Einträge mit dem Tag ‘Rassismus’


Lasst mich die Stereotype bedienen!

24. Mai 2012 von Kübra
Dieser Text ist Teil 35 von 35 der Serie Das Wort zum Freitag

Mal unter uns. Wenn ich schon Rassismus und Islamophobie in der Gesellschaft anprangere, dann muss ich bitte schön auch über die vielen Probleme innerhalb der muslimischen Gemeinden sprechen, nicht wahr? Ein bisschen auf die Köppe der Muslime hauen. Na klar, her mit der schmutzigen Wäsche!

Eine sehr beliebte schmutzige Wäsche ist ja der Sexismus, das Patriarchat und die unterdrückten Frauen der Muslime. Darum ging es kürzlich auch im Artikel der ägyptisch-amerikanischen Journalistin und Aktivistin Mona El Tahawy in ihrem Artikel „Warum hassen sie uns?“

Eine nackte Frau, die Haut schwarz bemalt, der Augenbereich Niqab-ähnlich ausgespart, schaut verschüchtert in die Kamera und ziert das Titelbild des amerikanischen Magazins Foreign Policy. El Tahaways These: Arabische Männer hassen uns Frauen. Um ihre These zu untermauern folgen Beispiele, wie das saudische Fahrverbot für Frauen, Genitalverstümmelung und Jungfrauentests in Ägypten – einmal querbeet durch die arabische Welt.

Als mit Erscheinen des Artikels im Internet heiße Diskussionen über den Artikel tobten, schrieb ein weißer Leser belustigt, der Ärger der arabischen und muslimischen Leser rühre nur daher, dass man ihre schmutzige Wäsche offen der westlichen Gesellschaft vorgeführt habe. Wie lustig.

Doch die meisten Kritikerinnen sind arabische, muslimische und asiatische Feministinnen und Aktivistinnen. Frauen, die genau die gleichen Themen anprangern wie Mona El Tahawy, darüber schreiben und an der Basis gegen den Sexismus ankämpfen.

Ihre Kritik war unter anderem, El Tahawy würde die arabisch-muslimische Frau als ein hilfloses Wesen, den Mann als aggressiven Patriarchen darstellen und damit westliche Stereotypen über die Muslime und Araber füttern. Sie würde sich als vermeintlich einzige Sprecherin muslimischen Frauen positionieren und sich als mutige Journalistin profilieren.

Bild gemalt von Kübra

Bild gemalt von Kübra

„Ach komm doch, Kübra. Kritisier die Muslime, der Glaubwürdigkeit wegen“, empfahl mir kürzlich jemand, der es gut mir meinte. So geht es doch viel einfacher, erfolgreich zu werden. Bücher mit den Titeln „Die Unterdrückung der muslimischen Frau“ oder „Sex, Schleier und Sehnsucht“ würden sich doch verkaufen wie warme Semmeln. Lasst mich Stereotypen bedienen, die voyeuristischen Fantasien befriedigen und mich selbst als heroisch-mutige Journalistin profilieren, die sich vom Rest der rückständigen Muslime absetzt. Ich werde die gute Muslimin sein. Die, die in das Bild passt.

Heißt das, man soll Muslime nicht kritisieren? Heißt das, ich werde nie über den Sexismus in muslimischen Gemeinschaften schreiben? Die Frage ist nicht, ob man kritisieren darf, die Frage ist: wo und wie.

Als Feministin spreche ich in muslimischen Gemeinden über Sexismus, ich motiviere Frauen, sich von Rollenbildern zu befreien. Ich spreche über Homophobie oder Antisemitismus. Das werde ich noch öfter auf meinem Blog oder in muslimischen Medien tun. Das muss aber nicht in einer Kolumne geschehen, die mehrheitlich von weißen Nichtmuslimen (Nachtrag: gemeint ist Mehrheitsgesellschaft) gelesen wird. Und nicht selten kommt es vor, dass ich Muslime in dieser Kolumne kritisiere und Missstände benenne. Jedoch in dem Bemühen, nach Ursachen zu suchen. Denn jede banale Vereinfachung macht die Realität kaputt.

