Einträge mit dem Tag ‘Pille danach’


Das Jahr 2014 – Ein Feministisches Lexikon

19. Dezember 2014 von Charlott

Welche Themen standen auf unserer feministischen Agenda 2014? Welche Ereignisse haben das Jahr geprägt? Welche Personen und ihren Aktivismus haben wir bewundert? Zum Abschluss des Jahres gibt es dieses Mal ein Lexikon. Zu jedem Buchstaben könnte es natürlich noch zig weitere Einträge geben – ergänzt doch eure in den Kommentaren!

A wie Aktivismus, Ausschlüsse und Ablasshandel
Ein Thema, welches sich eigentlich durch jedes Jahr zieht/ ziehen sollte: Wie wollen wir unseren Aktivismus gestalten? Wie können dabei unterschiedliche Positionen bedacht und genutzt werden? Welche Taktiken und Praxen haben sich bewährt? Nadine machte sich darum einmal Gedanken darüber, wer wann auf Podien sitzt, wo Absagen vielleicht Sinn machen und wo nicht (und was das mit unterschiedlichen sozialen Positionierungen zu tun hat) und über Geldspenden als Art der ökonomischen Umverteilung.

B wie #BlackLivesMatter und #BringBackOurGirls
Am 09. August dieses Jahres wurde der Schwarze Jugendliche Michael Brown von dem weißen Polizisten Darren Wilson in Ferguson, Missouri, erschossen. Gegen den Polizisten wurde nicht mal ein Verfahren eingeleitet. Es handelt sich dabei natürlich nicht um einen Einzelfall, sondern es ist ein Beispiel für die anhaltende rassistische Polizeigewalt – die keinerlei Konsequenzen hat. In ihrem Text „Wenn Schwarzer Menschen nicht lächeln…“ verlinkt Sharon eine ganze Reihe von weiteren Beispiel aus den USA und Deutschland. Von Ferguson ausgehend und durch weitere publik werdende Taten (die ebenfalls kaum Konsequenzen nach sich zogen) entwickelte sich in diesem Jahr eine Protestbewegung, die im Internet unter anderem unter dem Hashtag #BlackLivesMatter und auf den Straßen vieler Städte anzufinden war. In Berlin versammelten sich am 29. November Aktivist_innen am Brandenburger Tor, um den Opfern zu Gedenken und darauf zu verweisen, dass es stimmt: #FergusonIsEverywhere, Ferguson (d.h. rassistische Strukturen, die Gewalt legitimieren) sind kein rein us-amerikanisches Phänomen. So wird sich am 07. Januar zum bereits zehnten Mal der Tod von Oury Jalloh jähren. Derzeitig sammelt die Initiative im Gedenken an Oury Jalloh Geld um ein weiteres Gutachten zur Brand- und Todesursache anfertigen zu können.

Außerdem sollten nicht die 200 Mädchen, die am 14. April in Nigeria entführt wurden, vergessen werden.

C wie Chancengleichheit
Chancengleichheit, Chancengerechtigkeit, Teilhabe, Akzeptanz, > Toleranz, Inklusion – ein Wörtersalat, der häufig eher das „gut gemeint“ als das „gut gemacht“ abdeckt, wenn es um die Rechte von Menschen mit Behinderung geht. Hannah hat sich im November die Anhörung des Ausschusses “Arbeit und Soziales” zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen angehört und aufgezeigt, welche Diskussionen rund um das Bundesteilhabegesetz (nicht) geführt werden. Außerdem erklärte sie in einem weiteren Text, was der Begriff Inklusion eigentlich umfassen sollte und wie er häufig stattdessen ausgehöhlt wird.

D wie Diskurspolizei
Sprachdebatten zwischen „Darf man denn hier gar nichts mehr sagen!“ und „Diese Gender-Leute drängen ja immer einen Sprachgebrauch auf!“ begleiteten auch das Jahr 2014. Am prominentesten ist sicher die medial breit geführte „Debatte“ um Lann Hornscheidts Sprachinterventionen. Auf einen öffentlichen Brief von WissenschaftlerInnen antwortete hier Jayrôme mit „Es ist Zeit, Realität als real zu betrachten„. Im Juli hatte außerdem accalmie die Verwendung diskriminierender Begriffe, die Verteidung dieser Praxis und das Umwerten als die echte Diskriminierung (TM) von Begriffen, die sonst unmarkierte Normen benennen, seziert.

