Einträge mit dem Tag ‘Muttermythen’


Mütter sollten ihre Möpse bedecken – jedenfalls wenn sie rechnen können

2. Januar 2012 von Hannah
Dieser Text ist Teil 35 von 35 der Serie Muttiblog

Am Prenzlauer Berg verstopfen Rinder die Gehwege, verstellen mit ihren Kinderwagen die Cafés und holen ihre unbedeckten Euter heraus, um ihre Kinder zu stillen. So steht es in einem Vorabdruck in der Taz von „Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter“ – ein soeben erschienenes Buch der Journalistin Anja Maier. Im Untertitel behauptet die Autorin über Edel-Eltern und ihre Bestimmerkinder zu schreiben. Tatsächlich sind ihr Feindbild aber die P-Berger Mütter. Obwohl ihre Fakten nicht stimmen, ihre Beschreibungen von altbekannten Klischees strotzen, erfährt sie erstaunlich viel Zuspruch. Warum dieser Mütter-Hass?

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Anja Maier spricht nicht selbst in dem Kapitel, das die Taz druckte, sondern lässt eine Kaffeehausbetreiberin über die schwäbischen „Rinder“ herziehen, die alles bio und antiallergisch wollten, ihre Kleinkinder zum Chinesisch-Unterricht schickten und ihre Ehemänner für all das zahlen ließen, weil sie selbst mindestens drei Jahre Babypause machten.

Die Tirade der Wirtin hat einen heftige Diskussion in der Kommentarspalte der Taz hervorgerufen und Betrachtungen des Problems in zahlreichen Zeitungen. Interessant daran ist, dass die meisten den Ost-West-Konflikt sehen: Alt-Ostberliner gegen zugereiste Schwaben. Nur wenigen fällt auf, dass die Beschreibung von Müttern als Rinder, die ihre Euter herausholen, wohl so ziemlich die übelste sexistische Beschimpfung von Frauen ist, die einem in den letzten Jahren jenseits von Mario Barth untergekommen ist. (weiterlesen …)


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Engagiert protestieren, bewusst konsumieren, politisch feiern – die Blogschau

8. Oktober 2011 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 128 von 144 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Nach wie vor schert Facebook sich nicht um den Protest gegen – dezent formuliert – vergewaltigungsverharmlosende Aktivitäten auf ihren Seiten. Das Mädchenblog berichtet (Triggerwarnung).

Die Gleisbauarbeiten rezensieren Basha Mikas “Feigheit der Frauen” – mit viel Wut im Bauch.

Regina Frey dokumentiert und kommentiert ihren Mailwechsel mit dem Piraten-Abgeordneten Xander Dorn zum Thema Geschlechterverhältnisse bei den Piraten und sonstwo.

Anlässlich der  Gay Pride Belgrad (die letztendlich verboten wurde) berichtet bomec über die krasse Homophobie, die in Serbien grassiert.

Der aktuelle Gastblog beim Missy Magazine von Side-Glance thematisiert die oftmals äußerst problematischen Produktionsbedingungen von Unterhaltungselektronik.

Puzzlestücke blickt kritisch zurück auf die Veranstaltung Perspektiven feministischer Organisierung nach dem Slutwalk, die kürzlich auch hier bei der Mädchenmannschaft Anlass zur Diskussion war.

Ein Plädoyer für die Beilegung aller Mütter-Grabenkämpfe gibt es von Rike Drust a.k.a. inFemme unterstellt.

Einem interessanten Vortrag zur Enstehung von sexuellem Begehren hat Antje Schrupp beigewohnt.

An der Uni Paderborn plant der Frauenprojektbereich MIA für Anfang 2012 eine Kunstausstellung zum Thema „!Doing gender Killing gender¿“ und lädt dazu ein, sich mit künstlerischen Ideen daran zu beteiligen.

Ein neuer Blog in der feministischen Blogosphäre: Just Stuff.

Und ein paar wichtige Termine gibt’s natürlich auch noch, nach dem Klick: (weiterlesen …)


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Mutterschaft als feministisches Thema

26. August 2011 von Anna-Sarah

Im Themenspecial „Bambini statt Bambule – wenn Linke zu Eltern werden” der Jungle World erschien gestern ein äußerst lesenswerter Artikel von Sonja Eismann, in welchem sie feststellt:

“Während in den siebziger Jahren Feministinnen Kinderläden gründeten, ist Mutterschaft in feministischen und queeren Debatten heute kein großes Thema mehr. Das sollte sich ändern.”

