Einträge mit dem Tag ‘Notfallverhütung’


Ausstiege bei Pussy Riot, ‚Pille danach‘ rezeptfrei, Valentinstag in Indien – kurz verlinkt

12. Februar 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 229 von 349 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachiges

Warum Maria Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa, einst die beiden berühmtesten Pussy-Riot-Mitglieder, mittlerweile nicht mehr Teil des Kollektivs sind, erklärt die Gruppe in einem offenen Brief über radikalen Aktivismus, politische Dilemmata und Grundsatzkonflikte, den der Freitag abgedruckt hat: „Das institutionalisierte Eintreten für andere kann es sich kaum erlauben, die fundamentalen Normen und Regeln zu kritisieren, die der modernen patriarchalen Gesellschaft zugrunde liegen. Als institutioneller Teil der Gesellschaft kann eine solche Interessenvertretung nicht mit dem Regelsystem der Gesellschaft brechen.“

In Chemnitz werden abends die akustischen Signale an Ampelanlagen abgeschaltet – Grund: Lärmschutzbedenken. Die Signale sollten allerdings eigentlich blinden und sehbehinderten Menschen mitteilen, ob eine Ampel auf grün oder auf rot steht. Die sächsische Freie Presse berichtet.

Hallo bundesdeutsche Gesundheitspolitik, es wird Zeit, dem internationalen Konsens nachzuziehen – die „Pille danach“ muss rezeptfrei werden. Dies fordert auch eine Petititon an Gesundheitsminister Gröhe: Rezeptfreie „Pille danach“ zulassen! Da nicht nur Frauen schwanger werden könne, betrifft Notfallverhütung allerdings nicht nur deren Selbstbestimmung. (Und ich hätte auch unterschrieben, wenn die „Pille danach“ Abtreibung wäre.)

Englischsprachiges

Nicht alle der hier vorgestellten Aktionen finden wir gleichermaßen super, aber eine nette Übersicht ist es dennoch: PolicyMic zeigt „23 inspirierende feministische Digitalkampagnen, die die Welt veränderten“.

Valentinstag? Kitsch, Konsum und multinormativer Pärchen-Overkill fällt vielen von uns wohl als erstes (und einziges) dazu ein. Abhängig vom kulturellen Kontext kann man das jedoch auch teilweise anders oder jedenfalls komplexer einordnen, so Deeksha Sivakumar bei Sociological Images: Sie schreibt über die Funktion des Valentinstag als Jugendrebellion in Indien.

A propos Normen: Elternschaft jenseits der Gleichung 1 Vater + 1 Mutter lässt sich nicht nur denken, sondern auch leben, und zwar bisweilen ganz „legal-formal“.  So weist die Geburtsurkunde eine neugeborenen Kanadierin nun drei Eltern aus.

Die Schriftstellerin Zadie Smith beteiligt sich an Protesten gegen den Umgang mit geflüchteten Frauen in Großbritannien, insbesondere gegen ein berüchtigtes Auffang- und Abschiebelager in Bedfordshire. Der Guardian berichtet.

Termine in Berlin, Bonn und anderswo:

Ab 18. Februar 2014 immer dienstags von 18:00 – 19:30 Uhr in der Mädchenberatung, Berlin-Wedding:Körperkreise – in Bewegung den Körper (wieder/ neu) entdecken für junge Frauen* (Alter 17-27 Jahre), die sexuelle Gewalt erlebt haben und Lust haben, sich auf eine Körperreise in Bewegung einzulassen!“ Infos gibt es per Mail unter wriezener[at]wildwasser-berlin.de; hier geht es zum Facebook-Event.

Gleich eine ganze Fundgrube von spannenden Terminen gibt es bei Lesbengeschichte – zum Beispiel einen Abend über „Drei zwiespältige homosexuellenemanzipatorische Vorkämpferinnen“, Johanna Elberskirchen, Theo Anna Sprüngli  und Emma Trosse, am 6. März in Berlin oder die montagliche Filreihe „Queer Monday“ in Bonn.


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Girl Power, Genitalien und viele bunte Smarties – kurz verlinkt

16. Januar 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 225 von 349 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links:

Im vergangenen Jahr vermutlich einer der Konsens-Ohrwürmer schlechthin: „I love it“ von Icona Pop. „Elektropop mit einer Ladung Girl Power, genauso sollte er aussehen“, findet Hengame Yaghoobifarah in der taz.

