Einträge mit dem Tag ‘Modemoden’


Berichte von der front row

14. August 2009 von Susanne
Dieser Text ist Teil 12 von 103 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

FLORASBOX.blogspot.com

Wie heißt du?
Marie-Thérèse Demblin de Ville.

Seit wann bloggst du?
Seit Januar 2008.

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
My Passion for Fashion is now my Profession. Nach mehreren Jahren als Moderedakteurin bei Diva, Österreichs Mode- & Lifestylemagazin, wollte ich neben Freelance Work einfach regelmäßig schreiben und bin beim Surfen über Blogs gestolpert. Dass es diese schon länger gab, z.B. als Reisetagebücher, wusste ich. Dass es da aber auch schon eine kleine aber feine Selection von Modeblogs gab, hat mir einen komplett neuen Horizont eröffnet. Und so kam es nach mehreren Monaten Bloglesens in einer Nacht- und Nebelaktion zu Flora’s Box.

Worüber schreibst du?
Fashion, Beauty, Lifestyle & Closet happenings. Jede Woche gibt’s die ‘Friday Cravings’ sowie jeden Montag einen Post mit den Beauty Goodies ‘Some of That’. Sonst schreibe ich über alles Fashionable: Editorials, Runway Shows, poste Backstage Videos und natürlich Reisen.

Was dir ohne Internet nicht passiert wäre:
Eine wahnsinnig coole internationale ‘nerdy’ Blogger Community. Meetings sind echt immer wieder very special.

Frauen im Web haben…
einen computer! I ♥ mein powerbooklette.

Deine tägliche Web-Lektüre:
Fashion-Blogs en masse. Ein paar Favourites bunt durchgemischt: lesmads.de, pause.se/linn, fashiontoast.com, anywho.cover.dk, pudri.blogspot.com, filippas.se, karlascloset.com, businessoffashion.com, elle.se/emmanygren, stylebubble.typepad.com, whowhatwear.com, style.com

Tipps und Bewerbungen für die WWW Girls an mannschaftspost(at)web.de.


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Modekritik: Businessfrauen müssen Arsch und Brüste immer noch zu Hause lassen

7. Juli 2009 von Susanne

Teresa Bücker schreibt auf Freitag.de bzw. in ihrem Blog flannel apparel über das neue Frauenbild, das einige Modenschauen der Berlin Fashion Week verströmen: Sie nennt die Frau des Sommers 2010, die da vorgestellt wird “80s Killer Business Woman”: “Kein Haar tanzt abseits des Skalps, der Weg ist gradlinig, nahezu gehetzt und abgeschirmt vom Links und Rechts. Die milchig hellblauen Kontaktlinsen machen die futuristische Großstadtkriegerin endgültig unnahbar.”

Und da stellt sich die Modekritikerin die Frage, ob Weiblichkeit um jeden Preis aus der Geschäftswelt herausgehalten werden müsse. Ihre Antwort: Nein. Die Entsexualisierung von Frauen im öffentlichen Raum wirke sogar ihrer Emanzipation entgegen. Macht und Autorität blieben so einfach weiter männlich besetzt.

So lange Schönheit, Brüste und Ärsche zensiert werden müssen um die Jungs in den Vorständen nicht vom Spielen abzulenken und die Wahrnehmung einer Frau als attraktiv mit einer Herabstufung ihres Intellekts einhergeht, wird die Gleich- berechtigung im Berufsleben und die Sichtbarkeit des Einflusses der Frauen in Gesellschaft und Politik weterhin so langsam vorankriechen, wie in den letzten Jahren. Man mag Angela Merkel ihre Entscheidung als Neutrum zu fungieren zugestehen, und Alice Schwarzer ihre Sicht, die Sexualität einer Frau als wunden Punkt und nicht als Waffe anzusehen, dennoch möchte ich die Frauen, die ihr Äußeres als ebenbürtiges Attribut zu ihrer Eloquenz und Klugheit einzusetzen wissen, nicht mehr nur als Schmuckstück an der Seite von ergrauten, sich in der Jugend der Gespielinnen sonnenden Männern sehen, sondern dort, wo sie hingehören: In jeder Front Row, in der sie sich zuhause fühlen.

