Einträge mit dem Tag ‘Netzsexismus’


Beyoncé, Magazine, Trolle, Airbags – kurz verlinkt

29. Januar 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 220 von 247 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links:

Im Juni findet die Frauen*FrühlingsUni 2014 statt, und es können noch Beiträge eingereicht werden: “Wir möchten Feminismen im gelebten Alltag, ihre Erfolge, aber auch Schwierigkeiten sowie Möglichkeiten zur feministischen Intervention aufspüren. Alles, was Brücken zwischen Alltag, Wissenschaft und Politik schlägt und den Fokus auf das Thema richtet, ist willkommen.”

Spiegel Online schreibt: “Sexuelle Belästigung ist ein Problem bei der Bundeswehr, wie eine Studie der Truppe zeigt. Wie mit den Beschwerden der Frauen umgegangen wird, darüber verliert sie allerdings kaum ein Wort. Die Grünen kritisieren: Entsprechende Fragen wurden aus dem Papier gestrichen.”

englischsprachige Links:

Amina Doherty schreibt beim African Women’s Development Fund darüber, wie Popkultur das (feministische) Selbstverständnis beeinflussen kann: “Popular culture has a unique capacity not only to raise awareness, but to build bigger constituencies for social justice and women’s rights and ultimately to meet people where they are”- hier Teil 1 und dort Teil 2.

A propos Pop: Gerade wurden die Grammys verliehen, und Beyoncé war auch dabei, und natürlich wurde ihr Auftritt aus verschiedenen Perspektiven analysiert, gefeiert und kritisiert. Zum Beispiel von Jen von xojane, die sich gegen an Mütter gerichtetes Sexualitäts-Policing ausspricht. Und Akiba Solomon schreibt bei Colorlines über den Einsatz verstörender Zitate im Song “Drunk in Love”.

Die aktuelle Ausgabe von Popaganda, dem Podcast des Bitch Magazine, steht unter dem Motto “Don’t just hate media—make media” und featuret Interviews mit drei profilierten Zeitschriftenmacherinnen, die auch einzeln anzuhören sind.

Viele Social-Media-aktive Menschen haben sich inzwischen an diversen Versionen des Gotye-Hits “Somebody that I used to know” erfreut – vielleicht war auch die Interpretation von Azora Telford in Gebärdensprache dabei.

“Trollen geht es nicht darum zu provozieren, sondern darum, Frauen zum schweigen zu bringen” – Steph Guthrie erklärt im TedxTalk, waum die Aufforderung, Trolle nicht zu füttern a.k.a. Übergriffe im Internet einfach zu ignorieren, höchst problematisch ist. Und was stattdessen getan werden könnte.

Und hier noch ein erbauliches Video für den Feierabend.

Außerdem ein Termin in Dresden am 1. Februar um 14:30: We give birth, we decide! - Solidaritätsveranstaltung für Abtreibungsrechte in Spanien und Deutschland.


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Das Netz ist kein machtfreier Raum

28. Oktober 2013 von Magda

Dieser Text erschien unter dem Titel “Sexismus im Zeitalter des Avatars” in der aktuellen Ausgabe des prager frühling mit dem Schwerpunkt “Wo Strom ist, ist auch Widerstand — Digitaler Protest und elektronische Demokratie”.

Als ich 2008 anfing, mit Klarnamen als feministische Bloggerin aktiv zu werden, suchte ich nach spannenden Diskussionen und einem neuen Ort für gesellschaftskritische Ideen. Heute, über fünf Jahre später, nach tausenden Beleidigungen, hunderten kräftezehrenden Diskussionen und dutzenden Drohungen ist meine anfängliche Euphorie ziemlich gedämpft.

