Einträge mit dem Tag ‘Medienthemen’


Richtig rauchen 101

25. Juli 2011 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 1 von 54 der Serie In Bildern: Das denkt die Welt

Bild einer jungen hübschen Frau, die sich eine Zigarre vor den Mund hält

Lektion 1: Die Zigarre darf niemals in den Mund gesteckt werden, weil dann Rauch in den Hals kommt, was nervt und ungesund ist. Voller Mund sieht irgendwie auch nicht so gut aus. Sie sollte stattdessen mit dem einen Ende locker gegen die Lippe gehalten werden. Dabei kann ruhig muffelig, also, lasziv geguckt werden, damit möglichst viele Männer, die das sehen, denken: “Ah, Salsa, Zigarre, schwarzhaarige Frau: Toll, das hat wohl was mit Kuba zu tun und wird ganz heißblütig und feurig. Sicher ist auch ganz viel Lebensfreude im Spiel. Da muss ich hin! Eventuell gibt’s ja sogar einen Blowjob.”

Hm, das kann es doch eigentlich nicht wirklich sein, oder? Aber ich komme einfach nicht drauf: Was soll bloß dieses seltsame Bild, und auf wen wirkt es wohl einladend, und warum?


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Samstagabendbeat R.I.P. Amy Winehouse

23. Juli 2011 von Verena

Amy Winehouse wurde heute Nachmittag in ihrer Londoner Wohnung tot aufgefunden. Sie wurde 27 Jahre alt.


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Schön Blöd

22. Juli 2011 von Verena
Dieser Text ist Teil 54 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Als Natasha Walter Ende der 90er ihr Buch „The New Feminism“ veröffentlichte, war sie optimistisch, dass die sexistischen Kämpfe der Frauenbewegung gewonnen seien und sich nun auf die politische und soziale Gleichstellung konzentriert werden könne. Ein Irrtum, wie die Britin einräumt: „Living Dolls“ beschreibt eine Generation von Frauen, die von Kindesbeinen an in eine rosa Puppenwelt gedrängt werden, die sie auch als Erwachsene nicht loslässt. Walter nennt es die „steckengebliebene Revolution“ und zeigt anhand zahlloser Beispiele auf, wie erstrebenswert es für junge Frauen heute offenbar ist, ein Leben als Puppe zu führen oder auf die erotische Ausstrahlung reduziert zu werden.

Noch folgenreicher ist jedoch, dass das Idealbild weiblicher Schönheit, dem Frauen nacheifern sollen, in einem Großteil unserer Gesellschaft in immer höherem Maße durch Sexualität und erotische Ausstrahlung definiert wird

Als „Living Dolls“ im vergangenen Jahr in England erschien, erzeugten Walters Thesen auch hierzulande ein Echo. Dass nun mit der deutschen Übersetzung eher wenig in den Medien passiert verwundert. Denn auch wenn Walter mit Glamour Modeling für Billo-Zeitschriften wie Nuts oder die aus dem Boden schießenden Table Dance Bars  auf britische Verhältnisse konzentriert, ihrer Beobachtungen gelten auch für uns. Und Walter wühlt ordentlich mit dem Zeigefinger in der sexuellen Pseudo-Befreiung unserer Zeit:

Meines Erachtens ist es an der Zeit, die übertriebene Weiblichkeit, die den Frauen dieser Generation als Ideal vermittelt wird, in Frage zu stellen. Das muss einerseits durch eine Kritik am Wiederaufleben des biologischen Determinismus geschehen, der uns einredet, Gene und Hormone legten und unausweichlich auf die traditionellen Geschlechterrollen fest. Zum anderen müssen wir die klaustrophobische Kultur, die vielen jungen Frauen weismacht, sie könnten nur durch Ausnutzen ihres Sex-Appeals Macht erlangen, auf den Prüfstand stellen.