Eismann, u.a. und übrigens gemeinsam mit Mädchenmannschaftskollegin Verena im Team des Missy Magazine, beschreibt treffend und anschaulich die wider­sprüchlichen, aber wirkmächtigen Erwartungshaltungen, die an (werdende) Mütter von verschiedenen Seiten herangetragen werden – und kommt dabei schönerweise  ganz ohne das in diesem Themendunstkreis gerne mal herum­lungernde Femi­nis­mus­bashing aus, was von einer Sonja Eismann aber natürlich auch nicht anders zu erwarten war:

“Während ich im Verlauf der Schwangerschaft mit unzähligen Vorschriften und Regulierungen meines Verhaltens zum Wohl des ungeborenen Kindes als verantwortungsbewusste werdende Mutter vergesellschaftet werden sollte, wurden aus dem »alternativen Milieu« ganz umgekehrte Anliegen an mich herangetragen, die von der Angst zeugten, ich könne mich diesem Prozess widerstandslos unterwerfen. Vorsorgeuntersuchungen, Verhaltensvorschriften, Medikamente, Kurse und massenweise Produkte auf der einen Seite, Ängste vor Verspießerung und Akzeptanz des Status quo durch gezügelten Ausgeh- und Genussmittelkonsum auf der anderen.”

(Full disclosure: Ich selbst beobachte an mir bisweilen duchaus auch das notorisch schlechte Muttergewissen – allerdings weniger meinem Kind gegenüber, weil es seit Jahren auch “fremdbetreut” wird, wie es so bezeichnend heißt, sondern eher meinem feministischen Bewusstsein gegenüber, weil ich überhaupt ein Kind bekommen habe. Schon allein deshalb, wie jede_r, die/der Verantwortung für ein kleines Kind trägt, weiß: Jeglicher Selbstbestimmung im auch nur halbwegs engeren Sinn wird damit erstmal ruckartig der Boden unter den Füßen weggezogen. )

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Bevor es gleich auf die Straße geht: Die Blogschau

13. August 2011 von Verena
Dieser Text ist Teil 121 von 144 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Endlich ist es also soweit: In zahlreichen deutschen Städten finden heute erstmalig Slutwalks statt. Zum Aufwärmen schnell noch ein Blick in die Blogs und dann nichts wie raus auf die Straße!

Klirrr entdeckt in einem Pariser Wissenschaftsmuseum die erste Frau im All: Walentina Wladimirowna Tereschkowa. Die Russin tummelte sich nur zwei Jahre nach Weltraum-Pionier Yuri Gagarin im All und schaffte einige Erdumrundungen mehr als der Kollege.

Fuckmothers stellen Jeremy Adam Smith vor: Der Autor bezeichnet sich als profeministischen Vater und hat einige Fragen unter diesem Label zusammengestellt. Unter anderem geht es um die schwindende Freiheit von Frauen, sobald sie Mütter werden und die Schwierigkeit, linke Ideale im Alltag zu leben.

Über den Slut Walk wird sich auch beim Mädchenblog noch Gedanken gemacht: rather_ripped erklärt, warum sie als (Queer-)Feministin nun doch an den Aktionen teilnimmt.

Die SlutWalk-Bewegung ist noch sehr jung und es ist an uns allen gelegen, sie mit Inhalten zu füllen. Das große mediale Interesse an diesem Protest (bzw. seiner Form) schafft uns die Möglichkeit, wichtige Inhalte in die Mitte der Gesellschaft(en) zu tragen und Menschen zum Nachdenken zu bewegen, die sich bisher noch nie mit diesen Themen befasst haben. Der Kampf ist altbekannt, nur die Dimension ist neu.

Am Beispiel von Astrid Lindgren und Mark Twain setzt sich Anatol Stefanowitsch bei scilogs mit der Nachbearbeitung sprachlich oder inhaltlich diskriminierender Texte auseinander und nennt verschiedene Varianten der Überarbeitung.

Antje Schrupp liest ein Buch über die Erinnerungen an die Frauenbewegung der 70er Jahre und konstatiert, “was unterwegs verlorgen gegangen ist”. Es geht unter anderem um den §218, die Organisation von Erwerbs- und Hausarbeit und ‘gleichen Lohn für gleiche Arbeit’. Mehr als die Dinge, die Schrupp unter ‘verlorgen gegangen’ aufzählt, stimmen mich die Forderungen nachdenklich, die sich von den heutigen kaum unterscheiden: Mehr Kinderbetreuung zum Beispiel.

