Einträge mit dem Tag ‘Politik hilft’


Gute Nachricht im Kampf gegen Vergewaltigungen in amerikanischen Reservaten

30. Juli 2010 von Helga

Die Lage der amerikanischen Ureinwohner ist auch im Jahre 2010 vielerorts noch prekär. Besonders die Anzahl von Gewalttaten ist in vielen Reservaten überdurchschnittlich hoch. Jede dritte indigene Frau wird mindestens einmal in ihrem Leben vergewaltigt, fast jede Betroffene erfährt dabei noch weitere Prügeleien und auch Waffen werden häufig eingesetzt. Diese Zahlen liegen deutlich höher als bei anderen Bevölkerungsgruppen. Da bis heute viele Ureinwohner_innen der Regierung misstrauen, fürchten Aktivist_innen, dass die Dunkelziffer noch schlimmer aussehen könnte.

Aufgrund der komplizierten Zuständigkeiten von Bundes- und Stammespolizei werden jedoch nur die wenigsten Fälle verfolgt. Während die Befugnisse der Stammespolizeien auf die indigenen Bewohner_innen der Reservate beschränkt sind, kommen 86 Prozent der Vergewaltiger von außerhalb und können nur von der Bundespolizei überprüft werden. Diese untersucht aber gerade einmal jeden zweiten Vorfall der in Stammesgebieten geschieht, bei Sexualstraftaten liegt die Quote noch einmal deutlich niedriger. Trotz rechtlicher Regelungen ergab sich so ein praktisches Schlupfloch, dass selbst im 21. Jahrhundert die amerikanischen Ureinwohner_innen verletzlich gegenüber Übergriffe machte.

Gestern nun unterzeichnete Präsident Barack Obama den Tribal Law and Order Act, der die Befugnisse der Stammespolizeien ausweitet. Sie können z.B. künftig alle, auch Nicht-Ureinwohner_innen, verhaften, die auf Ureinwohnergebieten eine Straftat begehen. Außerdem soll die Zusammenarbeit der Polizeien verbessert werden, sowie Polizist_innen und Mitarbeiter_innen von Reservatskliniken im Umgang mit Opfern und Indizien von Sexualstraftaten geschult werden. Auch die immer stärkere Ausbreitung von Drogenkartellen, die die prekäre rechtliche Lage in den Reservaten ausnutzen, soll eingedämmt werden.

Nach einem Bericht von Amnesty International, das die unhaltbaren Zustände öffentlich kritisierte, wurde an dem Gesetz seit drei Jahren gearbeitet und im Juni zunächst einstimmig vom Senat beschlossen. Mitte Juli passierte es auch das Repräsentantenhaus, wurde dort aber von 92 Republikaner_innen abgelehnt, die gerne einen zweiten Senatsbeschluss sehen wollten.


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Gute Nachricht für Lebenspartner_innen

30. März 2010 von Helga

Seit 2001 sind in Hessen gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften möglich – seit dem 25. März 2010 sind nun die Partner_innen von Beamten den Verheirateten gleichgestellt. Dies macht sich vor allem bei der Beamtenbesoldung und -versorgung bemerkbar. Allerdings, so die FAZ, gilt das Gesetz nicht rückwirkend, obwohl die Kosten mit 60.000 Euro pro Jahr relativ gering wären.

Die einhellige Zustimmung zeigt nach Darstellung von Jürgens, wie sehr sich die Einstellung zu gleichgeschlechtlicher Liebe im Laufe der Jahre geändert hat. Nach 1957 habe das Bundesverfassungsgericht geurteilt, „gleichgeschlechtliche Betätigung“ verstoße gegen das Sittengesetz. Einvernehmliche homosexuelle Handlungen zwischen erwachsenen Männern bleiben damit strafbar. Erst 1969 sei die Strafandrohung entschärft und 1994 ganz abgeschafft worden.

Vorausgegangen war dem Ganzen ein jahrelanger Streit mit mehreren gescheiterten Gesetzesentwürfen. Immerhin wurde die Änderung, auch Landtagsabgeordnete und ihre Partner_innen miteinzubeziehen, in letzter Minute noch mit in das Gesetz aufgenommen.


