Einträge mit dem Tag ‘Medienthemen’


Love your Body Day!

19. Oktober 2011 von Anna-Sarah
Die Abbildung, Siegermotiv eines Plakatwettbewerbs, zeigt das gelb-violett-pink-kolorierte Foto eines bekleideten weiblichen Oberkörpers. Die abgebildete Person hält einen Bilderrahmen in den Händen, an dessen oberen Rand ein herzförmiger Anhänger gebunden ist, der vor ihrem Körper herabhängt. Die Beschriftung sagt: "You are a masterpiece".

Siegerinnenentwurf des "Love Your Body" Poster Contests von Kyla Hollis

Heute ist Love Your Body Day – Liebe-deinen-Körper-Tag! Hinter dem fröhlich machenden Namen verbirgt sich eine Kampagne der US-amerikanischen National Organization for Women (NOW) Foundation. Seit 1998 ruft NOW einmal jährlich den Love Your Body Day aus, um für die mediale Vermittlung  positiver Körperbilder zu werben und Alternativen zu den unrealistischen und oftmals schädlichen Schönheitsstandards anzubieten, mit denen Mädchen und Frauen fortwährend konfrontiert sind. Laut NOW beeinflussen derartig verzerrte Körperbilder nach wie vor die Gesundheit und das Wohlbefinden von Frauen negativ, was sich auch auf den gesellschaftlichen Status von Frauen auswirkt. So seien Studien zufolge 80% der US-amerikanischen Frauen mit ihrem Äußeren unzufrieden, 10 Mio. Frauen litten an Essstörungen. Was lässt sich nun dagegen tun? NOW gibt praktische Tips (in englischer Sprache).

Liebe deinen Körper – manchmal ist das leichter gesagt als getan. Was macht ihr (nicht nur) heute, um euch mit eurem Äußeren und Inneren wohl zu fühlen? (Bei dieser Frage hab ich jetzt übrigens eher keine Beautytipps im Sinn ;-) )


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Arm aber Feminist_in – die News der Woche

12. Oktober 2011 von der Mädchenmannschaft

Gefährliches Mackerverhalten in der Tierwelt: Aufdringliche Guppymännchen schaden kooperativen Gruppen und machen Weibchen aggressiv, meldet Gehirn und Geist.

Das Magazin Antidote glamourisiert in seiner Modestrecke Armut. Jezebel nutzt das, um Zahlen über die traurige Realität wachsender Bedürftigkeit zu liefern. Nix Glamour.

Auch nah am Existenzminimum bewegt sich JD Samson. Gegenüber der Huffington Post schreibt das “Le Tigre”-Mitglied von den Schwierigkeiten, ihren Job zwar zu lieben, aber kaum davon leben zu können. Von ‘zukünftig davon leben können’ mal ganz zu schweigen.

Nicht nur JD Samson braucht Kohle, auch zwei feministische Projekte brauchen Unterstützung: Noch 15 Tage kann für die geplante Dokumentation über Riot Grrrl-Pionierin Kathlee Hanna gespendet werden. Die ING-DiBa spendet je 1.000 Euro an die beliebtesten 1.000 Vereine. Das Girls Rock Camp freut sich über deine Stimme!

Das ist Welt Online eine Meldung wert: Die transsexuelle Anna Grodzka zieht ins polnische Parlament ein.

Herzensapplaus für das Posting von Himbeerworld und ihrer kleinen Anekdote über die Reaktion auf den Werbespruch eines Fitnessstudios, ob man den Sommer als Wal oder als Meerjungfrau begehen wolle.

Termine:

Es ist wieder Zeit für Rampenfiber, äh rampenfibrig, die kleine Schwester des queerfeministischen Musikfestivals in Wien. Am 15. Oktober gibt es einen Abend lang Musik mit queerfeministischer Raumnahme aka Raum-Körper-Manifest.  Klingt spannend!