E wie Elliot Rodger
Am 23. Mai tötete Elliot Rodger in Isla Vita, Kalifornien, sechs Menschen. Zuvor hatte er in Videos und einer über hundert Seiten langen „Autobiographie“ seine Misogynie verbreitet. In vielen deutschsprachigen Medien wurde die Tat dekontextualisiert und individualisiert. Ich schrieb über die Hintergründe der Tat, wie sie vielleicht verhindert hätte werden können. (mehr …)


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Veranstaltungen gegen Rassismus, Psychiatriekritik und die Kopftuchfrage – Die Blogschau

29. November 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 267 von 295 der Serie Die Blogschau

Zunächst noch einmal wichtige Terminhinweise: Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland Bund e.V. veranstaltet heute gleich zwei Solidartitätsveranstaltungen, zum einen gegen die rassistische Tradition des „Zwarte Piet“ von 13:45 Uhr und endet um 14:15 Uhr vor der Niederländischen Botschaft in Berlin und zum anderen von 15:30 – 16:30 Uhr auf dem Platz des 18. März direkt vorm Brandenburger Tor anlässlich der Entscheidung der Geschworenenjury im Fall von Michael Brown statt. Mehr Informationen gibt es beim ISD e.V.

anders deutsch berichtet von einer Gegendemonstration gegen eine Nazi-Demo in Berlin-Marzahn. Diese finden zur Zeit alle paar Tage in Berlin (und natürlich auch anderen Städten) statt. Die nächste in Marzahn zum Beispiel schon wieder am Montag, den 01.Dezember.

Bei der Zeit schrieb Robin Detje einen Text zu Feminimus, genauer gegen den Backlash gegen Lann Hornscheidt verfasst. Und weil er sich dort pro-feministisch inszenierte, wurde der Text auch gleich mal vielerorts gelobt und massig verlinkt. sanczny hat sich dem Artikel kritisch gewidmet.

Auf Das Ende des Sex gibt es einen „Überblick: Angriffe gegen Geschlechterforscher_innen und Sexualpädagog_innen und die Positionierungen von Fachgesellschaften„.

Bei fembooks gibt es als Antwort auf den Backlash eine Zusammenstellung von Büchern, „die aus Trans-Perspektive verfasst wurden oder sich kritisch, widerständig, empowernd, kreativ mit Lebensentwürfen, Erfahrungen, Sprache, Biografien … jenseits von Mann/Frau befassen.“

Zur Frage ob und wie die „Pille danach“ rezeptfrei in Deutschland wird, hat i heart digital life einiges zusammengetragen.

Die zweite Folge des Podcasts Steintofu ist erschienen und dreht sich um das Thema Depressionen, wobei Kritikpunkte am Konstrukt Depression, was Depressionen mit politischer Arbeit zu tun haben können und Umgangsweisen- und ansätze thematisiert.

Muslimische Frauen, die ein Kopftuch tragen, sehen sich immer wieder und wieder und wieder mit der Frage nach dem „Warum?“ konfrontiert. betuelulusoy antwortete in einer Diskussionsrunde nach einer nach einem Podiumsgespräch einmal mit „Das geht Sie überhaupt gar nichts an!“ und schreibt über das wunderbare Gefühl nach diesem Ausspruch.

Bei Feminismus in Pott gibt es unter „Gut gemeint und trotzdem ätzend: Eine Veranstaltung zu Körpern in den Medien in Mülheim an der Ruhr“ eine Rückschau auf eine Veranstaltung, auf der auch Magda ihren Vortrag „Mein Fett ist politisch“ hielt – doch leider in keinem besonders diskriminierungsarmen Rahmen.

Und auch im November startete ein neues Blog in der deutschsprachigen queer_feministischen Blogosphäre: Auf nopsyko schreibt ein_e Psycholog_in mit eigener Psychiatrieerfahrung kritisch zu Psychiatrie und Psychiatrisierung.

