Einträge mit dem Tag ‘Politik hilft’

Sexualstrafrecht: der Fall Amstetten

Friday, May 9th, 2008 von Barbara

Ein Vater missbraucht und schwängert seine Tochter über Jahrzehnte, sperrt sie im Keller ein, wo sie ihre Kinder bekommt und zum Teil großzieht. Dieser Fall der Familie F. aus dem österreichischen Amstetten ist in einem Ausmaß entsetzlich, das meine Vorstellungskraft übersteigt. Derzeit steht der 73-jährige Vater, Josef F., vor Gericht. Wie die österreichische Regierung meldete, gibt es in Österreich Überlegungen, das Sexualstrafrecht zu reformieren: Die Verjährung von Straftaten etwa soll von 15 auf 30 Jahre hochgesetzt werden, Strafen sollen drastischer ausfallen - und Sexualstraftäter dürfen keine Kinder adoptieren. Hintergrund sind die Sexualstraftaten, die Josef F. in den 1960er Jahren begangen hat, nach geltendem Recht sind sie heute verjährt. Deshalb konnte F. die Kinder, die seine Tochter im Keller zur Welt gebracht hat, adoptieren.

Frauenfakten: Das Gleichberechtigungsgesetz

Monday, March 31st, 2008 von Susanne

Heute vor 55 Jahren ließen die regierenden Männer eine Frist verstreichen - was große Folgen hatte. Denn bis zum 31. März 1953 hätten die bundesrepublikanischen Parlamentarier Einspruch gegen einen Gesetzesentwurf von Elisabeth Selbert erheben können, in dem sie die Abschaffung all jener Gesetze fordert, durch die Frauen und Männer rechtlich ungleich behandelt werden. Wie gesagt, die Frist verstrich. Das Gleichberechtigungsgesetz trat in Kraft. Eine ganze Reihe anderer Gesetze mussten geändert werden, zum Beispiel, dass das Eigentum der Frau bei einer Heirat in den Besitz des Mannes übergeht.

Doch bei einigen dauerte es noch lange, bis geschlechtsspezifische Ungerechtigkeiten abgeschafft waren: Bis 1977 konnte ein Mann den Job seiner Frau kündigen, wenn er der Meinung war, sie würde Haushalt und Kindererziehung vernachlässigen. Erst ab 1979 hat bei der Kindererziehung nicht mehr per Gesetz der Vater das letzte Wort. Und sogar erst eit 1991 können Frauen ihren eigenen Nachnamen trotz Eheschließung behalten.

Die Familienmanager

Thursday, February 21st, 2008 von Susanne

Der Spiegel von dieser Woche schreibt über die steigende Zahl Väter, die eine Babypause machen, über deren Schwierigkeiten mit Vorgesetzten und Rollenklischees - und ihren Willen, die “klassische” Aufgabenteilung zwischen Frau und Mann zu ändern:

“‘Ich finde es nur gerecht, dass ich beim zweiten Kind aussetze’, sagt Aicher, als wäre seine Babypause ganz selbstverständlich. Dabei sind Väter wie er die Vorreiter einer stillen Revolution. Wenn Ende Februar das Statistische Bundesamt die Zahlen zum Elterngeld für das Jahr 2007 vorlegt, wird sich der Anteil der Männer in Elternzeit mehr als verdreifacht haben.”

Volker Baisch, Vorsitzender des Vereins Väter e.V., hat sich zur Aufgabe gemacht, die Rollenbilder von Frauen und Männern zu verändern - ein “langwieriges Geschäft”, wie er sagt, für das das Elterngeld schon mal ein guter Anfang ist. Ein bewusstseinsverändernder Schritt wäre, würde ein Politiker oder ein paar männliche Promis Elternzeit nehmen, sagt Baisch zum Spiegel. Er kritisiert, dass Frauen immer noch viel weniger als die Männer verdienen - würde der Staat zum Beispiel Steuererleichterungen für Frauen schaffen, käme das auch den Männern zugute, weil auch sie dann eine Babypause machen könnten, ohne dass die Familienkasse vor Leere gähnt.