Außerdem am 15. Oktober in Wien: Das Frauenfest im FrauenLesbenMädchenZentrum. Los geht es ab 18 Uhr mit  Rundgang durchs Haus, Kabarett, Lesung, Theater und Konzerten. Gestärkt werden kann sich außerdem am veganen Buffet.

Weitere Slutwalks gibt es am 15. Oktober in Bielefeld und Leipzig!

Und wer am 15. weder in Wien noch auf Slutwalk-Mission aber in der Hauptstadt ist, der kommt zum Barcamp Frauen in die Kalkscheune.


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Der lange Arm der Pseudowissenschaft

4. Oktober 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 26 von 29 der Serie Neues vom Quotenmann

Immer wieder werden “den Unterschieden zwischen Mann und Frau“ lange Artikel in den Mainstream-Medien gewidmet. Auf Spiegel-Online gibt es sogar eine spezielle Themenseite, die den mehr oder weniger expliziten Anspruch hat, die wichtigsten Ergebnisse der Wissenschaft zu diesem beliebten Themenkomplex zu popularisieren. Doch sofort kommt der erste Schock durch das total stereotypische „Aufmacher-Bild“: Er und Sie, den aktuellen Schönheitsidealen perfekt entsprechende, weiße, junge, moderne Adam und Eva vor grünem Waldhintergrund, also vermutlich in Rousseaus Naturzustand.

Der erste Eindruck täuscht leider nicht: Bei den meisten Texten der Rubrik – und Spiegel-Online ist nur das bekannteste Beispiel – handelt es sich um leichte Lektüren, die sich bei Kaffee- und Cocktail-Party-Gesprächen schnell reproduzieren lassen und gut unter dem Motto „Die LeserInnen bloß nicht überfordern!“ stehen könnten. Einer der letzten Beiträge auf der Themenseite verspricht zum Beispiel eine Lösung für das Problem, warum Frauen besser über Kummer reden können. Doch schon der Lead-Absatz dämpft die Erwartungen: „US-Psychologen haben jetzt eine Erklärung gefunden. Aber ist die wirklich logisch?”.

Nach einer kritischen Lektüre des Artikels muss nicht nur festgestellt werden, dass die Antwort auf die ursprüngliche Frage völlig ausbleibt, und der Titel sich als billiger Trick entpuppt. Darüber hinaus wird klar, dass selbst die zu popularisierende „Wissenschaft“ oberflächlich und letztendlich nichtssagend ist. Jungs und Mädchen wurden gefragt, warum sie über persönliche Probleme reden, oder warum sie dies eben vermeiden; mehr Jungs als Mädchen geben an, dass sie solche Gespräche „sinnlos“ finden und dass sie sich dabei „weird“ fühlen; die „Wissenschaftler“ nehmen dies ernst und für bare Münze; es finden keine weiteren Tests und kein Interpretieren von Ergebnissen statt.

Ohne Wenn und Aber haben solche Texte – im Spiegel und in zahlreichen anderen Magazinen – einen ziemlich großen Einfluss auf die Mainstream-LeserInnen. Und mehrere Fragen liegen nahe: Wieso merkt niemand, dass hier der Unterschied zwischen dem vermeintlichen Anspruch und dem konkreten Inhalt lächerlich hoch ist? Warum fällt niemandem auf, dass eine solche „Studie“ wenig Ernstzunehmendes, geschweige denn Wissenschaftliches zu bieten hat? Dazu nur eine erste Konklusion: Aufklärung darüber, wie gute, kritische Sozialwissenschaft auszusehen hat, gehört als Priorität auf die feministische Agenda. Denn die Emanzipation von Pseudopsychologie ist ein wichtiger Teil der allgemeinen Emanzipation.


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Feminism lesen und gucken: Die Blogschau

1. Oktober 2011 von Verena
Dieser Text ist Teil 127 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Zwzorza guckt TV und entdeckt einen Beitrag über die libanesische HipHopperin Malikah. Allerdings kommt auch das ZDF nicht an Stereotypen wie jung und sexy vorbei. Ist ja auch total einfallsreich.

