Einträge mit dem Tag ‘Nadine Gordimer’


Das Jahr 2014 – Ein Feministisches Lexikon

19. Dezember 2014 von Charlott

Welche Themen standen auf unserer feministischen Agenda 2014? Welche Ereignisse haben das Jahr geprägt? Welche Personen und ihren Aktivismus haben wir bewundert? Zum Abschluss des Jahres gibt es dieses Mal ein Lexikon. Zu jedem Buchstaben könnte es natürlich noch zig weitere Einträge geben – ergänzt doch eure in den Kommentaren!

A wie Aktivismus, Ausschlüsse und Ablasshandel
Ein Thema, welches sich eigentlich durch jedes Jahr zieht/ ziehen sollte: Wie wollen wir unseren Aktivismus gestalten? Wie können dabei unterschiedliche Positionen bedacht und genutzt werden? Welche Taktiken und Praxen haben sich bewährt? Nadine machte sich darum einmal Gedanken darüber, wer wann auf Podien sitzt, wo Absagen vielleicht Sinn machen und wo nicht (und was das mit unterschiedlichen sozialen Positionierungen zu tun hat) und über Geldspenden als Art der ökonomischen Umverteilung.

B wie #BlackLivesMatter und #BringBackOurGirls
Am 09. August dieses Jahres wurde der Schwarze Jugendliche Michael Brown von dem weißen Polizisten Darren Wilson in Ferguson, Missouri, erschossen. Gegen den Polizisten wurde nicht mal ein Verfahren eingeleitet. Es handelt sich dabei natürlich nicht um einen Einzelfall, sondern es ist ein Beispiel für die anhaltende rassistische Polizeigewalt – die keinerlei Konsequenzen hat. In ihrem Text „Wenn Schwarzer Menschen nicht lächeln…“ verlinkt Sharon eine ganze Reihe von weiteren Beispiel aus den USA und Deutschland. Von Ferguson ausgehend und durch weitere publik werdende Taten (die ebenfalls kaum Konsequenzen nach sich zogen) entwickelte sich in diesem Jahr eine Protestbewegung, die im Internet unter anderem unter dem Hashtag #BlackLivesMatter und auf den Straßen vieler Städte anzufinden war. In Berlin versammelten sich am 29. November Aktivist_innen am Brandenburger Tor, um den Opfern zu Gedenken und darauf zu verweisen, dass es stimmt: #FergusonIsEverywhere, Ferguson (d.h. rassistische Strukturen, die Gewalt legitimieren) sind kein rein us-amerikanisches Phänomen. So wird sich am 07. Januar zum bereits zehnten Mal der Tod von Oury Jalloh jähren. Derzeitig sammelt die Initiative im Gedenken an Oury Jalloh Geld um ein weiteres Gutachten zur Brand- und Todesursache anfertigen zu können.

Außerdem sollten nicht die 200 Mädchen, die am 14. April in Nigeria entführt wurden, vergessen werden.

C wie Chancengleichheit
Chancengleichheit, Chancengerechtigkeit, Teilhabe, Akzeptanz, > Toleranz, Inklusion – ein Wörtersalat, der häufig eher das „gut gemeint“ als das „gut gemacht“ abdeckt, wenn es um die Rechte von Menschen mit Behinderung geht. Hannah hat sich im November die Anhörung des Ausschusses “Arbeit und Soziales” zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen angehört und aufgezeigt, welche Diskussionen rund um das Bundesteilhabegesetz (nicht) geführt werden. Außerdem erklärte sie in einem weiteren Text, was der Begriff Inklusion eigentlich umfassen sollte und wie er häufig stattdessen ausgehöhlt wird.

D wie Diskurspolizei
Sprachdebatten zwischen „Darf man denn hier gar nichts mehr sagen!“ und „Diese Gender-Leute drängen ja immer einen Sprachgebrauch auf!“ begleiteten auch das Jahr 2014. Am prominentesten ist sicher die medial breit geführte „Debatte“ um Lann Hornscheidts Sprachinterventionen. Auf einen öffentlichen Brief von WissenschaftlerInnen antwortete hier Jayrôme mit „Es ist Zeit, Realität als real zu betrachten„. Im Juli hatte außerdem accalmie die Verwendung diskriminierender Begriffe, die Verteidung dieser Praxis und das Umwerten als die echte Diskriminierung (TM) von Begriffen, die sonst unmarkierte Normen benennen, seziert.

E wie Elliot Rodger
Am 23. Mai tötete Elliot Rodger in Isla Vita, Kalifornien, sechs Menschen. Zuvor hatte er in Videos und einer über hundert Seiten langen „Autobiographie“ seine Misogynie verbreitet. In vielen deutschsprachigen Medien wurde die Tat dekontextualisiert und individualisiert. Ich schrieb über die Hintergründe der Tat, wie sie vielleicht verhindert hätte werden können. (mehr …)


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Durch das Schreiben verstehen – R.I.P. Nadine Gordimer

14. Juli 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 39 von 51 der Serie Wer war eigentlich …
Nadine Gordimer bei der Göteborg Book Fair 2010 (Bild:  Bengt Oberger)

Nadine Gordimer bei der Göteborg Book Fair 2010 (Bild: Bengt Oberger)

The truth isn’t always beauty, but the hunger for it is.

Die südafrikanische Schriftstellerin und Aktivistin Nadine Gordimer ist am Sonntagabend im Alter von 90 Jahren gestorben – wie heute berichtet wird. Gordimer hat in ihrem Leben nicht nur 15 Romane veröffentlicht, sondern schrieb außerdem viele Kurzgeschichtenbände, Essays und ein Theaterstück. Sie gab auch Werke anderer Autor_innen heraus. Im Jahr 1991 wurde ihre literarische Arbeit, in der sie immer wieder das rassistische System der Apartheid verhandelte (wozu es natürlich auch kritische Auseinandersetzungen mit ihrem Werk gibt), mit einem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Sie war die siebente Frau, die diesen Preis überhaupt zugesprochen bekam.

Gordimer aber zeichnete sich nicht nur durch ihre hoch politischen Bücher – wovon einige während der Apartheid verboten wurden – aus, sondern auch durch ihr weiteres Engagement. Nach dem Sharpeville-Massaker trat sie dem ANC bei, verstecke ANC-Mitglieder bei sich zu Hause, sagte in Gerichtsverfahren für Aktivist_innen aus und zeigte sich auf Anti-Apartheidsdemonstrationen. Mit Nelson Mandela verband sie eine lange Freundschaft.

In einem Interview sagte sie mal: „Writing is making sense of life. You work your whole life and perhaps you’ve made sense of one small area.“ (Schreiben beudetet, das Leben zu verstehen. Du arbeitest dein ganzes Leben und vielleicht hast du dann einen kleinen Teil verstanden.) Ihr letzter Roman (No Time Like the Present) erschien erst vor zwei Jahren. Er betrachtet das Leben von Anti-Apartheids-Kampf-Veteranen im heutigen Südafrika. Die Sinnsuche war sicher noch nicht abgeschlossen.


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