Einträge mit dem Tag ‘NSU’


Podcasts, Texte zu Rassismus und Hartz Fear – die Blogschau

24. Januar 2015 von Nadia
Dieser Text ist Teil 266 von 267 der Serie Die Blogschau

Trollbar veröffentlichte eine eindrückliche Schilderung, die die Entwicklung von Rassismus in Zeiten von Pegida in Dresden beschreibt: “Der Rassismus in Dresden wird lauter und schlimmer. Und kaum jemand tut etwas dagegen.”

Außerdem gab es viele sehr lesenswerte Artikel die sich unter dem Eindruck der Folgen der Charlie Hebdo-Attentate mit den diversen Folgen befassten: Unter anderem ging es um die “Fetischisierung von Meinungsfreiheit”, um einen Büchertisch einer bekannten Buchhandlungskette, der Islam-Expertise suggeriert aber nur Klischees reproduziert, um antimuslimischen Rassismus, und dann gab es noch einen lesenswerten Rant.

Identitätskritik stellt zwei neue Blogs zu Antipsychiatrie und Psychiatrieerfahrung vor.

Auf Hannahs Blog gibt es einen Verweis auf ihr neues Projekt: Den Viele Sein-Podcast. Und auch bei heiter scheitern gibt es einen neuen Podcast.

Im NSU-Prozess ging es unlängst um das Nagelbombenattentat; im Lotta Magazin wird dazu die Initiative “Keupstraße ist überall” vorgestellt.

Auf Der keine Unterschied schrieb die Tugendfurie über Armut, Angst und Aufstiegslügen, und auch Hannah teilte nochmal einen Snapshot zu Hartz IV.

Manspreading ist ein weit verbreitetes Phänomen – ebenso weit verbreitet, aber kaum thematisiert: Bildungsbürger_innen-Spreading, analysiert von Clara Rosa.

Inspiriert vom Rookie-Magazin gibt es jetzt ein tolles neues Format: Das Hildegard-Magazin!

Habt ihr diese Woche was geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Jede Woche verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Dickes_Fettes Empowerment, Nice-Guy-Seximus und Asylpolitik – kurz verlinkt

14. Januar 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 262 von 263 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Magda spricht im Interview mit Raum für Notizen (ALEX Berlin) über Dickenfeindlichkeit, Queer_Feminismus und das Musikmachen.

Wenn rechtspopulistische Kreise gewinnen: Zu den Debatten um Sexualpädagogik und Antidiskriminierung” schreibt Heinz-Jürgen Voß auf Das Ende des Sex.

kritisch-lesen.de hat ein Interview mit der Wissenschaftlerin und Aktivistin Silvia Federici übersetzt und veröffentlicht. Es geht um Care-Arbeit und ihren Stellenwert in emanzipatorischen Debatten.

Und noch ein tolles Interview: Christine Stonat von Weird hat mit Künstler_in Yori Gagarim über seine_ihre Arbeit gesprochen.

Interview Nr. 4 in der heutigen Linksammlung: ein kurzes Gespräch mit Undine de Rivière, Pressesprecherin des Berufsverbandes erotische und sexuelle Dienstleistungen, hat Anne Hünninghaus für pressesprecher.com geführt.

Fußballschiedsrichterin Bibiana Steinhaus ist vergangene Woche zur Weltschiedsrichterin gewählt worden, berichtet die HAZ. Herzlichen Glückwunsch!

Das Migazin erläutert, welchen Einfluss die angestrebten Staatsverträge mit muslimischen Religionsgesmeinschaften in Berlin und Niedersachsen auf das Kopftuchverbot für Lehrerinnen haben könnten.

Der rbb berichtet: Hunderte Geflüchtete protestierten jahrelang in Berlin gegen die deutsche Asylpolitik – auf dem Oranienplatz und in einer besetzten Schule. Im vergangenen Jahr sagte der Senat ihnen eine umfassende Prüfung ihrer Einzelfälle zu. Das vorläufige Ergebnis: Nur drei der Geflüchteten erhalten Bleiberecht. (Siehe dazu auch unser Dossier Asyl, Flucht und Protest.)

“Charlie Sein oder Nichtsein?” – die Süddeutsche Zeitung trägt Stimmen zusammen.

Englischsprachige Links

Ein sehr beeindruckender Poetry Slam von drei Teenagern, die in 3,5 Minuten (fast) alle Themen auf den Tisch packen: Armut, Rassismus, Ausbeutung, Homofeindlichkeit und (sexualisierte) Gewalt.

