Einträge mit dem Tag ‘Muslima’


Emanzipatorische Kinderliteratur, Stand your Ground und Pille danach – kurz notiert

26. März 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 228 von 243 der Serie Kurz notiert

deutschprachige Links

Die Regierung räumt ein, dass die „Pille danach“ keine schwerwiegenden Nebenwirkungen hat. An der Rezeptpflicht will sie trotzdem festhalten, so die taz.

Gegen 500 Teilnehmer_innen an der Demo gegen den Wiener Akademikerball wird jetzt wegen Landfriedensbruch ermittelt. Aber was bedeutet das überhaupt? FM4 hat Antworten.

Am zweiten März-Wochenende fand in Berlin die Konferenz Care Revolution statt. Die Teilnehmer_innen haben gemeinsam eine Resolution mit Forderungen erarbeitet und wollen sich nun regelmäßig treffen, um weiter zusammen zu arbeiten. Die Resolution könnt ihr auf der Konferenzseite nachlesen.

Das migrationspolitische Portal der Heinrich-Böll-Stiftung hat ein neues Dossier veröffentlicht, das sich mit emanzipatorischer Kinderliteratur befasst, u.a. mit Beiträgen von Tupoka Ogette und Maisha Eggers.

englischsprachige Links

Ballandalus proträtiert 15 wichtige Muslima der Geschichte.

Colorlines intiierte ein Gespräch zwischen Zadie Smith und Chimamanda Ngozi Adichie zu postkolonialen Literaturen. Auf selbem Portal könnt ihr euch den Talk als Videomitschnitt ansehen.

MSNBC hat eine Studie zum “Stand your ground”-Gesetz durchführen lassen, das spätestens nach den Morden an Renisha McBride, Trayvon Martin und Jordan Davis in die Kritik geraten ist. Stand your Ground wird immer wieder verteidigt, da es angeblich die Rechte von von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen stärke, weil das Gesetz aus Notwehr begangene Tötungsdelikte gegen gewalttätige Partner rechtfertige. Nicht nur der Fall von Marissa Alexander, die lediglich einen Warnschuss abgab, um sich vor ihrem Ehemann zu schützen, der sie umbringen wollte und der nun eine Haftstrafe von 60 Jahren droht, sondern auch die Studie im Auftrag von MSNBC zeigen deutlich, dass Stand your Ground weder Betroffene von häuslicher Gewalt schützt, sondern im Gegenteil zu rassistisch und sexistisch motivierten Gewalttaten führt.

Jill Andrew von Fat in the City hat einen Talk veröffentlicht, der sich mit Körperbildern, Fat Shaming und dünner Normalisierung auseinandersetzt.

Auf Norient.com könnt ihr euch Videos queerer Hip Hop Künstler_innen anschauen.

Das Karl May Museum in der Nähe von Dresden weigert sogenannte “Skalps” an Native Americans in den USA herauszugeben, in den USA ist die Ausstellung solcher seit 1990 schon verboten, berichtet der Guardian.

Termine

An diesem Wochenende findet im AZ Mülheim die Open Stage Veranstaltung Reclaim The Stage statt, bei der Kreative, Musiker_innen, Künstler_innen, Interessierte eingeladen sind die Bühnen zu entern und kreativ zu werden. Los geht’s um 15 Uhr, die Veranstaltung richtet sich an FLT*I.

Am 8. April eröffnet die Fotoausstellung junger lesbischer Frauen in Namibia im Haus der Demokratie und Menschenrechte Berlin. Die Ausstellung ist bis zum 5. Mai 2014 werktags von 10 – 17 Uhr zu sehen.

Mädchenfestival von „Lauter Mädchen!“: Mädchen-Bands, Musikerinnen, Künstlerinnen, Dichterinnen, Tänzerinnen… am 24.Mai 2014 im Jugendfunkhaus in Berlin-Lichtenberg.


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Ladyfest Mainz, NSU-Abschlussbericht und Konferenz zu Feminismen of Color – Kurz Notiert

29. August 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 201 von 243 der Serie Kurz notiert

Künstlerinnen wie M.I.A., Madonna oder Lady Gaga wollen mit ihren Burka-Perfomances anscheinend Diskussionen anregen, besonders kontrovers erscheinen oder verstehen sich gar als solidarisch mit burka­tragenden Frauen. Eren von MuslimahMediaWatch kritisiert diese paternalistische Aneignungs­praxis und fragt: Wann verstehen wir endlich, dass profit­orientierte Kontroversen keinen gesell­schaft­lichen Wandel anregen?

Die Berliner Zeichnerin Soufeina Hamed beschreibt ihren Alltag als Muslima in Form kurzer Comicstrips.

Nach der Babypause erleben Wieder­einsteiger_innen oftmals ihr blaues Wunder. Der alte Job ist weg, die Wert­schätzung auch, berichtet dieStandard.at.