Was wurde nicht geträumt und theoretisiert: Das Netz, der Ort, an dem soziale Konstruktionen wie Geschlecht aufgelöst werden können, Diskriminierung und Hierarchien abgebaut und Bündnisse über Ländergrenzen hinweg möglich werden. Binäre Ideen von Geschlecht und somit Konstrukte wie „Mann“ und „Frau“ sollten der Vergangenheit angehören. Donna Haraways postmoderner Cyborg, ein Hybrid aus Mensch und Maschine, wurde zur Leitfigur cyberfeministischer Utopien. Ein Cyborg passt nicht in binäre Schemata. Ein Cyborg agiert nicht nach festgeschriebenen identitären Mustern, sondert bildet Verbindungen nach Verbundenheitsgefühl, nicht nach vermeintlich essentialistischen Kategorien.

Die Vorstellung, mit Identitäten zu spielen oder eindeutige geschlechtliche Zuschreibungen zu verwischen, Geschlecht in seiner Wirkmächtigkeit gar zu entkräften, blieb bloße Utopie. Vielleicht ist das nicht verwunderlich, denn hinter den Laptops sitzen reale Menschen, die ihre gesellschaftlichen Vorannahmen, was Geschlecht und andere soziale Kategorien angeht, auch ins Netz übertragen. So kann mensch auf Facebook bei der Anmeldung nur „männlich“ und „weiblich“ ankreuzen, obwohl es kein technischer Aufwand wäre, mehrere Möglichkeiten oder gar ein freies Feld zur Auswahl zu stellen. Aber so bleibt auch im Netz Zweigeschlechtlichkeit strukturell verankert: Eine komplexe Gesellschaft eingequetscht in zwei Boxen, die Identitäten jenseits dieser Kategorien gar nicht erst benennt, sondern unsichtbar macht. Die Idee, dass es nur zwei Geschlechter gibt und diese die einzigen sind, die soziale Netzwerke wie Facebook zur Auswahl stellen, ist Produkt von einengenden heteronormativen Geschlechterverhältnissen, stellt allerdings nicht den einzigen Ausschlussmechanismus dar.

geschlecht - männlich, weiblich, geschäftlich unterwegs

Wahrscheinlich eher ungewollt kreativ ist das Design eines Flyers des Best Western Hotels in Leipzig: Unter “Ich bin…” kann mensch folgende Optionen ankreuzen: “männlich”, “weiblich” und “geschäftlich unterwegs”. Foto: Magda Albrecht

Gesellschaftliche Machtverhältnisse strukturieren das Netz in Hinblick auf Zugang, Themensetzung und Definitionsmacht. Zugang wird nicht nur darüber bestimmt, wer einen Internetanschluss, einen PC und das dazugehörige Wissen hat, sondern auch darüber, ob eine_r sich im Netz pudelwohl fühlen kann oder mit diskriminierenden Inhalten rechnen muss. Sprechen Betroffene von Diskriminierung über ihren Alltag, werden diese Erfahrungen häufig hinterfragt und als „subjektiv“ eingeordnet. Welche Themen als „objektiv“ wichtig und somit politisch relevant kategorisiert werden, orientiert sich ebenfalls an sexistischen, rassistischen und anderen diskriminierenden Maßstäben.

Glücklicherweise bietet das Netz Möglichkeiten zum Widerstand. Die zehntausenden Twitternachrichten unter dem Hashtag #aufschrei Anfang dieses Jahres, die alltägliche sexistische Belästigung thematisierten, konnten auch die Massenmedien irgendwann nicht mehr ignorieren. Eine Sexismus-Debatte folgte – auch wenn diese kaum an die Komplexität gegenwärtiger queer-feministischer Diskussionen anknüpfte. Aktuell werden rassistische Erlebnisse unter dem Hashtag #schauhin gesammelt, um das Ausmaß von Alltagsrassismus zu verdeutlichen. Aktivist_innen im Netz schaffen sich also Möglichkeiten, um innerhalb dieser Sphäre zu agieren. Der Gegenwind bleibt. Das Netz ist auch unser Raum. Wenigstens gibt es dort – im Gegensatz zum Alltag auf der Straße – für diskriminierende Inhalte eine Löschtaste.


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Die jüngste Juristin Englands und ein schwuler Kurzfilm – Kurz Notiert

14. August 2013 von der Mädchenmannschaft

Sekt und Apfelschorle raus, hier kommt unsere 200. “Kurz Notiert” Sammlung!