Vom 15. bis 21. Juni findet das ShanghaiPRIDE Film Festival statt. Beiträge können eingereicht werden!

Michael Tedder schreibt bei Pitchfork über “Nice Guy”-Sexismus im (Alternative/Indie)Rock – propagiert auch von dem extrem erfolgreichen Popmusiker Ed Sheeran.

Unterschiede in medialen Berichterstattungen zu den Anschlägen in Paris und den Anschlägen in Nigeria kommentiert Matt Schiavenza bei The Atlantic.

Termine in Berlin und Frankfurt am Main

15.01. in Berlin: “„…dass Frauen da nicht viel zu sagen haben und eigentlich an den Kochtopf gehören.“ – Geschlechterstereotype im Blick auf das Netzwerk des NSU”: NSU-Watch lädt ein zu einer Diskussionsveranstaltung im Projektraum/Hermannstr. 48 (Facebook-Link).

17.01. in Berlin: “Oury Jalloh – Oranienplatz – Ohlauer Strasse. The Impact of European Refugee Policy in Europe“. Anlässlich des zehnjährigen Jahrestages des Todes von Oury Jalloh findet eine szenische Lesung von The Most Unsatisfied Town von Amy Evans und eine Podiumsdiskussion statt.

22.01. in Berlin: Lesung der senegalesischen Schriftstellerin Ken Bugul. (FB-Link)

30.01. in Frankfurt: Storytelling Salon – Vier Geschichten über “Bewegung”: Eine Auftaktveranstaltung zum dritten Black History Month in Frankfurt.


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Das Jahr 2014 – Ein Feministisches Lexikon

19. Dezember 2014 von Charlott

Welche Themen standen auf unserer feministischen Agenda 2014? Welche Ereignisse haben das Jahr geprägt? Welche Personen und ihren Aktivismus haben wir bewundert? Zum Abschluss des Jahres gibt es dieses Mal ein Lexikon. Zu jedem Buchstaben könnte es natürlich noch zig weitere Einträge geben – ergänzt doch eure in den Kommentaren!

A wie Aktivismus, Ausschlüsse und Ablasshandel
Ein Thema, welches sich eigentlich durch jedes Jahr zieht/ ziehen sollte: Wie wollen wir unseren Aktivismus gestalten? Wie können dabei unterschiedliche Positionen bedacht und genutzt werden? Welche Taktiken und Praxen haben sich bewährt? Nadine machte sich darum einmal Gedanken darüber, wer wann auf Podien sitzt, wo Absagen vielleicht Sinn machen und wo nicht (und was das mit unterschiedlichen sozialen Positionierungen zu tun hat) und über Geldspenden als Art der ökonomischen Umverteilung.

B wie #BlackLivesMatter und #BringBackOurGirls
Am 09. August dieses Jahres wurde der Schwarze Jugendliche Michael Brown von dem weißen Polizisten Darren Wilson in Ferguson, Missouri, erschossen. Gegen den Polizisten wurde nicht mal ein Verfahren eingeleitet. Es handelt sich dabei natürlich nicht um einen Einzelfall, sondern es ist ein Beispiel für die anhaltende rassistische Polizeigewalt – die keinerlei Konsequenzen hat. In ihrem Text “Wenn Schwarzer Menschen nicht lächeln…” verlinkt Sharon eine ganze Reihe von weiteren Beispiel aus den USA und Deutschland. Von Ferguson ausgehend und durch weitere publik werdende Taten (die ebenfalls kaum Konsequenzen nach sich zogen) entwickelte sich in diesem Jahr eine Protestbewegung, die im Internet unter anderem unter dem Hashtag #BlackLivesMatter und auf den Straßen vieler Städte anzufinden war. In Berlin versammelten sich am 29. November Aktivist_innen am Brandenburger Tor, um den Opfern zu Gedenken und darauf zu verweisen, dass es stimmt: #FergusonIsEverywhere, Ferguson (d.h. rassistische Strukturen, die Gewalt legitimieren) sind kein rein us-amerikanisches Phänomen. So wird sich am 07. Januar zum bereits zehnten Mal der Tod von Oury Jalloh jähren. Derzeitig sammelt die Initiative im Gedenken an Oury Jalloh Geld um ein weiteres Gutachten zur Brand- und Todesursache anfertigen zu können.

Außerdem sollten nicht die 200 Mädchen, die am 14. April in Nigeria entführt wurden, vergessen werden.

