Einträge mit dem Tag ‘Punk’


Clean Eating, #TeamGinaLisa und jüdisches Leben in Berlin – kurz verlinkt

10. August 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 323 von 349 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Hengameh Yaghoobifarah war am Montag beim weiteren Prozesstag um Gina-Lisa Lohfink, dort sagte einer der Täter aus und der Bericht beim Missy Magazine macht (leider natürlich nicht überraschend) wütend.

Der Bundesgerichtshofes hat einen Antrag auf einen Geschlechtseintrag als „inter/divers“ abgelehnt. Die Kampagnengruppe Dritte Option, die das Verfahren inhaltlich vorbereitet und während der bisherigen Dauer begleitet hat, schreibt in einer Presseerklärung zu dem Fall.

Bei der Trans*Inter*Tagung in München haben 40 Menschen, die sich als nichtbinär oder genderqueer verstehen, Forderungen an Gesellschaft, Medizin und Politik zusammengetragen. Die Ergebnisse dieses ersten Brainstormings hat der Trans Recht e.V. veröffentlich. (Link zu PDF)

In der ZEIT interviewt Mareice Kaiser die Bestatterin Lea Gscheidel. Sie sprechen über den Umgang mit Trauer und Tod, Vertrauen und Seifenblasen.

„Deutschland vermisst jüdische Kultur? Hier sind wir und so denken wir. Ein Gruppenporträt der Dritten Generation, der Enkel von Holocaustüberlebenden in Berlin„, schreibt Mirna Funk ebenfalls bei der ZEIT.

Teresa Buecker hat bei Edition F mit der Fotografin Kirsten Becken über ihr Mutter-Tochter Kunstprojekt zu Schizophrenie „Seeing Her Ghosts – Art Book Project“ gesprochen.

englischsprachige Links

Großartiges Video bei KQED: Die Musikerinnen Michelle Gonzales (frühere Drummerin von Spitboy) und Christine Tupou (Try the Pie) essen Tacos und sprechen über ihre Erfahrungen als Frauen of Colour in der weiß-männlich dominierten Punkszene.

New study finds men are often their own favourite experts on any given subject“ – Eine Überschrift, die quasi alles sagt und hier sicher wenige überrascht. In der Studie ging es um das Zitierverhalten von Wissenschaftler_innen.

Gleich zwei wichtige neue Texte von Flavia Dzodan gibt es bei Medium: Zum einen schreibt sie über „Clean Eating and Dirty Women„, zum anderen geht es in „My feminism will be capitalist, appropriative and bullshit merchandise“ um die kommerzielle Verwertung ihres wahrscheinlich berühmtesten Zitats „My feminism will be intersectional or it will be bullshit.“.

Termine in Berlin, Leipzig und Münster

12. bis 14. August in Münster: Es findet ein queer_feministisches Sommercamp mit Vorträgen, Workshops, Musik und vielem mehr statt.

13. August in Berlin: Um 13 Uhr beginnt die Demonstration zu #NiUnaMenos. (FB-Link) Auf deutsch schrieb Stefany hier über die Hintergründe.

Ab dem 15. August in Leipzig: Los geht es beim Sidekick Leipzig e.V. – Feministisches Thai-/Kickboxen und Selbstbehauptung! Geflüchtete FrauenTransInter können dort kostenfrei trainieren. (FB-Link)

22. August in Münster: Hengameh Yaghoobifarah spricht ab 19 Uhr über die „Abwertung von Femininität in queeren Kontexten„. (FB-Link)

23. August in Berlin: Ab 17 Uhr beginnt das III. M*straßen-Umbenennungsfest. (FB-Link)

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?


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Samstagabendbeat mit Respect My Fist (und ihrer Summer Tour 2016)

16. Juli 2016 von Magda
Dieser Text ist Teil 19 von 19 der Serie Wanna Disco? Listen Up!

„ich blute, menstruiere
tante rosa ist zu besuch
und wenn ich schlechte laune hab,
dann weil ich funktionieren muss“

So fängt der Song „Ich blute“ der feministischen Punkbank Respect My Fist an, die laut Bandbeschreibung „keifenden Punk und blutigen Pop“ verspricht. Das Bandkollektiv, welches öfter mal die Musiker_innen sowie die Instrumente untereinander wechselt, geht ab Ende Juli auf Tour und ist in Deutschland, Amsterdam und Belgien unterwegs. Aktuelle Infos gibt es im Facebook-Event.