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„Die Hälfte der Macht – Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern“

24. August 2009 von Katrin

Ein Blickfang: Das Doppelplakat "Frauen nach Oben" (Quelle: Gruene.de)

Ihr Wahlprogramm für die Bundestagswahl (PDF, 1.247 KB) haben die Grünen „Der Grüne Neue Gesellschaftsvertrag“ genannt. Zentrale Themen: „Klima, Arbeit, Gerechtigkeit, Freiheit.“ Wir haben geschaut, ob und in wie weit die Grünen sich den Themen Geschlechterdemokratie und Feminismus gewidmet haben.

In der Präambel

„Ohne eine Politik der Teilhabe an Bildung, Arbeit, Gesundheit und Einkommen bleibt Freiheit für viele ein leeres Versprechen. Deshalb wollen wir eine durchlässige Gesellschaft, in der die sozialen Blockaden aufgesprengt sind und niemand ausgeschlossen wird. Deshalb streiten wir für öffentliche Institutionen, die diese Teilhabe ermöglichen – für bessere Kindertagesstätten, für bessere Schulen, für bessere Arbeit, für ein besseres Gesundheitssystem und bessere Löhne für Geringverdienende sowie gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit. Deshalb verbinden wir Verteilungsgerechtigkeit mit Teilhabegerechtigkeit, Generationengerechtigkeit, Geschlechtergerechtigkeit und globaler Gerechtigkeit.“

Das Wort Geschlechtergerechtigkeit, zieht sich wie ein roter Faden durch das Wahlprogramm und taucht an verschiedenen Stellen auf: Eine Grüne Marktwirtschaft etwa sei „ökologisch verträglich, wirtschaftlich vernünftig, sozial und geschlechtergerecht“.

Im Kapitel zur Wirtschaftspolitik:

„Ein gesetzlicher Mindestlohn ist zudem ein wichtiger Beitrag zur Geschlechtergerechtigkeit, weil vor allem Frauen von Niedriglöhnen betroffen sind.“

Im Kapitel zur Gesundheitspolitik

„Ursachen und Auswirkungen von Erkrankungen sind bei Frauen und Männern unterschiedlich, ebenso die Bewertungen von Krankheitserscheinungen und der Umgang mit Krankheit. Eine geschlechtergerechte Gesundheits- und Pharmaforschung steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Wir GRÜNE fordern auch in diesem Bereich eine konsequente Politik, die den spezifischen Bedürfnissen von Frauen und Männern gerecht wird.“

Im Kapitel zur Demokratie

„Mehr Demokratie zu wagen, heißt für uns, Geschlechterdemokratie zu verwirklichen. Im Bundestag liegt der Frauenanteil bei gerade einmal 32 Prozent, in den Kommunen und Landtagen allerdings erheblich niedriger. Die grüne Frauenquote ist eine Erfolgsgeschichte – und doch bleibt noch viel zu tun. Mehr Demokratie zu wagen, heißt, der multikulturellen Vielfalt Rechnung zu tragen. Demokratie braucht wechselseitige Anerkennung von Unterschiedlichkeit ebenso wie die gemeinsame Anerkennung von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat. Eine Demokratie ist dann stark, wenn Frauen und Männer gleichermaßen in ihren Parlamenten vertreten sind. Wir werden uns dafür einsetzen, analog dem französischen Paritätsgesetz Grundlagen dafür zu schaffen, damit mehr Frauen in den Parlamenten vertreten sind.“

Das Kapitel zur Geschlechtergerechtigkeit
Doch damit nicht genug: Die Grünen widmen darüber hinaus ein ganzes Kapitel dem Thema „Die Hälfte der Macht – Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern“. Vielleicht können wir uns sogar alle angesprochen fühlen, wenn sie schreiben:

„Eine junge Frauengeneration hat den Feminismus selbstbewusst für sich reklamiert. […] Junge Frauen wollen Beruf und Kinder, ohne dabei in eine finanzielle Abhängigkeit zu geraten – sei es vom Ehemann, von der Partnerin oder dem Partner oder vom Staat. Wir brauchen einen Feminismus für die neue Zeit, der solidarisch und generationenübergreifend ist. Verbündete kann dabei eine neue Männergeneration sein, aufgewachsen mit erwerbstätigen Müttern und gut ausgebildeten Schwestern, die Gleichberechtigung im Alltag bereits erlebt hat.“