Walter unterteilt ihr Buch in zwei Themenblöcke: „Der neue Sexismus“ und „Der neue Determinismus“. Im ersten Teil taucht sie ein in die Szene von Stripparties im herkömmlichen Clubbetrieb, Glamour Modeling und Lapdance-Bars; lässt junge Mädchen zu Wort kommen genauso wie ChefredakteurInnen, HerausgeberInnen und PR-ExpertInnen. Dabei sind es vor allem die zum Teil selbstentlarvenden Sätze der MedienmacherInnen als auch die resignierenden Erkenntnisse junger Mädchen, die mehr sagen als Walter es mit einer Analyse der Gegebenheiten tun könnte. So erklärt eine junge Frau:

Man braucht sich nur die Lapdance-Clubs anzuschauen, das sagt so viel über unsere Kultur aus. Die Männer darin sind ‚seriös’, sie tragen einen Anzug und haben ein Bankkonto, die Frauen sind ‚unseriös’, sie sind nackt und haben Schulden. (weiterlesen …)


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Kürzere Wissensnews: Frauen nehmt ab

22. Juli 2011 von Helga

Viel zu oft gehen unkritische Wissenschaft und Berichterstattung eine unglückliche Verbindung ein. Das Ergebnis sind dann die vermeintlich harmlosen bunten Meldungen, die sich so schön verkaufen, weil sie unser Weltbild bestätigen. Erkenntniswert null, dabei lohnt es sich, genauer hinzuschauen (siehe auch den PhD Science News Cycle). Ein Beispiel:

Dienstag berichtete DRadio Wissen über eine Studie, nach der Paare glücklicher sind, wenn der BMI der Frau niedriger sei als der des Mannes. Botschaft an die Frauen mal wieder: Seid schlank! Befragt wurden 169 heterosexuelle Paare unter 35 Jahren. Alleine diese Auswahl ist schon kritisch, weil oft ältere Frauen berichten, erst spät mit ihrem Gewicht und Aussehen Frieden geschlossen zu haben. Eine Forscherin betonte aber, so der Telegraph, es käme nicht auf das absolute Gewicht an, sondern das relative – auch eine schwerere Frau könne glücklichsein, Hauptsache ihr Ehemann sei noch schwerer. Na immerhin?

Leider findet sich bisher nichts zu der Studie auf der Seite der Universität von Tennesse. Auch steht nirgendwo, in welcher wissenschaftlichen Zeitschrift die Ergebnisse veröffentlicht werden und ob sie dabei einer Peer Review, einer wissenschaftlichen Begutachtung, unterzogen werden. So bleibt leider unklar, was die Wissenschaftler_innen berücksichtigt haben: Den gesellschaftlichen Druck auf Frauen, schlank und hübsch zu sein. Die Idee, ein Mann könne sich mit seiner Ehefrau schmücken. Das Bild einer Ehefrau als Trophäe einer erfolgreichen Jagd. Die Sticheleien, wenn Frauen mit Männern zusammen sind, die vermeintlich außerhalb ihrer „Liga“ sind („was findet der nur an ihr?”). Denn all diese Stereotype sind bis heute noch lebendig und beeinflußen unsere Selbsteinschätzung und unser Glück. Studien und Berichterstattung darüber, die diese Punkte auslassen, festigen leider nur den Status Quo und verpassen die Chance zu kritischer Auseinandersetzung.

Apropos Berichterstattung: Auf Twitter hatte DRadio Wissen noch mal einen ganz anderen Text gewählt.

Tweet von @DRadioWissen: #Wissensnachrichten Starker Mann, zarte Frau - dieses Klischee macht Paare glücklich. http://bit.ly/njeB8C - 22 hours ago via HootSuite

Aus der Frage nach dem Gewicht wurde auf einmal „stark“ und „zart“ – auf Nachfrage hies es, stark sei im Sinne von „kräftig“ verwendet worden. Tatsächlich sind beides Wörter, die sich eben nicht auf die untersuchte Eigenschaft (Gewicht, Masse) beziehen, sondern auf Kraft. Das wirft natürlich gleich das Bild des starken Mannes auf, der seiner Partnerin das Marmeladenglas öffnet – dabei wurde dies gar nicht untersucht. Außerdem können schlanke Frauen durchaus Kraft haben, während ihr Partner eher untrainiert ist.

So wird aus einer obskuren Studie die Botschaft, für ihr Glück müssten sich Frauen einen starken Mann und Beschützer wählen, während sie selbst nicht nur schlank, sondern auch noch schwach sein sollten.


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“Jetzt zupacken!”?