Auf Freitag.de entspann sich unter ihrem Text eine rege Diskussion, die zeigt, welchen wunden Punkt und welch schwierige Frage – Weiblich im Geschäftsleben oder nicht? – Teresa da aufgeworfen hat.


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Lets get fashionnerdy!

1. Juli 2009 von Susanne

Heute muss ich euch mal jemanden vorstellen: Diana. Diana Eng. Ich bin Fan von Diana Eng, seitdem ich sie in der amerikanischen Show “Project Runway” gesehen habe, wo sie nicht wie ihre Mitbewerber_innen um den Titel “America’s Next Great Fashion Designer” einfach Klamotten zusammennähte, sondern ihnen stets irgendwelche technischen Features einbaute.

Früh übt sich, wer ein Fashion Geek werden will: Diana als Kind

Früh übt sich, wer ein Fashion Geek werden will: Diana als Kind

Diana Eng begründete in den USA den Begriff “Fashion Geek” (ihr Blog heißt so ähnlich: FashionNerd), hat mittlerweile ein Buch mit dem gleichen Namen herausgebracht und erklärte gerade auf Etsy.com Schritt für Schritt, wie man sich ein LED-Collier bastelt, heißt: eine hübsche Kette, die im Dunkel leuchtet. So begegnete ich ihr gestern nach einer ganzen Weile wieder und stellte wieder mal fest, wie sehr mich die Kombination von Mode und Technik fasziniert und dass es mich mehr als begeistert, dass die süße, zurückhaltende Frau mit der piepsigen Stimme zu einer ganz eigenen Art Style-Ikone geworden ist. Dass sie beweist, dass es nicht nur auf der einen Seite Mode für Frauen und auf der anderen Seite Technik für Männer heißen kann.

Und deswegen muss ich an dieser Stelle einfach mal in den digitalen Raum rufen: Entdeckt die Welt des Fashion Hacking, probiert mal Stricken nach Logarithmen, näht euch Klamotten mit eingebauter Kamera, die Fotos macht, wenn sich euer Puls erhöht! Oder ganz anderen Quatsch. Hauptsache Spaß. Diana Eng macht’s vor.


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An den Füßen…

22. Juni 2009 von Verena

Auf sueddeutsche.de lässt sich Schuhdesigner Pierre Hardy heute über die Waghalsigkeit seiner Kollegen aus. Nach dem Motto “höher, schriller, vulgärer” kritisiert er ein Schuhdesign, das so hohe Absätze wie noch nie propagiert. Dass solche Modelle es trotzdem noch an die Füße diverser Frauen schaffen, sei auch auf die Verbindung von Mode, Medien und Werbung zurück zu führen.

So, wie sich die Designer durch immer extremere Schuhmodelle voneinander abgrenzen wollen, wollen sich auch die Magazine von ihren Konkurrenten abgrenzen; und so beginnt der Teufelskreis

An sich ja keine schlechte Meinung, die Hardy vertritt. Skeptisch werde ich bloß angesichts solcher Sätze:

Frauen wollen dieses Image leben, also lassen sie sich darauf ein. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass sich viele für ihre Füße schämen. Füße sind der am wenigsten wertgeschätzte Teil unseres Körpers. Um diesen Komplex zu kompensieren, wollen Frauen ihre Füße so pompös wie nur möglich in Szene setzen. Dabei tappen sie in die Image-Falle der Magazine

Frauen tragen High Heels, weil sie sich ihrer Füße schämen? Und wenn Hardy – übrigens nicht zu verwechslen mit dem Tatoo-Look-Designer Ed Hardy – schon so über die Auswüchse der Branche herzieht, warum sieht dann eins seiner Modelle für die Sommerkollektion ’09 so aus?

hardy-modell


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Fettpölsterchen dazuretuschiert

15. Juni 2009 von Helga

Glaubt man der Chefredakteurin der britischen Vogue, Alexandra Shulman, werden die Models inzwischen digital dicker gemacht. Sie schrieb einen Brief, der eigentlich nicht zur Publikation gedacht war, aber der Times zu Augen kam. Der Grund für die Nachbearbeitung, sind die Designer, die immer kleinere Fetzen an die Magazine schicken:

Wir sind jetzt an einem Punkt angekommen, an dem viele der Probegrößen nicht einmal mehr den etablierten Star-Models passen.

