Einträge mit dem Tag ‘Netzpolitik’


Was ist eigentlich… ACTA?

26. Januar 2012 von Helga

Mittwoch vor einer Woche waren vor allem englisch-sprachige Webseiten schwarz. Hintergrund war das drohende Gesetz SOPA. Wie der Name “Stop Online Piracy Act” verhiess, sollte es Piraterie im Internet eindämmen – es war allerdings so schwammig geschrieben, dass es zur Abschaltung beliebiger Webseiten ohne Gerichtsverfahren geführt hätte. Nach dem massiven Protest schwand aber die Unterstützung im US-Repräsentatenhaus und das Gesetz wird erst einmal überarbeitet. (Schmankerl am Rande: Der Autor des Gesetzes, Lamar Smith, hatte auf seiner Webseite selbst Bilder ohne Genehmigung verwendet.)

Damit allerdings ist das Thema „unliebsame Webseiten einfach abschalten“ noch lange nicht vom Tisch. Denn nun steht das internationale Handelsabkommen ACTA (Anti-Counterfeiting Trade Agreement) vor der Tür, wie das Kotzende Einhorn erinnert. Auch ACTA soll verhindern, dass im Internet das Urheberrecht verletzt wird – dies sollen bereits die Internetanbieter_innen machen, die dafür kontrollieren müssten, was ihre Kund_innen im Internet eigentlich machen. Nicht nur würde so massiv die Privatsphäre verletzt, auch die eigenmächtige Kappung von Internetzugängen durch die Provider steht im Raum: Sie würden zu privater Polizei und Richter_innen in einem. So hätte die Kontroverse um den Privilege Denying Dude auch mit der Sperrung des Internetzugangs für die Verantwortliche enden können, statt „nur“ mit einer Abmahnung.


Say no to ACTA von QuadratureDuNet

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Frauen in der Wikipedia: Die Debatte geht weiter

24. Januar 2012 von Helga

Wo sind eigentlich die Frauen in … der Wikipedia? Um diese Variation einer im Internet schon viel zu häufig gestellten Frage ging es bereits 2010/2011 und derzeit wieder bei bei netzpolitik. Auffällig war zunächst die unterirdische Repräsentation von Frauen auf den Wikipedia-Startseiten. In den Kommentaren wurde dabei schnell deutlich, dass auch die Autor_innenschaft eher eine Autorenschaft ist, die Schreiberinnen eher abschreckt. So vermutete Justine Cassell, dass die Wikipedia-spezifische Diskussionskultur es Frauen schwer mache, sich einzubringen. So müssten Einträge und Änderungen immer wieder verteidigt werden. Und auch wenn 2011 Amerikanerinnen sehr wohl in der Lage seien, sich auszudrücken und ihre Standpunkte zu verteidigen, würden sie immer noch schneller dafür negativ abgestempelt werden. Frei nach dem Klischee „Männer diskutieren, Frauen zicken“.

Der obere Teil eines weißen Balls aus Puzzleteilen, in der Mitte ein großes W (aus dem Wikipedia-Logo)

CC-BY-2.0 jaaron

Was also ist zu tun? Kommentatorin Angelika wies damals schon auf einen Artikel von Sue Gardner hin, der aufzeigt, wie Frauen fürs Programmieren (und damit auch Wikipedia) gewonnen werden können. Einige kamen schon in den 4 Wegen, Frauen und Technik zusammen zu bringen vor, etwa: Hürden erkennen und abbauen, gezielt Frauen ansprechen und eine frauen-freundliche Arbeitsumgebung schaffen (z.B. auf sexistische Witze verzichten).

Einiges hat sich seitdem getan. So zweifelte noch 2011 Slate, ob der geringe Autorinnenanteil wirklich ein Problem sei. Wohingegen die New York Times es problematisch fand, dass preisgekrönte Autorinnen nur kurz erwähnt werden, während männliche Computerspielcharaktere ausführlich dargestellt werden. Diese Debatten sind verstummt, inzwischen wurde eine Mailingliste zum Gender Gap eingerichtet, Diversität soll eines der Hauptthemen der Wikipedia Academy 2012 werden, wie auch die Diskussionskultur bei der Wikimania 2012. (weiterlesen …)


