Einträge mit dem Tag ‘Mode’


“Ich bin es leid, möglichst viel von meinem Körper zu verstecken”

13. Mai 2014 von Magda
Dieser Text ist Teil 25 von 26 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Alex kommt aus dem Ruhrgebiet, lebt zur Zeit in Heidelberg und besucht seit März eine Modeschule in Mannheim, um Mode­designerin zu werden. Nebenbei bloggt sie auf ihrem Blog Some Girls Are Bigger Than Others, auf dem es um Plus Size Fashion und Fat Acceptance geht. Auf der Mädchenmannschaft durften wir im letzten Jahr ihren kritischen Artikel zu der Mode-Fernseh­sendung Shopping Queen veröffentlichen. Mit Alex sprach ich über Plus Size Mode, mangelnde Repräsentation von dicken Menschen in der Mode­industrie und inspirierende dicke Bloggerinnen.

Zu Mode und Shopping fallen mir als Modefan mit Größe 46/48 so einige Anekdoten ein – viele davon ganz schön nervig. Wie sieht’s bei dir aus?

miss templeMode hat für mich lange Zeit vor allem eines bedeutet: Frust. Als dicker Teenager in den 90ern gab es praktisch nichts, was mir wirklich gefallen hat. Ich habe oft zu schlabberigen Shirts und Jeans gegriffen. Eine Weile habe ich praktisch in einem riesigen schwarzen Kapuzen­pulli gelebt. Erst im Netz fand ich Dinge, die mir gefallen haben. In die Stadt zu fahren und dort zu stöbern, etwas anzuprobieren und es dann zu kaufen, ist fast nicht möglich. Hier in der Innenstadt gibt es nur drei Geschäfte, die in größerem Umfang meine Größe führen. Deprimierend, oder?

Mittlerweile heißt Klamotten zu shoppen zum Glück nicht mehr nur Frust. Online sieht es mittler­weile wesentlich besser aus. Es gibt ein paar aus­gesuchte Shops, die teil­weise richtig aktuelle Mode anbieten, wenn auch für meinen Geschmack oft nicht zeitnah genug und häufig (vor allem in Deutschland) werden Trends zwar auf­gegriffen und beworben, aber sind in der Umsetzung so zahm und angepasst, dass sie eigentlich nichts mehr mit dem ursprüng­lichen Thema zu tun haben. Es ist schon besser geworden, aber wir haben immer noch einen weiten Weg vor uns.

Dank des jahrelangen Darbens bin ich übrigens mittler­weile zu einer Art Kleider­drachen mutiert und sitze auf vielen geliebten Kleidungs­stücken, die ich wie einen Schatz horte.

Deine Liebe zu Mode hat dich und andere Bloggerinnen dazu veranlasst, die Fatty Fashion Fun Challenge ins Leben zu rufen, wo Menschen ab Größe 46 jeden Monat zu einem anderen Thema Fotos von sich und ihren Lieblings­outfits online stellen können. Ich verstehe solche Aktionen auch als Reaktion auf eine Modeindustrie, die sich nur für bestimmte Körper interessiert. Getreu dem Motto: Wenn die Mode­industrie uns nicht repräsentiert, machen wir das einfach selbst. Was hat dich dazu bewegt, dich trotzdem in das Feld Mode zu bewegen, obwohl wir oft nicht mit­gedacht werden?

FFFC_HeaderIch glaube, ich war es irgend­wann einfach leid, dass ich kaum schöne Kleidung gefunden habe und dass von mir als dicke Frau erwartet wird in Sack und Asche zu gehen und möglichst viel von meinem Körper zu verstecken. Oder mich zumindest möglichst “vorteilhaft” zu kleiden.

(mehr …)


Facebook | |


Enthüllt!

24. Januar 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 55 von 55 der Serie Meine Meinung

Bilder in Magazinen sind bearbeitet. Das ist kein Geheimnis. Ebenso neu ist die Erkenntnis, dass insbesondere Fotografien, auf denen Frauen dargestellt werden, durch Programme wie Photoshop einem dominanten Schönheitsideal angepasst werden. Da wird die Haut Schwarzer Frauen aufgehellt, Oberschenkel verkleinert und Taillen modelliert, die eigentlich nur mit Korsett möglich sind. All das wird zu Recht kritisiert, meistens mit einem Fokus auf die konkreten Fotostrecken und Zeitschriften, leider zu selten im Gesamtkontext aus Kapitalismus, Sexismus, Rassismus und Ableismus, der diese „Schönheitsideale“ und deren Vermarktung mitformt.