Zentrale Forderungen des Gleichstellungsteils:
– ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft,mit Personalentwicklungsplänen und klaren Zielvorgaben für Einstellung, Qualifizierung und Beurteilung
50 % Frauen in die Aufsichtsräte
– Erhöhung des Migrantinnenanteils im Öffentlichen Dienst
– Bestehende negative Erwerbsanreize wie das Ehegattensplitting, die Steuerklassen III und V, die Subventionierung von Minijobs oder die kostenfreie Mitversicherung von Ehegattinnen und -gatten abschaffen
Abschaffung der partnerabhängigen Leistungsberechnung im Falle von Langzeitsarbeitslosigkeit
– Arbeitsrechtliche Mindeststandards in der Prostitution
Bleiberecht für Frauen, die Opfer von Zwangsprostitution und Frauenhandel werden
Abschaffung der Pflichtberatung bei Schwangerschaftsabbrüchen
– Durchsetzung von Gender Mainstreaming und Budgeting in der Politik
– Mehr Forschung auf dem Gebiet der Männerrechte, beispielsweise wie stark die Ausprägungen der Gewalt sind, die gegen Männer verübt wird.
– Mehr Fokus auf die Jungen und ihre Bildungsnachteile
– geschlechtersensible Erziehungseinrichtungen
– mehr Männer in Kitas und Grundschulen

Das Kapitel zur Außen- und Friedenspolitik

„Ohne Geschlechtergerechtigkeit gibt es keinen Frieden Der Beteiligung von Frauen an Friedensprozessen messen wir eine hohe Priorität zu. Frauen tragen weltweit wesentlich zur Verhinderung von gewalttätigen Auseinandersetzungen und zur Konfliktbewältigung bei, sie sind Schlüsselakteurinnen für den Wiederaufbau und haben eine zentrale Rolle für die Versöhnungsarbeit. Frauen sind aber auch die Hauptleidtragenden gewaltsam ausgetragener Konflikte. In Kriegen wie im Kongo oder in Darfur sind Frauen und Mädchen systematisch Massenvergewaltigungen ausgesetzt. Sexualisierte Gewalt wird als Kriegswaffe eingesetzt. Ohne Frauen auf allen Ebenen und in allen Fragen der Krisenprävention und Konfliktbewältigung einzubeziehen, ist kein Frieden zu machen. […] Wir setzen uns dafür ein, dass geschlechtersensible Ansätze in der Außen-, Entwicklungs- und Sicherheitspolitik umgesetzt werden. Für die Gestaltung einer geschlechtergerechten Außen- und Sicherheitspolitik wollen wir einen nationalen Aktionsplan und Monitoringstellen auf nationaler und auf internationaler Ebene institutionalisieren. Wir brauchen dringend eine Aufwertung des UN-Frauenrechtskonventionsausschusses und seiner Instrumente.“

Was nicht drin ist:
Leider hat die Idee für ein neues solidarisches Zusammenleben von Menschen jenseits der Ehe auf dem Programm-Parteitag der Grünen keine Zustimmung finden können. Genauso wurde eine Informationspflicht der Standesämter über das neue Unterhaltsgesetz bei der Eheschließung abgelehnt.


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Sex vs. Religion

7. August 2009 von Verena

Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hat entschieden: Sexuelle Aufklärung in der Schule geht vor religiösen Empfindlichkeiten.

Wie unter anderem die ZEIT berichtet, hatten die Eltern zweier Grundschüler in Ostwestfalen geklagt, ihre Söhne sowohl von einem Theaterprojekt, das sexuellen Missbrauch thematisierte, als auch einer Karnevalsveranstaltung befreien zu können. ‚Karneval in Ostwestfalen’… fragt sich die Kölnerin in mir… ;)

Die Eltern argumentierten, das Theaterprojekt mit dem Titel „Mein Körper gehört mir“ bringe den Kindern bei, sie könnten ungeachtet göttlicher Gebote und nur aufgrund ihres Gefühls individuell über ihre Sexualität entscheiden. Karneval erklärten sie zu einem katholischen Fest, in dem sich die Feiernden „meist völlig enthemmt – befreit von jeglicher Moral – wie Narren benähmen“

Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, Kinder müssten andere Denkweisen aushalten:

Denn solche mit dem Schulbesuch verbundenen Spannungen zwischen der religiösen Überzeugung einer Minderheit und einer damit in Widerspruch stehenden Tradition einer anders geprägten Mehrheit sind grundsätzlich zumutbar

Ferner argumentierten die Richter,

dass die Schule mit der Sensibilisierung der Kinder für etwaigen
sexuellen Missbrauch und dem Aufzeigen von Möglichkeiten, sich dem zu entziehen, das ihr obliegende Neutralitätsgebot nicht verletzt hat

Ein Bußgeld in Höhe von 80 Euro müssen die Eltern nun zahlen – mit Sicherheit weniger als die Alimente, die ihre Söhne im Falle einer, durch Unwissenheit hervorgerufenen, Vaterschaft zahlen müssten.


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Da lachen ja die Affen: Notizen, heute mit Frank-Walter, Crazy Sarah und Lily Allen

12. Juli 2009 von Meredith
Dieser Text ist Teil 44 von 364 der Serie Kurz notiert

Die Weltwoche hat diese Woche eine Fingerübung in engstirnigem Sexismus veröffentlicht. In der Schweiz hat die Leiterin eines Unternehmens die Frechheit besessen, auf ihre Babypause zu bestehen. Und das in der Wirtschaftskrise, wo Wirtschaft das wichtigste der Welt ist! Empört sich Roger Köppel und fragt sich ganz ernsthaft: Darf eine Chefin in der Wirtschaftskrise einfach schwanger werden? Und begründet sein ausdrückliches NEIN damit, dass ein Firmenchef ja sicher auch nicht einen zweimonatigen Liebesurlaub nach Venedig machen dürfte.  So zum Beispiel. Außerdem, und das ist wirklich mein absoluter Lieblingssatz in diesem Bouquet blumigster Metaphern: „Am Ende ist Wirtschaft wie Krieg: Armeen brauchen gute Generäle, die vor allem im Ernstfall verfügbar bleiben müssen.“

Da fragt man sich WTF? Gratuliere zu dem Wirtschaftsverständnis und viel Spaß damit, als männlicher Verantwortungsträger diese Sache zu einem glücklichen Ende zu führen. Immerhin, in Zukunft haben wir für jedes Mal, wenn einer Frauen als unlogisches Geschlecht bezeichnet, ein Textdokument als schlagenden Gegenbeweis.

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier macht sich auch Gedanken darüber, Frauen Veranwortung zu geben und hat versprochen, sein Kabinett zu 50 Prozent mit Frauen zu besetzen. Entschuldigung, wenn mich das nach der bisherigen Priorität, die der SPD-Vorstand Frauenpolitik eingeräumt hat, nicht unbedingt überzeugt. Laut Emnid käme die SPD aktuell auf 24 Prozent; ich sag auch immer, dass ich 100 Prozent weniger rauche, wenn ich gerade eh kein Bier trinken werde.

Bei bitchbuzz gibt es eine Linkliste mit den flickr-Seitem vieler junger Fotografinnen. Die Autorin des Textes findet diese Frauen besonders talentiert, ich finde, ihre Bilder sehen sich alle recht ähnlich. Alles Klamotten, Glanzeffekte, Hipsterposen. Können wir die Indie-Ästhetik nicht langsam mal ein bisschen revolutionieren?

Die berüchtigte Don’t ask don’t tell-Politik, die im US-Militär gegenüber Homosexuellen betrieben wird, gerät zunehmend in die Kritik. Aktueller Auslöser ist der Mord an einem jungen Marine, der für seine sexuelle Orientierung von seinen Kameraden wohl schon lange belästigt wurde.  Er hatte es nicht gewagt, sich bei seinem Vorgesetzten über  Drohungen und Angriffe seiner Kameraden zu beschweren. Vergangene Woche wurde die halbverbrannte, mit Schusswunden durchsiebte Leiche des 29-jährigen August Provost an einem Wachposten aufgefunden.DADT bedeutet, kurz gesagt, dass Soldatinnen und Soldaten sich zu ihrer sexuellen Orientierung nicht äußern dürfen. Wer sich offen als schwul oder lesbisch bekennt, wird entlassen. Mit dieser Politik wird dafür gesorgt, dass zwar einerseits Schwule und Lesben stillschweigend geduldet werden, sie aber andererseits trotzdem keinen Schutz vor Diskriminierung erhalten. Obwohl Barack Obama die DADT-Policy kritisiert hat, ist von seiner Regierung bisher nichts für eine Reform getan.  Und nachdem das US-Militär eine Bastion der chauvinistischen Brutalität ist – was auch die immer wieder erschreckende Vergewaltigungsrate zeigt – wird es wohl noch sehr lange dauern, bis sich überhaupt etwas tut.