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Was wir nicht bedenken, wenn wir über Datenschutz und Kontrollverlust reden

13. Januar 2012 von Helga

Erst konnten sie nur telefonieren, dann auch fotografieren und jetzt sagen sie einer jederzeit, wo die nächste Bushaltestelle ist und wann der nächste Bus fährt: Handys. Besonders letzteres ist eine seit Jahren umstrittene Funktion. Zwar lässt sich jedes Handy durch seine Kommunikation mit dem nächsten Funkmast halbwegs orten, dank GPS geht das mit Smartphones aber deutlich besser. Apples iPhones und Googles Android-Handies sammeln darüber hinaus noch WLAN-Netzwerke und verbessern damit ihre Lokalisierungsfunktion.

Blaue Karte von Europa mit roten Punkten, die 881 iPhones darstellen, die meisten in Deutschland, dort vor allem im Ruhrgebiet, Berlin, München und Hamburg.

In diesem Bild sind 881 iPhones versteckt (CC-BY crowdflow.net)

Wer diese Daten in die Hände bekommt, kann mit ihnen Bewegungsprofile erstellen, wenn auch keine perfekten. Dass Apple die Lokalisierungsdaten dauerhaft im iPhone speichert und dieses „Feature“ lange geheim hielt, sorgte trotzdem für Ärger. Dabei fokussiert sich die Debatte auf zwei Probleme: Zum Einen die Sammelwut der Firmen und die Unsicherheit, wie sie mit diesen Daten umgehen. Zum Anderen die Aussicht, dass sie beim Staat landen und wir der „gläsernen Bürgerin“ wieder ein Stück näher kommen. In beiden Fällen steht auch der Kontrollverlust im Raum, also das (un)absichtliche Veröffentlichen der Daten.

Vergessen wird dabei leider immer wieder die Frage nach Macht, bzw. fehlender Macht, wie Gus Hosein von Privacy International im Gespräch mit GenderIT.org deutlich macht:

[…] there is always a power imbalance in any relationship, whether it is between generations, between employee and employer, or, of course, in the home. When it comes to gender issues specifically, particularly in developing countries, we have seen some worrying trends about the distribution, say, of mobile telephony – about who in the household can have access to a mobile phone. Even when, say, women in the household are granted access to a mobile phone by the dominant male, he still has ownership over that phone.

Es gibt immer ein Machtgefälle in jeder Beziehung, sei es zwischen den Generationen, zwischen Arbeitgeber_in und Arbeitnehmer_in oder, natürlich, zu Hause. Wenn es speziell um Geschlechterfragen geht, besonders in Entwicklungsländern, dann haben wir einige besorgniserregende Trends zur Verteilung von Mobiltelefonen gesehen – also wer in einem Haushalt dazu Zugang hat. Selbst wenn Frauen in einem Haushalt Zugang zu einem Handy bekommen vom männlichen Familienoberhaupt, dann ist er immer noch der Besitzer des Telefons.
So wird aus einem Gerät und technischem Fortschritt, die neue Freiheiten und Möglichkeiten erlauben, gleichzeitig ein weiterer Kontrollmechanismus. Die Bewegungsfreiheit, die Handies und Smartphones auf der einen Seite bieten, werden auf der anderen gleich wieder beschränkt.


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Wenns nicht mal für eine Quotenfrau reicht

28. September 2011 von Helga

Es gibt so Artikel, bei denen frau sich fragt, warum frau die im Jahr 2011 eigentlich noch schreiben muss. Weil frau auch klar ist, dass es die üblichen drei Ausreden geben wird („keine Frau hatte Zeit, das hat sich einfach so ergeben, wir sind halt post-gender“) und dass sie wieder als die ewige Nörglerin beschimpft werden wird.

Aber jetzt mal ehrlich liebe Konferenzorganisator_innen von SuMa e.V. und PolitCamp e.V. – keine einzige Frau dabei zu haben ist ne reife Leistung. Gerade findet in Berlin der „SuMa-eV-Kongress 2011: Geld verdienen im Internet?“ statt. Mit dabei sind 22 Männer (darunter auch Feministen) und 0 Frauen. Gibt es wirklich keine einzige Frau, die im Internet Geld verdient? Oder dann wenigstens eine, die darüber redet, warum das so schwer ist?

