Einträge mit dem Tag ‘Medienthemen’

Warten aufs Heiraten?

Wednesday, May 21st, 2008 von Barbara

“Darauf haben Millionen von Frauen gewartet.” Mit diesem Satz werden immer wieder Dinge angepriesen, die ich kaufen, sehen und tollfinden soll. Meistens kaufe, sehe oder tollfinde ich diese Dinge dann doch nicht. Weil ich nicht darauf gewartet habe.

Nummer 2: “Heirate mich! Geheimprojekt Traumhochzeit”

Vielleicht ist es unnötig zu sagen, dass ich nicht auf eine weitere Hochzeits-Dokusoap gewartet habe. Und vielleicht ist es sogar gehässig, einfach mal das zu zitieren, was unter Pressestimmen auf der RTL II-Website zum Start ihrer neuen Show zum Thema “Unter die Haube in weiß” steht. Das ist nämlich recht lustig, wer da wen heiratet oder wen überrascht:

Sehr gut kommt das neue Format “Heirate mich - Geheimprojekt Hochzeit” bereits im Vorfeld bei der Presse an. Hier ein paar Auszüge:

Bild + Funk über Aleks Bechtel: “Als Hochzeitsengel kehrt die hübsche junge Mama auf den Bildschirm zurück, tauscht Rassel und Babypuder gegen das Mikrofon.”

TV Movie: “Romantik im Wonnemonat Mai: […] Auch bei RTL II hängt der Himmel voller Geigen: In “Heirate mich! Geheimprojekt Traumhochzeit” überrascht Aleksandra Bechtel einen ahnungslosen Bräutigam mit einem Heiratsantrag. Drei Tage Bedenkzeit bleiben den Auserwählten, um mit einem entschlossenen ‘Ja, ich will’ zu antworten!”

Ihr Fernsehleute! Sucht euch neue Themen! Für die Zukunft, für das Land, für die Hoffnung!

P.S.: quotenmeter.de schreibt zu meinem Entsetzen, der Start der Serie wäre gar nicht so übel gewesen:

… sahen im Schnitt 0,82 Millionen 14- bis 49-jährige Fernsehzuschauer die Premiere der etwas anderen Kuppelshow, der Marktanteil lag mit 6,8 Prozent im Bereich des derzeit sehr starken Senderschnitts…

Warten auf Sex and the City?

Friday, May 16th, 2008 von Barbara

“Darauf haben Millionen von Frauen gewartet.” Mit diesem Satz werden immer wieder Dinge angepriesen, die ich kaufen, sehen und tollfinden soll. Meistens kaufe, sehe oder tollfinde ich diese Dinge dann doch nicht. Weil ich nicht darauf gewartet habe. Da mir der Satz aber immer wieder begegnet, ist es Zeit für eine kleine Reihe.

Nummer 1: “Sex and the City - der Spielfilm”

Der Film startet am 29. Mai 2008 in den deutschen Kinos. Regisseur Michael King meint über den Inhalt:

Mr. Big töten? Ich wäre von Frauen mit brennenden Fackeln um den Erdball gejagt worden … Aber schließlich war es mein Ziel, unsere Freundinnen, also unsere Zuschauerinnen, glücklich zu machen”.

Das Münchner Stadtmagazin “In München” schreibt:

“Endlich, darauf haben Millionen von Freundinnen gewartet.”

Stimmt das wirklich? Habe nur ich nicht darauf gewartet? Ist es nur mir einfach nur egal, was diese Schauspielerinnen da mit Mr. Big und ihren Stöckelschuhen so tun? Oder liegt es nur daran, dass “Freundinnen” nicht für alle Frauen steht?

Frauen, was meint ihr?