Übergewichtige Kinder leiden schon früh an negativer Selbstwahrnehmung, sind oft einsam und haben mehr Angst als normalgewichtige Kinder. Eine neue Studie zeigt, dass das eigene Gewicht für Kinder schon viel früher als angenommen zum Problem wird. Die Forschungsgruppe zeigte sich überrascht, dass  auch kleine Jungen an ihrem Gewicht stark leiden. Trotzdem zeigen vor allem kleine Mädchen, die dick sind oder einen Hang zum Übergewicht haben, Verhaltensauffälligkeiten. Die Forscher führen dies vor allem auf das gesellschaftliche Stigma, mit dem die Kinder schon früh konfrontiert bzw. belegt werden, zurück.

Das Online-Spiel Evon ist nicht nur ein Riesenbetrug, sondern wohl auch so unbeliebt, dass die Betreiber verzweigeln: Anders lässt sich die abgrundtiefe Geschmacklosigkeit dieser Werbungen wohl nicht erklären:

Evony

Sarah Palin hat uns im letzten Jahr so oft in Besorgnis über die Welt versetzt, dass ihr Rücktritt und die (wirre) Begründung dafür durchaus von Interesse sind. Die einen erklären’s mit Mutterinstinkt, die anderen mit ihren Ambitionen auf die Päsidentschaftskandidatur 2012, wieder andere vermuten, dass es eigentlich nur darum geht, schonmal das Deck klar zu machen für den Riesensturm aus Skandalen, der auf sie zukommt. Die Diskussion um die geistige Zurechnungsfähigkeit, die ultimativen Motive und das Vorhandensein eines Masterplans von Bald-Ex-Gouverneurin Sarah Palin reissen, zumindest in den USA nicht ab. Wer ihre Rücktrittsrede noch nicht gesehen hat – muss das tun. Eine der gelungensten Realsatiren, die uns das Leben dieses Jahr beschert hat:

Hat Barack Oabama einer jungenBrasilianerin beim G8-Gipfel jetzt auf den wohlgeformten Hintern geguckt oder nicht? Medien diesseits und jenseits der Blogosphäre haben lange darüber diskutiert und sind jetzt zum dem Schluss gekommen: er hat, aber es ließ sich nicht vermeiden. Obama war in dem Moment, da der Fotograf abdrückte, gerade im Begriff der Dame hinter sich Hilfe beim Treppensteigen zu leisten. Kollege Sarkozy hingegen hielt keiner Frau den Arm und ließ sein Auge ohne Not wandern. Der Berlusconismus überträgt sich offenbar per Tröpfchen. Willkommen im Club der geschmacklosen Männer, willkommen in der Welt der Präsidenten.

via Guardian.co.uk

via Guardian.co.uk

Und zum Schluss, einfach so, zwei Lieder von Ladys, die den Pop wieder besser machen:

Lily Allen trällert den Homophoben, den Sexisten und den Rassisten ein fröhliches Lied in ihre hasserfüllten Gesichter: Fuck you very much!

Beth Ditto sagt uns, warum wir immer zusammenhalten müssen und ist dabei herrlicher denn je:


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Island sagt: Nix Big Penis, jetzt Big Ladies

28. April 2009 von Meredith
Dieser Text ist Teil 14 von 59 der Serie Meine Meinung

Island hat die Konsequenz gezogen. Am Sonntag hat das Land gewählt und die ursprünglich provisorische Regierung von Jóhanna Sigurðardóttir bestätigt. Die Koalition der Sozialdemokraten und Links-Grünen erhielt über 50 Prozent der Stimmen und das bei einer historisch hohen Wahlbeteiligung. Die Unabhängigkeitspartei, deren Politik die Hyperfinanzkrise in den letzten Jahren gefördert hatte, erlitt extreme Stimmverluste.