Diese Kolumne ist ursprünglich in der taz erschienen.

NACHTRAG (auch nachzulesen auf: ein-fremdwörterbuch)

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Barack Obama, Frauen in der Musik und sexuelle Belästigung in Frankreich – kurz notiert

16. Mai 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 152 von 153 der Serie Kurz notiert

daStandard.at berichtet über Migrant_innen und ihre „Vorbildfunktion“ in bestimmten Berufen.

Barack Obamas Bekenntnis zur Homo-Ehe sorgte für weltweiten Jubel. Aber warum wird ein Bekenntnis, dass allen Menschen gleiche Rechte zustehen sollten, eigentlich mit einem “Danke” bedacht, fragt sich beispielsweise blackgirldangerous und zählt auf, welche Gruppen Obama in seinem “Selbstfindungsprozess zur Homofreundlichkeit” nicht mitbedacht hat.

Auf 20000Frauen gibt es Fotos von der Zeltstadt der Frauen in Wien zu sehen.

Menschen mit Namen, die nicht mit einer weißen, deutschen Person in Verbindung gebracht werden, sind häufiger rassistischen Diskriminierungen ausgesetzt. Das stellt jedoch keinen hinreichenden Grund dar, diesen ändern zu lassen, entschied das Verwaltungsgericht in Göttingen und wies damit die Klage einer aserbaidschanischen Familie ab, nachzulesen bei welt.de

Shirley Manson, Frontfrau von Garbage, ärgert sich in einem Interview mit dem Musikmagazin NME über die Tatsache, dass mittlerweile zwar mehr Frauen im Musikbusiness repräsentiert sind, diese aber lediglich Feigenblätter in einem weiterhin männlich dominierten Umfeld sind.

Angrapschen in Frankreich derzeit legal, weil das Gesetz von jetzt auf heute gestrichen wurde. Ein Neues soll kommen, bis dahin gilt weitgehende Straffreiheit, berichtet die taz.

Fakten über die Situation von Frauen im Agrarsektor von Afrika hat africanfeminism.

Julia Lemmle und Atif Hussein von der antirassistischen Interventionsgruppe “Bühnenwatch” sprechen im Interview mit der taz über rassistische Darstellungspraxen an deutschen Theaterbühnen.

Die Festplatten der südafrikanischen Fotografin Zanele Muholi sind gestohlen worden, so Diva Magazine. Sie dokumentiert seit mehreren Jahren das Leben von Schwarzen Lesben.

Einen Monat dauerte es – dann schwappte der Elektronista-Blogbeitrag über eine Dell-Veranstaltung durch die Blogosphäre. Der Computerhersteller hatte einen „lustigen“ Moderator engagiert, der allen Männern riet, zu Hause ihren Frauen „halt die Klappe, Schlampe“ zuzurufen. Inzwischen hat die Firma sich entschuldigt, so Wired.

WORSE THAN QUEER ist nicht nur eine Zeile aus einem Bikini Kill Song, sondern auch der Name eines kleinen Riot Grrrl inspirierten Festivals, das im Januar 2012 zum ersten Mal in Nürnberg stattfand. Dessen Initiatorinnen, eve massacre und jessthreat, hatten die Idee, anlässlich dessen eine Compilation zu machen – eine Compilation mit einem Thema: Grrrls Drinking Songs.

Witnessed, ein Buchprojekt von und über Schwarze Autor_innen in Deutschland, startet einen neuen Finanzierungsversuch und bittet um eure Mithilfe.

Termine und eine Stellenausschreibung (weiterlesen …)


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Du nicht! Rassismus an der Diskotür

3. Mai 2012 von Maria
Dieser Text ist Teil 8 von 8 der Serie Feminismus im Recht

Das OLG Stuttgart hat bereits im Dezember letzten Jahres über einen Fall der Einlassverweigerung aus rassistischen Gründen entschieden und einem Betroffenen Schadensersatz zugesprochen. Damit hat erstmals ein Oberlandesgericht in dieser Frage geurteilt, Antidiskriminierungsverbände unterstützen weitere entsprechende Klagen. Dieser Beitrag informiert über die Entscheidung und stellt dar, welche Schritte wichtig sind, wenn jemand aus vermutlich rassistischen Motiven nicht in einen Club oder eine Disko gelassen wird.