Um das Argument zu stärken werden Vorher-Nachher-Bilder gezeigt, die deutlich machen, wie (vor allem) mit Photoshop Fotos manipuliert werden. Die ersten dieser „Beweise“ fand ich noch sehr hilfreich, haben sie doch verdeutlich, was überhaupt möglich ist, einiges was die naive Vorstellungskraft sprengte. Sie ermöglichten das kritische Lesen von (Mode-/Star-)Fotografien und das Einordnen. Doch muss es immer mehr dieser Beispiele geben? Wem nützen sie dann noch? Ist die Aussage nicht irgendwann hinlänglich illustriert und die Kritik könnte sich breiter und tiefer aufstellen? Immer wieder stellt sich mir die Frage, wer denn nun eigentlich noch „enthüllt“ werden soll. Die Medien™ ? Oder nicht doch viel mehr die Frauen, die abgebildet und retouchiert sind?

Ein Beispiel, was perfekt mein über die Jahre gewachsenes Unwohlsein zusammenfasst: In der letzten Woche schrieb das sich selbst als feministisch positionierende Blog Jezebel ein „Kopfgeld“ von 10.000 Dollar aus auf die unretouchierten Vogue-Fotos von Lena Dunham. Die Begründung lautete: “Her body is real. She is real. And for as lovely as the Vogue pictures are, they’re probably not terribly real.” (Ihr Körper ist echt. Sie ist echt. Und egal wie hübsch die Vogue-Bilder aus sind, sie sind wahrscheinlich nicht sehr echt.)

Doch auch wenn Jezebel versucht deutlich zu machen, dass es ja nicht um Dunham ginge, sondern eben um Vogue, wird dieses Argument nicht einleuchtender nur dadurch, dass es ausgeschrieben wird. Beim Bitch Magazine analysiert Kelsey Wallace sehr passend:

If this were really about Vogue, wouldn’t the offer extend to unretouched photos of any celebrity and not just Dunham? The last and only other time Jezebel offered cash for unaltered pics was in 2007, and that time it was for any magazine with any celebrity on its cover—because that time it really was about calling the fashion industry out for retouching women, not calling out the women themselves for being retouched.

(Übersetzung: Ginge es wirklich um Vogue, wäre dann das Angebot nicht ausgeweitet auf unretouchierte Fotos von irgendeiner Berühmtheit und nicht nur Dunham? Das letzte und einzige Mal, dass Jezebel Geld für unberarbeitet Fotos angeboten hat, war 2007, und zu dieser Zeit ging es um alle Magazine und alle Celebreties auf den Covern – Denn damals ging es wirklich darum die Fashion-Industrie dafür anzuprangern, dass sie Frauen retouchieren, und nicht die Frauen selbst dafür, dass sie retouchiert werden.

Die große “Enthüllung” durch Jezebel – es dauerte nur zwei Stunden bis sie Bilder vorliegen hatten – zeigte dann, dass die Fotos gar nicht so sehr bearbeitet worden waren. Nach Wallace enthüllt die Geschichte vor allem, dass “Jezebel Dunham ausgewählt hat aus dem gleich Grund wie ihre anderen Gegner_innen: Weil sie nicht glauben, dass sie in ein Modemagazin gehört.” Und noch mehr: Dadurch das Dunham sich immer wieder körperpositiv äußert, wurde ihr durch Jezebel sämtliche Autonomie abgesprochen, stattdessen schien es ein Recht auf die „ungeschönte Wahrheit“ zu geben. Eine “Wahrheit”/ “Echtheit”, die an keiner Stelle hinterfragt wird und somit implizit ebenfalls alle normativen Vorstellungen von “Schönheit” mitträgt.

In den meisten Fällen handelt es sich zu dem bei den abgebildeten Frauen um Personen, die auch unretouchiert sehr nah am Schönheitsideal sind oder es gar nahezu perfekt repräsentieren. Ein Fokus auf die Vorher-Nachher-Bilder hinterfragt selten, wer_welche überhaupt dargestellt wird. Also eben jene Punkte, die eine tiefergehende Analyse, wie oben angerissen, leisten sollte. Die Aussage bleibt dann unklar. Schöne ™ Frauen werden noch schöner ™ gemacht? Die unveränderte Schönheit aber ist erreichbar und erstrebenswert? Guck mal, selbst diese Frau, die für andere Schönheitsvorstellungen eintreten möchte, lässt sich ja retouchieren!? In jedem Fall bleibt der Fokus bei den involvierten Frauen, nicht auf dem System.

