Einträge mit dem Tag ‘Patriarchat’


Angst vor Frauen als Ursache für Sexismus?

8. September 2011 von Anna-Sarah

Aktuell bei Twitter rumgereicht wird ein Interview mit dem Sozialpsychologen Rolf Pohl, das Heide Oestreich 2009 für die taz geführt hat.  Pohl lehrt  an der Uni Hannover Sozialpsychologie, seine Arbeitsschwerpunkte sind laut Wikipedia männliche Sexualität und Geschlechtsidentität, Antisemitismusforschung sowie psychoanalytische und sozialpsychologische Fragen zu NS-Tätern und ihren Verbrechen.  Amüsantes* “biografisches” Detail am Rande: Auf einer  maskulistischen und hier sicherlich nicht verlinkten (aber bei Bedarf leicht googlebaren) Website wird Pohl als “Nestbeschmutzer”, der “Angehörige des Geschlechts, dem er selber angehört, degradiert”, an den “Pudel-Pranger” gestellt und ihm wird – Achtung, Realsatire – die  “mutwillige Gefährdung des Geschlechterfriedens durch Schaffung eines männlichen Feindbildes” vorgeworfen…

Das Interview ist also nicht brandaktuell,  aber interessant genug, um hier jenen, die den Artikel noch nicht kennen (ich gehörte bis vor sehr kurzem selbst auch dazu) nochmal vorgestellt zu werden – zumal er inhaltlich innerhalb der letzten zwei Jahre wenig an Aktualität verloren hat.  Der  für meinen Geschmack streckenweise recht pampige Ton in den Fragen von Heide Oestreich, der wohl spritzig-kess bis konfrontativ-investigativ rüberkommen soll, mag zwar bisweilen etwas nerven, doch es lohnt, sich Pohls Ausführungen zu Gemüte zu führen.

Hier eine Kostprobe:

Aber “Sexismus” war eine Kampfparole in einer Zeit, in der Männer ihren Herrschaftsanspruch noch ganz offen formulierten. Heute ist sexistisches Verhalten offiziell verpönt, wir haben eine rhetorische Modernisierung erlebt. Weil die Diskriminierungen subtiler geworden sind, wirkt der Begriff nun ungenau. Ich würde auch nicht mehr sagen, wir leben in einem Patriarchat, sondern: Wir leben in einer männlich dominierten Gesellschaft mit klaren Geschlechterhierarchien. Niemand sagt mehr: Eine Frau darf nicht Bundeskanzlerin oder Führungskraft werden. Aber die Eigenschaften, die etwa dem Amt von Frau Merkel zugeschrieben werden, sind einer positiven Vorstellung von dominanter Männlichkeit entliehen. Und dann ist das Geschlecht der Amtsinhaberin natürlich mediales Dauerthema. Dieser Umstand ist mit “hegemonialer Männlichkeit” besser beschrieben als mit dem Begriff Patriarchat, in dem eine Frau auf dem Posten des Kanzlers nicht akzeptabel ist.

A propos hegemoniale Männlichkeit: Das Interview selbst ist ein Paradebeispiel dafür, wessen Positionen zu Genderfragen  als Expertise aufgegriffen, verbreitet und zur Kenntnis genommen werden und welche medial ein eher randständiges Dasein führen…

Spannend wird es vor allem da, wo Pohl  männliche Angst als wesentlichen Faktor für die von ihm beschriebenen gesellschaftlichen Schieflagen ausmacht – diese These eignet sich sicherlich hervorragend zum Diskutiertwerden. Ich persönlich hoffe vor allem, dass Pohl (z.B. durch Verfolgen der Mädchenmannschaft :-) ) mittlerweile sein anscheinend etwas verzerrtes Bild des “neuen Feminismus”, der angeblich Männlichkeitsideale nicht infrage stelle, die vorherrschenden Machtstrukturen nicht analysiere und dem allgemeinen Trend der Individualisierung folgen würde, revidiert hat. Zugegeben,  im Interview wird nicht zu 100% klar, ob er damit seine eigene Auffassung beschreibt oder die mediale Darstellung des Phänomens “Alphamädchen” kritisiert.  Stimmt letzteres, ist es umso mehr schade, dass er die Gelegenheit nicht genutzt hat, da was richtig zu stellen.