Lenker und Gestalter

Saturday, May 10th, 2008 von Barbara

Die Zeit hat in diesen Tagen eine neue Edition veröffentlicht, die Rede ist von “Lenker und Gestalter”, den Menschen, die die Bundesrepublik prägen und geprägt haben: “Von Konrad Adenauer bis Helmut Kohl, von Alice Schwarzer bis Günter Grass. Die Zeit präsentiert zwölf große Politiker, Denker und Unternehmer, die das Land bewegten.” Unter diesen zwölf befinden sich zwei Frauen, Alice Schwarzer und Marion Dönhoff. Zwei aus zwölf ist eine magere Quote - welche Frauen fehlen hier? Zur Einstimmung noch mal die Vorrede der Herausgeber:

“Wer macht Geschichte? Diese Frage beschäftigt auch Historiker immer wieder von Neuem. Längst befassen sie sich dabei nicht mehr nur mit den großen Herrschern, Lenkern und Gestaltern, sondern betrachten historische Ereignisse auch von unten, untersuchen Ideen, Mentalitäten und Überzeugungen. …”

Nackt sein oder nicht nackt sein, das ist hier die Frage

Wednesday, April 30th, 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 16 von 20 der Serie In Bildern: Das denkt die Welt

Über Katze mit Wut über Cat and Girl

Gute Frage

Monday, April 21st, 2008 von Susanne

Kann man Feministin bzw. Feminist sein und trotzdem jede Folge der Serie “Sex and the City” verschlungen haben?

Guardian-Autorin Alice Wignall sagt: Ja.

“Feminismus ist eine böse Ziege”

Friday, April 18th, 2008 von Susanne

Die Ladys von Missy haben mit Rapperin, Radiomoderatorin und Labelbetreiberin Fiva MC einen Abend im Berliner “Barbie Deinhoffs” verquatscht und gemeinsam überlegt, wie sich der Feminismus besser vermarkten lasse. Diese erfrischende Plauderei ist im Bavarian Open Radio nachzuhören, mit der interessanten Ankündigung “Feminismus ist eine böse Ziege”.

Über Missy Magazine

The Lady is a Macho

Saturday, March 22nd, 2008 von Meredith

Sehr, sehr spannend und lesenswert ist das Taz-Interview mit der Fernsehreporterin Antonia Rados, die im Irak und in Afrika gearbeitet hat.

Sie erzählt darin, über ihre Einsätze in Asien, dass sie sich die Bandscheiben geschrottet hat vom Kofferschleppen, aber trotzdem niemals Moderatorin sein wollen würde. Und sie redet darüber, wie wichtig es ist, ein harter Knochen zu sein, dass man sich als Frau im Reporterberuf auch Männer zum Vorbild nehmen kann - aber lässt auch durchklingen, dass das nicht unbedingt ideal ist.

Ein Ausschnitt:

Wollen Sie Öffentlichkeit für Themen schaffen, die sonst nicht genug beachtet würden?

Nein. Ich habe überhaupt keinen Anspruch, Leute zu bekehren und von meiner Meinung zu überzeugen. Ich habe nur das Anliegen, zu informieren.

Gut, dann anders gefragt: Liegen Ihnen bestimmte Themen besonders am Herzen?

Frauenthemen. Ich bin keine Bildschirmfeministin. Trotzdem: Ich springe an, wenn ich ein Frauenthema sehe. Und dann möchte ich, dass darüber berichtet wird. Das hat damit zu tun, dass man, wenn man selbst eine Frau ist, viel leichter mit Frauen in Kontakt kommt. Wenn Sie als Mann eine Kamera auf dem Arm hätten, würden Sie deswegen noch lange nicht in die Frauengemächer kommen. Frauen gehen auf mich eher zu als auf männliche Kollegen. Sie suchen mich aus, nicht nur ich sie.

Stehen Sie dann auf der Seite der Frauen?

Klar. Ich habe keinen Anspruch, die Welt zu verändern oder den Leuten zu sagen, was sie zu denken haben. Aber einen moralischen Kompass muss man haben.

Missy ist online

Wednesday, March 19th, 2008 von Susanne

Jetzt ist sie da. Die Webseite zu unser aller zukünftiger Lieblings-Mädchen-Pop-Zeitschrift: missy-magazine.de. Dort gibt es jetzt schon zu sehen: die ersten Missy-Fans, das Missy-Team und einige Cover-Entwürfe (z.B. links) für die erste Ausgabe.

Schöne Kleider, schlichte Frauen

Wednesday, March 5th, 2008 von Meredith

Freude, Freude: Daniel Haas analysiert auf Spiegel Online, was die Ausstattung zweier neuer Filme über das aktuelle Frauenbild in Hollywood (und außerhalb) preisgeben.

In seinem Text beschäftigt er sich zum einen mit dem Kostümfilm “Die Schwester der Königin”, mit Natalie Portman und Scarlett Johansson in den Hauptrollen. Zum anderen nimmt der den neuen Katherin Heigl-Film “27 Dresses” unter die Lupe.

