Einträge mit dem Tag ‘Netzpolitik’


Nächsten Freitag Konferenz in Berlin: Energize, Polarize, Mobilize

15. März 2013 von der Mädchenmannschaft

Unter diesem Motto “Energize, Polarize, Mobilize. Menschenrechte. Beteiligung. Aktivismus. Internet” veranstaltet die Heinrich-Böll-Stiftung am kommenden Freitag, den 22. März 2013 eine internationale Workshopkonferenz.

“Was sind die Werkzeuge und Trends, die Chancen und Herausforderungen für den Aktivismus im Jahr 2013?”

Das ist die zentrale Frage, um die es gehen wird. Welche neue Möglichkeiten haben Aktivist_innen zu kommunizieren und zu mobilisieren? Welche Chancen und Herausforderungen bieten digitale Technologien?

Es wird Panels geben, die diese Fragen in unterschiedlichen Bereichen und aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten und diskutieren werden. Angefangen von:

  • Wie lässt sich Aktivismus in eine politische Aktion übersetzen?
  • Feministische Bündnisse über Grenzen hinweg, welche gemeinsamen Kämpfe, Strategien zeigen sich?
  • Internetfreiheit vs Regulation und Überwachung, welche Methoden gibt es, wie können Aktivist_innen sich schützen?
  • Bis hin zu Panels, die eben jener Frage nach Meinungsfreiheit sowie den Menschenrechten auf den Grund gehen möchten.

Es sind spannende, mutige Aktivist_innen aus rund 20 Ländern dabei u.a.:

Jillian York, key note speaker, Electric Frontier Foundation
Elisabeth Ngari, Women in Exile, Deutschland
Jérémie Zimmerman, Internet-Bürgerrechtler, La Quadrature du Net
Maya Indira Ganesh, Tactival Technologie Collective
Reem Al-Masri, 7iber.com, Jordanien
Sheena Gimase Magenya, Sister Namibia, Windhoek
Vera Franz, Open Society Foundations, New York
Miss Kaewmala, thaiwomantalks.com, Thailand
Christian Mihr, Reporter ohne Grenzen, Berlin
Borka Pavicevic, Gründerin des Centre for Cultural Decontamination, Belgrad

Gemeinsam mit Digitale Gesellschaft e.V. und Reporter ohne Grenzen e.V. sind wir Kooperationspartner_innen dieser Konferenz.

Mehr Informationen findet ihr hier.


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Eisenhartes Bloggen

9. April 2012 von Helga
Dieser Text ist Teil 98 von 115 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

antischokke
Auch auf twitter, soup.io, Google+, identi.ca.

Wie heißt du?
antischokke.

Seit wann bloggst du?
Das Blog hab ich im Juni 2006 aufgesetzt, die ersten Beiträge sind von September 2006.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Damals saß ich mit meiner Freundin Britta zusammen, um für die nächsten Klausuren zu lernen und auf einmal war es da (Prokrastination war in meinem Kulturkreis noch nicht erfunden): Zack! Ich wollte endlich auch mal was ins Internet schreiben und war ganz entzückt bis aufgeregt darüber, wie elegant und einfach das mit so einem eigenen Blog geht. Mein erster Plan war, darin unter anderem das Entstehen meiner Diplomarbeit zu begleiten und meine Thesen für und gegen die Verwendung von Creative-Commons-Lizenzen zu diskutieren.

Worüber schreibst du?
Über mich. Und über alles, was mich interessiert oder begeistert oder empört. Über Freie Lizenzen und Freies Wissen. Über Netzpolitik und Netzkultur, über mein G8-Verfahren und die Iron Blogger Berlin. Einen Themenfokus oder ein Konzept gibt es nicht. Ich überlege immer wieder, ob ich dort auch einzelne Schnipsel (Videos, Musik, Zitate, Links) poste oder nur selbst geschriebenes, habe den 7. Weg aber noch nicht gefunden. (mehr…)


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„Girls Around Me“ und wie die Privatsphäredebatte weitergehen muss

2. April 2012 von Helga

Grusel-Aufreger am Wochenende: Die iPhone-App „Girls Around Me“ zeigt an, welche Frauen sich online bei Foursquare in einem Café oder Laden in der Nähe eingecheckt haben. Über den Lokalisierungsdienst Foursquare lässt sich dann auch das Facebookprofil anzeigen – ein perfektes Stalkertool wie ein Kommentar im App Store zeigt. Gleichzeitig beschweren sich dort auch Leute, für die dauerhafte Nutzung noch zahlen zu müssen! Was darauf folgte ist beispielhaft über die derzeitigen Privat­sphäre­diskussionen – und den Umgang mit Frauen in der Gesellschaft.

