Einträge mit dem Tag ‘Netzaktivismus’


Sommerpausen-Podcast

22. Juli 2013 von der Mädchenmannschaft
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(c) Siguri F

Heute verabschieden wir uns in eine kleine Sommerpause und werden am 12. August wieder zurück sein. Zuvor hat sich aber ein Teil der Mädchenmannschaft zusammengesetzt, um einen Podcast aufzunehmen, in dem wir einige feministische Aktionen und Themen des letzten halben Jahres, wie #Aufschrei oder One Billion Rising, diskutieren. Vor allem fragen wir uns aber: Was bedeutet es für uns, Feminismus (auch) im Internet zu machen? Was ist für uns produktiv, was eher nicht? Weitere Hintergründe zu Aktionen und Debatten, über die wir sprechen, findet ihr mithilfe der untenstehenden Links.

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Zum Weiterlesen:

Debatte um Rassismus in Kinderbüchern und anderen Medien


“Gleichgeschlechtliche” Ehe und Heteronormativität

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Facebooks Feminismusproblem

29. Mai 2013 von Gastautor_in

Inge Kleine lebt in München. Sie ist u.a. damit beschäftigt, gegen geschlechtsspezifische Zuschreibungen an Menschen vorzugehen – in allen ihren Formen. Letztes Jahr um diese Zeit machte sie mit Daniela Oerter und Sabina Lorenz die Aktion #ichhabnichtangzeigtFür den Artikel und auch die verlinkten Texte gilt eine Inhaltswarnung (Beschreibung von sexistischen und gewaltverherrlichenden Inhalten und sexualisierte Gewalt).

Seit dem 21. Mai läuft eine Kampagne durch’s Netz. Ansprechpartner: Werbekunden bei Facebook. Ziel: Facebook endlich auf seine eigenen Richtlinien verpflichten. Mittel: Facebook Werbeeinnahmen entziehen.

Oft läuft es bei Facebook nämlich so: Stillende Mütter – raus. Aufklärungs- und Ermutigungsbilder nach Brustentfernung wegen Krebs – raus. Links mit Anleitungen zum selber Brust abtasten – raus. Politische Aktionen mit nackten Brüsten – mindestens verpixeln. Feministische Bloggerinnen – wochenlang gesperrt. Wenn es um Brüste geht, ist Facebook streng. Schließlich fallen die unter „Inhalte für Erwachsene“ und widersprechen damit ganz klar den von Facebook selbst aufgestellten Richtlinien.

Objektifizierende Bilder von Frauen sind dagegen in Ordnung. Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist auch kein Problem, solange irgendwo dabei steht, dass es sich ja nur um „Scherze“ handelt.

Diese Erfahrung machten Nutzer_innen und Administrator_innen feministischer Seiten, wenn sie brutale Bilder oder ganze Seiten an Facebook meldeten. Praktischerweise hat Facebook dazu ja einen einfach zu findenden Link, rechts neben dem Bild oder dem Rädchen bei „Nachricht“: „Seite melden“ anklicken, „enthält Hassreden“ anklicken, abschicken und fertig. Dankenswerterweise funktioniert das bei manchen Gruppen, z.B. Neonazis, ganz gut.  Bei Bildern, die Vergewaltigungen und Partnerschaftsgewalt gegen Frauen verharmlosen oder verherrlichen, leider nicht. Stattdessen erscheint in einer Antwort auf die Meldung eines (Achtung!) gewaltverherrlichenden Bildes folgende Erläuterung:

„Thanks for your report. We reviewed the photo you reported, but found it doesn’t violate Facebook’s Community Standard on hate speech, which includes posts of photos that attack a person based on their race, ethnicity, national origin, religion, sex, gender, sexual orientation, disability, or medical condition.”

Facebook-Richtlinien zu sogenannten Hassreden, also zu Angriffen auf Personen aufgrund von rassistischen Zuschreibungen, Ethnizität, nationaler Herkunft, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung, Behinderung oder Krankheit – würden bei dem oben verlinkten Bild nicht verletzt.

