Einträge mit dem Tag ‘Mode’


Mode als Indikator gesellschaftlichen Wandels

24. November 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 88 von 94 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

Im Nahtschatten
(auf Twitter @Barbara_berlin, auch über Facebook und Bloglovin)

Wie heißt du?
Barbara Russ

Seit wann bloggst du?
Ich blogge seit April 2009.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Ich habe Modedesign studiert, war aber immer mehr am Schreiben und am Lesen über Mode interessiert, als am Entwerfen und Schneidern. Nach der Ausbildung an der ESMOD habe ich zwei Jahre gearbeitet und den Traum vom Schreiben ein bisschen schleifen lassen. 2009 bin ich dann nach Berlin gezogen, habe noch mal angefangen zu studieren und bin durch meinen Freund
zum Bloggen gekommen. Es hat mir von Anfang an Spaß gemacht und war der erste Schritt zur Erfüllung meines Traums. Bloggen ist ein wunderbarer Einstieg – nicht nur in die Modebranche.

Worüber schreibst du?
Auf meinem eigenen Blog (Im Nahtschatten) schreibe ich über die Schattenseiten der Mode. Das muss nicht unbedingt etwas negatives heißen. Zum Beispiel kann das Modegeschichte oder Modetheorie beinhalten, die von den meisten Menschen nicht beachtet wird. Oder ich lese ein Buch, das mit Mode zu tun hat und stelle es vor. Mich interessiert das einfach mehr, als was irgendwer gerade auf der Straße trägt. Obwohl das auch wichtig ist, denn es dokumentiert Gesellschaft und gesellschaftlichen Wandel. Ich versuche die Dinge, die ich im Studium lerne, sei es Soziologie oder Kulturwissenschaft, auf Mode anzuwenden. Das Schreiben hilft auch gegen das Vergessen.
Auf den anderen Blogs (modabot, fashionfreax, globe-m) schreibe ich über Mode, Kultur & Lifestyle. (weiterlesen …)


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Mode ohne Models, rassistische Werbung und feministisches Dating – Kurz Notiert

5. Oktober 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 124 von 138 der Serie Kurz notiert

Ein Interview mit Samhita Mukhopadhyay von feministing zu ihrem neuen Buch über Dating und Feminismus findet ihr auf The Globe and Mail.

Gerade wurden die Gewinner_innen des Alternativen Nobelpreise bekannt gegeben. Unter den Geehrten werden zwei Aktivistinnen sein, die sich seit Jahren für Frauen und Kinder einsetzen: die Rechtsanwältin Jacqueline Moudeina aus dem Tschad und die US-amerikanische Hebamme Ina May Gaskin.

Kübra Gümüsay gehört laut dem Magazin für Journalisten zu den Top 30 Journalist_innen unter 30. Herzlichen Glückwunsch!

„Mütter spielen eine stärkere Rolle, ob ihre Kinder sexistisch eingestellt sind als Väter“ – diese Nachricht von Telepolis wurde gerade durch die Twittersphäre gereicht. Entwarnung für Männer gibt sie allerdings nicht: Sie waren durchweg sexistischer eingestellt als Frauen.

2007 zog sich die Technikbloggerin Kathy Sierra nach Todesdrohungen aus dem Internet zurück. Nun ist sie wieder da und äußert sich zur Pseudonymdebatte: Denkt nach was ihr schreibt und moderiert Kommentare! (Trankskript des Videos von geekfeminism)

Wie sehen Modelposen eigentlich aus, wenn sie von Frauen jenseits normschöner Idealmaße gezeigt werden?

Am 1. Oktober fanden SlutWalks in Seattle und in New York City statt. In New York kam es zu einem ekelhaften Vorfall, bei dem ein Trans*mann verhaftet und völlig unangemessen von der Polizei behandelt wurde.

Laut NDR.de liegt erstmals in Deutschland die Führung eines Landesparlaments ausschließlich in den Händen von Frauen: Der neue Landtag in Schwerin.