Im Comic-Fieber: Ti_Leo rezensiert zwei Comicneulinge. Wonder Woman von Brian Azzarello und Catwoman von Judd Winick. Die eine ist top, die andere flop…

Afrika Wissen Schaft widmet der verstorbenen Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai einen Nachruf. Mehr zu Maathai ist auch bei fembio nachzulesen.

Ein Fremdwörterbuch träumt vom eigenen Modeblog. Aber stattdessen äußert sie sich erstmal in einem Posting über Qualität und Quantität in der Mode, Konsumwahn und was statt dem neuesten Fummel wichtig sein kann.

Der Band “Karriere eines konstruierten Gegensatzes: zehn Jahre ‘Muslime versus Schwule’”, herausgegeben von Koray Yilmaz-Günay, greift die seit dem 11. September 2011 verschärften Debatten in der BRD zum “Islam” auf. In der Rezension im Mädchenblog heißt es dazu:

Der Band […] führt das für die Debatte unentbehrliche Wissen prononciert zusammen. Er vereinigt Beiträge seit 2003, die neu abgedruckt wurden, und eigens für diesen Band verfasste. Es werden historische Traditionen herausgearbeitet, die im Kolonialismus wurzeln. Es kommen konkrete Erfahrungsberichte und quantitative Auswertungen vor. Und es wird vor allem nachgezeichnet, wie verstärkt seit 2001 – aber auch bereits zuvor – rassistische Entwicklungen in lesbischen und schwulen mehrheitsdeutschen Communities um sich griffen, wie CSDs mittlerweile zu „White Prides“ verkommen, bei denen man sich westlich der vermeintlichen eigenen Überlegenheit und der vermeintlichen Unzivilisiertheit „des Anderen“ versichert.

Noch mal Mädchenblog: Pia regt sich über die aktuelle Kindermodenkollektion von Lidl auf. Rehkitze als Motiv für das schüchterne, verletztliche Mädchen und Wolfmotive für den bösen, aggressiven Jungen. Da hol doch mal einer Rotkäppchen…


Und Mädchenblog zum Dritten: Die Werbekampagne eines kanadischen FriseurInnengeschäfts sorgt für Kritik: Zu sehen ist eine aufwendig, perfekt wirkende Frau mit einem blauen Auge, hinter der ein Mann in dominanter Pose steht.

Eine neue Entscheidung gibt es im Ranftle-Fall, in dem es um den Nachlass eines homosexuellen US-Amerikaners an seinen Ehemann geht. Queernews berichtet.

Hanhaiwen fordert zum Gedankensturm für den kommenden Ada-Lovelace-Day am 7. Oktober auf.

Die Lesbomatin ist vom BH-Zwang genervt und fragt augenzwinkernd, ob er gar die europäische Antwort auf die Burka ist.

Willkommen in der Blogsphäre: Kasimpasa International.

Nicht neu, aber trotzdem einen Klick wert: Berlin-Woman, das Online-Magazin für Berliner Stadtkultur mit einem “weiblichen” Blick.

Und einen Termin gibt es auch noch: Das Magazin Feigenblatt präsentiert am 2. Oktober das Warmup für das Porn-Film-Festival, das vom 26. bis 30. Oktober in Berlin stattfindet. Gezeigt wird – unter Anwesenheit der Regisseurin Jennifer Lyon Bell der Film “Skin. Like. Sun.”, sowie mit “Headshot” eine ältere Arbeit der Regisseurin.


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Das Frauen- und Männerbild der GQ

8. September 2011 von Helga

Wenn wir schon über die GQ und ihre Titelbilder reden, lohnt sich ein genauer Blick darauf. Denn tatsächlich hat die Zeitschrift im Unterschied zu anderen Magazinen auch Männer auf dem Cover – Männer und Frauen werden trotzdem noch lange nicht gleichberechtigt behandelt, wie ein Blick in die Heftübersicht der letzten Jahre zeigt.

