Einträge mit dem Tag ‘Quoten’


Wir sind frustriert, nicht feige!

8. Februar 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 31 von 48 der Serie Meine Meinung

Bascha Mika ist frustriert. Mit der Gesellschaft, mit den patriachalischen Strukturen und das am Ende immer alles so weiter geht, wie es schon lange weiter geht. Und an wem lässt sie es aus? Na klar, an den Frauen. „Die Feigheit der Frauen“ heißt ihr Buch und damit möchte sie anscheinend Frauen animieren, endlich mal mehr auf Gleichberechtigung zu pochen. Als Beispiele nennt sie im taz-Interview, dass Frauen immer noch eher ihrem Partner hinterher ziehen, mehr Hausarbeit machen und seltener Ansprüche auf Führungsstellen geltend machen.

Ich bin auch frustriert. Allein dieser Titel frustriert mich schon wieder unendlich. „Jetzt seid ihr Frauen dran“ – als ob an dieser Aussage irgendwas neues wäre. „Nein nein nein“, möchte ich da nur noch schreien. Warum ist es denn nie genug, was wir Frauen tun und getan haben? Warum muss es immer noch einen mehr sein? Frust, Frust, Frust. Mehr zu fordern ist so einfach, doch der Teufel lauert heute im Detail und: dort versteckt er sich einfach klasse. Große Ungerechtigkeiten sind selten geworden, der Kampf ist nicht mehr so plakativ wie der fürs Frauenwahlrecht.

Ab dem ersten Tag hab ich als Frau schon weniger in der Lohntüte – klar kann ich da sofort nachfragen und riskieren, am Ende ohne Job darzustehen. Warum verflixt noch mal muss ich da überhaupt noch hinterher sein, dass man mich anständig behandelt? Wer macht denn endlich mal denen das schlechte Gewissen, die bewußt diskriminieren oder, irgendwie genauso schlimm, sich noch nie Gedanken gemacht haben?

Und wenn ich schon ab dem ersten Tag weniger verdiene, kommt der Rattenschwanz an persönlichen Entscheidungen leider von ganz alleine. Wenn der Mann mehr verdient, bessere Aufstiegschancen hat, dann wird es irgendwann zum Selbstgänger. Oft genug bleibt frau nach dem Mutterschutz nur der Wiedereinstieg auf einen Abschiebeposten – da kann frau täglich mit ihrem Mann für eine bessere Gesellschaft streiten oder erstmal versuchen, ihrer Familie das Überleben zu sichern. Frust kommt übrigens in beiden Fällen auf.

Wobei wir beim letzten Punkt wären, der sicher schon viele (heterosexuelle) Frauen hat verzweifeln lassen. Denn auch wenn es 2011 ist und Männer mehr denn je im Haushalt machen: Auch aus dem emanzipiertesten Männermund kommt irgendwann ein unüberlegter Witz, ein unreflektierter Anspruch, ein Relikt patriachalischer Traditionen. Und frau steht da, völlig frustriert und könnte schon wieder kotzen oder weinen oder schreien. Wenn frau überhaupt einen Mann gefunden hat, der Abwasch und Wäsche macht, ohne Applaus zu verlangen. Zu einer Frau, die in einer Partnerschaft mehr häusliche Pflichten übernimmt, gehört schließlich ein Mann, der ihr diese Pflichten einfach überlässt. Aber was solls, schuld sind wir dann ja irgendwie doch, jeder Macho hatte eine Mutter, die ihn hat verkommen lassen.

Für Gleichberechtigung und Gleichbehandlung zu kämpfen ist ein 24-Stunden-Job, es kostet Kraft und Nerven, es frustriert, denn viel zu oft scheint es einfach gar nichts zu bringen. Pamphlete an die Männer, für den gleichen Lohn ihrer Kolleginnen zu kämpfen, sich für Elternzeit und Teilzeitjobs einzusetzen, sind weiter rar. Manchmal raten vielleicht noch Männerzeitschriften, seiner Ehefrau beim Abwasch zu helfen, sei einer sicherer Weg für weniger Frust und mehr Sex zu sorgen. Und dann kommt Bascha Mika und nennt uns auch noch feige. Na danke.

