Wissenschaft und Kunst am 4. Juni in Wien diskutiert.

In Jena gibt es am  2. Juni in der Rosa-Luxemburg-Stiftung die Möglichkeit, mit der Regisseurin Dagmar Schultz wie der Adefra-Aktivistin Ika-Hügel Marshall den Film über Audre Lorde und ihre Berliner Jahre anzuschauen und darüber zu sprechen.


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Einzelfall Elliot Rodger. Oder: Wieder sexistisch motivierte Morde.

26. Mai 2014 von Charlott

[Inhaltshinweis: sexistisch motivierte Gewalt, Mord, Misogynie, Rassismus, Ableismus - auch in den verlinkten Texten]

Men are afraid that women will laugh at them. Women are afraid that men will kill them. – Männer haben Angst, dass Frauen sie auslachen. Frauen haben Angst, dass Männer sie ermorden. (Margaret Atwood)

Nachdem Elliot Rodger am Freitag drei Menschen in seiner Wohnung erstochen hatte, fuhr er mit dem Auto durch die Stadt Isla Wista, Kalifornien, auf dem Weg zu dem Haus einer Studentinnenvereinigung und schoss um sich. Er tötete drei weitere und verletzte 13 Personen. Rodger selbst starb an einem Kopfschuss. (Es ist noch nicht geklärt, ob selbst- oder fremderwirkt.)

Bevor Rodger diese Gewalttaten verübt hat, hat er seine Gedanken im Internet geteilt. Er hat Videos kurz vor den Morden auf Youtube hochgeladen, in denen er seine Motivation schildert. Außerdem hat er eine 140-seitige Autobiographie (inklusive detailliertem Plan seiner Tat) geschrieben und sich schon seit längerem in unterschiedlichen Foren ausgetauscht. Die Begründung für seinen Hass und die Gewalt? Er fühlte sich von Frauen ‘falsch’ behandelt. Rodger war 22 Jahre alt und – wie er immer wieder und wieder betonte – hatte bisher keinen Sex mit einer anderen Person erlebt. Und so heißt es bei ihm: “Ich habe Mädchen begehrt, aber sie haben nie mich begehrt. Das ist einfach falsch. Das ist eine Ungerechtigkeit, die nicht unbestraft bleiben darf.”

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Conchita Wurst, Inklusionsmärchen und alternative Umgänge mit Kritik – die Blogschau

24. Mai 2014 von Nadine
Dieser Text ist Teil 246 von 253 der Serie Die Blogschau

Jayrôme toleriert Eurovision Song Contest Gewinnerin Conchita Wurst nicht und begründet ausführlich, warum.

Queer_Einsteigen hat einen Aufruf zum Erhalt der MONAliesA Frauenbibliothek in Halle Leipzig veröffentlicht. Die Einrichtung musste Ende letzten Jahres wegen finanzieller Schwierigkeiten ihren Betrieb einstellen. Es wird um Spenden gebeten, um die personelle und finanzielle Infrastruktur wieder herzustellen.

Jay schreibt im Virtual Retreat Center über alternative Umgänge mit Kritik jenseits von Zurückweisung und Selbstabwertung.

Anna Heger erklärt in einem neuen Minicomic, was ein Barcamp ist. Der Comic ist anlässlich des bald stattfindenden FemCamps in Wien entstanden.

“Ich will nicht in eine Gesellschaft inkludiert werden, die mich in seine Mitte lässt, weil sie in mir etwas sieht, was sie nutzen kann und mir ebenjenen Platz nur im Tausch anbietet”, argumentiert Hannah C. Rosenblatt, wenn es um Inklusion und Behinderung geht und kritisiert damit die Verwertungslogiken hinter vielen (vorgeblichen) Antidiskriminierungspolitiken.

Vor einer Woche schrieb ich einen sehr persönlichen Text zum Internationalen Tag gegen Homo- und Trans*diskriminierung (IDAHOT) auf meinem privaten Blog.


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