Einträge mit dem Tag ‘Privileg’


Privilegien 1×1: Weiß ich nicht, interessiert mich nicht, ich informier’ mich nicht

19. September 2011 von Helga

Aus der MacLife, Ausgabe 10/2011, haben wir ein Schmankerl zugeschickt bekommen, dass das abstrakte Konzept der „Privilegien“ schön illustriert. In der Zeitschrift wurden unter anderem die, im Internet bereits heiß diskutierten, Einstellungen des neuen Dienstes Google+ vorgestellt.

Einstellungen in Google+  Rot hervorgehoben ist die Einstellung Gender: Other und darunter die Schrift -Pflichtfeld ist außer dem Namen das Geschlecht, aber auch dies kann auf Other gestellt werden – was auch immer das bedeuten soll

Hm, was also könnte „Other“ bedeuten? Außer der Möglichkeit, sich der Zwangseinordnung in unserer Zweigeschlechtlichkeit zu entziehen? Wer über den Tellerrand seines eigenen Landes blickt (Journalist_innen würden es auch recherchieren nennen), stellt etwa fest, dass nicht jedes Land nur zwei Geschlechter anerkennt. In Indien und Pakistan etwa ist „Other“ tatsächlich die Bezeichnung für ein drittes Geschlecht. Auch Australien hat jetzt eine dritte Kategorie eingeführt, „X“ genannt – der Kampf von Norrie im letzten Jahr scheint also etwas bewirkt zu haben.

Wer, wie hier anscheinend die Redaktion, über etwas ihm oder ihr unbekanntes stolpert, hat zwei Möglichkeiten. Zum Einen das Unbekannte in Google (die Suchmaschine) einzugeben oder sich z.B. in einer Bibliothek in der Genderliteratur zu informieren. Zum Anderen das einfach zu ignorieren und dann noch der ganzen Welt völlig selbstverständlich diese Ignoranz zu präsentieren. Ganz nach dem Motto: „passiert schon nichts, sind ja nur wenige von betroffen und ich gehöre nicht dazu“. So stellt man sein Privileg zur Schau.


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Lesestoff zum Wochenende: Die Blogschau.

14. Mai 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 107 von 144 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Nichts mit Hinlegen und das erste Mal über sich ergehen lassen. Stattdessen wird dasguteleben lieber Fräulein Doktor.

Die perfekte Frau? Vergiss es, meint heartdoublebase.

Worauf muss ich beim Bloggen achten? Die Opalkatze hat Links zu­sammen­gestellt, die sich mit Rechtsfragen für Blogger_innen auseinandersetzen.

Noch mehr rechtliche Fragen klärt rechtundgeschlecht – es geht um die geplante Kostenübernahme von künstlichen Befruchtungen.

Rund um den Muttertag gab es in Österreich verschiedene feministische Aktionen. Die denkwerkstatt hat Links und Berichte zusammengetragen, außerdem auch zu einer Aktion zum Dauerbrenner „Frauen in der Wissenschaft“.

Immer gefährlicher wird die Lage für Homosexuelle in Uganda. Einen Dokumentarfilm über den Einfluss der US-amerikanischen Rechten hat rhizom gefunden.

Noch mal Uganda: Die LGBT-Aktivistin Kasha Jacquelin Nabagesera erhält von Amnesty International den Martin Ennals-Menschenrechtspreis, berichtet queernews.at.

Silvana Koch-Mehrins Verhalten ist unmöglich. Frauenfeindliche Kommentare deswegen und Hetzen gegen Politikerinnen mit Kindern aber auch, bloggt Manu.

Fürs Missy Magazine bloggt weiter das Team Film. Diesmal analysiert Samanta den Tarantino-Film Death Proof, bzw. wie ein Auto für Kastration stehen kann.

Die Punkrock- und Hardcore-Szene ist kein sexismusfreier Raum, stellt different needs fest.

Mit Privilegien setzt sich iheartdigitallife auseinander und verlinkt “How Can I Be sexist? I’m An anarchist!”

Feministische Perspektiven auf Mutterschaft will künftig fuckermothers bieten (via mädchenblog).

Last but not least und einfach weil’s schön ist: Semia erzählt Geschichten.

Für eine bessere Vernetzung der (feministischen) Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Punk, Kiana Ferouz, Burkinis&Bikinis, Eva Herman, Abtreibung, Geeks, Experimente und Niedriglöhne

28. Juli 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 53 von 138 der Serie Kurz notiert

The F-Word hat eine bisher 4-teilige Serie über Frauen in der Punkmusik.