Heute abend ist Bascha Mika übrigens im Fernsehen; Zusammen mit Anke Domscheit-Berg, Miriam Gruß von der FDP und Quotengegnerin und Erbin Marie Christine Ostermann wird sie mit Pinar Atalay diskutieren. Um 22:15 Uhr heißt es in der PHOENIX-Runde „Wir müssen draußen bleiben – Woran scheitern Top-Frauen?”


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Komm, Quote! Sogar von der Leyen findet Deutschlands Unternehmen langsam peinlich

19. Januar 2011 von Meredith

Wenn es um die wirtschaftliche und berufliche Gleichstellung von Frauen geht, ist Deutschland ein vor Trägheit und Selbstmitleid triefendes Häuflein Elend, das seit Jahren nicht von der Stelle kommt. Das hat Barbara zuletzt beschrieben und das hat jetzt wieder eine Studie des DIW gezeigt: Die Aufsichtsräte Vorstände der 100 wichtigsten Unternehmen dieses Landes können einen Frauenanteil von peinlichen 2, 2 Prozent vorweisen. In den 200 größten Konzernen sind es insgesamt gerade mal 3, 2 Prozent.

Daran haben auch alle gut gemeinten Selbstverpflichtungen nichts geändert: Vor zehn Jahren haben Unternehmen einen Pakt mit der Bundesregierung beschlossen, das eklatante Missverhältnis der Geschlechter einzuebnen. Seitdem ist wenig bis nichts geschehen, denn, das darf man nicht vergessen. Deutschland ist nicht nur traurig, es hat auch die Hosen voll vor der großen, bösen und natürlich immer inkompetenten Quotenfrau. Immerhin raffte sich im letzten Wahlkampf die SPD auf, eine Quote für Aufsichtsräte einzufordern, aber wie wir alle wissen, hat am Ende doch die “Lass die Wirtschaft es selbst regeln”-Koalition die Wahl gewonnen.

Jetzt kommt die Nachricht, dass sich bald trotzdem etwas tun könnte. Die Rächerin der so genannten modernen Frau, Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen hat in der neuesten Ausgabe des Manager-Magazins etwas für ihre Partei ganz Unerhörtes getan: Sie hat der Wirtschaft g-e-d-r-o-h-t. Die solle entweder in den nächsten fünf Jahren ihrer eigenen Selbstverpflichtung Folge leisten. Oder es gibt eben doch ein Gesetz. Der Wechsel im Ton könnte auch mit dem Druck, den die EU-Kommission langsam auf das größte MItgliedsland mit den schlechten Gleichberechtigungszahlen macht, zusammen hängen. Vielleicht hat Frau von der Leyen aber auch die Schnauze voll von “Es gibt einfach keine guten Frauen” und “Die Frauen wollen diese Jobs nicht” und anderen Lippenbekenntnissen. Zeit wäre es auf jeden Fall, auch wenn eine Maßnahme, die der so genannten Wirtschaft irgendetwas vorschreibt, mit der FDP wahrscheinlich sowieso nicht zu machen ist.


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Von Schmetterlingen und Ponys: Kristina Schröder spricht mit dem Spiegel

8. November 2010 von Anna

Kristina Schröder, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, hat dem Spiegel ein Interview gegeben. Dieser wiederum hat eine Vorankündigung dieses Interviews online gestellt und seitdem die draußen ist, überschlagen sich die Kommentatorinnen und Kommentatoren auf Twitter und in Blogs geradezu.

Inzwischen ist das Interview in gesamter Länge bekannt und die Reaktionen schwanken zwischen „noch schlimmer als erwartet“ und „kein mann dieses landes hätte solch ein perverses interview über sich ergehen lassen müssen.“.

Aber um was geht es nun eigentlich in dem Interview? Es geht um Schröders Verhältnis zum Feminismus, um Jungsförderung, darum, dass sie bei der Hochzeit ihren Namen abgegeben hat, um Helmut Kohl … alles keine überraschenden Fragen und auch bei den Antworten ist keine dabei, die wirklich überrascht. Das hat man alles so oder so ähnlich von der Ministerin schon mal gehört.

