Einträge mit dem Tag ‘Politik’


Bloggen wider Marketinganleitungen

13. Oktober 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 83 von 103 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

andreame

Wie heißt du?
Andrea Mayer-Edoloeyi (@andreame)

Seit wann bloggst du?
Ich blogge seit 2008 und wundere mich mittlerweile, warum ich damit nicht früher angefangen habe. Meine ersten eigenen Inhalte im Web stammen aus den frühen 1990ern, die geniale Form Blog habe ich wirklich etwas spät entdeckt.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Neugier. Ausprobieren. Immer wieder gibts es Inhalte, die ich gerne mit anderen teilen möchte. 140 Zeichen auf Twitter sind dafür oft nicht genug und ein Blog ist eine hervorragende Basis für die Kommunikation im Internet.

Worüber schreibst du?
Ich verstehe mein Blog andreame als privates Blog, wo ich über das schreibe, was mir gerade in den Sinn kommt. Das ergibt dann einen ziemlich bunten Themenmix, wo in jeder Marketinganleitung zu lesen ist, dass das so nicht geht. Das ist mir aber ziemlich egal, ich will mich da lieber von meiner Intention leiten lassen und im Blog die Widersprüche, die mein Leben so mit sich bringt, nicht zudecken. Vielleicht sogar eher die einen oder den anderen überraschen, was mich auch noch beschäftigt. Themen, die mich immer wieder interessieren, sind Politik, Feminismus, Theologie und Social Media, ab und an gibt es auch Lokales aus Linz, aber sogar Urlaubsfotos und ein bisschen Cat-Content in sanften Dosen.
Da ich als Social Media Managerin für die Katholische Kirche in Oberösterreich / Katholische Aktion arbeite, blogge ich auch viel auf http://kirche20.at. Dort dann natürlich vor allem Fachliches zum Thema Kirche und Social Media, aber auch mit etwas persönlichem Touch. Sonst ist es ja kein Blog.

Was dir ohne Internet nicht passiert wäre:
Das ist soviel, dass mir da jetzt nichts Gscheites einfällt. Sorry.

Wovon braucht das Internet mehr:
Frauen*, Männer* und …*, die das, was ihnen wichtig ist und wofür sie persönlich stehen, öffentlich machen und zur Diskussion stellen. Politische Rahmenbedingungen, die sicherstellen, dass das auch wirklich möglich ist.

Frauen* im Web…
sind da genauso vielfältig und überraschend wie sonst auch.

Deine tägliche Web-Lektüre:
Ca. 100 RSS-Feeds, meinen Twitter- und Facebook-Stream und sonst noch so allerlei über das ich gerade stolpere. Oft sind das sehr kontroverse Lebenswelten, das mag ich aber.

Tipps und Bewerbungen für die WWW Girls an post(at)maedchenmannschaft.net.


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Mode ohne Models, rassistische Werbung und feministisches Dating – Kurz Notiert

5. Oktober 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 124 von 152 der Serie Kurz notiert

Ein Interview mit Samhita Mukhopadhyay von feministing zu ihrem neuen Buch über Dating und Feminismus findet ihr auf The Globe and Mail.

Gerade wurden die Gewinner_innen des Alternativen Nobelpreise bekannt gegeben. Unter den Geehrten werden zwei Aktivistinnen sein, die sich seit Jahren für Frauen und Kinder einsetzen: die Rechtsanwältin Jacqueline Moudeina aus dem Tschad und die US-amerikanische Hebamme Ina May Gaskin.

Kübra Gümüsay gehört laut dem Magazin für Journalisten zu den Top 30 Journalist_innen unter 30. Herzlichen Glückwunsch!

„Mütter spielen eine stärkere Rolle, ob ihre Kinder sexistisch eingestellt sind als Väter“ – diese Nachricht von Telepolis wurde gerade durch die Twittersphäre gereicht. Entwarnung für Männer gibt sie allerdings nicht: Sie waren durchweg sexistischer eingestellt als Frauen.

2007 zog sich die Technikbloggerin Kathy Sierra nach Todesdrohungen aus dem Internet zurück. Nun ist sie wieder da und äußert sich zur Pseudonymdebatte: Denkt nach was ihr schreibt und moderiert Kommentare! (Trankskript des Videos von geekfeminism)

Wie sehen Modelposen eigentlich aus, wenn sie von Frauen jenseits normschöner Idealmaße gezeigt werden?

