Einträge mit dem Tag ‘Queer’


Schwarzer Frost – Roman

31. Juli 2015 von Gastautor_in

SchwarzRund schreibt schon ihr Leben lang, seit einem Jahr bloggt sie nun zu Mehrfachdiskriminierung und Eis-Essen. Ihre Novelle „Quasi“ kam vor einigen Monaten raus. Sie liebt es zu bloggen und Projekte so autark wie irgendmöglich umzusetzen, weil sie so Geschichten erzählen kann, die auch 1:1 bei dem_der Lesenden ankommen. Jetzt schreibt sie einen Roman: Schwarzer Frost. Die ersten Kapitel sind schon geschrieben, einen ersten Eindruck gab es in Videoform. Wir freuen uns, mit dieser Leseprobe hier einen weiteren Einblick in ihren queeren afropolitanen Roman geben zu können. Damit der Roman realisiert werden kann, braucht Schwarzrund finanzielle Unterstützung.

Schwarzer Frost – Roman

Manchmal wusste Tue nicht so recht ob die Routine des Bandlebens wirklich lebendiger war wie jene des Laden Alltags. Gerade wenn beides ineinander floß, erstickte die gleichzeitige Langeweile beide Tätigkeiten ihre Gedanken, beides führte zu belastender unkreativer Stille in ihren Gedanken. Beides war grauer Routinekleber, beides war Alltag.

Ihr Gesäßknochen drückten gegen das harte Sitzpolster des Barhockers, der Coffeeshop des Kreativ.Bürohauses roch nach alten Lilien und geschäumter Milch. Die Muskeln auf ihrer Stirn zogen sich schmerzhaft zusammen bei jedem Klingeln des Türmelders. Eine nicht enden wollende Anreihung gleich aussehender weißer Menschen betrat das Kaffee, die pragmatische Routine verhinderte jedes Denken.
„Hmmm“ sagte der weiße Mann vor ihr, studierte die Schilder hinter ihr, nutzte die Gelegenheit um die kleinen Löckchen zu betrachten die sich aus ihrer Kopfhaut heraus gekämpft hatten.

Sie schwieg. Nachdrücklicher wiederholte er „Hmm!“ und sah sie auffordernd an. Die Knochen schmerzten, ihre Genervtheit wandelte sich langsam zur Wut, ließ die Schale der lethargischen Langsamkeit fallen und brachte Kraft und Zorn zu ihr.“Einen Kaffee, vermute ich?“ Ihre Zunge war zu träge um ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen, ihr Körper zu routiniert darin die Maske der Gelassenheit zu spielen. Er sah ihr in die Augen, teilnahmslos, sie fühlte sich wie ein Tier das von einem Zoo Besucher ohne großes Interesse angestarrt wurde, sich in ein Objekt verwandelte nur um im Strom der Eindrücke aus der Erinnerung des Betrachtenden zu verschwinden. Er starrte, hielt den Blick ohne jeden Anflug von Freundlichkeit und brummte ein langes, „Hm…“. Die Luft zog sich durch ihre Zahnlücke, eins. Die Luft entwich zwischen den Backenzähnen, zwei. Ihre Augen drehten zur Decke, drei. Weiteratmen: Luft. Blicken, Routine.

Sie griff seinen Kopf und schlug ihn in die Auslage, das Glas zersprang und seine Gehirnmasse sickerte in die vertrockneten Bagel.
Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, sie sah ihn an. Entschieden sagte er: „Ich nehme einen Americano. Zum mitnehmen.“ Sie nickte, machte ihm einen Filterkaffee und kassierte einen Latte Macchiato. Das kleine Schildchen „zum halben Preis“ stellte sie in die Vitrine vor die Bagel und reinigte die Glasvitrine. Er verlies den Coffeeshop, die Stille ergriff erneut das leere Cafe. Statt des Gesichtes starrte nun das weiße Blatt sie an, ihr Stifte kreiste über den Zeilen. Sobald ein Wort ihr Gehirn streifte, schrieb sie es nieder, in unzusammenhängender Rheinfolge, in der Hoffnung Zeilen zu finden die später auf einer Gitarrenline zu Musik wurden.

Die Stunden sickerten durch Papier,
kaum Bezug zum Ort kaum Bezug zum hier,
Die Stunden sickerten durch mich-
und du trägst und du trägst und hörst mich nicht.
Die Anzeige blinkt es ist gleich viertel vor vier,
er notiert die Zeit, der nächste Zug fährt ein.
Der Weg, nur ein Bruchteil – Zahlenreihen!
(mehr …)


Facebook | |


Von der Schwierigkeit nicht hetero zu sein und hetero zu kritisieren.

