Einträge mit dem Tag ‘Netzpolitik’


Könnt ihr uns lesen? Unser Ärger mit Filtersoftware

31. August 2011 von Helga

„Könnt ihr uns lesen?“ klingt erstmal Banane, ist es aber nicht. Denn wie wir vor kurzem erfahren mussten, ist auch die Mädchenmannschaft auf schwarzen Listen, bzw. durch die Verwendung so anstößiger Wörter wie „Brüste“ auf den Sperrlisten von Filtersoftwares gelandet.

@franziska_: in der bücherei #neukölln am internettisch sind alle feministischen seiten wg wörtern auf dem internen index gesperrt :(( 12 Aug via web

Damit stehen wir nicht alleine dar. Bereits vor einem Jahr berichtete netzpolitik.org, von einer an Schulen beliebten Filtersoftware blockiert zu werden. Dass die Seite bereits mehrfach für ihre politische Bildungsarbeit ausgezeichnet wurde – geschenkt. Heute morgen twitterte Anne Roth, dass ihr Blog in den USA gesperrt ist.

Hintergrund in Deutschland ist derzeit der Jugend­medien­schutz-Staatsvertrag. Ähnlich wie im Fernsehen, sollen Kinder und Jugendliche auch im Internet vor gefährdenden Inhalten geschützt werden. Klingt wie eine gute Sache, ist aber in der Praxis großer Müll. Vorgesehen waren von der Kommision für Jugend­medien­schutz zertifizierte Filterprogramme, die es bis heute wohl nicht gibt (die entsprechenden Gesetze sind erst sieben Jahre alt).

Eine Neugestaltung des Staatsvertrages scheiterte im vergangenen Jahr, nachdem sich erneut handwerkliche Mängel abzeichneten. So ist weiterhin unklar, wie Bibliotheken und Schulen Kinder eigentlich schützen sollen. Um auf der sicheren Seite zu sein, verlassen sich daher viele auf Filtersoftware. Und offenbaren das größte Problem: Filtern ist Glücksspiel.

So erklärte die Neuköllner Bibliothek auf Nachfrage:

An allen Internetplätzen in der Bibliothek befinden sich die Hinweise, dass es verboten ist Seiten mit gewaltverherrlichenden, pornographischen, sexistischen, volksverhetzenden und/oder rassistischen Inhalten aufzurufen.

Da eine persönliche Betreuung von Kindern und Jugendlichen nicht möglich sei, verliesse man sich zur Umsetzung auf Filtersoftware. Leider blockiert diese Software aber neben der Mädchenmannschaft auch weitere feministische, anti-sexistische und anti-rassistische Blogs. Öffentlich zugänglich waren dagegen weiterhin maskulistische Seiten – Sexismus und persönliche Angriffe auf Feminist_innen inklusive. Die Bitte, die feministischen Seiten wieder freizuschalten wurde übrigens abgelehnt, das sei nicht möglich. Ob das nun an Einschränkungen in der Software oder fehlendem Wissen auf Seiten der Bücherei liegt – ein Armutszeugnis.

Wie sieht es bei Euch aus? Könnt ihr die Mädchenmannschaft in der Bücherei oder in der Schule lesen? Wenn nicht, habt ihr um Freischaltung gebeten und wie sah die Reaktion aus?


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Anonymous oder Susimaus – Geschlecht im Internet

8. Juli 2011 von Helga

Realname oder Nickname, bzw. Spitzname? Seriös oder lustig? Geschlechts­bezogen oder nicht? Wer im Internet unterwegs ist, muss sich viele Gedanken machen, wie er oder sie sich benennt. Zumindest bei der letzten Frage wird oft geraten, als Frau einen möglichst geschlechtsunspezifischen Namen zu wählen. Und das leider nicht ohne Grund.

Laut einer Studie der University of Maryland werden Accounts mit weiblichen Benutzernamen 25 mal mehr böswillige Nachrichten geschickt. Bereits 2006 in Chaträumen durchgeführt, bekamen die Testaccounts jede Menge privater Nachrichten. Als harmlos aussortiert wurden etwa “helo” (hallo) und “care 2 intro” (magst du dich vorstellen). Als böswillig wurden dagegen Nachrichten gezählt, die von “feeling horny” (bist du geil) bis hin zu Drohungen reichten.