Changinglifestyle stößt das aktuelle Werbeplakat einer Turnschuhmarke übel auf. Kein Wunder, ist dort doch mehr Arsch und Bein vom Model zu sehen als der Tunrschuh. Werbung halt.

L-Talk berichtet über den israelischen Club “Bar Noar”, der das einzige Jugendzentrum in Tel Aviv für homo- und bissexuelle, trans und queer Jugendliche ist. Nach einem Attentat vor zwei Jahren, bei dem zwei Menschen starben, steht das Zentrum nun vor dem finanziellen Aus.

 


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Wie wär’s mit obligatorischem Vaterschaftsurlaub?

4. April 2011 von Adele
Dieser Text ist Teil 33 von 35 der Serie Muttiblog

In Frankreich gibt es Überlegungen, verpflichtenden Vaterschaftsurlaub einzuführen. Ich hatte ja bereits den Kündigungschutz für werdende Väter gefordert, um Elternzeit für Väter zu vereinfachen. So weit zu gehen, verpflichtenden Vaterschaftsurlaub zu fordern, habe ich mich bisher nicht getraut. Ich hörte schon diese Stimmen, die die freiheitlich demokratische Grundordnung gefährdet sehen – durch solch einen staatlichen Zwang zur care-Arbeit. Aber Frauen werden auch gezwungen, wenn sie ein Kind zur Welt bringen, 18 Wochen lang ihrer Erwerbsarbeit nicht nachzugehen. Dies wird, zu Recht, als Errungenschaft einer fortschrittlichen Gesellschaft angesehen. Warum gönnen wir den Vätern denn nicht auch eine solche Auszeit, in der sie intensiv ihren Nachwuchs kennenlernen können?

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Hinzu kommt, dass solch ein verpflichtender Vaterschaftsurlaub wahrscheinlich auch ein Umdenken in den Köpfen der ChefInnen bewirken könnte. Folgende, tatsächlich erlebte Geschichte wäre dann hoffentlich anders gelaufen. (weiterlesen …)


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Kompetente Väter

14. Februar 2011 von Adele
Dieser Text ist Teil 30 von 35 der Serie Muttiblog

Ist man als Mutter mal für fünf Minuten weg, bringt der Vater aus Versehen das Kind um. Was so absurd klingt, scheint in unserer Gesellschaft eine gängige Annahme zu sein. Anders kann ich mir ein paar bemerkenswerten Erlebnisse der letzten Zeit nicht erklären.

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Mein Mann ist derzeit viel mit dem Kind alleine unterwegs. Neulich ließ ihn eine ältere Dame beim Aussteigen aus dem Bus wissen, dass sie ihn beobachtet habe. Er mache das ganz vorzüglich mit dem Kind, eine Frau könne es nicht besser machen.

Ärgerlich finde ich im Zug die Durchsage „Liebe Fahrgäste, aufgrund von hohem Fahrgastaufkommen bitten wir Sie, freie Sitzplätze nicht mit Gepäckstücken zu blockieren. Fahrgäste mit Sitzplatz werden gebeten, diesen gegebenenfalls älteren Reisenden oder Müttern mit Kleinkindern anzubieten“. Diese Durchsage habe ich in den letzten 4 Monaten, seit ich jeden Beginn des Wochenendes in vollen Zügen genieße, schon mehrmals gehört. Sie steht also offensichtlich so im Handbuch, Väter mit Kleinkindern existieren scheinbar nicht.
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Antworten von Tittenmutter an Bitterfotze

8. Februar 2011 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 15 von 23 der Serie Der Kommentar

Dr. Kirsten ArmbrusterIn diesem Essay schreibt Dr. Kirsten Armbruster der Schwedin Maria Sveland zu ihrem Bestseller „Bitterfotze“, der 2009 in Deutschland erschien. Dr. Kirsten Armbruster, geb. 1956 in Dortmund, aufgewachsen in Ägypten und in Fürstenfeldbruck hat Agrarwissenschaften studiert und promovert. Mit ihrem Verlag edition.courage veröffentlicht die vierfache Mutter ihre Denkansätze in Büchern, Artikel und Vorträgen. Ihr aktuelles Buch „Das Muttertabu oder der Beginn von Religion“ ist 2010 erschienen.