20. Juli 2011 von Anna-Sarah

Manchmal ist es fast schon lustig (“lustig gemeint” ist das ja sowieso immer alles, nur leider versteh ich als humorlose Feminazi immer keine Satire) – da hat mensch gerade frisch zum Thema Slutwalk und sexuelle Selbsbestimmung gebloggt, kommt nach Hause, schaut in den Briefkasten und findet sowas hier:

Werbezettel von kingdom of sports: Ein Hintern in roten Hotpants, darüber der Spruch *Jetzt zugreifen!*

 

Da wollte das “kingdom of sports” wohl mal ganz vorne mit dabeisein, indem es sich werbetechnisch bei Topanbietern wie Media Markt und -  besonders frappierend -  Astra bedient.  Mein persönlicher Fitnesstipp: Ab ins nächste Kampfsportstudio, falls mal wieder jemand deinen Hintern mit “übertragbarer Mitgliedschaft”, “echt flexiblen Öffnungszeiten” oder “auf Wunsch: Solarium- und Getränkeflat” verwechselt…


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Die Kumpels wissen schon, warum

12. Juli 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 11 von 19 der Serie Im Osten nichts Neues?


Immer häufiger taucht in den rumänischen Medien krass sexistische Werbung auf. Seit Jahren bekannt für die großangelegte Verstärkung der Gender-Stereotypen sind die Fernsehspots für Bergenbier, eine lokale Billigbiermarke. Die rumänischen Werbekampagnen möchten gerne ihre Zielgruppe davon überzeugen, dass die Marke perfekt ins idealisierte Selbstbild des „echten“ Kerls von nebenan passt: „Die Kumpels wissen schon, warum“, lautet der Werbespruch, der inzwischen zur allgemein bekannten Redewendung geworden ist. Die DrehbuchautorInnen versuchen ab und an, durch (selbst)ironische Übertreibung zu retten, was (an Selbstachtung) aus dieser unappetitlichen Mischung von üblen Vorurteilen noch so einigermaßen zu retten ist:

Meistens bleiben die aber immer schön brav und auftragstreu: Plumper Stil,  klare Ansagen, wie der Spot zum diesjährigen „Männertag“ – in Rumänien einem von Bergenbier initiierten und gesponserten Event – zeigt:

Wer an dem starken gesellschaftlichen und kulturellen Einfluss von Unternehmen und an der Verstrickung von Marketing und Genderfragen noch zweifelte, hat jetzt ein Paradebeispiel aus dem osteuropäischen Wildwest-Kapitalismus. Die Marke Bergenbier, die bis 2009 der weltweit größten Brauereigruppe Anheuser-Busch InBev (Becks, Stella Artois, Staropramen) gehörte und seitdem im Besitz eines multinationalen Investmentfonds ist, zählt in Sachen Gender-Mainstreaming vieleicht zu aggressivsten im Lande, steht jedoch keinesfalls alleine da. Die Konkurrenz von SAB Miller, dem weltweit zweitgrößten Brauereikonzern, verschmutzt nicht nur Bukarests Stadtlandschaft mit ihren Riesenplakaten (das machen fast alle Großunternehmen, weil die Stadtverwaltung dabei ein Auge zudrückt). Sie verschmutzt auch die gesellschaftlichen Verhältnisse mit ihren Pseudo-Retrowerbung à la 1950. Und die Reaktion darauf bleibt bisher eher leise.

© Dagmar Gester


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Schuldig im Sinne des Sex

8. Juni 2011 von Verena
Dieser Text ist Teil 17 von 20 der Serie Sex am Morgen

Vergangene Woche war ich für eine Geschichte in Barcelona am Set von Erika Lusts neuem Film, der im Oktober herauskommt. Nicht nur habe ich eine tolle Feministin und Pornoregisseurin samt Crew getroffen, sondern bin auch auf die großartige Lianda Dahl gestoßen, die ihre eigenen Videos im Netz verbreitet und ein ebenso tolles Blog hat.

Apropos Porno: Straßen aus Zucker hat sich in einem sehr lesenswerten Beitrag so ihre Gedanken gemacht und stellt Sex-Posititivität, die auch in Pornos ihren Ausdruck finden kann, den negativen Aspekten wie Gewalt und Sexismus gegenüben – inklusive historischen Notizen und einem Blick auf die jüngere Por-Yes-Bewegung.

Erika Lust beim Dreh - ihr neuer Film erscheint im Oktober

Die ewige Frage: Sind weibliche Sex-Fantasien und Feminismus vereinbar? Mit dieser Frage beschäftigt sich Miranda Huba in ihrem Theaterstück “Dirty Little Machine”. Zwar lief das gerade im fernen New York, aber Bust rezensiert das Geschehen und stellt die relevanten Inhalte vor, wie die Frage, ob die eigenen Sextapes zu verkaufen feministisches Empowerment ist, oder nicht.