Bei fembooks.de (Internet­buch­handlung für feministische und emanzipa­torische Bücher und Medien) könnt ihr jetzt alle Fach­bücher und Belletristik bis ein­schließlich 31. August 2013 ohne Versand­kosten bestellen. Einfach den Gutschein-Code August2013 im Bestell­prozess eingeben.

In einem Artikel im Freitag geht es um sexuelle Belästigung an der Universität.

Magda gab dem Bayrischen Rundfunk ein Radio­interview zu Fat Empowerment und der Idee eines “guten Körpers” in neo­liberalen Zeiten.

Schwangere Körper unterliegen einer strengen gesellschaftlichen Kontrolle. Deshalb ist es leider nicht sehr überraschend, dass auch immer mehr Schwangere mit Essstörungen kämpfen.

Für alle Facebook-User_innen: Es gibt zwei neue Seiten, bei denen ihr ‘Gefällt mir’ klicken könnt: jufemnetz, das “netzwerk junger feministinnen_ innerhalb und außerhalb der mädchen_arbeit” und buuu.ch, eine Seite, auf der Blogger_innen mit Kindern zwischen 1 und 12 Kinderbücher rezensieren.

Eine tolle Nachricht gibt es aus Groß­britannien: Eine 18-jährige schloss ihr Studium erfol­greich ab und ist nun die jüngste Juristin in der Geschichte Englands (englischsprachig).

Eine bilderreiche Vorstellung einiger Fat Aktivist_innen findet ihr auf slate.com. Passend dazu ein älteres Video von den “Padded Lilies” – ein Schwimm­kollektiv aus Kalifornien, das auch noch heute existiert.

Sogenannte Fatshion Blogger_innen, die jenseits von Größe 36 über Mode bloggen, sind im Netz vielen sexualisierten Belästigungen aus­gesetzt. Eine Bloggerin entschied sich nun dafür, nicht mehr zu bloggen wegen der Un­mengen an objektifizierenden Kommentaren (englischsprachig). Die bittere Wahrheit: Sexismus im Netz hat reale Konsequenzen und schränkt die Betroffenen ein.

“Und obwohl es viele gibt wie sie, liest man nichts von ihnen: Hartz-IVler sind nicht in der Position, ihre Geschichten erzählen zu können” – schreibt Udine Zimmer, und hat deshalb genau damit begonnen.

Unter dem Hashtag #SolidarityIsForWhiteWomen worteten gestern Feminist_innen of Colour Kritik an weißen Feminismen. Auslöser war eine erneute Diskussion um Hugo Schwyzer (englischsprachig).

Das neue Album von Lisiena (New Wave Deluxe, Poetic Punk) gibt es ab Anfang September auf allen online Märken.

“Das Ende einer Liebe ist, als wenn ein Teil aus dem Körper heraus­geschnitten wird. Schmerz­haft. Brutal. Und es hinter­lässt Narben. Diese Erfahrung muss auch Maxim machen, nachdem sich Orhan von ihm getrennt hat.” – Kalbim – schwuler Kurzfilm.

Nach dem Herzschmerz noch etwas Romantik und Kitsch aus den USA: Anne und Diane Giles sind seit 50 Jahren verheiratet. Was, das geht gar nicht? Na klar, lest selbst (englisch­sprachig).

Termine in Berlin, Bremen und Hamburg nach dem Klick: (mehr …)


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Falsch reden, richtig rocken – kurz verlinkt

11. Januar 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 178 von 247 der Serie Kurz notiert

Gute Nachricht für eifrige Netsurfer_innen: Da sich zwischen den Jahren, wie man so schön sagt, allerhand Lesenswertes bei uns eingefunden hat, gibt es diese Woche  “Kurz verlinkt” gleich zweimal. Hier Teil 2.

Welche Auffassungen führen zu Street Harrassment? In letzter Konsequenz: die Überzeugung, das Recht dazu zu haben (Text auf Englisch).