Inzwischen sind die Leser_innen der Magermodels aber überdrüssig.

Ich deute aus den Antworten meiner Leser und der allgemeinen Stimmung in Großbritannien, dass die Leute solche dünnen Mädchen weder im Magazin noch in der Werbung sehen wollen.

Ob die Designer demnächst mehr Stoff verarbeiten wird sich zeigen. Deutsche Zitate aus dem Artikel der Zeit.


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Schönheit ist Hunger

27. Mai 2009 von Katrin

Erschreckend viele Jugendliche sind mit ihrem Aussehen nicht zufrieden. Sind die Mager-Modells schuld, dass junge Frauen ihren Körper hassen?

(C) Frl. Zucker - fraeuleinzucker.blogspot.com/

Die Hälfte aller Mädchen ist mit ihrem Körper nicht zufrieden. Das ergab die sogenannte “Dr.-Sommer-Studie”, eine von BRAVO, Dr. Sommer und einem Meinungsforschungsinstitut durchgeführte Studie mit 1.228 befragten Teenagern. Das ist erschreckend. Hingegen sind immerhin zwei Drittel der Jungen zufrieden mit ihrem Äußeren. Nur zehn Prozent von ihnen haben schon einmal eine Diät gemacht. Von den Mädchen ein ganzes Drittel. Obwohl die große Mehrheit der Befragten normalgewichtig war.

Courtney E. Martin, Autorin im Blog Feministing.com, hat der anhaltenden Sehnsucht junger Mädchen nach einem schlanken, einem perfekten Körper, sowie den damit einhergehenden fatalen Folgen ein eigenes Buch gewidmet: In “Perfect Girls, Starving Daughters” sammelt sie Indikatoren für ihre These, dass hungernde und sich übergebende Mädchen kein Einzelfall-Phänomen sind, sondern ein Ausdruck dafür, dass in Gesellschaft und (Medien-)Kultur etwas schief läuft. Getrieben durch persönliche Erfahrungen von Bulimie und Anorexie in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis, befragte Martin Teenager in anonymisierten Gesprächen, die sie in Teilen in ihrem Buch wiedergibt, zu ihrer Geschichte. Nicht selten lernten die Mädchen bereits vom ersten weiblichen Vorbild, ihrer Mutter, dass eine Frau ihren Körper hasst.

Doch dass ein erschreckend großer Anteil junger Mädchen (jedes dritte) nicht normal isst, das wird weniger der Gesellschaft, den Müttern, dem Schönheitswahn, dem allgemeinen Frauen-Bild oder den sozialen Disparitäten angelastet (in niedrigeren sozialen Schichten ist die Zahl der Betroffenen fast doppelt so hoch, wie in den übrigen). Nein! Ganz nach dem Sündenbock-Prinzip werden immer wieder einzelne Schuldige herausgefischt, die als besondere Magersucht-Verantwortliche gelten: “Mager-Models” bei den großen internationalen Fashion-Shows, die Designer, welche diese Hungerhaken aussuchten und “Du bist zu dick”-Kommentare in Deutschlands-Lieblings-Casting-Show, Germanys Next Topmodel. Karl Lagerfeld setzte sich dagegen heftig zur Wehr: “In Frankreich sind über 15 Prozent der Mädchen zwischen 15 und 25 zu dick. Anorexie beträgt nicht mal ein Prozent. Da müssen wir erst mal über die Dicken sprechen, damit die schlank werden.”

Courtney E. Martin betrachtet in ihrem Buch eine Welt, wie sie zwar vor allem aus Mode-Kreisen bekannt ist, aber letztendlich überall und immer auf junge Mädchen – und zunehmend auch Jungen – eindrischt. Es ist die “Du musst perfekt sein”-Welt. Die “Du kannst alles erreichen”-Welt. Denn der Grundsatz lautet stets und stetig: Du kannst alles erreichen, aber dafür musst du perfekt sein. Diese verlangte Perfektion ist ein Allround-Paket, das auch das Leibliche des Menschen nicht verschont.