„Ich blute“ von Respect My Fist in Kiel

„Eure Mädchen“ von Respect My Fist in Athen


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Frauen im Gefängnis, Rachel Dolezal und Spenden – kurz verlinkt

18. Juni 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 284 von 349 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Vom 24. bis 26. Juli wird in Berlin das Cutie.BPoC-Festival von und für QTIBPOC (Queer_Trans * _Inter * _Black_and_People_of_Color) stattfinden. Und wie bei allen Veranstaltungen fallen Kosten an – finanzielle Unterstützung wäre also super!

Und bei Facebook veröffentlichte LesMigraS einen Spendenaufruf. In dem heißt es u.a.: „Zurzeit steigt die Anfragen an unsere Dienstleistungen von LSBT*I* Geflüchteten und sie brauchen finanzielle Unterstützung für Rechtsberatung, Psychotherapie und Gerichtskosten. Wir möchten Geld für diese Klient_innen sammeln.“ Und hier der direkte Link zur Spenden-Möglichkeit.

englischsprachige Links

Nach zwei Jahren wurde nun die angestrebte Summe von 30 Millionen Dollar im Kompensationsfond für die Opfer von Rana Plaza erreicht. Dazu schreibt Tansy Hoskins beim Guardian. (Auf Deutsch bei der Mädchenmannschaft findet ihr zum Thema einen Text zum Jahrestag des Einsturzes und eine Besprechung von Hoskins Buch.)

Kleine Geschichtsstunde bei Bust: „10 Badass Female Revolutionaries You Probably Didn’t Learn About in School„.

Während bereits viele in der neusten Staffel von Orange Is The New Black versinken, wäre dies doch auch der richtige Moment die von Autostraddle zusammengestellte Liste von Longform-Texten zu „Frauen im Gefängnis“ durchzugehen.

„How Rachel Dolezal Overshadowed the Story of Arnesha Bowers“, schreibt Darnell L. Moore bei Mic. Und beim Bitch Magazine geht Evette Dionne unter der Überschrift „Black Women Can Barely Make the News, But Rachel Dolezal Gets National Media“ der Debatte nach.

Flavorwire bespielt eine neue Artikelserie mit dem Titel „The Forgotten Women of Punk“. Sie beginnen mit einem Interview mit Osa Atoe (u.a. Macherin des Zines Shotgun Seamstress) über die sehr kleine Welt von „Black Punk“.

Und bei der Gallery of the Streets gibt es noch etwas auf die Ohren: „Live from the Underground Railroad: Black Feminist Resistance, from 1863-2015„, eine „kitchen table conversation“.


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Frauenkampftag, Germany’s Next Top Model und Punk – die Blogschau

7. März 2015 von accalmie
Dieser Text ist Teil 273 von 295 der Serie Die Blogschau

Die trans*geniale f_antifa ruft zum Inter*- und Trans*-Block auf der Demonstration zum Frauenkampftag in Berlin auf und kritisiert die mangelnde Intersektionalität des Demonstrationsaufrufs des Organisationsbündnisses. Treffpunkt des Inter*- und Trans*-Blocks sowie des Sexarbeiter_innen-Blocks ist morgen, 8. März, an der Ecke Rosa-Luxemburg-Str. / Hirtenstr. (vor dem Kino Babylon), um 13 Uhr.

Die Stiftung Zurückgeben (Stiftung zur Förderung jüdischer Frauen in Kunst und Wissenschaft) gab ihre Stipendiatinnen des Jahres 2015 bekannt, deren Projekte mit insgesamt 30.000 Euro gefördert werden.

Noah Sow plädiert für mehr Kontinuität und gegen vermeidbare Unterbrechungen in der Community-Arbeit.

10 Jahre Germany’s Next TopmodelCandy Techno schreibt über die „Lieblingsorgie des Neoliberalismus (= Castingshow)“, Paris Teilnahme, Cisnormativität und Empowerment.

