Einträge mit dem Tag ‘Muttermythen’

Must Have

Monday, June 23rd, 2008 von Anna
Dieser Text ist Teil 4 von 4 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Mein Freund und ich verbringen als unsere Wochenenden seit neustem gerne in leeren Wohnungen. Dort fachsimpeln wir über hässliche PVC-Platten, Klicklaminat und Balkongrößen, stellen kluge Fragen zu Nebenkosten und versuchen, so nett zu lächeln, dass die Hausverwalterin uns in guter Erinnerung behält. Wenn wir dann nach Hause kommen machen wir uns erstmal ein Bier auf und legen enttäuscht die Beine hoch, weil wieder nichts dabei war.

Neulich war wieder einer der Termine, zu denen ich alleine musste. Bei der Arbeit war ich nicht pünktlich los gekommen, die Besichtigung lief also schon. Ich folgte den Stimmen im Treppenhaus und stieß eine Tür im zweiten Stock auf. Es waren auch noch einige andere Interessierte versammelt, ich drängelte mich vorbei und betrat die Wohnung.

Und da sah ich es, das must-have der Saison: Der Babybauch.
Ich war die einzige anwesende Frau ohne. Und ich war out!

Entweder man beachtete mich gar nicht oder man musterte mich geringschätzig wenn ich z.B. darum bat, ein Zimmer betreten zu dürfen um es mir genauer anzusehen, dessen Eingang leider von einer Schwangeren samt Begleitung belagert wurde. Auch das Bad konnte ich nicht in Ruhe betrachten, da hier ein Pärchen gerade die beste Anbringung des Wickeltisches erörterte. In dem Raum, der wohl mein Arbeitszimmer geworden wäre, übte ein kleines Mädchen namens „Frieda“ Klimmzüge am Fensterbrett und rannte als ich rein kam aus dem Zimmer. Für den kurzen Moment, den ich alleine war streckte ich meinen Bauch raus, überlegend, ob dieser nicht vielleicht doch als Babybauch durchgehen würde. Doch während ich noch den versonnenen Blick der Schwangeren übte, kam schon wieder Frieda angerannt und vertrieb mich mit einem strafenden Blick aus ihrem künftigen Kinderzimmer. Hatte man sie aufgehetzt?

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

In der Küche unterhielten sich derweil die Schwangeren mit dem Vermieter. Erst standen sie demonstrativ in der Tür, gaben dann aber doch nach und ließen auch mich dazu. Schwanger1 redete lang und breit darüber, dass sie ja einen Kinderwagen im Haus gesehen habe und sie sich auf eine so kinderfreundliche Umgebung freue, denn sie sei ja schließlich auch … Schwanger2, die mit den Freundinnen, konnte das natürlich nicht so stehen lassen. Es gäbe doch bestimmt einen Schwangerenbonus bei so vielen Interessenten? Und ob der Vermieter denn auch Kinder habe? Ja, er hatte, zwei Stück. „Das hier“, sprach die Freundin „werden auch zwei“, und packte Schwanger2 auf den Bauch. Ach nein, was echt, Zwillinge? Und klar, deswegen darf es natürlich höchstens der zweite Stock sein und so ein Mutterkreuz Schwangerenbonus wäre da ja mehr als angemessen. Ich biss mir auf die Zunge und zählte innerlich bis zehn.

Dann ließ ich mir unter dem abfälligen Blick von Schwanger1, Schwanger2, Schwanger3, deren Partner und Freundinnen dennoch aus lauter Trotz einen Bewerbungsbogen für die Wohnung geben und verließ sie hoch erhobenen Hauptes.

PS.: Unsere Traumwohnung wurde übrigens am Ende dann doch eine andere. In einem Haus ohne Kinderwagen im Flur.

(Dieser Text ist für all die wunderbaren Mütter unter meinen Freundinnen!)

Mein Kind macht mich zur Emanze!

Thursday, May 29th, 2008 von Katrin

Wie Familie die Emanzipation der Geschlechter beflügeln kann.
Oder eine feministische Variante des chinesischen
“Krise = Chance”-Dualismus.

Kind

Einstieg:
“Da fängt der ganze Scheiß ja an”
Ich klau mal eben ein Zitat, als kleinen Einstieg: „ich finde familie eben überhaupt nicht super, weil da fängt ja der ganze scheiß an (oder hört auf, wie man eben will), aber da manifestieren sich ja rollenbilder und da lebt man ja in klischees. egal wie pseudoreflektiert man ist.(sic!) “ (Neon.de-Userin Airygreen in der Debatte zum Artikel „Feminismus light“, von Vera Schröder).