Der typische Fall

Der typische Fall der Diskriminierung an der Diskotür trifft Männer, welche als nicht „weiß“ bzw. nicht „deutsch“ wahrgenommen werden. Es handelt sich nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz um einen Fall von Mehrfachdiskriminierung (§ 4 AGG), wo Geschlechterdiskriminierung und rassistische Diskriminierung zusammentreffen. Typische Begründungen sind beispielsweise (wenn überhaupt begründet wird), aufgrund schlechter Erfahrungen oder Angst vor Gewalt werde nur eine bestimmte Anzahl von „Ausländern“ hereingelassen. Eine stichprobenartige Untersuchung des Antidiskriminierungsbüros Sachsen in Leipzig hat ergeben, dass über 50 Prozent der getesteten Diskotheken und Clubs „nicht-deutsch“ aussehenden Gästen den Eintritt verweigerten.

Doris Liebscher, Vorständin im Antidiskriminierungsbüro Sachsen in Leipzig, das zur Zeit einen politischen Schwerpunkt auf rassistische Einlasspolitiken setzt und Betroffene bei anhängigen Klagen unterstützt beschreibt das Problem so: „Rassistische Einlasskontrollen heißt: Menschen werden aufgrund ihrer Hautfarbe, vermuteten Herkunft oder ihrer Nationalität abgewiesen oder müssen im Unterschied zu anderen Gästen ihren Pass, einen Studi-Ausweis oder eine Aufenthaltsbescheinigung zeigen. Oftmals sind nur als „ausländisch“ definierte Männer von rassistischen Einlasskontrollen betroffen. „Ausländische“ Frauen hingegen sind als „exotisch“ willkommen. Das ist nicht weniger rassistisch, führt aber deutlich seltener zu einer Ablehnung an der Tür.

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Betreuungsgeld nur für die “Guten”

25. April 2012 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 47 von 48 der Serie Meine Meinung

Warum das sogenannte Betreuungsgeld nur aus einer sehr bestimmten Perspektive ein gutes Konzept ist, sollte inzwischen klar sein. Und es wird immer klarer. Heute morgen, als das Kind und ich gerade dabei waren, uns mehr oder weniger fröhlich und freiwillig (danke, emanzipiert sind wir nämlich selber, meine Familie und ich!)  für Fremdbetreuung und Erwerbsarbeit fertig zu machen, hörte ich es im Radio: Die Regierungskoalition hat sich auf einen “Kompromiss” geeinigt, was die Auszahlung des geplanten Betreuungsgeldes angeht. Und die Lösung ist total super und  einleuchtend, wenn auch kein Stück überraschend, passt auf.  Nämlich, Bezieher_innen von Alg II (“Hartz IV”) sollen das Geld zwar ausgezahlt kriegen. Wow! Es soll dann jedoch mit dem monatlichen Regelsatz verrechnet, sprich: davon abgezogen werden. Was also bedeutet, das Arbeitsministerium spart sich was ein, aber diese Familien können damit faktisch überhaupt nichts anfangen.

Sollen sie aber auch nicht. Denn wie wir ja wissen:  Menschen, die ihren Lebensunterhalt nicht komplett mittels eigener Erwerbstätigkeit erwirtschaften (oder halt nicht irgendwie von selber ganz viel Geld haben, geerbt oder so, was ja auch eine enorme Leistung ist, und Leistung muss sich bekanntermaßen lohnen, ist schließlich zugunsten der Gesellschaft), machen das auch nicht so gut mit ihren Kindern. Also, das sind halt prekäre Familien, die sind bildungsfern und können oft auch nicht ordentlich Deutsch und so, und da ist es auf jeden Fall besser, wenn man die nicht auch noch durch NOCH MEHR Geld dazu ermutigt, ihre Kinder rund um die Uhr selbst zu betreuen. (weiterlesen …)


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Unbefleckte Empfängnis, Angela Davis und eine afghanische Präsidentschaftskandidatin – kurz notiert

18. April 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 148 von 153 der Serie Kurz notiert

Die anti-rassistische Aktivistin und Professorin Angela Davis hat an der University of Kansas über feministische Kämpfe heute und damals gesprochen.