Grund Nummer eins, warum bis heute noch kein größerer Teil der Väter Elternzeit nimmt, sind laut Spiegel vor allem die Unternehmen. “Nicht einmal bei Betriebs- und Personalräten genießt das Thema Priorität”, ist das Fazit eines Projektteams der Gewerkschaft Ver.di, das untersuchte, wie deutsche Unternehmen mit der neuen Elternzeit umgehen.

Doch auch die Frauen müssten ihr Verhalten und ihre Ansprüche an die Väter überprüfen, sagt Marcus Schmitz, Experte für familienfreundliches Personalmanagement und Unternehmensberater:

“‘Es sind die Frauen, die es Männern schwermachen, sich zu verändern’, legt er los. ‘Frauen wünschen sich Männer, die sich um die Kinder kümmern - aber nach ihren Regeln. Frauen wünschen sich Männer, die sich um den Haushalt kümmern - aber nach ihrem Qualitätsmaßstab. Und bei all dem erwarten sie trotzdem auch noch einen beruflich erfolgreichen Mann.’ Gerade sechs Prozent der Frauen sei die Karriere ihres Mannes egal, zitiert Schmitz eine Umfrage - betroffenes Schweigen.”

Viele Frauen müssen noch gelassener werden, wenn es darum geht, dem Partner Verantwortung für die Kinder zu überlassen und ihnen ihre eigene Art und Weise zuzugestehen, das beobachte ich auch immer wieder. Aber die neue Generation wird das sicher hinkriegen. Weil sich eben auch immer mehr Väter nicht mehr bereitwillig in die Rolle des Ernährers zurückziehen, sondern um ihren Beitrag in der Familie kämpfen. Wie schön liest sich das Fazit eines Vaters, der seine Elternzeit hart durchboxen musste:

“Ich bereue nichts. Wir sind halt die erste Generation Männer, die es ausprobieren muss. Sonst werden wir nie herausfinden, ob es uns die Karriere kostet oder nicht.”

Girls Day will be Boys Day will be Girls Day

Tuesday, February 5th, 2008 von Susanne

Manchmal verstehe ich andere Feministinnen einfach nicht.

Im Spiegel dieser Woche (leider nur print) ist ein Bericht darüber, dass es in Baden-Württemberg in Zukunft, wie in anderen Bundesländern schon üblich, nicht mehr nur den “Girls Day” geben soll, an dem Mädchen in “typische” Männerberufe reinschnuppern sollen, sondern auch ein Äquivalent für die Jungs, nämlich einen Tag, an dem sie Berufe ausprobieren, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden, vor in den Bereichen Erziehung und Kranken- und Altenpflege.

Der Gedanke der baden-württembergischen Sozialministerin Monika Stolz dahinter: Für Frauen “typische” Branchen müssen nicht nur aufgebrochen werden, um die extrem geringen Gehälter dort anzuheben, sondern auch wie zum Beispiel im Bereich der Erziehung Kindern und Jugendlichen mehr oder überhaupt erst einmal männliche Vorbilder und Ansprechpartner zu bieten. Die Wissenschaft sieht einen Zusammenhang zwischen dem Männerdefizit im Erziehungswesen und der Gewaltbereitschaft männlicher Jugendlicher, so der Spiegel.

So weit, so lobenswert. Und jetzt kommen die Feministinnen ins Spiel. Der Spiegel schreibt nämlich:

“… Ansätze, die Jungen mit einem “Mädchenzukunftstag” nicht länger auszugrenzen, haben in der feministischen Szene Proteste hervorgerufen. “Der Girls Day soll Girls Day bleiben”, forderte der Hauptvorstend der hochgradig feminisierten LehrerInnen-Gewerkschaft GEW. Mit jedem Versuch, “den Girls Day für Jungen zu öffnen, so GEW-Frauenreferentin Frauke Gützkow im Jargon des Geschlechterkampfs, werde “Frauen und Mädchen erobertes Terrain streitig gemacht”: “Es gibt keinen Grund dafür, dass Mädchen den Zukunftstag in den Betrieben mit Jungen teilen sollen.”