Geradezu grotesk wirkt es bei der Diskussionsrunde „Demokratie und Staat“ des PolitCamps, die im Oktober stattfinden wird. Sechs studierte weiße Männer, die meisten in der (Netz-)Politik und in Führungspositionen, debattieren über die folgende Fragestellung:

Politische Beteiligungsmöglichkeiten dehnen sich immer mehr auf das Netz aus. Dabei liegen oftmals nicht technische Probleme im Vordergrund, sondern mangelt es oft noch an einer zu geringen Reichweite oder eine enttäuschende Beteiligung des Angebots. Läuft solch eine Beteiligung Gefahr verschiedene Bevölkerungsgruppen von Anfang an auszuschliessen? Kommt es zur Diktatur der Aktiven?

Anke Domscheit-Berg fragte dazu auf Twitter: Warum sagen moderne Männer nicht einfach bei solchen Konferenz ab, die weibliche Kompetenz ignorieren?

Tweet von @fraeulein_tessa (teresa m. bücker): Wer es nicht schafft ausreichend* weibliche Speaker zu gewinnen, ist schlecht vernetzt und sollte den Job wechseln. /cc @anked @annnalist

Und damit auch wirklich niemand mehr eine Ausrede hat: Erst nachdenken, wieviele Frauen man tatsächlich kennt, denn auch bei Netz- und Technikthemen sind es manchmal mehr als erwartet. Und dann konsequent nachfragen, bis man seinen Bekanntenkreis erweitert hat – irgendwo stand mal die Regel, für jede Absage einer Frau nach fünf weiteren Kontakten zu fragen. Im Sinne eines Bewußtseinwandels sollten aber auch ruhig alle männlichen Experten auf ihre Kolleginnen befragt und so vielleicht auch ein Stück weit für das Thema sensibilisiert werden.


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Frauen unerwünscht? Der Wirbel um die deutsche Wired als Netzpolitik-Analogie

7. September 2011 von Helga

Erst klang es so super: Endlich eine deutsche Ausgabe von Wired, dem amerikanischen Magazin, das Netzkultur, Design und Politik verbindet. Dann kam die Ernüchterung, denn die Testausgabe wird den Herrenmagazin GQ beiliegen. Nach Beschwerden von Frauen und selten blöder Rechtfertigungen vom Chefredakteur Thomas Knüwer[1] war ich schließlich nur noch genervt. Anerkennen und Umgang mit der Kritik? Fehlanzeige.

Dabei illustriert diese Debatte wie keine andere die Probleme um die Teilnahme von Frauen an netzpolitischen und technischen Themen. So herrscht laut (zugegebenermaßen anekdotischer) Evidenz kein Desinteresse bei Frauen vor. Stattdessen geben viele aber an, sich „potentiell zu blöd“ oder einfach uninformiert zu fühlen, um an den Debatten teilzunehmen. Auch die sexistischen Scheißeregen, inklusive Vergewaltigungs- und Mordandrohungen, die regelmäßig auf Frauen niederregnen, die den Mund aufmachen, schrecken ab.

Und wie auch sollte frau sich informieren? Frauenmedien haben schon Politik ignoriert, um Netzpolitik wird es noch weniger gehen. Den „allgemeinen“ Offlinemedien werfen netzpolitisch Interessierte dauernd vor, das Netz nicht zu verstehen und falsch darzustellen. Es bleiben also die „männlichen“ Netzmedien – die tatsächlich auch von Frauen gelesen werden, ohne sich dann aktiv zu beteiligen. Warum auch? Netzpolitik gilt als Männerdomäne, Fehltritte als Frau drohen auf alle Frauen zurückzufallen, statt Engagement gegen sexistische Angriffe glänzt die Netzszene vor allem durch Abwehrhaltung. So schließt sich wieder einmal der Kreis.

Wie ließe sich dieser Kreis durchbrechen? Zum einen müssen die netzpolitischen Debatten an Orten geführt werden, an denen auch Frauen sich willkommen fühlen, statt nur als Zaungäste geduldet zu scheinen. Das heißt klar zu machen und durchzusetzen, dass diskriminierendes Verhalten nicht erwünscht ist und Beschwerden über solches ernst zu nehmen! Es heißt nicht, einfach eine rosa Seite aufzusetzen und verständliche Erklärungen mit herablassender Babysprache zu verwechseln.