C wie Chancengleichheit
Chancengleichheit, Chancengerechtigkeit, Teilhabe, Akzeptanz, > Toleranz, Inklusion – ein Wörtersalat, der häufig eher das “gut gemeint” als das “gut gemacht” abdeckt, wenn es um die Rechte von Menschen mit Behinderung geht. Hannah hat sich im November die Anhörung des Ausschusses “Arbeit und Soziales” zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen angehört und aufgezeigt, welche Diskussionen rund um das Bundesteilhabegesetz (nicht) geführt werden. Außerdem erklärte sie in einem weiteren Text, was der Begriff Inklusion eigentlich umfassen sollte und wie er häufig stattdessen ausgehöhlt wird.

D wie Diskurspolizei
Sprachdebatten zwischen “Darf man denn hier gar nichts mehr sagen!” und “Diese Gender-Leute drängen ja immer einen Sprachgebrauch auf!” begleiteten auch das Jahr 2014. Am prominentesten ist sicher die medial breit geführte “Debatte” um Lann Hornscheidts Sprachinterventionen. Auf einen öffentlichen Brief von WissenschaftlerInnen antwortete hier Jayrôme mit “Es ist Zeit, Realität als real zu betrachten“. Im Juli hatte außerdem accalmie die Verwendung diskriminierender Begriffe, die Verteidung dieser Praxis und das Umwerten als die echte Diskriminierung (TM) von Begriffen, die sonst unmarkierte Normen benennen, seziert.

E wie Elliot Rodger
Am 23. Mai tötete Elliot Rodger in Isla Vita, Kalifornien, sechs Menschen. Zuvor hatte er in Videos und einer über hundert Seiten langen “Autobiographie” seine Misogynie verbreitet. In vielen deutschsprachigen Medien wurde die Tat dekontextualisiert und individualisiert. Ich schrieb über die Hintergründe der Tat, wie sie vielleicht verhindert hätte werden können. (mehr …)


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Ein Buch nach dem anderen: Gelangweilte Frauen und Schreiben mit Margaret Atwood

5. Dezember 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 88 von 92 der Serie Die Feministische Bibliothek

Auf Papier gelesen

Crazy Brave von Joy Harjo (2012, Norton) ist eine der besten Memoiren, die ich jemals gelesen habe. Harjo, eine bekannte Native American Dichterin, Künstlerin, Musikerin und Aktivistin, beschreibt in diesem Buch die Zeit von ihrer Geburt bis ins junge Erwachsenenalter. Dabei verbindet sie poetische Bilder, spirituelle Vorstellungen, Träume, Naturbeschreibungen, über Generationen gesponnene Familiengeschichte mit den gewaltvollen Wirklichkeiten ihres Aufwachsens und gesellschaftskritischen, einordnenden Analysen. Harjo macht immer wieder deutlich, was es für sie bedeutet hat, als Native American und als Frau in den USA aufzuwachsen, welchen Barrieren sie sich auf den verschiedenen Ebenen gegenüber sah/ sieht und wie sie durch Kunst, Aktvismus und community building widerständig agiert(e). (Englisch)

Außerdem las ich zwei Gedichtbände. Flicker and Spark: A Contemporary Queer Anthology of Spoken Word and Poetry (2013) ist eine Zusammenstellung englischsprachiger Gedichte vor allem aus den USA. Das Buch hat über 400 Seiten und wie es solch große Auswahlen meistens mit sich bringen, ist die Qualität schwankend, allerdings sprechen unterschiedliche Menschen ja auch unterschiedliche Texte an und hier gibt es in jedem Fall sehr viel zu entdecken. Es gibt drei Kapitel: “Pre-Stonewall Poets (Pre-1970)”, “Stonewall-First Diagnosis of AIDS Poets (1970-1981)” und “AIDS Diagnosis – Brandon Teena’s Death Poets (1982-1993)”. Ich habe zu mindestens habe eine Weile gebraucht, dass diese Einteilung sich alleinig auf die Geburtsjahre der Poet_innen bezieht, die abgedruckten Gedichte aber beispielsweise auch im ersten Kapitel zum Teil aus den 2000ern kommen. Ich denke, eine Sortierung nach Erscheinung der Gedichte in solch programmatische Abschnitte wäre etwas sinnvoller. Als zweites habe ich Sidereal von Rachel Boast (2011) gelesen, ein kleines Band mit Gedichten, die Sterne, Landschaften, Mythologien und Literaturverweise in den Mittelpunkt rücken. (Beides Englisch)