Auch wenn die bekannte Zeitschrift Brigitte nicht gerade, hm,  Vorreiterin im Kampf gegen Körper- und Schönheitsnormen ist: In diesem Beitrag wird vieles, was Fat Shaming, aber auch Selbstakzeptanz ausmacht, schön auf den Punkt gebracht. Dazu passt auch das Interview mit der ARGE Dicke Weiber in der aktuellen Progress.

Laina Dawes hat ein Buch über ihre – teilweise ganz schön widrigen – Erfahrungen als Schwarzer weiblicher Metal-Fan geschrieben. Im Interview stellt sie es vor.

DIY, das selbst Herstellen von Dingen, ist hip. Dagegen sei an sich erstmal nichts einzuwenden, so Sarah Brown bei xojane - jedoch sollte man sich darüber im Klaren sein, dass entgegen des teilweise besonders “ethisch” daher kommenden Appeals vieler DIY-Blogs und Webseiten diese kaum einen ernsthaften Widerspruch zu Konsumismus und gängigen Weiblichkeitsvorstellungen bieten (Text auf Englisch).

An US-amerikanischer Pop- und Netzkultur Interessierte haben es wahrscheinlich mitbekommen: den Streit zwischen der – auch von Feminist_innen gefeierten – Rapperin Azealia Banks und Klatschblogger Perez Hilton, in dessen Verlauf Banks mit hetero/sexistischen Beleidigungen aufwartete.  Spannende Perspektiven auf diese Vorfälle, die über ein “Banks vs. Perez”-Tribunal hinaus gehen, gibt es bei  von Janet Mock bei xojane und von Edward Ndopu beim Crunk Feminist Collective (auf Englisch).

Der Freitag übersetzt einen Text von Kira Cochrane über voyeuristisches Paparazzi’eskes Mobbing per Creepshots (heimlich aufgenommene Fotos, in der Regel von sexualisierten Körperteilen/Motiven, die dann im Internet veröffentlicht werden). Fazit: “Da äußert sich Wut gegen eine eigenständige weibliche Sexualität. Sex und Frauen – das ist vollkommen in Ordnung, solange die Frauen passive Objekte sind. Doch sobald sie selbst über ihre Intimität bestimmen wollen und mit wem sie diese teilen, weckt das Hass.”

Sprache ist wichtig. Sprache verändert sich und uns. Und wer bestimmt, was “richtige” Sprache ist? Unter der pointierten Überschrift “Frauen, hört auf zu reden. Alte Männer mögen nicht, wie ihr sprecht” widmet sich Jezebel   dem Dauerbrenner (auf Englisch).

Wie kann sexueller Konsens – also das Herstellen von Einvernehmlichkeit –   in der Praxis aussehen?  Ein Vorschlag dazu sind “Ja, nein, vielleicht”-Listen: Sammlungen von von Tätigkeiten,  bei denen vermerkt werden kann, welche Dinge man sehr gern tut, mal ausprobieren würde oder was gar nicht in Betracht kommt. Ob man diese Listen nun ausfüllt und dann austauscht, gemeinsam ausfüllt und darüber redet oder einfach für sich selbst zur eigenen Inspiration verwendet – eine Fülle von Anregungen zur Kommunikation über Sex und für konkrete Action können sie auf jeden Fall bieten.  Scarleteen hat allerhand Vorschläge (auf Englisch).

Wie der Buchhandel Trivialromane als “Frauenliteratur” vermarktet, beschreibt DieStandard.

Termine:

Am 21. Januar an der Ruhr Universität, Bochum: Die Welt ist komplex – Genau wie du! Workshop zu sozialer Ungleichheit – in intersektionaler Perspektive

Im Jahr 2013 wird der erstmals der Marlies-Hesse-Nachwuchspreis des Journalistinnenbundes für Online-Beiträge vergeben. Alle Informationen dazu findet Ihr hier , Vorschläge werden bis 1. März 2013 angenommen.


