Einträge mit dem Tag ‘Philosophie’


Bloggen statt Rausch

1. August 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 76 von 103 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

Julia Schramm
(laprintemps auf Twitter und Facebook)

Wie heißt du?
Julia Schramm

Seit wann bloggst du?
Seit Februar 2010.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Ich habe dem Rausch entsagt und gefastet. Ich hatte damals eine Phase, in der ich mich oft in verschiedende Formen des Rausches geflüchtet habe – hauptsache keinen klaren Kopf bewahren. Irgendwann stellte ich fest, dass es Missbrauchstendenzen annimmt, also der Versuch durch externe Gelüste innere Missstände zu übertünchen. Deswegen beschloss ich mich im Anschluss an ein, im Rheinland traditionell, exzessives Karneval dem christlichen Fasten hinzugeben. Aber unter agnostischen Vorzeichen, also die Frage: Was bringt Verzicht? Was steckt hinter diesen Traditionen? Gibt es eine humanistische Ebene? Gleichzeitig war es auch ein Kampf mit mir und meinen Dämonen. Bloggen war da sehr hilfreich. Ein offenes Tagebuch.

Worüber schreibst du?
Über Politik, Gesellschaft, Liebe, Philosophie, Menschen, Piratenpartei, mein Universum und die Metamoderne. Ich verfolge weder ein konkretes Thema, noch steht der Blog unter einem Aspekt, der mir wichtig ist. Ich teile meine Gedanken der Welt mit. Mehr nicht.

Was dir ohne Internet nicht passiert wäre:
Oh, so einiges wäre mir nicht passiert! Ich wohne nicht umsonst im Internet. Meine Liebe hätte ich verpasst, viele Freunde und geistige Weggefährten wären mir entgangen. Auch haben mich Freunde wiedergefunden, die ich sonst wohl verloren hätte ohne einen Detektiv zu beauftragen. Und schließlich wäre ich dem Feminismus gegenüber immer noch so ignorant, wie ich es war. Das Internet ist quasi schuld, dass ich mich nun als Feministin bezeichnen will – so als Haltung.

Wovon braucht das Internet mehr:
Bewusstsein. In vielerlei Hinsicht. Bewusstsein der User über die Beschaffenheit, über die Flüchtigkeit und Verflüssigung, um mal meine neu erworbenen Hegelkenntnisse auszupacken. Und weniger Panik. Viel weniger Panik. Und mehr Langmut.

Frauen im Web sind…
… genauso unbeholfen in der Überwindung von Sexismus wie im Analogen.

Deine tägliche Web-Lektüre:
Twitter, bild.de, SpOn, faz.net und alles, was mein Twitterfeed so spannendes von sich gibt.

Tipps und Bewerbungen für die WWW Girls an post(at)maedchenmannschaft.net.


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„Weg vom passiven Konsum, hin zu aktiven Gedanken“

28. März 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 67 von 103 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

J.A. Blog

Wie heißt du?
Julia Adriana (Die abgekürzten Vornamen J.A. bezeichnen auch mein Blog)

Seit wann bloggst du?
Seit Mitte 2000 habe ich die erste Homepage, damals noch mit einem Tagebuch aus statischen HTML-Seiten. WordPress benutze ich seit ca. 2005 und bin seitdem dabei geblieben. Das Blog hat sich ständig weiterentwickelt, zuerst waren sehr viele persönliche Dinge drauf und mit der Zeit wurde ich dann politischer.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Ich hatte schon immer das Bedürfnis, über mein Leben zu schreiben und ein Ventil für meine Gedanken zu finden. Das Internet war damals noch recht neu und die vielen Leute, die man damit erreichen konnte, waren für mich eine reizvolle Vorstellung. Als meine Texte etwas direkter wurden und Kritik zu meinen Äußerungen oder Ansichten kam, wurde mir klar, dass das Internet auch eine politische Plattform ist und eine gute Möglichkeit, sich mit der eigenen Person und den eigenen Ansichten zu engagieren. Ich war damals noch sehr euphorisch, was sich nach den Jahren etwas gelegt hat. Heute schreibe ich nur noch, weil es mir Spaß macht und die Texte meistens irgendwie raus müssen.

Worüber schreibst du?
Auch wenn ich mir eigentlich vorgenommen hatte, über alle möglichen Themen zu schreiben, stelle ich fest, dass mein Interesse für soziale, politische und psychologische Themen sich durchgesetzt hat. Außerdem versuche ich die Rolle der Philosophie und auch der Religionen mit einzubeziehen, die ja in der öffentlichen Debatte meistens ein Schattendasein fristen. Ich vermische das mit privaten Eindrücken und zwar bewusst – eine Möglichkeit, die ich in einer Zeitungsredaktion nicht hätte. Ich suche in den Dingen die Ungerechtigkeit und überlege, was mich persönlich daran stört. So bin ich auch auf den Feminismus und die Genderdebatte gestoßen. Da es im Netz inzwischen sehr viele gute und interessante Seiten zu dem Thema gibt, ist der Feminimus ein kleiner Schwerpunkt geworden.

Da ich selbst gerne lese und auch regelmäßig Filme oder Reportagen/Talksendungen im Fernsehen schaue, rezensiere ich regelmäßig darüber und überlege, wie die Sachen in die laufende Diskussion passen. Das hilft mir ein wenig, vom passiven Konusm wegzukommen und aktive Gedanken zu entwickeln. Ab und zu, aber viel zu selten, mache ich Reiseberichte oder Fotos aus der Umgebung. (weiterlesen …)


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Wer war… John Stuart Mill?