Hä? Könnten wir uns bitte darauf einigen, dass Feministinnen nicht mit dem gleichen “der-hat-mir-mein-Schäufelchen-weggenommen”-Reflex reagieren, wie es Männer gern tun, wenn es um eine Verteilung der Macht zugunsten von Frauen geht? Es spricht nichts dagegen, wenn öffentliche Programme versuchen, die geschlechtlich festgefahrene Berufswahl von Mädchen und Jungen aufzubrechen. Feministinnen sollten das unterstützen und nicht ihr eigentliches Ziel, nämlich mehr Geschlechtergerechtigkeit, durch merkwürdige Meins-Deins-Spielchen aus den Augen verlieren. Etwas mehr Contenance in Zukunft, bitte!

(Foto über girlsday.de)

Erste Klage auf Gleichbehandlung

Friday, January 25th, 2008 von Susanne

Die Süddeutsche Zeitung berichtet in ihrer heutigen Ausgabe (jetzt auch online), dass es eine erste Klage gegen einen Arbeitgeber wegen Geschlechterdiskriminierung gibt. Die 38-jährige Sule Eisele war bis 2007 beim Versicherer R&V angestellt. Ende 2006 informierte sie ihren Chef über ihre Schwangerschaft und bat um drei Monate Mutterschutz - Erziehungszeit wollte sie nicht in Anspruch nehmen, da ihr kranker Mann zuhause die Kinder betreut. Trotzdem wurde ihr an ihrem letzten Tag ihr Nachfolger vorgestellt, die Hochschwangere erlitt einen Nervenzusammenbruch.

Einige Monate später sprache Eisele noch einmal mit ihrem Chef und bestand darauf, wieder in das Unternehmen einzusteigen. Er bot ihr jedoch nur einen vergleichsweise schlechteren Job an. Außerdem sperrte er ihren E-Mail-Account und versagte ihr eine anstehende Schulung. Sule Eisele entschloss sich, ihren Arbeitgeber, die R&V, zu verklagen: auf 500.000 Euro.

Das ist die erste Klage seit Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes 2006. Demnach darf niemand wegen seines Geschlechts, Herkunft, Religionszugehörigkeit oder seiner sexuellen Orientierung diskriminiert werden. Der Fall wird Vorbildfunktion haben für zukünftige Schadensersatz-Urteile und -Summen. Die Anwälte von Sule Eisele haben die Klagesumme absichtlich so hoch gesetzt, da zum Beispiel EU-Vorgaben ausdrücklich eine abschreckende Wirkung der Strafe vorsehen. Und mit einer halben Million wäre die R&V noch gut bedient: In Amerika wurden 2005 einer Brokerin 29,3 Millionen Dollar wegen Diskriminierung zugesprochen, deren Chef sie eine “alte, hässliche Frau” nannte.

Auf jeden Fall ist der Mut der Sule Eisele zu bewundern, denn wer seinen Arbeitgeber verklagt, kann sich damit durchaus die gesamte weitere Karriere verbauen. Und anders als in den USA gibt es in Deutschland keine ausgeprägte Klagefreudigkeit. Aber gewinnt sie den Fall, werden sich Arbeitgeber in Zukunft zweimal überlegen, eine Hochschwangere vor die Tür zu setzen. Wirklich bewundernswert mutig!

Heute werden Mythen zerstört I

Thursday, January 17th, 2008 von Susanne

Annegret Kramp-Karrenbauer ist erst seit ein paar Tagen Präsidentin der Kultusministerkonferenz, hat aber als erste Amtshandlung etwas ganz hervorragendes angekündigt: Sie will die frühkindliche Bildung verbessern. Soll heißen: Kindertagesstätten und Kindergärten sollen in nicht allzu ferner Zukunft von Akademikerinnen und Akademikern geleitet werden. So soll der Beruf “Erzieher/in” besser bezahlt werden und mehr Aufstiegschancen bieten.

Doch nicht nur das ist mehr als löblich. Eine akademische Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher wird auch dafür sorgen, dass die breite Masse der Deutschen Kindertagesstätten nicht mehr als “Verwahranstalten” wahrnimmt und sich das gesellschaftliche Klima hoffentlich so ändert, dass Frauen in einigen Jahren nicht mehr schief angesehen werden, wenn sie ihre Kinder schon mit wenigen Monaten in öffentlichen Einrichtungen betreuen lassen. Heute müssen Mütter sich ja immer noch vorwerfen lassen, sie würden ihren Kindern mutwillig psychische Traumata zufügen, wenn sie sich nicht bis zum dritten Lebensjahr selbst um sie kümmern.