Am 1. Oktober fanden SlutWalks in Seattle und in New York City statt. In New York kam es zu einem ekelhaften Vorfall, bei dem ein Trans*mann verhaftet und völlig unangemessen von der Polizei behandelt wurde.

Laut NDR.de liegt erstmals in Deutschland die Führung eines Landesparlaments ausschließlich in den Händen von Frauen: Der neue Landtag in Schwerin.

Homophobe Kackscheiße: Eine neue App auf dem französischen Markt soll herausfinden, ob der Sohn schwul ist.

Schon etwas älter, aber immer noch interessant: “Kann ein Geschlechtsteil rassistisch sein?” – fragt Oliver Baroni auf 20 Minuten Online. Wohl nicht – Aber Werbung für ein Intim-Hygieneprodukt durchaus.

Termine

Am 13. Oktober findet in der Begine in Berlin eine Veranstaltung zur Lesbenbewegung in Afrika statt. Die Referentin Liz Frank lebt seit 21 Jahren mit ihrer Lebensgefährtin in Windhoek, Namibia und ist Aktivistin der dortigen Lesbenbewegung.

Vom 13. bis 15. Oktober findet das QueerFilmFest in Rostock statt.


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Für besseren grenzüberschreitenden Opferschutz

5. Oktober 2011 von Franziska
Dieser Text ist Teil 14 von 19 der Serie Post aus Brüssel

Salut,

Vor mehr als einem Jahr wurde die Europäische Schutzanordnung auf Initiative von zwölf Mitgliedstaaten der EU (Belgien, Bulgarien, Spanien, Estland, Frankreich, Italien, Ungarn, Polen, Portugal, Rumänien, Finnland und Schweden) auf die europäische Agenda gesetzt. Ziel war es, Opfern von Gewalt die Mobilität innerhalb der Europäischen Union zu erleichtern, indem zum Beispiel Schutzanordnungen auch in anderen EU-Ländern anerkannt werden.

Illustration: (c) Eva Hillreiner

(c) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Bereits im Dezember 2010 hatte sich das Europaparlament klar für mehr grenzüberschreitenden Opferschutz ausgesprochen: So forderten die Abgeordneten, dass Opfer von Gewalt (hauptsächlich Frauen, die Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt werden, aber auch Kinder und Männer) eine Europäische Schutzanordnung in einem Mitgliedstaat der EU beantragen und diese dann in einen anderen Mitgliedstaat mitnehmen können (z.B. bei einem Umzug von Deutschland nach Spanien). Dort werden dann die entsprechenden Schutzmaßnahmen – egal, ob zivil-, straf- oder verwaltungsrechtlicher Art – getroffen. Außerdem sollte die Schutzanordnung viel Flexibilität bei der Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten bieten, das heißt, dass sowohl Zivil-, Straf- und Verwaltungsbehörden die Schutzanordnung ausstellen können. Das würde die Zusammenarbeit der Behörden erheblich vereinfachen. Außerdem soll auch der/die Täter_in, von dem/der die Gewalt ausgeht, angehört werden.

Jedoch kam es im Rat der EU, also auf Ebene der Mitgliedsstaaten, zu Widerstand gegen die klaren Forderungen des Parlaments. Besonders Österreich, die Tschechische Republik, Deutschland und die Niederlande blockierten lange Zeit eine Einigung im Rat. Doch nun gibt es ein Happy End: Der Rat hat einen Kompromisstext angenommen, der in Verhandlungen mit dem Europaparlament entstanden ist und auch von der Europäischen Kommission akzeptiert wird. Er hat die Forderungen des Parlaments zum großen Teil aufgenommen. Einer erneuten Annahme des Parlaments bei seiner nächsten Straßburg-Sitzung steht nun nichts mehr im Weg. Die Richtlinie zur Europäischen Schutzanordnung muss dann innerhalb von drei Jahren in nationales Recht umgesetzt werden.

Viele Grüße aus Brüssel,
eure Franzsika


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Saudi-Arabien führt Frauenwahlrecht ein

27. September 2011 von Magda

Im März riefen einige Frauen aus Saudi-Arabien die Revolution aus, nun gibt es über­raschende Neuig­keiten: Der saudische König Abdullah hat vor Kurzem ent­schieden, dass nun auch Frauen bei den Kommunal­wahlen ihre Stimme abgeben und sich als Kandidatinnen auf­stellen lassen können. Die kommenden Wahlen, die bereits diese Woche statt­finden, müssen allerdings noch ohne Wählerinnen aus­kommen: Die Neu­re­gelung tritt voraus­sichtlich erst ab 2015 in Kraft. Laut ZDFheute hatte sich der 88-jährige Monarch Abdullah, der über das Königreich Saudi-Arabien herrscht, während seiner nun sechsjährigen Regent­schaft immer wieder für “vor­sichtige gesell­schafts­politische Re­formen” aus­ge­sprochen.