Homophobe Kackscheiße: Eine neue App auf dem französischen Markt soll herausfinden, ob der Sohn schwul ist.

Schon etwas älter, aber immer noch interessant: “Kann ein Geschlechtsteil rassistisch sein?” – fragt Oliver Baroni auf 20 Minuten Online. Wohl nicht – Aber Werbung für ein Intim-Hygieneprodukt durchaus.

Termine

Am 13. Oktober findet in der Begine in Berlin eine Veranstaltung zur Lesbenbewegung in Afrika statt. Die Referentin Liz Frank lebt seit 21 Jahren mit ihrer Lebensgefährtin in Windhoek, Namibia und ist Aktivistin der dortigen Lesbenbewegung.

Vom 13. bis 15. Oktober findet das QueerFilmFest in Rostock statt.


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Slutwalk Münster, Intimes und Mode – die Blogschau

10. September 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 124 von 143 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Juchu! Slutwalk Münster findet am 29. Oktober 2011 statt. Gesucht werden laut Missy Magazin noch Mentor_innen und Sponsor_innen, die bei der Planung und Finanzierung helfen.

Cassiop hat beim 2. bundesweiten Netzwerktreffen junger Feministinnen in Darmstadt teilgenommen und berichtet auf ihrem Blog Authentische Begegnungen von ihren Erlebnissen.

Auf ihrem Blog Rheinsalon befasst sich Katharina Oerder mit dem Thema Jungs als Bildungsverlierer und resümiert: “Entspannt Euch, Jungs“.

Antje Schrupp bloggt über Schönheitsideale und Körpernormierungen und wagt sich an das Thema Intimrasuren und Schönheits-OPs an der Vulva - autsch!

franziska von Anarchieundlihbe antwortet auf Antje Schrupp mit “Mein Schamhaar & Ich” und kommt zu dem Schluß, dass für sie “die Rasur des Intimbereichs am meisten Sinn macht”.

fuckermothers befasst sich mit dem Begriff Milf - “Mom I’d like to fuck” – und findet ihn echt blöd.

Missy Stargast des Monats Maria Wersig (schon einmal in den WWW Girls vorgestellt) bloggt über Rassismus und Recht: “Rasse” als Rechtsbegriff.

Auf changinglifestyle findet ihr einen tollen Beitrag über Mode aus historischer Perspektive, der Bezug nimmt auf einen Artikel aus dem Zeit Magazins (Nr.36) von Elisabeth Raether (Autorin von Neue deutsche Mädchen): “Der weibliche Blick“.

Anna-Sarah berichtete bereits über das taz-Interview mit dem Sozialpsychologen Rolf Pohl (von 2009), auch momorulz widmet sich dem Thema und konstatiert, dass “Herr Pohl [neben Sexismus] homophobe Strukturen gleich mit erhellt”.

Einen Vortrag von Tove Soiland zu “Subversion, wo steckst du? Eine Spurensuche an den Universitäten” findet ihr auf podcast-kombinat.de. Dieser wurde im Rahmen einer Vortragsreihe vom Promotionskolleg Geschlechterverhältnisse im Spannungsfeld von Arbeit, Organisation und Demokratie in Marburg gehalten.

Wer sich für Literatur, Bücher und Gedichte interessiert, schaut einfach mal auf dem Blog LesenLebenAbenteuer vorbei.

Für eine bessere Vernetzung der (feministischen) Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Wer ist hier eigentlich wir?

31. Mai 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 35 von 42 der Serie Meine Meinung

Über unsere Facebookseite kam der Hinweis auf die aktuelle Freundin und das „sommer special“. Wahrscheinlich ist das mal alles wieder nicht so gemeint, aber hier drängt sich der Eindruck auf, wir Meerjungfrauen (= die weiße schlanke Frau) schmückten uns mit Ethno-Accessoires im Großformat (= die fülligeren, nicht-weißen Frauen darum herum).