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Die radikalfeministische Grundschule und Weiße Integrationsverweigerung – kurz notiert

1. Dezember 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 132 von 247 der Serie Kurz notiert

Eine Online-Umfrage der Frauenseiten Bremen hat ergeben, dass “fast 50 Prozent aller befragten Frauen und Mädchen negative Erfahrungen im Internet gemacht und Belästigungen, Anmache und Sexismus erlebt” haben.

In Kairo wurde die äygyptisch-amerikanische Journalistin Mona Eltahawy von der Polizei misshandelt und sexuell belästigt, berichtet derStandard. Sie war während der neuen Proteste gegen das Militärregime auf dem Tahrirplatz gewesen.

In den 1990ern gab es eine radikalfeministische Grundschule für Mädchen in Wien. DieStandard führte ebenfalls ein Interview mit einer ehemaligen Schülerin.

Wenn über Musik von Frauen* geredet wird, fällt immer auch der Begriff “Riot Grrrl” im gleichen Atemzug. Ganz so, als gäbe es EIN Label für Musik von Frauen*, während für die selbstgemachte Musik von Männern* stets viele Labels zur Hand sind. Kritik an dieser Vereinnahmung gibt es bei Pitchfork zu lesen.

“Wann hat es das schon einmal gegeben in unserer nach wie vor verklemmten Vereinbarkeitsrepublik? Eine Frau bekommt einen Führungsjob, nicht obwohl, sondern weil sie Kinder hat!”, schreibt die Berliner Zeitung.

Mutlu Ergün berichtet bei Philibuster über die Ergebnisse neuester Studien: Millionen Weiße Deutsche verweigern die Integration!

In der neuen Ausgabe der feministischen Zeitschrift Anschläge, hat Autorin Leonie einen Kommentar zu konsensualem Sex geschrieben. Lesenswert!

Radio Corax Halle interviewte Gesa Mayer und Robin Bauer zu Monogamie als gesellschaftlicher Norm, nachzuhören bei Freie Radios. Die beiden halten heute im Rahmen der Ringvorlesung “que(e)r_einsteigen” einen Vortrag zum gleichen Thema.

Das Männer-Fußballteam von Amerikanisch-Samoa gewinnt sein erstes offizielles Länderspiel – 2:1 gegen Tonga. Nach dem Sportlichen zur Geschlechterpolitik: Auf dem Platz stand mit Johnny Saelua eine Fa’afafine, die in der Kultur Polynesiens “als Mann geboren … als Frau aufgezogen” werden, wie queer.de berichtet.

Eine aktuelle Kampagne gegen institutionalisierten Rassismus seht ihr hier:

Mann hat nette Ratschläge an Frauen, dieses Mal in der Süddeutschen: Um im Job voranzukommen und sich männlicher Raumnahme zu entziehen, sollen sie einfach die gleichen Verhaltensweisen an den Tag legen. Tipp 1: Nicht mehr lächeln!

Terminhinweise nach dem Klick

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Frauen unerwünscht? Der Wirbel um die deutsche Wired als Netzpolitik-Analogie

7. September 2011 von Helga

Erst klang es so super: Endlich eine deutsche Ausgabe von Wired, dem amerikanischen Magazin, das Netzkultur, Design und Politik verbindet. Dann kam die Ernüchterung, denn die Testausgabe wird den Herrenmagazin GQ beiliegen. Nach Beschwerden von Frauen und selten blöder Rechtfertigungen vom Chefredakteur Thomas Knüwer[1] war ich schließlich nur noch genervt. Anerkennen und Umgang mit der Kritik? Fehlanzeige.

Dabei illustriert diese Debatte wie keine andere die Probleme um die Teilnahme von Frauen an netzpolitischen und technischen Themen. So herrscht laut (zugegebenermaßen anekdotischer) Evidenz kein Desinteresse bei Frauen vor. Stattdessen geben viele aber an, sich „potentiell zu blöd“ oder einfach uninformiert zu fühlen, um an den Debatten teilzunehmen. Auch die sexistischen Scheißeregen, inklusive Vergewaltigungs- und Mordandrohungen, die regelmäßig auf Frauen niederregnen, die den Mund aufmachen, schrecken ab.