Bislang haben Frauen in Saudi-Arabein keinerlei politisches Mit­sprache­recht. Sie dürfen ohne Be­gleitung eines männlichen Ver­wandten nicht das Haus ver­lassen, werden für viele Berufe nicht zu­ge­lassen und auch das Auto­fahren ist ihnen nicht er­laubt, so N24 und ZDFheute. Erst im Mai wurde Manal al-Sharif, die die Kampagne “Frauen ans Steuer” ins Leben rief, verhaftet, weil sie selbst ein Auto fuhr.

Aber: Auch Männer können erst seit 2005 und nur bei Kommunal­wahlen ihre Stimme ab­geben. Wie­viel Ein­fluß die Wahlen in Saudi-Arabien haben, ist also frag­lich, denn die Hälfte der Minister wird ohnehin vom König er­nannt.

Mehr zum Thema hat die West-Östliche Diva.

Vielen Dank an unsere Leserin Helena für den Linktipp. Falls ihr einen interessanten Artikel gefunden habt, könnt ihr uns über unser Kontaktformular, Facebook oder Twitter erreichen. 


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Angst vor Frauen als Ursache für Sexismus?

8. September 2011 von Anna-Sarah

Aktuell bei Twitter rumgereicht wird ein Interview mit dem Sozialpsychologen Rolf Pohl, das Heide Oestreich 2009 für die taz geführt hat.  Pohl lehrt  an der Uni Hannover Sozialpsychologie, seine Arbeitsschwerpunkte sind laut Wikipedia männliche Sexualität und Geschlechtsidentität, Antisemitismusforschung sowie psychoanalytische und sozialpsychologische Fragen zu NS-Tätern und ihren Verbrechen.  Amüsantes* “biografisches” Detail am Rande: Auf einer  maskulistischen und hier sicherlich nicht verlinkten (aber bei Bedarf leicht googlebaren) Website wird Pohl als “Nestbeschmutzer”, der “Angehörige des Geschlechts, dem er selber angehört, degradiert”, an den “Pudel-Pranger” gestellt und ihm wird – Achtung, Realsatire – die  “mutwillige Gefährdung des Geschlechterfriedens durch Schaffung eines männlichen Feindbildes” vorgeworfen…

Das Interview ist also nicht brandaktuell,  aber interessant genug, um hier jenen, die den Artikel noch nicht kennen (ich gehörte bis vor sehr kurzem selbst auch dazu) nochmal vorgestellt zu werden – zumal er inhaltlich innerhalb der letzten zwei Jahre wenig an Aktualität verloren hat.  Der  für meinen Geschmack streckenweise recht pampige Ton in den Fragen von Heide Oestreich, der wohl spritzig-kess bis konfrontativ-investigativ rüberkommen soll, mag zwar bisweilen etwas nerven, doch es lohnt, sich Pohls Ausführungen zu Gemüte zu führen.

Hier eine Kostprobe:

Aber “Sexismus” war eine Kampfparole in einer Zeit, in der Männer ihren Herrschaftsanspruch noch ganz offen formulierten. Heute ist sexistisches Verhalten offiziell verpönt, wir haben eine rhetorische Modernisierung erlebt. Weil die Diskriminierungen subtiler geworden sind, wirkt der Begriff nun ungenau. Ich würde auch nicht mehr sagen, wir leben in einem Patriarchat, sondern: Wir leben in einer männlich dominierten Gesellschaft mit klaren Geschlechterhierarchien. Niemand sagt mehr: Eine Frau darf nicht Bundeskanzlerin oder Führungskraft werden. Aber die Eigenschaften, die etwa dem Amt von Frau Merkel zugeschrieben werden, sind einer positiven Vorstellung von dominanter Männlichkeit entliehen. Und dann ist das Geschlecht der Amtsinhaberin natürlich mediales Dauerthema. Dieser Umstand ist mit “hegemonialer Männlichkeit” besser beschrieben als mit dem Begriff Patriarchat, in dem eine Frau auf dem Posten des Kanzlers nicht akzeptabel ist.