(Und dann denken wir alle noch einmal darüber nach, was für wundervoller, wichtiger feministischer Aktivismus mit 10.000 Dollar hätte finanziert werden können.)


Facebook | |


Fette Fotos, Gewinnspiele und queer-feministisches Biertrinken – die Blogschau

7. Dezember 2013 von Magda
Dieser Text ist Teil 228 von 253 der Serie Die Blogschau

Zine-Fans, aufgepasst: Es gibt ein brandneues heteronormativitätskritisches Zine namens out_hentisch.

Die Berliner Gruppe Fat Up! hat auf ihrem Blog fette Fotos gegen Patriarchat und Körpernormen veröffentlicht.

Die feministische Punkband Respect My Fist gab ein Interview zu feministischer Musikarbeit und politischer Verantwortung.

Auf reizende Rundungen und In Fat Style gibt’s hübsche Outfits für Modefans.

Der erste Teil der neuen Miniserie zu Verschlüsselung von Kommunikation und Daten findet ihr auf Femgeeks.

Eine kritische Linksammlung zu One Billion Rising hat Am Zaun zusammengestellt.

Bei Derailing für Anfänger gibt es die ultimative Anleitung für jene, die Aktivist_innen so richtig nerven und deren gesellschaftskritischen Argumente delegitimieren wollen – selbstverständlich mit einem Augenzwinkern zu verstehen.

Identitätskritik schreibt über die Verharmlosung von sexualisierter Gewalt. Ihr Text ist Reaktion auf vergewaltigungsverharmlosende Blogeinträge, die gerade im Netz kursieren, und keiner Verlinkung wert sind. Achtung: Beschreibung von gewaltvollen Szenen.

Fuckermothers weist noch einmal auf die Petition gegen die Sanktionen von HartzIV hin – bis zum 18.12. werden 50.000 Unterschriften benötigt.

Unsere österreichischen Kolleg_innen sind ganz wild auf Weihnachtsgeschenke: sugarbox präsentiert einen queeren Adventskalender, die Denkwerkstatt verschenkt bei einem Gewinnspiel tolle Geschenke (z.B. ein an.schläge-Abo) und der futblog hat Geschenkideen von lokalen Feminist_innen aufgelistet. Support your local feminists!

Das nächste queer-feministische Biertrinken in Frankfurt/Main findet am 9. Dezember statt.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


Facebook | |


Trübe Toiletten, traurige Väter, tolle Leggings – die Blogschau

16. November 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 226 von 253 der Serie Die Blogschau

“Es gibt hier keine trennung von kunst und leben oder lebensrealität” – einen Bericht über das No Border Musical gibt es bei Candy Techno.

Mansplaining, Derailing und übergriffiges Verhalten sind besonders bitter, wenn sie aus dem eigenen vertrauten und sich als verbündet verstehenden Umfeld kommen, weiß Literalschaden, und wünscht sich: Überdenkt eure Solidaritäten!

Wenn Neue Väter Diskriminierungsneid und Privilegienschaulaufen mit struktureller Benachteiligung verwechseln, fließen manchmal TränenAntiprodukt wischt sie auf.  A++ Ranting reicht ebenfalls ein Taschentuch. Und einen Nachtrag, um Missverständnissen vorzubeugen.

Außerdem erklärt A++ Ranting, was gemeint ist mit der Aussage: Sachlichkeit ist ein Privileg.

Im Sitzen pinkeln ist nicht nur putzbedarfverringernd, sondern gerade deshalb herrschaftskritische Politik, weiß Laufmoos.

Leggings sind entgegen anderslautenden Gemunkels sehr wohl Hosen – und zwar ganz tolle, findet Heng.

w_ortfindungen fragt sich: Wohin geht eigentlich all meine Wut, wenn ich gelernt habe, sie maximal gegen mich selbst zu richten?

Am 11. November 2013 hat die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V. sowie mehrere Einzelpersonen Strafanzeige wegen Totschlag oder Mord gegen unbekannte Polizeibeamte gestellt.

Die AG FAK (Feministisch.Aktionsbereit.Kritisch.) ruft auf: Keine Plattform für menschenverachtende Ideologien! Die für den 23.11. geplante Konferenz COMPACT  verunmöglichen!

