Einträge mit dem Tag ‘Muttermythen’

Gebär-Bummelei galore

Sunday, January 13th, 2008 von Barbara

Zeit Im aktuellen Zeit Magazin Leben macht sich Iris Radisch Gedanken über die “Gebär-Bummelei”, also die Tatsache, dass die deutschen Frauen statistisch mit 26 Jahren erst Kinder kriegen, im Gegensatz zu den afghanischen etwa, die im Teenageralter schon Mütter werden. Internationale Vergleiche hinken in den meisten Fällen, und auch die Statistik belegt nur das, was wir belegen wollen. Radisch bricht also eine Lanze für die Zeit, die wir uns mit der Mutterschaft lassen:

Dieser Artikel möchte zur Entspannung beitragen und einer übereilten Rückkehr in afghanische Verhältnisse vorbeugen. Es gibt keinen Grund zur Panik. Im Gegenteil: Die Bummelei, fast jede Art von Bummelei, ist eine Kulturleistung, ein unbedingt zu verteidigender Zugewinn an Freiheit und Selbstbestimmung. Die Freiheit zur Gebär-Bummelei im Speziellen ist ein immenser Zugewinn an weiblicher Autonomie. Man darf sich Zeit lassen.

Die Gründe für die deutschen Frauen, eher später als früher zu gebären, sind ebenso vielfältig wie die der afghanischen Frauen, eher früher als später zu gebären. Neben denen, die Radisch für die deutschen Frauen aufzählt (Ausbildung, Berufsleben, Lebenslust etwa), kommt noch ein gewaltiger dazu: Nicht jeder Mann an der Seite einer Frau eignet sich, ein guter Partner für das Projekt Gebären zu werden. Man muss schon auch wollen.

Wenn Männer schwanger sind, die Zweite

Thursday, December 20th, 2007 von Susanne

Neulich waren wir ja schon mal beim Thema “Schwangere Männer”. Und in dieser Woche berichtet der Spiegel darüber, wie eine Schwangerschaft Männer verändert. Dass das Magazin schreibt, sie werden zu “Softies”, sei ihnen - wenn auch mit hochgezogenen Augenbrauen - verziehen. Jedenfalls leiden wohl auch Männer unter Schwangerschaftssymptomen wie Übelkeit, Rückenschmerzen, Schlaflosigkeit. Also: Nix da mit Kinderkriegen ist Frauensache oder schön in der Kneipe abwarten bis das Balg endlich auf der Welt ist. Dass Männer nicht mütterlich sein können, ist keine biologische Tatsache, wie manche behaupten, sondern nur ein Mythos, um sich aus der Verantwortung zu ziehen.

Wie der Spiegel schreibt, machen es die Weißbüschelaffenmännchen ganz vorbildlich:

Auf seinem Rücken trägt es das Baby, das am Tag zuvor auf die Welt gekommen ist. “Bei den Weißbüschelaffen ziehen Weibchen und Männchen die Kinder gemeinsam auf”, erklärt Ziegler. Die Arbeitsteilung geht so: Die Mutter gibt die Milch, der Vater erledigt so ziemlich den Rest - das Kind beschützen, wärmen, pflegen und, sobald das Kleine abgestillt ist, auch noch füttern - alles Männersache.

Berufstätige Mütter sind glücklicher

Tuesday, December 18th, 2007 von Susanne

Immer mal wieder wird die Behauptung ausgepackt, die meisten Frauen würden zuhause bleiben, wenn sie es sich nur leisten könnten. Doch jetzt beweist eine britische Studie das Gegenteil: Berufstätige Mütter sind glücklicher als Nur-Mütter, so das Untersuchungsergebnis des Institute of Social and Economic Research. Klarer Fall eigentlich, wenn man sich anschaut, was befriedigender ist: Teambesprechung oder Wäsche waschen, Mittagessen mit den Kolleginnen und Kollegen oder Babyrei warm machen, jeden Monat eigenes Geld auf dem Konto oder Blumen zum Muttertag.