Ein Fest queerer Femininitäten: In Wien fand die Veranstaltung „Purrr! _Femme!-ance!: Queer Feminities in Action“ statt – Sugarbox berichtet.

Punk ist nicht nur was für heterosexuelle, weiße Typen In_Frage_Stellen: Musik stellt den Comic von Suzy X vor.

Genderfail analysiert die „Hart aber fair“-Sendung zum Thema „Gender Mainstreaming“ und resümiert, dass die Ausgabe „eine Machtdemonstration par excellence und ein Tiefpunkt des Journalismus im öffentlich-rechtlichen Fernsehen“ war.

Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) fordert Gesetzgeber_innen in Bund und Ländern zur Streichung des Begriffs „Rasse” aus dem Grundgesetz, den Landesverfassungen und allen Gesetzestexten auf.

Die Bundesagentur für Arbeit plant offenbar, soziale Medien mithilfe eines Social Media Monitoring-Programms auszuwerten und so die Aktivitäten von bestimmten Personen, die zum Beispiel Kritik an Hartz IV oder der Bundesagentur üben, gezielt verfolgen und potenziell sanktionieren zu können. Christel T.’s Blog analysiert dieses Vorhaben und bereits vergangene Vorfälle.

Habt ihr diese Woche etwas geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Regelmäßig verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Wie viele Schlagzeugerinnen kennst du?

20. Mai 2014 von Magda

Als ich 14 Jahre alt war, stand ich das erste Mal auf einer Bühne. Vor Aufregung verknotete ich das ganze Konzert lang meine Hände ineinander; etwas, was ich heute noch tue, wenn ich nervös bin. Neben einem erwachsenen Band­leiter waren wir sechs junge Musikerinnen auf der Bühne, einige von uns lernten erst seit wenigen Monaten ihr Instrument. Mit zitternder Kopf­stimme, einer Handvoll Akkorden und fast experimentell anmutenden Tempo­wechseln rumpelten wir uns durch unser erstes Konzert.

© Totally Stressed, 2009.

© Totally Stressed, 2009.

Das war vor ziemlich genau 13 Jahren. Ich wuchs im Ostteil Berlins auf und verbrachte fortan sehr viel Zeit im Jugendclub Linse, der meiner Band einen Probe­raum und in den Folge­jahren dutzende Auftritts­möglich­keiten zur Verfügung stellte. Rockmusik, Metal, ein bisschen Hip Hop und Punk tönten aus den Proberäumen unserer (meist männlichen) Musiker­kollegen. Ehe wir uns selbst eine Band­beschreibung zulegten, waren wir „die Mädchenband“ und unsere Musikrichtung wurde als „Mädchenrock“ beschrieben. Wenige Jahre später über­nahmen wir diese Zu­schreibungen selbst und nannten unseren Musikstil „Female Art Rock“. In den männlich-dominierten Bereichen, in denen wir einen Groß­teil unserer Jugend verbrachten, lernten wir schnell, dass Geschlecht – vor allen Dingen von jenen, die von einer cis-männlichen Norm abweichen – irgendwie immer eine Rolle spielte, ob wir wollten oder nicht.

„Für eine Mädchenband seid ihr ganz gut“

Eine kleine Aus­wahl an Sprüchen gefällig, die viele Musikerinnen hören?*

  • „Das ist hier kein Kaffeekränzchen“ – der genervte Ton­techniker, weil der Soundcheck mal etwas länger dauert.
  • „Hier musst du dein Kabel reinstecken“ – irgendein Musiker zur Bassistin, die eigentlich genau weiß, wohin sie das Kabel in ihren eigenen Bass-Amp stecken muss.
  • „Oh cool, du bist in einer Band? Singst du?“ – irgendein Musiker, der sein Musiker-Dasein nie hinterfragen muss, aber automatisch annimmt, dass eine Frau singt. Obwohl sie Schlag­zeugerin oder Gitarristin ist.
  • „Warte, ich trage das“ – ein hilfs­bereiter Musiker, der nur Musikerinnen (nicht anderen Musikern) seine Hilfe anbietet und sich vielleicht nicht vorstellen kann, dass wir seit Jahren unsere eigene Technik tragen.
  • „Sorry, aber eigentlich dürfen hier nur Band­mitglieder in den Backstage“ – das letzte Mal habe ich das auf einem Festival vor ungefähr einem Jahr gehört (Hallo, 2013!), auf dem ich mit meiner Band spielte. Ich konnte ja unmöglich Musikerin sein und wurde wohl für einen Fan der Band gehalten.
  • „Für eine Mädchenband seid ihr ganz gut“ – Klassiker. Hundertmal gehört.