Habt ihr diese Woche was geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Jede Woche verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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„Pille Danach“-Präparate werden rezeptfrei

26. November 2014 von accalmie

Es kommt unerwartet: Bislang zeigten sich insbesondere CDU-Politiker_innen, allen voran Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Jens Spahn, fakten- und beratungsresistent, wenn es um die Freigabe der „Pille danach“ auch in Deutschland ging. Erst zu Beginn des Jahres entfachte erneut die Debatte, ob Personen, die die Pille danach benötigen könnten, diese #WieSmarties naschen würden, wäre sie denn rezeptfrei, und ob man schwanger werden könnenden Personen überhaupt zutrauen könnte, Beipackzettel zu lesen oder gar auf den eigenen Körper bezogene Entscheidungen zu treffen. Doch während in der CDU noch gemauert wird, wird im Europäischen Arzneimittelausschuss schon beschlossen, und auch in Deutschland werden bestimmte „Pille danach“-Präparate künftig ohne Besuch beim Arzt_Ärztin und ohne Rezept in Apotheken zu erwerben sein.

Deutschland folgt nun also unfreiwillig der großen Mehrheit europäischer Staaten, der jahrelangen Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Forderung von fast 30,000 Menschen, die eine Petition für die rezeptfreie Abgabe unterschrieben und der Entscheidung des Bundesrats aus dem letzten Jahr. Wie Anna-Sarah 2013 kommentierte, wird die Ablehnung eines rezeptfreien Verkaufs der Pille grundsätzlich in „patriarchalisch-paternalistischer Manier“ zum „Schutz der Patient_in“ verkündet – fiele die Rezeptpflicht weg, so das Argument, sei es quasi vorprogrammiert, dass es reihenweise zu schweren Nebenwirkungen kommen könnte, da Leute sich die Pille danach ja wie Süßigkeiten reinpfeifen könnten, „leichtsinnig und uninformiert wie wir sind“. Auch der Hinweis auf die zum Teil schweren Nebenwirkungen frei erhältlicher Medikamente wie Aspirin oder Paracetamol konnte Gegner_innen der Pille danach nicht davon abhalten, weiterhin den „Schutz von Frauen*“ zu postulieren und doch Kontrolle über Frauen* zu meinen.

Fakten- und beratungsresistent bleibt man also weiterhin – das einzige, was sich geändert hat, ist, dass der Bundesregierung nun schlicht keine sinnvolle andere Wahl bleibt, während man jahrelange Proteste aussitzen konnte. Bald heisst es aber: Wer die Pille danach braucht, muss sich nicht mehr von Ärzt_innen maßregeln und slutshamen lassen, da man auf deren Benevolenz angewiesen war, und bekommt ein Stück Handlungs- und Entscheidungsfreiheit bezüglich des eigenen Körpers zurück. Jens Spahn indes droht schon mit „strukturierten Bögen“ intensiver Beratung für alle, die die Pille danach kaufen – wie gut, dass Beipackzettel Standard sind und man sich auch mit dem_der Apotheker_in unterhalten kann. Klappt beim Aspirinkauf ja auch. Es bleibt zu hoffen, dass eine freiwillige, selbstbestimmte Beratung auch bei der Pille danach möglich sein kann und wird, statt für den Kauf neue politische Hürden aufzubauen.

Was immer noch problematisch ist? Die Kosten der Pille danach, die nicht von Krankenkassen übernommen werden, und der Fakt, dass gängige bestimmte „Pille danach“-Präparate ab einem bestimmten Körpergewicht einfach gar nicht mehr zu wirken scheinen. Was weiterhin durch §218 des Strafgesetzbuchs illegal ist? Abtreibung. Wer immer noch auch beim Zugang zu reproduktiven Rechten systematisch diskriminiert wird? Menschen, die nicht der hetero- und cissexistischen Norm eines cis-hetero Paars entsprechen, Menschen mit Behinderung, Menschen, die nicht Teil eines weißen Mutterideals sind.

Zum vielfältigen Feld (eines Mangels) an reproduktiven Rechten haben Anna-Sarah, Charlott, Nadia und accalmie im Februar 2014 einen podcast aufgenommen, in dem einige Aspekte angerissen werden. Diesen sowie eine Zusammenstellung einiger Mädchenmannschafts-Texte zum Thema findet ihr hier.


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Historische Drag Kings, safere Sextipps, eindimensionale Medienschablonen – die Blogschau

29. März 2014 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 243 von 295 der Serie Die Blogschau

Wichtige Geschichte(n): Das ButchBlog über „historische Drag Kings in den USA„.

Was an der verharmlosenden Berichterstattung über die Hebammenkrise falsch und problematisch ist, fasst Anja bei Von guten Eltern zusammen. Dazu auch noch passend: Auf der Seite selbstgeboren.de werden Geburtsberichte von Personen gesucht, die eine “kraftvolle und selbstbestimmte Geburt erlebt haben” haben. Nicole analysiert auf literatier, welche fraglichen Bilder durch diesen Aufruf (und dem Diskurs um „selbstbestimmte, natürliche Geburten“) transportiert und verstärkt werden.

