Einträge mit dem Tag ‘neue Männer’

Ratlose Neue Deutsche Mädchen

Tuesday, April 1st, 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 5 von 11 der Serie Die Feministische Bibliothek

Am Wochenende habe ich “Neue deutsche Mädchen” gelesen. Das dauerte vier Stunden, ich hatte einen unterhaltsamen Nachmittag in der Sonne, aber war nach der Lektüre auch irgendwie ratlos. Jana Hensel und Elisabeth Raether beschreiben wort- und anekdotenreich ihr Leben in Hamburg, Paris und Berlin und einen Lebensstil, der im Klappentext als der ihrer Generation bezeichnet wird: kurze Affären und Beziehungen, die ersten (Praktikums-) Erfahrungen im Job; ein bisschen das Leben der Eltern, ein bisschen das Leben der Freunde.

Dieses über-sich-selbst-erzählen ist die Schwäche des Buches. Denn auch wenn der Klappentext etwas anderes verspricht, wie viele junge Frauen können sich schon mit einem Leben zwischen Gästelistenpartys, Einladungen zu schicken Dinners oder coolen Abrisshausfeten identifizieren, deren Beschreibung etwas zu sehr die Atmosphäre des Buches bestimmt. Das ist wirklich schade. Denn ihr Anliegen ist ein Gutes: Die beiden erzählen aus ihrer Vergangenheit von sich selbst, ihren Wünschen und Gedanken; und setzen dazwischen immer wieder ins Heute über, in dem sie desillusionierende Erfahrungen im Beruf, die x-te gescheiterte Beziehung und die schwere Idee von einem glücklichen Leben reflektieren. Im Vergangenheitsmodus schreibt Elisabeth Raether beispielsweise noch:

“Ich war eigentlich ganz froh, dass Christian die Organisation unseres Zusammenlebens übernahm und ich mich weitgehend passiv verhalten konnte.”

Im Heute-Modus erkennt sie:

“Ich habe von mir verlangt, mich seinen Erwartungen anzupassen, und habe nie von ihm verlangt, dass er sich meinen Erwartungen anpasst. Ich habe diese Erwartungen nicht einmal formuliert.”

Ihnen wird klar, dass sie viel emanzipierter werden müssen, dass die Klischees vom verliebten Weibchen und sich aufopfernden Müttern unsere Freiheit einschränken, dass eine Beziehung nicht daraus bestehen kann, immer genau das zu tun, was der Andere vermeintlich erwartet, dass sie den Mund aufmachen müssen gegen die Boys-Netzwerke in den Firmen, und dass sie auch überhaupt erst einmal rauskriegen müssen wie das geht mit dem weiblichen Erfolg:

“Diejenigen, die es geschafft hatten, sprachen nicht darüber, dass sie Frauen waren. Ebendeshalb aber konnten sie für viele keine Vorbilder sein: Ihr Aufstieg vollzog sich so wundersam, dass es unmöglich schien, einen solchen Weg zu planen. (…) Ihr Erfolg war immer ein Einzelfall, das Ergebnis gelungener Anpassung, nicht das veränderter gesellschaftlicher Bedingungen.”

Die beiden Autorinnen schneiden viele Problemfelder an: Rollenerwartungen, Familienleben, Berufstätigkeit, moderne Männer, alter Feminismus, Selbstbewusstsein und Selbstzweifel. All diese hätten sie aber gerne öfter mal etwas genauer untersuchen und dafür auf die eine oder andere Anekdote verzichten können. Was meine Ratlosigkeit über die Absicht des Buches am Ende wenigstens noch ein bisschen abgefangen hat, war der allerletzte Satz auf Seite 206:

“Es wird nämlich so sein, dass die meisten Frauen sich ihre Wünsche selbst erfüllen: Sie bitten ihren Mann, der sie zum Juwelier begleitet, um seine Meinung und zahlen am Ende ihren Schmuck selbst.”

Daddy Cool

Monday, March 31st, 2008 von Susanne

Wenn ein Kind unterwegs ist, wenden sich Schwangerschaftsbücher, Aufmerksamkeit und gute Ratschläge der Tanten meistens nur an die werdende Mutter. Dabei ist es doch beinahe spannender (weil noch nicht hundert Mal erzählt), was in dem werdenden Vater vorgeht, wie er sich auf seine neue Rolle vorbereitet und wie dann das Leben mit Kind ganz konkret aussieht.

Auf der jetzt.de-Seite in der Süddeutschen Zeitung erzählen heute drei junge Väter, wie das so ist, mit Kind.

(Illustration über jetzt.de)

Leseprobe: Wir Alphamädchen

Sunday, March 9th, 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 4 von 11 der Serie Die Feministische Bibliothek

Am kommenden Freitag erscheint unser Buch “Wir Alphamädchen. Warum Feminismus das Leben schöner macht” bei Hoffmann & Campe. Hier könnt ihr das leicht gekürzte Einstiegskapitel des Buches schon vorab lesen:

Darum ist Feminismus toll

Alle jungen Frauen wollen heute das Gleiche, nämlich: genauso viel verdienen wie Männer, die gleichen Aufstiegschancen, einen gleich großen Anteil an der Macht in unserem Land und nicht vor die Entscheidung »Kind oder Karriere« gestellt werden. Wir wollen uns in keiner Lebenssituation mehr einreden lassen: »Das gehört sich nicht für eine Frau« oder »Mädchen können das nicht«. All das sollte eigentlich selbstverständlich sein, und doch ist es das nicht. Wenn die Gleichberechtigung der Geschlechter in unserem Land schon Realität wäre müssten wir nicht darüber reden. Realität aber ist, dass wir weiter um Emanzipation kämpfen müssen, in fast allen Bereichen des Lebens. Je weiter diese Erkenntnis wächst, desto absurder klingen die oft strapazierten Worte »Ich bin keine Feministin, aber …« Schluss mit dem Quatsch! Wir sind Feministinnen. Alle. Weil wir doch alle genau das wollen, was auch der Feminismus will: gleiche Verhältnisse für Frau und Mann. Also sollten wir auch etwas dafür tun!