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Samstagabendbeat mit Make Music Not Love

28. September 2013 von Anna-Sarah

Wir haben heute leider kein Video für euch, dafür aber ein super Blog und die dazugehörige Facebookseite von: Make Music Not Love. Mit Songs über häusliche Gewalt, Hetenpärchen und Androzentrismus, live und direkt aus dem Proberaum. Wir jubeln.

Die Band über den Song „t_error“:

die strophen des textes sind sammlungen von aussagen und fragen, die an uns gerichtet wurden_werden: teilweise aus dem eigenen familien- und freund_innenkreis, teilweise von uns unbekannten personen, die es irritiert, wenn frauisierte sich in ihrem handeln_leben nicht_kaum auf typisierte beziehen. da bleibt nicht viel zu sagen außer: T_ERROR!!!

männer – wo sind denn die männer?
männer – hast du was gegen männer?
männer – waren denn da auch männer?
wir kennen gar nicht deinen männergeschmack.

t_ERROR

du hast dich radikalisiert.

t_ERROR

error – wo sind denn die männer?
error – du hast dich radikalisiert.
error – hast du was gegen männer?
error – du hast dich radikalisiert.

du hast dich radikalisiert.


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Gegen Karrieredruck und für mehr Zeit an den Instrumenten

13. Februar 2012 von Magda
Dieser Text ist Teil 12 von 19 der Serie Wanna Disco? Listen Up!

Die Leipziger Punk-Band Kenny Kenny Oh Oh hatte nicht etwa die US-amerikanische Fernsehserie South Park sondern einen Song von Le Tigre im Kopf, als sie ihren Bandnamen aussuchte. Im Interview mit der Mädchenmannschaft sprechen die Musikerinnen über die feministische Musikszene in Leipzig, nerviges Mackerverhalten und ein ätzendes Jurastudium.

Vier junge Frauen an ihren Instrumenten (Schlagzeug, Gitarre, Bass, Gesang) auf einer kleinen, dunklen Bühne.

Kenny Kenny Oh Oh - Live Bild

Ihr kommt aus Leipzig. Wie schaut es dort mit einer feministischen (Musik-)Szene aus?

Made: Eine direkt vernetzte feministische Musikszene gibt es in Leipzig eigentlich nicht. Es gibt einige Bands, in denen Frauen spielen, die auch in feministischen/queeren Strukturen aktiv sind. Ob die Bands aber auch als solche einen explizit emanzipatorischen Anspruch vertreten, können wir nicht so genau sagen. Außerdem gibt es ziemlich viele und gute DJanes in Leipzig, die (queer-)feministische Ansprüche vertreten. Auch im Visual Bereich hat sich da in den letzten Jahren einiges getan. Die ganze Hardcore/Punk-Szene dagegen nehmen wir hingegen immer noch als sehr männerdominiert wahr.

Macht ihr oft Erfahrungen mit Mackerverhalten?

Fritte: All the fucking time! Da Macker oft auch Mucker sind, ist es aber oft schwer auseinanderzuhalten, ob sie nun ein Problem mit der Tatsache haben, dass wir Frauen sind oder ganz einfach damit, dass wir sehr einfachen Punk machen. Wahrscheinlich ist es oft letzteres. Und das wird dann verbunden mit der Annahme, dass wir damit nur auftreten dürfen, weil wir ne „Frauen-Band“ sind. Was teilweise halt auch stimmt. Aber eben nur teilweise.

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Russische Feministinnen rocken gegen den Staat

23. Januar 2012 von Magda

Mit Punk gegen autoritäre Strukturen! In knall­bunten Sommer­kleidern und mit selbst­gestrickten Neon-Masken protestierte die feministische Punkband Pussy Riot in Moskau auf dem Roten Platz gegen den paternalistischen russischen Staat und seine ver­krusteten, sexistischen Strukturen. Die Musikerinnen riefen dazu auf, öffent­liche Plätze in Russland zu besetzen und für politische Reformen zu kämpfen, so die Berliner Morgenpost.