Falsch. Die Bilder und vor allem die Texte neben ihnen tun das – sie greifen Menschen aufgrund ihres Geschlechts an. Facebook lässt eine Vielzahl an gewaltverherrlichenden und (hetero-)sexistischen Bildern stehen. Vergewaltigungskultur lässt grüßen

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Aktivismus hat viele Gesichter – die Blogschau

23. Februar 2013 von Viruletta

ten1000spoons ist genervt von Leuten, die ihr raten, ihren Aktivismus sein zu lassen, um sich zu entlasten. Und stellt klar: “Nicht der Aktivismus schadet mir, sondern, die Dinge, die mich dazu veranlassen, aktivistisch unterwegs zu sein”. Außerdem hat sie ein Bullshit-Bingo mit Sätzen erstellt, mit denen Großfamilien-Kinder viel zu oft konfrontiert werden.

Vor 80 Jahren sind Nina Simone und Yoko Ono geboren worden. popkontext hat das zum Anlass genommen, die Geschichten zweier besonderer Leben zu erzählen.

In der letzten Woche ist die British Plus Size Week über die Bühne gegangen und hat scheinbar viele dazu bewegt, ihre Meinungen über die dort vorgestellten Kollektionen kundzutun. Was als Kritik dargestellt wird, ist aber oftmals nichts anderes als grenzenlose Respektlosigkeit, stellt reizende Rundungen klar: “Es gibt eben den kleinen feinen Unterschied zwischen: “Ich finde das Kleid nicht schön” und “Ich finde mit einem solchen dicken Bauch sollte man niemals so ein enges Kleid anziehen””.

Vor genau einem Jahr (am 21.02.2012) haben Pussy Riot ihr feministisches Punk-Gebet in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau performt. Zwei der Aktivistinnen sitzen für die Aktion nach wie vor hinter Gittern. Anlass genug, sich das Ganze nochmal in Erinnerung zu rufen:

Lena Schimmel hat mit einer statistischen Analyse des #aufschrei begonnen. FemGeeks betrachtet das als perfektes Beispiel für feministisch-geekigen Aktivismus und hat Lena ein paar Fragen dazu gestellt.

Auch Frau Dingens hat den #aufschrei und die Debatten danach verfolgt. Was sie bei letzteren bisher nahezu vergeblich gesucht hat, ist der Respekt. copper, boom! vermisst auch etwas, und zwar “eine fundierte Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Problem, der zutiefst verinnerlichten vergeschlechtlichten Zuschreibung (von Frauen und Männern) und Abwertung (von Frauen)”. Genau daran versucht sie sich, am Beispiel der “guten Manieren”.

Raumnehmende, grenzüberschreitende Macker sind auf den allermeisten (Hetero-)Partys leider die traurige Regel. Don’t degrade Debs, darling! hat genau das wieder erleben müssen und ihren Erfahrungen in einem Blogpost Luft gemacht. “Diese Typen gehen nach Hause, fühlen sich gut und befeiern sich nächstes Wochenende wieder auf Kosten einer Hand voll Frauen*, die es zum größten Teil nicht besser wissen. Und ich. Ich merke wieder einmal, dass ich lieber den begrenzen Bewegungsspielraum meiner Bubble hinnehme, als mich von Scheiße erschlagen zu lassen zu müssen”.

glücklich scheitern hat die fünf nervigsten Pro-Still Argumente zusammengefasst.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Ein lauter #Aufschrei gegen Sexismus

28. Januar 2013 von Magda

Seit mehreren Tagen ist in Deutschland ein #aufschrei zu hören, insbesondere in dem sozialen Netzwerk twitter und in den Mainstream-Medien: Deutschland diskutiert (mal wieder), ob es hier­zulande ein Sexismus-Problem gäbe – wie auch gestern auf ARD bei Günter Jauch. Aber mal von vorn: Um was geht es bei der Aktion #aufschrei? Gibt’s da was zu kritisieren? Und was war bei Jauch gestern Abend so los? Ich versuche mich mal an einer Ein­schätzung:

#aufschrei

Von Donnerstag auf Freitag fingen Frauen* auf twitter an, ihre Erfahrungen mit Sexismus, Grenz­über­schreitungen und sexualisierter Gewalt zu teilen – alles in 140 Zeichen, denn mehr Zeichen sind in einer Twitter­nachricht nicht erlaubt. Alle diese Nach­richten sind ein­sehbar unter dem Schlag­wort #Aufschrei. Zehn­tausende Geschichten mit teils sehr gewalt­vollem Inhalt sprechen eine unmiss­verständliche Sprache: Sexismus, sexualisierte Gewalt und Über­griffe waren und sind Alltag in Deutschland. Wer das leugnet, ist entweder nicht betroffen oder offen antifeministisch.