Bild aus der Freundin mit einer schlanken, weißen Frau in heller Kleidung, um sie herum fülligere, dunkelhäutige Frauen. Die Überschrift: Wir spielen Meerjungfrau

Screenshot von freundin.de

Liebe Freundin, ich finde das nur noch peinlich und ich will nicht in euer blödes „Wir Meerjungfrauen“ gehören und ich will, dass Ihr mit sowas aufhört. Der Kolonialismus ist seit Jahren out und das zu Recht. Inzwischen sollte auch Euch klar sein, dass all diese vermeinlich „orientalischen“ und „exotischen“ Menschen, wirklich Menschen sind. Die man, verdammt noch mal, auch wie Menschen behandelt. Aber stattdessen stellen sich Modezeitschriften weiter hin und benutzen nicht-weiße, nicht-schlanke Menschen als Hintergrunddeko, als Ethno-Accessoires, als Dinge. Im widerlichsten Fall dient Armut noch als die Leinwand, auf der der Luxusbekleidung mal so richtig gehuldigt wird. Das ist nicht originell, das ist respektlos und trotzdem wird es immer und immer wieder wiederholt. Hört auf damit!


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Schön, schöner, weiß

20. Januar 2011 von Magda

In den letzten Jahren hat Jezebel die New Yorker Modeszene intensiv beobachtet: Obwohl Models of Color* zeitweise vermehrt für Laufstege gebucht wurden, hat dieser Trend offensichtlich nicht angehalten. Die traurige Bilanz: Die Modewelt ist und bleibt weiß dominiert. Die Dominanz eines weißen Schönheitsideals wird nicht nur anhand der geringen Anzahl von People of Color deutlich, sondern auch in der Art und Weise, wie diese abgebildet werden. Besonders Frauen werden oft im Kontext von Exotik, Wildheit und/oder Natur dargestellt. Darüber hinaus werden sie an Kriterien gemessen, die sich an einem weißen Ideal orientieren – je näher die Hautfarbe an diesem Ideal, desto besser gebucht und desto öfter fotografiert.

Folgende Nachricht mag in diesem Kontext wenig überraschen: Die über die indischen Grenzen bekannte Bollywood-Schauspielerin und ehemalige Miss World Aishwarya Rai Bachchan war auf der Dezember-Ausgabe des indischen Elle Magazins abgebildet, und zwar regelrecht “weiß gewaschen” (engl: whitewashing). Laut diverser Quellen soll die bekannte Darstellerin nicht erfreut gewesen sein, dass ihr Bild mittels Airbrushing und Photoshop stark verfälscht wurde. Gerüchte besagen, dass Bachchan überlegt, das Magazin wegen der Nachbearbeitung des Coverfotos zu verklagen. Eine Petition von change.org kann bereits unterschrieben werden.

Das so genannte “Weißwaschen” ist in Indien ein lukratives Geschäft. So gibt es diverse Cremes, die die Haut angeblich verändern sollen und sogar eine Facebook-Application, die die Profilbilder automatisch “weiß macht”.

Das Magazin Elle wird übrigens nicht zum ersten Mal beschuldigt, an der Hautfarbe eines Models herumzudoktern. Im September war die Schauspielerin Gabourey Sidibe (“Precious”) auf dem Cover der amerikanischen Ausgabe der Elle zu sehen – und zwar auch deutlich “weißgewaschen”.

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* Models of Color ist von der Bezeichnung People of Color (PoC) abgeleitet, eine selbstbestimmte Bezeichnung von und für Menschen, die nicht weiß sind.


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Blogschau: It’s all about the bitchy protest!

9. Oktober 2010 von Nadine

Für viel Begeisterung sorgte bereits am vergangenen Wochenende der Auftritt der Niqabitches in Paris. Nach dem Burka-Verbot in Frankreich sei das der erste subversive Protest gegen gesetzlich legitimierten antimuslimischen Rassismus, berichtet Ein Fremdwörterbuch. Den Niqabitches könnt ihr auch auf Twitter folgen.