28. Juli 2015 von Nadine

In feministischen Kreisen™ hierzulande tut sich eine Kritik sehr schwer: Die Kritik an Hetero-Praxen, am Performen von Heterosexualität. Zum einen, weil die Kritik sich nicht ausschließlich an das abstrakte Etwas Heteronormativität richtet, sondern auch an _die_ Heten selbst, die mit ihren heterosexuellen Selbstverständlichkeiten rumnerven (z.B. Vergewaltigungswitzchen, ständiger Boyfriend- und Beziehungstalk, #notallheteros, umschweifende Raumeinnahme durch Austausch von Körperflüssigkeiten im öffentlichen Nahverkehr *no pun intended* oder Beengung von Wegen und Sitzplätzen durch Bilden einer symbiotischen Körpereinheit, vehementes Einfordern von Typenprivilegien zuerst für sich selbst und danach für alle anderen, Studieren und Erforschen von LGBT-Lebensrealitäten zur eigenen Belustigung, zum Aufpeppen des eigenen Seins oder zum Geld verdienen).

Kritisiert werden Hetero-Praxen und Performances in der Regel, um darauf aufmerksam zu machen, dass es außer Heten auch noch andere Menschen gibt, die ein Recht darauf haben, ein gutes Leben zu führen ohne das Recht auf körperliche Unversehrtheit oder Nichtdiskriminierung in den Mülleimer zu werfen und dass dieses gute Leben eben auch davon abhängig ist, wer sich ständig als Normalität inszeniert ohne Rücksicht auf das Umfeld zu nehmen. Überraschenderweise wird von Heten, die Heteronormativität als Problem erkannt haben (und von sich selbst auch manchmal als Heten und nicht als Menschen sprechen können, z.B. weil sie überhaupt erst einmal wissen, dass sie Heten sind), in Fällen der Kritik an Konkretem meistens auf das Abstrakte verweisen: Strukturen. Da gibt es diesen bösen Staat, der macht, dass Schwule und Lesben nicht heiraten und nicht adoptieren dürfen (so eine Ungerechtigkeit!11!!1) und äääh ja Trans* und so diese Leute haben’s auch nicht einfach. Betroffenes Nicken.

Heten und ihr „LGBT*-Aktivismus“

Kritisiert wird von Heten oft nur das, was sie selbst für erstrebenswert erachten und anderen verwehrt wird: Heiraten und Kinder kriegen/großziehen/für sie sorgen/Familie haben, Vorstandsetagensessel, Ruhm. Insofern werden auch eifrig Gay Rights mitpropagiert, wird der Regenbogen gefeiert und manchmal empört getan, dass Lisa B. aus K. auf offener Straße zusammengeschlagen wurde, weil er_sie nicht ins Konzept passt von dem, was als Hetero gilt und damit in den Augen von passenden (im Sinne von: Passing/ durchgehen als…) Heten eine Gefahr darstellt. Wer sich als queere Person einreiht ins schöne Hetero-Leben mit den eigenen politischen Forderungen oder Betroffene_r von „wirklich schlimmer“ Diskriminierung ist, um ungefragt als Abziehbild ins Skandalös-Gutmensch-Hetero-Heftchen geklebt zu werden, hat vielleicht die Chance auf Solidarität. Alle anderen, die von Umverteilung (Geld, Zeit, Kapazitäten, politischen Prioritäten in aktivistischen Kämpfen) reden, naaaah…die müssma net anhörn. die tun wa extra. in dieses LGBT dings rein. und dafür hamm wa keene Zeit, weil wegen Vereinbarkeitsproblematik und so. Lieber noch ein bisschen rumjammern, dass das Thema feministische Mutterschaft immer so untergeht zwischen diesen kinderfeindlichen Queer_Feminist_innen, die alles dominieren. Und deshalb (jetzt erst recht!!!) als weiße, ableisierte, Mittelschichts-Hetera den 239. Blog einer weißen, ableisierten, Mittelschichts-Hetera lesen und verlinken, die von 50/50 (AS IF…) und rosa für Jungs plappert.

Kritik an Heteropraxen und Performances ist allerdings auch wegen einer anderen Sache nicht gern gesehene Gäst_in in hiesigen feministischen Debatten: In dieser Kritik würden auch Menschen mitgemeint werden, die sich nicht als Hetero definieren oder nicht als Hete gelesen werden, auch wenn sie sich so definieren. Damit würde die Hetero-Kritik Sexismus bzw. Bifeindlichkeit und Trans*diskriminierung reproduzieren. Um den Unmut über die Kritik zu äußern, die sich nicht an die eigene Person und die eigene Alltagspraxis zu richten haben darf, werden dann munter lesbenfeindliche, sexistische und derailende Behauptungen in die Diskussionsschale geworfen, die z.B. „Lesben sind Cis-Frauen, die auf Cis-Frauen stehen“, „Lesben hassen Menschen, die mit Männern(Sternchen) schlafen“, „Frauen(Sternchen) vorzuschreiben, wen sie lieben dürfen [AS IF… Anm. von mir], ist frauen(sternchen)feindlich“ oder kurz: „Wie kann man nur hassen, dass Menschen sich lieben?“ lauten.