Screenshot eines Tweets von Ti_Leo: Ah, ich wurde gesperrt. Google+ macht ernst mit den Echtnamen, scheint es. - 6 minutes ago via HootSuite

Spannend wäre jetzt natürlich eine Untersuchung, die sich mit dem verstärkten Gebrauch von Klarnamen in sozialen Netzwerken beschäftigt. Wenn ihr eine kennt, nur her damit. Wichtig wird eine Diskussion gerade jetzt, weil z.B. Google+ Leute verstärkt zum Klarnamen zwingt und auch die Geschlechtseinstellung öffentlich gemacht hat (man kann immerhin zwischen männlich, weiblich und „anders“ wählen)!

So geht der Trend im Internet immer mehr zu einer Abbildung der Realität. Das Schaffen von Netzidentitäten wird schwieriger, wenn überall die Verbindung zum Offline-Leben durch den Namen gegeben ist. Gleichzeitig werden aber auch die Probleme der Realität mitgenommen. Bisher gab es dagegen Strategien – etwa das wählen eines uneindeutigen Namens, um nicht belästigt zu werden. Diese werden zunehmend eingeschränkt oder sogar verboten, jedoch ohne klare neue Strategien und Auswege. Vermutlich gibt es bei Google nicht mal ein Bewußtsein dafür, dass Userinnen derartigem Sexismus ausgesetzt sind und die Firmenpolitik den noch verstärkt.

All das, was im realen Leben schon nötig ist, wird nun im Internet noch dringender. Das Verbreiten der Einstellung, dass es nicht ok ist, Frauen sexuell zu belästigen. Möglichkeiten, Belästigungen zu melden, dabei ernst genommen zu werden. Für andere Probleme wie Rassismus, Behindertenfeindlichkeit und ähnliches. gilt das genauso. Leider gibt es aber bei Google bisher keine Kampagne, die ihren Feldzug für mehr Öffentlichkeit, explizit um den respektvollen, nicht-sexistischen, nicht-rassistischen etc. Umgang miteinander ergänzt. Die Probleme werden wieder einmal auf die einzelnen Betroffenen abgewälzt und zu deren persönlichen Problemen erklärt. Ändern wird sich so nichts!

Im Internet weiß niemand, dass Du ein Hund bist. Wer aber meint, Dein Geschlecht zu kennen, bringt die ganze Scheiße aus dem realen Leben mit.

(via Liz Henry)


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Was ist weiblich, was ist männlich im Internet?

23. Mai 2011 von Helga

Schon vor einem Monat erschien der „Rant“ von Jörg-Olaf Schäfers zur Frage, wer eigentlich was in der Netzpolitik in den letzten Jahren/Jahrzehnten bewegt hat. Dabei sind mir zunächst 2 Dinge aufgefallen. So geht es im Artikel im verschiedene Organisationen und Aktionen, von Stop1984 mit Bettina Hammer, über die Petition gegen Internetsperren von Franziska Heine, bis hin zum stärkeren Engagement des CCC, das laut Schäfers vor allem an Constanze Kurz hängt. Hier treffen mit Politik und Technik eigentlich 2 Bereiche aufeinander, die als männlich gelten. Und dennoch so viele Aktivistinnen? Aber Obacht:

Die floralen Elemente eher weichen Themen der SIGINT standen anfangs jedenfalls noch deutlich in Kontrast zur harten Hacker-Realität auf dem Kongress in Berlin […]

Galt all das was „auf den Webseiten“ steht mal als „weiblich, weich, blumig“ im Vergleich zu dem, was hinter den Webseiten steht? Beispiel Weblogs. Seit dem Aufkommen von Blogs sind als Autor_innen überdurchschnittlich viele Frauen zu finden, gleichzeitig wurden sie lange als „Tagebücher im Internet“ verschrien. Inzwischen gibt es einige sehr bekannte Blogs, das Image beginnt sich zu wandeln und damit auch das Geschlechtsimage, denn meistens ist von den Bloggern (m) die Rede.