Screen Shot der iPhone-App „Girls Around Me“: links eine grün-gefärbte Karte mit Silhouetten schlanker Frauen, rechts ein Google Maps-Ausschnitt mit Bildern junger Frauen darauf verteilt.

Wieder einmal hat Apple trotz vorheriger Prüfung eine iPhone-App zugelassen, die Frauen zur Ware degradiert, gesellschaftskritische Apps kommen dagegen schlechter an. Damit illustriert die App den alten Spruch „Wenn Sie für einen Dienst nichts bezahlen, sind Sie offenbar nicht Kundin oder Kunde, sondern die Ware, die verkauft wird.“ (Andrew Lewis, zitiert in „The Filter Bubble“) Die Nutzung von Facebook und Foursquare sind kostenlos, für den „Zugriff“ auf die Nutzerinnen durch „Girls Around Me“ muss man dann allerdings in die Tasche greifen.

Darauf aufbauend geht auch die „im Internet sind alle zu sorglos“-Debatte weiter. Den Nutzerinnen sei gar nicht klar, dass ihre Facebook- und Foursquare-Daten offen einsehbar waren und wie sehr sie sich damit Risiken aussetzen, hieß es bei Cult of Mac. Man solle die App daher nutzen, um seine Bekannten zu mehr Sorgsamkeit im Umgang mit ihren Daten zu erziehen. Ein Argument das sich einfügt in die Diskussionen der letzten Jahre, gerade in Deutschland.

Doch diese Debatte greift zu kurz. Zunächst unterstellt sie allen Social Media-Nutzer_innen Naivität und derartige Pauschalurteile sind selten hilfreich. Nicht alle, aber einige, werden die Entscheidung, Facebook und Foursquare offen zu nutzen, bewußt getroffen haben. Denkt man die Ratschläge weiter, wird klar, dass eine Anwendung wie „Girls Around Me“ nur auf eine Weise effektiv verhindert werden kann: Gar nicht mehr offen aufzutreten, gerade als Frau. Solange sich Geschlecht irgendwie rekonstruieren lässt, sind solche Apps möglich. „Frauen raus aus der Öffentlichkeit!“ Ist das unser Rezept für das 21. Jahrhundert? Und warum gehen unsere Ratschläge eigentlich schon wieder an die Opfer? (mehr…)


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Open Data – Chance für Emanzipation?

20. März 2012 von Helga

Wörterwolke zum Thema Open Data

CC-BY Open Knowlegde Foundation Deutschland

„Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen.“ (CCC hackerethics)

Während sich die Debatten im Internet lange mit dem zweiten Teil dieses alten Satzes beschäftigten, rückt langsam auch der Erste wieder ins Bewußtsein. Open Data oder auch Open Government sind die Schlagworte, unter denen mehr Transparenz und Offenlegung von (vor allem) staatlichen Stellen gefordert werden. Ob statistische Erhebungen, Budgets oder Geoinformationen – wenn Daten öffentlich gemacht werden, ermöglichen sie Information, Kontrolle und Teilhabe von Bürger_innen im Staat.

Also, Daten einfach freigeben und alles wird super? So einfach ist das nicht, wie vor kurzem ComputerWeekly anmerkte. Um wirklich etwas verbessern zu können, müssten einige Voraussetzungen erfüllt werden. Ansonsten droht auch die Open Data-Bewegung, nur bestehende Machtverhältnisse zu festigen und soziale, wie digitale Unterschiede zu vertiefen.

Zum Einen bedürfe es verwertbarer Formate, in denen die Daten ausgegeben werden. Wie man „offene Daten“ ziemlich unbenutzbar machen kannte, hat zuletzt Facebook demonstriert. Als Student Max Schrems seine Daten einforderte, bekam er eine CD mit 1.222 Seiten im PDF-Format zugesandt. Durchzulesen sind soviele Seiten kaum und die Nutzung aus einem PDF heraus ist äußerst aufwendig. In konkreten Fall war ein Programmierer eine Woche beschäftigt, die Daten aufzubereiten, um die Weiterverarbeitung zu ermöglichen.