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Jungsarbeit für neue Rollenmuster

Tuesday, February 12th, 2008 von Susanne

Heute auf jetzt.de: Ein Interview mit Bernd Drägestein vom Institut für Jungen- und Männerarbeit “mannigfaltig” in München.

Gilt immer noch: Neue Männer braucht das Land

Wednesday, January 23rd, 2008 von Susanne

Die Taz bringt heute einen lesenswerten Artikel über das Männerbild, das viele Väter ihren Söhnen - vor allem in Migrantenfamilien - mitgeben und das für diese später zum Problem werden kann - nämlich dann, wenn sie mit Männlichkeit Gewalt verbinden. Sabine am Orde und Daniel Schulz schreiben:

“Die Erziehung ist das Nadelöhr”, sagt der Berliner Kriminologe Claudius Ohder, “und die entscheidende Person dabei ist der Vater.” Der ist in der Familie die höchste Autorität. Und genau da liegt das Problem. […] Ein Grund dafür ist ein äußerst traditionelles Männerbild: Ein Mann dürfe “auf Meinungen von anderen keine Rücksicht nehmen, muss selbstbewusst seine Position verteidigen und standhaft auf seinen Ansichten beharren”, beschreibt eine Studie der Berliner Landeskommission gegen Gewalt das männliche Ideal in vielen Zuwandererfamilien. Um seine Meinung durchzudrücken, müsse der Familienvater “die dafür notwendige Dominanz einsetzen”.

Aber nicht nur in Migrantenfamilien ist der autoritäre Vater Vorbild für die Söhne. Auch in deutschen Haushalten leben noch Millionen Väter, die einem überkommenen Männlichkeitsbild anhängen. Noch immer gibt es kein gesellschaftlich anerkanntes, alternatives Rollenbild für einen “neuen” Mann. Ein Rollenbild, das auch Migrantenfamilien als Vorbild dienen könnte.

Meldet euch zu Wort, zeigt euch öffentlich, ihr Männer, die ihr euren Söhnen eher liebevoller Vater als strenger Patriarch seid. Die ihr nicht durch Abwesenheit glänzt und deshalb gar kein Vorbild sein könnt. Ein neuer Feminismus braucht euch! Denn nur die Emanzipation beider, Frauen und Männer, macht neue Familienmuster möglich.

Und es gibt sie doch: neue Väter

Wednesday, December 19th, 2007 von Susanne

Im Zeit-Artikel “Das Schweigen der Väter” zieht der Autor Matthias Krupa Bilanz für das Jahr 2007 in Sachen Väter. Deren Rolle sei immer noch nicht klar, sie selbst noch zu schweigsam - aber insgesamt gäbe es Hoffnung, dass der neue Mann respektive der neue Vater sich in Zukunft mehr in die Erziehungsdiskussion einschalten wird.

Die Gründe, warum die Väter schweigen, sind unterschiedlich. Auf den ersten Blick gibt es für sie ja wenig zu gewinnen – außer einer wie auch immer besungenen Mehrbelastung. Hingegen ist die Befreiung von Heim und Herd bis heute ein Frauenthema. Die Frage freilich, wie man Zeit für Beruf und Kinder findet, stellt sich längst auch die Mehrzahl der Väter.

Wichtig sei, dass sich diese Männer auch zu Wort melden, damit sie Role Models für eine neuen Generation von Vätern werden können:

Der Preis für die väterliche Zurückhaltung ist hoch: eine vollkommen einseitige Diskussion. Als ob sich das Bild und Selbstbild der Väter in den vergangenen drei Jahrzehnten nicht mehr verändert hätten als in den zwei Jahrhunderten zuvor!

Krupa präsentiert außerdem Zahlen, die belegen, wie sehr sich Männer- und Vaterbild schon gewandelt haben: Vier von fünf Vätern lebten mit Frau und Kindern, zwei von Drei Vätern sähen sich vor allem auch als Erzieher und nicht nur als Ernährer. Fast 40.000 Väter hätten sich 2007 schon für mindestens zwei Monate Familienzeit entschieden, auch wegen der Neuregelung des Elterngeldes. Sein Fazit: “Obwohl es also die neuen Väter längst gibt, hat die Gesellschaft bis heute kein hinreichendes Bild von ihnen.”

Coole Väter, fühlt euch hiermit provoziert und macht mit beim Projekt “neue Familie”!

Super Typ auf Neon.de

Monday, December 10th, 2007 von Meredith

Der Neon.de-User Sebush ist erlauchtes Mitglied einer ganz besonderen Gruppe unter den Menschen: den männlichen Feministen. Vor zwei Jahren hat er einen Text geschrieben, in dem er ganz vernünftig und sympathisch erklärt, warum Feminismus so toll ist. Vor kurzem schrieb er eine ausführliche Kritik einer sexistischen Sparkassenwerbung.

In Anbetracht der Tatsache, dass gerade unsere geliebten Jungs oft erst einmal nicht begreifen, wo das Problem liegt, macht mich Sebush ganz besonders froh. Denn er ist der lebende, schreibende Beweise dafür, dass Feminismus das Leben auch für Männer schöner macht.