Zum Beispiel Norwegen
10. August 2010 von BarbaraAls das Vorbild in Sachen Frauenquote wird immer wieder Norwegen genannt. Hier gibt es ein Gesetz, dass Unternehmen zwingt, 40 Prozent ihrer Aufsichtsratsposten mit Frauen zu besetzen. Wie es dazu gekommen ist, wie das die Arbeitswelt verändert hat und wie Frauen damit zurechtkommen, kann man in der Zeit nachlesen.
Es war ein Mann, ausgerechnet, ein konservativer dazu, der den Norwegerinnen die Quote brachte. Vor acht Jahren hatte Ansgar Gabrielsen, der damalige Industrie- und Handelsminister, die Nase voll von den Männerclubs in den Aufsichtsräten. An einem Tag im Februar 2002 marschierte er in die Räume der auflagenstärksten Tageszeitung und gab ein Interview: Mehr Frauen in die Räte! Notfalls per Gesetz!
Wie das ihrer Familie und ihrer Karriere geholfen hat, darüber berichten verschiedene Norwegerinnen. Eine davon, Kristin Skogen Lund, erzählt etwa:
»Ich habe meine Kinder nicht outgesourct«, sagt sie und erzählt, wie sie ihren Computer jeden Morgen um halb neun hochfährt und ihr Büro nie später als halb fünf am Nachmittag wieder verlässt. Das Abendessen mit der Familie ist ihr heilig. »Man lernt, Prioritäten zu setzen und effizient zu arbeiten«, sagt sie. In den meisten Firmen Norwegens gebe es nicht eine Anwesenheitskultur wie in anderen Ländern, sagt Lund. Gut, sie hat Unterstützung, ein Au-pair-Mädchen und Großeltern in der Nachbarschaft. Und ganz selbstverständlich sagt Lund: Ihr Partner stünde hinter ihrem Erfolg. Wobei ihr Gatte nicht Hausmann ist, sondern Jurist – in Vollzeit.
Und was ist in Deutschland zum Thema Quote so los? Bundesministerin Kristina Schröder sieht die Quote als “Ultima Ratio“. Sie will nichts tun: “Gerade in den vergangenen Monaten hat sich in der Wirtschaft viel getan, Frauen erobern peu à peu in vielen Branchen die Chefetagen. Solange sich wirklich etwas bewegt, kann ich gut auf eine Quote verzichten.” Warum Frauen nur als Eroberinnen in der Arbeitswelt Gleichberechtigung erfahren sollen, kann ich nicht nachvollziehen. Wer erobert, nimmt einem anderen etwas weg. Und das genau ist eben keine Gleichberechtigung.
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