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*Ich hoffe inständig, dass die maskulistischen Verunglimpfungen keinerlei negativen Folgen für Herrn Pohl und die anderen dort diffamierten Personen haben/hatten und sie sich daher selbst auch über die Lächerlichkeit dieser Anwürfe amüsieren können/ konnten  -  ansonsten wäre es natürlich absolut verfehlt, meinen Fund als auch nur ansatzweise “amüsant” zu bezeichnen.


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Untertauchen dank Klischees: Psychopathinnen

16. Februar 2011 von Helga

Auf Spiegel Online ist vor kurzem ein Artikel zu einem bislang kaum beachteten Thema erschienen: Psychopathinnen. Im Gegensatz zu Psychopathen wurden sie bisher kaum erfasst und weiß kaum jemand etwas über sie. Wie die Berliner Psychologin Anja Lehmann der Freien Universität Berlin nun untersuchte, liegt dies auch an den Diagnosekriterien. So sei die Hare-Skala besonders auf Männer zugeschnitten, Psychopathinnen erreichten teilweise deutlich weniger Punkte, als für eine Einordnung nötig sind.

So ist ein wichtiges Element der Checkliste die Frage nach frühen Verhaltens­auffälligkeiten. Psychopathische Jungs zeigen meist schon im Sandkastenalter alarmierende Anzeichen einer seelischen Unwucht: Sie quä­len Tiere, legen Feuer, sind mitunter extrem gewalttätig und be­drängen häufig schon mit zehn oder zwölf Jahren Mitschüler oder Ge­schwister sexuell. Ein ähnliches Muster ließ sich bei Mädchen bisher nicht ausmachen. … Die von Lehmann befragten Frauen dagegen waren als Mädchen eher durch Bagatelldelikte aufgefallen: “Sie klauen im­mer wieder Haargummis oder Lippenstifte – das sind Verfahren, die dann wegen Gering­fügigkeit eingestellt werden.”

So heißt es in einem der Vorschläge für die Überarbeitung der Kriterien: „Be­ziehun­gen sind für Psycho­pathinnen bloßes Mittel zum Zweck.“ Dass Psychopathen mehr Wert auf Beziehungen legen, scheint kaum vorstell­bar – so­lange Frauen aber als gefühlsbetont und immer um zwischenmenschliche Beziehungen bemüht gelten, fällt davon abweichendes Verhalten vielleicht deutlicher auf. Von Männern heißt es schließlich oft genug, ihre Freundschaften basierten auf gemeinsamen Schweigen.

Insgesamt scheinen männliche wie weibliche Psychopathen auch nicht allzu ver­schieden zu sein, neben „rätsel­hafter Seelen­kälte“ versuchen sie ihre Mit­menschen zu kontrollieren und Macht aus­zuüben. Da­ge­gen variiert die Wahl der Mittel: Während Psycho­pathen eher charmant erscheinen, nutzen Psycho­pathinnen ihre Sexualität. Dies hängt sicher auch mit den Geschlechterbildern und -rollen unserer Gesellschaft zusammen. Für Männer ist es ungleich schwieriger, sich als hilflos und schützenswert zu positionieren, um so parasitär leben zu können. Darüber macht sich auch Lehmann Gedanken, wenn auch etwas unerwartet.

Mitunter beschleichen die Psychologin Anflüge eines schlechten Ge­wissens. In solchen Momenten fürchtet sie, mit ihrer Forschung das Ansehen der Frau an sich zu untergraben. Aber dann besinnt sie sich wieder auf die eigentliche Erkenntnis: “Dass Frauen auf ähnlich er­schreckende Weise psychopathisch sein können wie Männer – ist das nicht auch ein Beitrag zur Gleichberechtigung der Geschlechter?”

