Einträge mit dem Tag ‘Ökonomiekritik’


Scheiß auf Diäten (und auf heuchlerische Firmen)

10. April 2012 von Magda
Dieser Text ist Teil 46 von 48 der Serie Meine Meinung

Der Brüller! Als ich diesen Werbespot das erste Mal sah, dachte ich, dass dieses satirisch erstklassige Werk die perfekte Parodie auf diese dumm-dreisten Diätwerbungen sei, die ich ertragen muss, sobald ich mein Fernsehgerät anschalte.

Weit gefehlt. Du Darfst meint es ernst. Denn - haltet euch fest – Du Darfst positioniert sich mit ihrer neuen Kampagne „F*** the Diet“ (zu deutsch: „Scheiß auf Diäten“) gegen den Diätenwahn und stellt ganz schockiert fest:

Wir haben mit Frauen in Deutschland über ihre Diäterfahrungen gesprochen. Hättet ihr gedacht, dass rund 80 % der deutschen Frauen Diäten viel zu kompliziert und absolut nicht alltagstauglich finden?

Eine Diät ist nicht alltagstauglich? Waaas?! Kalorien zählen, schlechtes Gewissen haben, überteuerte Diätprodukte kaufen, das Kleid eine Nummer kleiner bestellen („da werde ich bald reinpassen!“), dumme Sprüche von anderen Diätwütigen ertragen… verdammt noch mal, ja, das nervt ganz schön im Alltag. Bis dato dachte ich, dass Du Darfst mit Diätenquatsch ihr Geld verdient, aber weit gefehlt, denn nun präsentiert sich die Marke im neuen Kleid: Diätprodukte einfach mit gute-Laune-Bildern und eigentlich lobenswerten Anti-Diät-Botschaften verpacken, dann wird’s schon gekauft. Getreu dem Motto: Mit Feminismus Light die Kasse klingeln lassen. Bewaffnet mit Gouda unter 10% Fettanteil und Halbfettmargerine tönt die Firma weiter:

Wir wissen, dass die Gedanken bei vielen Frauen häufig um Kalorien und Gewicht kreisen – richtig glücklich macht das nicht! Das kennt ihr doch sicherlich auch? Und deshalb möchte Du darfst sich gegen den Diätenwahn stark machen.

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Ladies, Grrrls and Queers: Ladyfeste in deiner Stadt!

5. Mai 2011 von Magda

Feministisch, queer, unkommerziell, DIY (Do it yourself) – so oder so ähnlich be­schreiben sich die meisten der Lady­feste, die im deutsch­sprachigen Raum or­ganisiert werden.

Ladyfeste sind queer/­feministische Festivals, die seit 2000 haupt­säch­lich in Nord­amerika, Australien und Europa ver­anstaltet wer­den. Seit 2003 gibt es sie auch in Deutschland, wo sie erstmals in Hamburg, Berlin und Leipzig stattfanden. Die Wur­zeln der Ladyfeste sind in der sub­kulturellen und feminis­tischen Riot Grrrl-Be­wegung der 1990er Jahre zu finden. Das erste Lady­fest fand in Olympia (WA, USA) statt.

Im Zentrum der Lady­feste stehen nicht-kommerzielle Kon­zerte, DIY Work­shops, po­litische Vor­träge, selbst­ge­machte Kunst und Filme sowie Dis­kussions­run­den. Sie werden meist von jüngeren FLT (Frauen, Lesben, Trans*) und Queers or­ganisiert, die in Politik, Kunst und Mu­sik be­kanntlich unter­repräsentiert sind und durch solche Ver­anstaltungen ei­nen Raum für ihre politischen und kul­turellen Praxen be­kom­men. Die­ser Raum ent­steht nicht mittels eines “bio­logischen Ge­schlechts”, son­dern durch die vielfältige Thematisierung von in­einander sich ver­schränken­den Unter­drückungs­formen wie Sexismus, Rassismus, Trans­phobie, Homo­phobie und Körper­normierun­gen.

Ladyfeste haben kein festes Format und sind Mit­mach­festivals, die von den Men­schen leben, die ihre indivi­duellen Fähig­kei­ten und Interessen in die Or­ganisation und Durch­führung der oft mehr­tägigen Festivals einbringen. Bei der Pla­nung geht es weniger um bereits vor­handene Professionali­tät, sondern um das gemein­same Or­ganisieren und Er­leben von Kon­zerten, Diskussionen und politisch-kreativem Han­deln. Lady­feste haben sich ohne die Unter­stützung von klassischen Main­stream Medien in den letzten zehn Jahren meist in größeren Städten etabliert und sind dank sozialer Netz­werke und Blogs inter­national gut ver­netzt.

Für Literaturtipps und Links zu Ladyfesten in deiner Nähe, bitte klicken:  (weiterlesen …)


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Wer war die Erfinderin des Frauentages? Clara Zetkin!

8. März 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 24 von 31 der Serie Wer war eigentlich …

Die Politikerin, Feministin, Sozialdemokratin, Kommunistin und Ikone der proletarischen Frauenbewegung Clara Zetkin, geb. Eißner, gilt als Initiatorin des Internationalen Frauentages, der heute seinen 100. Geburtstag feiert.