Nicht nur, dass die Hälfte aller Mädchen sich zu dick findet, neun von zehn würden gerne etwas an ihrem Äußeren ändern und finden sich nicht schön genug. Nur die Hälfte der Jungen denkt so. “Schönheit ist Freiheit” – und Glück, und Liebe … Mit solchen Slogans wirbt momentan Kosmetikhersteller Nivea für seine Produkte – ihre Hauptzielgruppe: Frauen. Und tatsächlich: Schöne Menschen haben es im Leben leichter. “Sie scheinen fast eine Art Heiligenschein zu tragen, der ihre negativen Eigenschaften überstrahlt,” heißt es dazu auf Quarks & Co. Zum perfekt sein gehört also auch und für manche vor allem: Schönheit. Und Schönheit heißt: Schlankheit. Martin beschreibt in ihrem Buch, wie schon Mütter dieses Ideal an ihre Töchter weitergeben. Teilweise unbewusst gesendete Signale in frühester Kindheit geben ein gnadenloses Schönheitsideal an kleine Kinder weiter. Insbesondere an Mädchen. Ein besonders krasser Fall: Eine Mutter, die ihrer Tochter sagt, sie sei hässlich.

Freiheit, Glück, Liebe – und nicht zuletzt Geld und Macht – das sind die Verheißungen einer Gesellschaft, die sie über ihre Schönheitsideale vermitteln kann. Sie versucht bei den Menschen ein Mangelgefühl zu erzeugen, damit Produkte verkauft, Casting-Shows begierig geschaut und Schönheit als kulturelles Deutungsmuster weiterhin verkauft werden können. Die Folgen davon sind lauter junge, aber auch immer mehr ältere Menschen, die nur noch ihre Makel sehen – selbst wenn es völlig objektiv betrachtet keine gibt.

(Dieser Text erschien ursprünglich als Kolumne auf Freitag.de)


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Eine exakt berechnete Kurve

15. April 2009 von Susanne

In der Sunday Times verkündet Shane Watson die Rückkehr der Kurven in die Mode: “we are officially over skinny”. Nun ist “kurvig” wohl einer der dehnbarsten Begriffe – denn damit muss noch lange nicht gemeint sein, dass ab sofort Bäuche und runde Pobacken angesagt sind. Dass sie eher weiterhin zu den bekämpfenswerten Körpererscheinungen von Frauen gehören, legen Watsons Beweisstücke A, B und C nahe. A) sieht sie Scarlett Johansson als eine dieser neuen kurvigen Damen; B) sehe man beispielsweise an Jennifer Aniston den neuen Trend zu mehr Fleisch auf den Knochen; C) habe es sogar die britische Sängerin Adele mit einem Fotoshooting in die US-amerikanische Vogue geschafft, ohne vorher gebeten zu werden, ein paar Kilos abzunehmen.

Hm, ehrlich gesagt, alles vielleicht interessante Hinweise auf einen neuen Trend, aber kein Grund aufzuatmen, die Plackerei mit den weiblichen Problemzonen habe nun ein Ende. Neinnein, es muss natürlich weiterhin etwas, ach was: viel getan werden. Wenn Watson von “soft and shapely bodies” schreibt, dann benutzt sie nämlich genau die immer dagewesenen Vokabeln für das Anforderungsprofil an weibliche Körper, um akzeptabel zu sein – ein paar Kilo mehr oder weniger. Und da ja sowieso kaum eine Frau jemals wirklich so dünn wie der Trend der letzten Jahre war (auch die Frauen auf den Titeln waren es nur dank Photoshop), bleibt die Forderung, eigentlich müsse man mehr für eine gute Figur tun, im Grunde die Gleiche.

Auf Jezebel.com kommentiert auch “hortense” diesen “Trend”:

The truth is, an embrace of curves, if it is happening at all, seems to be limited to curves proportionately distributed on a woman who fits into a size 6 dress. Beth Ditto is mentioned in the article, as she always is in these articles, as an example of an extreme — the fashion world, as we’ve discussed before, is not embracing a million Beth Dittos; it is only embracing one. (…) The truth is, the average woman’s body type will never be fully embraced by the fashion or entertainment industries: there will always be an emphasis on changing one aspect of the body or improving another, as that’s what sells, sadly.