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


Facebook | |


Männerkunst,Transgender Treff, Fat Fashion – die Blogschau

19. Oktober 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 221 von 253 der Serie Die Blogschau

Wenn Pop-Art-Sexist Mel Ramos und Nazi-Kunstgröße Richard Müller, ergänzt durch Werke von Wolfgang Joop,  eine gemeinsame Ausstellung im Leipziger Museum der bildenden Künste bestreiten, “wird nicht mal ver­sucht, zu ver­schlei­ern, dass es sich um eine Aus­stel­lung von Män­nern für Män­ner han­delt”, so die outside the Box.

Einen Bericht von Michaela Werner über den  letzten Transgender Euregio Treff gibt es beim gleichnamigen Blog: “Es war ein unheimlich schöner und ausgelassener Abend, in dem wir uns über viele Dinge unterhalten konnten, die man so nur in einem persönlichen Gespräch angemessen darlegen kann.” Das nächste Treffen in der Bodenseeregion findet am 9. November statt.

Nadias Weg “von der digitalen WG in die erste eigene Web-Wohnung” – Die berühmt-berüchtigte “Bloggerin von Shehadistan” im Interview bei blogger-antworten.de.

“Gedankensalat” zum großen Thema Selbstfürsorge serviert Unter der Glasglocke und setzt sich mit Kritik am Selfcare-Konzept auseinander:  “Ich verstehe die Kritik nicht als Kritik an den Umgängen und Strategien an sich, sondern als Kritik an der Dominanz der Texte, dem Vokabular und der Nicht-Berücksichtigung von Lebensrealitäten. Ich verstehe sie als ein Aufzeigen von gewaltsamen und klein haltenden Strukturen, die aus psychiatrischem System und christlicher Fürsorge-Geschichte kommen und die sich durch diese Texte zu Selbst-Fürsorge ziehen.”

Die Fatty Fashion Fun Challenge ändert ihre Mitspielregeln und erklärt, warum die Mindestkleidergröße für die Teilnahme nun bei  46 liegt: “Niemand kann gegen das Körperempfinden eines anderen Menschen argumentieren und das wollen wir auch nicht, aber wir wollen auch nicht unterstützen, dass ganz durchschnittliche Figuren als dick und außerhalb der Norm angesehen werden. Das Problem an der Sache ist, dass wir nun wiederum eine Einteilung vornehmen müssen, eine Rolle die uns nicht gefällt, aber für uns leider notwendig.”

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


Facebook | |


Nervige Gleichberechtigung, gläserne Decken, geschlechtsneutrale Menstruationskalender – kurz notiert

3. Oktober 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 206 von 242 der Serie Kurz notiert

Beiträge auf Deutsch

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über eine “Studie: Jeden vierten Mann nervt Gleichberechtigung“. Eine repräsentative Umfrage bei mir hingegen hat ergeben: Mich nervt jeder vierte Mann (konservative Schätzung).

Außerdem vermeldet die Süddeutsche: “Uni Potsdam führt weibliche Sammelbegriffe ein“. Die Begründung für diese Neuerung ist allerdings ziemlich mies.

Bei arte Yourope gab es kürzlich einen (leider nicht ohne sexistische Re_produktionen auskommenden) Beitrag über Sexismus im Alltag. Welche_r heute morgen um 1:45 die Wiederholung nicht anschauen konnte, aber trotzdem interessiert ist: Der Beitrag befindet sich derzeit noch in der arte-Mediathek.

“Ein lesbischer, poetischer, erotischer Roman voller Intrigen und intimer Details” – das neue Buch “Küss mich, Libussa” von Sophie Strohmeier. Auf youtube gibt es den Buchtrailer.

Ein Forschungsteam aus der Schweiz untersucht die Geschlechterungleichheiten in Ausbildungs- und Berufsverläufen.  Ein Befund:  “Krankenpfleger und Kapitäninnen sind weiterhin eine Rarität”. Ein Interview dazu mit Andrea Maihofer, Forscherin und Leiterin des Zentrum Gender Studies, und Sandra Hupka-Brunner, Forscherin am Institut für Soziologie in Basel, gibt es hier.

“Wir wissen alle, dass Gletscher schneller schmelzen als Frauen in Führungspositionen kommen” – auch im Journalismus. Bei dieStandard erklären Expert_innen wie Vina Yun, u.a. Redakteurin der an.schläge, was sich ändern muss.

Die Stadt Nürnberg hat letzten Sonntag den 10. Internationalen Menschenrechtspreis an Kasha Jacqueline Nabagesera verliehen. Sie setzt sich “für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen in Uganda” ein.