Miley Cirus ist bei den MTV Video Music Awards’s aufgetreten und hat eine Menge Kritik für ihre “übersexualisierte” Show bekommen. Lachrista Greco kritisiert, dass die Sexualität von Cyrus ja wohl ihre Sache sei und merkt an, dass die Kritiker_innen lieber die rassistischen Elemente ihres Auftritts in den Blick nehmen sollten.

In den USA wäre es wohl zu einer weiteren Tragödie an einer Schule gekommen, wenn Antoinette Tuff nicht beherzt eingegriffen hätte (englisch­sprachig).

Auf dem Reproductive Justice Blog gibt es einen englisch­sprachigen Artikel über Mitstreiter_innen (“Ally”) in aktivistischen Kämpfen (also z.B. weiße Frauen bei anti-rassistischen Kämpfen). “Verbündete_r zu sein ist ein kontinuierlicher Prozess. Es ist Praxis. Es ist niemals zu Ende.”

Und wie könnte diese Praxis aussehen? Ein englisch­sprachiges Video gibt Aufschluss: wachsam und Unterstützer_in sein in diskriminierenden Situationen.

Tumblr-Fans aufgepasst, es gibt ein cooles neues englisch­sprachiges Tumblr mit vielen Bot­schaften, warum Fat Acceptance wichtig ist: ineedfatacceptance.tumblr.com.

Der Palästinenser Karim H. war unter den ersten, die die von Rechten bekämpfte Geflüchteten-Not­unterkunft in Hellers­dorf bezogen – und sofort wieder verließen. Die taz und der Tagesspiegel führten Interviews mit ihm. Der Bezug Unter­kunft geht trotzdem weiter. Es wird aber niemand zum Umzug in das Heim gezwungen, so die Berliner Morgenpost.

Die Jungle World sprach mit Osman Osmani, dem Gründer der NGO »Initiative 6« aus Prizren, die sich für Roma, Ashkali und andere diskriminierte Minder­heiten im Kosovo einsetzt.

In den USA gibt es eine neue Serie, die viel Aufmerksamkeit, aber auch Kritik erntet: Orange Is The New Black. Die Besetzung ist sehr vielfältig, es tauchen nicht die immer gleichen weißen, schlanken, normschönen Schauspieler_innen auf. Eine davon ist Dascha Polanco, die auf NBCLatino ein Interview gab und u.a. über ihre Unsicherheiten sprach, sich in der Filmindustrie auf Rollen zu bewerben, weil sie zu befürchten hat, dass sie auf Grund ihres Gewichts nicht in das normierte Hollywood-Schema passt.

Nach 19 Monaten kommt der NSU-Ausschuss im Bundestag zu einem ver­nichtenden Urteil: „Ein nicht vorstell­bares Versagen“, titelt die taz. Der Tagesspiegel berichtet, dass das Bundes­innen­ministerium kritische Sätze aus dem Abschluss­bericht des NSU-Untersuchungs­ausschusses streichen lassen will.

Die Whistle Blowerin Chelsea Manning hat im Guardian ein Statement zu ihrem nun folgenden Transitions­prozess abgegeben.

Die österreichischen Grünen sorgten mit einer fragwürdigen Wahl­werbung für eine gehörige Portion Kritik. Auf dem Plakat sind zwei Schwarze Reinigungs­kräfte zu sehen, unter­titelt wird das Plakat mit “Und wer putzt bei dir?“. Darauf­hin formulierten Initiativen und Vereine wie ADEFRA, ISD, maiz – Autonomes Zentrum von & für Migrantinnen oder migrazine.at eine öffentliche Kritik: “Wir wehren uns gegen die unreflektierte Ver­wendung von Bildern als Auslöser für Diskussionen, die auf dem Rücken von Schwarzen Frauen*, Women* of Color und Migrantinnen* aus­getragen werden, und so unsere Stimmen und Wider­stände unsichtbar machen.”

Lisa e.V., ein Mädchen- und Frauenladen für interkulturelle Sozialarbeit hat sich bei Quartiermeister um eine Förderung beworben. Abstimmen könnt ihr noch bis zum 1. September.

Beate Schücking ist eine von sehr wenigen Frauen an der Spitze einer deutschen Universität. Sie wurde bekannt, als die Uni Leipzig beschloss, Hochschullehrer als “Professorin” zu bezeichnen. Ein Portrait gibt’s in der Zeit.

Termine in Berlin, Hamburg und Mainz nach dem Klick

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Rassistische Normalzustände – kurz verlinkt

22. August 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 200 von 243 der Serie Kurz notiert

In der vergangenen Woche haben sich allerhand spannende Linktipps angesammelt – daher gibt es diese Woche “Kurz verlinkt” gleich zweimal. Hier Teil 2.

Heute jähren sich die Angriffe auf die zentrale Aufnahmestelle für Geflüchtete und ein Wohnheim für ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter_innen in Rostock zum 21. Mal. Auch 21 Jahre später müssen Asylsuchende in Deutschland um die Sicherheit in ihren Unterkünften bangen.