Clara Zetkin (1857-1933), ca. 1930

Die junge Clara Eißner, geboren 1857 im sächsischen Wiederau, wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Die Tochter des Dorflehrers und einer Hausfrau konnte durch die Beziehungen der Mutter als eine der ersten deutschen Frauen eine Ausbildung zur Lehrerin erhalten und besuchte Seminare der Frauenrechtlerin Auguste Schmidt in Leipzig. Dort traf sie auf eine Gruppe sozialistischer Student_innen und ihren späteren Lebensgefährten Ossip Zetkin, ein russischer Revolutionär und Sozialist.

Als Ossip Zetkin des Landes verwiesen wurde, folgte ihm die 26jährige Clara Eißner nach Paris. Sie nahm zwar seinen Namen an, heiratete ihn aber nicht. Sie bekamen zwei Kinder und lebten in bescheidensten Verhältnissen, unterstützt von Freund_innen, die sich ebenfalls politisch engagierten. Während ihrer Pariser Jahre arbeitete Zetkin als Journalistin und Übersetzerin. Als Zetkins Lebensgefährte schwer erkrankte, pflegte sie ihn bis zu seinem Tode 1889.

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Reden wir doch mal über die Männerquote!

1. Februar 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 30 von 48 der Serie Meine Meinung

Seit etwa zehn Jahren gilt die so genannte “freiwillige Selbstverpflichtung” für Unternehmen, die dem Zwecke dient, den Frauenanteil in Führungspositionen zu steigern. Diese Selbstverpflichtung sei, laut Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), “krachend gescheitert”. Sie fordert, dass eine gesetzliche Quote her müsse - jetzt! – die in den nächsten fünf Jahren umgesetzt werden soll (wir berichteten).

Ein kurzer Blick in die Statistiken bringt Klarheit in den undurchsichtigen Wirtschaftssumpf: In den Vorständen der deutschen Unternehmen ist der Frauenanteil sage und schreibe zwei Prozent. Das ist ein Witz. Aber weil wir uns so an die Unterrepräsentanz weiblicher Führungskräfte gewöhnt haben, hilft hier vielleicht mal ein Perspektivwechsel, um dem Thema etwas mehr Brisanz zu verleihen.

Wenn wir die Frauenquoten-Debatten mal für eine Minute ruhen lassen und darüber nachdenken, warum die von der Leyens und Schröders dieser Welt noch nie die eigentlich viel dramatischere  Quote – die Männerquote – thematisiert haben, merken wir schnell: Eine Männerquote von 98% in den deutschen Vorständen könnte keine der Ministerinnen plausibel erklären, ohne über die Strukturen des Arbeitsmarktes, Diskriminierung, Sexismus und nicht zuletzt das verlässliche Old Boys Network zu sprechen. Aber das wäre ja unbequem. Dann würde es ja nicht mehr nur um Quoten gehen. Dann müssten wir uns gesamtgesellschaftlich die Frage stellen, ob wir so leben und arbeiten wollen. 50 – 60 Stunden die Woche unter Erfolgsdruck schuften? Familienfeindliche Strukturen? Eine nach einer männlichen Erwerbsbiographie ausgelegten Arbeitswelt? Nicht sehr attraktiv, mit oder ohne Quote.

Ja, die unionsgeführten Ministerien für Arbeit und Familie debattieren nun endlich über die Frauenquote. Aber: Wenn selbst die CDU sich zu Frauenförderung äußert, sollte man hellhörig werden. Und besonders auf die Argumentationslinien achten.

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Für den langen Winterabend: Die Autobiographie von Emma Goldman

27. Dezember 2010 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 48 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Maike Landwehr, 1983 geboren und alleinerziehenderweise vom Vater großgezogen, erkannte schon früh die Idiotie von Geschlechterrollen. Auf die Verweigerung mit Puppen zu spielen und sich “niedlich” anzuziehen, folgte schließlich ein Studium in Hamburg, bei dem sie sich mit Männerphantasien und Frauenbildern in Geschichte und Literatur beschäftigt hat. Maike wird uns heute die Autobiographie „Gelebtes Leben“ von Emma Goldman vorstellen.

„Gelebtes Leben“ (im Original: Living my Life) – der Titel passt: Emma Goldman (1869-1940) hat ihr Leben gelebt, oft kompromisslos, häufig uneigennützig und immer unangepasst. Mit 20 Jahren betrat eine junge Frau die Großstadt New York, sie selbst zählte ihre Lebensjahre später von diesem Zeitpunkt an, denn die Stadt und die Menschen, die sie hier traf und kennenlernte, politisierten sie stark und weckten einen äußerst rebellischen Geist in ihr. In den damals noch jungen Vereinigten Staaten herrschte eine politische Realität, gegen die sie ihr Leben lang ankämpfen sollte.