Hier wird bereits das zweite Problem deutlich: Bisher ist die Nutzung und Verarbeitung von offenen Daten fast ausschließlich Programmierer_innen vorbehalten. Einem gesellschaftlich breit angelegtem Umgang steht nötiges Spezialwissen entgegen. Ändert sich an dieser Stelle nichts, festigt sich der Status der „Informationshüter_innen“ nur weiter. Verloren gehen kreative Ansätze von „außen“, wie auch Umsetzungen in Gemeinschaften – von den Betroffenen selbst.

Über die maschinenlesbare und einfach zu verwendende Formate ist die Diskussion schon eine Weile im Gange. Ebenfalls angekommen sind Überlegungen zum Spannungsfeld, was veröffentlicht werden darf und was nicht. Nur die Frage, wer eigentlich mit den Daten umgehen kann und wie möglichst viele Menschen einbezogen werden können, wird bisher verdrängt. Dabei sind gerade hier neue Ideen und Ansätze nötig, um die Möglichkeiten von Open Data ausnutzen zu können.


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Wenn aus guten Vorsätzen der Worst Case wird: das PNR-Abkommen

13. März 2012 von Helga

Mit dem Flugzeug zu reisen ist etwas komplizierter als mit der Bahn – statt einfach einzusteigen muss man einchecken und durch eine Sicherheitskontrolle. Und während die Bahn meist nur weiß, wieviele Menschen im Zug mitfahren, wissen Fluglinien ob ihre Passagiere besondere Essenswünsche haben und wer zusammensitzen wollte. Teilweise werden auch besonders absurde Sachen in den Fluggastdaten gespeichert: Der Aktivist Edward Hasbrouck klagte auf Einsicht in seine Daten und fand dabei, dass sein Versuch, einen Apfeil und ein Brot mit in den Flieger zu nehmen vermerkt wurde. Wie auch die Tatsache, dass ihm der Apfel abgenommen wurde.

Ein Tisch auf dem viele beschriebene Postkarten liegen

Postkarten gegen das PNR-Abkommen

Wer diese Daten sehen und speichern darf und wie lange, wird voraussichtlich am 27. März im europäischen Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres (LIBE) vorentschieden. Dann steht das sogenannte PNR-Abkommen (Passenger Name Records) zur Debatte, das den Datenaustausch zwischen den USA und Europa regelt. Ähnlich wie zuletzt bei ACTA wird auch hier schon eine Weile diskutiert: 2006 wurde das erste PNR-Abkommen vom Europischen Gerichtshof gekippt, da der Datenschutz in den USA als mangelhaft angesehen wurde. Trotzdem wird derzeit weiter gespeichert und übermittelt. (mehr…)


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Was ist eigentlich… ACTA?

26. Januar 2012 von Helga

Mittwoch vor einer Woche waren vor allem englisch-sprachige Webseiten schwarz. Hintergrund war das drohende Gesetz SOPA. Wie der Name “Stop Online Piracy Act” verhiess, sollte es Piraterie im Internet eindämmen – es war allerdings so schwammig geschrieben, dass es zur Abschaltung beliebiger Webseiten ohne Gerichtsverfahren geführt hätte. Nach dem massiven Protest schwand aber die Unterstützung im US-Repräsentatenhaus und das Gesetz wird erst einmal überarbeitet. (Schmankerl am Rande: Der Autor des Gesetzes, Lamar Smith, hatte auf seiner Webseite selbst Bilder ohne Genehmigung verwendet.)

Damit allerdings ist das Thema „unliebsame Webseiten einfach abschalten“ noch lange nicht vom Tisch. Denn nun steht das internationale Handelsabkommen ACTA (Anti-Counterfeiting Trade Agreement) vor der Tür, wie das Kotzende Einhorn erinnert. Auch ACTA soll verhindern, dass im Internet das Urheberrecht verletzt wird – dies sollen bereits die Internetanbieter_innen machen, die dafür kontrollieren müssten, was ihre Kund_innen im Internet eigentlich machen. Nicht nur würde so massiv die Privatsphäre verletzt, auch die eigenmächtige Kappung von Internetzugängen durch die Provider steht im Raum: Sie würden zu privater Polizei und Richter_innen in einem. So hätte die Kontroverse um den Privilege Denying Dude auch mit der Sperrung des Internetzugangs für die Verantwortliche enden können, statt „nur“ mit einer Abmahnung.