Auf Crunk Feminist Collective schreibt crunktastic über ihre Dating-Erfahrungen als dicke Frau.

Jede Woche der gleiche Mist in den USA: Diese Woche ist der US-amerikanische Bundesstaat Arizona in den Schlagzeilen, weil ein Gesetzesentwurf nun vorsieht, dass Frauen bereits zwei Wochen vor der Empfängnis als schwanger gelten sollen – so sind sie quasi immer schwanger.

Wer braucht Feminismus?

Die schwedische Kulturministerin hat sich einen unglaublich rassistischen Totalausfall geleistet – ohne Worte. (Triggerwarnung für die Kommentare bei uns, dort wird die Aktion noch einmal sehr genau beschrieben.)

Die fünfzehnjährige Tavi Gevinson, Gründerin von RookieMag.com, einem Online Magazin für Mädchen und junge Frauen, spricht über vier Jahre Rookie, Feminismus und das ständige Ausprobieren als Teenager.

Erstaunlich visionäre Spielkarten von 1902 hat io9 gefunden. „Die Frauen der Zukunft“ heißt eine Serie, die gleich doppelt anzügliche Bildchen zeigt: Weibliche Abgeordnete und Jouarnalistinnen in „sexy“ Posen! Heute arbeiten Frauen tatsächlich in diesen Berufen und die Vorgabe, sexy zu sein, ist überall.

Das Gender Pay Gap der letzten neun Jahre hat Flowing Data einmal visualisiert.

Am Wochenende haben in Afghanistan Frauen gegen die aktuelle Politik demonstriert, die stark auf die Taliban zugeht. Außerdem berichtet msnbc.com, dass Fawzia Koofi 2014 als erste Präsidentschaftskandidatin antreten wird.

Warum der Ausspruch “Ich bevorzuge kleine Brüste” nicht immer hilfreich ist, erörtert Caperton auf Feministe.

Weiter unterirdisch bleibt der Umgang des US-Militärs mit Opfern von sexualisierter Gewalt. Sie werden nicht ernst genommen, sondern als psychisch krank eingestuft, um die Vorgänge zu vertuschen, so Jezebel.

Neues zum Thema “Lego und ihr gegendertes Spielzeug in der Kritik“: Abgeordnete der Firma werden sich zu einem Gespräch mit den Initiatorinnen der Online-Petition gegen Legos sterotypes Mädchenbild treffen.

Die Termine: (weiterlesen …)


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Engagieren, diskutieren und kritisieren – die Blogschau

14. April 2012 von Helga
Dieser Text ist Teil 153 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Auch diese Woche wurde wieder mächtig in die Tasten gehauen.

Ein neues Blog ist Polizei und Sexismus, das sexistische Erfahrungen im Umgang mit der Polizei dokumentiert.

Auch neu: der Labercast von Ryuu. In der ersten Folge geht es um „feministische Zucchini im Weltraum“. Und im Missy Blog sind wieder Studierende der Uni Basel zu Gast. So geht es um die Frage, was in der Schweiz gegen sexistische Werbung getan werden kann.

Die feministische Gruppe FemKo aus Göttingen stellt sich mit einem schmucken Video vor:

Mit der Macht der Sprache beschäftigte sich die Tilde. Unbedachte Wörter verharmlosen Gewalttaten und geben im schlimmsten Fall den Opfern Mitschuld.

Im Fremdwörterbuch hat Kübra zum Tode von Trayvon Martin den US-Präsidenten Obama im Hoodie gezeichnet. Außerdem gibt es einen langen Nachtrag zur Kolumne über den muslimischen „Heiratsmarkt“ und die aktuellen Diskussionen um Religiösität und Geschlechterbilder.