Die Frau an sich, der bessere Mensch?! Überhöhung als Strategie ist alt. Kaum zu glauben, aber tatsächlich auch ein Mechanismus des Patriarchats. Wie die denkwerkstatt vor einem Jahr bereits schrieb: „Haben Sie schon einmal versucht, jemanden zu kritisieren, der ein Gespräch mit dem Satz: ‚Ja, ich weiß, ich bin eben nicht so toll / gut / moralisch / gescheit wie du‘ beginnt?“


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Frauen als Täterinnen und die Kategorie Gender als Gewaltakt

30. September 2010 von Nadine
Dieser Text ist Teil 45 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Frauen als Täterinnen und Unterstützer­innen eines patriarchal organisierten Ge­walt­systems wurden seit Beginn der Frauen­bewegung immer wieder benannt, doch selten führte diese Benennung zu einer methodologischen und epistemologischen Ver­änderung innerhalb feministischer Forschung und Kritik. Unversalisierbar schien die Auffassung, das Patriarchat stelle eine allumfassende aus­schließlich von Männern initiierte und ausgeübte Form der Unter­drückung von Frauen dar. Zu tief saßen Trauma und Scham über die Gewalt­verbrechen und Menschen­rechts­ver­letzungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, an denen Männer und Frauen im gleichen Maße beteiligt waren, unter denen Männer und Frauen im gleichen Maße litten.

Die Täter-Opfer-Dichotomie begann erst in den 1980er Jahren brüchig zu werden, als kritische Feminist­_innen die These der Mit­täter­innen­schaft nachhaltig innerhalb feministischer Diskurse etablieren konnten und so eine selbst­kritische Perspektive auf das Geschlechter­verhältnis eröffneten. Christina Thürmer-Rohr trug einen wesentlichen Teil dazu bei, das feministische Selbst­bild zu überdenken und feministischer Forschung einen anderen methodologischen Zugang an die Hand zu geben, Herrschafts- und Machtformen zu analysieren und zu hinterfragen.

In „Die unheilbare Pluralität der Welt – von Patriarchats­kritik zur Totali­ta­ris­mus­forschung“ fasst Thürmer-Rohr den feministischen Diskurs des 20. Jahr­hunderts grob zusammen und erläutert in chronologischer Abfolge politisches Denken und Handeln des Feminismus mit seinen jeweiligen Epistemen in Bezug auf Gewalt, Macht und Herrschaft. Weiter verknüpft sie Erkenntnisse der Totalitarismus- und feministischer Forschung und rekurriert dabei immer wieder auf Hannah Arendt, die Anerkennung von Dialog und Pluralismus forderte und in der Vielfalt und Verschiedenheit von Menschen ein Mittel gegen totalitäre Bewegungen, Systeme und Denkansätze sah.

Die inhaltliche Nähe zu Arendts Erkenntnissen zu Formen totaler Herrschaft fußt auf Thürmer-Rohrs eigener Biografie: Ihr Vater war in der Zeit des Nationalsozialismus Offizier der Wehrmacht. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs beginnt Thürmer-Rohr sich kritisch mit ihren eigenen traumatischen Erfahrungen und ihrer Rolle als Frau in einem totalitären System, als Familienmitglied eines seiner Unterstützer_innen und dem Funktionieren des Systems selbst auseinander zu setzen. Später wendet sie sich gegen ihren Vater.
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Linksammlung

9. März 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 77 von 153 der Serie Kurz notiert

In ihrer ersten Gleichstellungsrede macht die CDU-Frauenministerin Kristina Schröder (ehemalige Köhler) laut der taz deutlich, was sie von Quoten hält: so wenig wie von Cortison.

Die Debatten um die fortbestehenden geschlechterspezifischen Ungleichheiten in der Gesellschaft werden von zwei Begriffen geprägt, die scheinbar in einem Konkurrenzverhältnis zueinander stehen: “Patriarchat” und “heteronormative Matrix”. In der Jungle World kann man zwei Positionen nachlesen: “Kampf dem strukturellen Patriarchat!” und “Kampf der heteronormativen Matrix!