Gehen wir also gleich in die Vollen und beginnen mit dem Teil, der durch die Vorankündigung viel Aufmerksamkeit und Widerspruch hervorrief. Schröder sagt ziemlich zu Anfang des Interviews:

SPIEGEL: Wie finden Sie Alice Schwarzer?
Schröder: Ich habe viel von ihr gelesen – „Der kleine Unterschied“, später dann „Der große Unterschied“ und „Die Antwort“. Diese Bücher fand ich alle sehr pointiert und lesenswert. Etliche Thesen gingen mir dann aber doch zu weit: zum Beispiel, dass der heterosexuelle Geschlechtsverkehr kaum möglich sei ohne die Unterwerfung der Frau. Da kann ich nur sagen: Sorry, das ist falsch.
SPIEGEL: Warum?
Schröder: Es ist absurd, wenn etwas, das für die Menschheit und deren Fortbestand grundlegend ist, per se als Unterwerfung definiert wird. Das würde bedeuten, dass die Gesellschaft ohne die Unterwerfung der Frau nicht fortbestehen könnte.
SPIEGEL: Dachten Sie, Feministinnen würden Beziehungen zwischen Männern und Frauen grundsätzlich ablehnen?
Schröder: Es gab in der Tat eine radikale Strömung, die in diese Richtung argumentiert hat und die die Lösung darin sah, lesbisch zu sein. Dass Homosexualität jetzt aber die Lösung der Benachteiligung der Frau sein soll, fand ich nicht wirklich überzeugend.

„Bei ihrer Kritik machte die jüngste Ministerin der schwarz-gelben Bundesregierung auch vor der Ikone der deutschen Frauenbewegung, Alice Schwarzer, nicht Halt.“ schrieb Spon dazu.
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Anonym sucht Job

2. September 2010 von Barbara
Dieser Text ist Teil 8 von 13 der Serie Der F-Blick in die Politik

In dieser Kolumne werden die politischen Aktivitäten der Bundesregierung rund um das Reizthema „Frauenpolitik” kritisch betrachtet, das sich zumeist hinter der Familienpolitik verstecken muss.

„Eine Frau. Ach, die kriegt sicher ein Kind. Absagen.“ – „Der Name klingt irgendwie ausländisch. Das gibt sicher Ärger. Absagen.“ Auch wenn das Allgemeine Gleichstellungsgesetz vorsieht, dass niemand aufgrund seines Geschlechts, seines Alters, seiner Religionszugehörigkeit oder sonst etwas im Arbeitsleben benachteiligt werden darf, gibt es das natürlich trotzdem. Eine Studie des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) und der Universität Konstanz zeigt etwa, dass Bewerbungen von Menschen mit türkischen Namen deutlich benachteiligt werden.

Nun starten fünf Unternehmen in Deutschland einen Versuch: Anonyme Bewerbung. Ab September wird in den Personalabteilungen von der Deutschen Post, der Deutschen Telekom, bei L’Oréal, Mydays und Procter & Gamble nur noch nach der Qualifikation geurteilt. Eine Idee, die es im Ausland schon länger gibt. In den USA etwa werden Bewerbungen anonymisiert bis auf die Angaben zu Name und Aufenthaltsstatus. Das Projekt wird vom BUND unterstützt: „Wir wollen Menschen eine Chance geben, die sonst womöglich nie zum Vorstellungsgespräch eingeladen würden“, sagte Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes und Initiatorin des Projekts.

Der Arbeitgeberverband BDA freut sich nicht. Durch die Anonymisierung würden alle Bemühungen von Unternehmen, eine Belegschaft vielfältig zusammenzustellen, zunichte gemacht werden. Weder können Frauen gezielt eingeladen werden noch Menschen mit ausländischer Herkunft. Klar, dass ein solcher Vorstoß auch mit der Quote nicht unter einen Hut zu bringen ist.