Urmila Goel ist weiter durch Indien gereist und hat u.a. an der Konferenz “Advancing Feminist Debates on Reproductive Technologies” teilgenommen.

Das Grimegrrrl will an ihrer FH eine Hochschulgruppe gründen, um sich mit Sexismus, Rassismus… auf dem Campus auseinanderzusetzen. Das Ergebnis bisher: Abwehrhaltung, warum man denn Sexismus anprangere, und die Bitte, das alles nicht „politisch“ zu nennen.

Storytime bei der Riotmango mit Begegnungen an der U-Bahnhaltestelle: „Ey, seid ihr lesbisch?“ „Das ist ja eklig.“

Das Gespenst der Armut empfiehlt das Buch „Wir müssen leider draußen bleiben“. Ob Hartz IV oder Mikrokredite in Bangladesh, die Strategien gegen Armut seien am Ende auch nur weitere Profitmaximierung.

Eine Liste mit den „100 mächtigsten arabischen Frauen“ ist im CEO Middle East erschienen – die West-Östliche Diva nimmt sie kritisch unter die Lupe.

Auf media-bubble geht es um die Unsichtbarkeit von Lesben in der medialen Berichterstattung.

Nach einigen Anfragen gibt es bei Erlebnisse und Gedanken Ratschläge für die ersten Schritte bei Transidentität und fünf Dinge, die transidente Frauen besser nicht tun sollten. Das größte Problem: Im Deutschen fehlt es derzeit noch an der Sprache, an den passenden und verständlichen Worten und Formulierungen.

Neu im TV: Modern Family. Leider sei an der Serie aber nichts modernes, befindet different needs.

Ein Interview mit Gabriele Winker und Nina Degele zu ihrem Buch „Intersektionalität. Zur Analyse sozialer Ungleichheiten“ gibt es im Dishwasher.

Classless Kulla widmet sich einer zu wenig bekannten Körperregion und verweist auf Betty Dodson, die Clitoris und Vulva beschreibt.

Schließlich (auf Englisch) ein Beitrag von Stop! Talking über die ständige Einordnung nicht-weißer Menschen. Als weiß angesehen zu werden, ist dabei ein zweifelhaftes Vergnügen.

Nach dem Klick noch 3 Terminhinweise: (weiterlesen …)


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“Völkermord verjährt nicht!”

6. April 2012 von Anna-Sarah

Verschiedene Initiativen, Organisationen und Institutionen haben die Kampagne „Völkermord verjährt nicht!“ ins Leben gerufen. Teil der Aktion ist ein Aufruf an die Mitglieder des Deutschen Bundestages zur Anerkennung und Wiedergutmachung des Genozids an den Herero und Nama in der ehemaligen Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“, der heutigen Republik Namibia. Inzwischen haben weit über einhundert Initiativen den Aufruf unterzeichnet, so auch die Mädchenmannschaft. Sharon Dodua Otoo (ISD-Bund) und  Christian Kopp (Berlin Postkolonial) informieren über den bisherigen Verlauf:

Auch wenn die CDU/CSU- und FDP-Mehrheit der Bundestagsabgeordneten am 22.3. die Anerkennung des Genozids an den Herero und Nama erneut verweigert hat, kann unsere gemeinsame Kampagne wohl nur als großer Erfolg bewertet werden.

Denn neben dem Antrag der LINKEN “Die deutschen Kolonialverbrechen im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika als Völkermord anerkennen und wiedergutmachen” (Drs. 17/8767) trug unser gemeinsames Engagement dazu bei, dass auch SPD und Bündnis 90/Die Grünen unter dem Titel  “Die Beziehungen zwischen Deutschland und Namibia stärken und Deutschlands historischer Verantwortung gerecht werden”  (Dr. 17/9033(neu)) einen (gemeinsamen) Antrag eingereicht haben.