Die geringe Größe Islands beförderte ursprünglich den finanziellen Kollaps des Landes. Das gesamte Land verwandelte sich ab Anfang des Jahrzehnts innerhalb kürzester Zeit in eine Art Hedgefond; von 2002 bis 2007 verfünfzigfachte sich die Zahl der ausländischen Anleihen in isländischen Händen. Isländische Banker galten international als besonders talentiert und vor allem als schnell, was Auffassungsgabe und Handlungsfähigkeit betrifft. Geschwindigkeit war dann auch das Alleinstellungsmerkmal bei der Implosion der isländischen Wirtschaft – und ist es auch jetzt, wo sich die Insel aus dem Schlamassel zu befreien bemüht.

Während gerade in Europa die Reformen eher schleppend voran gehen und sich die Politik eher um Systemstabilisierung bemüht, rückständige Sektoren stützt und Banken rettet, deren Verantwortungslosigkeit für jeden Arbeitslosengeldempfänger das Ende seiner Zuwendungen bedeuten würde, manifestiert sich in Island ein eindeutiger Wille zum Wandel. Die Entschlossenheit und das Tempo, mit dem das geschieht, liegen vielleicht auch daran, dass es nur 350.000 Einwohner gibt auf der „Kriseninsel“, wie sie in den Medien genannt wird. Da spricht es sich eben schnell herum, wenn sich etwas ändern muss.

Und es ändert sich enorm viel gerade. Die neue Premierministerin Jóhanna Sigurðardóttir ist nämlich nicht nur eine linksgerichtete Politikerin, die einen radikalen politischen Umbruch verspricht und sich für einen EU-Beitritt Islands stark macht. Sie ist eine Frau und bekennende Lesbe. In einem Staat, der laut der prominenten Unternehmerin Halla Tomasdottir unter dem „Big Penis Complex“ seiner männlichen arbeitenden Bevölkerung leidet, und wo prügelnde, Hochprozentselige Männlichkeit die Alltagskultur dominiert (zumindest laut jedem einzelnen Islandbeobachter) – kommt das einer Revolution gleich. Erstmals wird hier ein treibender Faktor der Finanzkrise benannt und zur Verantwortung gezogen: eine größenwahnsinnige, laute, Angebermentalität die vor allem von jungen und nicht ganz so jungen Männern in den Manageretagen kultiviert wird. Dass es auch Frauen mit Big Penis Syndrom gibt und dass auch Frauen von der Spekulation der letzten Jahre profitiert haben, steht ganz außer Frage. Aber in der isländischen Entwicklung deutet sich zumindest ein kultureller Wandel an.

Und sie zeigt, dass diese Krise das Ende vieler Übel bedeuten kann: Für Machokultur und für verantwortungslose Hybris. Allerdings nur, wenn die Situation eben als Chance begriffen wird für einen Gesinnungswandel, für nachhaltige Konzepte und für Frauen, die jetzt die Gelegenheit zur Gestaltung ergreifen müssen. Das dauert in Ländern, die mehr als eine Drittelmillion Einwohner besitzen vielleicht etwas länger – möglich sein sollte es aber allemal. Und dafür ist jede und jeder Einzelne von uns zuständig.


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Kampf um die Frauenstimme

30. Januar 2009 von Meredith

Morgen, am Samstag, finden im Irak landesweit Kommunalwahlen statt. In der New York Times ist nachzulesen, wie es dem weiblichen Wahlvolk damit geht.

Für das irakische Parlament gilt eine Frauenquote von 25 Prozent, doch für die kommunalen Räte nicht. Für diejenigen Frauen, die gewählt werden, wird es also ein harter Kampf, denn besonders gern gesehen sind sie von ihren männlichen Kollegen offenbar nach wie vor nicht.