Über Safer Sex für Trans*-Menschen (und andere) gibt es viel zu lesen und verlinkt bei wunder2welt.

Auf unregelmäßige Gedankensplitter wird dargestellt, warum (queer_)feministisches Wissen gespeichert werden sollte. Der Artikel ist Teil einer längeren (geplanten) Serie zum warum und wie des Archivierens von feministischen Wissen.

Einen Mangel an sexueller Bildung und was partriarchale Strukturen und die Pille danach damit zu tun haben, beschreiben Franziska Barth und Anna Wegricht bei wildwuchsutopien.

Steinmädchen schreibt über das beklemmende Gefühl des Kontrollverlusts, wenn das Geld nicht reicht.

Bloggerin Katrin (Reizende Rundungen) hat dekaderei ein Interview gegeben – „über den persönlichen als auch kollektiven Kampf gegen Fatshaming, das von “Frauenzeitschriften” propagierte Schönheitsideal, die Zerschlagung von Mode und Körperregime und ihren Umgang mit anonymer Hate-Speech“.

„Warum wir auf diese Art Bezeugungen verzichten können, bei denen sich weiße Hetero-Männer für möglichst viel Publicity gegenseitig dafür auf die Schultern klopfen, wie unfaßbar fucking tolerant sie sind, ja, ganz von sich selber gerührt, ohne zu checken, dass genau diese Kultur das Problem stärkt, vom dem sie sich so stolz abheben wollen“ erklärt Eve Massacre auf Breaking The Waves.

Hilfreiche Tipps wanted: Das FemCamp Wien braucht eine Location! 120 Leute sollen sich am 20. und 21. Juni in Wien zur feminstischen Vernetzung treffen können.

Die österreichische feministische Online-Zeitschrift diestandard (von der Mädchenmannschaft sowohl häufig verlinkt als auch kritisiert) steht angesichts drohenden Ressourcen-Entzugs vor dem Aus. Was das bedeutet, erklärt Lea Susemichel in der an.schläge.

(Post-)Schwangere Körper in den Medien – aufZehenspitzen bietet eine gruselige Zitatezusammenstellung.

Über „Neues zu schädlichen Arbeitsumfeldern in der IT-Branche“ anhand der Beispiele GitHub und Mozilla schreibt Melanie bei femgeeks.

Kurzfristiger Demo-Tipp: Eine Kneipe im Wrangelkiez in Berlin hat Schwarzen Menschen Hausverbot erteilt. Dagegen wird am Sonntag (morgen) um 17 Uhr demonstriert: Hier das Facebook-Event und der Demo-Aufruf der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (auf Englisch).

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Emanzipatorische Kinderliteratur, Stand your Ground und Pille danach – kurz notiert

26. März 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 235 von 349 der Serie Kurz notiert

deutschprachige Links

Die Regierung räumt ein, dass die „Pille danach“ keine schwerwiegenden Nebenwirkungen hat. An der Rezeptpflicht will sie trotzdem festhalten, so die taz.

Gegen 500 Teilnehmer_innen an der Demo gegen den Wiener Akademikerball wird jetzt wegen Landfriedensbruch ermittelt. Aber was bedeutet das überhaupt? FM4 hat Antworten.

Am zweiten März-Wochenende fand in Berlin die Konferenz Care Revolution statt. Die Teilnehmer_innen haben gemeinsam eine Resolution mit Forderungen erarbeitet und wollen sich nun regelmäßig treffen, um weiter zusammen zu arbeiten. Die Resolution könnt ihr auf der Konferenzseite nachlesen.

Das migrationspolitische Portal der Heinrich-Böll-Stiftung hat ein neues Dossier veröffentlicht, das sich mit emanzipatorischer Kinderliteratur befasst, u.a. mit Beiträgen von Tupoka Ogette und Maisha Eggers.

englischsprachige Links

Ballandalus proträtiert 15 wichtige Muslima der Geschichte.

Colorlines intiierte ein Gespräch zwischen Zadie Smith und Chimamanda Ngozi Adichie zu postkolonialen Literaturen. Auf selbem Portal könnt ihr euch den Talk als Videomitschnitt ansehen.