A propos hegemoniale Männlichkeit: Das Interview selbst ist ein Paradebeispiel dafür, wessen Positionen zu Genderfragen  als Expertise aufgegriffen, verbreitet und zur Kenntnis genommen werden und welche medial ein eher randständiges Dasein führen…

Spannend wird es vor allem da, wo Pohl  männliche Angst als wesentlichen Faktor für die von ihm beschriebenen gesellschaftlichen Schieflagen ausmacht – diese These eignet sich sicherlich hervorragend zum Diskutiertwerden. Ich persönlich hoffe vor allem, dass Pohl (z.B. durch Verfolgen der Mädchenmannschaft :-) ) mittlerweile sein anscheinend etwas verzerrtes Bild des “neuen Feminismus”, der angeblich Männlichkeitsideale nicht infrage stelle, die vorherrschenden Machtstrukturen nicht analysiere und dem allgemeinen Trend der Individualisierung folgen würde, revidiert hat. Zugegeben,  im Interview wird nicht zu 100% klar, ob er damit seine eigene Auffassung beschreibt oder die mediale Darstellung des Phänomens “Alphamädchen” kritisiert.  Stimmt letzteres, ist es umso mehr schade, dass er die Gelegenheit nicht genutzt hat, da was richtig zu stellen.

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*Ich hoffe inständig, dass die maskulistischen Verunglimpfungen keinerlei negativen Folgen für Herrn Pohl und die anderen dort diffamierten Personen haben/hatten und sie sich daher selbst auch über die Lächerlichkeit dieser Anwürfe amüsieren können/ konnten  -  ansonsten wäre es natürlich absolut verfehlt, meinen Fund als auch nur ansatzweise “amüsant” zu bezeichnen.


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Happy End für Malta

31. August 2011 von Franziska
Dieser Text ist Teil 13 von 19 der Serie Post aus Brüssel

Salut,

in meinem Beitrag vom 25. Mai habe ich euch bereits von dem spannenden Referendum in Malta berichtet, in dem es um die Einführung des Rechts auf Scheidung ging. Am 28. Mai haben sich 53,2 Prozent der Malteserinnen und Maltesen für und 46,8 Prozent gegen das Recht auf Scheidung ausgesprochen – das Referendum war somit erfolgreich!

Illustration: (c) Eva Hillreiner

(c) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Nun ist der nächste große Schritt geglückt: Zwei Monate nach dem historischen Referendum wurde der Wille der Mehrheit der Malteserinnen und Malteser in ein Gesetz umgewandelt. Am 26. Juli stimmten 52 Abgeordnete für und nur 11 gegen (5 Enthaltungen) das Gesetz, das eine Scheidung ermöglicht. Obwohl der Premierminister Lawrence Gonzi vor dieser Abstimmung einwilligte, den Willen des Wahlvolkes zu berücksichtigen, stimmten er und seine FraktionskollegInnen der Nationalist Party gegen das Gesetz. Trotz dieser Gegenstimmen hat Maltas Präsident George Abela das Gesetz jedoch unterschrieben – im Oktober soll es in Kraft treten.

Im katholischen Malta wurde Scheidung lange Zeit als Gefahr für ein harmonisches Familienleben gesehen und war auf Druck von Kirche und Regierung verboten. Lediglich Trennung und Aufhebung waren nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch und dem Ehegesetz vorhanden, aber ohne rechtliche Absicherung. Doch nun hat auch das letzte EU-Land die Möglichkeit zur Scheidung geschaffen. Die MalteserInnen haben es so entschieden.

Eure Franziska


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Bloggen statt Rausch

1. August 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 76 von 103 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

Julia Schramm
(laprintemps auf Twitter und Facebook)

Wie heißt du?
Julia Schramm

Seit wann bloggst du?
Seit Februar 2010.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Ich habe dem Rausch entsagt und gefastet. Ich hatte damals eine Phase, in der ich mich oft in verschiedende Formen des Rausches geflüchtet habe – hauptsache keinen klaren Kopf bewahren. Irgendwann stellte ich fest, dass es Missbrauchstendenzen annimmt, also der Versuch durch externe Gelüste innere Missstände zu übertünchen. Deswegen beschloss ich mich im Anschluss an ein, im Rheinland traditionell, exzessives Karneval dem christlichen Fasten hinzugeben. Aber unter agnostischen Vorzeichen, also die Frage: Was bringt Verzicht? Was steckt hinter diesen Traditionen? Gibt es eine humanistische Ebene? Gleichzeitig war es auch ein Kampf mit mir und meinen Dämonen. Bloggen war da sehr hilfreich. Ein offenes Tagebuch.