In “Die Schwester…” geht es um die beiden Boleyn-Schwestern Anne und Mary. Anne ist die berühmtere von beiden, die sich - opulent eingekleidet - mit Intrige und Kalkül an die Seite von Heinrich VIII wuchtet, während sich die zurückhaltende Mary mit der Rolle der unsichtbaren Mätresse des Königs zufrieden gibt. Anne endet, wie wir wissen auf dem Schaffott. Portmans letztes Kostüm ist ein weißes Leichentuch.

Bei “27 Dresses” spielt Katherine Heigl eine frustrierte Hochzeitsplanerin, die zwar toperfolgreich aber natürlich mannlos tief unglücklich und in den Falschen verliebt ist. Auch sie trägt viele verschiedene Outfits während dem Film und endet letztlich mit Mann am Altar. Ihr letztes Kostüm ist ebenfalls weiß.

Haas zeigt die Parallelen auf und interpretiert die weiße Tracht der weiblichen Hauptrollen als Symbol für deren schlichte Funktion. Während die eine für ihren Ehrgeiz und Machthunger sterben muss, findet die andere erst die Erfüllung an der Seite eines Heinis.

Deprimierendes Fazit, aber prima Analyse. Aber es wird auch klar: Gute, coole Frauenrollen gibt es im Mainstreamkino kaum.

Will kommen, Missy Magazine

Sunday, March 2nd, 2008 von Barbara

„Keine Frau braucht eine Anleitung dafür, wie sie sich scheiße fühlt“

Fünf Fragen an die Journalistin Sonja Eismann, die gerade gemeinsam mit Chris Köver und Steffi Lohaus den Hobnox Evolution Contest gewonnen hat. Gekürt wurde das geplante Mädchenmagazin Missy Magazine.

Sonja Eismann, (c) Ventil Verlag

Gratulation! Was bedeutet das jetzt für die Zukunft eures Heftes?
Danke! Wir sind selbst sehr glücklich über diesen Gewinn und können es noch gar nicht so ganz fassen. Für die Zukunft von „Missy“ bedeutet das zunächst vor allem, dass wir uns über die Initial-Finanzierung keine Sorgen machen müssen – da fällt uns ein riesiger Stein vom Herzen. Für uns war immer klar, dass wir das Heft auf jeden Fall durchziehen. Wir haben es schon gegründet, bevor wir überhaupt vom Hobnox-Wettbewerb erfahren haben. Aber wir haben uns schon dabei gesehen, wie wir Freundinnen, Freunde und (entfernte) Bekannte anbetteln, doch bitte für uns Solikonzerte zu spielen, damit wir die Druckkosten zusammenkratzen …

Missy Magazine soll sich an amerikanischen Frauenmagazinen wie Bust orientieren. Was steht dann also im Inhaltsverzeichnis und was unter keinen Umständen?
Unter keinen Umständen wird es im Inhaltsverzeichnis Themen wie Diäten oder Männerjagd-Tricks geben, die in den klassischen Frauenmagazinen üblich sind. Davon wollen wir uns ganz bewusst absetzen, denn keine Frau mit einem eigenen Kopf braucht eine Anleitung dafür, wie sie sich scheiße fühlt – ganz im Gegenteil. Wir wollen Frauen nicht suggerieren, dass sie defizitär sind und sich erst toller fühlen können, wenn sie sich selbst disziplinieren oder gewisse Produkte kaufen, sondern eben, dass es da draußen viele Frauen gibt, die abseits von Geschlechterklischees coole Musik, Kunst, Filme, Literatur, Mode oder auch Politik etc. machen. Wenn wir „klassische“ Frauenmagazin-Themen wie Mode, Kosmetik oder Sex präsentieren, die uns ja auch interessieren, dann auf jeden Fall mit einem ganz anderen Ansatz: Modestrecken mit Personen mit alternativen Körperbildern statt dünner weißer blonder Magermodels, DIY (Do it yourself; Anm. d. Red.)-Mode und -Kosmetik mit ethischem Background und endlich mal ehrliche Worte zum Thema Sex – oder eben auch kein Sex, haha!