Im Tagesspiegel erzählt ein 15jähriger Berliner, wie Alltagsrassismus seit jeher sein Leben begleitet: “Afrodeutsche stehen in Berlin immer unter Verdacht”.

Im vergangenen Winter haben wir in mehreren Beiträgen über die Tagung “Schneewittchen rechnet ab. Feministische Ökonomie für anderes Leben, Arbeiten und Produzieren” berichtet. Nun ist das gleichnamige Buch erschienen. Es beleuchtet die Zusammenhänge zwischen aktuellen ökonomischen Entwicklungen und privaten Lebensbedingungen aus feministischer Perspektive. Übrigens: Auf der Infoseite zum Buch gibt’s auch ein Video.

Beiträge auf Englisch

Gegen Genitalverstümmelungen an Kindern: Die Gründer_innen von zwischengeschlecht.org rufen anlässlich eines anstehenden internationalen Ärzt_innenkonkress in Berlin zu Aktionen auf.

Hier kann man eine Petition an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon unterzeichnen, die den weltweiten Zugang zu sicheren und legalen Abtreibungen fordert. Initiatorin ist die Kampagne My Body is Mine.

In einem Interview wurde die Musikerin Janelle Monaé nach ihrer “sexuellen Orientierung” befragt. Was sie antwortete, ist in diesem Video zu sehen, welches sich bei Colorlines findet.

Was sich aus der bisher umfangreichsten UN-Studie über Vergewaltigung lernen lässt, fasst Tara Culp-Ressler auf Thinkprogress zusammen. Der Punkt der faktischen Straflosigkeit gilt übrigens genauso wie die anderen auch für “hier”.

Über Fluch und Segen staatlicher Förderung berichten kanadische Aktivistinnen, die eine Datenbank zur Dokumentation von Morden an indigenen Frauen ins Leben gerufen haben.

Discipline and Anarchy fragt: Brauchen soziale Bewegungen ein mainstreamgerechtes Image? Und liefert eine überzeugende Antwort gleich mit.

Für alle die Android-Devices nutzen, gibt es nun eine geschlechtsneutrale Menstruationskalender-App. Die Entwicklung einer IOS-Version (für iPhones) soll demnächst per Crowdfunding angegangen werden.

Im Sommer wurde in Tiflis die erste georgischsprachige Produktion von Eve Enslers “The Vagina Monologues” aufgeführt. Im New Statesman berichten Beteiligte von den lokalen Kontroversen um das Theaterstück.

Das bitch magazine hat JD Samson interviewt, ehemaliges Mitglied von Le Tigre und nun bei der Band MEN.

Warum sie das Wort “Ally” (Verbündete_r) künftig nicht mehr verwenden wird, erklärt Mia McKenzie von Black Girl Dangerous:  “Taten zählen. Etiketten zählen nicht.”

Kelly Rose Pflug-Back beschreibt bei The Feminist Wire, warum sexuelle Befriedigung kein zuverlässiger Gradmesser für “sexuelle Befreiung” ist [Content note: grafische Selbstverletzungsfantasien].

Muslimah Media Watch fragt: Wie sieht eigentlich eine Terroristin aus?

Weitgehend unbeachtet von globalwestlichen feministischen Bewegungen erlangen in afrikanischen Ländern immer mehr Frauen einflussreiche Positionen, schreibt Minna Salami im Guardian.

Ebenfalls im Guardian: Lauren Mayberry, Sängerin der Band CHVRCHES, über ihren Umgang mit Online-Misogynie.

Der Modedesigner Rick Owens erhielt für die Präsentation seiner kommenden Frühjahrkollektion  ziemlich viel Jubel aus progressiven Kreisen. Tamara Winfrey Harris fragt bei Racialicious: Zu recht?

Termine in Basel, Berlin, Dortmund, Frankfurt/Main, Hüll, Karlsruhe, Wien: (mehr …)


Facebook | |


I Started A Blog And All I Got Was This Lousy T-Shirt

19. August 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 59 von 59 der Serie In Bildern: Das denkt die Welt

Shirts mit irgendwelchen Sprüchen und Slogans drauf können ja eine prima Sache sein. Ich kann damit etwas, das mich bewegt, zum Ausdruck bringen, mich der Welt als Person mit bestimmten Vorlieben oder Ansichten präsentieren, kann zeigen was ich wichtig finde und wer ich bin. Wenn ich also z.B. mit jemandem aus der Digital Bohème romantisch involviert bin, kann ich das – sofern ich irgendwas zwischen Größe 34 und 42 trage – mit dem passenden C&A-Oberteil zeigen. Top.