Als pseudoreflektierte Mama möchte ich mal eine mögliche Sichtweise auf die Dinge ins Spiel bringen. Vielleicht mit dem einen oder anderen Vorurteil aufräumen.

Die (mögliche) Krise
Familie ist da, wo Kinder sind – so sehe ich das zumindest. Kinder sind immer eine große Herausforderung. Sie verlangen uns Verantwortung, Organisations- und Improvisationstalent, täglich warmes Essen, Abstecher zu Spielplätzen, schlaflose Nächte und noch vieles, vieles mehr ab. Kommt also so ein kleiner Zeit- und Energie-Dieb in eine wie auch immer geartete Familie (ich betrachte im Folgenden vor allem die Mann-Frau-Kind(er)-Konstellation, die ja immer noch am Häufigsten ist), dann muss man sich überlegen, wie man sein Leben nun der neuen Situation entsprechend organisiert bekommt. Tatsache ist: selbst die feministischsten, pseudoreflektiertesten Frauen und Männer sind nicht davor gefeit, angesichts der neuen Situation und einer (Gott bewahre, aber soll ja gelegentlich vorkommen) Anfangszeit-Überforderung in alte, gut gelernte Arbeitsteilungen zu verfallen. Frau bleibt zu Hause beim Kind, kümmert sich alltäglich darum und Mann denkt sich, die kann das eh am besten (und Frau denkt sich das auch). Das passiert. Mir ist das auch ein bisschen so passiert. Wenn eine Frau ein Kind hat, das manchmal fast 12 Stunden täglich gestillt werden möchte, dann ist es einfach auch schwierig, denn das kann der Mann bekanntermaßen nicht. Airygreen, die Kommentatorin von Oben, würde sagen: „Siehste, genau das meine ich.“

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Muttertag

Sunday, May 11th, 2008 von Anna
Dieser Text ist Teil 1 von 4 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Gestern sah ich im Fernsehen einen Bericht, der ein wenig an Asterix erinnerte.

Es ging darum, dass ein kleiner Ort in Baden-Württemberg sich gegen das Blumenverkaufsverbot zu Wehr setzt, denn es sei wegen Pfingsten nur im Ländle verboten, die Blumenläden zu öffnen.

Ich war einigermaßen verwirrt: Ist es an einem Sonntag und gleichzeitig Feiertag nicht in ganz Deutschland - quasi doppelt - untersagt, irgendwas zu verkaufen?

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Eine kurze Internetrecherche belehrte mich eines Besseren: Tatsache, es gibt eine Ausnahmeregelung für diesen Tag, Blumenläden dürfen an Muttertag auch am Sonntag geöffnet haben.

Diese kleine Episode zeigt sehr gut, wie viel ich über den Muttertag weiß und was ich damit verbinde: absolut nichts.

Bei uns zu Hause fand und findet Muttertag nicht statt.

Im Kindergarten war ich natürlich noch mit selbst gebastelten Geschenken aufgelaufen. Die nahm meine Mutter zwar dankend entgegen, aber mir wurde auch sofort erklärt, warum sie eigentlich nichts bekommen wollte an diesem Tag. Denn den haben die Nazis erfunden und das waren sehr böse Menschen und sie möchte nicht an einem Tag Geschenke bekommen, den sich böse Menschen ausgedacht haben.

(Heute weiß ich, dass nicht die Nazis diesen Tag erfunden haben, sondern schon die alten Römer und Griechen die Mütter in Festen ehrten. In neuerer Zeit wurde die Idee Mitte/ Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika aufgegriffen, und hat, tadaaa, ihre Ursprünge in der anglo-amerikanischen Frauenbewegung! Wirklichen Auftrieb bekam der Muttertag dann in Deutschland in den 20ern durch die Blumenhändler und ja, durch die Nazis. Dann eben doch.)

Die Argumente meiner Mutter leuchteten ein, auch wenn ich nicht so ganz verstand, warum alle anderen Mütter damit wohl kein Problem hatten. Ab dem Moment, in dem ich nicht mehr zum Basteln gezwungen wurde, geriet dieser Tag dann komplett in Vergessenheit und hat mir nie gefehlt.

Der Muttertag hat sich allerdings indirekt wieder in mein Leben geschlichen und zwar durch meine Beziehung. Freundes Mutter freut sich nämlich wie (fast) jede andere Mutter über Blumen oder mindestens einen Anruf und wäre wohl auch ein wenig enttäuscht, wenn die Kinder sie komplett vergessen würden. Ich beobachte das mit einer gewissen Faszination, ähnlich wie früher beim Schüleraustausch, wenn die Gastfamilie ganz andere Rituale pflegte als man sie von zu Hause kannte. Es bleibt mir völlig fremd.