Von 14.000 Kandidaten sind etwa 4.000 Frauen und sie müssen ziemlichen Mut aufbringen. Denn die politische Gewalt betrifft auch sie: Am Mittwoch wurde eine Politikerin von bewaffneten Milizen in ihrem eigenen Haus erschossen. Bisher sind Frauen von dezidiert politisch motivierten Angriffen zumindest körperlich verschont geblieben. Meist beschränkten sich ihre Gegner darauf, Wahlplakate zu verschandeln und Drohungen auszusprechen. Viele Frauen trauen sich daher nicht mal, Wahlplakate anzubringen oder sonst öffentlich für ihr Kampagnen zu werben – sie organisieren stattdessen eher private Veranstaltungen.Wer etwa ganz traditionell von Haus zu Haus geht, beweist schon einen extrem großen Willen.

Die Stimmung ist so schlecht, dass auch erfolgreiche, gebildete Frauen teilweise resignieren:

Bushra al-Obeidi, a law professor at Baghdad University, has rebuffed all efforts to persuade her to become a candidate. She feels the odds are stacked against women, starting with laws she views as discriminatory and derogatory toward women — one allows a rapist to largely escape punishment if he marries his victim. Ms. Obeidi also has little faith in the commitment to gender equality among the current political leadership, which is dominated by religious parties.“I assure you,” she said, “they are against women. They are lying to us.”


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Und es tut sich nichts: Frauen, Beruf und warum es unerheblich ist, ob wir zu nett sind oder nicht

14. Dezember 2008 von Meredith
Dieser Text ist Teil 9 von 59 der Serie Meine Meinung

Das Thema Frauen am Arbeitsplatz gehört definitiv zu den Top 3 der geschlechterpolitischen Debatte, vor allem unter dem Aspekt der Karrierefrage. Dass weibliche Arbeitnehmer in Deutschland ca. 24 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen, ist weithin bekannt – wirklich gemacht wird dagegen allerdings nichts. Genauso durchbesprochen ist die Frage, warum Frauen es so selten auf Spitzenpositionen schaffen. (Was übrigens nicht nur in semi-glamourösen DAX-Unternehmen so ist, sondern auch in den meisten Supermarktfilialen.)

Die Begründungen dafür sind mannigfaltig. Die meisten Frauen können sich auf die Ur-Drei der Arbeitsplatzbenachteiligung verständigen:

– mangelnde Familienfreundlichkeit der Unternehmen und Chefs, die in einer weiblichen Mitarbeiterin statt Talent immer nur die Eierstöcke leuchten sehen

– männliche Seilschaften ganz im Allgemeinen, die sich nur gegenseitig aufnehmen, fördern und Gehaltserhöhungen machen

– die schlichte Tatsache, dass Frauen höchst selten überhaupt auf diese Positionen gebeten werden

Und dann gibt es noch die Psycho-Argumentation, die im Prinzip darauf hinaus läuft, dass Frauen sich in ihren Jobs nicht durchsetzen können, weil Mädchen die hohe Tugend des Nettseins so dermaßen intensiv gepredigt bekommen, dass sie auch dann nett sind, wenn es völlig fehl am Platze ist. Weil Frauen lieber beliebt als angesehen sein wollen, getrauen sie sich nicht, auch mal ein bisschen robuster vorzugehen, hin und wieder „Nein“ zu sagen und bleiben so oft an den Fleiß- bzw. Dreckarbeiten hängen. Damit zusammenhängend sind sind sie oft auch nicht in der Lage, angemessene Gehälter zu fordern, weil der Tugendzwilling von Nett ja bekanntlich Bescheiden heißt.

Daher die Schlussfolgerung: Frauen müssen eben einfach ein bisschen aggressiver auftreten, sich auch mal in der Konferenz verbal die Eier kraulen und dem Chef klar machen, wie wichtig sie sind, dann läuft das schon. Und wenn sie völlig anders sozialisiert sind, dann heißt es eben: Überwinde dich selbst oder konzentriere dich auf Kinder und Hobbys, denn das ist doch auch etwas schönes. Und im Übrigen viel wichtiger als doofe Stresskarriere. Familienmanagerin ist auch eine gesellschaftlich höchst bedeutsame Aufgabe!