Aufgebrochen wird die Anonymität einer Bewerbung, die Reduktion auf die Qualifizierung, natürlich beim Vorstellungsgespräch. Da kann es schon passieren, dass aufgrund von Äußerlichkeiten eine Entscheidung gefällt wird, die rein auf faktischer Ebene anders entschieden worden wären. Natürlich könnte man während des Vorstellungsgesprächs hinter einem Vorhang sitzen. Das gibt es nämlich auch, viele Orchester-Chefs lassen ihre Neuzugänge aus einem Versteck heraus vorspielen, um sich so ausschließlich auf die Musik konzentrieren zu können. So könnte auch ein Personalchef nur aufgrund eines Bewerbungsschreibens und einer Stimme entscheiden, wie er eine Stelle besetzt. Aber ist das wirklich eine gute Idee?

Ich denke, dass alle Versuche, die Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt zu stärken, lobenswert sind. So hilft auch die Idee der anonymisierten Bewerbung, die erste Hürde bei einer Bewerbung so auf ein Terrain fern der Diskriminierung zu rücken. Die Utopie einer Welt, in der solche Vehikel nicht mehr nötig sind, möchte ich mir aber dennoch nicht aus dem Kopf schlagen.


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Hebammen, Sport, Burka, Sarah Palin, Models

15. Juli 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 69 von 152 der Serie Kurz notiert

Die Zukunft der Hebammen als Geburtshelferinnen ist noch ungeklärt – ein Artikel in der ZEIT macht derweilen klar, dass es Geburtshelfer_innen heißen muss. Sie berichtet über Deutschlands derzeit einzigen Entbindungspfleger.

Frauensportarten werden immer beliebter – bei Frauen. Beim Fernsehen eher nicht, sagt eine Studie des Center for Feminist Research der University of Southern California. Im Fokus steht die Berichterstattung des US-amerikanischen Senders ESPN.

Die ZEIT schreibt in einem Kommentar über das aktuelle Burka Verbot in Frankreich: “Ein Burka-Verbot beendet die Unterdrückung von Frauen nicht.”

Im Interview mit Zeit online erklärt der Vorstandvorsitzende von Nestlé, Gerhard Berssenbrügge, warum er nichts von einer Frauenquote hält. Schließlich müsste es doch darum gehen, “die besten Köpfe ins Top-Management zu holen – unabhängig davon, ob es sich dabei um einen Mann oder eine Frau handelt”. Soso…

Laut Spiegel Online spricht einiges dafür, dass Sarah Palin sich 2012 als US-Präsidentschaftskandidatin der Republikanischen Partei bewerben will.

Und noch mal Spiegel Online: Hier scheint die Tatsache, dass NRW nun von einer Ministerpräsidentin regiert wird, die auch noch weitere Frauen in Kabinett holt, von besonderer Bedeutung zu sein. Oder wie lassen sich Artikel-Überschriften wie diese erklären: Frauen-Doppelpack vor Machtübernahme in NRW, Angriff der Power-Frauen, Kraft holt fünf Frauen ins Kabinett

TransGriot beklagt den immer noch anherrschenden Mangel an schwarzen Models und verlinkt einen thematisch passenden Film “The Colour Of Beauty” .


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Wissenschaftlerinnen in NRW

3. Mai 2010 von Barbara

Endspurt in NRW: Am Sonntag wird eine neue Regierung gewählt. Die ehemalige SPD-Heimat, die seit 2005 von CDU-Mann Jürgen Rüttgers regiert wird, könnte einen Wandel erleben: Kraft statt Rüttgers, Frau statt Mann, rotgrün statt schwarzgelb. “Wir wollen Hannelore Kraft zur Ministerpräsidentin wählen. Ich würde mich riesig freuen, wenn NRW künftig von zwei starken Frauen regiert wird. Am 9. Mai ist Muttertag: Wer will da schon Männer wählen?”, sagte Grünen-Spitzenkandidatin Sylvia Löhrman in der taz.

Im SPD-Programm für die Landtagswahlen tauchen auch Frauen-Themen auf, etwa die Frauenförderung an Hochschulen. Hier wird ein ein Wunschergebnis genannt: ein Frauenanteil von 50 Prozent im Lehrkörper. Zukunftsmusik, und gleichzeitig ein Finger in eine Wunde, denn in Sachen Gleichstellung in der Wissenschaft ist NRW beim Hochschulranking (ab S. 67 in der Länderwertung) nach Gleichstellungs-Aspekten des “Kompetenzzentrums Frauen in Wissenschaft und Forschung” auf dem letzten Platz gelandet.