Unsere Leserin Anna weist uns noch auf das “Islamic Fashion Festival” in Monte Carlo hin. Das Festival macht nach Kuala Lumpur und Jakarta nun das erste Mal in Europa Station, um mit Mode Stereotypen und Vorurteilen zu begegnen. Daumen hoch!

Wie bereits beim letzten Genderissimi berichtet, waren Annina, Tessa und Julia in Kairo beim Young Media Summit, das “[den] Austausch und [die] Vernetzung zwischen jungen Medienschaffenden aus der arabischen Sprachregion und Deutschland” fördern soll. Auf der Seite des Young Media Summit und bei Annina (Teil 1, 2, 3) könnt ihr die Eindrücke der Teilnehmer_innen nachlesen und erfahrt, welche Menschen hinter den jeweiligen Blogs stecken. Viel Spaß!

Das Netzwerk Kritische Migrations- und Grenzregimeforschung stellt sich gegen Ausgrenzung und fordert Demokratie statt Integration. Fast 2500 Menschen haben die Stellungnahme bereits unterzeichnet, ihr könnt euch ebenfalls am Protest gegen (antimuslimischen) Rassismus und Xenophobie beteiligen, per Unterschrift und/oder ausgedrucktem Flyer oder Poster.

Watch Salon berichtet von der Quotendiskussion bei der CSU in Bayern. Die 40-Prozent-Quote wird nicht für alle Parteiämter gelten, so wie ursprünglich geplant. Denn besonders JU-Vizechefin Katrin Poleschner wurde nicht müde, die Rhetorik von der Quotenfrau wieder aufzukochen (sic!), nach dieser Frauen gar nicht ausreichend qualifiziert sein können und nur qua Geschlecht diese Position erreichen.

Auf L-Talk gibt es ein Interview mit Antje Wagner über lesbische Literatur. Wagner liest außerdem heute Abend bei der lesbisch-schwulen Lesenacht in Frankfurt am Main.

Das European Pro-Choice Network hat einen Offenen Brief an Antreibungsgegner_innen verfasst. Wer den Brief unterzeichnen will kann das mit einer Email an prochoicenet [ät] yahoo [punkt] com tun. (via Mädchenblog)

Termine:

Nächste Woche findet im Haus der Kulturen der Welt ein Festival über lateinamerikanische Weiblichkeit statt. “Grenzgängerinnen” will den Blick für das Erbe des Kolonialismus und exotisierende Vorstellungen von Frauen in postkolonialen Ländern schärfen und nimmt dabei auch die Darstellungen über u.a. Frida Kahlo und Evita Perón unter die Lupe.

Am 25. Oktober veranstaltet das Berliner Gender- und Technikzentrum ein Symposium zu Gender und Diversity. Expert_innen stellen den aktuellen Forschungsstand vor und Vertreter_innen aus Wirtschaft, Technik und Politik diskutieren, wie Gender- und Diversity-Konzepte ihren Weg in die Praxis finden (können).

Noch mehr Termine findet ihr hier. Dort könnt ihr auch weitere Termine und Veranstaltungen in die Kommentare posten.


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Friedliche Fahnenträgerinnen

7. Juni 2010 von Nicole

Dass in wenigen Tagen die Fußball-WM in Südafrika beginnt, ist auch für Menschen ohne jedes Fußballinteresse unübersehbar. Die schwarz-rot-goldenen Fähnchen an Autos und Balkonen und die Flut an sonstigen nationalfarbigen Produkten jeder Art sind jedoch ein relativ neues Phänomen. Erst seit der WM 2006 in Deutschland ist eine so inflationäre – und im Übrigen auch kommerzialisierte – Verwendung nationaler Symbolik zu beobachten. In den Debatten um das „Sommermärchen“ vor vier Jahren wurde dies häufig als Zeichen eines „unverkrampften Patriotismus“ gewertet, als Ausdruck eines nicht (mehr) aggressiven deutschen Nationalismus, sondern eines gewissermaßen natürlichen Nationalstolzes, der so auch in anderen Ländern vorkomme.