(mehr …)


Facebook | |


Misandrische Mittelfinger-Mode, Free CeCe, Polizeigewalt gegen Jugendliche – kurz verlinkt

10. Juni 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 280 von 288 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Seit dem 1. Juni kann man sich zum Inklusionscamp in Hamburg anmelden. Die Veranstaltung ist als Barcamp zum Thema Inklusion, inklusives Leben und Lernen geplant und findet am 25. und 26. September 2015 statt.

Mit Islamfeindlichkeit gegen Antisemitismus: Fabian Köhler analysiert für IslamQ, wie sich ein weißes deutsches Kollektiv mit antimuslimischem Rassismus vom eigenen Antisemitismus freispricht. [Siehe Kommentarbereich – danke für den Hinweis!]

Das JugendtheaterBüro Berlin wurde für die KulTür auf! Kampagne mit dem BKM-Preis für Kulturelle Bildung ausgezeichnet.

Und noch mehr Preise: Das Transgender Film Festival 2015 stellt die dort ausgezeichneten Werke vor.

Dominique Hansell schreibt für das Gunda Werner Institut zu Diversity als politischem Feigenblatt: Anhand der Fashion- und Beauty-Branche seziert sie, wie „das politisch korrekte „Anderssein“ […] hier zum kulturellen Aushängeschild der betreffenden Firmen und Institutionen [wird]“.

Obwohl europäische Rechtsinstanzen immer wieder Vätern mehr Rechte in Bezug auf Besuch, Umgang oder Erziehung von Kindern zuspricht, entschied das Bundesverfassungsgericht jüngst anders: Ein Vater darf ein Umgangsrecht gegen den Willen des Kindes nicht durchsetzen, wie das Online-Magazin Frauensicht berichtet.

Englischsprachige Links

Eine Raum wird nicht allein dadurch trans*inklusiv, in dem er statt beispielsweise Frauenraum zu FrauenLesbenTrans*Raum umbenannt wird. Autostraddle trägt Ansätze zusammen, wie (queere) Räume inklusiver für Trans*Frauen gestaltet werden können.

Endlich Sommermode? Kitty Stryker von Purr Versatility hat den ultimativen Guide für den misandrischen, male-gaze-den-Mittelfinger-zeigenden Look zusammengestellt.

Das Black Youth Project stellt ein Kinderbuch vor, in dem ein queerer Junge seine Geschichte erzählt.

Den Dokumentar-Film FREE CeCe!, der sich mit Gewalt gegen Trans*Frauen of Color beschäftigt und die Geschichte von CeCe McDonald (von dem Angriff gegen sie, ihre Verurteilung und Gefängniszeit und ihren Aktivismus gegen den Gefägnis-Komplex) nachzeichnet, könnt ihr noch finanziell unterstützen. Er benötigt noch Geld für die Post-Produktion.

Das Bitch Magazine stellt zehn Schwarze Komponistinnen/Frauen, die Musik schreiben, vor – von der Harlem Renaissance bis heute.

Eine Pool-Party in McKinney. Erst werden Jugendliche rassistisch beschimpft, dann wird die Polizei gerufen, welche die Jugendlichen angeht, mit Waffen auf sie zielt und Dejerria Becton, eines der anwesenden Mädchen, brutal auf den Boden wirft und fixiert. The Root hat alle Informationen zusammengestellt. Feminist Wire schreibt zu: „Police Criminals and the Brutalization of Black Girls„.

Termine in Berlin, Dortmund, Hamburg, Konstanz und Wien

10.06. in Konstanz: Vortrag zu Racial Profiling von Jamie Schearer.

10.06. in Berlin: Kongress „Respekt statt Ressentiment“ – Strategien gegen eine neue Welle von Homo- und Transphobie.

11.06. in Dortmund: „female energy“: Vernissage verschiedener Künstler_innen im Fachbereich Design der Fachhoschule Dortmund. (FB-Link)

22.06 in Wien: Frigga Haug spricht im Rahmen der Dialogreihe „Gutes Leben für alle“ über die Forderung „Teilzeit für alle“. (FB-Link)

17.07. in Berlin: „Grrrls To The Front: Das Female Focus Festival“, das „viele verschiedene Berliner Rapper*innen und DJ*s“ fördert, „die zusammen mit internationalen Künstler*innen aus Buenos Aires (ARG), Durham (USA), Birmingham (UK) und Johannesburg (RSA) das Festival gestalten. (FB-Link)

01.08. in Hamburg: Queer Flora Soliparty, 23 Uhr, Rote Flora.


Facebook | |


Bereute Mutterschaft, beredeter Widerstand und beeindruckende Schlagzeugerinnen – kurz verlinkt

9. April 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 275 von 288 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Radio-Feature mit drei Aktivistinnen zum Anhören: Riots not Diets? Fettaktivismus zwischen Intervention und Schutzraum.

Frauen, die ihren beruflichen Werdegang wegen gesundheitlicher Beeinträchtigungen unterbrochen haben, sich neu orientieren oder auf einen Wiedereinstieg vorbereiten möchten, können im Rahmen des Berliner Projekts „Medienkompetenz und Work-Life Balance – Wiedereinstieg für Frauen“ an einem Einzel-Coaching teilnehmen.