Zu sehen sind sechs Titelbilder von 2011 der Zeitschrift GQ

Dies sind die Bilder der letzten sechs Ausgaben. Zunächst tatsächlich Daniel Craig, dargestellt im Porträt mit Drei-Tage-Bart und der Überschrift „Härter werden!“ Dagegen ist keine einzige Frau im Porträt zu sehen, höchstens bis zur Hüfte und dann mit einem überbordenden Ausschnitt. Jede einzelne ist dagegen stark sexualisiert abgebildet. Laszive Blicke, provokant geöffnete Beine, High Heels, nackte Haut, sich selbst anfassen soweit das Auge reicht. Die Überschriften: „Das macht uns scharf“ oder „Ich will es!“

Kein Zufall, wie der Blick weiter zurück ins Archiv zeigt. (weiterlesen …)


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Unter der Gürtellinie, aber abseits des Mainstreams

25. August 2011 von Verena
Dieser Text ist Teil 55 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Titelbild des Buches „Sex und Subversion - Pornofilme jenseits des Mainstreams“ mit 2 Szenen aus PornofilmenWie toll ist es eigentlich, sich durch ein Buch über Pornofilme zu lesen, während es nebenan die Nachbarn lautstark bei geöffnetem Fenster treiben? Aber das nur so nebenbei. Oliver Demny, der dieses Buch zusammen mit Martin Richling herausgegeben hat, stellt seinem Vorwort zwei Literaturbeispiele zur Seite: Norman Mailers „Der Mann, der Joga studierte“ und Boris Vians „Liebe ist Blind“. Hier geht es um mehr, hier geht es um „Pornofilme jenseits des Mainstreams“, wie der Untertitel dieser Anthologie verrät. Beim ersten Durchblättern fühlt man sich an die Testcard-Ausgaben des Ventil-Verlags erinnert.

Dieser Eindruck verliert sich aber schnell wieder. „Sex und Subversion“ ist zum großen Teil aus der Perspektive von FilmwissenschaftlerInnen geschrieben, die zwar auch den historischen und soziologischen Seitenblick riskieren, aber trotzdem oft zu nah am Zelluloid bleiben. So kommt der ein oder andere Beitrag nicht über die bloße Zusammenfassung einzelner Pornos und detaillierter Szenebeschreibungen hinaus. Es ist durchaus interessant, über die Verquickung von Mensch und Maschine zu lesen, wenn aber nur die Titel mit kurzen Inhhaltsangaben aneinander gereiht werden, wünscht man sich expliziteres Porno-Nerd-Wissen im Hinterkopf oder eine andere Art von Annäherung an den Gegenstand. Ein Vorteil ist diese Szenenbeschreibung nur dann, wenn es darum geht, die Subversivität der „Indie-Pornos“ zu verdeutlichen – alles andere liest sich einfach nur langweilig. Vor allem dann, wenn das Konkrete von einfältiger Wortwahl begleitet wird.

Sie hat langes gewelltes, schwarzes Haar, schwarz nachgezogene Augenbrauen, große, durch dunkle Wimpern umrahmte Augen und dunkelrot geschminkte sinnliche Lippen. Ihre weiße Bluse ist vorne offen, wird aber unter ihren drallen Brüsten von einem schwarzen Kostüm ähnlich einem Korsett zusammen gehalten, das durch einen Push-Up Effekt deren Fülle weiter betont. […] Ihre langen durchtrainierten, schlanken Beine sind nackt und enden in schwarzen High Heels.

Aber dieses Buch hat auch jede Menge Gutes. Unter drei Schwerpunkten widmen sich die AutorInnnen den Porno-Pionieren genauso wie Kapiteln zu “Porno & Gesellschaft” und der zeitgenössischen Porno-Kunst. Sowohl Josefine Mutzenbacher als auch Bruce la Bruce finden Erwähnung und auch Feminismus und Queerness tummeln sich auf der Spielwiese des Subversiven. So untersucht Julia Frankenberger das feministische Potential von der Verfilmung des ‘Skandalromans’ „Baise-Moi“ und den Schluss des Buchs bildet die Podiumsdiskussion von sechs Porno­regisseurinnen während des Berliner Pornfilmfestivals 2009. Aber auch hier schläfert die Langatmigkeit zwangläufig ein. Wer sich dennoch wach halten kann, wird mit solchen Aussagen wie der von Shine Louise Houston belohnt:

Es gibt traditionell viele Diskussionen darüber, ob man das Wort Porno benutzen sollte, oder nicht. Solange nicht ein neues Wort für diese Sachen gefunden wird, ziehe ich es vor, das Wort Porno zu benutzen. Vor allem, weil es bei Pornos im Grunde genommen um sexuelle Stimulanz geht. Und meine Filme zeichnen sich definitiv durch sexuelle Stimulation aus. Darum benutze ich das Wort Porno – aber auch um die Filmgeschichte nicht zu missachten, denn ich baue auf einem Genre auf, das seit Anbeginn des Kinos existiert. Auch wenn es mit seinem eigenen Stigma besetzt ist: Wir transformieren es von Grund auf, besetzen es erfolgreich neu. Deshalb passt das Wort Porno auch für uns. (weiterlesen …)


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Alles Schlampen!

23. August 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 25 von 29 der Serie Neues vom Quotenmann

Paula hat recht: Die Mainstream-Berichterstattung über die Slutwalks ist ein gutes Beispiel jener Art von Sensationsjournalismus, der von seinen LeserInnen wenig hält. Zuspitzung, Vereinfachung und letztendlich die Verstellung der Realität, über die berichtet wird. Schlimmer noch ist, dass, wenn selbst in einem Bericht über dieses Thema ein kleiner Teil des Gesamtbilds gleich als Gesamtbild dargestellt wird, stehen die Chancen äußerst schlecht, dass Stereotype und Vorurteile je überwunden werden können.

Ich möchte aber argumentieren, dass das nur halb so schlimm ist. Tatsächlich passiert jedes Mal, wenn die Mainstream-Medien über den CSD berichten, ein ähnliches Phänomen: Obwohl die überwiegende Mehrheit der TeilnehmerInnen ganz alltäglich gekleidet sind, laufen im Fernsehen immer wieder die gleichen Bilder von „abgefahrenen Kostümen“ und „halbnackten Körpern“. Und insofern, dass dadurch Stereotype und Allgemeinplätze bestätigt, ja verstärkt werden, läuft das nicht nur gegen die minimalen Regeln eines kritischen Journalismus, sondern vor allem gegen die Hauptziele der Veranstaltung selbst. Das ist natürlich ärgerlich, aber auch witzig, denn das heißt, dass die JournalistInnen eigentlich gar nicht verstanden haben, worum es hier geht.

Doch der Grundgedanke von performativen politischen Statements wie den Slut Walks oder den (ursprünglichen) CSDs lautet: Stereotype aneignen und sie durch Zuspitzung und Übertreibung entkräften. Vereinfachung durch den (medial vermittelten) Blick der Anderen gilt hier als wichtiger strategischer Moment in der Kommunikation, und gleichzeitig als Ausgangspunkt für die performative Dekonstruktion dieses Blicks: „Wir sind doch alle Schlampen, aber wie!“

„Schlampe“, genau wie „queer“ oder „Tunte“, funktioniert hier weniger als sachlicher Begriff, der als mögliche Beschreibung auf die Realität zutrifft oder eben nicht. Vielmehr haben diese Wörter von vornherein eine performative Funktion: Wer sie verwendet, gestaltet die soziale Realität.


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Schlampen und Schützinnen – die Blogschau

21. August 2011 von Anna-Sarah

Letzten Samstag wurde deutschlandweit geslutwalkt (siehe auch unser aktuelles Dossier), was auf ein großes Medienecho stieß.  Auch die heutige Blogschau widmet sich vornehmlich der Nachlese des wohl wichtigsten feministischen Großereignisses, das hierzulande in den letzten Wochen stattfand.

Impressionen vom Slutwalk in Berlin berichten die Ruhrbarone und Kweens.