Auch wenn im Antrag von SPD und Bündnis 90/Die Grünen keine Rede von Reparationen ist, bleibt doch bemerkenswert, dass sich nun zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik die gesamte Opposition gegen eine weitere Leugnung des Genozids und für eine Bitte um Entschuldigung ausgesprochen hat.

Von Seiten des Bündnisses haben wir mit der Pressemitteilung vom 24.3. auf die Abstimmung im Bundestag reagiert und den deutschen Oppositionsparteien inzwischen auch Gespräche über die Details ihrer Anträge, über Möglichkeiten eines gemeinsamen Agierens in der Zukunft und über die umfassende Aufarbeitung des Genozids und des deutschen Kolonialismus vorgeschlagen.

In Namibia hat die deutschsprachige Allgemeine Zeitung aus Windhoek nicht nur die deutschen Oppositionsparteien scharf angegriffen, sondern in ihrem Artikel „Vortäuschung falscher Tatsachen“ vor allem auch unsere Glaubwürdigkeit als Unterzeichner/innen der Resolution in Frage gestellt.

Auf der anderen Seite hat der Ovaherero/Ovambanderu Council for the Dialogue on the Genocide 1904 (OCD-1904) das Engagement von deutscher Opposition und Zivilgesellschaft in seiner Pressemitteilung vom 29.3. ausdrücklich begrüßt und nun ganz explizit die deutsche und internationale Öffentlichkeit zum solidarischen Einsatz für “restorative justice” aufgerufen.

Auch diese Kampagne wird als ehrenamtliche No-Budget-Aktion geführt und benötigt daher weiterhin solidarische Unterstützung, die folgendermaßen aussehen könnte:

- tragt unseren gemeinsamen Aufruf zur Unterzeichnung bitte auch an die vielen einzelnen Mitgliedsgruppen von Dachverbänden und Landesnetzwerken sowie an Euch bekannte Initiativen, Institutionen, Kirchengemeinden, Gewerkschaftsgruppen etc. heran.

- informiert auf Euren Webseiten über den Genozid und die Kampagne”Völkermord verjährt nicht!” (www.restitution-namibia.de)

- weist neben der internationalen und nationalen Presse auch die regionalen Medien auf die Thematik und die Kampagne hin

- verweist die Parteiverbände der SPD, von Bündnis90/Die Grünen und von Die LINKE in Euren Bundesländern und Kommunen auf die von der Bundestagsopposition geforderte Aufarbeitung des deutschen Kolonialismus und Förderung postkolonialer Erinnerungskulturen

- setzt euch ein für die Rückführung aller Gebeine, die im Kolonialkontext in Eure Regionen verbracht wurden
Initiativen, Organisationen und Institutionen, die den Aufruf ebenfalls unterzeichnen wollen, können sich wenden an info(at)berlin-postkolonial.de. Es  gibt auch eine Facebook-Seite zur Kampagne – hier geht’s lang.

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Abtreibung, Alltag in Saudi-Arabien und Rassismus bei Anne Will – die Blogschau

31. März 2012 von Magda
Dieser Text ist Teil 151 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Ein relativ neuer Blog in der feministischen Blogosphäre: virueletta. In einem aktuellen Beitrag schreibt viruletta über Privilegien, Verantwortung und neuen politischen Vorsätzen.

KARaNo, eine rassismuskritische Gruppe aus Hamburg, hat einen offenen Brief geschrieben veröffentlicht, der von einer Gruppe von Women und People of Color geschrieben wurde: “Weshalb auch ‘Nazigegner’ sich mit Rassismus auseinandersetzen müssen – Ein offener Brief an die Veranstalter von ‘Dresden Nazifrei’“.

Danger! Bananas stellt klar, dass sie die Deutungshoheit über ihr eigenes Leben zurück haben möchte: “Ich will nicht ängstlich darauf warten, bis wieder jemand fragt, sondern sagen: Ich bin deutsch und vietnamesisch, asiatisch und europäisch, lokal und global – Problem damit?”

Die West-Östliche Diva erinnert: Die Deutschen leben auch in einem Gottesstaat!