MSNBC hat eine Studie zum „Stand your ground“-Gesetz durchführen lassen, das spätestens nach den Morden an Renisha McBride, Trayvon Martin und Jordan Davis in die Kritik geraten ist. Stand your Ground wird immer wieder verteidigt, da es angeblich die Rechte von von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen stärke, weil das Gesetz aus Notwehr begangene Tötungsdelikte gegen gewalttätige Partner rechtfertige. Nicht nur der Fall von Marissa Alexander, die lediglich einen Warnschuss abgab, um sich vor ihrem Ehemann zu schützen, der sie umbringen wollte und der nun eine Haftstrafe von 60 Jahren droht, sondern auch die Studie im Auftrag von MSNBC zeigen deutlich, dass Stand your Ground weder Betroffene von häuslicher Gewalt schützt, sondern im Gegenteil zu rassistisch und sexistisch motivierten Gewalttaten führt.

Jill Andrew von Fat in the City hat einen Talk veröffentlicht, der sich mit Körperbildern, Fat Shaming und dünner Normalisierung auseinandersetzt.

Auf Norient.com könnt ihr euch Videos queerer Hip Hop Künstler_innen anschauen.

Das Karl May Museum in der Nähe von Dresden weigert sogenannte „Skalps“ an Native Americans in den USA herauszugeben, in den USA ist die Ausstellung solcher seit 1990 schon verboten, berichtet der Guardian.

Termine

An diesem Wochenende findet im AZ Mülheim die Open Stage Veranstaltung Reclaim The Stage statt, bei der Kreative, Musiker_innen, Künstler_innen, Interessierte eingeladen sind die Bühnen zu entern und kreativ zu werden. Los geht’s um 15 Uhr, die Veranstaltung richtet sich an FLT*I.

Am 8. April eröffnet die Fotoausstellung junger lesbischer Frauen in Namibia im Haus der Demokratie und Menschenrechte Berlin. Die Ausstellung ist bis zum 5. Mai 2014 werktags von 10 – 17 Uhr zu sehen.

Mädchenfestival von „Lauter Mädchen!“: Mädchen-Bands, Musikerinnen, Künstlerinnen, Dichterinnen, Tänzerinnen… am 24.Mai 2014 im Jugendfunkhaus in Berlin-Lichtenberg.


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Ausstiege bei Pussy Riot, ‚Pille danach‘ rezeptfrei, Valentinstag in Indien – kurz verlinkt

12. Februar 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 229 von 349 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachiges

Warum Maria Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa, einst die beiden berühmtesten Pussy-Riot-Mitglieder, mittlerweile nicht mehr Teil des Kollektivs sind, erklärt die Gruppe in einem offenen Brief über radikalen Aktivismus, politische Dilemmata und Grundsatzkonflikte, den der Freitag abgedruckt hat: „Das institutionalisierte Eintreten für andere kann es sich kaum erlauben, die fundamentalen Normen und Regeln zu kritisieren, die der modernen patriarchalen Gesellschaft zugrunde liegen. Als institutioneller Teil der Gesellschaft kann eine solche Interessenvertretung nicht mit dem Regelsystem der Gesellschaft brechen.“

In Chemnitz werden abends die akustischen Signale an Ampelanlagen abgeschaltet – Grund: Lärmschutzbedenken. Die Signale sollten allerdings eigentlich blinden und sehbehinderten Menschen mitteilen, ob eine Ampel auf grün oder auf rot steht. Die sächsische Freie Presse berichtet.

Hallo bundesdeutsche Gesundheitspolitik, es wird Zeit, dem internationalen Konsens nachzuziehen – die „Pille danach“ muss rezeptfrei werden. Dies fordert auch eine Petititon an Gesundheitsminister Gröhe: Rezeptfreie „Pille danach“ zulassen! Da nicht nur Frauen schwanger werden könne, betrifft Notfallverhütung allerdings nicht nur deren Selbstbestimmung. (Und ich hätte auch unterschrieben, wenn die „Pille danach“ Abtreibung wäre.)

Englischsprachiges

Nicht alle der hier vorgestellten Aktionen finden wir gleichermaßen super, aber eine nette Übersicht ist es dennoch: PolicyMic zeigt „23 inspirierende feministische Digitalkampagnen, die die Welt veränderten“.