„Wir erinnern uns an die Ereignisse des Jahres 1968“, schreiben Pussy Riot in ihrem Blog [Anmerkung: mit Google Translate könnt ihr die Seite auf Deutsch oder Englisch lesen]. „Die gleichen Macht­strukturen wie bei Breschnew regieren das Land immer noch, sie sind nicht weg. Nur die Formen des Autoritarismus, der Kontrolle und des staat­lichen Terrors haben sich geändert… Bürger werden in Russland bis heute von den Macht­habern für psychisch Kranke gehalten, die keine Ent­scheidungen selbst­ständig treffen können“.

Auf dem Roten Platz spielten die Musikerinnen ihren Song „Putin Has Pissed Himself„, in dem sie den derzeitigen Minister­präsidenten und erneuten Präsident­schafts­kandidaten Wladimir Putin kritisieren. Sie singen: „Aufstand in Russland – Charisma des Protests, Aufstand in Russland – Putin hat Schiss“ (auf ihrer facebook-Seite hat Riot Grrrl Berlin den gesamten Songtext auf Englisch zum Nach­lesen).

Die Aktivistinnen wurden daraufhin von der Polizei ver­haftet und ver­prügelt, aber glück­licher­weise nach Stunden (vorerst) wieder frei­gelassen. Erschreckend, wie die russische Polizei mit feministischem Protest umgeht…

Die Band ist für ihre Protestauftritte bekannt. So spielte sie bereits auf dem Vorbau des Moskauer Unter­suchungs­gefängnisses oder auf dem Dach eines Busses. Inspiriert wurden die Punkerinnen laut eigener Aussage vom Arabischen Frühling. So geht es ihnen primär um Politik und nicht darum, Aufmerk­sam­keit für ihre Band zu erlangen. Die Aktionen zeigen auch schon erste Wirkungen: In anderen russischen Städten gibt es bereits Nach­ahmerinnen – ganz nach dem Motto der Musikerinnen: Krawall ist niemals leise!

Einen Hörbeitrag zu den Pussy Riots mit weiteren Informationen findet ihr bei Radio Bayern.


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Mit aufgeklebten Bärten und ausgeliehenen Stöckel­schuhen

8. September 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 6 von 19 der Serie Wanna Disco? Listen Up!

Supernachmittag

Seit 2003 gibt es „Supernachmittag“ in der Duo Formation mit Sol Haring (git, vox, blues harp) und Anita/Peter Mörth (bass, vox, geige). Sol ist Musikerin in diver­sen Pro­jekten, Digital Media Künstlerin und Wissen­­schaftlerin in Graz. Anita/Peter ist Musiker, Künstlerin, Wissen­schaft­lerin und derzeit Qualitäts­­manager in Berlin. Im Inter­view mit der Mädchenmannschaft sprechen die beiden über die Grazer feministische Musik-Szene, die Verbindung von Gender Theorie und Musik und über irritierte Konzert­gänger_innen. Nicht nur musikalisch sind sie gut ausgestattet: Bärte, Stöckel­schuhe, Röckchen und Sakkos; Kot­letten, Männer­schuhe, Zigarren und Gitarren.

Was hat es eigentlich mit eurem Namen “Supernachmittag” auf sich?

Sol: Anita/Peter hat den Namen erfunden. Unsere Ab­kürzung – ein Name, unter dem wir auch be­kannt sind – ist: SNM.

Peter: Anfangs waren mehrere Inter­­pre­tationen für die Ab­kürzung im Spiel: von Sol aNd Moerth bis SexyNightMare – aber Super­nachmittag ist es dann ge­worden.

Ihr kommt aus Graz (Österreich). Gibt es dort so etwas wie eine feministische Musik-Szene?

Sol: Ja, die gibt es gerade vermehrt, im Forum Stadt­park gibt es zwei­mal jährlich die Grrrls Night Out, im November mit dem Motto „noise“. Es gibt außer­­dem ein sehr aktives Ladyfest Team und die OeH der Uni setzt sich auch für Frauen in der Musik ein.