Tatsächlich heißt “kurvig” für Shane Watson nicht etwa mehr Freiheit für die Ausbuchtungen des eigenen Körpers – wie gesagt, “soft an shapely” muss schon noch sein. Und das heißt: Rackern Mädels. Hin zu einem (wieder) uniformen Ideal – auch wenn das jetzt ein paar Zentimeter mehr Hüftumfang hat. Denn diese Uniformität heißt auch, siehe hortenses Kommentar: Kohlen. Diätpillen, Fitnessstudio-Abos und elektrische Cellulite-Behandlungen soll ja auch irgendwer kaufen. Trends kommen und gehen und je schneller sie sich verändern, desto mehr Kohlen. Denn merke: Dein Körper ist nie okay, nie ideal. Wo kämen wir denn hin, wenn jeder seinen Körper so hinnehmen würde, wie er ist?


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„Was zieh ich an, was zieh ich an…

16. März 2009 von Anna
Dieser Text ist Teil 21 von 26 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

… damit man mich auch gut sehen kann? Gelb leuchtet hell, rot sieht man schnell, grau oder braun das sieht man kaum. Ja wie kann man da noch fragen, was sollte ich wohl tragen?“

Soweit das Kinderlied. Eines, das uns Erwachsenen bei dieser Frage weiter hilft, habe ich bisher nicht finden können.

Es ist inzwischen schon eine Weile her, dass ich meinen aktuellen Job antrat. Dieser ist nominell zwar ein Studentenjob, ist aber von den Aufgabenbereichen her so gestaltet, dass viele meiner Kolleginnen und Kollegen gar nicht wissen, dass ich „nur“ eine Studentin bin. Und obwohl man bei meinem Arbeitgeber eher leger unterwegs ist, war ich nach der ersten „Juhu, ich hab die Stelle!“-Euphorie doch ein wenig verunsichert: Mein Kleiderschrank, im klassischen „Jeans mit alten Shirts und ausgelatschten Turnschuh“-Stil bestückt, war dieser neuen Aufgabe meiner Meinung nach nicht gewachsen. Für die Uni oder auch das ein oder andere Praktikum völlig ausreichend, für die kommenden Aufgaben aber eher ungeeignet. Denn nein, ich war nicht mehr die Praktikantin und wollte auch nicht so aussehen.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Die nächste Phase war recht schwierig. Wer sich in Hosen und Chucks zu Hause fühlt, trägt nicht auf einmal Röcke und Stiefel. Ich unternahm also Streifzüge durch verschiedene Klamottenläden und versuchte, mit mir selber auf eine Linie zu kommen. Meine Lösung bestand am Ende aus etwas besseren Jeans und ein paar normalen Hosen, einem Stapel unifarbenen T-Shirts ohne wilde Aufdrucke, und der Cardigan mit Loch wurde gegen einen Pulli mit V-Ausschnitt getauscht. Schuhe gab’s auch neue, unter anderem Modelle mit Absatz. Nichts hohes und auch nicht total ungewohnt für mich, aber trotzdem als täglicher Schuh irgendwie fremd. Alles in allem also kein übertriebenes, bestimmt aber auch kein besonders spannendes Outfit.

Doch so unspektakulär das Ergebnis, so schwierig der Prozess dort hin. Ich habe viel mit mir gerungen, posierte mit Kleidung vor dem Spiegel, die einfach „nicht ich“ war oder versuchte mich zu erinnern, was eigentlich die Leute, die ich beim Bewerbungsgespräch gesehen hatte, so anhatten. Auch auf die Frage, wo die Grenze zwischen „Ver-“ und „angemessener Kleidung“ verläuft, versuchte ich eine Antwort zu bekommen. Nicht nur von mir, sondern von meinen Freundinnen.