Worüber schreibst du?
Über Politik, Gesellschaft, Liebe, Philosophie, Menschen, Piratenpartei, mein Universum und die Metamoderne. Ich verfolge weder ein konkretes Thema, noch steht der Blog unter einem Aspekt, der mir wichtig ist. Ich teile meine Gedanken der Welt mit. Mehr nicht.

Was dir ohne Internet nicht passiert wäre:
Oh, so einiges wäre mir nicht passiert! Ich wohne nicht umsonst im Internet. Meine Liebe hätte ich verpasst, viele Freunde und geistige Weggefährten wären mir entgangen. Auch haben mich Freunde wiedergefunden, die ich sonst wohl verloren hätte ohne einen Detektiv zu beauftragen. Und schließlich wäre ich dem Feminismus gegenüber immer noch so ignorant, wie ich es war. Das Internet ist quasi schuld, dass ich mich nun als Feministin bezeichnen will – so als Haltung.

Wovon braucht das Internet mehr:
Bewusstsein. In vielerlei Hinsicht. Bewusstsein der User über die Beschaffenheit, über die Flüchtigkeit und Verflüssigung, um mal meine neu erworbenen Hegelkenntnisse auszupacken. Und weniger Panik. Viel weniger Panik. Und mehr Langmut.

Frauen im Web sind…
… genauso unbeholfen in der Überwindung von Sexismus wie im Analogen.

Deine tägliche Web-Lektüre:
Twitter, bild.de, SpOn, faz.net und alles, was mein Twitterfeed so spannendes von sich gibt.

Tipps und Bewerbungen für die WWW Girls an post(at)maedchenmannschaft.net.


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Europaparlament fordert die Quote

27. Juli 2011 von Franziska
Dieser Text ist Teil 12 von 19 der Serie Post aus Brüssel

Salut aus Brüssel,
dieses Mal übernehme ich für die Kolumne in Ansätzen unsere Pressemitteilung, die wir vor zwei Wochen angesichts der Forderung nach mehr Frauen in den Vorständen und einer verbindlichen Frauenquoten formuliert haben.

Illustration: (c) Eva Hillreiner

(c) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Hintergrund war, dass das Europaparlament den Bericht “Frauen und Unternehmensleitung” angenommen hat und darin die Wirtschaft auffordert, den Anteil von Frauen in Vorstandsgremien zu erhöhen oder verbindliche Quoten zu akzeptieren. Dazu lautete meine Erklärung:

Wir nehmen es nicht länger hin, dass gerade einmal 12 Prozent der Vorstände und 3 Prozent der Führungskräfte weiblich sind. Die Wirtschaft muss sich endlich von ihren Altherren-Clubs verabschieden. Sollten bis 2012 nicht spürbar mehr Frauen in Führungsgremien sitzen, brauchen wir verbindliche Quoten. Die Wirtschaft verliert sonst weiter Potential und der Staat viel Geld, das er in die Ausbildung von Frauen investiert, die es dann nicht in Spitzenpositionen schaffen. Einige Länder haben das längst erkannt, allen voran Norwegen und Frankreich, seit kurzem gehört auch Belgien dazu. Die Selbstverpflichtung der deutschen Wirtschaft zeigt seit zehn Jahren kaum Ergebnisse. Ohne gesetzliche Quote wird sich in deutschen Unternehmen nichts bewegen. Es wird Zeit, dass Brüssel handelt.

Es ist also einiges in Bewegung und ich werde euch auf dem Laufenden halten, wie es weitergeht. Bis dahin einen sommerliche Gruß!

Eure Franziska


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Tierbefreiung, Bisexualität und Kinderbücher ohne Rassismus – die Blogschau

16. Juli 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 117 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Am 13. August finden deutschlandweit SlutWalks statt. Eine Anleitung, wie mensch einen SlutWalk organisieren kann, findest du auf SlutWalkBerlin. Auf Bittersuesz schreibt Ann, warum sie am SlutWak teilnehmen wird. Auf epic bliss berichtet Doreen von sexueller Belästigung im Alltag und kopfwehstattrausch fasst noch einmal zusammen, warum ein SlutWalk wichtig ist.

Neuzugang in der Girls on Web Society: Tollen Lesestoff zu Literatur findet ihr auf leserleben, Interessantes aus dem aus dem Alltag einer Medizinstudentin auf menschenhandwerkerin und einen Blog von einem echten Ruhrpottkind lest ihr unter heimatpottential.