Einen Demo-Bericht gibt es auch in der taz, wo der Slutwalk als explizit feministische Aktion eingeordnet wird. Neben Hintergründen und Ausblicken werden auch den hier bereits thematisierten negativen Aspekten der grundsätzlich ja durchaus angestrebten Öffentlichkeitswirksamkeit der Slutwalks  Raum gegeben.

Paula ärgert sich über das Auseinanderklaffen von Realität und medial vermitteltem Eindruck der Slutwalks und veranschaulicht diese Diskrepanz, indem sie selbst aufgenommene Fotos vom Slutwalk Berlin  dem jeweils ersten Satz aus Online-Artikeln gängiger Massenmedien entgegensetzt. Gute Idee!

Zum nochmal selber nachgucken: Viele schöne, lustige oder auch ärgerliche Bilder und Eindrücke vom Slutwalk Berlin bieten – neben den diversen Slutwalk-Seiten im Netz und auf Facebook – der entsprechende youtube-Channel sowie der  Fotopool auf flickr, der mit selbst geschossenen Fotos befüllt werden kann. Slutwalk-Bilder gibt es auch von Barbara Muerdter und dem Kotzenden Einhorn.

Spreemieze schenkt uns einen persönlichen Blick auf die Slutwalkbewegung vor dem Hintergrund eigener Gewalterfahrungen und erinnert an machtvolle Vergewaltigungsmythen.

Noch  Schwung vom Slutwalk und Power, weiterzumachen?  Das Mädchenblog stellt noch einmal die Hollaback!-Bewegung vor, die inzwischen auch in Berlin und Dortmund vertreten ist und sich zum Ziel gesetzt hat, weltweit vernetzt “Erfahrungen mit sexualisierten Übergriffen öffentlich zu machen, zurück zu pöbeln (das bedeutet Hollaback! übersetzt) und den alltäglichen Sexismus zur Sprache zu bringen”. Außerdem wird erläutert, wie mitgemacht werden kann.

Ein “weiblicher Ninja” in der Tasche, der bei Pöbeleien gegen lesbische Mädchen eingreift: Eirika (18) aus Reykjavik hat diese Idee in ihrem Kurzfilm ‘Doppelaxt’, einem von drei Kurzfilmen, die bei einem Workshop des Dortmunder Medienprojekts queerblick e.V. während eines Sommercamps vom Jugendnetzwerk Lambda entstanden sind, umgesetzt. Insgesamt “20 schwule, lesbische und transidente Jugendliche aus Island, Frankreich, Israel, Finnland und Deutschland” haben laut queerblick e.V. ihre eigenen Kurzfilme produziert. Zu sehen sind die Filme im einer Spezialausgabe des Magazins ‘queerblick’, die von den Workshopteilnehmer_innen selbst moderiert wurde.

Nadine hat hier bereits über Störerabwehr per Wasserbomben berichtet, wie sie die Frankfurter Slutwalker_innen vorgemacht haben. Ein Zurückschießen ganz anderer Art:  Der Schützenverein Schwitten im Sauerland hat im dritten Anlauf eine Satzungsänderung beschlossen, nach der nun auch Frauen in den Verein aufgenommen werden dürfen. Angeblich folgt er damit einem Trend.

Last not least ein Terminhinweis für alle (Wahl-)Berliner_innen und/oder Reisefreudigen: Ab 25. August soll in Berlin an jedem letzten letzten Donnerstag im Monat um 19 Uhr im Sonntagsclub ein Stammtisch für alle Bisexuellen stattfinden. Laut Eigeninfo will der Bi-Stammtisch Berlin allen Bisexuellen, Unentschlossenen und Neugierigen die Möglichkeit geben, in fröhlicher Runde  zwanglos miteinander ins Gespräch zu kommen.


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Bevor es gleich auf die Straße geht: Die Blogschau

13. August 2011 von Verena
Dieser Text ist Teil 121 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Endlich ist es also soweit: In zahlreichen deutschen Städten finden heute erstmalig Slutwalks statt. Zum Aufwärmen schnell noch ein Blick in die Blogs und dann nichts wie raus auf die Straße!