Doch Frauen strömen verstärkt ins Internet, der Gender Gap schließt sich an dieser Stelle immer mehr. Damit einher geht eine stärkere Differenzierung der Tätigkeiten. Der Anteil von Frauen und Männern, die im Netz daddeln ist fast gleich? Dann wird eben unterschieden zwischen krassen Egoshootern und „Social Games“. 83% der Surfer und 88% der Surferinnen kaufen Zeug übers Internet? Also schnell klargestellt, dass Frauen Kleidung kaufen und Männer Computer. Jedes Mal, wenn eine Achse der Unterscheidung wegfällt, wird nach der nächsten gesucht.

Grafik der Bitkom zur Internetnutzung

Doch nicht immer erobern die Frauen sich neues Terrain, es geht auch umgekehrt. Bei der Gründung der Digitalen Gesellschaft, die künftig die digitalen Bürgerrechte vorantreiben will, waren nur Männer dabei. Nach der ersten Kritik hat man inzwischen klargestellt, es gäbe „auch einige weibliche Mitglieder“. Na dann.
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PS: Eine ganz andere Frage stellt sich mir inzwischen auch noch. Warum mir Google bei der Suche nach dem inzwischen totgenudeltem Slogan „Frauen erobern das Internet“ auch das Wort „Verführen“ fett markiert, obwohl es nicht zur Suchanfrage gehört.

Dieser Text ist ein Cross-Posting von hanhaiwen.wordpress.com


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Quote für Migrant_innen in der SPD? – Die Woche im Überblick

4. Mai 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 103 von 152 der Serie Kurz notiert

Im Guardian gibt es ein Porträt von Michelle Bachelet, der ehemaligen chilenischen Präsidentin und ersten Vorsitzenden der neugeschaffenen UN Women.

Die Autorin und Journalistin Karen-Susan Fessel wird heute im Rahmen der Osnabrücker Gay in May-Kulturtage mit dem Rosa-Courage-Preis ausgezeichnet.

Antje Schrupp hat ihre Präsentation über Frauen- und Männerbilder in der Werbung frei zugänglich gemacht.

Die Heinrich-Böll-Stiftung hat einen Reader über “Digitale Intimität, die Privatsphäre und das Netz” herausgegeben, der zum Download bereit steht. Ein Beitrag in dem Heft beschäftigt sich mit Sexismus, Rassismus und Homophobie im Netz und schlägt verschiedene Möglichkeiten des Umgangs damit vor.

Sibylle Hoyer ist auf der Suche nach Interessierten, die an einer Studie zur Frauenquote in der Privatwirtschaft teilnehmen möchten.

Bleiben wir gleich beim Thema Quote: In der Zeit beschweren sich die Autorin und der Autor eines Artikels über den Fakt, dass eine Frauenquote die beruflichen Aufstiegschancen von Männern behindere. Natürlich kommt der Text ohne Kontextualisierung aus, das heißt, es werden Fakten ignoriert wie: Zweck und Notwendigkeit von positiven Maßnahmen, geschlechtsspezifische Diskriminierung im Berufsleben, unterschiedliche Chancen- und Ressourcenausstattung von Männern und Frauen.

Eine ganz andere Quotenforderung kommt aus der SPD. Nachdem Thilo Sarrazin nun doch in der Partei verweilen darf, möchte sich diese eine Quotierung für Migrant_innen geben, berichtet Migazin. Sarrazin selbst findet die Idee eher bescheiden, wie die Frankfurter Rundschau schreibt.

Das antirassistische Mediawatch-Blog Der Braune Mob weist auf eine Broschüre des “Fördervereins PRO ASYL e.V.” hin. Es sollen u.a. Stimmen gegen die Ausgrenzung und Diskriminierung von Flüchtlingen gesammelt werden.

Gender Across Borders hat einen Aufruf zu Männlichkeiten gestartet: Es werden Autor_innen gesucht, die sich aus verschiedenen Perspektiven mit dem Thema auseinandersetzen und darüber schreiben möchten. Bewerbungsschluss ist der 18. Mai.