Dieses Argument ist leider lediglich eine Steilvorlage ist für die grundsätzliche Einschätzung so mancher, dass Frauen an ihrer Misere irgendwie auch echt selbst schuld sind und sich endlich an den rauhen Wirtschaftswind (und der ist eben von Gottes und Kapitalismus Gnaden her männlich) gewöhnen sollten. Daraus folgt dann ganz schnell die Folgerung, dass viele Frauen auch einfach nicht Karriere machen wollen, weil sie eben ganz andere, weichere Werte hätten. An profaner Macht, gutem Geld und all den materiellen Dingen liege ihnen nun mal nicht so viel. Hauptsache, ein schönes Paar Schuhe ist hin und wieder drin, nicht wahr, Lääyy-diiies? Dazu kann ich nur sagen: Entschuldigung, aber ich kenne keine Frau, die es viel wichtiger findet, für die gleiche Arbeitszeit Tausend Euro weniger zu verdienen, als von ihren Chefs für eine besonders billige Arbeitskraft gehalten zu werden. Und ich glaube auch nicht, dass der Spiegel oder irgendein anderes Medium eine auftreiben wird.

Diese ganze Diskussion über das soziale Verhalten von Frauen muss einfach aufhören, denn sie führt uns alle nur in eine Falle ohne Handlungsperspektive. Ein sehr guter und sehr deprimierender Artikel auf AlterNet zeigt, warum: Denn alle Studien zu dem Thema zeigen, dass Frauen es einfach nicht richtig machen können. Sind sie zu nett, werden sie übergangen. Sind sie betont selbstbewusst/aggressiv, findet man sie anstrengend und – sie werden übergangen oder geschnitten. (Übrigens ein gutes Beispiel für dies Phänomen scheint Staatsanwältin Lichtinghagen zu sein, die gerade von ihrer Behörde vertrieben wird.) Und einfach nur kompetent zu sein, wie das v.a. von jungen Frauen immer geglaubt wird, reicht offenbar auch nicht.

Als stolzes Mitglied im Club Killing with Kindness bin ich zwar der Ansicht, dass Nettsein nicht gleich Schwachsein ist. Ich glaube, man kann mit einer strategischen Mischung aus Freundlichkeit, Bestimmtheit und der Kunst, Dinge auch mal nicht zu tun, schon etwas erreichen- aber ich spreche mich gern in zehn Jahren wieder, soviel, tja, Bescheidenheit muss sein.

Wovon ich aber immer mehr überzeugt bin, ist, dass wir auf der Basis von sozialpsychologischen Erkenntnissen herzlich wenig für die Gleichberechtigung erreichen können. Da muss erstmal Politik her. Darüber müssen wir reden, nicht über fehlgeleitete Persönlichkeitswandlungen. Liebe Leser_innen, was sagt ihr?


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Homo, Migration, Phobien

11. November 2008 von Meredith

Am 25. November findet in Berlin eine Fachtagung zum Thema „Homophobie in der Einwanderungsgesellschaft“ statt. Laut Veranstalter finden zwischen den schwul/lesbischen Szenen und den Migranten-Gemeinschaften Annäherungen statt, „die nicht immer ganz spannungsfrei verlaufen“. Deshalb organisiert die Landesstelle gegen Diskriminierung für Gleichstellung einen ganzen Tag voller Podiumsdiskussionen, Vorträge und Workshops. Es kommen Künstler, Streetworker, Aktivisten, Wissenschaftler. Hauptsächlich soll es darum gehen, Handlungsstrategien zu entwickeln, wie sowohl Rassismus in der Gay-Szene als auch Homophobie gerade unter jungen muslimisch bzw. arabisch geprägten Migrationshingründlern* verhindert oder abgebaut werden kann.

Austragungsort ist die Werkstatt der Kulturen in der Wissmannstr. 32, Neukölln – Anmeldung unter www.gladt.de.

*ich will da ein neues, besseres Wort! Hat jemand mal eines für mich, bitte?


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Jungen: Schwach und Stark

5. November 2008 von Katrin

Von Freitag bis Samstag hatte das Gunda-Werner-Institut zusammen mit dem Forum Männer zu einer Tagung geladen, die sich mit dem Thema „Arme Jungen“ beschäftigte. Ich hatte das Glück, einige Zeit an dieser Tagung teilnehmen zu können und habe viele neue Impulse mitgenommen, aber auch viele Vermutungen bestätigt bekommen.

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