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Backlash Blues? Der Jahresrückblick mit der Mädchenmannschaft

17. Dezember 2012 von der Mädchenmannschaft

Am 9. Dezember hat sich ein Teil der Mädchenmannschaft – nämlich accalmie, Charlott, Magda, Nadine und Sabine – zusammengefunden, und wir haben gemeinsam auf das Jahr 2012 zurückgeblickt. Bei Tee und Muffins sprechen wir über Aktionen aus dem Jahr 2012, die uns gefallen haben, stellen fest, dass sich das vergangene Jahr auf jeden Fall sehr nach Backlash anfühlte – und erklären warum.

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Download (2h 32min 50s, mp3, 140 MB)

Nach dem Klick findet ihr unsere Themenübersicht mit Links und Inhaltswarnungen für bestimmte Themen. Falls wir beim Reden noch weitere Links versprochen haben und diese hier nicht zu finden sind, macht uns doch bitte einfach in den Kommentaren darauf aufmerksam.

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(Keine) Brüste für Menschenrechte

30. Oktober 2012 von Magda

Seit nunmehr sieben Tagen befinden sich auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin Flüchtlingsaktivist_innen im Hungerstreik. Nachdem sie und andere einen rund 600 km Marsch von Würzburg nach Berlin zurück­gelegt haben, ein Protest­camp auf dem Oranienplatz errichteten, eine der größten Flüchtlings­rechts­demonstrationen seit Jahren in Berlin organisierten und die nigerianische Botschaft in Berlin besetzten, harren rund ein Dutzend der Aktivist_innen bei Minusgraden vor dem Brandenburger Tor aus. Die Polizei schikaniert sie mit immer neuen, absurden Auflagen und nimmt ihnen Decken weg; Schlaf­säcke und Iso­matten sind schon seit Tagen untersagt.

Die Polizei zeigt sich desinteressiert und steht teil­weise spöttisch neben den frierenden und erschöpften Aktivist_innen. Besonders nachts (wenn weniger solidarische Menschen beim Protestcamp sind), schreiten sie ein und nehmen Decken und Unter­lagen weg. Der zu­ständige Bezirk könnte eine Sonder­nutzung von Zelten oder Decken genehmigen, weigert sich jedoch. In sozialen Netz­werken schwirren (unbestätigte) Nachrichten rum, dass das Camp in der Nacht zum 30. Oktober endgültig geräumt werden soll (an­scheinend wegen eines Besuchs vom türkischen Regierungs­chef Erdogan, der im Hotel Adlon neben dem Pariser Platz übernachten soll). Es kann also sein, dass es bereits geräumt ist, wenn dieser Text erscheint.

Solidarische Menschen bringen seit dem ersten Tag (24. Oktober) Decken, heißes Wasser, Wärmeflaschen, Tee und vieles mehr mit, um den Hunger­streik etwas erträglicher zu machen. Als ich am Samstag mit ein paar Freundinnen hinfuhr, waren sehr weniger Unterstützer_innen vor Ort. Tourist_innen nahmen den Protest eher als Attraktion wahr und knipsten Fotos, nur selten wurden die aus­gelegten Flyer mit­genommen. Zu dem Zeit­punkt gab es schon ein paar Berichte in den klassischen Medien, aber auch nach mehreren Tagen war das mediale Echo einfach zu gering. Warum? Das erklärt die ZDF und zeigt auf, wie sie arbeiten: Menschen­rechts­verletzungen anzu­prangern oder Menschen­rechte zu stärken gehört nicht dazu, da an­scheinend nicht “relevant” genug. Nur wegen des Drucks aus sozialen Netz­werken hat ZDF letzt­endlich doch berichtet.

Besonders viel mobilisiert in den letzten Tagen haben Mitglieder der Piraten­partei. Böse Zungen mögen behaupten: Endlich haben auch sie mit­bekommen, dass es Aktionen von Flüchtlings­aktivist_innen gibt. Aber diese Kritik kann mensch auch andere Parteien oder Organisiationen richten.

Die Piratin Laura Dornheim forderte vorgestern z.B. Journalist_innen per Twitter auf, über die Hungerstreikenden zu berichten. Ein BILD-Journalist machte mit seiner Antwort allerdings klar, dass das nur interessant wäre, wenn der um­strittene politische Geschäfts­führer der Piraten­partei, Johannes Ponader, auch vor Ort sei. Das Angebot, dass Dornheim sich sogar oben ohne hin­stellen würde, beant­wortete der Journalist dann so: “Wenn Du das wirklich machst, schnapp ich mir jetzt nen Fotografen und komme sofort. Deal?”