Die Bloggerin Ninia Binias wurde in Trackback, einer Sendung des Radiosenders Fritz, vorgestellt.

Nele Bachmann sucht für ihre Bachelorarbeit an der Freien Universität Berlin Doppelkarrierepaare mit Kindern für eine Interviewerhebung (PDF).

Die Al Arabiya News porträtieren Zainab al-Khawaja, eine bahrainische Aktivistin. Nachdem ihr Vater, Ehemann, Onkel und Schwager verhaftet wurden, begann sie einen Hungerstreik. Seit Mitte Februar gibt es auch in Bahrain Proteste für mehr Demokratie und Menschenrechte.


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Hacking social media – Feminist_innen im Web 2.0

8. April 2011 von Helga

Auf der rp:11 gibt es zu diesem Thema von Kathrin Ganz und mir das Panel „Shitstorm? You can do it!“, am 13. April um 12 Uhr. Dort werden wir außerdem das neue Projekt Hatr vorstellen.

Was offline die Insiderwitze sind, sind im Internet die Memes: sog. Inter­­net­phäno­­mene. Ob per Video oder Bild, mehr oder weniger witzige Sachen werden per Mail, Facebook oder Twitter versendet. Spätestens wenn jede_r seine eigene Ver­sion erstellt hat, ist das Kultmeme perfekt. Leider sind viele Memes all das, was auch schon im realen Leben scheiße ist (Triggerwarnung!): be­hin­der­ten­feind­lich, rassistisch, homophob oder einfach nur brutal frauen­ver­ach­tend.

Schon fast legendär ist eines der ältesten Gegenmittel von Feminist_innen und anderen Aktivist_innen: Die Bingo-Karte. Hier werden die häufigsten Aussagen von Trollen und die einschlägigen Abwertungen in Diskussionen gesammelt. Ob sexualisierte Übergriffe (inzwischen auch in der Assange-Edition) oder Rassismus, Goo­­gle findet für alles eine Bingo-Karte.

Nach dem Vorbild der LOLcats gibt es inzwischen eine Reihe an Memes, bei denen die verschiedensten Bilder von Internetuser_innen mit noch unterschiedlicheren Be­schriftungen versehen werden. Das erste berühmte feministisch inspirierte Meme war dann der “Privilege Denying White Dude”, das abschätzig schauende weiße junge Männer zeigte. Dazu die besten Mansplainersprüche, denn schließlich wissen weiße, heterosexuelle Männer am besten, welche Probleme Frauen und Minderheiten wirklich plagen und wie sie am besten gelöst werden können. Hier ließ das Gegenmeme nicht lange auf sich warten. Schon der Name, “Feminist Cunt” (Feministische Fotze), war so hasserfüllt und beleidigend, wie einschlägige Kom­men­tare es erwarten lassen.

Auch auf Twitter haben Feminist_innen mit eigenen Kampagnen schon viel er­reicht. Wichtig sind dabei vor allem die Hashtags – Stichwörter, die mit einem # ver­sehen für Aufmerksamkeit sorgen und alle Tweets zusammenbringen. So gab es im Zuge der Diskussionen um Julian Assange die schwedische #prataomdet (Sprich darüber)-Kampagne, die es weltweit in die Medien brachte. Auch wir be­richteten, wie sich immer mehr Schwedinnen und Schweden zu Grenz­­ver­letzungen in intimen Beziehungen äußerten. Die massive, direkte An­sprache an Filmemacher Michael Moore und Talkshowmasterin Rachel Maddow war ebenfalls erstmal dank Twitter möglich. Sie brachte den #MooreandMe-Twitter­_innen eine öffentliche Klarstellung, in der Moore mehr Vertrauen und Respekt gegenüber Ver­gewalti­gungs­opfern forderte. In den letzten Wochen haben türkische Aktivist­_innen mit #defnejoy eine Diskussion über ihre sexistischen, rassistischen und homophoben Medien angestoßen. Ein Kolumnist hatte impliziert, der Tod der Fern­seh­moderatorin Defne Joy Foster sei aufgrund ihres angeblich unmoralischen Verhaltens verdient gewesen. Die Petition zur Kampagne haben bereits fast 8.000 Menschen unterschrieben.