Say no to ACTA von QuadratureDuNet

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Frauen in der Wikipedia: Die Debatte geht weiter

24. Januar 2012 von Helga

Wo sind eigentlich die Frauen in … der Wikipedia? Um diese Variation einer im Internet schon viel zu häufig gestellten Frage ging es bereits 2010/2011 und derzeit wieder bei bei netzpolitik. Auffällig war zunächst die unterirdische Repräsentation von Frauen auf den Wikipedia-Startseiten. In den Kommentaren wurde dabei schnell deutlich, dass auch die Autor_innenschaft eher eine Autorenschaft ist, die Schreiberinnen eher abschreckt. So vermutete Justine Cassell, dass die Wikipedia-spezifische Diskussionskultur es Frauen schwer mache, sich einzubringen. So müssten Einträge und Änderungen immer wieder verteidigt werden. Und auch wenn 2011 Amerikanerinnen sehr wohl in der Lage seien, sich auszudrücken und ihre Standpunkte zu verteidigen, würden sie immer noch schneller dafür negativ abgestempelt werden. Frei nach dem Klischee „Männer diskutieren, Frauen zicken“.

Der obere Teil eines weißen Balls aus Puzzleteilen, in der Mitte ein großes W (aus dem Wikipedia-Logo)

CC-BY-2.0 jaaron

Was also ist zu tun? Kommentatorin Angelika wies damals schon auf einen Artikel von Sue Gardner hin, der aufzeigt, wie Frauen fürs Programmieren (und damit auch Wikipedia) gewonnen werden können. Einige kamen schon in den 4 Wegen, Frauen und Technik zusammen zu bringen vor, etwa: Hürden erkennen und abbauen, gezielt Frauen ansprechen und eine frauen-freundliche Arbeitsumgebung schaffen (z.B. auf sexistische Witze verzichten).

Einiges hat sich seitdem getan. So zweifelte noch 2011 Slate, ob der geringe Autorinnenanteil wirklich ein Problem sei. Wohingegen die New York Times es problematisch fand, dass preisgekrönte Autorinnen nur kurz erwähnt werden, während männliche Computerspielcharaktere ausführlich dargestellt werden. Diese Debatten sind verstummt, inzwischen wurde eine Mailingliste zum Gender Gap eingerichtet, Diversität soll eines der Hauptthemen der Wikipedia Academy 2012 werden, wie auch die Diskussionskultur bei der Wikimania 2012. (mehr…)


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Was wir nicht bedenken, wenn wir über Datenschutz und Kontrollverlust reden

13. Januar 2012 von Helga

Erst konnten sie nur telefonieren, dann auch fotografieren und jetzt sagen sie einer jederzeit, wo die nächste Bushaltestelle ist und wann der nächste Bus fährt: Handys. Besonders letzteres ist eine seit Jahren umstrittene Funktion. Zwar lässt sich jedes Handy durch seine Kommunikation mit dem nächsten Funkmast halbwegs orten, dank GPS geht das mit Smartphones aber deutlich besser. Apples iPhones und Googles Android-Handies sammeln darüber hinaus noch WLAN-Netzwerke und verbessern damit ihre Lokalisierungsfunktion.

Blaue Karte von Europa mit roten Punkten, die 881 iPhones darstellen, die meisten in Deutschland, dort vor allem im Ruhrgebiet, Berlin, München und Hamburg.

In diesem Bild sind 881 iPhones versteckt (CC-BY crowdflow.net)

Wer diese Daten in die Hände bekommt, kann mit ihnen Bewegungsprofile erstellen, wenn auch keine perfekten. Dass Apple die Lokalisierungsdaten dauerhaft im iPhone speichert und dieses „Feature“ lange geheim hielt, sorgte trotzdem für Ärger. Dabei fokussiert sich die Debatte auf zwei Probleme: Zum Einen die Sammelwut der Firmen und die Unsicherheit, wie sie mit diesen Daten umgehen. Zum Anderen die Aussicht, dass sie beim Staat landen und wir der „gläsernen Bürgerin“ wieder ein Stück näher kommen. In beiden Fällen steht auch der Kontrollverlust im Raum, also das (un)absichtliche Veröffentlichen der Daten.

