Einträge mit dem Tag ‘Mittäterinnenschaft’


Hippe Schwester von Integration, radikale Behindertenpolitik und (Mit)Täterinnenschaft- kurz verlinkt

24. November 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 332 von 358 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Artikel

Amelia Umuhire schreibt beim Missy Magazine über „Diversity, die hippe Schwester von Integration„: „O]ftmals bedeutet Diversity, sich allein in weißen Räumen wiederzufinden, um dann als Einzige eine Masse zu vertreten.“

In der analyse&kritik stellt Michael Zander vier Thesen für eine radikale Behindertenpolitik zwischne Kapitalismuskritik, Care Revolution und Sprachpolitik von oben vor.

Irmela Mensah-Schramm übersprüht regelmäßig rechte Parolen. Nun hat sie schon wieder eine Anzeige wegen Sachbeschädigung erhalten. Sie selbst sagt im Interview mit der taz: „Ich bin rückfällig geworden, ich kann’s ja nicht lassen.“

Das Blog der feministischen studien zelebriert den 80. Geburtstag von Christina Thürmer-Rohr mit einer Artikelreihe. Nivedita Prasad schreibt in ihrem Beitrag über „Verbindung in der Abgrenzung“ vor allem im Kontext der Debatte um „Mittäterinnenschaft“ von Frauen.

Auf Ana bloggt schreibt, die Autorin über ihre Angst, die sie um ihren Vater hat, der unterwegs auch schonmal serbokroatisch am Telefon spricht und von anderen auch äußerlich meist als „Migrant“ eingelesen wird. Ana fragt, warum so viel über die Ängste „weißer alter Männer“ diskutiert wird, aber nicht über ihre: „Nur, weil meine Angst mich keinen Faschisten wählen lässt, ist sie nicht weniger real und weniger ernst.“

Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter hat eine Pressemitteilung zum Ausbau des Unterhaltsvorschusses veröffentlicht. (PDF)

Karolin Schwarz, Mitbegründerin der hoaxmap, schreibt bei ZEIT Online über Lügen, die über geflüchtete Menschen verbreitet werden und wie diese Lügen gezielt politisch eingesetzt werden. (Wichtiger Artikel zu wichtiger Arbeit, auch wenn man etwas darüber stolpert, dass die Polizei als „vertrauenswürdige Institution“ bezeichnet wird.)

Englischsprachige Artikel

Adrienne Keene schreibt auf Native Appropriations einen Brief an die neugeborene Tochter einer Freundin: „A letter to a future Native warrior„. Außerdem listet sie zum Ende Möglichkeiten auf, wie die Proteste in Standing Rock sinnvoll unterstützt werden können.

„Team Trump’s ties to white supremacy are even deeper than you imagined“ – Matthew Chapman schreibt über die Personen, die Trump bisher für wichtige adminstrative Positionen eingebracht hat.

Termine in Berlin, Frankfurt am Main, Göttingen, Hamburg, Hannover, Wien

25. bis 27.11 in Frankfurt am Main: Es läuft das queere und feministische Filmfestival Spectracle.

25.11. in Berlin: Zum 25. November ruft ein Kollektiv alle Frauen* auf, die Straßen zu erobern: „Wir verteidigen uns selbst, wir organisieren uns selbst, wir bestimmen selbst!“ (FB-Link)

25.11. in Hamburg: „Georgisch-deutscher Austausch – ein feministischer Reisebericht„. Präsentation ab 19.30.

25.11. in Göttingen: Vortrag zu sexualisierter Gewalt: „Ich habe überlebt„.

26.11. in Hannover: HOTSPOT OF POWER! Eine Empowerment-Konferenz von und für Jugendliche und junge Erwachsene of Color findet ganztägig statt. (FB-Link)

29.11 in Wien: Workshop zu „gemeinsam handeln: queer-feministisch!„. Anmeldung bis 27.11.2016.

08.12. in Berlin: Von 18-20 Uhr findet die Präsentation der Expertise „Geschlechterverhältnisse in Fußballfanszenen“ statt.

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?


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Von Artamanen bis Zschäpe – Frauen in der rechten Szene

20. Mai 2013 von Charlott
Dieser Text ist Teil 1 von 10 der Serie Gender und Rechts(extremismus)

Welche Bedeutung haben eigentlich Frauen in rechten Netzwerken? Wie bringen sie sich ein? Wie sind sie einzuschätzen?  Und aus welchen Gründen werden sie oftmals übersehen, werden ihre Taten kleingeredet? Was gibt es zu rechtem Gedankengut und Geschlecht zu sagen? Mit diesen Fragen, und sicher noch einigen mehr, wollen wir uns ab heute in einer neuen Artikelserie „Gender und Rechtsextremismus“ auseinandersetzen. Für diese Reihe haben wir uns für den Begriff Rechtsextremismus entschieden, um ein Einstellungsmuster zu bezeichnen, wie es hier bei „Netz gegen Nazis“ beschrieben wird. Als anderer und oft synonym verstandener Begriff wird im allgemeinen auch „Rechtsradikalismus“ genutzt, der unserer Meinung nach jedoch verkürzt ist. Nach besseren Begriffsalternativen wird noch gesucht. Kritisch anzumerken bleibt, dass „Rechtsextremismus“ ein Begriff der Extremismustheorie ist, die unseren politischen Anliegen entgegenläuft und rechtes Gedankengut als „Randproblem“, das mit linker Politik und linken Utopien gleichgesetzt werden könne, strategisch verharmlost.