Die Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt (KOP) und der Migrationsrat Berlin Brandenburg e.V. rufen auf zur Solidarität mit Ayfer H. (Hintergrundinfos ab Seite 132 in der Chronik) und mobilisieren gemeinsam mit ihr zur Prozessbeobachtung. Wann? Am Mittwoch, den 28. August 2013 um 11:30 Uhr. Wo? 64. Strafkammer des Landgerichts, Turmstraße 91, 10559 Berlin, Raum 731.

Alltagsrassismus erleben auch Reiche und Prominente, wie u.a. in der Süddeutschen Zeitung zu lesen ist: “Der eigentliche Skandal ist nicht, dass sich jemand weigerte, Oprah Winfrey eine teure Handtasche zu zeigen. Der Skandal ist, dass sich jemand weigerte, einer schwarzen Frau eine teure Handtasche zu zeigen. Dass es sich dabei um die berühmte Unternehmerin handelte, verhilft dem Fall, der sonst wohl nie an die breite Öffentlichkeit gelangt wäre, zu Bekanntheit. Mehr nicht.”

Die Jüdische Allgemeine meldet einen krassen Fehlgriff bei eben dieser Zeitung: Mit einem Foto eines Bahngleises des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau hat die Süddeutsche am Montag eine Leser_innenbriefseite zum Bahnchaos am Mainzer Hauptbahnhof illustriert.

Dass Frauen, die aus vermeintlich religiösen Gründen ein Kopftuch tragen, es schwer haben, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden, war bekannt. Dass diesen Frauen aber mehr als jeder dritte Betrieb verschlossen bleibt, geht nun aus einer aktuellen Studie der Pädagogischen Hochschule Freiburg hervor, über die das Migazin berichtet.

Die taz berichtet über das Leben von Rroma-Familien in Serbien, die aus Deutschland abgeschoben wurden.

Ebenfalls in der taz: „Ich kam als Opfer rein und ging als Täter wieder raus“ – ein Bericht über Vergewaltigungen unter dem Einfluss sogenannter K.O.-Tropfen.

Eine neue TV-Serie über das Leben im Gefängnis, “Orange Is The New Black”, wird in der feministisch-kritischen US-amerikanischen Blogosphäre heiß diskutiert. Ein Interview mit einer der Schauspieler_innen gibt es nun bei Autostraddle [auf Englisch].

Mutmaßlich als Zeichen gegen menschenfeindliche homophobe Gesetze in Russland haben sich zwei russische Athletinnen bei der Leichtathletik-WM während der Medaillenvergabe geküsst - vermutlich drohen ihnen deswegen  Sanktionen [Text auf Englisch] Edit: Offenbar sind die beiden Sportlerinnen von dieser Interpretation ihrer Aktion nicht sonderlich begeistert

Cheryl Sandbergs “Lean In”-Webseite hat ironischerweise ein unbezahltes Praktikum ausgschrieben. Bei der The Ed Show sprechen Zerlina Maxwell und Keli Goff über den Kampf für gerechte Löhne und welche Ausschlüsse solche Praktika produzieren [auf Englisch].

Viele Tipps zur Selbstfürsorge gibt es bei Scarleteen [auf Englisch].

Warum thin-shaming, die Abwertung von als dünn gelesenen Körpern,  falsch und fies ist, aber nicht das Pendant zu fat-shaming, erklärt Lindy West auf Jezebel [auf Englisch].

Im New Statesman erklärt Laurie Penny Männern* nochmal den Unterschied zwischen individueller Schuld an und individueller Verantwortung für Sexismus – und fordert dazu auf, letztere zu übernehmen [auf Englisch].

Von wegen Höhlenmenschen und Evolution und so: Die allgemein verbreitete Überzeugung, dass Männer* grundsätzlich mehr an Sex interessiert seien als Frauen*, ist relativ neu, wie Alyssa Goldstein bei Alternet berichtet [auf Englisch].

Mädchen im Alter zwischen vier und acht Jahren sagen, was sie an ihren Körpern mögen: Was der Körper tun kann, ist wichtiger als wie er aussieht [auf Englisch].


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Heroische Frauen, mieser Journalismus – kurz verlinkt

10. Juli 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 197 von 243 der Serie Kurz notiert

Minna Salami schreibt auf Ms. Afropolitan über afrikanische Feminismen und ihre Geschichte (englischsprachig)

Der neue Wegbereiterinnen Kalender ist da! Der Wandkalender im Format DIN A 3 präsentiert auch in diesem Jahr zwölf aktive Frauen aus der Geschichte (PDF).

Zwei Musikerinnen des Pussy Riot-Kollektivs sind inkognito auf Tour. Die taz hat sie interviewt.

Laut dem Handelsblatt haben auch konservative Regierungsabgeordnete in Costa Rica für ein neues Ehe-Gesetz gestimmt – allerdings offenbar ohne sich den Text vorher genau durchzulesen, denn das Gesetz erlaubt auch lesbische und schwule Ehen.

Auch im deutschen Bundesrat standen dieser Tage spannende Themen auf der Agenda: erleichterter Zugang zur “Pille danach”, die Gleichbehandlung schwuler und lesbischer Ehen im Einkommenssteuerrecht und die Möglichkeit der vertraulichen Geburt.