“Titten für Menschenrechte”

Eine Idee war geboren: Brüste zeigen für Menschen­rechte! Und mit dem Schlag­wort tits4humanrights (“Titten für Menschenrechte”) wurde für die Aktion in den Folge­stunden ordentlich Werbung gemacht, so dass gestern um Punkt 13 Uhr mehr Presse vor Ort war als insgesamt in den ver­gangenen sechs Tagen.

Laura Dornheim, Anke Domscheit-Berg, Julia Schramm und weitere Aktivist_innen machten es spannend: Um 13 Uhr zogen sie ihre Jacken und Pullis aus, zeigten ihre selbstbemalten T-Shirts mit der Aufschrift: “Menschenrechte statt Titten” und riefen der sensations­heischenden Presse zu: “Shame on you! Schande!”

Bild von @moglimoglimogli

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Achtung, Trigger – triggermedia

19. Oktober 2012 von Viruletta

(Triggerwarnung: Beschreibung von Triggern und deren Wirkungsweise, Ausschreiben des Wortes Vrgwltgng.)

Vielleicht kennt ihr das auch; eigentlich wolltet ihr nur ein bisschen abschalten, eine Auszeit nehmen vom Alltag und der Gesamtscheiße da draußen, und euch einen Film ansehen oder euch mit einem Buch in die warme Badewanne legen. Und dann blättert ihr die Seite um und da erwischt es euch plötzlich eiskalt; irgendein Trigger, der euch sofort wieder ins Hier und Jetzt zurückholt. Vorbei ist es mit der Entspannung, vorbei mit der Auszeit, und euch beschleicht einmal mehr das Gefühl: Rape Culture (Vergewaltigungskultur) ist überall. Mir persönlich ist das schon oft genug passiert und ich hab mir jedes Mal gewünscht, vorgewarnt gewesen zu sein. Und mit diesem Wunsch bin ich anscheinend nicht allein. Denn genau aus diesem Grund ist jetzt das Blog triggermedia ins Leben gerufen worden, mit dem Ziel, Triggerpotenziale in den Medien (Büchern, Filmen, Serien und Musik) zu sammeln und zu veröffentlichen.

In diesem Blog möchte ich eine Liste mit Filmen, Serien, Büchern und Musik erstellen, die triggernde Szenen und Inhalte bezüglich sexualisierter Gewalt beschreiben/zeigen. Immer wieder stoßen mir solche Szenen auf und holen unangenehme Bilder und Gefühle in mir hervor. Diese Szenen beinhalten z.B. Ezählungen oder (teilweise sehr detaillierte) Darstellungen sexualisierter Gewalt, aber meistens werde ich durch “Witze” über dieses Thema getriggert, da diese das Leid so vieler Menschen und auch mein eigenes Leid nicht als solches anerkennen und es sogar noch ins Lächerliche und Harmlose ziehen. Jedes mal denke ich, dass es schön gewesen wäre, vorgewarnt worden zu sein, und auch andere Betroffene scheinen diese Erfahrungen und Gedanken zu teilen.

Desto ausführlicher die Listen auf dem Blog werden, desto hilfreicher wird es natürlich sein – deshalb freut die Initiatorin sich über jede*n, die*der mitmacht, indem sie*er Triggerwarnungen einsendet. Bisher befasst die Seite sich ausschließlich mit Triggern im Bezug auf sexualisierte Gewalt, wünschen würde sich die Betreiberin jedoch eine zukünftige Ausweitung auf andere Gewaltformen (wie beispielsweise Rassismus oder Lookismus). Senden könnt ihr eure Nachrichten, in denen ihr Titel und Trigger auflistet, an: triggermedia ät web punkt de.


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Anzeige eingestellt?! Kampagnen für mehr Gerechtigkeit

18. September 2012 von Viruletta

(Triggerwarnung, gilt auch für die enthaltenen Links: Verharmlosung von sexuali­sierter Gewalt und Schilderung von Gerichtsverfahren.)