Gerade bei Professuren und in Hochschulräten fehlen die Frauen! Ein neben der ewigen Diskussion über Studiengebühren vergleichsweise kleines, aber nicht unwichtiges Thema, das kurz vor den Wahlen noch einmal auf den Tisch gekommen ist. Ergebnis: Die CDU und FDP bleiben zurückhaltend, wollen keine Quote, kein staatliches Eingreifen. Man verspricht aber, sich dafür einzusetzen, dass die Forderungen der Frauen konkretisiert werden.

Was heißt das denn? Und wie soll das funktionieren? In der aktuellen Bilanz der Hochschul-Politik unter Rüttgers liest man darüber nichts.

Erwartungsgemäß anders äußert sich da die Opposition, SPD und Grüne wollen (siehe Wahlprogramm) auch über eine Quote NRW-Frauen die Wissenschaft zugänglicher machen.

NRW könnte den Wandel nicht nur erleben, sondern hat ihn dringend nötig.


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Drei Frauen für Niedersachsen

20. April 2010 von Barbara

Aus alt mach neu – Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff hat vier Posten in seinem Kabinett neu besetzt. Unter den vier Neuen sind drei Frauen! Das Besondere an dieser eh schon aufregenden Nachricht: eine von ihnen ist Muslima. Und eine von ihnen kommt aus dem Osten Deutschlands.

Je mehr man darüber nachdenkt, desto mehr macht es nachdenklich. Es ist großartig, dass Wulff, oder sein Beratungsteam, oder vielleicht sogar seine Partei, dass also mindestens ein paar Leute aus den Kreisen der Konservativen verstanden haben, dass der “alte” CDU-Kurs aus der Ära Kohl nicht mehr zeitgemäß ist. Dass Frauen in ein Team gehören, dass sie das Team besser machen. Es ist aber auch seltsam, dass gerade die Union das mit solcher Konsequenz verstanden hat, eine Partei, mit der doch eher traditionelle Geschlechterrollen verbunden werden. Oder handelt es sich hier um ein lokales Phänomen? Kurz für die Erinnerung: Die Kanzlerin ist gegen eine Quote in der Privatwirtschaft, die Bundesfamilienministerin ist für eine Herdprämie. Und die CSU-Frauen sind recht unglücklich, weil sich in all den Jahren des guten Willens in Sachen Geschlechtergleichheit nicht viel getan hat. Es ist also nicht nur zeitgemäß, sondern entspricht auch dem Zeitgeist, ist demnach vorbildlich, dass die Neubesetzung nicht nur eine Frauenquote, sondern auch noch eine, sagen wir, “Minderheiten-Quote” unterstützt: Frau, Ostdeutschland, migrantischer Hintergrund.

Die Frau mit dem migrantischen Hintergrund, Aygül Özkan, wird Sozialministerin. Die Frau aus dem Osten, Brandenburgs CDU-Vorsitzende und Landtagsfraktionschefin Johanna Wanka, wird Wissenschaftsministerin. Alle jubeln! Nur bei der dritten Frau, der “Frau”, kritisiert die taz einen Hang zum Lobbyismus. Astrid Grotelüschen, künftige Agrarministerin, ist mit einem Mann aus der Putenmast-Branche verheiratet. Was ihre Objektivität in Sachen Tierrechte gefährden könnte. Es bleibt also spannend in Niedersachsen.


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Die Quote

7. April 2010 von Barbara
Dieser Text ist Teil 3 von 13 der Serie Der F-Blick in die Politik

In dieser Kolumne werden die politischen Aktivitäten der Bundesregierung rund um das Reizthema “Frauenpolitik” kritisch betrachtet, das sich zumeist hinter der Familienpolitik verstecken muss.