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Revolutionäre Mädchen

5. September 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 57 von 128 der Serie Die Feministische Bibliothek

Zwanzig Jahre nachdem Bikini Kill Frontfrau Kathleen Hanna sich das Wort ‚Slut‘ quer über den Bauch schrieb und das Riot Grrrl Manifest in einer Ausgabe eines Zines erschien, blicken wir zurück auf eine Bewegung, die ausgehend vom Nordwesten der USA weltweit neue Diskussionen zu Feminismus, weiblicher Selbst­bestimmung und Frauen in männer­dominierten Sphären wie Punk oder Rock Musik entfachte.

Ein Buch aus dem Mainzer Ventil Verlag wagt nun den ersten deutsch­sprachigen Rück­blick auf diese pop­kulturelle Jugend­bewegung, die erst­malig fast aus­schließlich von Mädchen und jungen Frauen ins Leben gerufen wurde: „Riot Grrrl Revisited. Geschichte und Gegen­wart einer feministischen Bewegung“.

Die Herausgeber_innen Katja Peglow und Jonas Engelmann haben eine Reihe an spannenden Interviews, Essays und Kurz­porträts zu­sammen­ge­tragen und teil­weise übersetzt. Aus­ge­stattet mit wunderbaren Illustrationen mutet das Buch selbst streckenweise wie ein liebevoll-selbst­gestaltetes Zine an.

Symphatisch beginnt das Buch mit einer Einleitung, in der sich die Heraus­geber_innen von vermeint­licher Objektivität distanzieren, da sie sich nicht ganz von einer „Nineties-Nostalgie“ befreien können. Vielmehr wollen Peglow und Engelmann sich der Bewegung, die nach Europa meist nur in Form eines niedlich-gezähmten Mädchenkults oder als kapitalistisch verwertbare Girl Power rüber­schwappte, mit den Fragen nähren:

Was ist von der Revolution übrig geblieben? Wo sind die Rebel Girls von heute? Denn: Geblieben ist einiges, verändert hat sich für Frauen im Musik­geschäft eher weniger.

Das Buch skizziert die Entstehungs­ge­schichte der Riot Grrrl Bewegung und beleuchtet diese in ihren ver­schiedenen Facetten kritisch: Wer waren die Akteur_innen und wo lebten sie, was waren ihre Ziele und Bot­schaften, welcher Ästhetik bedienten sie sich? Das Themen­spektrum ist viel­fältig und beleuchtet Musik, die Lyrics und die Filme der Riot Grrrls, befasst sich mit Körper­politik, lesbischer Kultur und race/Rassismus innerhalb der Bewegung bis hin zu aktuellen feministischen Aktivitäten wie Ladyfeste oder das Girls Rock Camp. Am Ende haben die Herausgeber_innen noch ein „Who is Who“ und ein Riot-Grrrl-ABC zusammengetragen, in denen mensch stöbern kann und erfährt, was ‚Backlash‘, ‚Queercore‘ oder ‚Zines‘ sind.

Einen fetten Minuspunkt gibt es für die in den Übersetzungen verwendete Sprache: Wieder­holt finden sich dort diskriminierende Wörter – selbst im Kapitel „Race & Riot“, das sich kritisch mit den Rassismen innerhalb der Community auseinandersetzt. Es ist schade, dass in einem Buch über Feminismus und Selbst­ermächtigung so wenig Wert auf diskriminierungs­freie Sprache und Selbstbe­zeichnungen gelegt wird.

Obwohl die sprachlichen Fehlleistungen das Lese­vergnügen einschränken, ist das Buch empfehlens­wert. Es bietet einen leicht ver­ständlichen und bilder­reichen Einstieg in die feministische pop­kulturelle Bewegung, die Musiker_innen und Aktivist_innen bis heute prägt und hält auch für all diejenigen unzählige Anekdoten und Insider-Berichte parat, die sich schon jahrelang mit den Grrrls be­schäftigen.

So gilt damals wie heute: Revolution Girl Style Now!

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Das Buch über diesen Link zu bestellen, unterstützt die Mädchenmannschaft.
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