Zum anderen sollten Frauen, genauso wie alle anderen nicht-männlich-weiß-mittelalten Interessierten, Flagge zeigen, zu Veranstaltungen gehen und dort mitreden! Alle ihr, die ihr Angst vor blöden Fragen (oder Antworten) habt: tatsächlich stellt ihr die spannendsten Fragen und habt die besten Ideen.

Einen guten Anfang bietet dieses Wochenende. Am Freitag gibt es in der Heinrich-Böll-Stiftung die Konferenz netz:regeln, auf der z.B. auch die Frage „Wer spricht für das Netz?“ diskutiert wird. Im Anschluß gibt es noch eine netzpolitische Soirée zum Konflikt Sicherheit und Freiheit im Internet (beide Termine sind kostenlos, erfordern aber eine Anmeldung). Am Samstag heißt es in Berlin schließlich zum fünften Mal „Freiheit statt Angst“ – um 13 Uhr geht es am Pariser Platz los, auf dem Alexanderplatz gibt es ab 14 Uhr dann Kundgebungen, bunte Aktionen und Informationsstände zu aktuellen netz- und sicherheitspolitischen Themen.

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[1] Auf „Titten- oder Männermagazin“-Vorwürfe entgegnete er regelmäßig mit dem Hinweis, auf der aktuellen Ausgabe sei Daniel Craig auf dem Titel. Und ignoriert gekonnt die 15 vorherigen Ausgaben. Weitere Argumente: Männer kauften heute auch Tampons, da sollten Frauen auch die GQ kaufen können und Vogue-Leserinnen würden sich nicht für Themen der Wired interessieren.


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Engagement für ein freiheitliches und demokratisches Internet

1. September 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 80 von 94 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

Manu bloggt

Wie heißt du?
Manu. Manubloggt. Manuela Schauerhammer.

Seit wann bloggst du?
Unter manubloggt.de seit 2006, vorher hatte ich mal ‘ne statische Webseite, die ich quasi als Blog nutzte. Angefangen hat’s damit etwa 2003, davor war ich mehr forenaktiv.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Die erste Seite war eher so eine Art virtuelles Tagebuch-Ding, recht kleinkreisig und privatthemenzentriert. Liegt sicher auch daran, dass ich bis 2006 noch sehr viel Uni-Schreibkram hatte mit Diplomarbeit und Co., und zu der Zeit viel meiner Energie da reinfloss, die dann danach erst für andere Projekte frei wurde. Diese Entwicklung kann man sogar im Archiv von manubloggt.de noch ein bisschen mit nachvollziehen.

Worüber schreibst du?
Über alles Mögliche, von Netzpolitik über demokratische Erziehung bis hin zu Alltagserlebnissen. Von Kinderanekdoten bis zu Möbelbauanleitungen, von Privatem und Öffentlichem.

Was dir ohne Internet nicht passiert wäre:
Ich würde mich anders organisieren, mich anders durch die Welt bewegen, vermutlich würde ich auch in anderen Mustern denken und mich damit anders verhalten. Ich hätte vieles nicht (so einfach) erfahren. Ich hätte unglaublich viele tolle Menschen nicht kennen gelernt. Ich hätte diesen Text nicht parallel zu zwei Pad-Sitzungen mit jeweils unterschiedlichen Leuten, mit denen ich gerade virtuell in verschiedenen Projekten zusammenarbeite, schreiben können. Kurzum: Mein Leben wäre ohne das Internet ein anderes.

Aber die liebste Web-Anekdote? Das ist ein bisschen wie die Frage nach einem Lieblingsessen. Es gibt so viel Leckeres, das lässt sich doch so nicht beantworten. Am meisten persönlich beeindruckt im letzten Jahr hat mich wohl der unglaublich starke Rückhalt aus dem Netz, als ich wegen einer im Blog veröffentlichen Recherche eine Klagedrohung in der Hand hielt. An dieser Stelle noch mal allen, die das jetzt vielleicht auch hier lesen, DANKE dafür. (weiterlesen …)


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Könnt ihr uns lesen? Unser Ärger mit Filtersoftware

31. August 2011 von Helga

„Könnt ihr uns lesen?“ klingt erstmal Banane, ist es aber nicht. Denn wie wir vor kurzem erfahren mussten, ist auch die Mädchenmannschaft auf schwarzen Listen, bzw. durch die Verwendung so anstößiger Wörter wie „Brüste“ auf den Sperrlisten von Filtersoftwares gelandet.