Jetzt ist sie also da, die Quote in der Privatwirtschaft. Freiwillig vorgelegt von einem Unternehmen, das bis Mitte der Neunziger dem Staat gehörte: der Telekom. Das DAX-Unternehmen will künftig seine Top-Etage quotieren. “Bis Ende 2015 sollen 30 Prozent der oberen und mittleren Führungspositionen im Unternehmen mit Frauen besetzt sein. Die Regelung gilt weltweit.” heißt es in der Pressemitteilung von Mitte März.

Wow! Und, wie reagiert die Bundesregierung darauf? Die Kanzlerin hält sich zurück. Vielleicht genießt sie ihren Triumph des Aussitzens: Schon vor längerer Zeit sagte sie, dass sie mehr an diversity als an Quoten glaube und die Frauenförderung in der Wirtschaft als Aufgabe der Unternehmen und nicht der Politik sehe. Bundesministerin Kristina Schröder, Quoten-Gegnerin – eine gesetzliche Quote für alle Bereiche, in denen Frauen fehlen, sagte sie kürzlich, wirke “wie Kortison: Die Symptome verschwinden, aber die Ursachen bleiben” – hat den Vorstoß der Telekom immerhin begrüßt. Muss sie ja irgendwie auch: Hatte sich doch der Vorsitzende der Regierungskommission für gute Unternehmensführung (was für ein Titel!), Klaus-Peter Müller, schon im Februar als Freund der Quoten auf Führungsebene gezeigt. Doch voll auf Quoten-Kurs ist Kristina Schröder immer noch nicht. Sie sieht sie quasi als letzte Option auf dem Weg in ein gleichberechtigtes Leben, ein Instrument, auf das man zurückgreifen kann, wenn alles andere nichts genützt hat.

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Rundumschlag

30. März 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 74 von 152 der Serie Kurz notiert

Auf feministing macht Chloe sich darüber Gedanken, wie wir die Rollen “Mann” und “Frau” in Alltagssituationen spielen und somit reproduzieren, auch genannt: Gender Performance.

Wir berichteten bereits über eine lesbischen Schülerin, Constance McMillen, deren High School ihr verbot, an ihrem Abschlussball teilzunehmen, weil sie mit ihrer Freundin und im Frack kommen wollte. Ein Bundesrichter hat nun entschieden, dass die Schule damit die Grundrechte der Schülerin verletzt hat und ihr die Teilnahme am Ball hätte erlauben müssen.

Auf geekfeminism fragt man sich, wie man mit dem Phänomen “Quotenfrau” umgeht – wenn man selbst eine ist, eine andere verdächtigt oder sich als solche fühlt.

Sport am Internationalen Frauentag? Sollten Frauen nicht erst einmal Ungleichheiten in Beruf und Wirtschaft angehen? Nein, meint Dieter Baumann in der taz, denn die „männerdominierte Sportmedienwelt zeigt, was Männer interessiert, und eine männerdominierte Wirtschaft unterstützt das, was Männer schauen, um dort die Produkte zu zeigen, die Männer kaufen sollen.”

Cicero stellt Lubna Ahmed al Hussein vor, die im Sudan verurteilt wurde, weil sie Hosen trug – dagegen klagte und dem Auspeitschen entgang (wir berichteten). Inzwischen ist sie aus dem Sudan geflohen und hat ein Buch über das Leben sudanesischer Frauen geschrieben.

Karrieretrainer Peter Modler erklärt im Interview auf Spiegel Online, mit welchen Arroganz-Prinzipien Frauen im Job Männer-Methoden kopieren. Ellenbogen raus!

Und immer noch brandaktuell: Leena Simon zur Pirat_innen-Debatte auf Spreeblick.


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Immer wieder: Frauenquote

22. März 2010 von Barbara

Ein Artikel, der die letzten Ereignisse in Sachen Frauenquote gut zusammenfasst, wurde am Freitag im Zündfunk (BR) gesendet: Von Telekom über Opferfeminismus bis zu den CSU-Bemühungen, mehr Frauen nach oben zu bringen. Fazit:

Auf lange Sicht könnte die Quote also eine annähernd gleichberechtigte Verteilung von Arbeit und Kapital zwischen den Geschlechtern anstoßen.

Prost!


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