Valentinstag? Kitsch, Konsum und multinormativer Pärchen-Overkill fällt vielen von uns wohl als erstes (und einziges) dazu ein. Abhängig vom kulturellen Kontext kann man das jedoch auch teilweise anders oder jedenfalls komplexer einordnen, so Deeksha Sivakumar bei Sociological Images: Sie schreibt über die Funktion des Valentinstag als Jugendrebellion in Indien.

A propos Normen: Elternschaft jenseits der Gleichung 1 Vater + 1 Mutter lässt sich nicht nur denken, sondern auch leben, und zwar bisweilen ganz „legal-formal“.  So weist die Geburtsurkunde eine neugeborenen Kanadierin nun drei Eltern aus.

Die Schriftstellerin Zadie Smith beteiligt sich an Protesten gegen den Umgang mit geflüchteten Frauen in Großbritannien, insbesondere gegen ein berüchtigtes Auffang- und Abschiebelager in Bedfordshire. Der Guardian berichtet.

Termine in Berlin, Bonn und anderswo:

Ab 18. Februar 2014 immer dienstags von 18:00 – 19:30 Uhr in der Mädchenberatung, Berlin-Wedding:Körperkreise – in Bewegung den Körper (wieder/ neu) entdecken für junge Frauen* (Alter 17-27 Jahre), die sexuelle Gewalt erlebt haben und Lust haben, sich auf eine Körperreise in Bewegung einzulassen!“ Infos gibt es per Mail unter wriezener[at]wildwasser-berlin.de; hier geht es zum Facebook-Event.

Gleich eine ganze Fundgrube von spannenden Terminen gibt es bei Lesbengeschichte – zum Beispiel einen Abend über „Drei zwiespältige homosexuellenemanzipatorische Vorkämpferinnen“, Johanna Elberskirchen, Theo Anna Sprüngli  und Emma Trosse, am 6. März in Berlin oder die montagliche Filreihe „Queer Monday“ in Bonn.


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Reproduktive Rechte im Kontext – der Winterpodcast

4. Februar 2014 von der Mädchenmannschaft

Winterzeit, Podcastzeit: Diesmal geht es um reproduktive Rechte und feministsche Debatten um jene.  Dazu gehören zum Beispiel Fragen wie: Für wen sind die „Pille danach“ oder Abtreibung relevante Themen? Nicht nur Frauen können schwanger werden, und nicht für alle Frauen ist schwanger werden können ein großes Thema – aus verschiedenen Gründen. An welche Personen werden überhaupt Anrufungen „eine Familie zu gründen“ gerichtet? Wem wird es eigentlich verunmöglicht?

Vor einer Woche haben sich accalmie, Anna-Sarah, Charlott und Nadia zusammengefunden und überlegt, was uns an dem Thema Reprorechte wichtig ist und welche Leerstellen sich in Debatten darum oft ausmachen lassen. Spoiler alert: Reproduktionsrechte betreffen den gesamten Lebenszyklus (na, wer hätte das gedacht ;) ).

Unten findet ihr einige vertiefende Links zu Dingen, über die wir gesprochen haben; mehr noch, wenn ihr zum Beispiel „reproduktive Rechte“ ins Suchfeld hier auf der Seite eingebt. Wie immer freuen wir uns über Feedback und besonders über Hinweise auf eigene Beiträge und auf Facetten, die wir nicht im Blick hatten.

Die Weltbevölkerungskonferenz Kairo 1994:

Abtreibung(srechte):

„Pille danach“:

Familienpolitik in der BRD:

Cissexistische Rechtslagen in Deutschland:

Behinderung und Sexualität:

Familienbilder und -mythen:

 


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Girl Power, Genitalien und viele bunte Smarties – kurz verlinkt

16. Januar 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 225 von 349 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links:

Im vergangenen Jahr vermutlich einer der Konsens-Ohrwürmer schlechthin: „I love it“ von Icona Pop. „Elektropop mit einer Ladung Girl Power, genauso sollte er aussehen“, findet Hengame Yaghoobifarah in der taz.

Während „die Situation“ der Hebammen noch seitens der Regierung aufgrund des hohen Protestes jetzt aber wirklich mal „beobachtet“ wird, verschlechtert sie sich zusehends dramatisch: „Ab Juli soll die Haftpflichtversicherung der Geburtshelferinnen wieder einmal steigen: um 20 Prozent. Für die meisten ist das existenzbedrohend„, so die Freie Presse.

Smartiegate neu aufgewärmt: „Die Frage, ob die „Pille danach“ künftig rezeptfrei abgegeben werden darf, zählt zu den Streitfragen der großen Koalition„, weiß RP Online. Und die schokoladene Facepalme der Woche geht hiermit an Jens Spahn.