Liebe Bitterfotze,

wie gut verstehe ich deine Bitterfotzigkeit. Dieses diffuse Gefühl, als Mutter im Patriarchat, die Arschkarte gezogen zu haben. Und wie genial die Wahl des Begriffs Bitterfotzigkeit, um eben dieses Gefühl auszudrücken! Hier im katholisch-konservativen Bayern, wo die Bedingungen für Mütter besonders zum Himmel schreien, hat Bitterfotze noch dazu eine wunderbare Mehrdeutigkeit, denn Fotze ist nicht nur ein anderes vulgäres Wort für Möse. „Halt´dei Fotzen“! heißt auch „Halt den Mund“, im Sinne von „Halt dein Maul!“ Und das Wort Fotze, existiert im Bayerischen noch in einer weiteren Wortkombination: „Du kriegst glei´ a Fotz´n“ bedeutet „Du kriegst gleich eine Ohrfeige“. So bedeutet Bitterfotzigkeit also: Wenn du als Mutter, dein Maul aufmachst, um bittere Wahrheiten auszusprechen, die aber im Patriarchat niemand hören will, kriegst du eine auf´s Maul.
Mütter, die unsichtbare Macht hinter allem Leben! Denn kommt durch unsere Fotze nicht das neue Leben in die Welt und nähren wir mit unseren Titten nicht eben dieses neue Leben? Diese Diskrepanz zwischen der wahren Lebensmacht von Müttern und ihrer gleichzeitigen Machtlosigkeit im Patriarchat, das ist das, was uns zu Recht bitter macht! Müssen wir also zu vulgären Ausdrücken greifen, um auf unseren Zorn, unsere Wut aufmerksam zu machen? Sei´s drum, benutzen wir ruhig die vulgäre Sprache unserer Zeit, denn letztendlich ist alles Muttersprache!

Mütter und Macht, scheint das nicht ein Widerspruch an sich? Ach wie gut, dass keine weiß, dass Macht ursprünglich ein altes Wort für Scheide, also Fotze ist. Wir kennen diese alte Bedeutung kaum mehr, und nur noch indirekt begegnen wir sprachlich dieser uralten Müttermacht, nämlich in dem Wort Gemächte für das männliche Glied. Das Gemächte ist grammatikalisch, das, was gemacht worden ist. Es hat als Partizip Perfekt eine passive Bedeutung. Das Gemächte ist folglich das, was von der Macht, der Fotze, gemacht worden ist, und hier können wir die alte Lebensmacht der Mütter aus vorpatriarchalen Zeiten noch deutlich spüren.
Macht in unserer Gesellschaft ist allgemein verbunden mit Ansehen, Position und Geld, und all dies haben Männer. Macht im Patriarchat ist männlich! Und die Mütter haben tatsächlich nichts von alle dem, kein Ansehen, keine Position und vor allem kein Geld. Mütter arbeiten rund um die Uhr, ohne Feierabend, ohne Wochenende, ohne Urlaub, aber ihre Arbeit ist unsichtbar. Das Patriarchat behauptet, dass die Caring-Arbeit von Müttern gar keine richtige Arbeit ist, und deshalb wird diese Arbeit in der patriarchalen Logik auch nicht bezahlt. Jede Hausfrau hat diese patriarchale Kröte geschluckt und antwortet brav, wenn man sie nach ihrer Arbeit fragt: „Ich arbeite nicht“!

Mütter haben im Patriarchat kein Geld, und die stark gestiegene Kinderarmut der letzten Jahre ist weniger eine Kinderarmut, sondern vor allem eine Mütterarmut. Kein Geld zu bekommen für die Mütterarbeit, bedeutet im Alter, in der Folge, kaum eine Rente zu bekommen, obwohl es ja gerade die Mütter sind, die durch ihre Mütterarbeit die Generationenrente der Jungen für die Alten ermöglichen. Und was ist mit dem Ansehen von Müttern im Patriarchat? Sie gelten als nicht arbeitende und damit im heutigen geldwerten Kapitalismus – der Caringkomponenten als unwert erachtet – nichts nutze, überflüssige Wesen. Denn ansehen wollen wir die Arbeit von Müttern keinesfalls! Würden wir diese Arbeit ansehen und in geldwerte Leistung umrechnen, kämen nämlich schwindelerregende Zahlen heraus. Im BIP, in der die Summe der Wertschöpfung einer Volkswirtschaft zusammengefasst wird, taucht diese Caring-Arbeit deshalb auch vorsichtshalber nicht auf.