Schließlich lässt sich auch Formspring anders als von den Macher_innen geplant verwenden. Statt als Frage-Antwort-Seite benutzt die 3.000 campaign es als Möglichkeit, anonym von sexualisierter Gewalt zu berichten. Ziel der Kampagne ist es dabei, Aufmerksamkeit auf dieses große Problem im US-Universitätssystem zu richten; Vor allem, weil die meisten Übergriffe niemals angezeigt werden. 3000 bezieht sich dabei auf die Anzahl der Student_innen, die an der George Wash­ing­ton University, von der die Initiative ausgeht, vermutlich sexuelle Gewalt erfahren.


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Das Frauenproblem der Wikipedia

19. November 2010 von Helga

Vor einiger Zeit untersuchte Rachel McCarthy James von Deeply Problematic die Einträge der englischen Wikipedia-Startseite danach, ob Männer oder Frauen präsentiert werden. Das erschreckende Ergebnis: Im Schnitt kommt auf neun Männer gerade mal eine Frau. Zum Vergleich habe ich im Oktober eine Woche lang die deutsche Startseite durchgezählt – wer keinen eigenen Eintrag hatte, aber namentlich erwähnt wurde, zählte mit. Die Ergebnisse sind ähnlich vernichtend:

4. Oktober: 10 Männer, 2 Frauen
5. Oktober: 13 Männer, keine Frau
6. Oktober: 12 Männer, keine Frau
7. Oktober: 10 Männer, 3 Frauen
8. Oktober: 12 Männer, 1 Frau
9. Oktober: 15 Männer, keine Frau
10. Oktober: 11 Männer, 3 Frauen

Gleich an drei Tagen schaffte es keine einzige Frau auf die Startseite der Wikipedia, während Männer immer im zweistelligen Bereich vorgestellt wurden. Im Vergleich zur englischen Startseite also ein noch schlechteres Verhältnis. Eine volle zweite Woche habe ich seitdem leider nicht geschafft, aber sporadische Stichproben sehen ähnlich aus (31. Oktober: 13 Männer, 1 Frau, 18. November: 15 Männer, 1 Frau, 1 Fossil namens „Mungo Man“ dessen Geschlecht nicht abschließend geklärt ist).

Aber in der Geschichte waren nun mal öfter Männer an wichtigen Dingen beteiligt – was soll also daran schlimm sein?
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Frauen als Farbtupfer der Netzpolitik?

20. August 2010 von Helga
Dieser Text ist Teil 28 von 48 der Serie Meine Meinung

Die Debatte um Netzneutralität, Netzpolitik und die Beteiligung von Frauen schlägt weiter Wellen, heute im FAZ-Blog Deus Ex Machina. Denn bei der Initiative Pro Netzneutralität finden sich unter den Erstunterzeichner_innen sehr wenig, unter den späteren Unterzeichner_innen wenig mehr Frauen. Warum, warum, warum?

Auch wenn es noch gern beklagt wird, ist die Vernetzung von Frauen, auch und gerade den technikaffinen, inzwischen schon deutlich vorangeschritten. Es gibt Frauen*ImNet, SheGeeks, die TechNixen, die Girls On Web Society oder die Webgrrls. Explizit Frauen anzusprechen und mit einzubeziehen wurde von den Initiatoren geplant, aber dann leider nicht umgesetzt. Anders als Violandra Temeritia von Ávila bin ich der Meinung, dass es durchaus wichtig ist, von Anfang an auch Unterzeichnerinnen als Vorbilder zu haben. So ist die Initiative zwar in der Öffentlichkeit, aber wegen einer Genderdebatte, nicht wegen ihrer Ziele.

