Einträge mit dem Tag ‘Pille danach’


Pille danach: Die Rezeptpflicht bleibt bestehen

13. April 2012 von Helga

Bereits 2004 empfahl das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, die Abgabe der Pille danach auch ohne Rezept zuzulassen, auch die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt dies nach jahrelangen guten Erfahrungen. In Europa ist dies inzwischen in 28 Staaten der Fall – in Deutschland weiter nicht. Ein Vorstoss der bremischen Gesundheitsbehörde, die Rezeptpflicht aufzuheben, scheiterte letzten Monat erneut, berichtete der Spiegel. Die Begründung erinnert ein wenig an Argumente, die ansonsten von saudi-arabischen oder erzkonservativen US-Politker_innen hervorgebracht werden:

“Das Argument gegen die Befreiung war, man würde den Frauen durch diesen Schritt zu viel Freiheit genehmigen”, vor allem die konservativen Länder seien dagegen gewesen.

Immerhin wird ferner darauf verwiesen, was in den Beratungsgesprächen noch alles abgeklärt werden könne: Man wolle verhindern, dass die Einnahme überflüssig sei, weil sie zu spät erfolge. Ob die Einnahme tatsächlich sinnvoll ist, lässt sich allerdings nicht immer bestimmen – im Zweifelsfall wird immer noch zur Verschreibung geraten. Im ärzteblatt wird außerdem angeführt, dass abgeklärt werden müsse, ob der „ungeschützte Geschlechtsverkehr mit Einwilligung der Frau stattgefunden habe oder ob es Anzeichen für eine Gewaltproblematik gebe“.

Leider fehlt es bis heute in der täglichen Arbeit zum einen an der Zeit, auf diese Probleme einzugehen, zum anderen auch weiter oft an dem Wissen, wie Gewaltproblematiken überhaupt zu erkennen sind. So wirkt diese Sorge vorgeschoben, im schlimmsten Fall werden Frauen sogar weiter moralisch belehrt. Dies zeigt sich bereits offen in der Angst, mit freier Verfügbarkeit würden Frauen nicht mehr auf „sinnvolle Verhütung“ setzen. So wird Frauen pauschal Nachlässigkeit und sogar Dummheit unterstellt. Mit rund 30 Euro pro Einsatz würde das „bedenkenlose Rumgevögel“ aber ein teurer Spaß.

Tatsächlich sei Geld der Faktor für Ärzt_innen, die Rezeptpflicht beizubehalten, heißt es von der Beratungsorganisation pro familia. Sie fürchteten den Verlust von Patientinnen und finanzielle Einbußen. Ansonsten ist das Gerangel um die Freigabe der Pille danach vor allem ein Machtspiel – ausgetragen auf dem Rücken der Betroffenen.


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Wissenschaftler_innen haben herausgefunden…

24. März 2010 von Helga

… dass Männer, die ihre Partnerinnen schlagen, das Ausmaß von Gewalt in Beziehungen deutlich höher einstufen, als es tatsächlich der Fall ist. Nicht klar ist bisher, so The Curvature, ob die Fehleinschätzung dazu führt, dass sie gewalttätig werden, oder eher als anschließende Rechtfertigung gebraucht wird. Wichtig ist in jedem Fall, immer wieder deutlich zu machen, dass die Mehrheit der Männer ihre Partnerinnen nicht schlagen und vergewaltigen.

… dass Frauen, selbst wenn sie nur indirekt Seximus beobachten, anschließend eine schlechtere Meinung von Männern haben. Bereits „mittelmäßig schlimme” sexistische Kommentare führen zum Wunsch, sich von Männern abzugrenzen und verärgerten die Probandinnen. Die abwertenden Handlungen einzelner Sexisten beeinflußen so leider das Ansehen aller anderen Männer, berichtet The Sexist. Da viele Übergriffe in der Öffentlichkeit passieren, raten die Forscherinnen allen Zuschauer_innen, nicht wegzusehen sondern den Seximus direkt anzugehen.

…dass bessere Verfügbarkeit der Pille danach Frauen nicht verleitet, auf Verhütung während des Sex zu verzichten. Wie dieStandard.at berichtet, nehmen sie die Pille danach im Notfall aber früher ein. Da gerade die frühest-mögliche Einnahme wichtig ist, ergibt sich ein weiteres Argument für die Aufhebung der (deutschen) Rezeptpflicht.

…dass sich Erwachsene nicht ganz einig sind, was „Sex” eigentlich ist. So sehen zwar 95% das Einführen eines Penis in die Vagina als Sex an. Kommt es dabei nicht zum Samenerguss, sehen das nur noch 89% als Sex. Für Anal-Sex, Oral-Sex oder manuelle Stimulation sanken die Zahlen noch weiter, so Broadsheet. Um Missverständnisse zu vermeiden, sollte man also nicht annehmen, dass Gesprächspartner_innen Sex genauso definieren, wie man selbst.

Wem das noch nicht genügend Studien und Sexforschung sind, der findet bei The Sexademic noch ein paar fast vergessene Wissenschaftler_innen, die sich weit vor Alfred Kinsey daran machten, Schlafzimmer und Reproduktionsorgane zu untersuchen. Etwa Clelia Duel Mosher, die den Mythos „fragile Frauen” untersuchte und feststellte, dass Korsetts statt biologischer Nachteile zu Atemproblemen führen.


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Gebloggtes aus der deutschen Websphäre

6. März 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 78 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Letzte Woche leider durch die Lappen gegangen, aber absolut lesenswert: “Die Pille danach – ein Erlebnisbericht” auf dem mädchenblog. Auch things that hurt berichtet von ihren Erfahrungen mit der Pille danach.