Vergessen wird dabei leider immer wieder die Frage nach Macht, bzw. fehlender Macht, wie Gus Hosein von Privacy International im Gespräch mit GenderIT.org deutlich macht:

[…] there is always a power imbalance in any relationship, whether it is between generations, between employee and employer, or, of course, in the home. When it comes to gender issues specifically, particularly in developing countries, we have seen some worrying trends about the distribution, say, of mobile telephony – about who in the household can have access to a mobile phone. Even when, say, women in the household are granted access to a mobile phone by the dominant male, he still has ownership over that phone.

Es gibt immer ein Machtgefälle in jeder Beziehung, sei es zwischen den Generationen, zwischen Arbeitgeber_in und Arbeitnehmer_in oder, natürlich, zu Hause. Wenn es speziell um Geschlechterfragen geht, besonders in Entwicklungsländern, dann haben wir einige besorgniserregende Trends zur Verteilung von Mobiltelefonen gesehen – also wer in einem Haushalt dazu Zugang hat. Selbst wenn Frauen in einem Haushalt Zugang zu einem Handy bekommen vom männlichen Familienoberhaupt, dann ist er immer noch der Besitzer des Telefons.
So wird aus einem Gerät und technischem Fortschritt, die neue Freiheiten und Möglichkeiten erlauben, gleichzeitig ein weiterer Kontrollmechanismus. Die Bewegungsfreiheit, die Handies und Smartphones auf der einen Seite bieten, werden auf der anderen gleich wieder beschränkt.


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Wenns nicht mal für eine Quotenfrau reicht

28. September 2011 von Helga

Es gibt so Artikel, bei denen frau sich fragt, warum frau die im Jahr 2011 eigentlich noch schreiben muss. Weil frau auch klar ist, dass es die üblichen drei Ausreden geben wird („keine Frau hatte Zeit, das hat sich einfach so ergeben, wir sind halt post-gender“) und dass sie wieder als die ewige Nörglerin beschimpft werden wird.

Aber jetzt mal ehrlich liebe Konferenzorganisator_innen von SuMa e.V. und PolitCamp e.V. – keine einzige Frau dabei zu haben ist ne reife Leistung. Gerade findet in Berlin der „SuMa-eV-Kongress 2011: Geld verdienen im Internet?“ statt. Mit dabei sind 22 Männer (darunter auch Feministen) und 0 Frauen. Gibt es wirklich keine einzige Frau, die im Internet Geld verdient? Oder dann wenigstens eine, die darüber redet, warum das so schwer ist?

Geradezu grotesk wirkt es bei der Diskussionsrunde „Demokratie und Staat“ des PolitCamps, die im Oktober stattfinden wird. Sechs studierte weiße Männer, die meisten in der (Netz-)Politik und in Führungspositionen, debattieren über die folgende Fragestellung:

Politische Beteiligungsmöglichkeiten dehnen sich immer mehr auf das Netz aus. Dabei liegen oftmals nicht technische Probleme im Vordergrund, sondern mangelt es oft noch an einer zu geringen Reichweite oder eine enttäuschende Beteiligung des Angebots. Läuft solch eine Beteiligung Gefahr verschiedene Bevölkerungsgruppen von Anfang an auszuschliessen? Kommt es zur Diktatur der Aktiven?

Anke Domscheit-Berg fragte dazu auf Twitter: Warum sagen moderne Männer nicht einfach bei solchen Konferenz ab, die weibliche Kompetenz ignorieren?

Tweet von @fraeulein_tessa (teresa m. bücker): Wer es nicht schafft ausreichend* weibliche Speaker zu gewinnen, ist schlecht vernetzt und sollte den Job wechseln. /cc @anked @annnalist

Und damit auch wirklich niemand mehr eine Ausrede hat: Erst nachdenken, wieviele Frauen man tatsächlich kennt, denn auch bei Netz- und Technikthemen sind es manchmal mehr als erwartet. Und dann konsequent nachfragen, bis man seinen Bekanntenkreis erweitert hat – irgendwo stand mal die Regel, für jede Absage einer Frau nach fünf weiteren Kontakten zu fragen. Im Sinne eines Bewußtseinwandels sollten aber auch ruhig alle männlichen Experten auf ihre Kolleginnen befragt und so vielleicht auch ein Stück weit für das Thema sensibilisiert werden.