Das Betroffene von sexualisierter Gewalt von unserem sogenannten „Rechtsstaat“ weder Unterstützung noch Gerechtigkeit erwarten können, hat der erst letzte Woche bekannt gewordene Freispruch eines Täters auf besonders bittere Art und Weise deutlich gemacht. Nach angeblich „objektive Kriterien“ beurteilt, soll die Vergewaltigung der zum Tatzeitpunkt gerade mal 15 Jahre alten Betroffenen durch einen beinahe doppelt so alten Mann im rechtlichen Sinne keine sein. Ihre Lage sei nicht schutzlos, ihr Verhalten nicht offensiv genug gewesen, so sind sich Richterin, Staatsanwaltschaft und der Anwalt der Betroffenen einig.

So schockierend dieses Urteil auch ist, es ist bei weitem kein Einzelfall. Wie die Initiative für Gerechtigkeit bei sexueller Gewalt erläutert, sind die Anzeigen seit der Strafrechtsreform 1997 zwar gestiegen, die Verurteilungen aber gesunken. Darüber hinaus werden Gesetze und geltende Grundsätze, die bei einer Vergewaltigung eine Verurteilung ermöglichen würden, vielfach schlichtweg nicht angewandt und wenn es doch mal zu einer Verurteilung kommt, wird diese meistens auf Bewährung ausgesetzt. Betroffene erleben dadurch immer wieder, wie die deutsche Justiz in der ihr zugewiesenen Schutzfunktion versagt.

Um auf diesen Zustand aufmerksam zu machen, hat die besagte Initiative einen Aufruf gestartet, dessen Ziel es ist, „bundesweit der Justiz bei ihrer Rechtssprechung auf die Finger [zu] gucken, [zu] dokumentieren und dafür Öffentlichkeit [zu] erzeugen, um mit gesellschaftlichem Rückhalt Änderungen dieser (Un-)Rechtspraxis durchzusetzen“. Um dieses Ziel zu erreichen soll ein Netzwerk geschaffen werden, mit dessen Hilfe sich an verschiedenen Orten Mitstreiter*innen zu Prozessbeobachtungen und weiteren Aktionen zusammenfinden können. Wer sich beteiligen will, kann einfach das Kontaktformular der Seite nutzen.

Eine weitere Aktivistin, die selber Betroffene ist und ähnliche erschütternde Erfahrungen machen musste, hat außerdem einen Blog ins Leben gerufen, auf dem sie Einstellungsbescheide sammeln und veröffentlichen will. Die Aktion erinnert an die #ichhabnichtangezeigt-Kampagne und richtet sich an Personen, die als Erwachsene oder Jugendliche ab dem 16. Lebensjahr vergewaltigt worden sind, Anzeige erstattet haben und deren Verfahren eingestellt worden sind. Mitgemacht werden kann hier, in dem ein Kommentar auf der Seite hinterlassen wird.


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Das Schweigen brechen: #ichhabnichtangezeigt

10. Mai 2012 von Helga

(Für alle Links, außer dem Kontakt, gilt eine Triggerwarung, da Gewalterfahrungen beschrieben werden.)

Über sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungen herrschen immer noch viele Mythen und Entschuldigungen vor. Doch wer einmal genauer hinschaut merkt oft, dass vieles nicht stimmt. Ein immer wiederkehrendes Muster ist aber der Fokus auf diese Entschuldigungen, mit dem Effekt, dass die Stimmen der Opfer abgewertet werden und sich dann noch weniger zu Wort melden.

Banner der Aktion „Ich habe nicht angezeigt“

Um dies zu ändern, läuft im Mai die Kampagne #ichhabnichtangezeigt, organisiert vom Münchener Kom­mu­ni­ka­tions­zentrum für Frauen und Arbeit. Vorbild sind die Twitter-Kampagnen #ididnotreport in Großbritannien und #jenaipasportéplainte in Frankreich. Wie der Name schon sagt geht es um die Gründe, die Opfer von der Anzeige bei der Polizei abhielten.

In den bisher veröffentlichten Aussagen beschreiben die Teilnehmenden vor allem Scham, Furcht vor persönlichen Konsequenzen und Angst, dass einer oder einem niemand glaubt. Einige Kommentare sind gerade einmal ein Satz, andere be­schreiben detailliert, welche Widerstände sie von einer Anzeige abgehalten haben. Genaue Beschreibungen von Taten werden gekürzt und erst zum Ende der Aktion (31. Mai) veröffentlicht.