inlovewithablogger_c&a

Screenshot vom C&A-Onlineshop

An der Aussage “I’m in love with a blogger” ist ja auch so erstmal nichts Schlimmes dran. Verliebt in eine_n Blogger_in, why not? Ich selbst kenne so einige Bloggerinnen, die zu den hinreißendsten Menschen gehören die ich je getroffen habe. Und was ich so wichtig finde, dass ich es der Welt qua T-Shirt-Aufdruck über mich mitteilen möchte, ist ja auch erstmal meine Sache.

Es überrascht wenig, dass man bei C&A dasselbe Motiv in der Männerabteilung vergebens sucht. Denn es ist weder sonderlich spannend noch identitätsstiftend, in wen so ein Typ verliebt ist, da interessieren mehr Musikgeschmack oder bevorzugte Sportart, das sagt doch viel mehr über den Menschen als solchen aus. Außerdem zeigen heterosexuelle Männer – alle anderen sind ja nunmal Minderheit und daher marketingtechnisch vernachlässigbar – bekanntlich ihre Gefühle  nicht  gern so direkt – die machen das eher  subtil, mittels objektifizierter Frauenkörper(teile), das ist aber wertschätzend gemeint. Und weil Frauen sich für Computer nicht so interessieren,  gibt es bestimmt eh nur ganz wenige Bloggerinnen, geschweigedenn solche, in die man(n) sich verlieben könnte…

Außerdem, mal ehrlich: Also klar, “Blogger”, im Englischen ist das geschlechterübergreifend, und außerdem generisches Maskulinum – aber so’n bisschen missverständlich ist das vielleicht doch, wenn so ein Typ sich “I’m in love with a blogger” auf die Brust schreibt, hihi, und das lassen wir dann vielleicht lieber mal, das kommt bei der Kundschaft wohl nicht so gut an.  Androzentrisch und heterosexistisch ist das Shirt und die Tatsache, an wen es (nicht) vermarktet wird, allerdings null, denn wie gesagt, “Blogger” kann ja auch Bloggerin heißen, also da sind keinesfalls nur heterosexuelle Frauen mitgedacht!

Frauen, klar, die definieren sich schon viel über ihre Männerbeziehungen – Tochter des, Freundin von und so. Und wenn der Lover einen coolen Job hat oder ein Hobby, das was hermacht, das ist ja auch ein Statussymbol und sagt etwas über den Wert seiner Partnerin aus.  Und natürlich sind Blogger cool! Und natürlich ist für Frauen Liebe ganz ganz wichtig.

Übrigens im C&A-Frauensortiment nicht auffindbar: ein Shirt mit der Aufschrift “I’m a blogger” oder meinetwegen “I’m in love with my blog”. Aber ich versteh das schon, Frauen bloggen eben kaum, und es ist natürlich auch wesentlich interessanter, in wen eine Frau verknallt ist als was sie selbst so macht – und außerdem, was, über das eine Frau bloggt, sollte wohl so spannend sein, dass sie damit auf einem Shirt hausieren gehen wollen würde? Das ist jetzt einfach eine Beobachtung, mit Sexismus hat das nichts zu tun .

Ich persönlich habe eigentlich – abgesehen von den vermutlich skandalösen Produktionsbedingungen – gar nichts einzuwenden gegen dieses Shirt, im Gegenteil: Ich überlege, es meinem Boyfriend zu schenken.


Facebook | |


Fettcast #1: Ein Podcast über dickes Leben, dicke Politik und dicken Alltag

15. Juli 2013 von Magda
Dieser Text ist Teil 19 von 26 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Konfetti! Es gibt einen neuen Podcast! Ragni und ich sprechen im FettCast über ein dickes Leben, dicke Politik und dicken Alltag. Dabei wollen wir nur über unsere Erfahrungen sprechen, aber gleichzeitig unsere Sichtweisen teilen, um uns mit anderen austauschen zu können. Wir sind auch sehr neugierig auf eure dicken und fetten Gedanken und Erfahrungen. Auf Soundcloud findet ihr eine ausführliche Beschreibung zu dem Podcast und warum wir die politischen Begriffe ‘dick’ und ‘fett’ (als Selbstbezeichnungen) nutzen.