Im Netz gelesen

Auf den Tag drei Jahre nach dem Tod von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos erschien das Buch “Unsere Wunden kann die Zeit nicht heilen. Was der NSU-Terror für die Opfer und Angehörigen bedeutet”, in dem unter anderen einige der Angehörige von NSU-Opfern erzählen. Die Süddeutsche berichtet von dem Buch und der Pressekonferenz zur Erscheinung. (Deutsch)

Autostraddle schaut auf Leslie Feinbergs Bücher, von Stone Butch Blues über Trans Liberation: Beyond Pink or Blue hinzu Drag King Dreams, und Leben zurück. (Englisch) Bei der Mächenmannschaft schrieb Nadine “Zum Tod von “Transgender Warrior” Leslie Feinberg“. (Deutsch)

Am 18. November konnte die Autorin Margaret Atwood ihren 75. Geburtstag feiern. Flavorwire veröffentliche aus diesem Anlass Zitate von Atwood rund ums Thema Schreiben. (Englisch)

Anlässlich des “Day of the Imprisoned Writer” brachte The Guardian öffentliche Briefe von prominenten Schrifsteller_innen wie Elif Şafak und Alain Mabanckou an derzeitig in Gefängnissen einsitzende Schrifststeller_innen/ Journalist_innen wie Gao Yu und Dieudonné Enoh Meyomesse. (Englisch)

Außerdem interviewte The Guardian Mallory Ortberg, die Gründerin von The Toast – “a general interest site for women of a literary bent”. Die Seite, auf der es auch einen Artikel gibt, in dem phantasiert wird, wie anders das Leben einiger fiktionaler Charactere gelaufen wäre, hätten sie abgetrieben, ist unter anderem für ihre wunderbaren Zusammenstellungen von “klassischen” Gemälden bekannt, zum Beispiel zum Thema “gelangweilte” Frauen. Dazu Ortberg im Interview:

You’re clearly meant to see this as a pleasant interaction, but the look on the woman’s face is so clearly, “Someone, please, for the love of God, get me out of here. I wish I were dead.” I don’t want to make sweeping generalisations, but I love the idea that basically for 600 years of Western European art, male artists were thinking, ‘That’s the look women always have on their face when you talk to them. That’s not boredom, that’s just their listening face.’

Victoria Law vom Bitch Magazine nahm sich für dieses Jahr vor 50 Bücher von Autor_innen of Color zu lesen. Nun stellt sie ihre Leseliste vor und fragt nach Tips für’s nächste Jahr, wo sie das gleiche wieder machen will.

“Ein Buch nach dem Anderen” ist quasi mein Anti-Lese-Motto. Meistens lese ich viele Bücher parallel, aber ich stelle sie der Reihe nach vor. Was lest ihr denn gerade? Erscheinen demnächst Bücher, auf die ihr euch ganz besonders freut?


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Tuğçe Albayrak, Welt-Aids-Tag und der NSU – kurz verlinkt

4. Dezember 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 258 von 263 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

[Inhaltshinweis: Gewalt, Tod] Tuğçe Albayrak intervenierte gegen die Belästigung von zwei Frauen  und wurde von einem der Täter zu Tode geprügelt. Über Tuğçe Albayrak und Gedenkveranstaltungen für sie berichten unter anderem Hürriyet Daily News, The Independent, Think Progress, die Frankfurter Allgemeine Zeitung und das Deutschlandradio. Beim Missy Magazine schrieb zu dem Heng unter dem Titel “Nach der Betroffenheit: Zum Tod von Tuğçe Albayrak” darüber, wie ein Einschreiten oder ‘Zivilcourage’ eigentlich aussehen kann/sollte.

Finnland öffnet die Ehe für Schwule und Lesben, wie queer.de berichtet.

Das neue an.schläge-Magazin ist da und nimmt “Science & Social Fiction” in den Fokus. In einem Artikel, der auch bereits online lesbar ist, geht so beispielsweise um “Geschlechterkonzeptionen in queer_feministischer Science Fiction“.

Mehrere Artikel der LOTTA, die Hintergrundinformationen über den “Nationalsozialistischen Untergrund” (NSU) geben und auf Spurensuche in Dortmund und Köln gehen, sind nun auch online bei NSU-Watch zu lesen.

In Berlin entschied ein Gericht, dass ein Vater nicht als Vater in das Geburtenregister eingetragen werden darf, weil er das Kind geboren hat. Die Person, die ein Kind zur Welt bringt, muss anscheinend “Mutter” heißen.