Mitmachen können Betroffene über die folgenden Wege:

Alle Nachrichten werden dann noch einmal über den Account @nichtangezeigt mit dem Hashtag #ichhabnichtangezeigt auf Twitter eingestellt.


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Hacking social media – Feminist_innen im Web 2.0

8. April 2011 von Helga

Auf der rp:11 gibt es zu diesem Thema von Kathrin Ganz und mir das Panel „Shitstorm? You can do it!“, am 13. April um 12 Uhr. Dort werden wir außerdem das neue Projekt Hatr vorstellen.

Was offline die Insiderwitze sind, sind im Internet die Memes: sog. Inter­­net­phäno­­mene. Ob per Video oder Bild, mehr oder weniger witzige Sachen werden per Mail, Facebook oder Twitter versendet. Spätestens wenn jede_r seine eigene Ver­sion erstellt hat, ist das Kultmeme perfekt. Leider sind viele Memes all das, was auch schon im realen Leben scheiße ist (Triggerwarnung!): be­hin­der­ten­feind­lich, rassistisch, homophob oder einfach nur brutal frauen­ver­ach­tend.

Schon fast legendär ist eines der ältesten Gegenmittel von Feminist_innen und anderen Aktivist_innen: Die Bingo-Karte. Hier werden die häufigsten Aussagen von Trollen und die einschlägigen Abwertungen in Diskussionen gesammelt. Ob sexualisierte Übergriffe (inzwischen auch in der Assange-Edition) oder Rassismus, Goo­­gle findet für alles eine Bingo-Karte.

Nach dem Vorbild der LOLcats gibt es inzwischen eine Reihe an Memes, bei denen die verschiedensten Bilder von Internetuser_innen mit noch unterschiedlicheren Be­schriftungen versehen werden. Das erste berühmte feministisch inspirierte Meme war dann der “Privilege Denying White Dude”, das abschätzig schauende weiße junge Männer zeigte. Dazu die besten Mansplainersprüche, denn schließlich wissen weiße, heterosexuelle Männer am besten, welche Probleme Frauen und Minderheiten wirklich plagen und wie sie am besten gelöst werden können. Hier ließ das Gegenmeme nicht lange auf sich warten. Schon der Name, “Feminist Cunt” (Feministische Fotze), war so hasserfüllt und beleidigend, wie einschlägige Kom­men­tare es erwarten lassen.

Auch auf Twitter haben Feminist_innen mit eigenen Kampagnen schon viel er­reicht. Wichtig sind dabei vor allem die Hashtags – Stichwörter, die mit einem # ver­sehen für Aufmerksamkeit sorgen und alle Tweets zusammenbringen. So gab es im Zuge der Diskussionen um Julian Assange die schwedische #prataomdet (Sprich darüber)-Kampagne, die es weltweit in die Medien brachte. Auch wir be­richteten, wie sich immer mehr Schwedinnen und Schweden zu Grenz­­ver­letzungen in intimen Beziehungen äußerten. Die massive, direkte An­sprache an Filmemacher Michael Moore und Talkshowmasterin Rachel Maddow war ebenfalls erstmal dank Twitter möglich. Sie brachte den #MooreandMe-Twitter­_innen eine öffentliche Klarstellung, in der Moore mehr Vertrauen und Respekt gegenüber Ver­gewalti­gungs­opfern forderte. In den letzten Wochen haben türkische Aktivist­_innen mit #defnejoy eine Diskussion über ihre sexistischen, rassistischen und homophoben Medien angestoßen. Ein Kolumnist hatte impliziert, der Tod der Fern­seh­moderatorin Defne Joy Foster sei aufgrund ihres angeblich unmoralischen Verhaltens verdient gewesen. Die Petition zur Kampagne haben bereits fast 8.000 Menschen unterschrieben.

Schließlich lässt sich auch Formspring anders als von den Macher_innen geplant verwenden. Statt als Frage-Antwort-Seite benutzt die 3.000 campaign es als Möglichkeit, anonym von sexualisierter Gewalt zu berichten. Ziel der Kampagne ist es dabei, Aufmerksamkeit auf dieses große Problem im US-Universitätssystem zu richten; Vor allem, weil die meisten Übergriffe niemals angezeigt werden. 3000 bezieht sich dabei auf die Anzahl der Student_innen, die an der George Wash­ing­ton University, von der die Initiative ausgeht, vermutlich sexuelle Gewalt erfahren.


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