BoingBoing verweist auf eine Studie, nach der Sex bei Christen Schuldgefühle auslöst. Auf einer Skala von eins bis zehn liegen katholische und evangelische Schuldgefühle um die sechs. Die Mormonen sind noch ärmer dran: Die schämen sich auf eine 8,2. Solche Nachrichten bestätigen mal wieder diejenigen, die schon vor Jahren aus der Kirche ausgetreten sind. Wobei es dafür natürlich noch ganz andere – feministische – Gründe gibt.

Zensiert wurde bei der us-amerikanischen Buchhandelskette Barnes & Noble das Cover der Zeitschrift Dossier. Dort zu sehen ist der nackte Oberkörper von Model Andrej Pejic, über dessen androgynen Look wir schon berichteten. Ob dieser verhüllt wird, weil Pejics Style mit Lockenklammern im Haar zu feminin wirkt oder weil sein Oberkörper nicht den gängigen Darstellungen von Männern auf Magazintiteln entspricht, jezebel und skepchick diskutieren das eifrig.


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Neuer Lesestoff aus den Cultural Studies

7. Juni 2011 von Verena
Dieser Text ist Teil 52 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Für die Anthologie „Dekonstruktion und Evidenz“ haben sich Kulturwissenschaftlerinnen der Universität Lüneburg zusammen getan, um soziale Kategorien wie „Geschlecht“, „Rasse“ und „Nation“ in ihrer medialen Darstellung zu untersuchen.

Die Einsicht, dass in medialen, wissenschaftliche und politischen Diskursen produziertes Wissen gesellschaftliche Wirklichkeit nicht abbildet, sondern ‚Wahrheit’ durch bestimmte Diskursregeln erst hergestellt wird und zudem immer mit Machtwirkungen verknüpft ist, zieht sich als roter Faden durch die Texte der Autor_innen dieses Bandes

Dieser Satz, den die vier Herausgeber_innen, Irina Hennig, Merle-Marie Kruse, Steffi Hobuß und Tanja Thomas ihrer Einleitung voranstellen, wird für die meisten ihrer Leser_innen nicht bahnbrechend neu sein, gibt aber den Hinweis, dass sich hier auch nicht Gender-Initiierte  zurecht finden können. Unter dem Stichwort „Ausgangspunkte“ folgen zwei Kapitel, die Grundsätzliches über poststrukturalistische Theorien vorstellen und auch wenn ich persönlich die Theorie nonchalant überblättert habe, ein Seitenblick zeigt mir, dass die grundlegenden Ideen und Prinzipien dekonstruktiver Theorie greifbar vermittelt wird.

Diesem Prinzip – anschaulich den theoretischen Ansatz darlegen und dann die Analyse mit gut dokumentierten Beispielen vorstellen – folgen auch die Aufsätze dieses Sammelbands. Egal ob Miriam Stehling die neoliberalen Prinzipien geschlechtsspezifisch verlangter Handlungen anhand von „Germany’s next Topmodel“ analysiert oder Wera Mohns Patten den „Konstruktionen von Mutterschaft und Gender in den Filmen Juno und Knocked Up“ nachspürt, die Autor_innen bleiben nah am Forschungsgegenstand und nutzen den popkulturellen Bezug alltagsnah.

Überhaupt liegt hier die große Stärke der Anthologie: Sie stellt die Verunsicherung der Autor_innen anhand der Beschäftigung von (De)Konstruktionen in Medienkulturen genauso bewusst heraus, wie das Positive der Weiterentwicklung von Gedanken und Wissen:

Wie wichtig ihnen in diesem Rahmen auch die Gelegenheit für die Reflexion über Denkbewegungen, der Austausch über Verstörung und Verunsicherung wie über Freude an Erkenntnisfortschritten war, haben die Autor_innen beschrieben. […] Die Beschäftigung mit Rassismus- und Nationalismustheorien oder Critical Whiteness Studies produziert häufig Phasen der Sprachlosigkeit angesichts der Anstrengung der Vermeidung, aber auch angesichts der Unvermeidlichkeit des Wiederholens von Verallgemeinerungen, kollektivierenden und differenzstiftenden Formulierungen. (weiterlesen …)