Vom 18. bis 24. März war die internationale Woche gegen Street Harassment. Aktivist_innen von Pro Change haben in Dortmund antisexistische Bierdeckel und über 2.000 Karten gegen Sexismus und Homophobie und für Courage verteilt.

Antje Schrupp hat einen lesenswerten Text geschrieben, in dem sie erklärt, warum sie nicht mit dem Konstrukt des “Rechts” argumentiert, wenn es um Abtreibungen geht – denn damit ließen sich im Extremfall auch Kindstötungen legitimieren.

Aktuelle Informationen zu den Wahlen im Senegal und dem Staatsstreich in Mali hat die kleine Ethnologin zusammengetragen.

Katharina Mühlbeyer war in Saudi-Arabien und bericht von ihrer Reise über alltägliche Situationen und Frauensolidarität.

Fehrnseher Kaputt berichtet über die eigenartigen Empfehlungen des ORF zur Nutzung von Social Media: Den Jorunalist_innen rät man von gesellschaftlichem Engagement und politischen Äußerungen ab, auch um dem ORF nicht zu schaden. Wie bitte?!

Die erfolgreichste Fußballerin der Welt hat sich von der Fußball-Bühne verabschiedet. Nachdem Alexandra Kraft Birgit Prinz auf stern.de einen offenen Brief schrieb, erwiderte Niveau ist keine Creme mit einer tollen Würdigung der Fußballspielerin, die sich nicht alle dummen Fragen gefallen lässt.

Barbara Scheel, die Frau des Ex-Bundespräsidenten Walter Scheel, war zu Gast in der Anne Will Sendung und ließ rassistischen Mist vom Stapel – Ada Blitzkrieg hat die ganze traurige Story und die Reaktionen zusammengefasst. Ekelhaft.

Die Opalkatze spielt Erklärbärin: “Wann ist ein Blog gewerblich – und damit laut Leistungsschutzrecht abgabenpflichtig?

Für eine bessere Vernetzung der (feministischen) Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Ehegattensplitting, Debattenkritik und Rassimus – kurz verlinkt

28. März 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 145 von 153 der Serie Kurz notiert

Was zuwenig Hebammen und Fachärzt_innen in der Praxis bedeuten, hat der mdr dokumentiert. Mit besserer Personalausstattung könnten viele Probleme während Geburten verhindert werden. Diese Unfälle treiben die Versicherungskosten in die Höhe, die dann Hebammen und Ärzt_innen zum Aufgeben bewegen.

„Männlich“ oder „weiblich“ – wie so oft kennt auch Facebook nur zwei Geschlechtsoptionen. Das müsse sich ändern, fordert der nepalesische Abgeordnete Sunilbabu Pant. Wie DerWesten berichtet, fordert er eine dritte Option.

In den VDI Nachrichten kritisiert Elke Holst vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung den „konservativ-patriarchalen“ Muff in Vorstandsetagen, fordert die Abschaffung des Ehegattensplittings und rät jungen Frauen, authentisch zu bleiben, Männer zu kopieren bringe nichts.

Ein Beitrag von ein_e anonyme_r Ärzt_in bei Jezebel über verpflichtende vaginale Ultraschalluntersuchungen.

In Süd-Dakota hat eine Richterin einen Gesetzentwurf blockiert, der stark an die deutsche Gesetzgebung erinnert: Eine Zwangsberatung und Wartezeit von 72 Stunden vor einer Abtreibung. Der Vorschlag erniedrige Frauen als Menschen und unterstelle ihnen „nicht intelligent genug“ zu sein.

Feministische Debatten richten sich meist nur an die Bekehrten und schließen ganze Gruppen von Frauen systematisch aus, zum Beispiel die der “Arbeiterklasse”. Den ganzen Artikel, gespickt mit vielen Zahlen und Statistiken gibt es bei New Statesman.

Ein Radiobeitrag zur Debatte um die Blackface-Praxis (Schwarze werden von angemalen Weißen gespielt) an (deutschen) Theatern. Dieser taz Artikel dreht sich um das gleiche Thema.