Die Brigitte interviewt den Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge zum Thema Hartz 4. Er zeigt, dass alleinerziehende Frauen besonders betroffen sind von den Schikanen des Systems.

Englischsprachige Links

Sarkastische Satire zu (den Protesten in) Ferguson: “Black People are Pumpkin Spice Lattes.”

Bei Shakesville geht es um “weiße Männer, die das Filmedrehen mit weißen Männern verteidigen”: Ridley Scotts neues Epos “Exodus” und der Hauptdarsteller Christian Bale stehen in der Kritik des whitewashing – was ihnen, Überraschung!, gleichgültig ist.

Warum vermeintlich unterstützende, aber (anders) diskriminierende Beiträge in Auseinandersetzungen um Diskriminierung weder hilfreich noch Zweichen des “ally”-Seins sind, erklärt The Gradient Lair.

Ein Polizist in New York wandte an Eric Garner bei dessen Festnahme eine verbotene Schwitzkasten-Technik an. Eric Garner erstickte in dessen Folge. Obwohl der Vorfall auf Video aufgezeichnet wurde und die Gerichtsmedizin seinen Tod als Mord einstufte, lehnte eine Grand Jury die Anklage des Polizisten (und damit einen Prozess) ab. Mehr dazu bei der New York Times.

Eine schöne Nachricht: Die Eltern von Kai Bogert zogen die erste Geburtstanzeige zurück und schrieben eine neue: “Oops, da haben wir uns wohl geirrt!

Am 01. Dezember war der Welt-Aids-Tag. Bei After Ellen wurden 18 queere Frauen vorgestellt, die mit ihrem Aktivismus, Journalismus, Filmen u.s.w. maßgeblich zur Thematisierung der Krankheit beigetragen haben.

Termine in Berlin, Duisburg, Halle, Leipzig…

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Rechtsextreme Frauen in der medialen Berichterstattung – Eine Diskussionsveranstaltung

10. November 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 9 von 9 der Serie Gender und Rechts(extremismus)

Übermorgen, am 12. November, werden in München ab 19 Uhr die Soziologinnen Jasmin Siri und Heike Radvan von der Amadeu Antonio Stiftung und die Soziologin Nergis Denli zu “Übersehen und unterschätzt: Rechtsextreme Frauen in der medialen Berichterstattung” diskutieren. Die Veranstaltung findet in der Galerie Kullukc statt und wird vom BayernForum der Friedrich-Ebert-Stiftung organisiert. In der Einladung heißt es:

Meist wird Rechtsextremismus in der Öffentlichkeit mit gewaltbereiten Männern gleichgesetzt. Rechtsextremen und gewaltbereiten Frauen wird dagegen kaum Beachtung geschenkt. Frauen, die sich in der neonazistischen Szene engagieren, werden häufig mit ihren rechtsextremen Positionen und den entsprechenden Motiven ihres Handelns übersehen.

Beate Zschäpe ist hierfür ein aktuelles Beispiel. In der medialen Berichterstattung unmittelbar nach Bekanntwerden der Taten des “Nationalsozialistischen Untergrunds” (NSU) wurde häufig davon ausgegangen, dass Zschäpe lediglich “die Freundin von” einem der männlichen Gruppenmitglieder gewesen sei.

Wir diskutieren: Welche Rolle spielen stereotype Rollenbilder in der Gesellschaft, die dafür Sorge tragen, dass Verfassungsschutz, Polizei oder Jugendsozialarbeit rechtsextreme Täterinnen unterschätzen und übersehen? Und wie wirken sich diese auf die mediale Berichterstattung aus? Wird in der Türkei anders über rechtsextreme Frauen berichtet als in Deutschland?

Anmeldung per Email an bayernforum(at)fes.de.

Zum Weiterlesen:


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Gedenken an die NSU-Opfer

4. November 2014 von Charlott

† 09. September 2000 Enver Şimşek
† 13. Juni 2001 Abdurrahim Özüdoğru
† 27. Juni 2001 Süleyman Taşköprü
† 29. August 2001 Habil Kılıç
† 25. Februar 2004 Mehmet Turgut
† 09. Juni 2005 İsmail Yaşar
† 15. Juni 2005 Theodoros Boulgarides
† 04. April 2006 Mehmet Kubaşık
† 06. April 2006 Halit Yozgat
† 25. April 2007 Michèle Kiesewetter

Heute vor drei Jahren, am 04.November 2011, kam es zur “Selbstenttarnung” des Nationalsozialistischen Untergrunds. Diesen Anlass wollen Aktivist_innen zum Gedenken an die Opfer der Mordserie und des Bombenanschlags in Köln nutzen – und gerade nicht wie so oft den Blick auf die TäterInnen richten.