Die Verknüpfung von Frauen, Nation und Fußball trug einen wesentlichen Teil zu dieser Wahrnehmung und Darstellung bei: Ein vermeintlich „plötzlich“ erwachtes weibliches Interesse für Fußball und eine große zahlenmäßige Präsenz von Frauen bei Public Viewings und im Stadion wurden zu beliebten Themen der Berichterstattung und blieben es auch bei der EM 2008. Die Tatsache, dass auch und gerade Frauen sich mit schwarz-rot-goldenen Fanutensilien ausstaffieren und mit „typisch weiblicher“ Geschicklichkeit aus Deutschland-Flaggen Röcke, Kopftücher, Bikinis usw. zaubern, gilt als weiterer Beleg dafür, dass die nationale Fußballparty eine friedliche Angelegenheit ist.

Um nicht missverstanden zu werden: Auch wenn sie mir persönlich auf die Nerven gehen, sind die schwarz-rot-gold gemusterten feiernden Partymassen einem aggressiven Mob, der womöglich noch schwarz-weiß-rote Fahnen präsentiert, natürlich vorzuziehen. Die Naturalisierung von Nationalismus, die mit dieser Entwicklung einhergeht („Endlich sind auch wir stolz auf unser Land, so wie alle anderen.“) und die sich auch an die spezifische sichtbare Verbindung von Nationalsymbolen und Weiblichkeit knüpft (Wer kann schon einen schwarz-rot-goldenen Bikini als beängstigend empfinden?), gilt es meiner Meinung nach aber kritisch zu hinterfragen. Nicht zuletzt aus dem simplen Grund, weil sich die Geschichte vom weichgespülten Patriotismus weltmeisterlicher Prägung als falsch erwiesen hat. Die Langzeitstudien Deutsche Zustände des Bielefelder Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung unter Leitung von Wilhelm Heitmeyer belegen eine weiter vorhandene Korrelation zwischen Nationalstolz und Fremdenfeindlichkeit. Auch eine um Frauenhüften geschlungene Fahne ist kein Zeichen von Völkerverständigung. Wenige Monate nach der WM bezeichnete Heitmeyer bei der Präsentation der 5. Folge der Deutschen Zustände die These vom guten Patriotismus als „ein Stück Volksverdummung“.


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Gedankenanschubserin

14. Dezember 2009 von Helga
Dieser Text ist Teil 23 von 94 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

TEILWEISE.blogspot.com

Wie heißt du?
Ann-Charlotte. Was zu sprachlichen Abenteuern seitens den Menschen, denen ich hier und da begegne geführt hat. Deswegen öfters Variation: Anchi.

Seit wann bloggst du?
Seit Mitte/Ende 2008. Anfangs auf einem Gemeinschaftsblog (http://gedankenschoepfer.blogspot.com, heute ist dieser Blog im Wachkoma, Tendenz tot) und ab Sommer 2009 alleine.

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Erst durch einen Freund (beim Gemeinschaftsblog). Mein Solo-Blog ist aber mehr für mich entstanden, um Gedanken festzuhalten und mich mit Themen auseinanderzusetzen. Ich denke besser, wenn ich schreibe. Und klar: Hinter einem Blog steckt auch immer der kleine, naive Wunsch zu wirken, also Gedanken anderer anzuschubsen, Impulse zu geben. “teilweise” bezieht sich dabei auf die Tatsache, dass ich nur eine subjektive Perspektive wiedergebe/ wiedergeben kann. Mosaikartig, nur einen möglichen Teil der Diskussion ohne einen absoluten “einzige Wahrheit-Anspruch”.

Worüber schreibst du?
Über Dinge, die mir auffallen/über die ich stolpere. In Gesprächen. In anderen Blogs. Überall. Ich bin eigentlich ziemlich planlos, was meine Themen angeht. Im Moment ist viel Gesellschaftliches, Mode, Kunst drin. Dahinter steckt aber keine bestimmte Intention oder Themenauswahl.