Während „die Situation“ der Hebammen noch seitens der Regierung aufgrund des hohen Protestes jetzt aber wirklich mal „beobachtet“ wird, verschlechtert sie sich zusehends dramatisch: „Ab Juli soll die Haftpflichtversicherung der Geburtshelferinnen wieder einmal steigen: um 20 Prozent. Für die meisten ist das existenzbedrohend„, so die Freie Presse.

Smartiegate neu aufgewärmt: „Die Frage, ob die „Pille danach“ künftig rezeptfrei abgegeben werden darf, zählt zu den Streitfragen der großen Koalition„, weiß RP Online. Und die schokoladene Facepalme der Woche geht hiermit an Jens Spahn.

Stellenausschreibung: Die Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt sucht „eine/n Mitarbeiter/in Presse/Öffentlichkeitsarbeit“!

Termin: Am 23. Januar ab 18:00 hält Kübra Gümüsay in Duisburg einen Vortrag über „Inklusion & Intersektionalität im feministischen Netz! Ist Feminismus nur für privilegierte weiße Akademikerinnen?“ Hier geht’s zum Facebook-Event.

englischsprachige Links:

Für die Zeitschrift Elle schrieb Janet Mock über die Genitalienfixiertheit, die Cis-Personen im Umgang mit Trans* Menschen oft an den Tag legen, über Entmenschlichung, und über die transformative Kraft, die mit Solidarität und Sisterhood einher geht.

Twitter_innen aufgepasst: Unter dem Hashtag #lifeofamuslimfeminist finden sich seit ein paar Tagen viele Erfahrungen, Rants oder Reflexionen muslimischer Feministinnen, die oftmals an viele Fronten gleichzeitig kämpfen müssen.

Golda Poretsky analysiert bei Body Love Wellness die Frage, warum „übergewichtige“ Kinder so ein großes Thema sind und antwortet: weil das so viel einfacher ist, als über Kinderarmut zu sprechen.

Ms Afropolitan kritisiert die eindimensionale Darstellung von Winnie Mandela im Film „Long Walk To Freedom“, der neuen Biographie über Nelson Mandela.

The Advocate berichtet mit Fotos von der Einweihung des ersten israelischen Mahnmals für diejenigen, die von den Nazis wegen ihrer „sexuellen Orientierung“ und Geschlechtsidentität verfolgt wurden, in Tel Aviv.

CeCe McDonald wurde kürzlich aus der Haft entlassen – warum sie dennoch nicht automatisch frei ist, erläutert Prison Culture.


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Von Plan B zu Plan V. Der neuste PETA-Fail.

3. Dezember 2013 von Charlott

Ab 2014 wird der französische Konzern HRA Pharma in der EU einen neuen Beipackzettel für das „Pille danach“-Präparat NorLevo beilegen. Auf diesem wird darauf hingewiesen, dass NorLevo nur voll wirksam ist bis zu einem Gewicht von 75 Kilogramm. Bei einem höherem Gewicht soll das Präparat nicht genutzt werden.

Der Pharmakonzern bestätigte damit das, was bereits 2011 von einer britischen Wissenschaftlerin in einer Studie festgestellt wurde. NorLevo ist ab einem Körpergewicht von 75kg bedeutend weniger wirkungsvoll und ab 80kg nimmt die Wirkkraft noch einmal immens ab. Derzeitig heißt es, dass die Entwicklung einer Pille, die auch für Menschen mit mehr Gewicht wirksam ist, schwierig sei, da die einfache Erhöhung des Wirkstoffes nicht zum Erfolg führt. (Vielleicht ist es aber auch eine Frage der Prioritäten?) Stattdessen wird erst einmal den Betroffenen empfohlen sich nach anderen Mitteln zu erkundigen. Doch sind diese (je nach Land) mit mehr Hürden verbunden und bei Alternativen wie der Kupferspirale teurer, invasiver und langfristiger eingreifend.

Es gäbe dem entsprechend viel zu diskutieren: Wer hat wo und wie Zugang zu welchen (Notfall)Verhütungsmitteln? Auf was wird geachtet bei der Erforschung und Entwicklung neuer Präparate und Methoden? Auf welche Personen werden Medikamente eingestellt? Welche Konsequenzen sollten gezogen werden?