Um 17.30 werden in Berlin, Bremen, Göttingen, Kassel, Wuppertal, Frankfurt a.M., Nürnberg, München, Jena Straßen symbolisch nach Opfern der NSU-Mordserie umbenannt. So soll wenigstens für eine kurze Zeit der Raum eingenommen und zur Erinnerung aufgerufen werden.

Gegen die tatsächliche Umbennung der Straßen wird sich vielerorts zur Wehr gesetzt. So beschreibt neues deutschland:

Schon im Jahr 2012 forderten Angehörige die Umbenennung der Hamburger Schützenstraße, in der der Mord an Süleyman Tasköprü begangen wurde. Mit der Begründung, zu viele Firmen seien dort angesiedelt und die Straße sei viel zu stark bewohnt, traten Teile der Bevölkerung aber auch die örtliche SPD dieser Forderung entgegen. […]

Auch in Kassel wurde der Wunsch des Vaters des NSU-Opfers Ismail Yozgat, die Ausfallstraße, an der der Mord geschah, nach seinem Sohn umzubenennen, bisher abgelehnt. Angehörige und antirassistische Gruppen wollen diese Blockadehaltung nicht akzeptieren. »Mit der symbolischen Umbenennung wollen wir deutlich machen, wie wenig sich trotz aller Sonntagsreden auch in der Bevölkerung durch die Aufdeckung des NSU verändert hat«, betonte Bezkart.”

Zwischen 2000 und 2007 konnte der NSU zehn Menschen ermorden. Der Prozess läuft immer noch, auch wenn viele diesem mittlerweile kaum noch Aufmerksamkeit schenken. An den Strukturen, die alles mitermöglichten hat sich nichts geändert. Wie Nadia schon im letzten Jahr schrieb: Was bleibt: Schande.


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Rassistische Polizeigewalt, Victim Blaming und Bring Back #BringBackOurGirls – kurz verlinkt

17. September 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 248 von 263 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

“Die spanische Regierung nimmt von Plänen für ein neues Gesetz Abstand, das Abtreibung nur in zwei Ausnahmefällen erlaubt hätte” – mehr dazu bei dieStandard.

Die Polizei in Aachen ermittelt gegen mehrere Polizeibeamte und Azubis, die andere rassistisch mobbten und Hakenkreuze und Neonazi-Parolen verbreiteten, erklärt Der Westen.

“An jedem vierten Tag wird in Deutschland eine Straftat mit Bezug zum NSU begangen,” berichtet Migazin.

Englischsprachige Links

Der Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt in Ferguson nach der Tötung von Michael Brown hält an, zeigt Buzzfeed.

Bei The Root schreiben Sihame Assbague und Rokhaya Diallo über die Doppelmoral der französischen Presse, die sich über Ferguson empört, aber rassistische Polizeigewalt in Frankreich ignoriert.

Zur extremen Rechten in England berichtete Channel 4: in London hat ein Thor-Steinar-Laden eröffnet, und es formieren sich Proteste.

Wie finanzielle Einschnitte in das Budget der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Armut und mangelnde Unterstützung die Bekämpfung von Ebola erschweren, beschreibt die New York Times.

Bei New Statesman kommentiert Sarah Ditum das Urteil, dass Oscar Pistorius Reeva Steenkamp nicht vorsätzlich ermordete, und setzt dieses in den Kontext einer Normalisierung von Gewalt gegen Frauen und victim blaming.

Daran anschließend thematisiert Feministing den Skandal um Ray Rice und die NFL, und titelt: “Wie du feststellen kannst, dass du Frauen hasst.”

Weiterhin berichtete Feministing von der Gruppe Studierender, die sich zur Unterstützung von Emma Sulkowicz (der Studentin, die gegen den Uni-Verbleib des Mannes, der sie vergewaltigte, protestiert, indem sie ihre Matratze durch den Campus trägt) gründete.

Vor mehr als fünf Monaten wurden hunderte nigerianische Schülerinnen von Boko Haram entführt. Deutsche Welle berichtet darüber, was aus der Aktion #BringBackOurGirls geworden ist und wie Aktivist_innen weiterkämpfen. Auch die Facebook-Seite der Kampagne ist weiterhin aktiv und informiert über Neuigkeiten und Aktionen.