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Auf Mutti ist kein Verlass

10. Januar 2011 von Erna
Dieser Text ist Teil 28 von 35 der Serie Muttiblog

Ich bin untröstlich: Am 3. März 2010 schrieb ich meinen letzten Mutti-Blog-Beitrag. So war das nicht geplant. Aber so ist es gekommen. Auf Mutti Erna ist leider kein Verlass.
Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Wenn ich heute hier sitze und darüber nachdenke, was los war, bin ich nicht ganz sicher. Es war eine Anhäufung mehrer Faktoren, die ineinander spielten.

1. Die Themen. Auf einem feministischem Blog über das Muttisein zu schreiben impliziert immer, über das Muttisein irgendwie auch aus einer feministischen Perspektive schreiben zu wollen. Nicht, dass mir das schwer gefallen wäre. Ich hatte eine Liste, auf der ich viele Themen gesammelt hatte, die ich ansprechen wollte. Zum Beispiel die Rolle des Vaters. Oder die geschlechtsspezifische Codierung von Babys, damit man auch auf 100m Entfernung sieht, ob es sich um einen Jungen oder um ein Mädchen handelt. Ich wollte aber auch und vor allem über das Thema “Zufriedenheit und Mutterglück oder Bitterfotze?” schreiben. Dieses Thema wühlte mich aber innerlich so sehr auf, dass ich es nicht fertig brachte, darüber zu schreiben. Ich habe es stattdessen einfach verdrängt.

2. Die Abwechslungsthematik. Wenn frau den lieben langen Tag nichts anderes im Kopf hat, als Kümmern und Muttisein, dann ist es schwer erträglich, dass auch noch die Schreiberei sich mit diesem Thema befassen soll. Irgendwie hatte ich vom Muttisein einfach ein bisschen den Overkill, wollte wenn schon, dann ein bisschen Abwechslung reinbringen. Fand es deprimierend, diese Rolle auf nahezu allen Ebenen meines Daseins einnehmen zu sollen. Das hatte ich mir vor der Geburt auch anders vorgestellt. In meiner Vision von einem Muttiblog war ich selbstbewusst und zufrieden mit dem Leben als feministische Mutter. Das war ich aber nicht. Zu sehr bestimmte nur das Muttersein mein Leben. Mir dürstete es nach “echter” Abwechslung. Natürlich kam ich mir deswegen auch noch schlecht vor.

3. Der Frust. Die Bitterfotze war unerwartet oft Bestandteil meines Mutterlebens. Ein halbes Jahr war ich einfach “nur zuhause”. Denn leider musste mein Liebster sich einen neuen Job suchen und wie das so ist: keine Möglichkeit Elterzeit zu nehmen im ersten halben Jahr. Freie Wirtschaft eben. Dafür bin ich nicht gemacht! Ich lenkte mich mit allerhand Aktivitäten ab, angefangen beim Sport (zwei Mal pro Woche), über das Kochen (jeden Tag ein neues leckeres Gericht ausprobieren) bis hin zu einem unstillbaren Bedürfnis viel Zeit im Freien zu verbringen, da es dort dem Baby viel besser ging als drinnen – und damit eben auch mir. Der Frust war irgendwann so groß, dass ich noch während ich stillte wieder anfing mit Rauchen (natürlich nur abends, nach der “letzten Brust”), da ich unbedingt ein Laster als “Ventil” für meinen Frust brauchte! Das Gefühl, dass alle Leute um mich herum einfach sorgenlos ihr Leben weiterlebten, während ich auf dem Abstellgleis geparkt mit meinem Baby an der Brust stand, es bereitete mir keine Freude. Ich bekam eine Migräne und zwischen dem Liebsten und mir entspann sich der klassische postnatale Beziehungsstress. (weiterlesen …)


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Immer wieder Mutterliebe

15. Dezember 2010 von Hannah
Dieser Text ist Teil 20 von 35 der Serie Muttiblog

Das Muttiblog hat eine neue Autorin: Hannah. Hier schreibt sie über den Mythos der Mutterliebe.
Nichts gegen Mutterliebe. Mutterliebe ist großartig. Die Mutterliebe wird fast immer erwidert – zumindest bis zum Eintritt der Geliebten in die Pubertät.
Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Redet man über Mutterliebe, ist die Sicht der Mutter selten Untersuchungsgegenstand. Es gibt nur die Sicht aller anderen. Seit Jahrzehnten beschäftigen sich Studien mit der Mutterliebe. Sie finden fast ausnahmslos heraus, wie notwendig sie für Gedeih und Verderb der Kinder, der späteren Erwachsenen und der Gesellschaft als Ganzer ist. Das dient dann meist konservativen Daherrednern, die Herdprämien, Halbtagsschulen und Freiheit zum Hausfrauensein fordern.