Episode 1

Vorstellung & Erfahrungen mit Fat Shaming
Wer sind wir und wann haben wir angefangen, Körpernormierungen und Diäten in Frage zu stellen? Wir sprechen über Anziehsachen kaufen und tragen, Erfahrungen in der Kindheit mit Fat Shaming, Sport (z.B. im Schwimmbad und im Fitnessstudio) und diskutieren dann, was Fat Empowerment für uns bedeutet.

Fat Empowerment
Fat positive Aktionen oder Tätigkeiten, die eine Alternative zu einer Gesellschaft anbieten, in der Dicke_Fette stigmatisiert werden und in der Fat Shaming normalisiert und unhinterfragt ist. Fat Empowerment bezieht sich also auf alle Aktionen, die diskriminierende Logiken in Frage stellen und unterwandern. Dabei verwenden wir bewusst einen weiten Aktivismus-Begriff: fat positive Bücher lesen, Modeblogs schreiben und lesen, essen, sich was gutes tun (“self-care”), Kleidertausch, Dinge selber machen (nähen), Kleiderkreisel und “fette Banden bilden” (dies ist ein Zitat aus dem Spoken Word von Maxi*: “Kotzen: Ein Blick über den Fettrand der Gesellschaft – Challenging Thin Privileges from a Fat Perspective”)

Wir arbeiten gegen die irrtümliche Annahme, dass “Dick”- oder “Fett”-sein etwas Schlechtes ist, und dulden deshalb auch keine diskriminierenden Kommentare.


Facebook | |


Das politische Potential von Fat Fashion

3. Juli 2013 von Magda
Dieser Text ist Teil 18 von 26 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Virgie Tovar, mit freundlicher Genehmigung von San Francisco Chronicle

Virgie Tovar lebt in San Francisco und ist eine der führenden US-amerikanischen Expert_innen in den Bereichen Diskriminierung von dicken_fetten Menschen und Körper­bilder. Sie hat einen Bachelor in Politik­wissen­schaften und einen Master in Human Sexuality mit Fokus auf Gender, Race und Körper. Sie ist Heraus­geberin der 2012 erschienenen Anthologie Hot & Heavy: Fierce Fat Girls on Life, Love and Fashion (Seal Press). Dies ist der dritte Teil des Interview (Teil eins & Teil zwei). Das ungekürzte englische Originalinterview findet ihr unten.

Vor einiger Zeit wurde der Artikel “Modepolizei: Wie Plus-Size Bloggen seine radikalen Wurzeln hinter sich ließ” (englischsprachig) in US-amerikanischen fat positiven Communities kritisch diskutiert. Als eine Mode-Lieb­haberin: Was denkst du über den Artikel?

Ich denke, dass Kelly Faircloth eine wert­volle Kritik daran äußert, welche Rolle Mode in fat positiven Politiken ein­genommen hat. Ich kann nach­vollziehen, wie Mode manchmal wie ein Wett­rennen um Respektabilität verstanden werden kann und ich sehe auch, welche problematischen Strukturen in der Mode­industrie herrschen – ihre Geschichte mit Sexismus und Rassismus, die grauen­haften Arbeits­bedingungen und der Ausschluss von fetten Körpern.

Vor diesem Hinter­grund muss aber erwähnt werden, dass Mode eine der wenigen Bereiche ist in fat positiven politischen Kontexten, in denen Women of Color sichtbar sind und als Vor­bilder agieren. Ich beobachte auch, wie viele dicke_fette Queers of Color führende Rollen einnehmen, wenn es darum geht Mainstream-Mode zu radikalisieren und zu destabilisieren z.B. durch Dinge wie Kleider­tausch und Trödel­märkte oder gar selbst als Produzent_innen tätig werden (da fällt mir beispielsweise Plump Polish ein). Ich habe darüber schon mit vielen Fatshionistas gesprochen und ich bin über­zeugt, dass die von Kelly Faircloth formulierte Kritik recht schnell in internalisierte Femme­phobie/Misogynie abdriften kann.

Kleidung ist sehr komplex, und Mode hat große Bedeutung für Menschen aus unter­schiedlichen (oftmals historischen) Gründen. Nimm zum Beispiel die Dokumentation Paris is Burning oder das Buch Disidentification. Queers of Color and the Performance of Politics von Jose Munoz und du wirst beginnen die komplexen Ver­bindungen zwischen Mode, Performativität, Race, Gender und Sexualität zu erkennen. Ich denke einfach, dass es gefähr­lich ist, alle Menschen in der Bewegung an einem einzigen Standard von Aktivismus zu messen, der nur Raum lässt für die Radikalsten und Kritischsten.

