Einträge mit dem Tag ‘Natasha Walter’


Sexismus reloaded

17. Februar 2010 von Verena
Dieser Text ist Teil 23 von 23 der Serie Wilde Mädchen

Er ist also mal wieder im Gespräch, der Sexismus. Auf der Anklagebank sitzen aber nicht die sexistischen Nutznießer kurzer Röcke und zeigefreudig betonter Kurven, nein, der Vorwurf ereilt eben jene Fräuleins, die ihre Zeigefreudigkeit als Zeichen weiblichen Selbstbewusstseins definieren und dem Sexismus damit die Argumentationsgrundlage entziehen.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Da muss was schief gegangen sein mit der sexuellen Freiheit, wenn sich vor allem junge Dinger dieser Freiheit gemäß ausschließlich aufs lasziv und halbnackt posieren verstehen, unbedingt proporno sind und Striptease als Gymnastikkurs im Fitnessstudio belegen – Männer jedenfalls können sich zu den willig bereit stehenden Wichsvorlagen beglückwünschen.
Oder, wie die britische Autorin Natasha Walter in ihrem Buch „ Living Dolls“ die Diskussion in Schwung bringt, opfern zahlreiche Frauen mit künstlichen Fingernägeln, operierten Brüsten und Extensions im Haar diese Freiheit längst einer auf den heterosexuellen Mann ausgerichteten Stereotypisierung, dessen, was sexy sein soll.
Denn im Ernst, ist „sexy sein“ wirklich etwas, dass wir bei H&M kaufen oder uns ins Gesicht malen können?

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Hauptsache geil aussehen

8. Februar 2010 von Susanne

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von gestern schreibt der Feuilleton-Redakteur Jörg Thomann über das Phänomen sich selbst entblößender Mädchen und junger Frauen. Anlass für seinen Text ist das neue Buch von Natasha Walter, “Living Dolls. The Return of Sexism”.

Von den Castingshows, kritisiert Natasha Walter, lernten Frauen, das Aussehen und das Verhalten anderer Frauen permanent zu bewerten – und sie erlebten, dass jene, die dem vermeintlich objektiven Anspruch an weibliche Attraktivität nicht genügen, aussortiert werden. Ein gesundes Selbstbild entsteht so nicht. Laut der „Bravo“-Studie 2009 sind nur noch 56 Prozent der befragten Mädchen zwischen elf und 17 Jahren mit ihrem Aussehen zufrieden und nur 54 Prozent mit ihrem Gewicht.

Nun empfinde ich das Sichzurschaustellen in dummen Casting- oder Reality-Shows nicht als typisch weibliches Phänomen – lassen wir mal Singwettbewerbe außen vor, denn da geht es ja tatsächlich um so was wie Können. Auch männliche Big Brother-Bewohner oder Bachelorette-Kandidaten fallen nicht unbedingt durch ihre Scharfsinnigkeit oder durch sonstige besondere Talente auf. Da geht es dann auch eher um die schnittigere Frisur oder den größeren Bizeps als um den höheren Bildungsabschluss.

Natasha Walters Befürchtung allerdings, das Frauenbild reduziere sich durch mediale Eintönigkeit auf Attraktivität und Wohlgeformtheit des weiblichen Körpers, die teile ich. Es ist nichts Neues, dass Frauen nach ihrem Aussehen bewertet werden, das passierte Dagmar Berghoff in ihren Anfangsjahren als Nachrichtensprecherin sicherlich genauso. Der große und vor allem schwerwiegende Unterschied ist nun allerdings, dass viele junge Frauen – und auch ältere, siehe Simone Thomalla, Madonna und viele andere  – nach ihrem Äußeren bewertet werden wollen. Und zwar nicht nur im TV, sondern auch im Internet.

Sie definieren so weiblichen Erfolg selbst und aktiv als eine Sache von Attraktivität, geringem Körpergewicht, schönen Haaren, prallen Brüsten, flachen Bäuchen um. Und das ist tatsächlich ein erschreckender und massiver Rückschritt in der Emanzipation von Frauen.


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