Stellenausschreibung: Die Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt sucht „eine/n Mitarbeiter/in Presse/Öffentlichkeitsarbeit“!

Termin: Am 23. Januar ab 18:00 hält Kübra Gümüsay in Duisburg einen Vortrag über „Inklusion & Intersektionalität im feministischen Netz! Ist Feminismus nur für privilegierte weiße Akademikerinnen?“ Hier geht’s zum Facebook-Event.

englischsprachige Links:

Für die Zeitschrift Elle schrieb Janet Mock über die Genitalienfixiertheit, die Cis-Personen im Umgang mit Trans* Menschen oft an den Tag legen, über Entmenschlichung, und über die transformative Kraft, die mit Solidarität und Sisterhood einher geht.

Twitter_innen aufgepasst: Unter dem Hashtag #lifeofamuslimfeminist finden sich seit ein paar Tagen viele Erfahrungen, Rants oder Reflexionen muslimischer Feministinnen, die oftmals an viele Fronten gleichzeitig kämpfen müssen.

Golda Poretsky analysiert bei Body Love Wellness die Frage, warum „übergewichtige“ Kinder so ein großes Thema sind und antwortet: weil das so viel einfacher ist, als über Kinderarmut zu sprechen.

Ms Afropolitan kritisiert die eindimensionale Darstellung von Winnie Mandela im Film „Long Walk To Freedom“, der neuen Biographie über Nelson Mandela.

The Advocate berichtet mit Fotos von der Einweihung des ersten israelischen Mahnmals für diejenigen, die von den Nazis wegen ihrer „sexuellen Orientierung“ und Geschlechtsidentität verfolgt wurden, in Tel Aviv.

CeCe McDonald wurde kürzlich aus der Haft entlassen – warum sie dennoch nicht automatisch frei ist, erläutert Prison Culture.


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Von Plan B zu Plan V. Der neuste PETA-Fail.

3. Dezember 2013 von Charlott

Ab 2014 wird der französische Konzern HRA Pharma in der EU einen neuen Beipackzettel für das „Pille danach“-Präparat NorLevo beilegen. Auf diesem wird darauf hingewiesen, dass NorLevo nur voll wirksam ist bis zu einem Gewicht von 75 Kilogramm. Bei einem höherem Gewicht soll das Präparat nicht genutzt werden.

Der Pharmakonzern bestätigte damit das, was bereits 2011 von einer britischen Wissenschaftlerin in einer Studie festgestellt wurde. NorLevo ist ab einem Körpergewicht von 75kg bedeutend weniger wirkungsvoll und ab 80kg nimmt die Wirkkraft noch einmal immens ab. Derzeitig heißt es, dass die Entwicklung einer Pille, die auch für Menschen mit mehr Gewicht wirksam ist, schwierig sei, da die einfache Erhöhung des Wirkstoffes nicht zum Erfolg führt. (Vielleicht ist es aber auch eine Frage der Prioritäten?) Stattdessen wird erst einmal den Betroffenen empfohlen sich nach anderen Mitteln zu erkundigen. Doch sind diese (je nach Land) mit mehr Hürden verbunden und bei Alternativen wie der Kupferspirale teurer, invasiver und langfristiger eingreifend.

Es gäbe dem entsprechend viel zu diskutieren: Wer hat wo und wie Zugang zu welchen (Notfall)Verhütungsmitteln? Auf was wird geachtet bei der Erforschung und Entwicklung neuer Präparate und Methoden? Auf welche Personen werden Medikamente eingestellt? Welche Konsequenzen sollten gezogen werden?

Das Thema ist innerhalb der letzten Woche auch in den USA durch die Medien gegangen, da viele der Präparate, die zugänglich sind, zwar von anderen Herstellern stammen, aber mit dem gleichen Wirkstoff (Levonorgestrel) arbeiten. Eine Kennzeichnung gibt es bisher nicht und ist zur Zeit nicht geplant. Wenige der veröffentlichten Artikel aber sprachen über die relevanten Fragen, sondern die Mehrzahl ergaben sich im subtilen bis ganz und gar nicht subtilen fat shaming. PETA, die für ihre sexistischen_misogynen Tierschutzkampagnen berühmt sind, nahmen das alles zum Anlass, um gestern eine neue Kampagne ins Leben zu rufen: Plan V.