Aber vielleicht rufe ich meine Mutter heute doch mal an. Um sie zu ärgern.

Here she comes again

Saturday, May 3rd, 2008 von Susanne

Eva Herman is back! Und mit ihr ein drittes Prinzip. Das “Eva-Prinzip” und das “Prinzip Arche Noah” hatten wir ja schon, jetzt geht’s um alles: “Das Überlebensprinzip. Warum wir die Schöpfung nicht täuschen können” heißt Hermans neuestes Buch - ein 196 Seiten langes Interview zwischen ihr und Friedrich Hänssler, in dessen Verlag das Buch auch erscheint. Und zwar übermorgen, aber Auszüge erschienen bereits in der Bild-Zeitung.

Auch mit ihrem dritten Buch verleumdet Eva Herman ihren gesamten bisherigen Lebenslauf, plädiert für das Dasein als Mutter und Ehefrau, haut aber doch jährlich ein Buch raus und beschreibt darin jeweils (reuevoll?), wie sie früher Job und Familie verband. “Das Überlebensprinzip” ist persönlicher als alle ihre Bücher davor, so erzählt sie beispielsweise über ihre Mutterschaft:

„Niemals werde ich den Tag vergessen, an dem die Omi des Kleinen freudig bei mir im Dienst anrief und stolz berichtete, dass mein Sohn seine ersten Schritte getan hatte. So sehr ich mich darüber auch freute, so tieftraurig war ich als Mutter: Ich war nicht dabei gewesen, als mein einziges Kind laufen lernte.“

Und über ihre eigene Mutter:

„Ich machte sie für einige Zeit meines Lebens verantwortlich, dass sie uns Kinder öfter vernachlässigte, weil sie in unserem Hotel hart arbeiten musste. Sie tat damals nur, was sie tun musste, und sie hatte oft ein schlechtes Gewissen dabei und vor allem Sehnsucht nach uns, doch hatte sie gar keine andere Wahl. Und sie ahnte auch nicht, wie sehr sie uns fehlte und dass wir manchmal wirklich außerordentlich unter der Trennung litten.“

Doch nicht nur der Muttermythos wird hier ein weiteres Mal beschworen, Eva Herman stellt nun all ihre Thesen noch deutlicher als zuvor in einen göttlichen Zusammenhang:

„Mein Mann ist mir eine große Hilfe. Er unterstützt mich, wo er nur kann. Und er selbst hat den Weg zu Gott ebenfalls gewählt. Wir können stundenlang durch die Natur laufen, am Wasser sitzen oder auf den Gipfel eines Berges wandern, um dort innezuhalten und zu beten.”

Und:

„Es gibt mehrere Ziele, die mich leiten. Das größte und wichtigste ist, Gottes Willen zu respektieren und seine Schöpfung zu lieben und zu achten. Das ist unsere grundsätzliche Aufgabe hier auf Erden.”

Abschließend verrät Eva Herman der Bild-Zeitung bzw. ihrem Interviewer noch, sie bete für Alice Schwarzer. Warum?

„Alice Schwarzer hatte, als zum ersten Mal öffentlich über meine Thesen diskutiert wurde, hinter meinem Rücken eine Denunziation im großen Stil losgetreten. (…) Seit einiger Zeit bete ich für Alice Schwarzer. Wer seinen Gegnern in Liebe begegnet, kann mit Hilfe des Himmels Gutes erreichen. Ich bete für ihre Erkenntnis.“

Na dann.

Jetzt kommt de Muddi!

Thursday, April 17th, 2008 von Katrin

Eine noch recht neue Neon.de-Userin, gerade erst von mir entdeckt, um die 50, kräftig und mit einem gesegneten Maul ausgestattet, sacht, wie et iss. Erklärt uns die Jugend, die Männer und natürlich: die (Alpha-)Frauen.

Ich habe herzhaft gelacht und möchte hier niemanden diesen Text vorenthalten: Isch bin et, de Muddi!. Kleiner Auszug gefällig?

“Überhaupt, war de Mann nu ma de Chef im Haus. Abba, dat kann isch schon verstehn’, wenn de Kerle sisch verpissen anstatt die Olle ma anständisch über de Küschentisch zu knallen. So zickisch wie die Weibsbilder heutzutage sind. Dat Alize Schwarzer sollte man keulen. Iss doch escht wahr!”

hach, Muddi.