Die Filmindustrie schließt Frauen systematisch aus, stellt nun auch die Süddeutsche Zeitung fest.

Der Sportjournalismus ist nicht viel besser: Angesichts des Wimbledon-Erfolgs von Tennisspieler Andy Murray war vielfach zu hören und zu lesen, dass dieser “seit 77 Jahren der erste britische Sieg” sei – was allerdings nur dann stimmt, wenn man die vier Tennisspielerinnen nicht mitzählt, die in dieser Zeit in Wimbledon gewonnen haben (englischsprachig).

Das superbe US-amerikanische Bitch Magazine macht auch diesmal wieder einige Artikel aus der Print-Ausgabe online zugänglich – darunter eine Kulturgeschichte des Phänomens Junggesellinnenabschied, eine Analyse der Diskussionen um den Feminismus von Popstar Beyoncé und der Erklärung, warum Fett ein queeres und feministisches Thema ist. Welche_r es sich leisten kann: große Abo-Empfehlung!

In ihrem Spoken-Word-Vortrag “Embarrassed” wendet sich Hollie McNish gegen die doppelmoralischen Einschränkungen, denen sie sich als stillende Mutter im öffntlichen Raum ausgesetzt sah (englischsprachig).

Die New York Times erinnert daran, dass “Rasse” keine biologische, sondern eine soziale Kategorie ist (englischsprachig).

In Deutschland geht die Kampagne gegen racial profiling in die zweite Runde: “Es handelt sich dabei um eine von der Kampagne Opfer rassistischer Polizeigewalt (KOP) und der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) initiierte Beschwerdebrief-Aktion an die Bundespolizei, die Menschen auf einem niedrigschwelligen Niveau handlungsfähig machen und das strukturelle Problem des Racial Profiling sichtbar machen soll”.

Vor 20 Jahren wurde die feministische Musikikone Mia Zapata ermordet; ByteFM erinnert.

s.e. smith schreibt bei XOJane: “Ob es euch passt oder nicht – der westliche Yoga-Hype ist ein Paradebeispiel für kulturelle Aneignung” (englischsprachig).

Über heroische Leistungen von Piloten wird bisweilen viel gesprochen – was aber ist mit dem Kabinenpersonal, deren Fähigkeiten und Einsatz bei Notfällen, fragt Lisa Wade bei Sociological Images (englischsprachig)?

In vielen Regionen hat heute der Ramadan begonnen. Zu diesem Anlass gibt Muslimah Media Watch sechs Tipps für das Schreiben und Sprechen über  muslimische Frauen (englischsprachig). Ramadan Mubarak!

Termine in Berlin, Mainz, Halle/Saale und Hamburg nach dem Klick: (mehr …)


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Trans*-Schwimmen, Wehrpflicht und (mal wieder) Femen – Kurz Notiert

4. Juli 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 196 von 243 der Serie Kurz notiert

In einem Interview auf vice.com kritisiert die Sexarbeiterin Nina FEMEN und spricht über ihre Arbeit: “Wenn du darunter leidest, solltest du dir Gedanken machen. Das gilt für jeden Job. Klar macht es nicht immer Spaß, aber was macht schon immer Spaß? Ich arbeite generell ungerne. Arbeit fühlt sich für mich immer gleich schlecht an. Ob ich einem Mann einen runter hole oder ob ich im Call Center arbeite. [...] Im Grunde müsste man die Armut abschaffen.”

Einen englischsprachigen Artikel zum Thema “Wenn deine Mama sagt, dass sie zu fett ist” findet ihr auf rolerboot.org.

Auf migrazine gibt es ein empfehlenswertes Interview mit der Erziwhungswissenschaftlerin Maureen Maisha Eggers über die Bedeutung antirassistischer Sprachinterventionen und neue Räume der Solidarisierung.

Du hast große Schmerzen und musst deine Gallenblase entfernen lassen? Geht nicht, denn das Gesetz erschwert es dir. Klingt komisch? Oh ja. Wie wäre es, wenn jeder medizinische Eingriff so politisiert werden würde, wie das mit reproduktiven Rechten geschieht? Ein englischsprachiges Gedankenspiel:

Laurie Penny hat einen Artikel über die Darstellung von Frauenfiguren geschrieben und welchen Einfluss es hat, wenn Frauen häufig nur die Rolle des “Manic Pixie Dream Girls” angeboten wird.

Charlott hat ein Radiointerview zum Thema “Wehrpflicht für alle – ein feministischer Erfolg?” gegeben.

Was aus queer-aktivistischer Perspektive gegen das Engagement für das Recht auf Ehe für alle spricht, erklärt Mansi Kathuria auf feminspire (englischsprachig). 

Das Gesetz zum Unterhaltsvorschuss wurde verbessert, juhu – allerdings so geringfügig, dass eigentlich niemand was davon hat, zumindest nicht die, denen das ganze eigentlich nützen soll, meint Silke Baumgarten auf brigitte.de.