Und wie auch sollte frau sich informieren? Frauenmedien haben schon Politik ignoriert, um Netzpolitik wird es noch weniger gehen. Den „allgemeinen“ Offlinemedien werfen netzpolitisch Interessierte dauernd vor, das Netz nicht zu verstehen und falsch darzustellen. Es bleiben also die „männlichen“ Netzmedien – die tatsächlich auch von Frauen gelesen werden, ohne sich dann aktiv zu beteiligen. Warum auch? Netzpolitik gilt als Männerdomäne, Fehltritte als Frau drohen auf alle Frauen zurückzufallen, statt Engagement gegen sexistische Angriffe glänzt die Netzszene vor allem durch Abwehrhaltung. So schließt sich wieder einmal der Kreis.

Wie ließe sich dieser Kreis durchbrechen? Zum einen müssen die netzpolitischen Debatten an Orten geführt werden, an denen auch Frauen sich willkommen fühlen, statt nur als Zaungäste geduldet zu scheinen. Das heißt klar zu machen und durchzusetzen, dass diskriminierendes Verhalten nicht erwünscht ist und Beschwerden über solches ernst zu nehmen! Es heißt nicht, einfach eine rosa Seite aufzusetzen und verständliche Erklärungen mit herablassender Babysprache zu verwechseln.

Zum anderen sollten Frauen, genauso wie alle anderen nicht-männlich-weiß-mittelalten Interessierten, Flagge zeigen, zu Veranstaltungen gehen und dort mitreden! Alle ihr, die ihr Angst vor blöden Fragen (oder Antworten) habt: tatsächlich stellt ihr die spannendsten Fragen und habt die besten Ideen.

Einen guten Anfang bietet dieses Wochenende. Am Freitag gibt es in der Heinrich-Böll-Stiftung die Konferenz netz:regeln, auf der z.B. auch die Frage „Wer spricht für das Netz?“ diskutiert wird. Im Anschluß gibt es noch eine netzpolitische Soirée zum Konflikt Sicherheit und Freiheit im Internet (beide Termine sind kostenlos, erfordern aber eine Anmeldung). Am Samstag heißt es in Berlin schließlich zum fünften Mal „Freiheit statt Angst“ – um 13 Uhr geht es am Pariser Platz los, auf dem Alexanderplatz gibt es ab 14 Uhr dann Kundgebungen, bunte Aktionen und Informationsstände zu aktuellen netz- und sicherheitspolitischen Themen.

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[1] Auf „Titten- oder Männermagazin“-Vorwürfe entgegnete er regelmäßig mit dem Hinweis, auf der aktuellen Ausgabe sei Daniel Craig auf dem Titel. Und ignoriert gekonnt die 15 vorherigen Ausgaben. Weitere Argumente: Männer kauften heute auch Tampons, da sollten Frauen auch die GQ kaufen können und Vogue-Leserinnen würden sich nicht für Themen der Wired interessieren.


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“Mit Feminismus erwachsen werden” – die Blogschau

20. November 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 72 von 255 der Serie Die Blogschau

Kathrin Ganz hat auf ihrem Blog I Heart Digital Life eine Liste von Podcasts von/mit Frauen* zusammengestellt. Davon inspiriert veröffentlichte auch Antje Schrupp einen Podcast zum Thema “Feminismus vs. Islam?”.

Die Informatikstudentin Melanie von Sideglance macht sich Gedanken darüber, ob sie überhaupt verallgemeinernd von Frauen in der Informatik sprechen sollte.

Schätzungsweise 90% der Fabrikarbeiter_innen in der chinesischen Elektronikindustrie, wo ein Viertel der heute weltweit verkauften Computer hergestellt werden, sind Frauen. Diese Industrie sorgt dafür, dass wir mit einer Vielzahl technischer Möglichkeiten ausgestattet und so feministische Debatten im Netz möglich werden. Angesichts dieser Realitäten wünscht sich das Missy Magazin feministische Debatten und Kampagnen zu den Arbeitsbedingungen in der Elektroindustrie. Denn: “Wir hängen alle mit drin – wir IT- und Kulturarbeiterinnen an diesem, die Fließbandarbeiterinnen am anderen Ende.”