„„So genau wollten wir das gar nicht wissen“ – Geschlecht, Schuld und Abwehr in der Berichterstattung über Beate Zschäpe“ untersucht Charlie Kaufhold beim Feministischen Institut Hamburg.

Nicht jede Mutter ist glücklich mit ihrer Rolle und manche würden – wenn sie denn die Zeit zurückdrehen könnten – sich gegen Mutterschaft entscheiden, doch darüber sprechen ist gesellschaftlich nicht akzeptiert. Die Süddeutsche Zeitung berichtet über ein Studie der Soziologin Orna Donath.

dieStandard porträtiert Irma Schwager, eine Wiener Kommunistin, die als Teil der französischen Widerstandsbewegung Wehrmachtsoldaten durch Gespräche und Flugblätter von der Falschheit des Krieges zu überzeugen versuchte und damit ihr Leben auf das Spiel setzte.

englischsprachige Links

Charles Onyango-Obbo kommentiert in der New York Times al-Shabaabs Terrorangriff auf die Garissa-Universität in Kenya, bei der 148 Menschen getötet wurden. Bei Twitter erinnern unter dem Hashtag #147NotJustANumber (bezugnehmend auf die zuerst veröffentlichte Anzahl Ermordeter) Familien, Freund_innen und Kommiliton_innen an die Opfer.

„I’m thinking about the fat people who were able to show love to themselves and in turn, show me how to love myself“: queering the game of life plädiert für dicke_fettes, queeres Self-Empowerment und Sichtbarkeit als Protestzeichen gegen öffentlich zelebrierte Dickenfeindlichkeit.

Purvi Patel wurde nach einer Fehlgeburt zu insgesamt 41 Jahren Haftstrafe wegen Fetizids und Kindesmisshandlung verurteilt. Bei RH Reality Check findet ihr Hintergründe zu diesem Fall und könnt eine Protestpetition unterschreiben.

Bei TheToast trägt Cate Burlington Dinge zusammen, die Kollegen (in ihrem Tech Umfeld) zu ihr sagten, und kommentiert diese. Die Sprüche sind wie zu erwarten eine Ansammlung hetero_sexistischer Klischees, aber Burlingtons Anmerkungen sind so pefekt, dass man sie sofort gern zur neuen besten Freundin hätte.

Magda fragte hier bei der Mädchenmannschaft einmal „Wie viele Schlagzeugerinnen kennst du?„, für alle, die da immer noch lange überlegen müssen, gibt es nun den richtigen Artikel bei Grimy Goods: „The 20 Best Female Drummers — by all means, badass„.

Qualifizierst du dich für den „Fat Bitches Club„? Dances With Fat hat eine Liste erstellt.

französischsprachige Links

Am 8. März wurden in Peking neun feministische und LGBT-Aktivist_innen festgenommen, weil sie bei einer Aktion auf sexualisierte Übergriffe aufmerksam machen wollten. Fünf sind immer noch im Gefängnis, berichtet Yagg.

Termine in Berlin

10.-12. April, Berlin: Specs On – International Feminist Art Music Festival.

18. April, Berlin: Pempamsie: Ein Workshop für Schwarze Mütter mit Sharon Dodua Otoo (mit Anmeldung).


Facebook | |


Ein Buch nach dem anderen: Die Occupy-Bewegung, Frauen der Harlem Renaissance und Queer Africa

16. März 2015 von Charlott
Dieser Text ist Teil 96 von 106 der Serie Die Feministische Bibliothek

Auf Papier gelesen

Aya de Yopougon ist die sechs-bändige Comicreihe von Marguerite Abouet (Story) und Clément Oubrerie (Zeichnungen) um Aya, ihre Freund_innen und Familien. Zu Beginn der Reihe ist Aya 19 Jahre alt, sie lebt in Yopougon, einem Viertel in Abidjan, der Hauptstadt der Côte d’Ivoire. Es ist das Ende der 70iger Jahre. In Yopougon geht es manchmal zu wie in einer Soap Opera, nicht ganz unbeteiligt sind daran auch Ayas engste Freundinnen Bintou und Adjoua. Mittendrin versucht Aya alles um ihr Ziel eines Medizinstudiums zu erreichen, aber findet dabei auch immer noch erstaunlich viel Energie und Nachsicht um Freund_innen und Bekannten zu unterstützen und catcaller zusammenzupfeifen. Es gibt auch englische und deutsche Übersetzungen. Im Jahr 2013 erschien dann noch ein Film:

Etwas ganz anderes ist das 2011 erschienene Buch Occupy!: Scenes from Occupied America (Verso Verlag). Dies ist ein netter Enstieg für all jene, die sich für den Beginn und die Weiterentwicklungen der Occupy-Bewegung in den USA (darauf ist es lokal beschränkt) interessieren. Hier finden sich Aufsätze zu spezifischen Aspekten, Zeichnungen, Tagebuchnotizen und Reden, die gehalten wurden (beispielsweise von Judith Butler und Angela Davis). Dabei handelt es sich weniger um ‚fertige‘ Analysen, sondern ehre ein ersten Zusammentragen von Gedanken und Erlebnissen, die eine Grundlage für weitere Überlegungen bieten könnten. Allerdings werden in dem Buch auch bereits eine Reihe von Kritiken und Problematiken angerissen, wie beispielsweise die (Nicht)Anküpfung an bestehende Kämpfe und Ausschlüsse, z.B. durch das Aufmachen starker Trennlinien zwischen ‚politischen Campern‘ und ‚Wohnungslosen‘.