Das bis dahin nach dem brandenburgischen Kolonialherren Otto Friedrich von der Groeben benannte Gröbenufer im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg wurde in May-Ayim-Ufer umgenannt. May Ayim war eine Dichterin und Aktivistin der afrodeutschen Bewegung.

Auf DieStandard.at wird von einer Studie aus der kolumbianischen Hauptstadt Bogota berichtet, die ergab, dass sich 21% der Freier in die Prostituierte verlieben, mit der sie sich eingelassen haben und 23% immer wieder diese eine Frau aufsuchen. Umgekehrt gaben 50% der Prostituierten an, sie hätten sich bereits einmal in einen Freier verliebt.

Auf Sociological Images werden gerade Stereotype thematisiert, die in vielen (westlichen) Ländern über asiatische Frauen (als vermeintlich kulturell homogene Gruppe) herrschen: “The Submissive Asian Sterotype“.

Der Spiegel berichtet: Im Skandal um den sexuellen Missbrauch von Kindern in katholischen Einrichtungen gibt es jetzt auch Vorwürfe gegen ein Kinderheim der Berliner Hedwigschwestern. Ein Opfer sagte im ZDF: “Man hört immer nur von den Priestern, dabei waren’s doch die Nonnen genauso.” Im Selbermach-Sonntag verlinkte Ben das zugehörige ZDF-Video.

Seit Donnerstag können in Mexiko-City gleichgeschlechtliche Paare den Bund fürs Leben schließen, so die Washington Post. Die Stadt kann ihre eigenen Gesetze erlassen und hat im ansonsten streng katholischen Mexiko mit liberalen Entscheidungen für Kontroversen gesorgt. So wurden Abtreibungen im ersten Trimester erlaubt und die Scheidung ohne Schuldfrage eingeführt. Mit 50% der Einwohner_innen sind die Befürworter_innen der gleichgeschlechtlichen Ehe auch deutlich mehr als die Gegner_innen (38%). Bisher waren nur eingetragene Partnerschaften erlaubt.

Eine britische DJane rockt gerade die französische Party-SzeneRuth Flowers ist 69 Jahre alt!

Im britischen TV lässt die Repräsentation von Frauen zu wünschen übrig. Der Guardian berichtete von einer Studie, nach der Männer 65% aller Auftritte auf den Kanälen bestreiten. In Soap Operas ist das Verhältnis noch ausgeglichen, in den Nachrichtensendungen sind dagegen deutlich weniger Frauen zu sehen. Und wenn, dann meist zu den „weichen” Themen Gesundheit oder Kultur.

Auf broadsheet@salon schreibt Judy Mandelbaum über polnische Abtreibungsgegner_innen, die Abtreibung mit Faschismus gleichsetzen. In Poznan steht auf einem riesigen Plakat neben dem Gesicht von Hitler zu lesen: “Abtreibung für polnische Frauen wurde am 9. März 1943 von Hitler eingeführt.”


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Mit, gegen und im Patriarchat

25. Februar 2010 von Stephanie
Dieser Text ist Teil 7 von 12 der Serie Frauen bewegen

In der Grundschule wollte ich unbedingt beweisen, dass Mädchen sich auch prügeln können. Das führte zu mehreren grundschuladäquaten Schlägereien mit Klassenkameraden. Ich verlor immer, weil es mir schlicht  nicht behagte, meinen Gegnern weh zu tun. Mein Ziel hatte ich ja dennoch erreicht: Prügeleien waren keine reine Jungssache. Mein persönliches Erfolgserlebnis wurde jedoch nicht von meiner Klasse geteilt, für sie hatte ich einfach nur im Kampf verloren.
Heute werde ich diese Geschichte als meinen ersten Kampf mit dem Patriarchat. Dieser Kampf war weder gegen noch um das Patriarchat, sondern ein Ringen um eine Argumentationsgrundlage.