Auf dem mädchenblog gibt es kluge Gedanken zur Tierbefreiung und Feminismus.

Ebenfalls auf dem mädchenblog ärgert sich Erika über die sexistische Werbung des italienischen Jeans-Hersteller Liu-Jo und hat gleich eine Protestmail in deutsch und italienisch vorbereitet.

“Warum Bi kein Anhängsel schwuler und lesbischer Bewegungen sein kann” diskutiert kiturak.

Die Denkwerkstatt hat einen Veranstaltungstipp für Oktober – die Österreichische Männertagung in Graz – bei der u.a. die bekannte Männlichkeitsforscherin Raewyn Connell sprechen wird.

Außerdem berichtet die Denkwerkstatt über eine Änderung der österreichischen Bundeshymne, in der bald nicht mehr nur die großen Söhne, sondern auch Töchter Erwähnung finden.

Just Another Female Blogger schreibt über Politik, Transparenz und die Angst (älterer, männlicher) Politiker vor dem kaum nachvollziehbaren und unkontrollierbaren Internet.

Redaktionsmitglied gesucht: Library Mistress bloggt ein Stellenangebot der Feministischen Zeitschrift für Politik und Gesellschaft aus Österreich.

Das Missy Magazine schreibt über den Aufruf von Noah Sow: “Für Kinderbücher ohne Rassismus“.

Zu guter Letzt einen spannenden Podcast von einem Vortrag von Prof. Dr. Stefan Hirschauer: “Die Praxis der Geschlechter(in)differenz und ihre Infrastrukturen“.


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Recht und Politik aus einer feministischen Perspektive

11. Juli 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 74 von 103 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

rechtundgeschlecht

Wie heißt du?
Maria Wersig

Seit wann bloggst du?
Ich blogge erst seit April 2011, betreibe aber unter rechtundgeschlecht.de seit ein paar Jahren eine einfache Webseite.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Aus Empörung. Ich las am Frühstückstisch einen Artikel von Kristina Schröder über Gleichstellungspolitik in der Zeitung und habe meine Meinung dazu in meinen ersten Blogbeitrag umgewandelt. In dem Zeitungsartikel stand unter anderem, dass Altfeministinnen und institutionalisierte Gleichstellungspolitik den Benachteiligungsstatus von Frauen verteidigen. Dazu habe ich als Juristin, die sich mit den Rechtsstrukturen und Gleichstellung beschäftigt, eine ganz andere Meinung.

Worüber schreibst du?
Über Recht und Politik aus einer feministischen Perspektive und die Zusammenhänge von Recht und Geschlechterverhältnissen. Meistens geht es um Themen, mit denen ich mich auch beruflich beschäftige, wie Familie, Gleichstellung, Steuern und Soziales. Die ersten Blogeinträge beschäftigten sich mit Frauenquoten, Unterhaltsrecht und der Heteronormativität von Regelungen zu künstlicher Befruchtung. Anlässe zum Schreiben gibt es irgendwie genug, ich habe jetzt auch eine Rubrik „Kristinas Welt“, die sich mit aktuellen Vorschlägen unserer Frauenministerin auseinandersetzt.

Was dir ohne Internet nicht passiert wäre:
Im letzten Jahr bin ich für ein paar Monate nach New York City gezogen. Ohne das Internet hätte ich nie binnen kürzester Zeit eine Untermietgelegenheit mitten in Harlem gefunden und mir auch nicht per Google Streetview ein Bild von der Gegend machen können. Erst bei meiner Abreise habe ich meine Vermieterin persönlich kennengelernt. Weil wir aber im Netz so viel Kontakt hatten, kam es uns beiden so vor, als würden wir uns schon ewig kennen.

Wovon braucht das Internet mehr:
Eine dem kommerziellen Angebot Juris vergleichbare kostenlose Rechtsdatenbank in deutscher Sprache wäre fein. Für eine Recherche nach einschlägigen Gerichtsurteilen sollte meiner Meinung nach niemand bezahlen müssen. Und natürlich brauchen wir noch mehr Feminismus.

Frauen im Web sind…
wie Frauen offline auch – intelligent, stark, mutig und schön!

Deine tägliche Web-Lektüre:
ist eher klassisch, die großen und auch ein paar kleinere Tageszeitungen und ein paar nette Blogs.

Tipps und Bewerbungen für die WWW Girls an post(at)maedchenmannschaft.net.


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