Was dir ohne Internet nicht passiert wäre:
Ohne das Internet hätte ich mit Sicherheit interessante Menschen/Gedanken/Kultur und Blog-Goldstücke nicht kennengelernt. …und nicht Stunden vor aussagelosem Mist verbracht…

Wovon braucht das Internet mehr?
Mehr qualitativ politische, kritische und feministische Blogs. Mehr internationale Verknüpfung. Mut zu creative commons. Mehr Diskussion im Kommentar. Mehr Bewusstsein für die Macht, die Bloggerinnen haben können. …und mehr kleine Kunst Blogs abseits von Art-Magazinen und Co…

Frauen im Web haben …
… sind in Blogs oft entweder durch Mode/Photographie/Kunst oder Politik/Gesellschaftlichem vertreten. Unbedingt Verküpfung, damit Mode nicht mit dümmlichen Magazinen gleichgesetzt wird. Und Feminismus nicht mit verstaubten Klischees.
… brauchen mehr Selbstbewusstsein und Kompromisslosigkeit. Weniger Rechtfertigung.

Deine tägliche Web-Lektüre:
Ich + die obligatorische Tasse Kaffee + diese Blogs…
Der Freitag, style and the family tunes, Missy Magazine, flannel apparel / knicken, Stadtpiratin, Mädchenmannschaft, Spreeblick, stylorectic, rebel:art, lea loves, erschiessen baby, selbstdarstellungssucht, Die literarische Zukunft Deutschlands, Styleclicker, Stil in Berlin, hel looks, bln fm, the junction

Tipps und Bewerbungen für die WWW Girls an mannschaftspost(at)web.de.


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Beth Ditto über Mut und Mode

9. November 2009 von Magda
thetotam.com

thetotam.com

Auf style.com hat Beth Ditto von The Gossip ein wunderbares Interview gegeben. Beth, die sich selbst als “fat feminist lesbian from Arkansas” beschreibt, spricht über Mode und wie wichtig es sei, sich darin wohlzufühlen. Sie plädiert dafür, den Mut zu haben, modische Regeln zu brechen und häufig einfach mal auf Konvention zu pfeifen – Queerstreifen und breite Muster machen dick? Whatever!

Sie beschreibt außerdem ihre High School Zeit, in der sie mit wenig Geld ausgestattet war und sich eher unauffällig als Butch kleidete, was in Arkansas durchaus Prügel nach sich ziehen konnte. Als Beth 18 Jahre wurde, fing sie an, sich gegen die in ihrer Kinder- und Jugendzeit verinnerlichten Regeln zu wehren und wählte von nun an mit Vorliebe bunte und auffällige Kleidung.


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Fatshionistas!

15. September 2009 von Magda
Dieser Text ist Teil 16 von 42 der Serie Meine Meinung

Vor einiger Zeit berichteten wir über das Glamour Foto eines so genannten Plus Size Models, welches ja irgendwie gar nicht so Plus Size war, es sei denn, man bezeichnet alle Frauen jenseits von fast-unterernährt als potentielle Übergrößen-Models.

Hey, dann wäre Übergröße doch eigentlich die Normalität und man müsste jene Größen nicht mit extra Kollektionen à la Big Is Beautiful (H&M) kennzeichnen. Aber aufgepasst: Eine Dame mit Größe L darf noch in den “normalen” Abteilungen shoppen. Eine XL-Dame hingegen – too bad – qualifiziert sich für jene Abteilungen, die mit großen Leuchtschildern gekennzeichnet “Mode für Mollige”, “Happy Size” oder “Plus Size Clothing” anbieten.

Mensch, eine ganze Kollektion nur für mich und meine dicken Schwestern.

Und dann noch so sichtbar gemacht, als wäre eine dicke Frau eine exotische Erscheinung. Dies kann nur in einer Gesellschaft passieren, in der ultra-dünn akzeptabel und ultra-dick annormal und irgendwie ausstellungswürdig ist.