Mädchen wissen es am besten: das Problem liegt nicht darin, welche Farben sie mögen, sondern in einschränkenden Rollenerwartungen und im Vorenthalten von Angeboten (englischsprachiges Video).

Im Prozess gegen den Mörder von Trayvon Martin wurde einer Zeugin der Anklage übel mitgespielt, sie wurde nicht nur im Verfahren hart angegangen, sondern auch öffentlich verhöhnt. Solidarität für Rachel Jeantel gab es aus der US-amerikanischen antirassistischen feministischen Blogosphäre (englischsprachig).

Laetitita Schteinberg schreibt über die kontinuierliche Gewalt, der sie als Trans*-Frau ausgesetzt ist (englischsprachig).

Im Bitch Magazine findet ihr Auszüge aus drei Essays muslimischer Mädchen, die erläutern, warum sie sich für oder gegen das Tragen eines Kopftuchs entscheiden haben und was dieses für sie bedeutet (englischsprachig).

Trudy von Gradient Lair erklärt nochmal anschaulich, was es mit “umgekehrter Diskriminierung” auf sich hat (englischsprachig).

Termine in Berlin, Celle und Gießen und ein Volontariat bei der taz nach dem Klick

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Ehegattensplitting, “Hipster Headdress” und Antifeminismus – kurz notiert

11. April 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 184 von 243 der Serie Kurz notiert

Was ist eigentlich Maskulismus? Sind alle Männerrechtler grundsätzlich rechts? Und was bitte ist ein “lila Pudel”? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert derFreitag in einem Artikel zum Thema Antifeminismus.

In ihrem gerade erschienen Buch geht Mädchenmannschaftskolumnistin Dr. Maria Wersig der Frage nach, warum eine Regelung aus den 1950er Jahren, deren Einführung mit der „besonderen Anerkennung der Aufgabe der Ehefrau als Hausfrau und Mutter“ begründet wurde, nach Jahrzehnten des gesellschaftlichen Wandels und Jahrzehnten der Kritik immer noch unverändert Bestand hat: “Der lange Schatten der Hausfrauenehe. Zur Reformresistenz des Ehegattensplittings”.

Zeugt der “Hipster Headdress” von Wertschätzung oder Respektlosigkeit?  Ist es unsensibel, wenn ich mir einen Traumfänger über’s Bett hänge? Bei Jezebel wird nochmal ausführlich erklärt, was es mit kultureller Aneigung (cultural appropriation) auf sich hat, wo dabei die Probleme liegen und wie sich respektvoll mit kulturellen Symbolen und entsprechenden Produkten umgehen lässt. Schon ein paar Monate alt, aber nach wie vor hilfreich.

Nicht nur  westliche Feminist_innen  grenzen sich von Femen ab: Nachdem Femen einen “International Topless  Jihad Day” als Solidaritätsbekundung für ihre Mitfrau Amina Tyler ausgerufen hatte, wurde mit dem “Muslimah Pride Day” eine Gegenaktion gesetzt, um sich gegen Vereinnahmungen zu wehren. Nacktproteste haben die Femen allerdings nicht erfunden: Auf okayafrica.com gibt es einen Bericht über die Tradition von Nacktprotesten in verschiedenen afrikanischen Ländern.

Es ist schwer Rassismus zu erkennen, wenn du weiß bist – NOISEAUX hat auf ihrem Tumblr eine hilfreiche Liste mit vielen Ressourcen zum lesen und lernen verlinkt (auf englisch).

Wie mensch sich am besten nicht entschuldigt – eine Anleitung gibt es auf Jezebel.

Pia Glenn beschreibt auf xojane.com viele schreckliche Szenen von Street Harassment - über drei Jahrzehnte ihres Lebens.

Brad Paisley and LL Cool J haben einen Song rausgebracht: “Accidental Racist”. Warum der Song eine Menge Rassismus reproduziert, erklärt Ta-Nehisi Coates auf The Atlantic.

Tom Matlack ist einer der Gründer von The Good Men Project. Das klingt in der Theorie nach einer pro-feministischen Initiative, aber die Praxis zeigt: Matlack disst öffentlichen feministische Aktivistinnen, möchte für seinen “feministischen” Aktivismus eigentlich nur gelobt werden und verträgt keinerlei Kritik.

Termine in Bochum, Bonn, Berlin, Hamburg, Mülheim an der Ruhr und Weimar:

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Keine Sternstunden, viele Privilegien und starke Stimmen – kurz verlinkt

6. März 2013 von der Mädchenmannschaft

Erinnert ihr Euch noch an die Oscars, den Kater danach? Haben weiße Feminist_innen die Angriffe auf Quvenzhané Wallis ignoriert? Es ist eine empirische Frage. Sie ist jetzt ausgewertet und analysiert.

“Für wie doof hält der Stern seine Leserinnen, wenn solchen Worten keine Taten folgen?“ fragt Annette Bruhns, Vorsitzende von ProQuote Medien, zur “neuen” Chefredation beim Nachrichtenmagazin Stern und seiner versprochenen Frauenquote.