Ein ähnliches Problem hatte schon die Piratenpartei und genau wie dort besteht ein weiteres Mal die Gefahr, dass die Debatte abgleitet. So wichtig es ist, Gleichberechtigung anzusprechen, droht gleichzeitig der Unmut derjenigen, die ihr ursprüngliches Ziel in Gefahr sehen. Schlimmstenfalls endet das in einem unnötigen Kleinkrieg, der es der realen Welt leicht macht, die Netzbewohner_innen wieder als wilde Randerscheinung des Lebens abzutun. Damit unter gingen sowohl die Gender- wie auch die Netzneutralitätsbewegung.

Warum nun ist die Begeisterung für Netzneutralität bisher vor allem unter den Bloggern zu spüren und da auch nur eingeschränkt? So haben inzwischen gerade etwas über 8.000 Menschen unterschrieben, bei der Hebammenpetition waren es vor kurzem 180.000. Viel genützt hat es den Hebammen leider nicht, mit gerade einmal 8 Euro pro Krankenhausgeburt extra spricht der Hebammenverband von einem katastrophalen Ergebnis. Erst vor zwei Tagen hieß es, dass die Mehrheit an Beleggynäkolog_innen ihre Arbeit aufgeben wird, wenn es nicht doch noch zu einer besseren Einigung kommt. Unterstützung aus der (weiblichen) Bevölkerung bedeutet leider immer noch nicht politische Macht und Ver­änderungs­mög­lich­keiten. Was aber kein Grund ist, darauf zu verzichten! (weiterlesen …)


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Netzpolitik in feministischem Kontext

12. August 2010 von Helga

3 gestapelte N deren Enden weiterlaufen und in Kreisen mit 0 und 1 enden vor grünem Hintergrund. Darunter die Schrift: Netzneutralität
Seit die Details über eine Kooperation von Google und Verizon langsam ins Internet tröpfeln, macht der Ruf nach Netzneutralität wieder die Runde – den Unterzeichner_innen der Initiative Netzneutralität nach zu urteilen, sind es aber vor allem Männer, die sich dafür interessieren. Dabei zeigt ein Blick auf den Hintergrund von Netzneutralität, sowie die bisher bekannt gewordenen Ideen des Google-Dokuments, dass es gerade für die feministisch-queere Webszene von großer Bedeutung sein wird.

Denn bisher werden alle Daten im Internet gleich behandelt, von technischen Problemen wie etwa Serverausfällen einmal abgesehen. 1 MB Text wird genauso schnell verarbeitet wie 1 MB Video oder 1 MB Skypekonferenz. Dafür zahlen einerseits die Websurfer_innen bei ihrem Provider, auf der anderen Seite die Webseitenanbieter ihre Serverkosten. Mit dem Argument des ständig steigenden Datenaufkommens, gibt es wiederholt Vorstöße der Telekommunikations-unternehmen, für bevorzugte Datenübertragungen extra Geld zu verlangen. So könnte etwa Google dafür zahlen, dass seine Suchmaschine stets erreichbar ist, während Bing lange Wartezeiten in Kauf nehmen muss. Andererseits könnten Surfer_innen die Wahl haben zwischen einem Grundangebot an Webseiten auf der einen und dem „kompletten” Internet auf der anderen Seite.

Doch dafür ist es notwendig, dass die Provider in die Inhalte schauen. Bereits im Februar fragte Kathrin Ganz nach den möglichen Folgen:

Es gibt unzählige Seiten, Weblogs, Foren, Mailinglisten und Podcasts, die von Menschen aus unterschiedlichen marginalisierten Positionen heraus betrieben werden. Diese Tools dienen zur Vernetzung und politischen Organisation im Kampf gegen Unterdrückung und Ausgrenzung und werden durch Eingriffe in die Netzneutralität gefährdet. Denn wer garantiert, dass ein “basic” Angebot auch das rassismuskritsche Weblog oder den feministischen Podcast beinhaltet? Wer kann sich in diesem Szenario einen Internetzugang leisten, der nicht nur zahlungskräftige Mainstreammedien und Shoppingportale umfasst?

Das allein ist schon kritisch genug. In den Ideen von Google und Verizon finden sich aber noch weitere Ansätze, die problematisch erscheinen. (weiterlesen …)


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