Das Thema ist innerhalb der letzten Woche auch in den USA durch die Medien gegangen, da viele der Präparate, die zugänglich sind, zwar von anderen Herstellern stammen, aber mit dem gleichen Wirkstoff (Levonorgestrel) arbeiten. Eine Kennzeichnung gibt es bisher nicht und ist zur Zeit nicht geplant. Wenige der veröffentlichten Artikel aber sprachen über die relevanten Fragen, sondern die Mehrzahl ergaben sich im subtilen bis ganz und gar nicht subtilen fat shaming. PETA, die für ihre sexistischen_misogynen Tierschutzkampagnen berühmt sind, nahmen das alles zum Anlass, um gestern eine neue Kampagne ins Leben zu rufen: Plan V.

Die Aussage? Wenn Menschen Plan V (Vegansein) nutzen, nehmen sie dabei Gewicht ab und schon können sie wieder auf Plan B (Notfallverhütung) zurückgreifen. Das Thema vegane Ernährung wird von PETA genutzt, um fat shaming zu betreiben, Diät-Mythen aufzutischen und eine wichtige Diskussion über Notfallverhütung (und eigentlich davon ausgehend auch über andere hormonelle Verhütungsmethoden und Medikamente allgemein) und deren Wirksamkeit zu derailen. Es heißt also mal wieder: PETA, danke für nichts.


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„Pille danach“ rezeptfrei? Ja, wenn es nach dem Bundesrat geht.

12. November 2013 von Charlott

Noch im Mai hatte der Gesundheitsausschuss des Bundestags beschlossen, dass die Notfallverhütung („Pille danach“) weiterhin nur mit Rezept erhältlich sein soll. Anna-Sarah fasste diesen Beschluss treffend zusammen:

Damit stellt sich der Bundestag gegen die Empfehlung verschiedener Expert_innengremien, unter anderem der Weltgesundheitsorganisation WHO. Die Begründung ist natürlich wieder mal in patriarchalisch-paternalistischer Manier der Schutz der Patient_in – fiele die Rezeptpflicht weg, so das Argument, sei es ja quasi vorprogrammiert, dass wir alle uns das Zeug wie Smarties reinpfeifen, leichtsinnig und uninformiert wie wir sind.

Nun mal wieder eine Wendung: Der Bundesrat beschloss vor einigen Tagen, dass die „Pille danach“ rezeptfrei zugänglich gemacht werden sollte. Richtigerweise hieß es dazu, dass es somit Menschen erleichtert werden soll, sich vor ungewollten Schwangerschaften zu schützen. Schließlich ist das die Aufgabe dieses Präperats: Eine Schwangerschaft verhindern bevor sie eintritt.

Doch die Bundesrat-Entscheidung allein bringt leider noch nicht viel. Die neue Bundesregierung wird darüber entscheiden müssen. Als Termin ist derzeit der 14. Januar benannt. Und wie stehen die wahrscheinlichen Regierungsparteien CDU/CSU und SPD zur Rezeptfreiheit? Aufschluss bieten unter anderem die Wahlprüfsteine von profamilia. Darin äußert sich die SPD:

Auch die SPD ist der Auffassung, dass die Entlassung der „Pille danach“ aus der Rezeptpflicht in Deutschland längst überfällig ist. Die SPD-Bundestagsfraktion hat die schwarz-gelbe Bundesregierung deshalb mit dem Antrag „Rezeptfreiheit von Notfallkontrazeptiva-Pille danach – gewährleisten“ (BT-Drs. 17/11039) aufgefordert, noch in dieser Legislaturperiode die rechtlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die „Pille danach“ mit dem Wirkstoff Levonorgestrel endlich aus der Verschreibungspflicht entlassen wird. Auch auf Ebene der Bundesländer wird die Entlassung der „Pille danach“ mit dem Wirkstoff Levonorgestrel aus der Rezeptpflicht aktuell diskutiert. Über die Frage, wie eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen für unter 20-Jährige geregelt werden kann, wird gesondert zu beraten sein.

Bei CDU/CSU heißt es hingegen:

Die „Pille danach“ ist ein hoch wirksames Hormonpräparat und kein reguläres Verhütungsmittel. Es sollte nur im Notfall eingenommen werden. Ihre Sicherheit ist zudem nicht mit anderen hormonellen Verhütungsmitteln zu vergleichen. Deshalb sind grundsätzlich eine ärztliche Beratung bei der Verwendung dieser Medikamente und eine Verschreibungspflicht notwendig. CDU und CSU werden keine Schritte unternehmen, die das Aufheben der Verschreibungspflicht zum Ziel haben.

Nun ja, das klingt leider nicht sehr erfolgsversprechend.