Gerade in unseren retro-konservativen Zeiten wird das Ergebnis der Untersuchung einer ganzen Reihe von Leuten (Hallo Frau Müller und Frau Herman!, Tachchen Herr Mixa!) nicht gefallen. Doch allen jungen Frauen, die von “Du willst wirklich schon wieder arbeiten gehen?” und “Die armen Kinder” genervt sind, gibt die Studie ein gutes Argument an die Hand: Das Recht auf Glück.

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Nur-Mütter und arme Kinder

Friday, November 30th, 2007 von Susanne

Dass es da einen Zusammenhang gibt, legt eine gestern erschienene Studie nahe. Die OECD-Studie “Babies and Bosses“, die die Situation in 30 Industrie- und Schwellenländern vergleicht, kritisiert, dass es in Deutschland überdurchschnittlich viele Fälle von Kinderarmut gibt, und das obwohl die Staatsausgaben für Familien sehr hoch sind. Das Geld werde falsch investiert, so die Kritik. Wichtiger als Gelder für die Familien sei es, den deutschen Frauen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern. Die OECD lobte den Kurs der Bundesregierung, die Kinderbetreuung auszubauen, Väter zur Familienarbeit zu ermuntern und die kürzere Bezugsdauer des Elterngeldes, weil es die Frauen animiert, nicht zu lang aus dem Beruf auszusteigen - was wiederum ein Anreiz für Arbeitgeber ist, mehr Frauen einzustellen.

Harsche Kritik bekam explizit die Idee eines “Betreuungsgeldes”, für das sich die CSU seit der Diskussion um den Ausbau der Kinderbetreuung einsetzt. Sie fordert, dass Eltern, die ihre Kinder nicht in Krippen oder Kindergärten betreuen lassen wollen, dafür ein Ausgleichsgeld zu zahlen. Diese “Herdprämie” zementiert allerdings alte Geschlechterrollen: arbeitender Mann, Frau zu Hause bei den Kindern. Und genau dieses Modell fördert zum einen, dass von Frauen erwartet wird, dass sie zuhause bleiben und dass sie dadurch noch weniger durch Arbeitgeber gefördert werden. Zum anderen liegt das Risiko von Kinderarmut in Familien mit nur einem Verdiener höher, so das Ergebnis der OECD-Studie.

Studieren mit Kind

Tuesday, November 27th, 2007 von Susanne

Barbara Vinken, Professorin und Autorin der feministischen Pflichtlektüre “Die deutsche Mutter” hat dem Online-Jugendmagazin jetzt.de ein Interview gegeben, in dem sie fordert, mehr junge Frauen und Männer sollten sich trauen, schon während ihrer Ausbildung Nachwuchs zu bekommen. Die Idee, “man müsse sein Leben gelebt haben, bevor Kinder kommen, ist wirklich falsch”, sagte sie. Sie nennt das einen deutschen Sonderweg. Kind und Studium passen im Gegenteil sehr gut zusammenpassen, erklärt Barbara Vinken.

Tatsächlich ist ja zu fürchten: Je mehr Frauen Berufsleben und Kinderkriegen zeitlich voneinander trennen, desto langsamer wird sich etwas verändern in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Noch immer geben zu viele Frauen ihren Beruf auf, um nur für die Familie da zu sein. Weil ihnen das schwer fällt, verschieben sie die Kinderfrage auf die späten Jahre. Wirklicher Druck auf die deutsche Gesellschaft, das eigene Frauenbild zu überprüfen, wird so nicht aufgebaut - die Frauen regulieren diesen Druck für sich selbst. Und sind im Zweifelsfall unglücklich. Weil sie nur Karriere machen können oder Kinder kriegen.

(Foto über jetzt.de)

Wir essen nicht für zwei

Monday, November 26th, 2007 von Barbara

Eine Frau in der Bäckerei. Möchte eine Quarktasche. Die Fachkraft hinter der Theke bietet ihr eine pizzagroße Quarkscheibe mit extra Zucker an und meint: “Sie essen ja für zwei.” Frau ist ziemlich schwanger. Will aber trotzdem lieber nur für eine Person essen und geht. Die Fachkraft hinter der Theke bleibt verstört zurück und muss sich fragen, ob das mit dem doppelt-essen nicht doch eine blöde Idee ist.