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Frauen unerwünscht? Der Wirbel um die deutsche Wired als Netzpolitik-Analogie

7. September 2011 von Helga

Erst klang es so super: Endlich eine deutsche Ausgabe von Wired, dem amerikanischen Magazin, das Netzkultur, Design und Politik verbindet. Dann kam die Ernüchterung, denn die Testausgabe wird den Herrenmagazin GQ beiliegen. Nach Beschwerden von Frauen und selten blöder Rechtfertigungen vom Chefredakteur Thomas Knüwer[1] war ich schließlich nur noch genervt. Anerkennen und Umgang mit der Kritik? Fehlanzeige.

Dabei illustriert diese Debatte wie keine andere die Probleme um die Teilnahme von Frauen an netzpolitischen und technischen Themen. So herrscht laut (zugegebenermaßen anekdotischer) Evidenz kein Desinteresse bei Frauen vor. Stattdessen geben viele aber an, sich „potentiell zu blöd“ oder einfach uninformiert zu fühlen, um an den Debatten teilzunehmen. Auch die sexistischen Scheißeregen, inklusive Vergewaltigungs- und Mordandrohungen, die regelmäßig auf Frauen niederregnen, die den Mund aufmachen, schrecken ab.

Und wie auch sollte frau sich informieren? Frauenmedien haben schon Politik ignoriert, um Netzpolitik wird es noch weniger gehen. Den „allgemeinen“ Offlinemedien werfen netzpolitisch Interessierte dauernd vor, das Netz nicht zu verstehen und falsch darzustellen. Es bleiben also die „männlichen“ Netzmedien – die tatsächlich auch von Frauen gelesen werden, ohne sich dann aktiv zu beteiligen. Warum auch? Netzpolitik gilt als Männerdomäne, Fehltritte als Frau drohen auf alle Frauen zurückzufallen, statt Engagement gegen sexistische Angriffe glänzt die Netzszene vor allem durch Abwehrhaltung. So schließt sich wieder einmal der Kreis.

Wie ließe sich dieser Kreis durchbrechen? Zum einen müssen die netzpolitischen Debatten an Orten geführt werden, an denen auch Frauen sich willkommen fühlen, statt nur als Zaungäste geduldet zu scheinen. Das heißt klar zu machen und durchzusetzen, dass diskriminierendes Verhalten nicht erwünscht ist und Beschwerden über solches ernst zu nehmen! Es heißt nicht, einfach eine rosa Seite aufzusetzen und verständliche Erklärungen mit herablassender Babysprache zu verwechseln.

Zum anderen sollten Frauen, genauso wie alle anderen nicht-männlich-weiß-mittelalten Interessierten, Flagge zeigen, zu Veranstaltungen gehen und dort mitreden! Alle ihr, die ihr Angst vor blöden Fragen (oder Antworten) habt: tatsächlich stellt ihr die spannendsten Fragen und habt die besten Ideen.

Einen guten Anfang bietet dieses Wochenende. Am Freitag gibt es in der Heinrich-Böll-Stiftung die Konferenz netz:regeln, auf der z.B. auch die Frage „Wer spricht für das Netz?“ diskutiert wird. Im Anschluß gibt es noch eine netzpolitische Soirée zum Konflikt Sicherheit und Freiheit im Internet (beide Termine sind kostenlos, erfordern aber eine Anmeldung). Am Samstag heißt es in Berlin schließlich zum fünften Mal „Freiheit statt Angst“ – um 13 Uhr geht es am Pariser Platz los, auf dem Alexanderplatz gibt es ab 14 Uhr dann Kundgebungen, bunte Aktionen und Informationsstände zu aktuellen netz- und sicherheitspolitischen Themen.

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[1] Auf „Titten- oder Männermagazin“-Vorwürfe entgegnete er regelmäßig mit dem Hinweis, auf der aktuellen Ausgabe sei Daniel Craig auf dem Titel. Und ignoriert gekonnt die 15 vorherigen Ausgaben. Weitere Argumente: Männer kauften heute auch Tampons, da sollten Frauen auch die GQ kaufen können und Vogue-Leserinnen würden sich nicht für Themen der Wired interessieren.


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