Der so genannte Haymarket Riot war brutal und für mehrere der Mitorganisatoren tödlich niedergeschlagen worden und veranlasste neben Goldman noch viele andere, sich gegen die menschenverachtende Arbeitssituation in Fabriken und Betrieben zu wehren. Goldman war es dabei wichtig, nicht in einen starren Dogmatismus zu verfallen, sondern stets auch die Meinungen ihrer Mitstreiter_innen wie die ihrer Gegner_innen anzuhören. Ihr besonderes Anliegen war die Durchsetzung der Redefreiheit in ihrem Land. Einem Land, das sich selbst als Demokratie bezeichnete, dessen ständige Missachtung demokratischer Rechte Goldman jedoch täglich registrierte. (weiterlesen …)


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Wer war… Emma Goldman?

27. Juni 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 17 von 31 der Serie Wer war eigentlich …

Emma Goldman war eine russisch-amerikanische Anarchistin, die am 27. Juni 1869 im heutigen Litauen (damals Russisches Reich) als Tochter eines jüdischen Theaterdirektors geboren wurde.

Emma Goldmanm (1911) via Wikimedia Commons

Als Emma 13 Jahre alt war, zog sie mit ihrer Familie nach Sankt Petersburg. Dort arbeitete sie in einer Fabrik als Korsettmacherin und kam erstmals mit revolutionär gesinnten Kreisen in Berührung.

Mit 17 emigrierte Goldman mit ihrer älteren Schwester Helene in die USA nach New York, wo sie einige Jahre in einer Textilfabrik arbeitete und so die Lebensverhältnisse der amerikanischen Arbeiter_innen kennenlernte. Die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt sie durch die Heirat mit einem Arbeitskollegen, von dem sie sich im Jahr darauf scheiden ließ. Nach der Hinrichtung von vier Anarchisten nach der Haymarket Affäre radikalisierte sich Goldman und begann auf Demonstrationen und Veranstaltungen zu sprechen.

Ihre Themen, die sie auf unzähligen Vortragsreisen durch sämtliche Bundesstaaten vortrug, waren der Kampf für die Redefreiheit, für die damals illegale Geburtenkontrolle, für sexuelle Freiheit, gegen Nationalismus und kapitalistische Ausbeutung, ab 1914 auch gegen Militarismus und den Kriegseintritt der USA. (Antje Schrupp)

Goldman wurde mehrere Male in ihrem Leben verhaftete, u.a. wegen “Anstiftung zur Aufruhr” oder wegen Verteilung von Information zur Geburtenkontrolle. Sie befürwortete Abtreibung, da viele Frauen auf Grund ihrer prekären Situation keine andere Wahl bliebe. (weiterlesen …)


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she:publica 2010: D.I.Y. und Ökonomie

12. April 2010 von Verena

Der Countdown läuft: Am 14. April startet in Berlin die re:publica 2010. Dieses Jahr mit zahlreichen Frauen auf Podien und Panels. Damit ihr euch vorab einen Überblick verschaffen könnt, wer, wo, was macht, stellen sich euch in den folgenden zwei Wochen einige der Ladies@re:publica mit ihrem Programm vor:

Heute: Kathrin Ganz von I Heart Digital Life


1. Wie ist der Name deiner Veranstaltung?

Ich halte zusammen mit Jens Ohlig den Vortrag  “Hackonomy – Making, Crafting, Bausteln: Endgegner des Kapitalismus?”

2. Was wird auf deiner Veranstaltung passieren?

Jens und ich wagen einen kritischen Blick auf die gesellschaftlichen Potentiale von DIY, Bausteln, Making und Co. Wir wollen in unseren Vortrag fragen, ob dieser Trend letztlich eine Nische für diejenigen bleibt, die sich ausgefallene Hobbies leisten können, oder ob wir damit Hoffnungen auf eine gerechtere Zukunft für alle verbinden können.

3. Wieso liegt dir das am Herzen?

Zusammen mit Do. beschäftige mich seit einiger Zeit mit queer-feministischen und dekonstruktivistischen Ansätzen zu Ökonomie. Texte dazu sind zum Beispiel Diverser leben, arbeiten und Widerstand leisten aus der aktuellen Arranca! oder Queering Gentrification. Wir gehen davon aus, dass es im Kapitalismus auch ganz viel nicht-kapitalistisches Wirtschaften gibt, das ziemlich unsichtbar ist und zum Teil aber als Ansatzpunkt für einen way out taugen könnte, denn es zeigt ja, dass es auch anders geht! Hackerspaces, wo Leute zusammen arbeiten und “Produktionsmittel” teilen, sind vielleicht ein Beispiel dafür. Außerdem begeistert mich die Idee, dass wir bald unser Zeug selbst mit 3D-Druckern machen können und sich Konzepte von Open Source und Creative Commons auf die Welt der Dinge ausdehnen. Da ich aber nicht glaube, dass mit neuen Technologien automatisch bessere Welten kommen, finde ich es spannend, eine kritischen Sicht auf gesellschaftliche und globale Verhältnisse zu entwickeln und das auf der re:publica mal in einem nicht explizit linken und/oder feministischen, sondern technikbegeisterten Kontext vorzustellen.

4. Wo und wann findet euer Vortrag statt?

Am Donnerstag, 15. April um 14 Uhr in der Kalkscheune / Raum Workshop 1


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