Frau Kramp-Karrenbauer, wir schicken Ihnen Blumen.

(Foto: CDU Saar)

Und es gibt sie doch: neue Väter

Wednesday, December 19th, 2007 von Susanne

Im Zeit-Artikel “Das Schweigen der Väter” zieht der Autor Matthias Krupa Bilanz für das Jahr 2007 in Sachen Väter. Deren Rolle sei immer noch nicht klar, sie selbst noch zu schweigsam - aber insgesamt gäbe es Hoffnung, dass der neue Mann respektive der neue Vater sich in Zukunft mehr in die Erziehungsdiskussion einschalten wird.

Die Gründe, warum die Väter schweigen, sind unterschiedlich. Auf den ersten Blick gibt es für sie ja wenig zu gewinnen – außer einer wie auch immer besungenen Mehrbelastung. Hingegen ist die Befreiung von Heim und Herd bis heute ein Frauenthema. Die Frage freilich, wie man Zeit für Beruf und Kinder findet, stellt sich längst auch die Mehrzahl der Väter.

Wichtig sei, dass sich diese Männer auch zu Wort melden, damit sie Role Models für eine neuen Generation von Vätern werden können:

Der Preis für die väterliche Zurückhaltung ist hoch: eine vollkommen einseitige Diskussion. Als ob sich das Bild und Selbstbild der Väter in den vergangenen drei Jahrzehnten nicht mehr verändert hätten als in den zwei Jahrhunderten zuvor!

Krupa präsentiert außerdem Zahlen, die belegen, wie sehr sich Männer- und Vaterbild schon gewandelt haben: Vier von fünf Vätern lebten mit Frau und Kindern, zwei von Drei Vätern sähen sich vor allem auch als Erzieher und nicht nur als Ernährer. Fast 40.000 Väter hätten sich 2007 schon für mindestens zwei Monate Familienzeit entschieden, auch wegen der Neuregelung des Elterngeldes. Sein Fazit: “Obwohl es also die neuen Väter längst gibt, hat die Gesellschaft bis heute kein hinreichendes Bild von ihnen.”

Coole Väter, fühlt euch hiermit provoziert und macht mit beim Projekt “neue Familie”!

Wenn Männer schwanger sind

Wednesday, December 12th, 2007 von Susanne

Männer können natürlich nicht wirklich schwanger sein, schon klar, aber jetzt müssen sich privat versicherte Männer ebenfalls an den Kosten, die eine Schwangerschaft verursacht, beteiligen. Bisher zahlen Männer weniger in die private Krankenkasse ein als Frauen - eben weil sie keine Kinder kriegen können.

Endlich ist dieser Missstand behoben und es wurde auch Zeit. Was für ein Irrsinn, Frauen finanziell dafür zu bestrafen, dass sie nun mal diejenigen sind, die die Kinder kriegen. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz zwingt die Kassen nun, die Kosten auf beide Geschlechter zu verteilen. Heißt: Die Beiträge für Männer steigen 2008, die für Frauen fallen leicht.

Im Führungskräfte-Seminar

Tuesday, December 11th, 2007 von Susanne

Norwegen ziert sich mit Quotenregelungen nicht so wie Deutschland. Dort haben die Politiker schon 2003 ein Gesetz erlassen, nach dem ab dem 1.1.2008 die größeren Aktiengesellschaften mindestens 40 Prozent ihrer Kontrollgremien mit Frauen besetzen müssen. Noch immer haben das nicht alle Unternehmen umgesetzt, jetzt läuft der Countdown - wo zum Jahreswechsel die Quote nicht erfüllt ist, droht die Auflösung.

Damit auch alle Posten mit kompetenten Frauen besetzt werden können, bietet die norwegische Wirtschaft Seminare wie “Female Future”, von dem der FTD-Autor Clemens Bomsdorf berichtet. Wann ringt sich die deutsche Regierung endlich dazu durch, auch unseren Wirtschaftsunternehmen ein bisschen auf die Beine zu helfen, was Frauen in ihren Unternehmen angeht?