Weitere Texte zu dem Thema aus den letzten Jahren:

Alarm: Die Moral-Apotheker kommen! (2007)
Die Pille danach (2009)
Pille danach: Die Rezeptpflicht bleibt bestehen (2012)
Der dauernde Kampf um Reproduktionsrechte (2012)
Reproduktive Rechte auf die Agenda setzen (2013)
Trotz Kritik von allen Seiten: Notfallverhütung bleibt rezeptpflichtig (2013)


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Blumen, Brüste, Bullshit – die Blogschau

18. Mai 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 205 von 295 der Serie Die Blogschau

Vergangenen Sonntag war Muttertag. Katharina von Sich mit Worten bevorraten will nicht nur zu diesem Anlass mehr als Blumen.  Auch Melanie ist kein Fan dieses Begängnisses, reflektiert aber zu diesem Anlass ihre Sicht auf Dankbarkeit für  Mütter.

Gleich ein bunter Strauß an Berichten darüber, wie wenig mensch sich selbst in vermeintlich alternativen,  emanzipatorischen Umfeldern auf Pausen vom *istischen Alltag verlassen kann:

Kotzwürg-Sexismus galore beim BarCamp Graz.  Und mehr als genug Kackscheiße auch beim Workers Youth Festival in Dortmund.  Das erfolgreiche Modelabel American Apparel geriert sich als hipper Awareness-Laden, kommt aber seit jeher nicht ohne Sexismus aus.  An der Heidelberger Uni lacht man über NSU-Verharmlosung in Tateinheit mit Plumpsexismus von vorvorgestern. An der Düsseldorfer Uni soll ein antifeministisch dominiertes  Männerreferat gegründet werden. Und angesichts der von großem Pressetamtam begleiteten Proteste gegen die „Barbie Dreamhouse Experience“ konnte mensch sich auch nur noch an den Kopf packen.

Edward von Twidgeridoo! berichtet unter dem bitter sarkatischen Titel „Meine erste Internierung“ über erfahrene(n) Rassismus und Polizeigewalt. Mehr (Grundlagenarbeit für) rassistische Kackscheiße ist zu erwarten bei der Innenminister*innenkonferenz (IMK), die vom 22.-24. Mai in Hannover stattfindet und wo auch Asyl- und Migrationspolitik auf dem Programm steht – Protest wird bereits organisiert.

Die ständige Erwartung, verfügbar zu sein – für Diskussionen, Erklärungen oder den Wohlfühlfaktor: Frau Dingens hat genug davon. A propos Erwartungshaltung: Seitdem ich auf meinem Profilbild Tatyana Fazlalizadehs Anti-Street-Harrassment-Shirt trage, wird immer wieder gefragt, wo es dieses großartige Shirt den gebe – und auch High on Clichés kennt den Ärger über die ständige Aufforderung „Lächel doch mal!“.

Die Brust-OP von Angelina Jolie ist nicht nur ein Knaller für die Boulevardmedien, sondern auch ein Politikum. Mel gibt Kontext und findet:  „Well done, Angelina Jolie“.  Merle Stöver möchte Jolie für ihre Entscheidung respektiert sehen – gerade von Feministinnen. Und weil (gerade auch Frauen*-)Gesundheit immer ein politisches Thema ist, berichtet my myself & child über ihren „Gebärmutterschnupfen“ und lädt zur Vernetzung ein.

Und wo wir schon bei Körper und Selbstbestimmung sind: Grrrlghost hat anlässlich der Debatte um die „Pille danach“ noch ein Video beizusteuern.

Shopping ist nicht für alle ein Vergnügen – die Suche nach passenden BHs auch nicht, wie Ryuu berichtet. Außerdem ist Ryuu aus Berlin – nach wie vor Sehnsuchtsort für viele – weggezogen und erzählt, warum. Und dass auch in anderen Städten mit B am Anfang ordentlich was los sein kann, lässt sich Helgas umfangreicher Terminliste für Braunschweig entnehmen.

Außerdem hat Helga ein Buch über Pionierinnen der Archäologie gelesen und rezensiert.

Ninia LaGrande interviewt Jasmin Mittag,  Initiatorin der Kampagne „Wer braucht Feminismus?“ in Deutschland.

Nele Tabler schaut die  TV-Serie Call the Midwife (Ruf die Hebamme) und findet schwangere Heldinnen.

Anne Roth sammelt Beispiele von Fällen, bei denen feministischen Medien, Blogs, Zeitschriften, Fernseh- oder Radiosendungen von Zensur betroffen waren (oder sind).

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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