20. Mai 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 14 von 31 der Serie Wer war eigentlich …

John Stuart Mill wurde am 20. Mai 1806 in London geboren und verstarb am 8. Mai 1873 in Avignon. Mill war ein englischer Philosoph und Ökonom und gilt als einer der einflussreichsten liberalen Denker_innen des 19. Jahrhunderts.

John Stuart und Harriet Taylor Mill

John Stuart und Harriet Taylor Mill

Mills Kindheit war von der Strenge seines Vaters James Mill bestimmt, welcher ihn in Griechisch, Latein, Algebra, Philosophie, Geschichte und Wirtschaft ausbildete. Beeinflusst durch den englischen Juristen und Philosophen Jeremy Bentham lehrte James Mill seinem hochbegabten Sohn den Gedanken des Utilitarismus (“Handle so, dass das größtmögliche Maß an Glück entsteht”). Mit seinem Modell des maximalen Nutzens, welches einen starken Fokus auf individuelle Freiheit setzte, rechtfertigte John Stuart Mill in seinem 1861 geschriebenen Essay The Subjection of Women* die Forderung nach der Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft. Sein Werk gilt als eines der ersten systematischen Analysen zur Situation der Frauen** im 19. Jahrhundert.

In The Subjection of Women diskutiert Mill die möglichen Ursachen der Ungleichstellung von Mann und Frau, wie sich dieses Ungleichgewicht in Kultur, Politik und in der Gesetzgebung manifestierte und welche Chancen für die Gesellschaft dadurch verloren gehen. Seiner Analyse nach hindere die geschlechtsspezifische Sozialisation Frauen daran, ihr persönliches Potential – und für Mill noch zentraler: auch das der Gesellschaft – auszuschöpfen. (weiterlesen …)


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Die Zukunft der Frauenbewegung

8. März 2009 von Barbara
Dieser Text ist Teil 24 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Um die “Zukunft der Frauenbewegung” geht es der 1964 geborenen Journalistin und Politologin Antje Schrupp in ihrem gleichnamigen Buch von 2004. Vor der Zukunft steht die Gegenwart, und so beantwortet Schrupp erst mal die Frage: “Wo stehen wir heute?”. Das Patriarchat, jene “schlechte” Ordnung, die die Dinge regelte, sei heute zerfallen. Es herrsche nun eine Unordnung, nach dem “Verlust der väterlichen Autorität” der “Väter, Chefs, Vorgesetzten” ist nun die “Macht der Brüder” an oberster Stelle. Hier bezieht sich Schrupp auf die Italienerin Chiara Zamboni aus der Philosophinnen-Gemeinschaft Diotima und erklärt anhand deren Schrift “Das Patriarchat ist zu Ende”:

Die Brüder … halten nicht mehr das Ideal der Hierarchien hoch, sondern das der Gleichheit … die Brüder, die ‘zerstritten, aggressiv, gewalttätig sind und zugleich schwach und narzisstisch” … müssen sich auf andere Weise [als die Figur des Vaters, die Autorität und Macht verband] in den Vordergrund spielen, und sie tun das auf der Bühne der Öffentlichkeit.

Eben diese Bühne ist nun auch für Frauen zugänglich: in der Politik, in den Medien, im Berufsleben. Doch die dort herrschenden Regeln sind die der Brüder.

Vielleicht liegt hier eine Erklärung für die Tatsache, dass trotz AGG und der Bereitschaft von privatwirtschaftlichen Unternehmen, Frauen nun doch in die Führungsetagen zu lassen (auf dem Frauenpolitischen Forum der Grünen in Stuttgart vor ein paar Tagen hörte ich, dass sowohl die Deutsche Bank als auch Daimler über eine Quote für die oberste Etage immerhin nachdenkt), nicht alle Frauen auch wirklich dazu bereit sind, Karriere zu machen. “Karriere” – dieses Wort ist ein in der Öffentlichkeit höchst männlich konnotierter Begriff, der viele Frauen abschreckt. 14-Stunden-Arbeitstage, Netzwerke beim Bier bis spät in die Nacht, der Kontakt zur Familie nur über die Fotos auf dem Schreibtisch.

Doch gerade weil aus dem “Patriarchen” eine “Gruppe Piraten” geworden ist, sei es an der Zeit, dass “die Frauenbewegung nun in die Phase der ‘Regeln der Partizipation’” eintrete, schreibt Schrupp. Und: “Es ist notwendig, dass sich weibliche Autorität nicht nur im privaten Kreis äußert, sondern dass sie sich öffentlich zu Wort meldet.” Und dabei hilft der Feminismus, “die Welt und die eigene Rolle darin besser zu verstehen und in Freiheit den Weg des persönlichen Begehrens zu finden”.

Antje Schrupps Buch regt zum Nachdenken, zum Weiterdenken an. Wer sind wir Feministinnen heute? Welche Aufgaben warten heute auf uns, welche Möglichkeiten haben wir und welche nicht? Wichtiger denn je bleibt die Lebendigkeit der Frauenbewegung, der politische Austausch und die Bereitschaft, Autorität sowohl zu akzeptieren als auch zu übernehmen. Der Blick in die Zukunft stimmt Schrupp optimistisch, denn schließlich gehe es dabei um die “Liebe zur Freiheit”.

Antje Schrupp, “Zukunft der Frauenbewegung”. Christel Göttert Verlag, 2004. Taschenbuch, 84 Seiten. 5 Euro.


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