Ab wann ist mensch fett, dick? Es kann sich je nach Kontext verändern, findet Jocelyn. Eines verändere sich jedoch nicht, das Privileg dünn zu sein, die Frage nach Würde und der Repräsentation.

Puh, machmal ist es echt schwierig Rassismus zu erkennen… Hier eine wertvolle Lektüre für weiße Gutmenschen  und alle Interessierten.

Bild 1“Support Queer Women of Color Media. Support ELIXHER Magazine. ELIXHER is an award-winning online destination for Black lesbian, bisexual, transgender and queer women. We are committed to making ELIXHER self-sustainable.” Anschauen, unterstützen, weiterleiten. Großartiges Projekt.

Trans* und “gefangene” Körper in den Medien: “Ich bin nicht in meinem Körper gefangen. Ich bin gefangen in euren Vorstellungen. Und ich werde diesen Körper zurückfordern von jenen, die ihn atmen lassen wollen und ihn mit ihren Dogmen ernähren.”

Ein offener Brief an Amanda Marcotte: Ein tweet und “die Brücke, die mein Rücken ist.” Aneignungen, weißer Feminismus und Brownfemipower.

20 Dinge, die Lesben nicht mehr hören wollen. Vorschau: “You’re probably just doing it to get attention from men” Nope, that was Katy Perry.

Du willst ein ally/Bündnispartner sein? Eine kleine Anleitung.

Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter e.V. (VAMV) kritisiert den vierten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung:  “Alle Jahre wieder steht es schwarz auf weiß: Alleinerziehende und ihre Kinder sind überdurchschnittlich oft arm”.

Das Ms. Magazine berichtet über die Online-Ausstellung ‘Don’t Miss Muslima!’ beim International Museum of Women.


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Lesestoff für das ganze Wochenende – die Blogschau

26. Januar 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 189 von 254 der Serie Die Blogschau

Im Pfuilleton (danke, Sabine :) ) wird ja derzeit ständig behauptet, man könne Kindern rassistische Begriffe doch einfach “erklären”.  Schwarze Kinder hat dabei offenbar kaum jemand im Sinn…
Bei Bühnenwatch hat sich Anneke Gerloff  die Mühe gemacht, viele der in der Kinderbuchdebatte breitgetretenen white-supremacy-Argumente  auseinander zu nehmen. Auch Anarchistelfliege schreibt über den rassistischen Backlash, verlinkt gute Beiträge  und fasst nochmal einiges zusammen. Außerdem gibt es dort noch ein paar erläuternde Gedanken zum Unterschied zwischen Befindlichkeit und Betroffenheit.

Body policing und body shaming sind machtvolle Facetten von Sexismus – damit einher geht das oftmals komplett verinnerlichte Bewusstsein, dass der eigene Körper permanent von anderen wahrgenommen, reguliert, be- und abgewertet wird.  Nahezu alle Frauen* sind davon betroffen. Besonders krass erfahren das allerdings dicke Frauen*, denen ihr  “Versagen” im Kampf um das Erfüllen bestimmter Normen permanent vor Augen geführt wird.  Riotmango rantet gegen das Verleugnen von Privilegien, die schlanke Menschen in diesem Kontext gegenüber dicken haben.

Kotzen über das Erzbistum Köln und Verhütungspolitik:  ein offener Brief mit Hintergrundinfos.

Kinder und Jugendliche werden von Erwachsenen mit einer Menge Ansprüchen und Erwartungen konfrontiert – auch in links-alternativen Umfeldern, wie Somlu beschreibt.

Warum sie sich die offenbar obligatorische Diät zum Jahresanfang getrost spart, schreibt Katrin auf Reizende Rundungen. Toll aussehen geht sowieso auch hervorragend ohne.

Eine Taxifahrerin lehnt die Beförderung eines Fahrgastes ab, der sie bei einer vorherigen Fahrt sexuell belästigt hat. Bald darauf folgt die Kündigung, sie sei nicht „hart genug für diesen Beruf“ – das Mädchenblog berichtet über den unfassbaren Vorfall.

A propos unfassbar: Khaos.Kind schreibt einen offenen Brief an die EMMA, die sich in ihrer letzten Ausgabe in Sachen Bullshit selbst übertroffen hat.

Verharmlosung und Relativierung von sexistischen Übergriffen, Teil 6748: FDP-Politiker Rainer Brüderle hat eine Journalistin belästigt, und wer steht im Fokus der Kritik?  Na, ratet mal (Lösung bei Merle Stöver).
Die im Zuge des Vorfalls entstandene Twitterkampagne #aufschrei betrachtet das Antiblog und gibt praktische Hinweise, wie es weitergehen könnte. Auf Zehenspitzen sucht für sich einen Umgang mit Street Harrassment. Auch Frau Dingens erträgt den Normalzustand rape culture nicht mehr.