MS-Mamafreundlichkeit

Tuesday, January 29th, 2008 von Barbara

Das Unternehmen Microsoft, so ein Bericht des aktuellen Spiegels, glänzt durch Mamafreundlichkeit. Nicht nur, dass Frauen bei gleicher Qualifikation bevorzugt eingestellt werden würden, auch für Mütter setzt sich der Konzern ein. Home Office, Teilzeitarbeit, Glauben an die Mitarbeiterinnen und ihre Kraft - so werden Frauen mit Kindern nicht auf die Blacklist gesetzt, sondern gefördert.

Hinzu kommt, dass der deutsche MS-Geschäftsführer an weibliche Führung glaubt. Er hat sich nicht nur die Studie “Women Matter” von McKinsey, die zeigt, dass Frauen in der Führungsebene Unternehmen in finanzieller und organisatorischer Hinsicht gut tun, zu Herzen genommen, sondern auch eine der US-amerikanischen Frauenorganisation Catalyst:

“Wo sich mindestens drei Frauen im Vorstand finden, steigen die Erträge nachweislich. Drei allerdings müssen es sein, um die dominierende Kultur in einer Gruppe zu beeinflussen. Die klassische Einzelkämpferin, so viel steht fest, kann nichts verändern. Entweder sie passt sich dem männlichen Verhaltenskodex an - oder sie scheitert.”

Fünf Top-Managerinnen gibt es bei Microsoft, der immer wieder zu einem der beliebtesten Arbeitgeber Deutschlands gewählt wird. Die Damen in der Führungsetage sind allesamt Mütter. Eine Seltenheit in der Wirtschaftswelt. In punkto Gleichstellung liegt der Konzern also vorn - Lob für die MS-Mamafreundlichkeit.

Heute werden Mythen zerstört II

Thursday, January 17th, 2008 von Susanne

Die letzten beiden Jahre war nur wenig nervtötender und falscher als die gebetsmühlenartige Behauptung konservativer Idioten, die Frauen dieses Landes könnten den demografischen Wandel stoppen, indem sie mehr Kinder kriegen. Im letzten Jahr wurden nun 17.000 Kinder mehr als in 2006 geboren - ein allerorts gefeierter Geburtenrekord von 690.000 Kindern - und trotzdem geht die Bevölkerungszahl dieses Landes zurück. Das meldete gerade das Statistische Bundesamt in Wiesbaden und tritt damit Schirrmacher und Co. und ihrer, nun ja, schlichten Ursache-Wirkung-Logik in den Arsch.

Heute werden Mythen zerstört I

Thursday, January 17th, 2008 von Susanne

Annegret Kramp-Karrenbauer ist erst seit ein paar Tagen Präsidentin der Kultusministerkonferenz, hat aber als erste Amtshandlung etwas ganz hervorragendes angekündigt: Sie will die frühkindliche Bildung verbessern. Soll heißen: Kindertagesstätten und Kindergärten sollen in nicht allzu ferner Zukunft von Akademikerinnen und Akademikern geleitet werden. So soll der Beruf “Erzieher/in” besser bezahlt werden und mehr Aufstiegschancen bieten.

Doch nicht nur das ist mehr als löblich. Eine akademische Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher wird auch dafür sorgen, dass die breite Masse der Deutschen Kindertagesstätten nicht mehr als “Verwahranstalten” wahrnimmt und sich das gesellschaftliche Klima hoffentlich so ändert, dass Frauen in einigen Jahren nicht mehr schief angesehen werden, wenn sie ihre Kinder schon mit wenigen Monaten in öffentlichen Einrichtungen betreuen lassen. Heute müssen Mütter sich ja immer noch vorwerfen lassen, sie würden ihren Kindern mutwillig psychische Traumata zufügen, wenn sie sich nicht bis zum dritten Lebensjahr selbst um sie kümmern.

Frau Kramp-Karrenbauer, wir schicken Ihnen Blumen.

(Foto: CDU Saar)

Frauen an den Herd! Es gibt auch eine Prämie

Tuesday, January 15th, 2008 von Susanne

Die “Herdprämie” ist heute zum Unwort des Jahres gekürt worden - mit der Begründung, es sei würde “Eltern und vor allem Frauen diffamieren, die sich für eine Kindererziehung zu Hause aussprechen”.