Auch heute freut sich ein Teil von mir, dass Paris in den Gilmore Girls eine „asoziale, aufgeblasene, narzisstische Wichtigtuerin“ ist, über Frauen in der Bundeswehr oder beim Minenräumen, wenn Frauen, obwohl sie sich nicht geschlechtsstereotyp verhalten, die Heldinnen sind.
Doch ein anderer Teil von mir fragt, ob diese Heldinnen unabhängig von feministischen Zielen, auch an einer Gesellschaft arbeiten, die ich mir wünsche.
Angela Merkel ist hierfür ein perfektes Beispiel: Von der Durchsetzungsfähigkeit, über ihre Klamotten und ihren Humor,  bis zu ihrem Diskussionsstil hat sie jedes Potential mein persönliches Vorbild oder meine beste Freundin zu werden. Trotzdem ist sie für mich unwählbar. (weiterlesen …)


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Kopftuch ab, Kopftuch auf, Kopftuch egal?

25. Juli 2009 von Magda

Beim Surfen bin ich über den Artikel The dos and don’ts of defending Muslim women von Fatemeh Fakhraie gestolpert, welcher schon vor ein paar Wochen veröffentlicht wurde. Darin spricht sie vom Ethnozentrismus westlicher FeministInnen, die muslimische Frauen als Opfer eines rigiden Patriarchats konstruieren und so aus der Perspektive der vermeintlich Befreiten für die Belange der Musliminnen sprechen, ihnen aber gleichzeitig ihre Idee der Befreiung aufdrücken. Die Kopftuchfdebatte ist dazu sicherlich einer der bekanntesten Mediendebatten. Ist das Kopftuch ein Symbol der Unterdrückung oder lediglich ein Kleidungsstück, welches Religionszugehörigkeit aufzeigt? Sollte dieses verboten oder als bloße Religionsausübung betrachtet werden? Und wer entscheidet das eigentlich? Viel zu oft bekommen nur jene Gehör, die das Kopftuch entweder vehement ablehnen oder jene Musliminnen, die das Kopftuch aus freien Stücken tragen und dessen Verbannung opponieren.

In einem Politik-Essay für die Uni habe ich mal geschrieben, dass man insbesondere diejenigen zur Kopftuchdebatte sprechen lassen sollte, die es betrifft, sprich Muslim/innen. Meine Professorin kommentierte mit den Worten: Wie sieht es denn mit jenen Frauen aus, die gar nicht sprechen dürfen? Das ist ein interessanter Punkt; fällt es doch auf, dass insbesondere westliche und islamische AkademikerInnen – die folglich relativ priviligiert sind – zum Kopftuch Stellung nehmen.

Vor einiger Zeit gab es auf feministing eine Diskussion, die u.a. eine Antwort auf Sarkozys geplante Burka-Verbannung (der Spiegel berichtete) darstellte. Darin reagiert die muslimische Autorin SaraMalkani auf die Behauptung, dass für Frauen, die die Burka freiwillig tragen, jenes ein Kleidungsstück der Wahl sei, mit folgendem Satz:

This argument obscures the fact that there is a pervasive, sexist propaganda in many Muslim communities in favor of the burqa. Many women are vulnerable to this propaganda and so their so-called choice to wear a burqa may not be the result of independent, informed decision-making.

Die Frage ist nur: In welchem sozialen Kontext können wir von einem “informierten und unabhängigen Entscheidungsprozess” reden? Das Problem liegt auch hier wieder in der Annahme, dass die liberalen westlichen Gesellschaften diesen Rahmen uneingeschränkt bieten. Nun möchte ich  bestimmt nicht die Strukturen westlicher Patriarchate wie die USA oder Deutschland mit all ihren Spezifika mit jenen von islamischen Ländern wie Saudi Arabien, Iran oder Afghanistan in einer Skala von “ein ganz klein bisschen patriarchisch” bis “ganz schön krass patriarchisch” einordnen. Ich glaube zwar in der Tat, dass es da Qualitätsunterschiede gibt, aber wird hier doch schnell klar, dass die Kopftuchdebatte stellvertretend für diese Debatte steht. Das Problem ist ja dann letztendlich: Kopftuch hin oder her, wie definieren wir eigentlich Geschlechtergerechtigkeit? An einem Stück Stoff kann es kaum liegen (oder doch?). Das ist doch wohl die Debatte, die dahinter steckt.


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