Auf Sina’s Blog findet ihr einen Link zu einer “ehrlichen und realistischen Doku über drei Sexarbeiterinnen im mittleren Alter“.

Annina von Girls Can Blog stellt diese Woche Cathrin vor, eine Geschichtsstudentin, die von ihren Erlebnissen in Hanoi schreibt. Außerdem berichtet Annina über die Bloggerin und Journalistin Asmaa Alghoul aus Gaza, die eine Morddrohung erhalten halt – weil sie sich für die Rechte palästinensischer Frauen einsetzt (eine deutsche Version gibt es auf Ruhrbarone).

Marianna erinnert auf ihrem Blog Frau mit Bart an den heutigen Gedenktag für Transgender, die im letzten Jahr aus dem Leben gerissen wurden.

Leoni vom Mädchenblog hat ein gruseliges Stück Publikation ausgegraben: “How to cure a feminist”. Bäh!

Unsere Nadine schreibt auf ihrem Blog Medienelite vom “schönen Gefühl mit Feminismus erwachsen zu werden“.

Die Opalkatze verweist auf eine Rede der gerade frisch ernannten Verfassungsrichterin Susanne Baer auf dem Netzpolitischen Kongress der Grünen zum Thema: “Braucht das Grundgesetz ein Update? – Bürgerrechte im Internetzeitalter”.

Silke Meyer von 404 – Not Found macht auf ein Interview über Geschlechterverhältnisse im Internet und feministisches Bloggen aufmerksam, das Analyse und Kritik mit ihr durchführte.

Svenja von Svenja and the City ärgert sich über einen Arbeitskollegen, der sie noch immer mit “er” anspricht – obwohl sie seit fünf Jahren als Frau lebt.

Nele Tabler fragt auf ihrem Blog Karnele: “Frauen in Männerberufen und ganz besonders Lesben in Männerberufen – habt Ihr Erfahrung mit Mobbing? Wenn ja, welche? Und wie habt Ihr darauf reagiert?”


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Frauenfeindlichkeit im Internet? Gibt es nicht!

16. September 2010 von Susanne
Dieser Text ist Teil 5 von 11 der Serie Die Farbe Lila

Ich bin eine durchtriebene, miese Fotze!
In unserer Welt sind Frauen Löcher und sonst gar nix.
Ich bin natürlich ein Mensch, mit gleichen Rechten wie ein Mann ausgestattet. Aber aufgrund meiner physischen Eigenschaften sollte ich ein anderes Leben führen als ein Mann.
Wenn ich Karriere mache, wie viele Kinder bekomme ich dann noch? Zwei, wenns hochkommt. Dann sterben wir aus! Es spricht nichts dagegen, dass ich mich selbst verwirkliche, aber das muss doch nicht in einem kinderfeindlichen Gebiet wie der Arbeit sein!

Ich sollte beginnen, es wieder schätzen zu lernen, vom Mann versorgt zu werden, auch wenn dieses finanzielle Abhängigkeit bedeutet.

Brauner Hintergrund mit 2 Bäumen und 3 Pilzen. Ein Wolf liegt blutend auf dem Boden. Im Vordergrund steht ein Mädchen mit lila Käppchen und einem blutigen Messer in der Hand. Es sagt: I don't need to be saved. I can do that myself.

(c) Frl. Zucker

Ich muss mir einen Mann suchen, damit ich nicht so viel vorm Computer sitze.
Vielleicht sollte ich demnächst mal wieder etwas für meine Figur tun, mich entsprechend kleiden, dann klappt es auch mit den Männern. Denn natürlich bin ich, wenn ich nicht den Mann habe, den ich mir wünsche, von der Männerwelt enttäuscht.

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