Im Jahr 2013 gaben Karen Martin und Makhosazana Xaba den Kurzgeschichtenband Queer Africa (MaThoko’s Books) heraus, welcher 2014 den Lambda Literary Award for LGBT Anthology gewann. In ihm sind 18 Geschichten von 18 unterschiedlichen Autor_innen (einige zuvor bekannt, andere Neuentdeckungen) versammelt. Wie bei Kurzgeschichtensammlungen verschiedener Autor_innen häufig der Fall gibt es durchaus einen Qualitätsunterschied zwischen den Geschichten, aber sie decken eine Vielzahl von Szenarien, Erlebnissen und Settings ab, so dass Leser_innen sicher nicht langweilig wird.

Am 14.März 1887 wurde die legendäre Buchhändlerin und Herausgeberin Sylvia Beach geboren.

Ein von @halfjill_2010 gepostetes Foto am

Im Netz gelesen

(mehr …)


Facebook | |


Tolerante Heten, weißer Terror und das Atomwaffenpotenzial von Trans* – die Blogschau

21. Februar 2015 von Nadine
Dieser Text ist Teil 269 von 280 der Serie Die Blogschau

Conservatory Girl hat einen Tipp für heiße Tage und aufgeriebene Oberschenkelinnenseiten.

„Als dicker/fetter Mensch braucht es viel Kraft und Mut Dickendiskriminierung, Dickenhass, Spott, Hohn und Ausgrenzung zu begegnen. Es braucht mehr Courage damit wir Dicken, das Leben mit Freude genießen können. Aber all dies braucht es nicht weil wir dick oder fett sind“, schreibt Melanie auf dem Blog der Arge Dicke Weiber.

Kulturelle Aneignung und rassistische Stereotype haben auch im Fasching oder Karneval Hochkonjunktur. Ringelmiez gibt eine Argumentationshilfe, warum nicht nur Eltern bei der Kostümwahl für ihre Kinder diskriminierungssensibel agieren sollten.

Der Zaunfink wendet sich an tolerante Heten, die sich zwar stets bemühen, letztlich doch an vielen entscheidenen Stellen scheitern mit ihrer Solidarität.

„Ich möchte Politiker*innen und Medienmacher*innen fragen: Was macht ihr gegen euren Terror, den ihr mit euren unreflektierten Reden und Beiträgen in diese Gesellschaften gesät habt? Wann fangt ihr an uns Rede und Antwort zu stehen?“ – Diaspora Reflektionen mit einem eindringlichen Beitrag über die rassistischen Morde der vergangenen Monate und den Rassismus der weißen Mehrheitsgesellschaft.

Trans* Personen seien wie nukleare Waffen, hatte Papst Franziskus neulich behauptet. Für Pussy Bear Anlass genug für einen Comic.

Hannah C. Rosenblatt schreibt über die Ungleichwertigkeit von Gefühlen, wenn es um die Wahrnehmung und Beschreibung von Gewalterfahrungen geht.

Musikerinnen des Teeny Music Treff
in Berlin haben einen Song geschrieben und ein Video dazu produziert.


Eine Gruppe von Queer_Trans*_Black_People_of_Color
(QTBPOC) plant für Juli 2015 ein dreitägiges Fest von und für QTBPOC und sucht noch Mitstreiter_innen.

Die trans*geniale f_antifa ruft zu einem Inter- und Trans*-Block auf der Demo zum Frauenkampftag in Berlin auf.

Das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung ruft zusammen mit der Frauenkampftag – AG sexuelle Selbstbestimmung, Berlin Irish Pro Choice Solidarity und Feminismos 15M Berlin für den 7. März zu einem bundesweiten Vorbereitungs- und Vernetzungstreffen auf. Es geht um die Vorbereitung der Gegenaktionen der christlichen Fundamentalisten und Abtreibungsgegner, die jährlich im September in Berlin aufmarschieren.

Habt ihr diese Woche was geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Jede Woche verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


Facebook | |


Berlinale 2015: Traut dem Hype, schaut euch „Dyke Hard“ an!

6. Februar 2015 von Hengameh

Bitte Anderssons Musical-Film Dyke Hard wird dieses Jahr auf der Berlinale gezeigt. Hier findet ihr die Termine auf dem Festival-Spielplan und hier ist die Film-Homepage.