Auf Tutus and Tiny Hats nimmt Laura den Mythos auseinander, die mangelhafte Auswahl an Plus-Size-Kleidung läge an den schlechten Konsumentscheidungen der Käufer_innen.

Termine in Berlin

19. September: in der Schererstr. 8 in Berlin (Facebook-Link) findet eine Veranstaltung gegen den “Marsch für das Leben” (am 20. September) statt. Dort werden in einem Vortrag, Film und anschließender Diskussion Gesetze und Bewegungen thematisiert, die Frauen davon abhalten, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Anschließend stehen Tall As Trees und Anti-Corpos auf der Bühne. [Siehe Hinweis dazu in den Kommentaren – danke, evam!]

20. September: Die Gegendemo zum “Marsch für das Leben”: Demo für Selbstbestimmungs- und Abtreibungsrechte. Start: 11:30 Uhr, U-Bahnhof Kochstr. (U6/M29) Die Protest-Kundgebung des Bündnis’ für sexuelle Selbstbestimmung findet um 13 Uhr am Brandenburger Tor statt (Facebook-Link).

25.-26. Oktober: Die Berlin Bombshells veranstalten ein Roller Derby Bootcamp für Anfänger_innen und Fortgeschrittene. Die Teilnahmegebühr beträgt 85 Euro, und anmelden kann man sich hier.


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Geflüchteten-Proteste in Berlin, Feminist Frequency und Female Rap – Kurz Verlinkt (Teil 2)

4. September 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 247 von 263 der Serie Kurz notiert

In unserer Sommerpause haben sich einige Links angesammelt, darum gibt es diese Woche “kurz verlinkt” in zwei Teilen. Der erste Teil erschien gestern.

Deutschsprachrige Texte

“Die NSU-Morde hätten verhindert werden können, wenn der Landesverfassungsschutz das nicht verhindert hätte. Der Verfassungsschutz hat es ermöglicht, dass gesuchte und flüchtige Neonazis im Untergrund bleiben konnten. Er hat die Neonazi-Szene vor Ermittlungen der Polizei gewarnt.” – Heribert Prantl schreibt bei der Süddeutschen Zeitung zu den Erkenntnissen des Thüringer Ermittlungsausschusses.

In den Feuilleton-Debatten um Inklusion wird gern von “Gleichmacherei der 1970er” geschrieben, dass Kinder mit Behinderungen aber auch Rechte haben, würde gern vergessen, schreibt der Freitag: “Die UN-Konvention, auf der die Inklusion fußt, wird häufig nicht einmal genannt.” [Inhaltshinweis: ableistische Sprache/ Aussagen]

Katrin Gottschalk berichtet auf SPIEGEL ONLINE über Sexismus in Videospielen und die Drohungen gegenüber Anita Sarkeesian von Feminist Frequency.

Seit über einer Woche besetzen Geflüchtete aus dem Hostel in der Gürtelstraße in Berlin das dortige Dach. Unterstützung wird dringend benötigt. Alle Infos findet ihr auf dem Blog guertelstrasse.wordpress.com.

Englischsprachige Texte

Miriam Zoila Pérez hat bei Colorlines Texte (und Videos) Schwarzer Feministinnen zusammengestellt, die sich zum Mord an Michael Brown durch einen Polizisten in Ferguson äußern.

MsAfropolitan schreibt, warum sie in Zeiten von Ferguson Assata Shakur als passende Lektüre empfiehlt.

Sara Ahmed nimmt Audre Lordes Schreiben als Ausgangspunkt für ausführliche  Gedanken zu  “Self Care” und Fragen wie: Wer hat überhaupt Zugang zu bestimmten Unterstützungsmechanismen (und sei es “nur” Trost)? Welche Personen gelten als sorgenswert? Was bedeuten Privilegien in diesem Zusammenhang?

Einen längeren Text über Trans*, Dicksein und Transitionsprozesse hat Wiktor Dynarski geschrieben.

Die Kunststudentin Emma Sulkowicz erlebte an ihrer Universität sexualisierte Gewalt und hat sich für ihre Abschlussarbeit folgendes Projekt ausgedacht: Sie wird solange eine Matratze auf dem Campus rumtragen und auf die Tat aufmerksam machen, bis der Täter von der Uni geworfen wird oder von alleine geht.

Ludovic Foster schreibt darüber, was es es für ihn bedeutet, ein non-binary Trans*-Mann of Color zu sein.