Vielen Dank für dieses wunder­bare Interview, Virgie! Eine letzte Frage noch: Wie sehen deine zukünftigen Pläne, Aktionen oder Wünsche aus bezüglich Fat Aktivismus und Fat Empowerment?

Ich habe VIELE zukünftige Pläne, Aktionen und Wünsche. Manche von ihnen stellen noch ein Mysterium für mich dar, aber das finde ich sehr spannend. Die Träume, die ich habe, sind folgende:

Ich möchte eine kurze Dokumentation über die medizinische Dis­kriminierung von dicken_fetten Menschen machen.

Ich möchte eine fette Befreiungs­armee mitgründen – unsere bevor­zugten radikalen Waffen werden Glitzer, Spaß und choreo­graphierte Tänze sein.

Ich möchte gerne an einem soliden und machbaren Plan für eine nach­haltige Fat Bürger_innen­rechts­bewegung mit­arbeiten, die sich dem sozialen und gesetz­lichen Wandel verpflichtet.

Ich möchte gerne einen Schutzraum für fat babes mit Farnpflanzen und einem Whirl­pool und einer Margarita Maschine.

Ich möchte noch ein weiteres Buch darüber schreiben, wie wir unsere Beziehungen zu unseren Körper verändern können.

Ich möchte ein Miss Piggy Kleid besitzen.

++++++++++++++++++++++ENGLISH++++++++++++++++++++++

(mehr …)


Facebook | |


Tipps für gestresste Aktivist_innen

26. Juni 2013 von Magda
Dieser Text ist Teil 17 von 26 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Virgie Tovar, mit freundlicher Genehmigung von San Francisco Chronicle

Virgie Tovar lebt in San Francisco und ist eine der führenden US-amerikanischen Expert_innen in den Bereichen Diskriminierung von dicken_fetten Menschen und Körper­bilder. Sie ist Heraus­geberin der 2012 erschienenen Anthologie Hot & Heavy: Fierce Fat Girls on Life, Love and Fashion (Seal Press). Im ersten Teil dieses Inter­views sprachen wir über ihr aktuelles Buch und den politischen Back­lash gegen Fat Positivity. In diesem zweiten Teil gibt Virgie viele hilf­reiche Tipps für gestresste (Fat) Aktivist_innen. Das englische Originalinterview findet ihr unten. 

Du erwähntest im ersten Teil des Interviews, dass viele Aktivist_innen bei an­strengenden aktivistischen Kämpfen auf der Strecke bleiben, ins­besondere jene mit weniger Privilegien. Wie kommst du mit dem emotionalen Stress klar? Hast du hilf­reiche Tipps für gestresste (Fat) Aktivist_innen?

Früher habe ich viel Aktivismus gemacht, der sehr anstrengend und stressig für mich war – heute nicht mehr. Ich bin ver­schiedenen Diskriminierungen aus­gesetzt und realisierte, dass ich eine Form des Aktivismus finden muss, die für mich funktioniert, sonst würde ich nicht über­leben. Also hörte ich auf mit Aktivismus, der mir schadete, mich stresste oder wehtat, um mich jenen Formen des Wider­stands zu widmen, die mich wieder aufbauen, mich empowern und mich glück­lich machen. Ich finde die Sicht­barkeit meines Aktivismus sehr stärkend, und nicht anstrengend. Ich denke, dass Menschen sich zu unter­schiedlichen Formen von Wider­stand hin­gezogen fühlen und daraus etwas ziehen können oder eben nicht.

Meine Persönlichkeit passt genau zu dem Aktivismus, den ich tue. Ich rede gerne, bin meinungs­stark und ich liebe Aufmerk­samkeit. Ich fühle mich von Sicht­barkeit regel­recht angezogen und finde das empowernd, gar nicht stressig. Für eine, die früher komplett un­sichtbar sein wollte, weil ich fett bin, ist es für mich heute heilsam, so viel Aufmerk­samkeit zu bekommen. Ich weiß aber, dass die Sicht­barkeit, die mich stärkt, für andere, die ebenfalls von Mehr­fach­diskriminierung betroffen sind, kräfte­zehrend oder gar schädlich sein kann. Und ich weiß ebenso, dass die Fat Bewegung darunter leidet, weil diese Stimmen abwesend sind.

Für gestresste Aktivist_innen habe ich aber ein paar Tipps!  (mehr …)


Facebook | |



Anzeige