Seit dem 06. Mai läuft nun der sogenannte „NSU-Prozess“ gegen Beate Zschäpe sowie André E., Holger G., Carsten S. und Ralf Wohlleben. (Zu den UnterstützerInnen hat die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung Informationen zusammengetragen.) Mit dem Beginn des Prozesses ging selbstredend auch die Berichterstattung weiter, die Beate Zschäpe vor allem hinsichtlich ihres Aussehens kommentierte („Ihr langes Haar glänzt. Vermutlich war sie noch gestern beim Gefängnisfriseur.“ FOCUS) oder sie als „Nazi-Braut“ bezeichnete (BILD).

Zwei Beispiele von vielen die zeigen, dass die mediale Wahrnehmung von rechten Frauen immernoch bestimmt ist durch klare sexistische Stereotype. Dabei ist die Forschung zu dieser Thematik seit Jahren weiter. So antwortet auch „Anna“ vom Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus im Buch „Fantifa. Feministische Perspektiven auf anti-faschistische Politik“ auf die Frage, ob sich denn in den letzten zwanzig Jahren die Wahrnehmung rechter Frauen geändert hätte:

Da würde ich unterscheiden: In den Kreisen, die Recherchearbeit machen, Forschung betreiben und publizieren zum Thema extreme Rechte, hat sich einiges getan. Hier werden Frauen- bzw. Geschlechterthemen überhaupt inzwischen deutlich häufiger berücksichtigt, so mein Eindruck. […]
In der allgemeinen Öffentlichkeit allerdings ist das Bild häufig noch das der Frau als Mitläuferin, wenn überhaupt. Oftmals auch in sexualisierter Weise: Sie ist nur als „Freundin von…“ vorstellbar. Das wurde recht gut sichtbar, als im November 2011 die Taten und das Kernpersonal der so genannten Zwickauer Terrorzelle des NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) bekannt wurden. […] Obwohl anfangs nichts klar war über die Beteiligung der einzelnen Mitglieder an der Mordserie des NSU, bezeichneten diverse Medien die Frau sofort als „Nazi-Braut“ und „Betthäschen“ der Mörder-Nazis.

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Frauen als Täterinnen und die Kategorie Gender als Gewaltakt

30. September 2010 von Nadine
Dieser Text ist Teil 46 von 130 der Serie Die Feministische Bibliothek

Frauen als Täterinnen und Unterstützer­innen eines patriarchal organisierten Ge­walt­systems wurden seit Beginn der Frauen­bewegung immer wieder benannt, doch selten führte diese Benennung zu einer methodologischen und epistemologischen Ver­änderung innerhalb feministischer Forschung und Kritik. Unversalisierbar schien die Auffassung, das Patriarchat stelle eine allumfassende aus­schließlich von Männern initiierte und ausgeübte Form der Unter­drückung von Frauen dar. Zu tief saßen Trauma und Scham über die Gewalt­verbrechen und Menschen­rechts­ver­letzungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, an denen Männer und Frauen im gleichen Maße beteiligt waren, unter denen Männer und Frauen im gleichen Maße litten.

Die Täter-Opfer-Dichotomie begann erst in den 1980er Jahren brüchig zu werden, als kritische Feminist­_innen die These der Mit­täter­innen­schaft nachhaltig innerhalb feministischer Diskurse etablieren konnten und so eine selbst­kritische Perspektive auf das Geschlechter­verhältnis eröffneten. Christina Thürmer-Rohr trug einen wesentlichen Teil dazu bei, das feministische Selbst­bild zu überdenken und feministischer Forschung einen anderen methodologischen Zugang an die Hand zu geben, Herrschafts- und Machtformen zu analysieren und zu hinterfragen.

In „Die unheilbare Pluralität der Welt – von Patriarchats­kritik zur Totali­ta­ris­mus­forschung“ fasst Thürmer-Rohr den feministischen Diskurs des 20. Jahr­hunderts grob zusammen und erläutert in chronologischer Abfolge politisches Denken und Handeln des Feminismus mit seinen jeweiligen Epistemen in Bezug auf Gewalt, Macht und Herrschaft. Weiter verknüpft sie Erkenntnisse der Totalitarismus- und feministischer Forschung und rekurriert dabei immer wieder auf Hannah Arendt, die Anerkennung von Dialog und Pluralismus forderte und in der Vielfalt und Verschiedenheit von Menschen ein Mittel gegen totalitäre Bewegungen, Systeme und Denkansätze sah.

Die inhaltliche Nähe zu Arendts Erkenntnissen zu Formen totaler Herrschaft fußt auf Thürmer-Rohrs eigener Biografie: Ihr Vater war in der Zeit des Nationalsozialismus Offizier der Wehrmacht. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs beginnt Thürmer-Rohr sich kritisch mit ihren eigenen traumatischen Erfahrungen und ihrer Rolle als Frau in einem totalitären System, als Familienmitglied eines seiner Unterstützer_innen und dem Funktionieren des Systems selbst auseinander zu setzen. Später wendet sie sich gegen ihren Vater.
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