Klirrr entdeckt in einem Pariser Wissenschaftsmuseum die erste Frau im All: Walentina Wladimirowna Tereschkowa. Die Russin tummelte sich nur zwei Jahre nach Weltraum-Pionier Yuri Gagarin im All und schaffte einige Erdumrundungen mehr als der Kollege.

Fuckmothers stellen Jeremy Adam Smith vor: Der Autor bezeichnet sich als profeministischen Vater und hat einige Fragen unter diesem Label zusammengestellt. Unter anderem geht es um die schwindende Freiheit von Frauen, sobald sie Mütter werden und die Schwierigkeit, linke Ideale im Alltag zu leben.

Über den Slut Walk wird sich auch beim Mädchenblog noch Gedanken gemacht: rather_ripped erklärt, warum sie als (Queer-)Feministin nun doch an den Aktionen teilnimmt.

Die SlutWalk-Bewegung ist noch sehr jung und es ist an uns allen gelegen, sie mit Inhalten zu füllen. Das große mediale Interesse an diesem Protest (bzw. seiner Form) schafft uns die Möglichkeit, wichtige Inhalte in die Mitte der Gesellschaft(en) zu tragen und Menschen zum Nachdenken zu bewegen, die sich bisher noch nie mit diesen Themen befasst haben. Der Kampf ist altbekannt, nur die Dimension ist neu.

Am Beispiel von Astrid Lindgren und Mark Twain setzt sich Anatol Stefanowitsch bei scilogs mit der Nachbearbeitung sprachlich oder inhaltlich diskriminierender Texte auseinander und nennt verschiedene Varianten der Überarbeitung.

Antje Schrupp liest ein Buch über die Erinnerungen an die Frauenbewegung der 70er Jahre und konstatiert, “was unterwegs verlorgen gegangen ist”. Es geht unter anderem um den §218, die Organisation von Erwerbs- und Hausarbeit und ‘gleichen Lohn für gleiche Arbeit’. Mehr als die Dinge, die Schrupp unter ‘verlorgen gegangen’ aufzählt, stimmen mich die Forderungen nachdenklich, die sich von den heutigen kaum unterscheiden: Mehr Kinderbetreuung zum Beispiel.

Changinglifestyle stößt das aktuelle Werbeplakat einer Turnschuhmarke übel auf. Kein Wunder, ist dort doch mehr Arsch und Bein vom Model zu sehen als der Tunrschuh. Werbung halt.

L-Talk berichtet über den israelischen Club “Bar Noar”, der das einzige Jugendzentrum in Tel Aviv für homo- und bissexuelle, trans und queer Jugendliche ist. Nach einem Attentat vor zwei Jahren, bei dem zwei Menschen starben, steht das Zentrum nun vor dem finanziellen Aus.

 


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Generisches Femininum

11. August 2011 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 48 von 54 der Serie In Bildern: Das denkt die Welt

Luise F. Pusch, Klassikerin der deutschsprachigen feministischen Linguistik, hat bereits vor gut 20 Jahren erläutert, warum das euphemistisch so genannte „generische Maskulinum“ alles andere als generisch ist. Die Bremerhavener Nordseezeitung  scheint es sich zu Herzen genommen zu haben:
Das Zeitungsfoto zeigt acht in einer Reihe aufgestellte Mitglieder der Trampolin-Turnerinnen des Sportvereins Lehe (Bremerhaven), welche laut Zeitungsnachricht Bezirksmeisterinnen wurden. Die Namen der abgebildeten Kinder werden genannt.

Zumindest nach landläufig-konventioneller Lesart befinden sich im Trampolinteam auch mindestens zwei Jungs. Trotz der Möglichkeit, dass auch Matt und Fabio Mädchen sind oder sich als solche identifiziert wissen möchten (und trotz des grammatischen Schnitzers in der Headline: “Turnerinnen sind Meister”), also mal ein herzerfrischendes Gegenbeispiel zum nach wie vor herrschenden sprachlichen Trend…


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