Die Lesben Peggy, Scotty, Bandito und Riff gehören in der Schule nicht gerade zur High Society, sondern sind sie eher – jede auf ihre eigene Art – klassische Außenseiter_innen. Es gibt eine Alternative zum Aushalten der Tyrannei ihrer Mitschüler_innen: Sie starten eine Rockband und ermächtigen sich als Gruppe lesbischer Freund_innen.
Kaum erobert ihre Band Dyke Hard die Charts, schon lässt der Erfolg wieder nach. Der bestimmerischen Frontperson Riff reicht es nicht, als One-Hit-Wonder zu gelten – und überhaupt findet sie ihre Band-Kolleg_innen ziemlich inkompetent. Wohl oder übel trennt sie sich von ihnen und beschließt, die Szene solo zu erobern.

Dyke Hard lassen sich von dieser Trennung nicht erschüttern, sondern sehen in ihr die Chance, endlich hierarchieflach zu arbeiten und ein angenehmes Klima innerhalb der Band zu schaffen. Ihren Neustart möchten sie auf dem bevorstehenden Bandcontest in der Großstadt feiern. Doch diesen Wettbewerb möchte auch Riff für die eigene Karriere nutzen. Mit Hilfe der geheimnisvollen Moira will sie ihre Konkurrenz ausschalten und ihren Ego-Trip weiterfahren. Der Weg in die Großstadt ist in vieler Hinsicht das Ziel: Dyke Hard lernen durch diese Umstände die charismatische Thai-Boxerin Dawn kennen, die für einen anderen Wettbewerb in dieselbe Richtung muss. Auf diesem gemeinsamen Road-Abendteur begegnen ihnen zahlreiche Kuriositäten, ein Geisterhaus, Cyborgs, Ninjas und letztlich auch ein fester Kitt für ihre Freund_innenschaft.

In Schwedens aktivistischer Tradition queerer Musicals dominiert zwar die Camp-Ästhetik den Film, doch auch Elemente aus den Bereichen Horror, Action, Sci-Fi und Rock’n’Roll-Kultur bereichern dieses Mosaik.  Viele Darsteller_innen sind szeneintern sehr bekannt, Lina Kurttila (stellt Riff dar) ist das Gesicht aus dem Youtube-Video „Top 60 Swedish Lesbian Ghetto names„, welches trotz rassistischer Problematik vom Titel bis zur Umsetzung eine sehr hohe Popularität hat. (Es ist sehr schade, ihre Videos könnten sehr witzig sein, wenn sie sich nicht dieses Ghetto-Entitlement geben würde.) Insgesamt gibt es in der Besetzung viele Persons of Color, Schwarze Personen und Trans*personen, unter den Hauptfiguren ist die dicke Person sogar die mit den meisten Flirts und Groupies. (Und es ist traurig, dass ich das als positive Seite hervorheben muss.)

Witzig, spannend, explizit, überspitzt kitschig_geschmacklos und *dykelicious* ist das Musical einmalig und im Kontext der ernsten, artsyfartsy Berlinale eine selbstironische Erfrischung.


Facebook | |


Lesbisch_queere Bücherwelten: Lesbengeschichte(n)

13. Januar 2015 von Julia
Dieser Text ist Teil 91 von 106 der Serie Die Feministische Bibliothek

Heute lege ich euch einige biografische Bücher ans Herz, die (vergangenes) lesbisches Leben und/oder das politische Engagement von Lesben würdigen.

Johanna Elberskirchen (1864-1943) war proletarisch-kleinbürgerlicher Herkunft, politisch klar links und äußerst aktiv: Sie war in der Sozialdemokratie engagiert, im radikalen linken Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung und als offen lebende ‚Homosexuale‘. Das detailreiche und zugleich fesselnd geschriebene Sachbuch Keine Tochter aus gutem Hause: Johanna Elberskirchen (1864 – 1943) von Christiane Leidinger lässt nicht nur Leben und politisches Wirken Elberskirchens, sondern umfassend auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und politischen Kämpfe der Zeit greifbar werden: von den Anfängen des ‚Frauenstudiums‘ über Sozialdemokratie, ArbeiterInnenbewegung und die bürgerliche und proletarische Frauenbewegung bis hin zum Nationalsozialismus.

 

In einer Mischung aus Sachbuch und Fiktion erzählt Die Geschichte der Sidonie C. (1900-1999) von Ines Rieder und Diana Voigt die fast 100-jährige Lebensgeschichte von Sidonie C., einer berühmten lesbischen Patientin Sigmund Freuds. Nach den Freud’schen Therapiesitzungen trifft sich die aus dem Großbürgertum stammende Lesbe heimlich mit ihrer Angebeteten – um über Freud zu lästern. An Klassenerhalt orientiert, aber vor allem politisch desinteressiert, flüchtet sie – katholisch getauft, aber mit jüdischen Wurzeln – erst sehr spät aus dem nationalsozialistischen Wien. Packend geschrieben und lehrreich obendrein, lässt die zwei Weltkriege umfassende Biografie (nicht nur) lesbisches Begehren zwischen Heimlichkeit, Selbstverständlichkeit und Sanktionen lebendig werden.