Dort gehen die Ansichten zu diesem Thema erstaunlich weit auseinander. Da gibt es die, die um das Kostüm zur Arbeit nicht herum kommen, weil der Arbeitgeber es nicht zulässt, aber auch die, die diese Uniform brauchen, um Privates und Arbeit zu trennen. Da ist die Sozialpädagogin, die sich bei ihrer Jugendarbeit von den zu betreuenden quasi nicht unterscheidet. Dann einige Stimmen in der Mitte, die sich auf einem ähnlichen Weg wie ich befunden haben und noch befinden. Und da war die Freundin, die sich überhaupt nicht vorstellen konnte, ihre Kleidung jemals anzupassen, „sich zu verbiegen“, wie sie es nannte.

Sie als Freiberuflerin wird vielleicht Glück haben. Doch ich habe die Beobachtung gemacht, dass es um ernst genommen zu werden unerlässlich zu sein scheint, „richtig“ gekleidet zu sein. Natürlich ist diese „richtige Kleidung“ im Musikbusiness vielleicht eine andere als im Wirtschaftsunternehmen. Nun, für das Musikbusiness kann ich leider nicht sprechen, aber die Erfahrung, die ich bei meiner Arbeit gemacht habe, ist die:
Um zu erkennen, wann wichtige Termine anstehen, muss ich nicht in den Kalender schauen. Wichtige Termine stehen immer an den Tagen an, an denen die Kolleginnen und Kollegen, die sonst in Chucks und Strickjacke zur Arbeit kommen, auf einmal in schicken Schuhen und mit Blazer morgens in der Kaffeeküche stehen.

Und meistens kann ich dann mit einem Lächeln im Gesicht auf leisen Turnschuhsohlen in meinem Büro verschwinden.


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Das unausweichliche Kleidungsstück

11. Februar 2009 von Susanne

Heute wird die Erfinderin des Minirocks, Mary Quant, 75 Jahre alt. Die Süddeutsche Zeitung widmete aus diesem Anlass dem Kleidungsstück einen ganzen Artikel:

(…) Dabei hatte Quant, die an diesem Mittwoch 75 Jahre alt wird, gar nicht die sexuelle Befreiung im Sinn, als sie Ende der Fünfziger zur Schere griff und die Röcke ein Stück kürzer machte. Vor ihren Augen stand das Working Girl, die selbstbewusste Frau, die in ihren Kleidern nicht länger eingesperrt sein will. “Der Mini war unausweichlich”, berichtet Quant in dem gerade erschienenen Bildband “Der Minirock”, “wir konnten mit ihm auf den Bus aufspringen und zur Arbeit fahren.”

(…) Die ersten Miniröcke endeten noch eine Handbreit über dem Knie und waren nach heutigen Maßstäben beinahe bieder. In den Sechzigern aber provozierten sie den ersehnten Aufschrei des Establishments, wobei sich die Empörung weniger auf den Mini selbst bezog, als vielmehr auf die Mädchen, die ihn trugen …

Erstaunlich, was ein Kleidungsstück so alles kann.


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Happy Birthday, Queen of less

27. November 2008 von Susanne

Die deutsche Modedesignerin Jil Sander ist heute 65 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass schreibt heute unter anderem die Westdeutsche Allgemeine Zeitung:

Die Designerin orientierte sich an der Männermode, befreite die Frauen von Rüschen und gab ihnen Hosen. Dass heute in den Schränken der meisten Karrierefrauen ein Hosenanzug hängt, ist auch Jil Sander zu verdanken. Dabei hatte sie stets den neuen Typ Frau vor Augen: selbstbewusst, kompromisslos, berufstätig. Um solch ein Frauenbild zu sehen, brauchte Jil Sander nur in den Spiegel zu schauen. Sie war diese neue Frau.

Und FAZ.net schrieb 2005 über die “Queen of less”, Frauen seien für sie keine Barbiepuppen. Das Wort ‘glamourös’ komme in Sanders Wortschatz nicht vor. Sie bemitleide Frauen, „die wie Pralinen aussehen“.

Und auch die Wikipedia definiert den Jil Sander-Stil ähnlich tough-schön:

Ihr Markenzeichen, eine Art New Look für Karrierefrauen, die seit Anfang der achtziger Jahre begannen Führungspositionen zu erobern, ist der stark auf die Körperproportionen geschnittene Hosenanzug, sowie ein schlichter Trenchcoat und das weiße Oberhemd.

(Laufsteg-Foto von c’est moi / Flickr)


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