Ein neuer Stern am Bloghimmel:  Don’t degrade Debs, darling! startet mit wichtigen Fragen zur eigenen Identität:  “Habe ich das Recht Attribute die mir gefallen, die sich für mich erstrebenswert anfühlen anzunehmen oder muss ich dafür etwas erfüllen? Was ist entscheidend? Wie mich andere wahrnehmen? Wohl kaum! Wie ich mich selbst wahrnehme oder was ich mir wünsche zu sein? Kann ich Begrifflichkeiten entwerten oder ihnen die Schlagkraft nehmen, weil ich nicht genug irgendwas bin? Ab wann darf ich mich mit Dingen identifizieren?”

accalmie erklärt auf ihrem Blog noch mal das mit dieser Zensur und wer hier eigentlich wen ausschließt (auf Englisch).

Wie sich diskriminierendes Verhalten erkennen und bekämpfen lässt, darüber schreibt Zweisatz  – inzwischen bereits Teil 6.
Dazu passt eine anonyme Online-Umfrage, die Nejra Drljevic im Rahmen ihrer Bachelorarbeit in Sozialer Arbeit durchführt. Diese Befragung richtet sich an Frauen islamischer Religionszugehörigkeit und fragt u.a. nach Diskriminierungserfahrungen und Umgangsformen damit. Die Forscherin freut sich über rege Teilnahme.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Rassistische Stereotype und die Suche nach neuen Held*innen – kurz verlinkt

8. August 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 163 von 243 der Serie Kurz notiert

Neuer Kalender 2013: Wegbereiterinnen XI. Den im Kalender versammelten Künstlerinnen, Schriftstellerinnen und Politikerinnen ist gemeinsam, dass sie zu einer Zeit, in der Frauen weltweit noch wenige Rechte hatten, gelebt haben und sich für die Rechte der Frauen für eine friedliche Welt und für das „gute Leben“ in einer besseren Zukunft für alle eingesetzt haben.

Latoya Peterson beschwert sich in einem Interview mit der taz darüber, dass Held*innen in Videospielen fast immer gleich aussehen, und somit zwar dem Durchschnitt der Spieleentwickler*innen entsprechen, jedoch nicht dem der Spieler*innen. Für eine Schwarze Frau wie sie bietet sich bisher leider wenig Identifikationspotential.

Mit welchen Vorurteilen einer Frau begegnet wird, die aus Pakistan stammt und in Deutschland lebt, beschreibt Hani Yousuf auf Spiegel Online. Ihr Fazit: Die „muslimische Welt“ gibt es genauso wenig wie die „muslimischen Frauen“ – und der Westen kann von Pakistan noch so einiges lernen.

Apropos Stereotype: Ein sogenanntes Frauenmagazin schürt genau diese, indem es die Frage aufwirft: „Wie verhalte ich mich, wenn mein Ehemann oder Lover mit einem blutjungen Ding made in Russia durchbrennt?“ – bei der taz wurde sich der Artikel vorgeknöpft und ordentlich auseinander genommen.

Ganz großartig ist das Interview mit Zoe Saldana (Star Trek, Avatar) zu Gleichberechtigung in Hollywood:

Tatsächlich: Hoher Film- und Fernsehkonsum sorgt bei Mädchen für ein geringeres Selbstbewusstsein, weil die Charaktere selten weiblich und wenn doch meistens nur passive Objektive der Begierde sind. Auch filmoSophie’s Welt plädiert deswegen für mehr starke weibliche Heldinnen.

Die Rosa Luxemburg Stiftung hat eine Studie zu dem Thema „Leiharbeit aus gendersensibler Perspektive“ veröffentlicht und sich damit einem bisher weitestgehend unerforschten Thema gewidmet. Die Studie gibt es nun als PDF zum Download.

Frauen und Kinder zuerst? Bei Schiffsunglücken wird das nur in den wenigsten Fällen auch umgesetzt, haben Wissenschaftler*innen nun anhand von Daten aus den vergangenen 100 Jahren ausgewertet. Den Ergebnissen zufolge erreichen Frauen nur halb so häufig einen Platz im Rettungsboot wie ihre männlichen Mit­­passagiere.

dieStandard.at berichtet über die im April in Wien gegründete Peer-Beratungsstelle „Zeitlupe“ für Frauen mit Behinderungen. Peer be­deutet, dass die Beratung durch Personen mit ähnlichem Er­fahrungs­hinter­grund be­reit ge­stellt wird. Ein Konzept, das Hemmungen abbaut und Raum für Fragen schafft, die sonst viel zu selten gestellt werden.

Gerade neu im Job und dann gleich in den Mutterschaftsurlaub? Für Gatorade hat sich das bewährt, berichtete Indiskretion Ehrensache. Die neue Chefin Robb O’Hagan hat den angeschlagenen Getränkekonzern auf Wachstumskurs gebracht.

Dass eine milchgebende Brust auch nach einer Geburt noch mehr ist als Nahrungsquelle und Schlafplatz fürs Baby, stellt ein Artikel auf dieStandard.at klar. Beleuchtet wird eine neue stillkritische Bewegung, die sich gegen Be­vor­mundung und für körperliche Selbst­bestimmung stark macht.