 

Keine lesbische Biografie im engeren Sinne, aber ein wunderbares Bewegungsbuch, das eben auch Leben und Engagement Audre Lordes (1934-1992) würdigt: Euer Schweigen schützt euch nicht. Audre Lorde und die Schwarze Frauenbewegung in Deutschland, herausgegeben von Peggy Piesche. Der Sammelband präsentiert eine schöne Auswahl an Gedichten, Aufsätzen und Gesprächen von und mit Audre Lorde, die durch ihre Berlin-Aufenthalte, ihre Lesungen in ost- wie westdeutschen Städten, ihre Vorträge und Workshops, ihren Aktivismus und ihr Schreiben eng verbunden ist mit der Entstehung der hiesigen Schwarzen (Frauen-)Bewegung. Zugleich zeichnet der Band die Anfänge und die Entwicklung der Schwarzen Frauen-/Lesbenbewegung in der BRD auf sehr lebendige Weise nach: in Gesprächen, Prosatexten und Gedichten. Zu Wort kommen damalige und gegenwärtige Aktivistinnen, Denkerinnen und Dichterinnen of Color, viele davon lesbisch.

Zum Schluss will ich euch noch rasch aufmerksam machen auf Von-mir-noch-nicht-Gelesenes-aber-Vielversprechendes. Erstens: Pregnant Butch. Nine Long Month Spent in Drag, eine neue autobiografische Graphic Novel zum Thema queere Elternschaft. Die Zeichnungen von A.K. Summers sind inspiriert durch ihre eigenen Erfahrungen als schwangere Butch. Diesen einmaligen und vielversprechenden Fund will ich euch nicht vorenthalten, Leseproben sind hier zu finden.

Und zweitens: Die erste Programmvorschau des neu gegründeten Verlags w_orten & meer. verlag für antidiskriminierendes handeln ist raus. Sie verspricht Analytisches und Kritisches, Empowerndes, Persönliches und Poetisches: zu Kämpfen, Glück und Leben jenseits, nach, zwischen, ohne Gender und zu Rassismus an deutschen Hochschulen. Im Frühjahr ist es soweit. Bis dahin: gespannt sein und vorfreuen.


Facebook | |


Rassismus, Scheindebatten und Neujahrsvorsätze – Die Blogschau

10. Januar 2015 von Sabine
Dieser Text ist Teil 267 von 280 der Serie Die Blogschau

„Fremde klopfen mir anerkennend auf die Schulter allein deswegen, weil ich existiere.“ Die verstorbene Aktivistin Stella Young bezeichnete dies als „inspirational porn„, wenn eine Gruppe von Menschen, nämlich Menschen mit Behinderung behinderte Menschen, als Objekt der Inspiration dargestellt würden.

„Tweet, tweet, tweet, wir haben uns alle lieb“:  In diesem Artikel widmet sich Emine dem australischen Hashtag“#I’llRideWithYou“ und erklärt, weshalb der Slogen schon einen Anfangsfehler hatte und weshalb sie keine Toleranz möchte.

In „Entweder Oder“ wird das vermeintliche Dilemma der Zugehörigkeits-Gruppen anhand der vergangenen 31c3-Konferenz beschrieben. Was bedeutet es, sich sowohl autistisch und gender-queer zu verstehen, aber in bestimmten Räumen auf ein „Entweder Oder“ zu stossen?

Neujahrsvorsätze? Reizende Rundungen hat schon einmal eine wichtige Liste für uns – und warum unser Körper unser Hoheitsgebiet sein sollten, vorbereitet.

Rassismus oder Leipziger Tradition? „Schon seit jeher ist Silvester in Leipzig für mich mit Stress verbunden. Zu oft habe ich erlebt, wie rein „zufällig“ Böller und Raketen in meine Richtung geflogen sind.“ Ein Bericht über das jährliche Silvester in Leipzig und warum die eigene Kapunze unter Umständen gefährlich werden kann.

Schleuser_innen, die Menschen auf ungesteuerten Schiffe transportieren, sorgen im EU-Flüchtlingskontext für Empörung und gelten als gewissenlos. Während des Nationalsozialismus wurden Schleuser_innen (im Nachgang) heroisiert, weil sie Menschen retteten. Mehr dazu auf andersdeutsch.

Ein lesenswerter Text von Antje Schrupp über „Männer, die auf Feministinnen starren“.

Neues Jahr, neuer Style-Crush, indeed: Ein tolles Interview mit der modischen Wahlberlinerin JJ auf Queer Vanity.

Habt ihr diese Woche was geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Jede Woche verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


Facebook | |


Lesbisch_queere Bücherwelten: Heteronormativität, Weltraum und Gentrifizierung

15. Dezember 2014 von Julia
Dieser Text ist Teil 89 von 106 der Serie Die Feministische Bibliothek

Julia Roßhart ist Lektorin für feministischen, lesbischen und queeren Text und promoviert zu anti-klassistischen Interventionen in der Frauen-/Lesben­bewegung der BRD. Zur Erholung liest sie Fiktionales. Und gärtnert. Julia verschlingt lesbisch_trans_queere Neu­erscheinungen – Belletristik! – und schreibt bereits Empfehlungen und Rezensionen unter der Überschrift Lesbisch_queere Bücherwelten für die feministische Online­buch­handlung FEMBooks. Auch für die Mädchenmannschaft stellt sie von nun an Empfehlens­wertes zusammen.