Termine in Berlin, Kiel und Salzburg nach dem Klick  (mehr …)


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Prekarisierung, § 23 und der Staat als gewalttätiger Akteur – kurz verlinkt

9. Juli 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 242 von 263 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Beiträge

Eine bemerkenswerte Berlinerin, Zeitzeugin, Aktivistin und Antifaschistin: Inge Lammel musste als Jüdin während des Zweiten Weltkriegs nach Bristol und sagt im Interview mit der Berliner Zeitung: “Man ist achtsam geworden. Und doch, es gibt immer Menschen, denen andere egal sind. Man sieht gerade, wie die Flüchtlinge behandelt werden.”

Anfang Juni hatte in Berlin ein Bündnis ein Plakat an einem Haus angebracht, welches an den NSU-Bombenanschlag 2004 in Köln erinnern sollte. Den Spruch “NSU: Staat & Nazis Hand in Hand.” ließ die Polizei entfernen. (Wir schrieben darüber.) Am 10.Juni stellte die Berliner Staatsanwaltschaft das von der Polizei eingeleitete Strafverfahren wegen Verunglimpfung des Staates nun ein, berichtet MiGAZIN.

Eine weitere Gerichtsentscheidung kommt aus den Niederlanden: Dort wurde nun auch gerichtlich festgeschrieben, dass es sich beim “Zwarten Piet” um eine rassistische Karikatur handelt. (Hinweis: Abbildung von Blackface)

Das Bündniss gegen Rassismus hat einen offenen Brief an die Berliner Senatsinnenverwaltung zum §23 des Aufenthaltsgesetz verfasst, der auch noch unterzeichnet werden kann.  Es wird u.a. gefordert, den politisch aktiven Geflüchteten aus Berlin gemäß § 23 AufenthG den dauerhaften Aufenthalt in Deutschland zu gewähren.

Women in Exile kritisieren den Bundestagsbeschluss zur deutschen Asylpolitik und fordern Protest, damit der Gesetzesentwurf im Bundesrat gekippt wird.

Bei der Deutschen Gesellschaft für Soziologie werden im Juli und August die Autorinnen Mona Motakef, Julia Teschlade und Christine Wimbauer über Prekarisierung bloggen.

Der Bundestreffen Solifonds der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD), will Menschen eine Teilnahme ermöglichen, die aufgrund ihrer finanziellen Situation sonst nicht kommen können. Auf ihrer Seite erklärt die ISD, wo der Zuschuss beantragt werden kann und wohin gespendet werden kann, um den Fonds zu unterstützen.

Das Webportal Mein Geschlecht ist online. Trans*, inter* und genderqueere Jugendliche finden dort bundesweite Anlaufstellen, können ihre Geschichte erzählen und voneinander lernen.

englischsprachige Beiträge

Sichtbarkeit – gerade auch im Internet – ist doch was tolles?! Shanley Kane zeigt auf, wie diese Annahme nicht für alle Menschen gilt, und wie oft Sichtbarkeit auch mit Gewalt einhergeht.

Fast zwei Drittel der ruandischen Parlamentarier_innen sind Frauen. Der Guardian schreibt über diesen Fakt und was das bedeutet.

Lauren Chief Elk zum International Violence Against Women Act  und Gewalt durch den Staat, denn in der weltweiten Diskussion um Gewalt gegen Frauen und Mädchen wird häufig der Staat als gewalttätiger Akteur ausgeblendet.

“Yes, obesity is ok.  The rights to life, liberty and the pursuit of happiness are not size dependent, they are inalienable.  Fat people have the right to exist in fat bodies without shame, stigma, bullying or oppression.” - Dances with Fat antwortet auf einen New York Times Artikel, der die Frage stellte, “Is Obesity OK?”.

Wenn über sexualisierte Gewalt in Euphemismen gesprochen wird, wem nützt das etwas? Ganz sicher nicht den Betroffenen, stellt Soraya Chemaly fest.

Luvvie schreibt bei TheGrio über die aktuelle Personalpolitik beim US-amerikanischen feministischen Blog Jezebel und darüber, was diese mit Respekt und Intersektionalität zu tun hat.

Die Schauspielerin Doon Mackichan erläutert im News Statesman ihre Null-Toleranz-Haltung gegenüber Stories, in denen Gewalt gegen Frauen zur Unterhaltung dient.

Termine in Berlin, Frankfurt a.M. und Göttingen:

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