Hager & Mager
Wednesday, September 3rd, 2008 von Susanne
Gesehen bei den Sozialhelden

Gesehen bei den Sozialhelden
Neulich habe ich beschlossen, dass ich mich mehr bewegen muss. Man wird ja nicht jünger und mein Rücken zeigt mir leider inzwischen sehr deutlich, wann mal wieder ein wenig Gehopse und „Step Touch“ angesagt sind. Doch zwischen mir und der vermehrten Bewegung stand ein Stück Stoff: Meine alten Jazzpants (Nein, nicht die Unterwäsche. Die Turnhose.). Diese sind leider inzwischen doch sehr in die Jahre gekommen, die Nähte gehen auf und lassen sich nicht richtig flicken. So konnte ich mich nicht sehen lassen, es musste etwas neues her.
Ich steuerte also einen großen Karstadt Sport an und warf mich ins Getümmel. Die Frauensportecke war schnell gefunden, es leuchtete schon von weitem weiß, rosé und blö. Naja, würde noch was anderes geben.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de
Nein, gab es nicht. Frauen scheint es nicht erlaubt zu sein, in dunklen Farben Sport zu treiben. Zumindest, wenn man keine 80 Euro für ein popliges Oberteil übrig hat, sondern auf die Hausmarken angewiesen ist. “Ich komme mir vor, als wäre ich in eine bebe-Werbung geraten”, so mein Freund mit staunenden Augen. Frustriert verließ ich den Laden. Immerhin konnte ich in einem anderen Geschäft noch eine schwarze Hose erstehen, entschied mich aber auch dort gegen ein Oberteil in Pastelltönen.
Ich war sauer. Auch deswegen, weil ich das gleiche Spiel ein paar Wochen vorher mit Turnschuhen gehabt hatte. Denn nicht nur kleine Mädchen, auch Frauen tragen wohl nur noch weiße Turnschuhe mit Glitzersteinchen, weiße Turnschuhe ohne was oder weiße Turnschuhe mit rosa Applikationen. Wenn es mal einen schwarzen Schuh gab (wenn!), so wurde diese wohl zu unweibliche Farbe mit - genau! - rosa Glitzersteinchen wieder aufgehübscht.
Ich möchte niemanden persönlich angreifen, aber ich bin definitiv keine Glitzersteinchenfrau. Auch irgendwelcher Kram mit rosa passt eher nicht zu mir. Wenn ich mich weiblicher fühlen will, dann trage ich keine rosa Turnschuhe, sondern (schwarze) Schuhe mit Absatz. Es ist nicht nur so, dass mir diese Farben nicht gefallen, ich weiß auch, dass sie bestimmt nicht gut aussehen an mir. Ich habe schon einen Friseursalon unverichteter Dinge wieder verlassen, weil die Dame dort der Meinung war, ein paar “goldene Strähnchen” würden mir bestimmt total gut stehen. Ich war mir sicher, sie würden es nicht.
Ich fand rosa mal gut. Da war ich sechs und mein ganzer Stolz war mein rosa Amigo-Ranzen. Allerdings hat sich in den über zwei Jahrzehnten seit dem einiges getan. Ich bin gewachsen. Ich trage meine Bücher nicht mehr auf dem Rücken, sondern in einer meiner zahlreichen Umhängetaschen herum. Diese sehen alle recht verschieden aus, aber sie haben eines gemeinsam: Sie sind nicht rosa! Denn auch mein Farbgeschmack hat sich geändert. Wobei ich sagen muss, dass ich mich auch nicht erinnern kann, als Kind babyblau oder weiß gut gefunden zu haben.
Ich wüsste gerne, wer Schuld an dieser Misere ist. Klar, die Pastellsachen gab es immer. Aber seit wann gibt es ausschließlich sie? Haben sich das Frauen gewünscht? Und sind diese Frauen die gleichen wie die, die sich goldene Strähnen in die Haare machen? Die, die bei H&M die ganzen Strings und Push-Up-BHs kaufen? (Auch so unerträgliche Moden, denen ich mich strikt verweigert habe. Und nein, ich glaube einfach nicht, dass ein Faden Zahnseide in der Poritze bequem ist!)
Ist das irgendeine Rückbesinnung auf Weiblichkeit in wirtschaftlich schweren Zeiten (in denen ja bekanntermaßen auch mehr Lippenstift verkauft wird)? Und wo kaufen all die anderen ihre Sportkleidung, ihre Schuhe und Shirts? Ich habe mich mit vielem abgefunden. Ich ertrage Hüfthosen und an diese langen, vorne schmalen Schuhe habe ich mich auch gewöhnt. Aber muss ich mich wirklich in ein pastellfarbenes Schicksal fügen?
Ich sage nein und ziehe einfach ein altes Shirt meines Freundes zum Sport an.
Frauen, Klamotten und Job - das sind die Zutaten für eine alte Frage: Wie “weiblich” oder “männlich” kleidet sich eine Frau am besten, um im Beruf ernst genommen zu werden und Erfolg zu haben?
Die Journalistin Renate Wiedemann hat das Buch “Zurück zur Weiblichkeit” geschrieben und ist überzeugt:
“Frauen versuchen häufig, die besseren Männer zu sein”, sagt die in Buchholz in der Nordheide lebende Autorin. Geschäftsfrauen hätten oft einen Kurzhaarschnitt, trügen Hosenanzüge und versuchten, alles zu vermeiden, was weiblich ist. “Aber warum soll ich keinen Rock tragen und mich schön schminken?”, sagt sie. “Das sind doch alles Dinge, die auch Männer an Frauen lieben.”
Die Psychologin Marianne Vollmer sieht das allerdings anders:
Weiblich werde oft gleichgesetzt mit sozial orientiert, subjektiv, fürsorglich, nachgiebig, nicht wettbewerbsorientiert. Männlich stehe für aktiv, objektiv, sachlich, analytisch und emotional unabhängig. “Das sind alles Eigenschaften, die mit Erfolg gleichgesetzt werden”, so Vollmer. Deshalb sei es falsch, sich am Arbeitsplatz sehr weiblich zu geben.
Es scheint also ein schmaler modischer Grat zu sein, den beschreiten muss, wer eine erfolgreiche, respektierte Businessfrau werden will.
Oder?
Wegen Mode gesperrt: Eine weitere weibliche Körperzone soll jetzt aus den Augen und aus dem Sinn verschwinden. Nach Berichten aus den Modemedien geht der Trend jetzt angeblich zur Brustversteckung, auf BuzzFeed extrem populär ist gerade das Stichwort flat chest. Also keine üppigen Dekolletes mehr, adieu Push-Ups und Polster-BHs. Nachdem wir jetzt alle vollauf versorgt mit solch erweiternder Unterwäsche sind, versucht die Modeindustrie die “Brust-Minimierer” unters Volk zu bringen. Erst mussten unsere Ärsche und Hüften dran glauben, jetzt sind die Görls auch dran. Wofür sollen Frauen sich denn als nächstes schämen? Sollen wir dann unsere Vaginas auch noch abbinden?
Das glauben die ja wohl selbst nicht.
Gute Nachrichten für alle High Heel-Liebhaberinnen und -Liebhaber: Laut einer Studie aus Italien sind hohe Absätze gut für Gesundheit und Sexualität ihrer Trägerinnen.
Eine Urologin an der Universität von Verona will heraus gefunden haben, dass Frauen, die ihre Füße in einem 15-Grad-Winkel zum Boden halten, weniger elektrische Aktivität in der Beckenbodenmuskulatur haben. Das bedeutet, dass diese entspannter bliebe und deswegen fitter, und daraus folgt: besserer Sex (und vermutlich eine robustere Blasenkontinenz). Ladys können sich also, wenn sie mögen, die langweiligen Beckenbodenübungen sparen und einfach regelmäßig schön hohe Schuhe anziehen.
Was allerdings Füße und Rückgrat nach einem Tag High Heels mit dem Sex-Drive anstellen, ist natürlich wieder eine andere Frage.
Freude, Freude: Daniel Haas analysiert auf Spiegel Online, was die Ausstattung zweier neuer Filme über das aktuelle Frauenbild in Hollywood (und außerhalb) preisgeben.
In seinem Text beschäftigt er sich zum einen mit dem Kostümfilm “Die Schwester der Königin”, mit Natalie Portman und Scarlett Johansson in den Hauptrollen. Zum anderen nimmt der den neuen Katherin Heigl-Film “27 Dresses” unter die Lupe.
In “Die Schwester…” geht es um die beiden Boleyn-Schwestern Anne und Mary. Anne ist die berühmtere von beiden, die sich - opulent eingekleidet - mit Intrige und Kalkül an die Seite von Heinrich VIII wuchtet, während sich die zurückhaltende Mary mit der Rolle der unsichtbaren Mätresse des Königs zufrieden gibt. Anne endet, wie wir wissen auf dem Schaffott. Portmans letztes Kostüm ist ein weißes Leichentuch.
Bei “27 Dresses” spielt Katherine Heigl eine frustrierte Hochzeitsplanerin, die zwar toperfolgreich aber natürlich mannlos tief unglücklich und in den Falschen verliebt ist. Auch sie trägt viele verschiedene Outfits während dem Film und endet letztlich mit Mann am Altar. Ihr letztes Kostüm ist ebenfalls weiß.
Haas zeigt die Parallelen auf und interpretiert die weiße Tracht der weiblichen Hauptrollen als Symbol für deren schlichte Funktion. Während die eine für ihren Ehrgeiz und Machthunger sterben muss, findet die andere erst die Erfüllung an der Seite eines Heinis.
Deprimierendes Fazit, aber prima Analyse. Aber es wird auch klar: Gute, coole Frauenrollen gibt es im Mainstreamkino kaum.![]()
So, Valentinstag in dieser Woche hinter uns gebracht, ohne vor lauter Herzchen und Pralinchen und Blümchen einen Knall zu kriegen. Als bye-bye noch eine hübsche Montage von Twisty:

Heute hat das türkische Parlament das Kopftuchverbot an den Universitäten aufgehoben. Zehntausende Menschen protestierten in der Türkei gegen diesen Beschluss. Sie fürchten eine Islamisierung der Türkei und dass es bald nicht mehr nur das Recht gibt, ein Kopftuch zu tragen, sondern sogar die Pflicht zum Kopftuch.
Uargh, morgens bei Kaffee und Süddeutsche gleich mal gekotzt. Und zwar hierauf, mitten im Politikteil:

Was hat eine Geschäftsfrau in Hotpants bitte mit einem Billigflug zu tun? Ach ja, wegen der billigen Masche. Wieso ist es ausgerechnet die Frau? Weil niemand den haarigen Hintern des Mannes sehen will? Ja, in dem Fall sollten die Unternehmen es vielleicht einfach unterlassen, mit kontextbefreiten Ärschen zu werben.
Schickt Blumen an die Actrice aus “Ghost Whisperer” und “Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast”! Jennifer Love Hewett hat genug davon, dass in den letzten Tagen heftigst über ihren Körper gelästert wurde: wegen eines Fotos, das sie mit ein paar Zellulite-Dellen im Bikini zeigt. Jetzt schreibt sie auf ihrer Webseite: “An alle Mädchen mit Hintern, Brüsten, Hüften und einer Taille, zieht einen Bikini an - zieht ihn an und bleibt stark.”