@franziska_: in der bücherei #neukölln am internettisch sind alle feministischen seiten wg wörtern auf dem internen index gesperrt :(( 12 Aug via web

Damit stehen wir nicht alleine dar. Bereits vor einem Jahr berichtete netzpolitik.org, von einer an Schulen beliebten Filtersoftware blockiert zu werden. Dass die Seite bereits mehrfach für ihre politische Bildungsarbeit ausgezeichnet wurde – geschenkt. Heute morgen twitterte Anne Roth, dass ihr Blog in den USA gesperrt ist.

Hintergrund in Deutschland ist derzeit der Jugend­medien­schutz-Staatsvertrag. Ähnlich wie im Fernsehen, sollen Kinder und Jugendliche auch im Internet vor gefährdenden Inhalten geschützt werden. Klingt wie eine gute Sache, ist aber in der Praxis großer Müll. Vorgesehen waren von der Kommision für Jugend­medien­schutz zertifizierte Filterprogramme, die es bis heute wohl nicht gibt (die entsprechenden Gesetze sind erst sieben Jahre alt).

Eine Neugestaltung des Staatsvertrages scheiterte im vergangenen Jahr, nachdem sich erneut handwerkliche Mängel abzeichneten. So ist weiterhin unklar, wie Bibliotheken und Schulen Kinder eigentlich schützen sollen. Um auf der sicheren Seite zu sein, verlassen sich daher viele auf Filtersoftware. Und offenbaren das größte Problem: Filtern ist Glücksspiel.

So erklärte die Neuköllner Bibliothek auf Nachfrage:

An allen Internetplätzen in der Bibliothek befinden sich die Hinweise, dass es verboten ist Seiten mit gewaltverherrlichenden, pornographischen, sexistischen, volksverhetzenden und/oder rassistischen Inhalten aufzurufen.

Da eine persönliche Betreuung von Kindern und Jugendlichen nicht möglich sei, verliesse man sich zur Umsetzung auf Filtersoftware. Leider blockiert diese Software aber neben der Mädchenmannschaft auch weitere feministische, anti-sexistische und anti-rassistische Blogs. Öffentlich zugänglich waren dagegen weiterhin maskulistische Seiten – Sexismus und persönliche Angriffe auf Feminist_innen inklusive. Die Bitte, die feministischen Seiten wieder freizuschalten wurde übrigens abgelehnt, das sei nicht möglich. Ob das nun an Einschränkungen in der Software oder fehlendem Wissen auf Seiten der Bücherei liegt – ein Armutszeugnis.

Wie sieht es bei Euch aus? Könnt ihr die Mädchenmannschaft in der Bücherei oder in der Schule lesen? Wenn nicht, habt ihr um Freischaltung gebeten und wie sah die Reaktion aus?


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Anonymous oder Susimaus – Geschlecht im Internet

8. Juli 2011 von Helga

Realname oder Nickname, bzw. Spitzname? Seriös oder lustig? Geschlechts­bezogen oder nicht? Wer im Internet unterwegs ist, muss sich viele Gedanken machen, wie er oder sie sich benennt. Zumindest bei der letzten Frage wird oft geraten, als Frau einen möglichst geschlechtsunspezifischen Namen zu wählen. Und das leider nicht ohne Grund.

Laut einer Studie der University of Maryland werden Accounts mit weiblichen Benutzernamen 25 mal mehr böswillige Nachrichten geschickt. Bereits 2006 in Chaträumen durchgeführt, bekamen die Testaccounts jede Menge privater Nachrichten. Als harmlos aussortiert wurden etwa “helo” (hallo) und “care 2 intro” (magst du dich vorstellen). Als böswillig wurden dagegen Nachrichten gezählt, die von “feeling horny” (bist du geil) bis hin zu Drohungen reichten.