Ich bin da völlig anderer Meinung: Die Herdprämie ist eine finanzielle Belohnung dafür, dass Frauen sich aus dem Berufsleben zurückziehen, um ihren Nachwuchs großzuziehen, “der sonst in Kitas verwahrlosen würde”, wie Spiegel Online die christdemokratische Idee ironisch übersetzt. Klar, das Betreuungsgeld würde auch Vätern gezahlt werden, aber wer bitte glaubt denn daran, dass die Väter plötzlich massenweise ihren Beruf aufgeben, nur weil es ein paar Piepen vom Staat gibt? Also.

Immer mal wieder fordern ja Frauen, dass ihre Arbeit zu Hause auch bezahlt werden sollte. Einerseits dachte ich mir dann: Klar, das ist ja auch echt ätzend, dass sie ihrem Mann den Rücken freihalten, ohne dafür ausreichend Anerkennung zu bekommen. Und der Mann kann ihnen immer schön vorhalten, dass er das Geld nach Hause bringt. Das ist scheiße. Aber die Bezahlung der Hausfrauen- und Mütterarbeit ändert nichts an diesen Zuständen und wird auch nicht dafür sorgen, dass Hausfrau und Mutter plötzlich ein hoch angesehener Beruf wird. Weil es kein Beruf ist! Es ist eine Aufgabe, die sich Frau und Mann gefälligst teilen sollen. Ein Hausfrauengehalt dagegen würde alte Geschlechterrollen festklopfen. Weil sich doch jede berufstätige Frau fragen lassen müsste, wieso sie ihr Geld woanders als in den eigenen vier Wänden verdienen will. In so einer Gesellschaft will ich aber nicht leben.

Und ein weiteres großes Problem hat die Herdprämie: Vor allem ärmere Familien würden ein Betreuungsgeld in Anspruch nehmen, weil sie auf das Geld angewiesen sind. Das heißt, dass ihre Kinder nicht von Anfang an die größtmögliche Förderung durch Betreuungsangebote und geschulte Pädagogen bekommen würden. Gerade aber Kinder aus den unteren Gesellschaftsschichten und aus Migrantenfamilien müssten so gut wie möglich integriert und gefördert werden, damit sie alle Chancen im Leben haben. Stattdessen werden sie von Anfang an ausgeschlossen - und wenn es richtig blöd läuft, werden sie kriminell. Und genau das, nämlich das Thema Jugendkriminalität, hat die hessische CDU gerade zum großen Wahlkampfthema erhoben. Anstatt aber mal mitzudenken und zu versuchen, Kinder aus allen Milieus zu integrieren, soll nur abgeschoben oder eingesperrt werden.

Die gleiche CDU und die CSU freuen sich nun öffentlich, dass eine unabhängige Jury von Wissenschaftlern bestätigt habe, was sie schon lange propagieren - Familie ist das Wichtigste auf der ganzen großen Welt, vor allem für Frauen. Und Kinder können nur zu gesunden Menschen heranwachsen, wenn Mutti ihnen bis zur Einschulung den Hintern abgewischt hat. Usw. usf. - wir kennen das alles. Entschuldigt mich, ich gehe jetzt brechen.

(Foto über welt.de)

Gebär-Bummelei galore

Sunday, January 13th, 2008 von Barbara

Zeit Im aktuellen Zeit Magazin Leben macht sich Iris Radisch Gedanken über die “Gebär-Bummelei”, also die Tatsache, dass die deutschen Frauen statistisch mit 26 Jahren erst Kinder kriegen, im Gegensatz zu den afghanischen etwa, die im Teenageralter schon Mütter werden. Internationale Vergleiche hinken in den meisten Fällen, und auch die Statistik belegt nur das, was wir belegen wollen. Radisch bricht also eine Lanze für die Zeit, die wir uns mit der Mutterschaft lassen:

Dieser Artikel möchte zur Entspannung beitragen und einer übereilten Rückkehr in afghanische Verhältnisse vorbeugen. Es gibt keinen Grund zur Panik. Im Gegenteil: Die Bummelei, fast jede Art von Bummelei, ist eine Kulturleistung, ein unbedingt zu verteidigender Zugewinn an Freiheit und Selbstbestimmung. Die Freiheit zur Gebär-Bummelei im Speziellen ist ein immenser Zugewinn an weiblicher Autonomie. Man darf sich Zeit lassen.

Die Gründe für die deutschen Frauen, eher später als früher zu gebären, sind ebenso vielfältig wie die der afghanischen Frauen, eher früher als später zu gebären. Neben denen, die Radisch für die deutschen Frauen aufzählt (Ausbildung, Berufsleben, Lebenslust etwa), kommt noch ein gewaltiger dazu: Nicht jeder Mann an der Seite einer Frau eignet sich, ein guter Partner für das Projekt Gebären zu werden. Man muss schon auch wollen.