Mutterliebe als Naturgesetz?
Gerade ist im Freitag ein Artikel zum Thema erschienen, die SZ berichtete darüber im Sommer. Die inhaltliche Essenz lässt sich zusammenfassen: Kindern, die genug Mutterliebe erfahren, geht es später besser. Die aktuelle Studie dazu hat herausgefunden, dass Kinder, deren Mütter ihnen vor 30 Jahren die Wünsche von den Lippen lesen konnten („das Ausmaß der Sensitivität der Mutter, die Signale und Bedürfnisse des Babys zu verstehen“), heute emotional stabiler sind: weniger Angst, weniger aggressiv, stärker belastbar. (weiterlesen …)


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Interview mit Andrea Nahles

22. November 2010 von Barbara

Barbara: Vergangene Woche ist ein Interview von Ihnen in der Frauenzeitschrift Brigitte erschienen. Dort erzählen Sie von Ihren Plänen, schon zwei Monate nach der Geburt Ihres Kindes wieder zurück ins Amt zu gehen. Sie sagen: “Emotional stelle ich mir das für mich unheimlich schwer vor. Ich weiß, ich werde unser Kind nicht so oft sehen, wie ich es gern hätte.” Eine solche Entscheidung fällt man in der Regel nicht nur mit dem Bauch, sondern auch mit dem Kopf. Und nicht alleine. Wie haben Sie Ihre Lösung gefunden?

Andrea Nahles: Ich plane. Um mich ein wenig sicherer zu fühlen. Ob es am Ende so kommt… das hängt von dem Kind ab. Ist es gesund und munter, ja, dann werde ich bald wieder meiner Arbeit nachgehen. Das ist ohne die aktive Unterstützung meines Mannes nicht denkbar: Wir haben das intensiv besprochen. Wir möchten, dass unser Kind von einem Elternteil intensiv betreut wird, und das ist in unserem Fall eben mein Mann. Ich mache mir nix vor, dass wird sicher nicht so leicht – ich freue mich nämlich sehr auf das Zusammenleben mit unserem Kind. Es ist ein spätes Glück.

SPD / Florian Jaenicke

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles

Barbara: Die Vereinbarkeit von Familie und Karriere ist für jede Frau eine Herausforderung. Besonders in einer Position wie der Ihren, die durch große Verantwortung und einen gefüllten Terminkalender eher familienunfreundlich wirkt, wirft die Geburt eines Kindes viele Fragen auf: Wer betreut das Kind, etwa. Aber auch: Wie gehe ich mit dem Vorwurf der Rabenmutter um? Und: Wie mache ich meinem Umfeld klar, dass ich durch die Geburt nicht zu einem an Stilldemenz leidenden Wesen geworden bin, sondern nach wie vor klar denken kann und sogar neue Kompetenzen und Einsichten erworben habe? Wie gehen Sie mit diesen und anderen Fragen um?

Andrea Nahles: Stilldemenz ist wie Rabenmutter ein klassisch deutsches Klischee. Das ist in anderen Ländern so nicht anzutreffen. Ganz offen: Ich habe keine feste Idee, wie ich damit umgehe. Besonders der Rabenmutter-Vorwurf ist wohl unvermeidlich, und wie schaffe ich es, dass mich solche Gedanken nicht anstecken? Gerade mit einem nicht so ganz gewöhnlichen Job wie meinem. Puh. Sicher hilft, dass ich unser Kind in guten Händen weiß, und dennoch piesackt sowas doch sehr, schätze ich. Umgekehrt wird es sicher auch nicht einfach, die Beobachter auszuhalten, die nach Nachlässigkeit oder weniger Engagement wegen des Kindes bei mir fahnden. Am Ende mache ich es wie alle Frauen: Durchziehen. Froh sein mit dem Kind. Wissen, dass man etwas Kostbares erleben darf.

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