Der Asylantrag der iranischen Schauspielerin Kiana Ferouz wurde nun doch angenommen. Obwohl Homosexualität im Iran verfolgt wird, bedurfte es erst einer Online-Petition, damit die britischen Behörden ihre Ablehnung überdachten (s.a. Artikel und Kommentar).

Mehr Burka-Neuigkeiten: Der Telegraph berichtet über den Rauswurf zweier Burkini tragenden Frauen aus einem französischen Schwimmbad. Und: In syrischen Schulen ist die Burka bzw. der Nikab nun auch verboten.

Frau Herman: Sie  nerven! Gnurpsnewoel kommentiert Hermans letzten Totalausfall mit den Worten: ”Ich will in Eva Hermans Welt nicht leben müssen.“ Auch auf Philibuster schreibt Nadia Shehadeh über den geistigen Absturz der Eva Herman.

Der Freitag über den Bikini, “Alptraum in zwei Teilen“: “Im Namen quasi atomar belastet, stand er zunächst für sexuelle Befreiung. Heute ist er Instrument weiblicher Selbstkontrolle.”

Sechs Frauen bekamen in Guanajuato in Mexiko 25 – 30jährige Haftstrafen, weil sie Abtreibungen vornehmen ließen. Schuldig gesprochen wurden sie wegen Totschlag, wie feministing berichtet.

Jamie Keiles ist eine High School Absolventin in Pennsylvania in den USA, die mit ihrem Blog TheSeventeenMagazineProject ein interessantes Experiment startete: Wie sieht das Leben aus, wenn frau nach den Regeln des Seventeen Magazine lebt?

DieStandard konstatiert, dass jede_r Fünfte in Deutschland im Niedriglohnsektor arbeitet: “Besonders stark von Niedriglöhnen betroffen sind junge Beschäftigte unter 25 Jahren, AusländerInnen, gering Qualifizierte, befristet Beschäftigte und Frauen.”

Geekfeminism hat einen interessanten Artikel über Computer Geeks und Privilegien: “If you were hacking since age 8, it means you were privileged.


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Noch ein letztes Mal Weihnachten: Was ist Privileg?

30. Dezember 2009 von Helga

Ein (online nicht mehr verfügbares) Bild von PostSecret demonstriert die Konsequenzen von Privilegien:

 Zerknülltes Geschenkpapier, oben weiß mit Aufschrift: I hate having to pay attention to the type of wrapping paper I buy now that I have Jewish friends, unten blau mit silberglänzenden Schneeflocken

I hate having to pay attention to the type of wrapping paper I buy now that I have Jewish friends – Ich hasse es, dass ich beim Einkauf auf die Art des Geschenkpapiers achten muss, seit ich jüdische Freunde habe.

Wie Lisa von Sociological Images erläutert, bedeutet priviligiert zu sein, einfach in die Gesellschaft zu “passen” und allein über das eigene Sein zu profitieren. Die Aufgabe seines Privilegs, geht damit einher, etwas aufzugeben, ob groß oder klein.

Normalerweise kaufen wir einfach eine Rolle weihnachtliches Geschenkpapier und wickeln alle Weihnachtsgeschenke darin ein. Doch Tannenbäume und Weihnachtsmänner sind nicht die passende Verpackung für Chanukkageschenke. Statt die jahrelange Routine weiterzuleben, muss an andere gedacht werden, eine zweite Rolle gekauft werden. Vielleicht stört es die jüdischen Freunde auch nicht, Weihnachtspapier um die Geschenke zu haben. Das erfährt man aber auch erst, wenn man sie fragt.

Kleine Dinge, die scheinbar trotzdem zuviel sein können. Klar, am Ende hat man eine jüdische Freundin, die keine Weihnachtsbäume mag, einen Freund, den es nicht stört, wie die muslimische Freundin, der Atheist feiert Weihnachten gar nicht und mit dem anderen Moslem kommt man überein, dass er ein Weihnachtsgeschenk bekommt und man selbst am Fastenbrechen teilnimmt. Kompliziert und anstrengend.

Doch jede und jeder der Freunde, fühlt Weihnachten sehr deutlich, nicht zu “passen”. Denn die meisten Deutschen gehen davon aus, dass jede_r Weihnachten feiert und müssen erst aufgeklärt werden, dass dem nicht so ist. Interessierte Mitbürger fragen noch nach den eigenen Einstellungen, manche sehen einen schon als Sprecher für seine (Nicht-)Konfession: “Was macht ihr Atheisten an Weihnachten denn so?” Ignorante Zeitgenossen machen einfach das, von dem sie meinen, es sei angebracht und beschenken einen ungefragt mit oder eben gar nicht.

Weitere Privilegien sind z.B. Heterosexualitität, (cis-)Männlichkeit oder helle Haut.


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