Screenshot eines Tweets von Ti_Leo: Ah, ich wurde gesperrt. Google+ macht ernst mit den Echtnamen, scheint es. - 6 minutes ago via HootSuite

Spannend wäre jetzt natürlich eine Untersuchung, die sich mit dem verstärkten Gebrauch von Klarnamen in sozialen Netzwerken beschäftigt. Wenn ihr eine kennt, nur her damit. Wichtig wird eine Diskussion gerade jetzt, weil z.B. Google+ Leute verstärkt zum Klarnamen zwingt und auch die Geschlechtseinstellung öffentlich gemacht hat (man kann immerhin zwischen männlich, weiblich und „anders“ wählen)!

So geht der Trend im Internet immer mehr zu einer Abbildung der Realität. Das Schaffen von Netzidentitäten wird schwieriger, wenn überall die Verbindung zum Offline-Leben durch den Namen gegeben ist. Gleichzeitig werden aber auch die Probleme der Realität mitgenommen. Bisher gab es dagegen Strategien – etwa das wählen eines uneindeutigen Namens, um nicht belästigt zu werden. Diese werden zunehmend eingeschränkt oder sogar verboten, jedoch ohne klare neue Strategien und Auswege. Vermutlich gibt es bei Google nicht mal ein Bewußtsein dafür, dass Userinnen derartigem Sexismus ausgesetzt sind und die Firmenpolitik den noch verstärkt.

All das, was im realen Leben schon nötig ist, wird nun im Internet noch dringender. Das Verbreiten der Einstellung, dass es nicht ok ist, Frauen sexuell zu belästigen. Möglichkeiten, Belästigungen zu melden, dabei ernst genommen zu werden. Für andere Probleme wie Rassismus, Behindertenfeindlichkeit und ähnliches. gilt das genauso. Leider gibt es aber bei Google bisher keine Kampagne, die ihren Feldzug für mehr Öffentlichkeit, explizit um den respektvollen, nicht-sexistischen, nicht-rassistischen etc. Umgang miteinander ergänzt. Die Probleme werden wieder einmal auf die einzelnen Betroffenen abgewälzt und zu deren persönlichen Problemen erklärt. Ändern wird sich so nichts!

Im Internet weiß niemand, dass Du ein Hund bist. Wer aber meint, Dein Geschlecht zu kennen, bringt die ganze Scheiße aus dem realen Leben mit.

(via Liz Henry)


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Was ist weiblich, was ist männlich im Internet?

23. Mai 2011 von Helga

Schon vor einem Monat erschien der „Rant“ von Jörg-Olaf Schäfers zur Frage, wer eigentlich was in der Netzpolitik in den letzten Jahren/Jahrzehnten bewegt hat. Dabei sind mir zunächst 2 Dinge aufgefallen. So geht es im Artikel im verschiedene Organisationen und Aktionen, von Stop1984 mit Bettina Hammer, über die Petition gegen Internetsperren von Franziska Heine, bis hin zum stärkeren Engagement des CCC, das laut Schäfers vor allem an Constanze Kurz hängt. Hier treffen mit Politik und Technik eigentlich 2 Bereiche aufeinander, die als männlich gelten. Und dennoch so viele Aktivistinnen? Aber Obacht:

Die floralen Elemente eher weichen Themen der SIGINT standen anfangs jedenfalls noch deutlich in Kontrast zur harten Hacker-Realität auf dem Kongress in Berlin […]

Galt all das was „auf den Webseiten“ steht mal als „weiblich, weich, blumig“ im Vergleich zu dem, was hinter den Webseiten steht? Beispiel Weblogs. Seit dem Aufkommen von Blogs sind als Autor_innen überdurchschnittlich viele Frauen zu finden, gleichzeitig wurden sie lange als „Tagebücher im Internet“ verschrien. Inzwischen gibt es einige sehr bekannte Blogs, das Image beginnt sich zu wandeln und damit auch das Geschlechtsimage, denn meistens ist von den Bloggern (m) die Rede.

Doch Frauen strömen verstärkt ins Internet, der Gender Gap schließt sich an dieser Stelle immer mehr. Damit einher geht eine stärkere Differenzierung der Tätigkeiten. Der Anteil von Frauen und Männern, die im Netz daddeln ist fast gleich? Dann wird eben unterschieden zwischen krassen Egoshootern und „Social Games“. 83% der Surfer und 88% der Surferinnen kaufen Zeug übers Internet? Also schnell klargestellt, dass Frauen Kleidung kaufen und Männer Computer. Jedes Mal, wenn eine Achse der Unterscheidung wegfällt, wird nach der nächsten gesucht.