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Strauss-Kahn und das Ewigmännliche

24. Mai 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 22 von 29 der Serie Neues vom Quotenmann

Wir wissen nicht, ob die Vorwürfe gegen Dominique Strauss-Kahn stimmen. Unabhängig davon, ob tatsächlich etwas dran ist, müssen wir aber feststellen, dass die Debatte um diese Affäre einen bitteren, ekelhaften, ja empörenden Nachgeschmack hinterlässt. Die Wortwahl von vielen LeitartiklerInnen und anderen KommentatorInnen tendiert zu einer Verharmlosung der Vorwürfe, wie Nadine bereits berichtete. Und zwar nicht nur in Deutschland.

Drei feministische Gruppen auf Frankreich kritisieren in einer von Le Monde veröffentlichen Petition den Sexismus und die tiefsitzende Frauenfeindlichkeit, die in der französischen Debatte um die Affäre ans Licht kommen. „Diese Art von Sprache erzeugt eine nicht tolerierbare Verwechslung von sexueller Freiheit und Gewalt gegen Frauen”, heißt es in dem Protestschreiben.

Spiegel berichtet zwar darüber, widmet aber der Affäre ein ganzes Titelthema, wo die Fragestellungen genauso allgemein und unkritisch formuliert werden, wie in der Einladung zur Forum-Debatte. Dort heißt es etwa:

„Mächtige tendieren dazu, ihren Einfluss auszudehnen, oft ohne Rücksicht auf ihre Mitmenschen. Liegt dieses Phänomen vom Austesten der Grenzen im Wesen der Macht? Ist diese Möglichkeit die eigentliche Attraktivität von Macht? Ist Macht sexy – oder verführt sie prinzipiell zum Missbrauch?”

Das Verstörende an dieser Art von Problematisierung ist, abgesehen vom leichtpopulistischen Ansatz, vor allem die Tatsache, dass der konkrete soziale und historische Kontext völlig ausgeklammert wird, um eine langweilige Diskussion über „die Macht“ und „den Menschen“ zu provozieren. Kein Wunder also, dass die LeserInnenschaft sich bald mit ähnlich allgemeinen Schnapsweisheiten meldet, wie der User jujo:

„Aus eigener Erfahrung und Erleben kann ich sagen, dass Frauen sich zu mächtigen (?) Männern hin orientieren. Hat man eine gewisse Position erreicht, legen sich die Frauen beinahe ohne eigenes zu tun ins Bett. Die Frage ist wie geht der Mann damit um, kann er seine Attraktivität aus der Position heraus richtig einordnen. Da scheint mir das Hauptproblem zu liegen. Es sind nicht die Frauen schuld aber auch nicht die Männer. Es ist die Natur die uns so agieren lässt“

Und ewig grüßt der platte Essentialismus, der immer ganz genau weiß, was sich „die Frauen“ wünschen, wie „die Mächtigen“ sind, und natürlich auch, was „die Männer“ wollen. Die wollen nämlich immer Sex mit Frauen, und zwar möglichst „ohne eigenes zu tun“. Damit sind wir aber zurück bei den verharmlosenden Kommentatoren gelandet. Denn Vergewaltigung erscheint jetzt als kleiner Zwischenfall in der Biographie eines von seiner Natur her sexbesessenen Wesens, das sich manchmal nur schlecht kontrollieren kann.

Der unangenehme Nachgeschmack bleibt also, und die Debatte wird sich bestimmt bei der nächsten Gelegenheit unverändert wiederholen. So lange, bis man(n) versteht, dass man(n) sich nicht aus einer vermeintlichen Gefangenschaft des eigenen Schwanzes befreien muss, sondern aus der der eigenen Sprache.


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Nominiert!

11. Mai 2011 von der Mädchenmannschaft

Die Nominierungen für den diesjährigen Grimme Online Award wurden jetzt bekannt gegeben. Darunter auch -  Tusch! – Kübra Gümüsay für ihr Blog ein fremdwörterbuch. Bei uns veröffentlicht Kübra regelmäßig ihre taz-Kolumne “Das Tuch”, die ihr unter der Rubrik “Das Wort zum Freitag” lesen könnt. Wir gratulieren ganz herzlich und wünschen ihr doll viel Glück für die Verleihung am 22. Juni. Go Kübra go!


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