Die Aussage? Wenn Menschen Plan V (Vegansein) nutzen, nehmen sie dabei Gewicht ab und schon können sie wieder auf Plan B (Notfallverhütung) zurückgreifen. Das Thema vegane Ernährung wird von PETA genutzt, um fat shaming zu betreiben, Diät-Mythen aufzutischen und eine wichtige Diskussion über Notfallverhütung (und eigentlich davon ausgehend auch über andere hormonelle Verhütungsmethoden und Medikamente allgemein) und deren Wirksamkeit zu derailen. Es heißt also mal wieder: PETA, danke für nichts.


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„Pille danach“ rezeptfrei? Ja, wenn es nach dem Bundesrat geht.

12. November 2013 von Charlott

Noch im Mai hatte der Gesundheitsausschuss des Bundestags beschlossen, dass die Notfallverhütung („Pille danach“) weiterhin nur mit Rezept erhältlich sein soll. Anna-Sarah fasste diesen Beschluss treffend zusammen:

Damit stellt sich der Bundestag gegen die Empfehlung verschiedener Expert_innengremien, unter anderem der Weltgesundheitsorganisation WHO. Die Begründung ist natürlich wieder mal in patriarchalisch-paternalistischer Manier der Schutz der Patient_in – fiele die Rezeptpflicht weg, so das Argument, sei es ja quasi vorprogrammiert, dass wir alle uns das Zeug wie Smarties reinpfeifen, leichtsinnig und uninformiert wie wir sind.

Nun mal wieder eine Wendung: Der Bundesrat beschloss vor einigen Tagen, dass die „Pille danach“ rezeptfrei zugänglich gemacht werden sollte. Richtigerweise hieß es dazu, dass es somit Menschen erleichtert werden soll, sich vor ungewollten Schwangerschaften zu schützen. Schließlich ist das die Aufgabe dieses Präperats: Eine Schwangerschaft verhindern bevor sie eintritt.

Doch die Bundesrat-Entscheidung allein bringt leider noch nicht viel. Die neue Bundesregierung wird darüber entscheiden müssen. Als Termin ist derzeit der 14. Januar benannt. Und wie stehen die wahrscheinlichen Regierungsparteien CDU/CSU und SPD zur Rezeptfreiheit? Aufschluss bieten unter anderem die Wahlprüfsteine von profamilia. Darin äußert sich die SPD:

Auch die SPD ist der Auffassung, dass die Entlassung der „Pille danach“ aus der Rezeptpflicht in Deutschland längst überfällig ist. Die SPD-Bundestagsfraktion hat die schwarz-gelbe Bundesregierung deshalb mit dem Antrag „Rezeptfreiheit von Notfallkontrazeptiva-Pille danach – gewährleisten“ (BT-Drs. 17/11039) aufgefordert, noch in dieser Legislaturperiode die rechtlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die „Pille danach“ mit dem Wirkstoff Levonorgestrel endlich aus der Verschreibungspflicht entlassen wird. Auch auf Ebene der Bundesländer wird die Entlassung der „Pille danach“ mit dem Wirkstoff Levonorgestrel aus der Rezeptpflicht aktuell diskutiert. Über die Frage, wie eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen für unter 20-Jährige geregelt werden kann, wird gesondert zu beraten sein.

Bei CDU/CSU heißt es hingegen:

Die „Pille danach“ ist ein hoch wirksames Hormonpräparat und kein reguläres Verhütungsmittel. Es sollte nur im Notfall eingenommen werden. Ihre Sicherheit ist zudem nicht mit anderen hormonellen Verhütungsmitteln zu vergleichen. Deshalb sind grundsätzlich eine ärztliche Beratung bei der Verwendung dieser Medikamente und eine Verschreibungspflicht notwendig. CDU und CSU werden keine Schritte unternehmen, die das Aufheben der Verschreibungspflicht zum Ziel haben.

Nun ja, das klingt leider nicht sehr erfolgsversprechend.

Weitere Texte zu dem Thema aus den letzten Jahren:

Alarm: Die Moral-Apotheker kommen! (2007)
Die Pille danach (2009)
Pille danach: Die Rezeptpflicht bleibt bestehen (2012)
Der dauernde Kampf um Reproduktionsrechte (2012)
Reproduktive Rechte auf die Agenda setzen (2013)
Trotz Kritik von allen Seiten: Notfallverhütung bleibt rezeptpflichtig (2013)


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