Doch nicht immer erobern die Frauen sich neues Terrain, es geht auch umgekehrt. Bei der Gründung der Digitalen Gesellschaft, die künftig die digitalen Bürgerrechte vorantreiben will, waren nur Männer dabei. Nach der ersten Kritik hat man inzwischen klargestellt, es gäbe „auch einige weibliche Mitglieder“. Na dann.
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PS: Eine ganz andere Frage stellt sich mir inzwischen auch noch. Warum mir Google bei der Suche nach dem inzwischen totgenudeltem Slogan „Frauen erobern das Internet“ auch das Wort „Verführen“ fett markiert, obwohl es nicht zur Suchanfrage gehört.

Dieser Text ist ein Cross-Posting von hanhaiwen.wordpress.com


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Quote für Migrant_innen in der SPD? – Die Woche im Überblick

4. Mai 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 103 von 138 der Serie Kurz notiert

Im Guardian gibt es ein Porträt von Michelle Bachelet, der ehemaligen chilenischen Präsidentin und ersten Vorsitzenden der neugeschaffenen UN Women.

Die Autorin und Journalistin Karen-Susan Fessel wird heute im Rahmen der Osnabrücker Gay in May-Kulturtage mit dem Rosa-Courage-Preis ausgezeichnet.

Antje Schrupp hat ihre Präsentation über Frauen- und Männerbilder in der Werbung frei zugänglich gemacht.

Die Heinrich-Böll-Stiftung hat einen Reader über “Digitale Intimität, die Privatsphäre und das Netz” herausgegeben, der zum Download bereit steht. Ein Beitrag in dem Heft beschäftigt sich mit Sexismus, Rassismus und Homophobie im Netz und schlägt verschiedene Möglichkeiten des Umgangs damit vor.

Sibylle Hoyer ist auf der Suche nach Interessierten, die an einer Studie zur Frauenquote in der Privatwirtschaft teilnehmen möchten.

Bleiben wir gleich beim Thema Quote: In der Zeit beschweren sich die Autorin und der Autor eines Artikels über den Fakt, dass eine Frauenquote die beruflichen Aufstiegschancen von Männern behindere. Natürlich kommt der Text ohne Kontextualisierung aus, das heißt, es werden Fakten ignoriert wie: Zweck und Notwendigkeit von positiven Maßnahmen, geschlechtsspezifische Diskriminierung im Berufsleben, unterschiedliche Chancen- und Ressourcenausstattung von Männern und Frauen.

Eine ganz andere Quotenforderung kommt aus der SPD. Nachdem Thilo Sarrazin nun doch in der Partei verweilen darf, möchte sich diese eine Quotierung für Migrant_innen geben, berichtet Migazin. Sarrazin selbst findet die Idee eher bescheiden, wie die Frankfurter Rundschau schreibt.

Das antirassistische Mediawatch-Blog Der Braune Mob weist auf eine Broschüre des “Fördervereins PRO ASYL e.V.” hin. Es sollen u.a. Stimmen gegen die Ausgrenzung und Diskriminierung von Flüchtlingen gesammelt werden.

Gender Across Borders hat einen Aufruf zu Männlichkeiten gestartet: Es werden Autor_innen gesucht, die sich aus verschiedenen Perspektiven mit dem Thema auseinandersetzen und darüber schreiben möchten. Bewerbungsschluss ist der 18. Mai.

Die Bloggerin Ninia Binias wurde in Trackback, einer Sendung des Radiosenders Fritz, vorgestellt.

Nele Bachmann sucht für ihre Bachelorarbeit an der Freien Universität Berlin Doppelkarrierepaare mit Kindern für eine Interviewerhebung (PDF).

Die Al Arabiya News porträtieren Zainab al-Khawaja, eine bahrainische Aktivistin. Nachdem ihr Vater, Ehemann, Onkel und Schwager verhaftet wurden, begann sie einen Hungerstreik. Seit Mitte Februar gibt es auch in Bahrain Proteste für mehr Demokratie und Menschenrechte.


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