In wissenschaftlichen Neuerscheinungen der Gender und Queer Studies taucht der Begriff Lesbe nur randständig auf. Gilt wohl als zu identitäts­politisch. Oder zu alltäglich, ‚gewöhnlich‘? Vielleicht auch zu 80er oder – naja, zu lesbisch halt. Ausnahme aus 2014: Perverse Bürgerinnen. Staatsbürger­schaft und lesbische Existenz von Christine M. Klapeer (Ich habe es noch nicht gelesen, deshalb kann ich nicht mehr dazu sagen als: klingt vielversprechend!).

In der Belletristik sieht es etwas anders aus, was lesbische Präsenz angeht. (Das haben wir vor allem den alten und neuen lesbischen und queeren Verlagen zu verdanken.)

Acker auf den SchuhenEinen sehr berührenden und politisch überzeugenden Lesben­roman hat im vergangenen Jahr Peggy Wolf geschrieben: Acker auf den Schuhen, vom Berliner Querverlag veröffentlicht. Die einzige lesbische Protagonistin, Susann, taucht in Persona allerdings nie auf, sondern lediglich in den Erinnerungen der anderen ProtagonistInnen. Susann ist nämlich tot – sie hat ihr Leben beendet. Warum, darüber schweigt das familiäre und dörfliche Umfeld beharrlich. Wie einst Susann, findet sich die_der Leser_in in eine Umgebung gebannt, die geprägt ist durch alltägliche, still­schweigende, kaum gebrochene Hetero­normativität – alleine. Die Geschichte, die Peggy Wolf überzeugend erzählt, ist ein fiktional umgesetztes, schmerzhaftes Stück lesbischer Geschichte und auch Gegenwart.

Die wundersamen Weltraumabenteuer von Helen Hayer und Christine de CastelbaraqueEher spaßig kommen indessen Die wundersamen Weltraum­abenteuer von Helen Hayer und Christine de Castelbaraque daher, von der Autorin Judith Jennewein, 2013 beim jungen, queeren Wiener Verlag zaglossus erschienen. Eine zweifellos (mehr als) unterhaltsame lesbische Science-Fiction-Geschichte. Besondere queer-feministische Schmankerl sind: varianten­reiche Formen von Geschlecht­lichkeit – je nach Zeit­dimension und Planet!– , die sprach­politisch ebenso viel­fältig umgesetzt werden; feministische ‚Ur-Themen‘ wie Reproduktions­technologien; dazu eine Portion Kapitalismus­kritik. Verpackt ist das Ganze in ein Weltall-Reise­abenteuer, das zugleich eine Liebes­geschichte ist, und dabei: voller origineller Ideen mit Witz, die eine_n zum Schmunzeln, manchmal sogar zum Lachen bringen.

Windmühlen auf dem WeddingEin kluger Lesbenroman zum Thema Gentrifizierung erschien 2014 beim Berliner Lesben­verlag Krug und Schadenberg: Windmühlen auf dem Wedding von Astrid Wenke. Das Haus im Berliner Stadtteil Wedding, in dem Sybilla Kischotta wohnt, wird gerade verkauft, Eigen­tumswohnungen sollen es werden; und die Betreiberinnen der nahe­gelegenen Stamm­kneipe haben eine saftige Mieterhöhung im Briefkasten – Berliner Verdrängungs­alltag und Weddinger Kiezgeschichte.

Es ist nicht die ganz schlimme Verdrängungs­realität – Entmietung um jeden Preis, Zwangs­räumung, Obdachlosigkeit –, die Astrid Wenke hier erzählt. Die Haupt­figuren können der Verdrängung widerstehen: mal aufgrund von Geld­privilegien, mal aus purem Glück, mal durch gegenseitige Unter­stützung und Organisierung. Es ist eben nur eine Geschichte.

Eine große Stärke des Romans liegt im Nachspüren von alltäglichen Klassen­beziehungen und damit verbundenen Wider­sprüchen. Da ist einmal Kischotta selbst: mit kleinem Einkommen und kleiner Wohnung, aber bildungs­bürgerlicher Herkunft. Da ist die Tango tanzende Amalia, in die sich Sybilla verliebt – und das, obwohl sie für Sybilla das Bürgerlich­werden des Weddings verkörpert (Tango! Im Wedding!). Da ist die Haus­bewohnerin Martha, proletarisch und inzwischen Rentnerin, die Sybilla mehr als einmal mit deren inneren (Klassen-)Wider­sprüchen konfrontiert. Und da ist Jutta, langjährige Freundin Sybillas und Anwältin, die proletarischer Herkunft ist und auch deshalb andere Strategien rund um Wohnen und Wedding verfolgt als Sybilla …


Facebook | |



Anzeige