Für wen wollt ihr euer feministisches Heft machen? Und dürfen auch Jungs reinschauen?
Generell wollen wir ein Heft für alle machen – so wie die existierenden Popkulturmagazine einen universalistischen Anspruch haben, obwohl es ja meistens von Jungs für Jungs gemachte Hefte sind, in denen was über Jungs zu lesen ist, wenn man das mal überspitzt formuliert. Wir wollen für alle interessant und offen sein, aber natürlich sind unsere Kerngruppe Frauen von 16–40, die keine Lust mehr auf eingefahrene Geschlechterrollen haben und die sich für, im weitesten Sinne, popkulturelle Themen mit subkulturellem oder „cutting-edge“-Touch interessieren. Männer dürfen sehr gerne reinschauen – von US-Magazinen wie Bust weiß man, dass die eine sehr treue und begeisterte männliche Leserschaft haben – und Männer werden sogar auch im Heft vorkommen, und sogar nicht nur nackt, wie ich gerne zu scherzen beliebe.

Als alte Häsin der Kulturschaffenden gefragt: Warum ist der deutsche Frauenzeitschriften-Markt so desolat? Brauchen wir wirklich so viele Diät-Rezepte, Beauty-Tipps und Braut-Führer? Interessieren sich deutsche Frauen auch für Dinge wie Gitarrenmusik, Fußball oder Politik?
Darüber haben wir uns selbst ja jahrelang den Kopf zerbrochen und keine rechte Antwort gefunden. Mitunter muss man ja an die traurige Geschichte des jetzt-Magazins denken, dem immer so viel Begeisterung entgegen geschlagen ist und das trotzdem in seiner alten Form eingestellt werden musste, weil es einfach nicht mehr finanzierbar war. Der Anzeigenmarkt ist sicher ein ganz großes Problem. Da wir mit Missy aber auf einem zwar professionellen, aber doch von DIY-Strukturen geprägten Level operieren werden, wird uns das hoffentlich nicht so treffen.
Zudem gab es in Deutschland nie so eine sichtbare bzw. organisierte Gruppe von feministisch denkenden, popinteressierten Frauen, die nicht nur, wie so viele, nach diesen Grundsätzen leben und handeln, sondern sich auch dazu bekennen, wie es sie z.B. in den USA gibt, wo ja eben Magazine wie Bust, Venus und Bitch existieren. Da ist sicherlich auch das negative Image von Feminismus schuld, das maßgeblich von den Medien mitgeprägt wurde. Aber ich habe das Gefühl, das bricht langsam um, und wenn man bedenkt, wie viel Enthusiasmus Missy bis jetzt entgegen gebracht wurde, sind wir da wirklich frohen Mutes bezüglich einer veränderten Haltung.

Und nun die Gretchen-Frage: Warum erst jetzt? Warum mussten wir so lange warten, bis endlich auch ein cooles Frauenmagazin am Kiosk auf uns wartet?
Weil vielleicht alle drauf gewartet haben, dass es jemand anders macht… und weil das finanzielle Wagnis ja doch relativ groß ist und der Arbeitsaufwand bzw. die Selbstausbeutung, die damit zwangsläufig verbunden ist, sicherlich immens. Aber bei uns war das Bedürfnis irgendwann so stark, dass wir uns gedacht haben: Wir machen’s einfach! Es gab ja auch schon Versuche wie z.B. Tussi Deluxe vor fast zehn Jahren, und deren Geschichte des Scheiterns war nicht gerade ermutigend. Auch wenn man sieht, wie einigermaßen akzeptable Mädchenmagazine wie Young Miss oder das Jugendmagazin der Elle nach guten Ansätzen immer mainstreamiger bzw. letztendlich eingestellt wurden, ist das nicht gerade ermunternd – auch das kultisch verehrte Sassy Magazine in den USA musste schließlich gecancelt werden. Trotz allem lassen wir uns davon nicht beirren und gehen mit riesiger Euphorie an die Arbeit für die erste Ausgabe, die im Frühherbst dieses Jahres erscheinen soll! Wir danken jetzt schon mal für das Interesse, das bereits geäußert wurde!

Sonja Eismann, geboren 1973, steht seit Jahren hinter dem feministischen Popkultur-Onlinemagazin Plastikmädchen und hat kürzlich den feministischen Reader “Hot Topic” im Ventil Verlag veröffentlicht.