Auf drei hälften konstatiert die Autorin: Der Feminismus ist tot! Anhand von verschiedenen Beispielen zählt sie auf, warum der Feminismus dennoch dringend gebraucht wird.

Die Zahlenzauberin ärgert sich über ihren Arzt, der sie wegen einer Grippe untersuchen soll und wegen ihres Gewichts ermahnt - “aber in zwanzig Jahren…” Dabei ist ihr Selbstbewusstsein in jahrelanger Arbeit erkämpft.

Antje Schrupp fragt auf twitter: “Maskulinisten kündigen an, einen Vortrag von mir per Flashmob zu stören. Was würdet Ihr machen?”

In Großbritannien wird demnächst einer der letzten Unterschiede zwischen Ehe und gleichgeschlechtlichen eingetragenen Partnerschaften fallen, denn am Dienstag beschloss das House Lords mit 95 zu 21 Stimmen die “Equality Bill” – queernews berichtete.

Auf zwischengeschlecht gibt es einen Verweis auf die Petition der Organisation Intersex International (OII) gegen Diskriminierung von Zwittern durch das Internationale Olympische Komitee (IOC).

Auf Aviva Berlin wird das Buch “Migration als Ressource. Zur Pendelmigration polnischer Frauen in Privathaushalte der Bundesrepublik” von Sigrid Metz-Göckel, Dobrochna Kalwa und Senganata Münst besprochen.

Zusammen mit anderen Kolleginnen aus der Mädchenarbeit entstand die Idee, im August mit einem Vernetzungstreffen in Marburg den Grundstein für einen bundesweiten Austausch junger feministischer Sozialpädagoginnen zu legen, wie auf beziehungsweise weiterdenken berichtet wird.

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter mannschaftspost(at)web.de Bescheid.


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Die Pille danach

22. Dezember 2009 von Helga

Geplatztes Kondom, die Pille mit einer Magen-Darm-Erkrankung, die Gründe für die Pille danach sind vielfältig. In Deutschland braucht man dafür eine Verschreibung vom Arzt, in Österreich gibt es sie künftig auch ohne Rezept.

Im Interview mit der Sueddeutschen sieht Manfred Stumpfe, der Vizechef des Berufsverbandes der Frauenärzte in Bayern, verschiedene Probleme: So sei die Pille danach nicht so häufig nötig, wie Frauen sie sich verschreiben lassen wollen, und zu wenige Frauen kämen zur Nachuntersuchung. Auch sei die ärztliche Versorgung in Deutschland so gut, dass jede Betroffene rechtzeitig die Pille danach bekommen könne. Das Zeitfenster zur Einnahme beträgt 72 Stunden, dabei ist Schnelligkeit Trumpf. Dass viele junge Frauen (aber auch ältere) über ihren Zyklus zu wenig Bescheid wissen, ist in der Tat ein großes Problem.

Ich hatte schon junge Frauen als Patientin, die in der Pillenpause, also in den sieben Tagen zwischen den normalen Einnahmezyklen der Pille, kommen, und eine “Pille danach” verlangen. Diese Mädchen wussten nicht nicht, dass sie in dieser Zeit sowieso nicht schwanger werden können und verhüten während dieser Zeit immer mit Kondom.

Diese Frauen waren augenscheinlich schon bei einem Frauenarzt, der sie bei der Verschreibung aber nicht ordentlich informiert hat. Ob nun nur eine weitere Verschreibung diesen Fehler korrigieren kann sei dahingestellt. Genauso wie die Frage, ob nur Ärzte und nicht auch Apotheker die Betroffenen zu einer Nachfolgeuntersuchung motivieren können. Die medizinische Verfügbarkeit ist laut pro familia nicht ganz so rosig, denn einige Krankenhäuser stellen keine Rezepte für die Pille danach aus. Frauen in ländlichen Gegenden müssen zunächst zum Arzt und danach noch zu einer Apotheke kommen. Das belastet zeitlich und monetär vor allem die sozial Schwachen, die häufig auf den öffentlichlich Nahverkehr angewiesen sind; die Medikament- oder Rezeptkosten, sowie die Praxisgebühr kommen ebenfalls noch in den meisten Fällen dazu.

Schließlich wird im Interview dargelegt, dass das Notfallkontrazeptivum Pille danach und die Abtreibungspille zwei verschiedene Dinge sind – um im letzten Absatz doch noch “Abortivum” zu verwenden. Dabei wird nur das Einnisten einer befruchteten Eizelle verhindert. Dies gilt allgemein und im § 218 nicht als Schwangerschaftsabbruch, nur bei der katholischen Kirche.

Außerdem gibt es bei der Sueddeutschen noch einen Kommentar, der das Unbehagen mit der Entscheidung so begründet:

Die Freigabe der “Pille danach” lässt ahnen, wie sehr die Trennung von Sexualität und Liebe zugenommen hat. Sex ist – gerade bei Jugendlichen – verfügbar geworden und hat verfügbar zu sein, sofort, ohne das Lebensspiel von Zuneigung und Zärtlichkeit, ohne Achtung des Anderen als Subjekt der Lust, als Persönlichkeit.

Von dem Wunsch, nicht schwanger zu werden, auf weniger Achtung vor dem Sexualpartner zu schließen ist schon ein weiter Wurf. Rochus Wolff kommentierte:

Liebe ist doch gleich Kinderwunsch, oder etwa nicht?


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