Dank Web 2.0 wurden insbesondere in den USA in den letzten Jahren eine Vielzahl an Blogs gegründet, die sich für Toleranz und gegen das Diskriminieren von übergewichtigen Menschen – insbesondere Frauen – einsetzt. Viele der BloggerInnen zählen sich zu den VertreterInnen der so genannten fat acceptance movement, eine relativ neue soziale Bewegung, die sich laut der National Association to Advance Fat Acceptance für das Bekämpfen von Stigmatisierungen und Voruteilen und für die Einbeziehung eines Gesetzes gegen Gewichtsdiskriminierung in geltende Anti-Diskriminierungsgesetze einsetzt, um gesellschaftliche Vorstellungen von Schönheit und Gesundheit zu verändern.

Einen etwas anderen und durchaus provokativeren Weg wählen die zahlreichen US-amerikanischen Mode-Bloggerinnen von Blogs wie fatshionista, hey, fat chick oder young fat and fabulous, die sich selbstbewusst als fett, schön und fabelhaft beschreiben und dies in Form von Modetagebüchern mit zahlreichen Fashion-Tipps für Rubens-Damen auch kundtun. “Fett” wird hier völlig neu definiert und avanciert von einer Beleidigung zu einem Statement.

Auf hey, fat chick! schreibt die Autorin etwa:

I think what people are really taking issue with are the negative associations with the word. Fat no longer just means the jiggly bits under the skin; it now involves whole lot of negative attributes: lazy, dirty, gluttonous, disgusting.

Fuck that. We are reclaiming the word.

Fat is a celebration (…)  And it is amazing.

(Zu deutsch: “Ich denke, dass viele Leute mit den negativen Assoziationen mit dem Wort “fett” Probleme haben. Fett bedeutet nicht mehr nur die schwabbeligen Stellen unter deiner Haut; es hat eine Menge negative Konnotationen: faul, dreckig, gefraessig, ekelhaft. Scheiss drauf! Wir holen uns das Wort zurueck und besetzen es neu. Fett ist eine Zelebration. Und es ist fantastisch.”)

http://www.monifc.com/

http://www.monifc.com/

Meine erste Reaktion: Symphatisch, wie sich so einige US-amerikanische Frauen nicht für ihre Größe schämen, selbstbewusst den Mainstream der Mode trotzen und teilweise stark übergewichtige Frauen auf die Laufstege schicken oder in ihren Blogs bewerben. Diese nun positiv besetzten Labels fett&schön tragen wohl in der Tat dazu bei, dass pfundige Frauen sich nicht mehr so marginalisiert fühlen (zumindest modisch). Auf der anderen Seite: Teil des modischen Mainstreams werden sie damit wohl nicht. Und dick/fett bleibt etwas Anormales, denn jene Attribute bleiben in der Modewelt wie auch im Alltag eng verknüpft mit unattraktiv. Es ist demnach fraglich, ob eine übergewichtige Frau jemals wie selbstverständlich auf den Laufstegen der dünnen und hochbezahlten Top Models mitlaufen wird.

Und ist das überhaupt erstrebenswert? Das ist sicherlich streitbar.

Dicke Frauen werden wohl weiterhin in extra Abteilungen shoppen. Die oben gezeigte Kollektion findet man da leider selten. Und wenn, dann hell bestrahlt und ausgewiesen als “XXL Kollektion!”, “Big Is Beautiful!”, “Mollige Mode!”.

Oder wie ich es lese: “Du bist zu dick für unseren Laden. Aber großzügig wie wir sind, haben wir eine kleine Kollektion für dich vorbereitet. Da hinten: Fat-Ass-Fashion.”

Für mich stellt dies ein Dilemma dar: Zwischen Sichtbarmachung von Ungerechtigkeiten und der Reproduktion dieser Ungerechtigkeiten ist oft ein schmaler Grad.


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