Auf Spiegel Online werden gängige Klischees über Asylbewerber*innen auf­ge­griffen und wider­legt. Die Fakten gegen Stimmungsmache liefern außerdem Einblick in die oftmals gewaltvollen Hinter­gründe von Flucht und Migration.

Für eine selbstverwaltete Bibliothek im Flüchtlingswohnheim in Senftenberg werden Bücher gebraucht. Gerne in Englisch, Französisch, Arabisch, Persisch etc. aber auch in Deutsch (nicht zu schwierige Texte). Außerdem werden für ein Kunstprojekt Stifte, Malfarben, Papier usw. benötigt. Wenn jemand Bücher oder Kunstsachen übrig hat, bitte in die KuB (Kontakt- und Beratungsstelle für Flüchtlinge und MigrantInnen) in der Oranienstraße 159, 4. Stock (Nähe Moritzplatz) bringen. Wer Tragehilfen braucht, bitte melden unter: brezger@fluechtlingsrat-berlin.de

Termine und ein Call for Music:  (mehr …)


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Geheimtipp Gebetsraum

29. September 2011 von Kübra
Dieser Text ist Teil 22 von 40 der Serie Das Wort zum Freitag

Istanbul, internationaler Flughafen, sechs Uhr früh. Für Transit-Gäste, die hier für ein paar Stunden stranden, ist der Gebetsraum im Untergeschoss die beste geheime Schlafstätte. Die Lichter sind aus, der Boden ist mit einem weichen Teppich ausgelegt und Damenhandtaschen sind sowieso großartige Kopfkissen. Fünf oder sechs Frauen liegen hier. Ich torkle rein, zu müde, um mich vernünftig umzuschauen, und suche mir einen Schlafplatz. Binnen weniger Minuten bin ich weg.

Eine Stunde später geht das Licht plötzlich an. “Wake up!”, ruft eine Frau. “Cleaning!” ruft sie weiter in einem türkischen Akzent und stupst jede einzelne Frau wach. Sie müsse jetzt hier saugen. Ich richte mich auf und versuche zu registrieren, was los ist. Die Putzfrau ist kräftig, hat sich die kurzen braunen Haare streng nach hinten gebunden und guckt genervt. So wie jemand, der es satt hat, jeden Tag das Gleiche zu sagen, zu tun und zu erleben. Routinierte Frustration.

Die Frauen richten sich nach und nach auf, mittlerweile sind es ziemlich viele hier, stelle ich überrascht fest. Eine ältere Iranerin zieht ihr verziertes Kopftuch über die toupierten Haare und stemmt die Arme in die Hüften. Ob man denn hier nicht später sauber machen könne. Sie sei schon seit Stunden unterwegs, komme aus dem Iran und müsse in wenigen Stunden weiter in die USA. Mariam heißt die Dame, Literaturwissenschaftlerin, kommt aus dem aserbaidschanischen Teil im Nordwesten des Iran, lebt jetzt aber zusammen mit ihren Kindern und Enkeln in Washington, wie ich später erfahre. Sie ist deutlich müde und erschöpft.

Mariam und die Putzfrau diskutieren eine Weile, dann gehe ich dazwischen. Zehn Minuten den Raum verlassen ist doch kein Problem, beschwichtige ich. Schließlich gibt Mariam nach und wir gehen in den Waschraum. Eine etwas korpulente Bosnierin kommt als Letzte aus dem Gebetszimmer und setzt sich an den Beckenrand, wo sonst rituelle Waschungen verrichtet werden.

Im Waschraum unterhalten wir Frauen uns. Eine Kuwaiter Radiologin ist mit ihren beiden Töchtern unterwegs nach Paris. Eine Woche Einkaufen und Sightseeing stünden auf dem Plan, erzählt sie in hervorragendem Englisch. Im Gegensatz zu den drei muslimischen Chinesinnen. Wir lächeln uns an, aber verstehen einander kaum. Sie tragen weite Kleider in Erdtönen und einen hohen verzierten Kopfschmuck. Ich wünsche mir sehr, mich mit ihnen unterhalten zu können. Chinesische Muslime können fließend Arabisch, hatte ich mal gelesen. Doch bevor ich es versuchen kann, ruft uns die Putzfrau wieder in den Gebetsraum. Sie sei jetzt fertig.

Wir setzen uns alle an unsere Plätze, hellwach und neugierig, wohin die jeweils anderen hinfliegen, welche Geschichte sie haben und wie sie so sind. Dann schaltet die Putzfrau das Licht aus. Ein bisschen noch erkenne ich die Silhouetten der anderen, erwartungsvoll sitzen wir da. Als das Schnarchen der Bosnierin die Stille übertönt, legen wir uns langsam widerwillig hin – in der Hoffnung, bald wieder aus dem einsamen Schlaf der Anonymität gelockt zu werden.

(Dieser Text erschien ursprünglich als Kolumne in der Taz.)


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