Kluge Gedanken zu einer queerfeministischen Familienpolitik, zu lesen bei analyse&kritik

Nochmal Radio, diesmal DRadio Wissen. Dort könnt ihr einen Beitrag zur gerade in Südafrika aktuellen Debatte um Männlichkeit anhören.

Edda Baumann von Broen, Regisseurin von Tall Girls (Große Mädchen): ”Ob man nun zu groß ist oder bisschen dicker oder klein… Mir geht es wirklich darum zu sagen: Ihr seid alle toll, wie ihr seid. Wir müssen aufhören uns fremd bestimmen zu lassen und einfach sagen: Uns gibt es in allen Formen, und das ist großartig.”

Weißt du, wer Laura Cereta oder Anna Maria Mozzoni waren? Nein? Dann kannst du ihre Geschichte und die von acht weiteren Frauen bei rebell grrrrl italiana lesen (auf englisch).

Am besten danach gleich weiter klicken zur Huffington Post, da werden “10 muslim women you should know” (“Zehn muslimische Frauen, die man kennen sollte”) vorgestellt.

Seit 2011 gibt das European Institute for Gender Equality der EU Kommission den Kalender Women Inspiring Europe (Frauen, die Europa inspirieren) heraus. Bis zum 1. Juni werden nun Frauen für den Kalender 2013 gesucht!

Rechtsradikale greifen ein Konzert an und verletzen Menschen schwer, die Stadt Delitzsch gibt dem Veranstalter die Schuld – weil er keine Nazis zum Konzert zulassen wollte. Nein, das ist leider kein Scherz. Mehr Infos gibts hier.

Mal den Spieß umgedreht: Frauen machen Gesetze über männliche Reproduktion (nur keine Aufregung, alles natürlich alles nur Satire – wo kämen wir auch hin sonst?).

“Cause Of Death: Woman” (Todesursache: Frau). So heißt eine bedrückende Seite, die mit Filmen, Statistiken und Texten darstellt, warum in unserer Welt die Gesundheit von Frauen mehr von Gewalt und Vergewaltigung bedroht wird, als von zum Beispiel einer Krebserkrankung.

Termine nach dem Klick: (weiterlesen …)


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„Nur weil ich schwarz bin“

15. März 2012 von Kübra
Dieser Text ist Teil 32 von 35 der Serie Das Wort zum Freitag

„Ich musste den Kurs an der Universität abbrechen“, sagt Mariam, als wir gemeinsam mit anderen Teilnehmern einer Konferenz in einem Restaurant sitzen. Wir alle kennen uns nur flüchtig. Dann hält Mariam inne und zögert. Sie zupft an ihrem Kopftuch.

Wir anderen wissen, welcher Satz folgen wird. „Es lag an meinem Kopftuch“, sagt sie, wie erwartet. Ein bisschen betroffen schauen wir, es schwebt Verdacht in der Luft. Misstrauen gegen Mariam, das Opfer. Ist das jetzt eine bequeme Ausrede? Schiebt sie ihren Misserfolg auf andere? Stimmen flüstern in unserem Kopf.

In den nächsten Minuten wird klar, dass der Verdacht in ihrem Fall absolut unbegründet war. „Du hättest klagen müssen“, sagen wir sogar – übereifrig im schamhaften Versuch, unsere Zweifel von vor wenigen Minuten zu vertuschen und die Stimmen zu bestrafen.

Aber der Zweifel war da. Der Zweifel ist da. Denn Rassismus kann man selten beweisen. Er ist subtil. Manchmal ist es der Ton eines Wortes, der Blick, die Art, die Mimik, Gestik, die einem zu verstehen gibt, dass man unerwünscht ist. Ein Unwohlsein macht sich breit. Ein Gefühl, dessen Ursache sich nicht beweisen lässt. Der Hilflosigkeit folgt die Resignation und dieser schließlich der Zweifel: „Vielleicht bin ich ja schuld daran, und vielleicht bilde ich mir das alles ja sowieso nur ein“, sagt sich der Betroffene, und irgendwann wird der Rassismus zur Normalität.

[Trigger Warnung: Victim Blaming]

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